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Uwe Hück fordert Wladimir Klitschko heraus

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Uwe Hück, den Konzern-Betriebsratsvorsitzenden und stellv. Aufsichtsratsvorsitzenden der Porsche AG, nur einmal getroffen hat, der glaubt durchaus, was da in der Überschrift steht und hält es keineswegs für ausgeschlossen, dass er sich traut, gegen Klitschko zu kämpfen. Aber gemeint ist etwas anderes; die Herausforderung ist von einer anderen Art.
Bis vor wenigen Tagen schien unbestritten, dass die Veranstaltung von K2 Promotions am 24. Oktober 2015 das Boxevent des Jahres in Deutschland werden würde. Der 39-jährige Wladimir Klitschko (67 Kämpfe, 64 Siege, 3 Niederlagen, 3 durch KO) wird dann gegen Tyson Fury (24 Kämpfe, 24 Siege, 18 durch KO) antreten, um seine WM-Titel der IBF und WBO im Schwergewicht und den Super Champion Titel der WBA zu verteidigen. Fury ist ein Showman und der zurzeit beste Herausforderer. Er ist vermutlich sogar der beste der letzten Jahre. Es spricht also alles für einen wirklich guten Schwergewichtskampf. Es könnte sogar der beste der letzten Jahre werden.
Dem hat Uwe Hück sportlich nichts oder fast nichts entgegenzusetzen. Hück ist 53 Jahre alt und nur ein „Hobbykampfsportler“. Er war vor ewigen Zeiten wohl mal zweifacher Europameister im Thaiboxen. Am 16. November 2013 machte er einen Charity-Boxkampf gegen den ehemaligen Profiboxer Luan Krasniqi. Nun, zwei Jahre später, will er am 07. November erneut in den Ring steigen und wieder in der MHP-Arena in Ludwigsburg. Der neue Gegner ist ein hierzulande alter bekannter: Frans, oder Francois Johannes Botha. Der inzwischen auch schon 46-jährige Botha (63 Kämpfe, 48 Siege, 29 durch KO, 11 Niederlagen, 9 durch KO, 3 Unentschieden) wurde gegen Axel Schulz am 09.12.1995 in Stuttgart durch einen Punktsieg Weltmeister der IBF. Ihm wurde der Titel jedoch kurze Zeit später wieder aberkannt, nachdem er positiv auf Steroide getestet worden war. Er verlor dann noch WM Kämpfe gegen Michael Moorer, am 09.11.1996 durch TKO 12, Lennox Lewis, am 15.07.2000 durch TKO 2, und Wladimir Klitschko, am 16.03.2002. In Nichttitelkämpfen unterlag er Mike Tyson, am 16.01.1999 durch KO 5, Evander Holyfield, am 10.04.2010, Michael Grant, am 19.11.1011, und Francesco Pianeta, am 07.09.2012. Seine letzten sechs Kämpfe hat er alle verloren und bis zum Kampf am 07. November hat er eine eineinhalbjährige Ringabstinenz hinter sich. Aber immerhin, er ist auch ein Showman.
Nun also zur Herausforderung von Hück: Er und sein Veranstalter, die Ferbermarketing GmbH, wollen sich anschicken, das Boxevent des Jahres auf die Beine zu stellen. Natürlich liegen, sportlich gesehen, Galaxien zwischen den beiden Hauptkämpfen. Auch der Show Act von K2 Promotions dürfte kaum zu toppen sein. Immerhin gibt sich der Commander of the Order of the British Empire, Rod Steward, die Ehre. Und wer nun bei der Charity Gala der Lern-Stiftung Hück auftreten soll, ist noch nicht bekannt. Außer Acht lassen wollen wir hier mal, dass der Gewinn der Klitschko Veranstaltung in die Taschen von Wladimir Klitschko, Vitali Klitschko und Bernd Bönte wandert und der von Hück benachteiligten Kindern zu Gute kommen soll.
