Box-Blog

Posts Tagged ‘Ex-Weltmeister

Die ultimativ subjektive Liste 2013

leave a comment »

Boxer des Jahres
Robert Stieglitz (49 Kämpfe, 46 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) wurde am 23.03.2013 Weltmeister der WBO im Super Mittelgewicht. Er besiegte dabei nicht nur den Titelträger Arthur Abraham, der ihn 25.08.2012 als Weltmeister entthronte hatte, sondern er zwang ihn zur Aufgabe.

Boxer des Jahres (ehrenhalber)
Der Weltergewichtler Alexander Mengis (5 Kämpfe, 4 Siege, 1 KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) gab Alles für den Sport, den wir lieben. Er gab sogar seine Gesundheit dafür. Am 23.05.2013 wollte er in Berlin gegen Stefan Worth seinen Internationalen Deutschen Meistertitel verteidigen. In der der 8. Runden ging er KO. Er war schwer verletzt und wurde in einem berliner Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt. Er gab eine Notoperation und eine Verlegung nach Stuttgart.
Nach meinen Informationen gibt es keinen, der für den Zustand von Mengis verantwortlich ist. Alle Beteiligten haben wohl Alles richtig gemacht. Boxen ist gefährlich und Alexander Mengis ist das Opfer einer furchtbaren Tragödie.

Boxerin des Jahres
Elina Tissen (19 Kämpfe, 17 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen), die in Orynbor, Russland geborene „Elin The Machine“, boxte am 26.10.2013 gegen Fleis Djendji, die bis dahin von ihren 37 Kämpfen immerhin 16 gewinnen konnte. Eine interessante Wahl auf dem Hintergrund, dass sie ungeschlagene und andere Boxerinnen mit sehr viel besseren Kampfrekorden als Gegnerin abgelehnt hatte.
Bei ihrem Kampf gegen Djendji soll es um den vakanten GBU-Titel im Superbantamgewicht gegangen sein. Die „5-Fach Worldchampionesse“ gewann natürlich einstimmig nach Punkten. Das Problem an diesem Kampf ist nur, dass die Global Boxing Union den Kampf nicht sanktioniert und nicht beaufsichtigt hat. Offensichtlich hat überhaupt kein Verband Aufsicht geführt, jedenfalls war keiner willens ihn bei boxrec eintragen zu lassen. – Wenn ich mich recht entsinne, lehnte Frau Tissen dieses Jahr eine Pflichtverteidigung ab, weil ihr der deutsche Verband zu unseriös sei.
„Die 5-Fach Worldchampionesse“ Tissen ist die beste Boxerin der Welt, daher braucht sie auch keine Punktrichter und Ringrichter von irgendwelchen Verbänden. Daher ist sie auch die „Boxerin des Jahres“.

KO des Jahres
Gennady Golovkin schlug am 29.06.2013 Matthew Macklin in der dritten Runde KO. Jenen „Mack The Knife“ Macklin, der am 25.06.2011 gegen Felix Sturm umstritten nach Punkten unterlag. Er hatte aber gegen Golovkin keine Chance. GGG jagte und erlegte ihn. Ein unglaublich präziser und ansatzlos geschlagener Leberhaken beendete den Kampf.

Schlechteste Veranstaltung des Jahres
Es gab leider viele schlechte Veranstaltungen. An deutschen Ringen sitzen immer noch Punktrichter, die im Sinne der großen Veranstalter punkten und nicht das bewerten, was im Ring zu sehen ist. Es wird immer noch an der Waage manipuliert. Es werden Boxer für Kämpfe gebucht, die sie nicht gewinnen können und dabei passiert es, dass sie verletzt werden. Die schlimmsten Veranstaltungen sind jene, bei denen Boxerinnen oder Boxer zu Schaden kommen.

Rookie (männlich) des Jahres
Der Super Mittelgewichtler Vincent Feigenbutz (10 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) geht seinen Weg. In seinem zweiten Kampf verlor er durch TKO. Die folgenden Kämpfe konnte er alle gewinnen und fast alle durch KO. Er boxte bereits in Ungarn und in Polen.

Rookie (weiblich) des Jahres
Die 29-jährige Melanie Zwecker (4 Kämpfe, 4 Siege, 1 durch KO) schickt sich an, das Federgewicht aufzumischen. Die von Michael Siegel trainierte Boxerin aus Karlsruhe ist eines der größten weiblichen Talente in Deutschland. Es bleibt zu hoffen, dass sie viele Kämpfe bekommt, um sich sportlich weiterzuentwickeln und in den Ranglisten weiter aufzusteigen.

Absteiger des Jahres
Waldemar Kluch, der Käufer der Hülle von Universum Box-Promotion, schickte wohl folgende SMS an Klaus-Peter Kohl: „Sie haben unsere wahrnung ighnorirt. Ich habe die freundlichkeit ihnen mitteilen ich habe bekommen ihnen Hand und Ohr abschneiden. Sie haben 2 wochen sich einigen wegen universum mit anwahlt. kein wort an Polizei oder klug. sonst sofort Kugel in Kopf. Deine letzte Chance danach du nie wieder gesund dein geld ausgeben. Allah dich bestrafen Du ungläubiger.“

Aufsteiger des Jahres
Eva Rolle, die früher in Berlin Profiboxkämpfe veranstaltete, wurde zur Präsidentin des MBC, Malta Boxing Council, des maltesischen Verbandes gewählt. Keiner versteht, warum dies geschah und weshalb der maltesische Verband eine Ausländerin zu seiner Präsidentin machte. Aber dies ist sicherlich ein Aufstieg für Frau Rolle, der sich vermutlich auf finanziell für sie lohnen dürfte.

Aussteiger des Jahres
Der russische Schwergewichtler Alexander Wladimirowitsch Povetkin (27 Kämpfe, 26 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage) ließ sich seit Mitte 2005 von den Rundfunkgebühren der Deutschen bezahlen. Als Gegenleistung boxte er ein wenig, vermied es aber, gegen einen der Klitschkos anzutreten und arbeitete an seiner politischen Karriere als loyaler Gefolgsmann von Wladimir Putin. Am 05.10.2013 stellte er sich endlich Wladimir Klitschko (64 Kämpfe, 61 Siege, 51 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) und verlor klar nach Punkten. Nun hat der in Tschechow lebende Povetkin angekündigt, natürlich nicht auf Deutsch, denn er hat sich schließlich 8 Jahre lang geweigert, auch nur ein Wort Deutsch zu sprechen, nicht mehr für Sauerland Event anzutreten. Er wird in Zukunft für den russischen Milliardär Andrey Ryabinski antreten, der zuletzt den Kampf zwischen ihm und Klitschko für 23 Mio. US-Dollar ersteigert und veranstaltet hatte.

