Box-Blog

Posts Tagged ‘Eva Dzepina

Eine Frau in einer Männerwelt: Die Boxmanagerin Eva Dzepina

leave a comment »

Profiboxen ist eine Männerwelt, auch wenn es ein paar Frauen gibt, die in den Ring klettern und dort kämpfen. Die Trainer sind Männer. Die Veranstalter sind in der Regel auch Männer. Die Manager von den Boxern sind Männer. Fast allen Frauen, die man in Deutschland wahrgenommen hat sind Verwandte bzw. Ehefrauen von männlichen Profiboxern. Die bekanntesten dürften Christine Rocchigiani, die (Ex-)Frau von Graciano Rocchigiani und Daniela Haak, die (Ex-)Ehefrau von Markus Beyer gewesen sein.
Die Rechtsanwältin Eva Dzepina wird mehr und mehr zu einer festen Größe in der deutschen Profiboxszene. Einige ihre Mandanten sind oder waren Profiboxer und diese hat sie in verschieden Rechtstreits vertreten. Mittlerweile ist die Managerin von Özlem Sahin, der Ex-Weltmeisterin im Minimumgewicht.

Frage: Sie sind Rechtsanwältin, unter anderem für Marken-, Kunst- und Wettbewerbsrecht und Partnerin einer mittelständischen Wirtschaftskanzlei. Was haben Sie im Profiboxen zu suchen?

Antwort: Zufall. Als aktive und begeisterte Boxsportlerin habe ich auch viele Profis kennen gelernt und mit ihnen trainieren dürfen. Mit Özlem Sahin bin ich privat gut befreundet und eigentlich Ende letzten Jahres nur so in das Management reingerutscht, weil jemand gebraucht wurde, der Ordnung in die Kampf-Organisation brachte und mal auf den Tisch haut. Seitdem hänge ich drin, und das sehr gerne.

Frage: Wie sehen Sie als Rechtsanwältin die Realitäten des Profiboxens? Sie sind bestimmt eher geordnete Strukturen gewohnt.

Antwort: Es hat einige Zeit gebraucht, hinter das System und die Rolle der verschiedenen Verbände und insbesondere des Boxrec-Rankings zu steigen. Letzteres erscheint mir immer noch gelinde gesagt schleierhaft und häufig willkürlich. Mit klassischer anwaltlicher Arbeit hat das Profiboxen weniger zu tun. Das ist dagegen wilder Westen. Aber es hilft, ein charmantes Auftreten und Flexibilität zu haben. Es hat nach meiner bisherigen Erfahrung auch wenig Sinn, auf vermeintliche Rechte zu pochen. Das funktioniert nicht, wie man bereits häufig gesehen hat. Vielmehr geht es um individuelle Absprachen und praktische Lösungen.

Frage: Sehen Sie als Frau Ihre Rolle im Boxmanagement als schwieriger an? Das Frauenboxen ist ja nicht so populär wie das Männerboxen.

Antwort: Ich habe bisher nur gute Erfahrungen im Umgang mit den Verbänden und anderen Managern gemacht. Ich nehme den Boxsport sehr ernst und ich denke, dass merkt man. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass wenig verbindlich ist und alles regelmäßig und mehrfach absichern. Es ist unerlässlich, Sponsoren zu haben. Vielleicht ist es auch ein Vorteil, dass ich als Frau keinen Hahnenkampf durchführen muss wie oft bei Männern der Fall. Dann geht alles entspannter zu. Mein Beruf als Rechtsanwältin hilft aber definitiv. Ich gehe strukturiert an die Sachen heran und wundere mich eigentlich sowieso schon über nichts mehr (lacht).

Frage: Werden Sie noch tiefer in das Boxmanagement einsteigen?

Antwort: Das kann durchaus passieren. Ich werde demnächst auch einen jungen Boxer, der nach einer beachtlichen Amateurkarriere ins Profigeschäft wechseln möchte, mit Managementaufgaben unterstützen. Und mit Özlem haben wir dieses Jahr noch Einiges vor, wir wollen um WM-Gürtel weiterer Verbände kämpfen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir hier eine gute Medienpräsenz erhalten.