Wenn wir also mal absehen von der Wohltätigkeit, wodurch könnte denn die Veranstaltung in Ludwigsburg die in Düsseldorf übertreffen? Die Antwort lautet: Schlicht durch drei Faktoren: Spaß, Sport und Prominente. Veranstalter behaupten gerne, Boxen im Stadion sei etwas Besonderes. Das ist schon richtig. Boxen im Stadion ist in der Regel ein Großevent – aber eines ohne Atmosphäre. Der Ring steht zu weit weg. Der Spaßfaktor in einem Stadion geht, jedenfalls meiner Meinung nach, gegen Null. Hier schlägt Hück Klitschko, um im Bild zu bleiben, KO.
Was nun den Sport bzw. dessen Qualität angeht, so sind Events im Stadion halt auch so eine Sache. Alle warten nur auf den Hauptkampf. Das Vorprogramm ist meist schlecht bis grottenschlecht. Nur sehr selten steht es in einer angemessenen Relation zum Hauptkampf. K2 Promotions Interesse am Vorprogramm reduziert sich vermutlich auf dessen Existenz und wahrscheinlich noch darauf, dass es möglichst wenig kosten soll. Ganz anders bei Hück. Hier treten im Vorprogramm Luan Krasniqi (35 Kämpfe, 30 Siege, 14 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden), Firat Arslan (45 Kämpfe, 35 Siege, 21 durch KO, 8 Niederlagen, 3 durch KO, 2 Unentschieden) und Özlem Sahin (20 Kämpfe, 19 Siege, 6 durch KO, 1 Unentschieden) auf. Krasniqi, der Ex-Europameister im Schwergewicht, boxt gegen Danny Williams (74 Kämpfe, 48 Siege, 36 durch KO, 25 Niederlagen, 12 durch KO). Ob das jetzt ein „realer“ Kampf wird oder nur ein Showkampf zugunsten seiner eigenen Charity Projekte (SOS Kinderdörfer im Kosovo), habe ich noch nicht erfahren. Auch Firat Arslan, der Ex-Weltmeister der WBA im Cruisergewicht, wird in den Ring steigen. Den sportlichen Hauptkampf stellt aber die Doppelweltmeisterschaft im Minimumgewicht der Women`s International Boxing Federation und Global Boxing Union dar. Die ungeschlagene Sahin verteidigt ihre Titel gegen Gretchen Abaniel (23 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO). Mit diesem Vorprogramm erreicht Hück, um im Bild zu bleiben, schon mal ein Unentschieden gegen Klitschko.
Dritter Faktor – Prominenz. An beiden Ringen werden viele Prominente sitzen. RTL wird viel RTL Prominenz auffahren. Hinzu kommen prominente Fans von Klitschko und natürlich der Show Act Rod Steward. Welcher Show Act bei Hück zu sehen sein wird, ist, wie gesagt, noch nicht bekannt. Man kann aber noch nicht davon ausgehen, dass der nicht auch besser sein könnte als Steward. Nun zur Prominenz am Ring, da darf man nicht unterschätzen, wer so alles kommt, wenn Uwe Hück ruft. Beim letzten „Blaue Flecke für soziale Zwecke“ kam unter anderen Udo Lindenberg. Viele Prominente, die bei Hück am Ring sitzen, sind allerdings anders prominent als die Sportler und Showgrößen bei Klitschko. Bei Hück sitzen Größen aus der Wirtschaft am Ring, z.B. von Porsche, Mercedes und Bosch. Die Boschler dürften wohl hauptsächlich wegen Özlem Sahin kommen, die selber Boschlerin ist. Extra für sie kam auch die Werksleitung von Bosch aus Waiblingen zur ersten Pressekonferenz in Ludwigsburg. Man kann außerdem davon ausgehen, dass sich schon auch ein paar Politiker einfinden werden. Auch hier dürfte Sahin ihren Beitrag leisten. Sie kommt schließlich aus der Region kommt und hat Werbung gemacht für die Einbürgerungskampagne des Landes Baden-Württemberg. Mit der Prominenz am Ring rechne ich für Hück mit einem klaren Punktsieg. Hück schlägt Klitschko, um im Bild zu bleiben, auch hier knapp nach Punkten.
Mit seiner Veranstaltung „Blaue Flecke für soziale Zwecke 2“ wird Uwe Hück wohl schlicht die Boxveranstaltung des Jahres 2015 auf die Beine stellen. Damit ist dann auch geklärt, wo ich mich am 07. November aufhalten werde, nämlich in Ludwigsburg.