Veranstalter des Jahres
Der Magdeburger Veranstalter Ulf Steinforth hat sich etabliert. Von den großen Promotern in Deutschland, ist er derjenige, der die solidesten Veranstaltungen auf die Beine stellt. Mit seinem WBO Weltmeister im Super Mittelgewicht, Robert Stieglitz (49 Kämpfe, 46 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO), hat er den Mann unter Vertrag, der Arthur Abraham zur Aufgabe zwang und entthronte.
Man kann auch sagen SES Boxing ist gerade noch „Veranstalter des Jahres“ geworden. Die beiden letzten Gegner von Stieglitz hätten allerdings wirklich besser sein können. Und Michael Wallisch (10 Kämpfe, 10 Siege, 7 durch KO) eine Internationale Deutsche Meisterschaft gegen einen Alexander Kahl boxen zu lassen, der von der EBU gesperrt war, ist geradezu ein Tiefschlag. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich SES Boxing entwickelt.
Der Newcomer Michaelis TV aus Erkrath zeigte allen in der Branche bei seiner ersten Veranstaltung, wie es geht. Es wurden gute Kämpfe und eine perfekte Show gezeigt. Man darf gespannt sein, ob Bernd Michaelis dem Boxen treu bleibt und damit weiter der Konkurrenz zeigt, wie es geht.

Veranstaltung des Jahres
Die Veranstalter Benedikt Poelchau und Götz Bauer (Blanko Sports) machten am 07. September 2013 in Ravensburg ihre erste Veranstaltung und setzten damit direkt Standards. Es gab gutes Boxen zu sehen, die Kampfansetzungen waren durch die Bank weg gut und der Veranstaltungsort, ein Biergarten, war gut gewählt. Was will ein Boxfan mehr?
Blanko Sports schickt sich wohl an, auch in den USA zu veranstalten. Man kann hier nur viel Glück wünschen und hoffen, dass bald auch deutsche Boxer in den USA ihre Erfahrungen sammeln können.

Boxevent des Jahres
Den Rahmen bildete die „erste WM im Charity Boxen“, bei dem sich Uwe Hück, der Konzern-Betriebsratsvorsitzende und stellv. Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche AG und Luan Krasniqi in einem Ring in Ludwigsburg trafen. Der Newcomer aus Erkrath, Michaelis TV, machte alles richtig. Es gab gutes Boxen und eine perfekte Show zu sehen. Bemerkenswert ist, dass Bernd Michaelis das richtige Gespür für Profiboxen zeigte. Denn die Abfolge der Kämpfe sowie die Wahl des Hauptkampfes, ich spreche hier vom Profiboxen und nicht von Charity Boxen, war genau richtig.

Fehlentscheidung des Jahres
Istvan Szili vs. Goekalp Özekler. Am 23.08.2013 kam für Istvan Szili nur ein Unentschieden heraus, wo nach meiner Meinung nach ein klarer Punktsieg hätte stehen müssen. Die beiden BDB Punktrichter Frank Michael Maass (114:114) und Holger Wiemann (113:115) retteten für Oezekler ein Unentschieden. Auch der Ringrichter tat hierfür, was er konnte, indem er auf das ständige Klammern von Özekler durch Ignorieren reagierte.
Nun könnte man argumentieren, dass Szili ja immerhin noch ein Unentschieden bekommen hat und daher dieser Kampf nicht zur Fehlentscheidung des Jahres taugt. Dem muss man aber entgegenhalten, dass es diesmal nicht bei einem der üblichen Verdächtigen zu so einer Fehlentscheidung gekommen war, also nicht bei den Veranstaltern, bei denen so etwas schon fast zur Regel gehört. Dieses Mal reihte sich EC Boxing in die Reihe dieser Veranstalter ein und EC-Boss Erol Ceylan reagierte denn auch, genau wie die anderen Promoter, mit Aussitzen und Ignorieren.
Hinzu kommt, dass Istvan Szili eigentlich in die Kategorie „Boxer, der einen WM-Kampf verdient“, gehört. Durch die Aktivität der Punktrichter und des Punktrichters vom Bundes Deutscher Berufsboxer e.V. aber ist das Ziel Weltmeisterschaft in weite Ferne gerückt. Seit diesem Unentschieden bekam er nämlich keinen Kampf mehr.

Trainer des Jahres
Ulli Wegner. Wohl niemals zuvor hat ein Trainer einem seiner Schützlinge so deutlich in der Öffentlichkeit gesagt, dass er nicht an ihn glaubt. Wegner musste sich entscheiden, ob er am 26. Oktober 2013 sich in die Ecke von Ex-Weltmeister Arthur Abraham oder von Karo Murat stellt. Abraham bestritt einen Kampf um die Zeit bis zu einem neuen WM Kampf gegen Robert Stieglitz zu überbrücken. Murat bestritt einen WM Kampf gegen die Boxlegende Bernard Hopkins. Wegner beschloss, bei dem sicheren Sieger Abraham in der Ecke zu stehen. Er erklärte: „So ein Kampf ist eine einmalige Sache. Aber wir müssen Prioritäten setzen. Wir brauchen Arthur noch.“
Murat verlor und Abraham gewann erwartungsgemäß. Alle Fernsehzuschauer konnten in den Rundenpausen sehen, dass Wegner Abraham nicht mehr erreichen kann. Aber die Deutlichkeit, mit der Wegner an die Öffentlichkeit geht, macht ihn zum Trainer des Jahres.

Entgleisung des Jahres
Manuel Charr zog kurz in den „Promi Big Brother“ Container ein, um dort zu verkünden, er hielte Wladimir Klitschko für 100% schwul. Nun ist eigentlich das fremd- oder zwangsouten seit mehr als 20 Jahren out. Damals hatte der Schwulenaktivist Rosa von Praunheim, der mit bürgerlichen Namen Holger Radtke heißt, zwei Showmaster geoutet. Nun versuchte sich der Schwergewichtler Manuel Charr, der mit bürgerlichem Namen Mahmoud Omeirat Charr, in der gleichen Disziplin.