Frage: Was haben Sie bisher vom Profiboxgeschäft gelernt?

Antwort: Habe immer einen Plan B, C und D. Und: Keine Schnellschüsse. Manchmal hilft einfach nur entspanntes Abwarten.
© Uwe Betker

Gastbeitrag von Eva Dzepina: Über die Androhung einer Schadensersatzforderung von Z!-Promotion

with 4 comments

Hagen Döring schickte dem BDB einen Brief, in dem er die Aufhebung der Sperre gegen Erkan Teper forderte. Im selben Brief drohte er mit einer Schadensersatzforderung von 1.000.000 Euro, sollte der BDB dieser Forderung nicht nachkommen. Da mich [Uwe Betker] die geforderte Summe von einer Million Euro so erschreckt hat, habe ich auf Facebook mit folgendem Text um Hilfe gebeten.

„Gibt es hier mitlesende und boxinteressierte Rechtsanwälte? Mir kommt es sehr seltsam vor, dass Z!-Promotion einfach mal eben von dem BDB 1.000.000 Euro Schadensersatz verlangen kann. Zumal der Brief ja nicht von einer Anwaltskanzlei sondern von Hagen Döring kam. Hat nicht ein Rechtsanwalt Lust und Zeit den Boxfans (auf meinem Blog als Gastbeitrag) kurz und allgemeinverständlich zu erklären, ob eine Schadensersatzforderung so gestellt werden kann?“

Eva Dzepina, eine renommierte Rechtsanwältin aus Düsseldorf antwortete hierauf. Dzepina ist Rechtsanwältin für Marken- und Urheberrecht und kam als passionierte Freizeitboxerin in Kontakt mit dem Profiboxen. Mittlerweile vertritt sie mehrere Profiboxerinnen und Profiboxer juristisch. Ihre Antwort:

„Derjenige, der Schadensersatz fordert hat den Schaden auch nachzuweisen. Dabei reicht es nicht aus, „gefühlten“ Schaden oder die „eventuell entgangene Chance“ auf eine Einnahme zu behaupten. Es müsste nachgewiesen werden, dass einem genau der behauptete Schaden – und das ist wichtig – AUFGRUND des konkreten rechtswidrigen Verhaltens des Gegners entstanden ist. Das ist meistens nur schwer möglich. Nur weil man „vielleicht“ bessere Werbeverträge oder Preisgelder oder ähnliches hätte erhalten können bekommt man keinen Schadensersatz. Es muss ein Zusammenhang – sog. Kausalität – zwischen dem schädigenden Ereignis und dem entgangenen finanziellen Gewinn/Schaden bestehen. Da müsste man z.B. beweisen, dass einem ein bestimmter Werbevertrag etwa nicht angeboten wurde gerade aufgrund des schädigenden Verhaltens.
Wo es schon mal gar keinen Schadensersatz geben kann ist, wenn der Anspruchsgegner sich im Grunde korrekt verhalten hat. Das würde ein Gericht natürlich zuerst prüfen.
Die Forderung exorbitant hoher und unrealistischer Schadensersatzsummen ohne Rechtsgrund wird generell häufig als Drohgebärde eingesetzt oder aus dem Verkennen der tatsächlichen Rechtslage als „gefühlter Schaden“. Meist ist in solchen Fällen zu raten, einem Rechtsstreit gelassen entgegen zu sehen.
Wie die Sachlage im geschilderten Fall liegt kann ich nicht beurteilen.
Interessant ist vielleicht noch, dass man bei offenbar unberechtigt gestellten Ansprüchen eine so genannte negative Feststellungsklage erheben kann. Wird aber sehr selten gemacht. Dabei klagt man vor Gericht gegen den, der Schadensersatz gefordert hat. Man stellt dann den Antrag, das Gericht möge feststellen, dass der behauptete Schadensersatzanspruch nicht besteht. Wenn das Gericht das so feststellt muss derjenige, der den Schadenersatzanspruch behauptet hat, alle Kosten des Rechtsstreits zahlen. Das sind in erster Instanz bei 1.000.000,00 € über 44.000,00 €. Mindestens.“

U.B.: Danke für die Ausführungen.

© Eva Dzepina/Uwe Betker