© Uwe Betker

Eine gute Veranstaltung in der Boxsporthalle Braamkamp in Hamburg

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Am 30. Mai 2015 gab es gleich zwei Premieren. In der ehrwürdigen Boxsporthalle Braamkamp in Hamburg fand die erste Profiboxveranstaltung von Holger Petersen statt, bei der es 9 Profiboxkämpfe zu sehen gab. Dann gab noch der ehemalige Schwergewichtler Konstantin Airich sein Debüt als Delegierter des BDB, um genau zu sein, als Zeitnehmer.
Den ersten Kampf des Abends bestritt im Schwergewicht Alexander Dimitrenko (37 Kämpfe, 35 Siege, 22 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO), der Ex-Europameister und Ex-WBO Intercontinental Meister, der seit März 2013 nicht mehr geboxt hatte. Er trat gegen Patryk Kowoll (19 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 14 Niederlagen, 5 durch KO) an. Dimitrenko beherrschte seinen Gegner nach Belieben. Es war nur eine Frage der Zeit, wie lange der Kampf denn dauern würde. Mitte der ersten Runde ging Kowoll, in der neutralen Ecke nach einer nicht sehr hart aussehenden Kombination zum Körper das erste Mal zu Boden. Kurze Zeit später wurde er von einer Rechten an der Schläfe getroffen und ging, in derselben Ecke, wieder runter. Als er dann nach einem rechten Körperhaken wieder zu Boden ging, brach der Ringrichter den Kampf ab. Sieger durch TKO in Runde 1 nach 2:20 Minuten: Alexander Dimitrenko. Vermutlich bestritt Dimitrenko diesen Kampf nur, weil er seit einem Jahr nicht mehr geboxt hatte und deshalb auch nicht mehr in der Rangliste von boxrec gelistet war. Nun ist er wieder gerankt.
Eine ähnliche Intention verfolgte Özlem Sahin (20 Kämpfe, 19 Siege, 6 durch KO, 1 Unentschieden), die amtierende Weltmeisterin der WIBF und GBU im Minimumgewicht. Sie hatte seit Juni 2014 nicht mehr geboxt. Sie boxte, um in der Rangliste zu bleiben. Wie vor dem Kampf zu erfahren war, ging sie ein sehr viel größeres Risiko ein als Dimitrenko, weil sie zum einen mit einer Verletzung der linken Schulter in den Kampf ging und zum anderen, weil ihre Gegnerin, Claudia Ferenczi (58 Kämpfe, 10 Siege, 4 durch KO, 43 Niederlagen, 2 durch KO, 5 Unentschieden), zwar eine kurzfristige Ersatzgegnerin einer Ersatzgegnerin war, gleichzeitig aber zäh und unangenehm zu boxen ist.
Sahin begann verhalten. Sie punktete in der ersten Runde mit ihrer linken Graden und ihrem rechten Cross. Im zweiten Durchgang ging sie vermehrt zum Körper. Am Ende der Runde gab es eine schöne Aktion, wo sie erst links und rechts zum Körper durchkam und dann noch einen Aufwärtshaken setzte, der den Kopf von Ferenczi zurückschnellen ließ. Ab der dritten Runde wurde der Kampf immer härter, was wohl einer Verschlimmerung der Schulterverletzung von Sahin geschuldet war. Ferenczi ließ irgendwann die Deckung fallen, um zu beweisen, dass sie Volltreffer zum Kopf nehmen kann, ohne einzuknicken. Gleichwohl lag gegen Ende der sechsten und letzten Runde ein KO in der Luft. Ferenczi erreichte jedoch den Schlussgong. Punktsiegerin nach 6 Runden: Özlem Sahin.