Boxkampf (männlich) des Jahres
Der WM Kampf zwischen Alexander Wladimirowitsch Povetkin (27 Kämpfe, 26 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage) und Wladimir Klitschko (64 Kämpfe, 61 Siege, 51 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) am 05.10.2013 war langweilig. Er war sogar furchtbar langweilig. Dennoch war er für mich der Boxkampf des Jahres, weil hier der linientreue russische Putingefolgsmann und russischer Nationalist in Moskau auf den Bruder des Führers der ukrainischen Opposition traf.

Boxkampf (weiblich) des Jahres
Den habe ich verpasst.

Comeback des Jahres (männlich)
Adnan Catic (45 Kämpfe, 39 Siege, 18 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) ist wieder Weltmeister und diesmal sogar ein richtiger. Nachdem er, seit seiner Loslösung von Universum Box-Promotion 5-mal erfolgreich den WBA Super Champion Titel im Mittelgewicht verteidigte, den er laut Verbandsstatuten gar nicht tragen durfte, dann gegen Daniel Geale verlor und dadurch erstaunlicherweise seinen Titel verlor, konnte er am 07.122013 der IBF Weltmeister Darren Baker entthronen. Nun ist er also wirklich nach dreieinhalb Jahren wieder Weltmeister.
Catic zeigte in seinem Kampf gegen Baker die beste Leistung seit Jahren. Das letztlich eine Hüftverletzung von Baker zum TKO Erfolg führte, schmälert nicht die Leistung von Catic. Es war ein beeindruckendes Comeback. Man kann nur hoffen, dass Catic seine wieder gefundene Stärke jetzt auch dazu nutzt, gegen starke Gegner anzutreten.

Comeback des Jahres (weiblich)
Rola El-Halabi stieg nach 16 Monaten Zwangspause – ihr Stiefvater hatte auf sie geschossen und sie verletzt – am 12.01.2013 gegen Lucia Morelli wieder in den Ring. Sie gewann zwar nicht die Titel der WIBA (Women’s International Boxing Association), GBU (Global Boxing Union) und WBF (World Boxing Federation) im Leichtgewicht, aber sie zeigte einen guten Kampf und, was eventuell noch viel wichtiger ist, sie zeigte sich als gute und faire Verliererin, was leider sehr selten ist und was wirkliche Größe zeigt. Heute ist sie Weltmeisterin im Junior Weltergewicht nach Version WBF (World Boxing Federation).

Bester Show Act des Jahres
2013 gab es viele bemerkenswerte Show Acts:
Die Rundenpausen mit Ulli Wegner und Arthur Abraham. Diese beiden wirken auf mich wie ein seit ewigen Zeiten verheiratetes Paar, das sich nicht traut, sich scheiden zu lassen, obwohl es sich nichts mehr zu sagen hat und sich auch nicht mehr versteht.
Eine großartige Show war auch, als Ulli Wegner den Ringarzt Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Walter Wagner zu Hilfe rief, um zu verschleiern, dass Arthur Abraham gegen Robert Stieglitz aufgegeben hatte.
Aber der beste Show Act war:
Kalle Sauerland kritisierte öffentlich den Kampfstil von Wladimir Klitschko. Er forderte fairere Kämpfe und dass man sich an die Regeln gehalten möge.

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (männlich)
Nuri Seferi (40 Kämpfe, 34 Siege, 20 durch KO, 6 Niederlagen. 1 durch KO) ist Cruisergewichtler. Der Albanian Tyson ist nur noch einen Sieg von einer Platzierung entfernt, die ihn berechtigen würde, um eine WM zu boxen.

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (weiblich)
Özlem Sahin (17 Kämpfe, 16 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden), die amtierende Interims Weltmeisterin im Junior Fliegengewicht nach Version WIBF ist eigentlich eine natürliche Minimumgewichtlerin. Sie muss kein Gewicht machen und ist dort stärker, als in den höheren Gewichtsklassen. Wir dürfen gespannt sein, ob sie 2014 einen WM Kampf im Minimumgewicht bekommt.

Boxer, der zu Unrecht übersehen wird
Agron Dzila (20 Kämpfe, 19 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage) ist ein Cruisergewichtler, dem man viel zutrauen kann. 2011 wurde er Jugend Weltmeister der WBC. Es wäre schön, wenn er 2014 ein paar Kämpfe gegen starke Gegner bekommen würde.

Boxkampf, den wir 2014 sehen wollen (männlich)
Felix Sturm vs. Gennady Golovkin. Sturm trat mit dem Anspruch an, gegen die Besten boxen zu wollen. Diesem Anspruch ist er bis jetzt nicht gerecht geworden. Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, dass Sturm Golovkin seit den gemeinsamen Tagen bei Universum Box-Promotion aus dem Weg geht. Sturm hat sich durch seinen Sieg über Darren Baker seinen Platz im Geschichtsbuch des Boxens gesichert. Die Frage ist nun, ob dort auch vermerkt wird, dass er immer vor Golovkin davonlief. Es wird Zeit, dass Sturm seinen großen Worten nun auch Taten folgen lässt.

Boxkampf, den wir 2014 sehen wollen (weiblich)
Der Weltmeisterin der WBC, WBA und WBO im Weltergewicht, Cecilia Braekhus (23 Kämpfe, 23 Siege, 7 durch KO), gehen die Gegnerinnen aus. Kaum eine Gegnerin hat auch nur die Spur einer Chance gegen sie. Hinzu kommt natürlich auch das sehr clevere Matchmaking von Sauerland Event. Die einzige Gegnerin, die ihr gefährlich werden kann, ist Jessica Balogun (25 Kämpfe, 23 Siege, 11 durch KO, 2 Niederlagen). Das erste öffentliche Aufeinandertreffen der beiden in einem Boxring, am 02.06.2012, konnte Braekhus für sich entscheiden. Balogun ist heute reifer und fokussierter und daher könnte ein Rückkampf auch anders ausgehen.
© Uwe Betker

Written by betker

30. Dezember 2013 at 23:59

Veröffentlicht in Uncategorized

Tagged with , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Großartiges Boxen und eine großartige Show in Ludwigsburg

leave a comment »

Bei dieser Veranstaltung konnten am Ende wirklich alle zufrieden sein. Die Zuschauer hatten gutes bis großartiges Boxen und außerdem noch eine gute Show gesehen. Darüber hinaus wurde durch den Kartenverkauf, durch Spenden, durch Tombolas und die Versteigerung von Bildern und anderen Dingen vielen Kindern geholfen.
Uwe Hück, der Konzern-Betriebsratsvorsitzende und stellv. Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche AG, hatte die Idee Luan Krasniqi zu einem Boxkampf herauszufordern, um Geld für soziale Zwecke zu sammeln. Damit konnte der Megastar der Gewerkschaften eine Menge bewegen und viele mobilisieren und war dabei so überzeugend, dass am Ende eine tolle Show stand, bei der auch wirklich gutes Boxen gezeigt wurde.
Die ersten vier Kämpfe standen unter dem Motto: Die Jungen Wilden – Nachwuchs-Profiboxer – die Stars von übermorgen. Den Anfang machte im Halbschwergewicht der 25-jährige Arijan Sherifi (3 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO). Er boxte gegen Egidijus Kakstys (24 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 19 Niederlagen, 7 durch KO, 2 Unentschieden). Zunächst sah es so aus, als würde der Sechsrunder schnell zu Ende sein. Sherifi kam mit seinen Schlägen gut durch. Eine rechte Grade brachte in der ersten Runde Kakstys zu Boden. Aber in den folgenden Runden zeigte sich, dass der Punch von Sherifi nicht ausreichte, um sein Gegenüber aus Litauen zu fällen. Ein Cut über dem rechten Auge von Kakstys führte dann schließlich zum Abbruch. TKO in Runde 5, nach 1:22 Minuten.
Im folgenden Kampf, der auch im Halbschwergewicht stattfand, war der 23-jährige Belgier Marc De Bonte (4 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO) zu sehen, der es mit Vygaudas Laurinkus (18 Kämpfe, 3 Siege, 13 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden), auch aus Litauen, zu tun. Der 19-jährige Laurinkus hat alle seine 18 Kämpfe in einem Zeitraum von 1 ½ Jahren bestritten. Der ehemalige Kickboxer De Bonte zeigte Fechten mit der Faust vom Feinsten, was man eigentlich einem Kickboxer nicht zutraut. Er boxte klug. Er nutzte seinen Reichweitenvorteil, um lang zu boxen, aber offensichtlich fühlte er sich auch in der Halb- und Nahdistanz wohl. Mit seinen 188cm ist er für einen Halbschwergewichtler groß. Am Ende stand ein deutlicher Punktsieg für ihn.
Der dritte Kampf fand im Schwergewicht statt. Franz Rill (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) traf auf Ivo Andelic (11 Kämpfe, 8 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden). Andelic, der erst einmal eine Ehrenrunde um den Ring machte, bevor er ihn betrat, wirkte nicht wirklich austrainiert. Er versuchte die Ringmitte zu halten, sich hinter seiner Doppeldeckung zu verschanzen und mit Schwingern einen Treffer zu landen. Rill war leichtfüßig und war der Dominierende. Dann nach 2:02 Minuten in der dritten Runde stoppte der Ringrichter vom BDB Valerio Quarta den Kampf aus unerfindlichen Gründen. Jedenfalls habe ich nichts gesehen, was das gerechtfertigt hätte. Auch wurde kein Ringarzt zu Rate gezogen, um sich mögliche Verletzungen anzuschauen.
Der zweite Teil der Vorkämpfe stand unter dem Motto: Die Stars von Morgen. Hier boxte im Super Mittelgewicht als erstes Butrint Rama (8 Kämpfe, 8 Siege, 5 durch KO) gegen Janos Varga (35 Kämpfe, 14 Siege, 12 durch KO, 20 Niederlagen, 13 durch KO, 1 Unentschieden). Rama, der wohl von Luan Krasniqi betreut wird, hat eine sehr gute Führhand, mit der er auch am Ende der ersten Runde seinen Gegner mit einem Leberhaken zu Boden schickte. Die Führhand war seine beste Waffe, während seine Rechte praktisch nicht existent bzw. kaum effektiv war. Das war auch daran abzulesen, dass der Ungar auch in der folgenden zweiten und in der vierten Runde runter musste, Rama es aber dennoch nicht schaffte, ihm den Rest zu geben. So stand am Ende der sechsten Runde ein haushoher Punktsieg für ihn.
Ein Highlight des Abends war die Begegnung zwischen dem ungeschlagenen Timo Schwarzkopf (13 Kämpfe, 13 Siege, 7 durch KO) und dem Ex-Weltmeister Junior Witter (50 Kämpfe, 41 Siege, 22 durch KO, 7 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) im Weltergewicht. Witter „the Hitter“ war eine der dominierenden Persönlichkeiten des Junior Weltergewichts Ende des letzten Jahrzehnts, und er ist trotz seiner 39 Jahre noch immer richtig gut. Witter ist extrem unangenehmem zu boxen. Er wechselt die Auslagen, er provoziert, er ist aufreizend lässig, macht Show und schlägt aus allen, wirklichen allen Positionen.
Schwarzkopf tat sich schwer. Ein ums andere Mal sah er schlecht aus oder wurde schlicht vorgeführt. Aber er blieb dran. Es gab nur wenige Aktionen im Sinne von Schlagabtäuschen. In der letzten Runde wurde Witter, nach meiner Meinung, von Schwarzkopf umgeschubst und angezählt. Ringrichter war eben jener schon genannte Valerio Quarta vom Bund Deutscher Berufsboxer.
Der Kampf, der über 10 Runden ging, war extrem eng und sehr schwer zu punkten. Selten kam einer mit mehr als einer Hand durch. Am Ende wurde Schwarzkopf zum einstimmigen Punktsieger erklärt. Die Punktrichter werteten 95:95, 98:91 und 96:94. Wie Ringrichter Herbert Ulrich da allerdings zu einem 98:91 kommen konnte, ist mir absolut schleierhaft. Um es deutlich zu sagen, ich hatte Schwarzkopf, ohne den Niederschlag, ganz knapp vorne nach Punkten. Auch über ein Unentschieden hätten sich Conny Mittermeier und sein Schützling nicht beschweren können. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Schwarzkopf den Kampf in England oder den USA gewonnen hätte.
Im folgenden Kampf trat im Schwergewicht Erkan Teper (12 Kämpfe, 12 Siege, 8 durch KO) gegen Martin Rogan (21 Kämpfe, 16 Siege, 8 durch KO, 5 Niederlagen, 4 durch KO) an. Der Nordire ging bereits nach 1:25 Minuten in der ersten Runde schwer KO. Er wich zurück und stand einladend, ohne Deckung an den Seilen. Teper traf ihn mit einer Rechten, einem Volltreffer, am Kinn und dann noch mit einem linken Wischer am Kopf und zwei weiteren Volltreffern mit rechts am Kinn. Rogan wurde direkt vom Ring ins Krankenhaus gefahren: Verdacht auf Kieferbruch.
Den Hauptkampf des Abend bestritt die ludwigsburger Lokalmatadorin Özlem Sahin (17 Kämpfe, 16 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden). In Sahins Ecke standen wieder der Mittelgewichtler Istvan Szili (18 Kämpfe, 17 Siege, 7 durch KO, 1 Unentschieden), Brigitte Gassert und Dietrich Wolter. Die amtierende Interims Weltmeisterin im Junior Fliegengewicht nach Version WIBF traf auf Maria Rosa Tabbuso (21 Kämpfe, 13 Siege, 3 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden). Die sehr erfahrene Tabbuso bot Sahin einen beherzten Kampf. Wie immer gab Sahin die erste Runde ab. Hiernach wurde sie immer stärker und setzte die Italienerin immer mehr unter Druck, obwohl die einen erheblichen Reichweitennachteil hatte. Immer wieder kam die „Box Lady“ mit ihrem rechten Haken durch. Es war ein guter und fairer Kampf, der auf einem hohen technischen Niveau ausgetragen wurde. Sahin, die das erste Mal vor heimischem Publikum boxte, hatte sichtlich Spaß im Ring. In zwei Ringpausen forderte sie das Publikum auf, sie zu unterstützen, was es dann auch tat. Am Ende der sechs Runden stand ein eindeutiger Punktsieg für Sahin. Die Punktrichter werteten: 57:57, 59:56 und 58:56.
Eine persönliche Bemerkung: Ich habe nicht mehr recherchiert, welcher BDB Punktrichter den Kampf da unentschieden gesehen hat. Langsam werde ich es nämlich müde, dass es so viele Punktrichter, nach meiner Meinung, einfach nicht schaffen, den Kampfverlauf zu erkennen und auch wiederzugeben.
Der Rest des Abends war Show. Es gab eine mit Musik untermalte Leistungsschau der Pyrotechnik, Gesangseinlagen und den Kampf zwischen Uwe Hück und Luan Krasniqi im Schwergewicht. Die sogenannte „erste WM im Charity Boxen“ ging über acht Runden a zwei Minuten – ungefähr. Mal war die Runde zwei Minuten lang, ein anderes Mal auch nur eine Minute fünfzig, jedenfalls wenn ich meiner alten mechanischen Armbanduhr trauen kann, die nicht 100-prozentig ganggenau ist. Auch die Pausen hatten, wie mir schien, unterschiedliche Längen. Mal warteten sie eine Minute lang, mal bis zu anderthalb Minuten. Der Kampf der Beiden war eine riesengroße Show – und zwar eine gute. Krasniqi benutzte nur seine Führhand. Seine Rechte, wenn er sie denn überhaupt benutzte, traf stets schön den linken Handschuh, oder manchmal berührte sie auch den Körper. Hück versuchte zwischendurch schon auch mal ernsthaft zu boxen, aber Krasniqi war einfach ein zu guter Boxer, als dass er wirklich in Gefahr hätte geraten können.
Der Kampf der Beiden war ein Riesenspaß, auch wenn Hück etwas verbeult daraus hervorging. Zweck war es, Geld zu sammeln für die Lern-Stiftung Hück, die sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen helfen will, und für die SOS Kinderdörfer, für die sich Krasniqi einsetzt. Am Ende hatten die Zuschauer das beste Boxevent des Jahres gesehen, bei dem u. a. eben auch sehr gutes Boxen gezeigt wurde, was bei den meisten Boxevents in Deutschland leider nicht selbstverständlich ist. Man kann nur hoffen, dass der Veranstalter Bernhard Michaelis von Michaelis TV dem Boxen treu bleibt.
© Uwe Betker