Der zweite Frauenboxkampf, der nun folgte, war kürzer. Maria Lindberg (15 Kämpfe, 12 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 2 Unentschieden) traf im Super Weltergewicht auf die ungeschlagene Elene Sikmashvili (8 Kämpfe, 7 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO). Beide gingen von Anfang an ein hohes Tempo, und es gab viele Schlagabtäusche. Mitte der ersten Runde nahm Sikmashvili eine Rechte zum Körper, die sie einknicken ließ. Am Ende der Runde kam Lindberg dann mit einer schönen Rechten zum Kiefer durch, die Sikmashvili sichtlich erschütterte. Nur mit Mühe und Not erreichte sie, schwer nach Luft schnappend, die Pause. Im zweiten Durchgang suchte Lindberg den KO. Sie setzte ihre Gegnerin unter Druck und zwang ihr immer wieder den Schlagabtausch auf. Irgendwann traf sie mit einem rechten Haken das Ohr von Sikmashvili. Diese ging runter auf die Knie. Sie kam zwar wieder hoch, torkelte aber noch und wurde ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 2 nach 1:20 Minmuten: Maria Lindberg.
Die dann folgenden zwei Kämpfe boten faustdicke Überraschungen. Loris Emiliani (12 Kämpfe, 10 Siege, 7 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) und Moris Markowitsch (4 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) traten im Halbschwergewicht gegeneinander an. Markowitsch, der bereits im Dezember 2014 gegen Phillipp Kolodziej für eine Überraschung gesorgt hatte, entwickelt sich zu einem Favoritenschreck.
Emiliani suchte über einen lockeren Jab in den Kampf zu kommen. Markowitsch ließ sich davon aber nicht weiter beirren. Bereits in der ersten Runde stellte er ihn mehrfach an den Seilen. Von Minute zu Minute wurde er stärker. In der dritten Runde hatte er seinen Gegner nahe am KO. Ein linker Körperhaken, gefolgt von einem rechten Cross ließ Emiliani wackeln. In der vierten Runde verlor er seinen Mundschutz. Sein Trainer, Khoren Gevor, nutzte die Auszeit, um seinen Schützling zu fragen, ob er den Kampf abbrechen solle. Nachdem Emiliani dreimal nicht antwortet hatte, warf Gevor das Handtuch, das er schon in der Hand gehalten hatte. Sieger durch TKO in Runde 4, nach 1:03: Moris Markowitsch.
Auch der nächste Kampf, im Superleichtgewicht, ging nicht für den Heimboxer aus. Tunahan Keser (7 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden) und Dinars Skripkins (4 Kämpfe, 2 Sieg, 2 Niederlage, 2 durch KO) trafen aufeinander. Keser zeigte schnelle Beine, lässige Posen und praktisch keine Deckung. Er versuchte, seinen Gegner auszutanzen, was ihm aber nur sehr bedingt gelang. Skripkins nutzte seinen Reichweitenvorteil. Er hielt sich seinen Kontrahenten mit der Führhand vom Hals und kam mit zunehmender Kampfdauer immer häufiger mit seiner rechten Graden oder einem rechten Cross zum Kopf durch. Khoren Gevor versuchte, seinen Schützling Keser nach vorne zu treiben. Aber der Kampf ging komplett an Keser vorbei. Im Laufe der dritten Runde zog er sich noch einen Cut unter dem linken Auge zu, der aber keinen Einfluss auf den Ausgang des Kampfes hatte. Am Ende des Vierrunders stand ein klarer Punktsieg für Dinars Skripkins.
Eine kleine Anmerkung am Rande: Alle Urteile waren korrekt. Die Punkt- und Ringrichter des BDB zeigten alle eine gute und souveräne Leistung.
Steven Vincent (4 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO) und Reinis Porozovs (6 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) maßen im Schwergewicht ihre Kräfte. Vincent wirkte, als ob er mit angezogener Handbremse boxte. Dadurch machte er sich das Leben unnötig schwer. Es gab nur wenige Aktionen und am Ende der vier Runden stand ein knapper Punktsieg für Steven Vincent.
Der siebente Kampf war der kürzeste Kampf des Abends. Rafael Bejaran (19 Kämpfe, 17 Siege, 9 durch KO, 2 Niederlagen) und Eduards Gerasimovs (11 Kämpfe, 6 Siege, 6 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden) traten im Supermittelgewicht gegeneinander an. Bejaran ging sehr schnell ans Werk. Schon bald hatte er seinen Gegner an den Seilen gestellt und kam mit einem rechten Cross zum Kinn durch, der Gerasimovs ins Torkeln brachte. Der landete schließlich in seiner eigenen Ecke, wo er dann nach einem rechten Körperhaken zu Boden ging und angezählt wurde. Er stellte sich zwar noch einmal zum Kampf, wurde aber in Bejarans Ecke erneut gestellt. Eine schöne Linke zum Kopf fällte ihn endgültig. Sieger durch KO in Runde 1 nach 1:25 Minuten: Rafael Bejaran.
Der folgende Kampf im Cruisergewicht war nur unwesentlich länger. Giorgi Tevdorashvili (37 Kämpfe, 20 Sieg, 12 durch KO, 14 Niederlagen, 6 durch KO, 3 Unentschieden) hatte erhebliche Probleme mit der Rechtsauslage von Agron Smakici (8 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO). Zweimal wurde er mit der Linken abgekontert, indem er in den Schlag hineinlief und den Schlag mit der Stirn nahm. Beide Male ging er zu Boden. Beim zweiten Mal wurde er ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 1 nach 1: 44 Minuten: Agron Smakici.
Den Hauptkampf des Abend bildete der Auftritt von Abel Gevor (10 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO). Er boxte im Halbschwergewicht gegen Kiril Psonko (52 Kämpfe, 15 Siege, 10 durch KO, 35 Niederlagen, 11 durch KO, 2 Unentschieden). Es gibt eine Art Mantra bei seinen Kämpfen: „Abel Gevor ist ein toller Techniker, aber er hat keinen Punch.“ Gevor boxte präzise und schnell. Er punktete schön mit seiner rechten Führhand. Aber seine linke Schlaghand erzielte keine Wirkung. Psonko, selbst ein guter Techniker, merkte schnell, dass er gegen die überlegene Technik von Gevor keine Chance hatte und beschränkte sich auf Schadensbegrenzung Am Ende der 6 Runden stand ein eindeutiger Punktsieg für Abel Gevor.
Mein Fazit: Die erste Veranstaltung von Holger Petersen war gelungen. Sie war wirklich unterhaltsam, es gab gute Kämpfe zu sehen, es gab mehrere Überraschungen und – keine Heimurteile. Zwei weitere Veranstaltungen sind bereits in Planung. Man kann nur hoffen, dass Petersen weitermacht.
(C) Uwe Betker

Blaue Flecke für soziale Zwecke

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Wenn an 16. November in Ludwigsburg die Fäuste fliegen, tun sie das für gute Zwecke. Der Gewinn und die Spenden dieses Abends gehen je zur Hälfte an die Lern-Stiftung Hück in Pforzheim und an die Weltorganisation der SOS-Kinderdörfer. Hauptkampf des Abends ist das Aufeinandertreffen von Uwe Hück und Luan Krasniqi im Schwergewicht. Der Ex- Europameister Krasniqi macht kein Comeback, sondern er stellt sich in einem Boxkampf Uwe Hück, dem Konzern-Betriebsratsvorsitzenden und stellv. Aufsichtsratsvorsitzenden der Porsche AG, der auch zweifacher Europameister im Thaiboxen ist. Hück engagiert sich für die von ihm gegründete Lern-Stiftung Hück, die sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen helfen soll. Für Kinder steigt er und Krasniqi in den Ring.
Es wäre ungerecht, über den sportlichen Wert des Charity-Boxens die Nase zu rümpfen. Zumal das Vorprogramm einige absolute Leckerbissen für Boxfans bereithält. Die ersten vier Kämpfe stehen unter dem Motto: Die Jungen Wilden – Nachwuchs-Profiboxer – die Stars von übermorgen. Hier sind der 21jährige Cruisergewichtler Tobias Voss (3 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO) der vom K1 und Thaiboxen kommt, der 25jährige Halbschergewichtler Arijan Sherifi (2 Kämpfe, 2 Siege) und der 23jährige belgische Halbschwergewichtler Marc De Bonte (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO) der vom Kickboxen kommt. Alle drei Boxer sind mir unbekannt, aber sie hören sich viel versprechend an. Den Hauptkampf der Jungen Wilden bestreitet im Schwergewicht der 25jährige Franz Rill (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO). Dieser relativ unerfahrene Profiboxer bekommt es mit Fabio Tuiach (28 Kämpfe, 25 Siege, 15 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) zu tun. Was eine gute und aber auch mutige Kampfansetzung ist.