Arthur Abraham, die Ehre und Robert Stieglitz

with one comment

„Ich möchte gern noch einmal gegen Andre Direll, Carl Froch und Andre Ward boxen. Doch zuerst kommt Robert Stieglitz. Ich will meinen Gürtel zurück. Es geht um die Ehre.“ Mit diesen Worten begründet Ex-Weltmeister Arthur Abraham (41 Kämpfe, 37 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO), dass er unbedingt den WBO Weltmeister im Super Mittelgewicht Robert Stieglitz (48 Kämpfe, 45 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) boxen will.
Ich muss dazu sagen, mich überfordert diese Äußerung von Abraham. Nun passiert es mir relativ häufig, dass ich mich überfordert fühle, wenn Menschen von „Ehre“ sprechen. Zu schwierig und vielschichtig ist der Begriff. Wikipedia ist auch wenig hilfreich: „Zusammengefasst kann man Ehre als sozialen Zwang begreifen, den man als Bestandteil seiner eigenen Persönlichkeit begreift und verteidigt.“ Meiner Erfahrung nach wird der Begriff Ehre aber häufig angeführt, um etwas Anderes zu verschleiern.
Schauen wir uns aber die Aussage von Abraham einmal genauer an:
Abraham behauptet, wieder gegen Andre Direll (22 Kämpfe, 21 Siege, 14 durch KO, 1 Niederlage) boxen zu wollen. Er hatte am 27.03.2010 gegen ihn durch Disqualifikation verloren. Boxerisch hatte Direll ihn geradezu vorgeführt. Als er dann aber in der elften Runde auf dem nassen Boden in der Ringecke von Abraham ausrutsche und auf dem Boden saß, holte Abraham aus und schlug ihm einen rechten Schwinger an den Kopf. Damals gab es schon einige, die Abraham die Absicht unterstellten, einer verheerenden Punktniederlage durch Disqualifikation entgehen zu wollen.

Nun will Abraham, nach eigenem Bekunden, auch noch gegen Carl Froch (33 Kämpfe, 31 Siege, 22 durch KO, 2 Niederlagen), den WBA und IBF Weltmeister antreten, der immerhin als der zurzeit beste Super Mittelgewichtler gilt. Abraham hat am 27.11.2010 schon gegen ihn geboxt, und er hatte nicht den Hauch einer Chance. Zwei Punktrichter gaben Froch jede einzelne Runde. Einer gab Abraham immerhin noch eine Runde.

Weiter steht noch Andre Ward auf der Wunschliste von Abraham. Ward (26 Kämpfe, 26 Siege, 14 durch KO) ist WBC und WBA Superchampion im Supermittelgewicht. Auch er deklassierte Abraham, als er am 14.05.2011 gegen ihn boxte. Abraham behauptet also, er wolle irgendwann noch einmal ausgerechnet gegen die drei Boxer antreten, die ihn so dermaßen deklassiert haben.
Aber er besteht darauf, erst gegen Stieglitz boxen zu wollen. Das begündet er damit, dass er „seinen Gürtel“ zurückhaben will. Das hört sich zunächst zwar gut an. Es kommt mir aber doch recht merkwürdig vor. Abraham hat besagten WBO Gürtel schließlich nur ein einziges Mal erfolgreich verteidigt. Dementsprechend dürfte seine emotionale Bindung an dieses Stück Leder mit dem vergoldeten Blech doch nicht ganz so groß sein. Sollte er seinen nächsten Kampf gewinnen, woran niemand zweifelt, hat er den WBO Intercontinental Gürtel schon länger. Den IBF Gürtel im Mittelgewicht hatte er dreieinhalb Jahre lang.
Wieso soll jetzt also ausgerechnet der WBO Titel sein Gürtel sein und die Niederlage gegen Stieglitz ihm an die Ehre gehen?
Vielleicht finden wir die Antwort in der Art und Weise der Niederlagen begründet. Gegen Andre Direll, Carl Froch und Andre Ward verlor er entweder durch Punkte oder durch Disqualifikation. Gegen Stieglitz verlor er durch Aufgabe. Laut Augen- und Ohrenzeugen kam er zurück in seine Ecke und sagte zu seinem Trainer Ulli Wegner: „Ich will nicht mehr!“ Hiernach befand man seinen Cut für so gefährlich, dass der Kampf abgebrochen werden musste. Womöglich geht Abraham ja seine Aufgabe an die Ehre. Damit weiß ich aber immer noch nicht genau, was er damit gesagt haben will.
© Uwe Betker

Die Geradlinigkeit von Ulli Wegner

with one comment

Der 72jährige Cheftrainer von Sauerland Event, Ulli Wegner, ist einfach ein geradliniger Mann. Unverblümt sagt er seine Meinung, auch wenn sie manchmal nicht sonderlich diplomatisch ist. Letztes Jahr, am 15.09.2012, beschimpfte er beispielsweise das fachkundige und faire bamberger Publikum. Das pfiff damals nämlich Yoan Pablo Hernandez Soarez aus, nachdem die Punktrichter Michael Pernick, Mickey Vann und Benny Decroos den Kubaner als Sieger gesehen hatten und Ringrichter David Fields das Abdrehen eines schwer getroffenen und torkelnden IBF Weltmeisters im Cruisergewicht partout nicht als Aufgabe werten wollte. Wegner stellte sich schützend vor seinen Schützling, der zwar schwer vermöbelt worden aber dennoch Weltmeister geblieben war. Er drohte den Zuschauern in Bamberg sogar mit den Worten: „Bei so einem knappen Ding sollte das Publikum auf unserer Seite sein. Da muss man überlegen, ob es sich verdient hat, dass man hier noch einmal herkommt.“
Offensichtlich kam dann bei diesen Überlegungen heraus, doch in Bamberg zu veranstalten. Sauerland Event hat beschlossen, dass der angesprochene Hernandez (28 Kämpfe, 27 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) seinen Titel der International Boxing Federation an eben diesem Ort gegen Alexander Alekseev (27 Kämpfe, 24 Siege, 20 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) verteidigen muss.
Ähnlich freimütig wie in dem eben geschilderten Fall äußerte Wegner sich kürzlich auch in Bezug auf seinen Einsatz am 26. Oktober 2013. An diesem Tag müsste er sich nämlich eigentlich zweiteilen.
Zunächst mal boxt der Ex-Weltmeister Arthur Abraham (41 Kämpfe, 37 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO) in Oldenburg gegen einen gewissen Giovanni De Carolis (24 Kämpfe, 20 Siege, 10 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO), einen 29-jährigen Mann aus Rom, der lediglich zweitbeste italienische Super Mittelgewichtler ist, in dessen Kampfrekord kein Name steht, den man kennen müsste. Selbst diejenigen, die ihn besiegt haben, gehören nicht zur europäischen Spitze.
Abraham boxt also gegen jemanden, gegen den er wohl mit nahezu absoluter Sicherheit gewinnen wird. Natürlich gibt es noch die Chance, dass Abraham stolpert und in einen Schlag seines Gegners fällt. Oder er kann sich während des Kampfes beide Hände brechen. Es bedarf jedenfalls schon eines mittelgroßen Wunders, damit Abraham verliert. Also wofür wird der Kampf gemacht?
Zum einen wird der Kampf veranstaltet, weil Sauerland Event damit einen Hauptkampf für eine Veranstaltung hat. Zwar geht der sportliche Wert gegen Null, aber schließlich zahlt die ARD ja dafür mit den Rundfunkbeiträgen, die von jedem Haushalt der Bundesrepublik Deutschland zwangsweise erhoben werden. Damit geht die Rechnung für den Veranstalter schon mal auf. Zum anderen will man Abraham beschäftigen, bis er endlich seinen Rückkampf gegen den WBO Weltmeister im Super Mittelgewicht Robert Stieglitz (48 Kämpfe, 45 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) bekommt. So lange darf er im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Boxer verprügeln, die eigentlich keine Chance gegen ihn haben.
Am selben Tag boxt dann aber auch noch in Atlantic City der Sauerlandboxer Karo Murat (27 Kämpfe, 25 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) gegen Bernard Hopkins (63 Kämpfe, 53 Siege, 32 durch KO, 6 Niederlagen, 2 Unentschieden). Das ist nun nicht irgendeine Halbschwergewichts-WM. Es ist der Titelkampf der IBF und der Titelträger ist die Boxlegende Bernard Hopkins – eben jener Hopkins, gegen den Arthur Abraham am Anfang seiner Karriere immer boxen wollte, und der mit seinen 48 Jahren scheinbar dem Älterwerden trotzt. Mit einem Sieg über Hopkins würde Murat zu einem internationalen Boxstar werden, denn ein Sieg wäre eine Sensation.
Zurück zu Ulli Wegner, der Arthur Abraham und Karo Murat betreut. Er musste sich nun entscheiden, bei wem er in der Ecke stehen will: Bei dem einen, bei dem der Sieg praktisch feststeht, oder bei dem anderen, der die Chance seines Lebens hat und alle Hilfe der Welt braucht. Das weiß Wegner natürlich auch: „So ein Kampf ist eine einmalige Sache. Aber wir müssen Prioritäten setzen. Wir brauchen Arthur noch.“
Das ist doch wohl deutlich. Oder? Heißt das nicht, dass Sauerland Event und Ulli Wegner Karo Murat nicht brauchen. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich ein Trainer jemals so klar und deutlich von seinem Boxer distanziert hätte – und das auch noch vor einem WM Kampf. Kann man seine Aussage denn anders verstehen, als dass ihm der unbedeutende Sieg über einen hoffnungslos unterlegenen Gegner wichtiger ist als ein WM Kampf gegen den großen Bernard Hopkins? Schließlich sagt er ja: „Wir müssen Prioritäten setzen.“
Was die Aussagen von Wegner so brutal geradlinig macht, ist, dass dabei mitschwingt, dass er an einen Sieg von Murat wohl nicht glaubt und bei der Niederlage nicht in seiner Ecke stehen will. Abraham dagegen dürfte vermutlich auch mit einer greisen Raumpflegerin des Sauerland Gyms in seiner Ecke gegen De Carolis gewinnen. Die Geradlinigkeit und Ehrlichkeit von Ulli Wegner nötigt einem schon Respekt ab.
© Uwe Betker