Der zweite Teil der Vorkämpfe stehet unter dem Mott: Die Stars von Morgen. Hier tritt als Erstes der ungeschlagene Timo Schwarzkopf (12 Kämpfe, 12 Siege, 7 durch KO) gegen Junior Witters (49 Kämpfe, 41 Siege, 22 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) im Weltregewicht an. Witter „the Hitter“ war einer der dominierenden Persönlichkeiten des Junior Weltergewichts Ende des letzten Jahrzehnts. Im Jahr 2000 unterlag er dem großen Zab Judah in einem IBF WM Kampf nach Punkten. 2002 wurde er Britischer Meister und Commonwealth Meister. Ein Jahr später wurde er Europameister und schlug er die guten Salvatore Battaglia und Andriy Kotelnik. Am 15.09.2006 wurde er durch einen Punktsieg gegen DeMarcus Corley Weltmeister der WBC. Seinen Titel verteidigte er zweimal erfolgreich, wobei er am 07.09.2007 Vivian Harris in der siebten Runde KO schlug. Jener Harris der Oktay Urkal zweimal in Deutschland besiegt hatte. Am 10.05.2008 verlor er seinen Titel gegen seht starken Timothy Bradley, der zurzeit als bestes Weltergewichtler gilt. Es folgten weitere Niederlagen, u. a. gegen Davon Alexander, um den WBC Titel, den heutigen IBF Champion im Weltergewicht, Von seinen letzten fünf Kämpfen konnte er vier gewinnen.
Für Schwarzkopf spricht, dass Witter seinen letzten Kampf, der mehr als ein Jahr zurück liegt verloren hatte und dass er ungeschlagen ist. Witter boxt sehr offen und lässt seine Linke tief hängen, Mit seinen 39 Jahren dürften seine Reflexe nicht mehr so gut sein wie früher, wodurch er anfälliger ist. Für Witter spricht die Erfahrung und seine Fähigkeit Schläge zu absorbieren. Ich muss gestehen, dass ich diese Kampfansetzung vom Management von Schwarzkopf für sehr mutig halte. Der Kampf könnte ein Jahr zu früh für Schwarzkopf kommen. Wenn er jedoch gewinnt, ist er schon in naher Zukunft bereit einen WM Kampf zu machen.
In dem folgenden Kampf kämpft im Schwergewicht Erkan Teper (11 Kämpfe, 11 Siege, 7 durch KO) gegen Martin Rogan (20 Kämpfe, 16 Siege, 8 durch KO). Der Nordire ist die Nummer 39 der unabhängigen Weltrangliste, sieben Plätze hinter Teper. Teper ist zwar Favorit in dieser Begegnung, aber ein Selbstläufer ist diese für ihn nicht.
Im letzten Kampf des Abends, bevor Hück und Krasniqi den Ring betreten, bestreitet der ludwigsburger Lokalmatador Özlem Sahin (16 Kämpfe, 15 Siege, 5 durch KO, 1 Unetschiden). Die Minimumgewichtlerin tritt gegen Maria Rosa Tabbuso (20 Kämpfe, 13 Siege, 3 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unetschiden). Tabbuso boxte zweimal gegen Regina Halmich, war Europameisterin in Super Fliegengewicht und kämpfte zweimal um eine Weltmeisterschaft. Auch diese Ansetzung verspricht spannend zu werden. Zumal, wenn die Gerüchte zutreffend sind, dieser Kampf der letzte von Sahin, der amtierenden Interims Weltmeisterin WIBF im Junior Fliegengewicht, vor einem WM Kampf im Minimumgewicht Anfang nächsten Jahres. Für ein letztes Aufgallop vor einen WM Kampf ist Tabbuso eigentlich zu stark und zu gefährlich.
Wie schon geschrieben, über den sportlichen Wert des Hauptkampfe Hück gegen Krasniqi kann man diskutieren, das Vorprogramm ist so gut und, dass es nicht wenige Veranstaltungen, die von den großen Veranstaltern und TV Sendern so gezeigt werden in den Schatten stellen wird.
© Uwe Betker