Freie Auswahl für Arthur Abraham

leave a comment »

Der Ex-Weltmeister Arthur Abraham (40 Kämpfe, 36 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO) hat die freie Auswahl. Er könnte, wenn er und sein Veranstalter Sauerland Event es denn wollten, so gut wie jeden im Super Mittelgewicht boxen. Es dürfte finanziell für den Promoter von Abraham kein Problem sein, ihn in einen WM Kampf einzukaufen, außer gegen den WBO Weltmeister Robert Stieglitz (48 Kämpfe, 45 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO). Gegen den hat Abraham zuletzt verloren.
Abraham könnte weiter Boxer der Qualitätsstufe eines Willbeforce Shihepo (26 Kämpfe, 20 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO) verprügeln und warten, dass er irgendwann wieder Pflichtherausforderer für Stieglitz wird. Er könnte aber auch hingehen und sich andere Aufgaben suchen. Er könnte den amtierenden Weltmeister der WBC und Super Champion der WBA, Andre Ward (26 Kämpfe, 26 Siege, 14 durch KO), boxen. Ward ist noch ungeschlagen und Abraham könnte versuchen, seine Punktniederlage vom 14.05.2011 wettzumachen. Auch Carl Froch (33 Kämpfe, 31 Siege, 22 durch KO, 2 Niederlagen), der amtierende Weltmeister der IBF und Super Champion der WBA, wäre ein guter Gegner. Auch gegen ihn könnte er versuchen seine Punktniederlage, vom 27.11.2011, auszubügeln. Sakio Bika (39 Kämpfe, 32 Siege, 21 durch KO, 5 Niederlagen, 2 Unentschieden), der Weltmeister des WBC, wäre noch ein guter Gegner. Am leichtesten zu organisieren, dürfte aber ein Kampf gegen Mikkel Kessler (49 Kämpfe, 46 Siege, 35 durch KO, 3 Niederlagen) sein. Beide sind bei Sauerland unter Vertrag.
Die Frage ist nun, will Abraham so lange warten, bis er als Pflichtherausforderer wieder gegen den Stieglitz antreten darf, gegen den er aufgegeben hat, oder sucht er sich vielleicht andere Ziele. Das Problem mit den anderen Zielen ist, ob Abraham sich überhaupt noch zutraut gegen Gegner wie Andre Ward, Carl Froch, Sakio Bika und Mikkel Kessler anzutreten.
© Uwe Betker

Arthur Abraham vs. Willbeforce Shihepo und Jürgen Brähmer vs. Stefano Abatangelo

leave a comment »

Am 24.08.2013 veranstaltet Sauerland Event in Schwerin. Auf dem Programm steht eine freiwillige Titelverteidigung von Jürgen Brähmer (42 Kämpfe, 40 Siege, 31 durch KO, 2 Niederlagen). Es ist zu erwarten, dass er seinen Europameistertitel im Halbschwergewicht gegen Stefano Abatangelo (20 Kämpfe, 17 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden) wohl ohne Mühen verteidigen wird. Dieser Kampf soll der Hauptkampf des Abends werden.
Das ehemalige Jahrhunderttalent Jürgen Brähmer ist zurzeit auf Position 13 der unabhängigen Weltrangliste. Abatangelo ist immerhin die Nummer 1 in Italien und die Nummer 46 in der Welt. Natürlich trägt er auch einen richtig furchteinflößenden Kampfnamen: „The Hammer“. Leider ist dieser Kampfname aber etwas irreführend, weil einen wirklichen Hammer, nämlich einen Punch, hat er nicht. Seine KO-Rate beträgt nur 30%. Auch boxerisch ist er nicht gerade der Hammer. Da er auch noch 11 Zentimeter kleiner ist und aus Italien im Augenblick keine wirklich starken Boxer kommen – sollte das womöglich der Grund dafür sein, dass im Augenblick so viele italienische Boxer gegen deutsche ran dürfen? -, dürfte für den EBU Titel von Brähmer keine Gefahr bestehen. Damit besteht wohl aber auch keine Gefahr, dass irgendein Zuschauer einen Schweißausbruch oder gar einen Herzinfarkt vor Aufregung bekommen wird. Der Hauptkampf des Abends wird vermutlich überraschungsarm bis langweilig.
Auch der zweite Hauptkampf des Abends ist, meiner Einschätzung nach, von ähnlicher Qualität. Der Ex-Weltmeister Arthur Abraham (40 Kämpfe, 36 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO) bekommt es im Super Mittelgewicht mit Willbeforce Shihepo (26 Kämpfe, 20 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO) zu tun. Auch Shihepo schmückt sich mit einem angsteinflößenden Kampfnamen, nämlich dem der „Black Mamba“. Er ist auch die Nummer 1 in seiner Heimat, Namibia. In der unabhängigen Weltrangliste rangiert er auf Position 69. Er befindet sich damit ein paar Ränge hinter Jürgen Doberstein (16 Kämpfe, 14 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) und Khoren Gevor (41 Kämpfe, 32 Siege, 17 durch KO, 9 Niederlagen, 2 durch KO). Ich gehe davon aus, dass uns dieser Kampf reißerisch angekündigt werden wird, etwa in der Art von „Arthur Abraham Is Back“ oder „Arthur Abraham Back To The Top“ oder sonst einem Unsinn, dem man einen englischen Titel gibt, weil es sich dann besser anhört. (Wieso muss ich jetzt an Megaperls denken, diese dummdeutsche Wortschöpfung für Waschpulver?)
Sportlich erscheint mir diese Kampfansetzung, wie auch die von Brähmer, als eine langweilige Nullnummer. Jetzt würde mich aber schon noch interessieren, wie viel die ARD Sauerland für eine solche Veranstaltung zahlt, d.h wie viel von dem Geld, das zwangsweise von allen Haushalten der Bundesrepublik Deutschland eingetrieben wird, der berliner Veranstalter von Arthur Abraham vs. Willbeforce Shihepo und Jürgen Brähmer vs. Stefano Abatangelo konkret bekommt?
Ein Kampf aber verspricht doch Spannung an diesem Abend. Im Schwergewicht treffen
Kubrat Venkov Pulev (17 Kämpfe, 17 Siege, 9 durch KO) und Anthony Tyrone Thompson (41 Kämpfe, 38 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) aufeinander. Es geht dabei um den eigentlich unbedeutenden internationalen Titel der IBF, International Boxing Federation. Für den für Sauerland Event boxenden Bulgaren Pulev dürfte der Kampf gegen Thompson, der schon immerhin schon zweimal gegen Wladimir Klitschko angetreten ist, der erste wirkliche Härtetest sein. Wenn die Nummer drei auf die Nummer sieben der unabhängigen Weltrangliste trifft, dann ist das durchaus ein würdiger Hauptkampf.
© Uwe Betker

Das berliner Sommertheater

with one comment

Die Sommerpause im Boxen hat noch nicht angefangen, aber das Sommertheater ist schon im vollen Gange. In der größten deutschen Boulevardzeitung wird der Streit, den Ex-Weltmeister Arthur Abraham (40 Kämpfe, 36 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO) mit seinem Veranstalter Sauerland Event um die Kampfbörse für den nächsten Abraham-Kampf führt, öffentlich ausgetragen.
Die Ausgangssituation ist die: Abraham verlor seinen letzten Kampf am 23.03.2013 gegen Robert Stieglitz (47 Kämpfe, 44 Siege, 25 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) durch TKO und verlor damit auch seinen WBO Titel im Super Mittelgewicht. Wann er wieder einen WM Kampf bekommt, ist unklar. Noch unklarer ist, ob er überhaupt noch einmal Weltmeister werden kann. Da aber Abraham zurzeit mit dem Weltmeister der WBO im Cruisergewicht, Marco Huck (39 Kämpfe, 36 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), der einzige Boxer des berliner Veranstalters ist, der gute Einschaltquoten bringt, will man Abraham wieder aufbauen.
Abraham soll nun am 24. August in Schwerin gegen Willbeforce Shihepo (26 Kämpfe, 20 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO) boxen. Shihepo schmückt sich mit dem angsteinflößenden Kampfnamen Black Mamba. Er ist aktuell immerhin die Nummer 1 in Namibia. Er hat eine furchteinflößende KO-Quote von 57.69%. – Abraham hat 70%. – Er ist auf Position 67 der unabhängigen Weltrangliste zu finden, also nur ein paar Ränge hinter Jürgen Doberstein (16 Kämpfe, 14 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden), der auf Position 64 steht, und Khoren Gevor (41 Kämpfe, 32 Siege, 17 durch KO, 9 Niederlagen, 2 durch KO), der sich auf Position 55 befindet.
Sportlich ist diese Kampfansetzung, so wie ich das sehe, eine Nullnummer. Sie macht eigentlich nur Sinn, wenn man die Herausnahme von Abraham in seinem letzten Kampf durch Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Walter Wagner als das interpretiert, als was sie Augen- und Ohrenzeugen auch tatsächlich sahen, nämlich als Aufgabe.
Leider wird nicht veröffentlicht, wie viel Sauerland Event von dem Geld, das sie von den Rundfunkgebühren der ARD bekommen, Abraham für diesen Kampf bereit sind zu geben. Abraham ist es jedenfalls zu wenig. Er droht: „Wenn Sauerland Event sich nicht mit meinem Anwalt einigt, boxe ich nicht. Nicht am 24. August und auch später nicht mehr. Ich brauche nicht mehr zu boxen, kann sofort aufhören. Mit einem Sportler muss man fair umgehen.“
Abraham droht also damit, seine Handschuhe an den Nagel zu hängen. Was das aber wirklich zu bedeuten hat, lassen wir einfach mal dahingestellt sein.
Wie in einem richtigen Sommertheater jedenfalls geht die mediale Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien noch weiter. Da wird auf der einen Seite behauptet, Abraham sei bis zum 1. Juli im Urlaub. Abraham aber sagt: „Ich mache keinen Urlaub, trainiere im Gym und im Fitnessstudio.“ – Sommertheater.
© Uwe Betker