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Viel Schatten

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Odlanier Solis ist der nächste Pflichtherausforderer von Vitali Klitschko. Solis und sein Veranstalter Ahmet Öner fordern schon lange den WBC-Weltmeister im Schwergewicht heraus. Nach seinem Sieg gegen Ray Austin, in dem so genannten „Final Eliminator“ (17.12.2010), muss Klitschko, auch wenn er sich lange geziert hat, nun doch gegen ihn antreten. Mich, aber auch viele andere, ließ Solis’ Leistung allerdings etwas ratlos zurück. Um es deutlich zu sagen, er enttäuschte mich.
Der Kubaner wirkte, wie eigentlich immer, mit seinen 117,8 kg, bei einer Größe von 187 cm nicht austrainiert. Im Kampf zeigte er wenig, was ihn als einen ernsthaften Anwärter auf den Schwergewichtsthron empfehlen könnte. Über weite Strecken sah er geradezu lethargisch aus. Erstaunlich oft ließ er sich durch den nicht sehr guten Jab von Austin stören und auf Distanz halten. Obwohl er den Amerikaner in der fünften Runde durch eine Vielzahl von Kopfhaken zu Boden geschickt hatte, schaffte er es dann aber nicht, den Angeschlagenen auszuknocken. Es schien ihn dann schließlich auch noch die Kondition zu verlassen.
Nach dem Kampf erklärte Solis: „Ich wusste, dass er mir nicht gefährlich werden konnte. Ich hätte den Kampf jederzeit beenden können, aber ich wollte ihn dafür bestrafen, dass er mich bei der Pressekonferenz beleidigt hatte. Er hatte gesagt, wenn er mit mir fertig wäre, könnte ich zurück nach Kuba gehen. Jetzt habe ich ihn und sein großes Maul nach Hause nach Cleveland geschickt. Da gibt es nichts außer Kühe. Ich wollte ihn bestrafen, demütigen und wie einen Idioten aussehen lassen. Scheinbar hätte er mich dafür gar nicht gebraucht.“
Diese Erklärung wirkt auf mich nicht sehr glaubhaft. Zu oft war er damit beschäftigt mit seiner Doppeldeckung die Führhand seines 40-jährigen Gegenübers abzuwehren. Dominanz sieht für mich doch etwas anders aus.
Dessen ungeachtet schwärmte Ahmet Öner „Vitali kann sich schon mal warm anziehen. Solis wird ihn vor eine für ihn unlösbare Aufgabe stellen. Er ist eine Kampfmaschine und weiß genau, was er im Ring zu tun hat. Ich freue mich schon heute auf den Kampf zwischen Solis und Klitschko.“
Odlanier Solis (17 Kämpfe, 17 Siege, 12 durch KO) nennt sich „La Sombra“ – der Schatten. Davon zeigte er in seinem letzten Kampf m. E. auch mehr als Licht. Viele würden sich wünschen, dass die Übermacht der ukrainischen Weltmeister endlich gebrochen wird. Es ist jedoch sehr die Frage, ob es Solis sein wird, der dies leisten kann.
© Uwe Betker

Hoffung für das Schwergewicht

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Der Sieger des Schwergewichtskampfes Ray Austin und Odlanier Solis wird der nächste Gegner von Vitali Klitschko – ein so genannter „Final Eliminator“. Der Amerikaner Austin (36 Kämpfe, 28 Siege, 18 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO und 4 Unentschieden) ist bereits 40 Jahren alt und geht als krasser Außenseiter ins Gefecht. Arena Boxpromotion vermeldete: „Auch die amerikanischen Buchmacher sind sich einig, dass der vierfache Amateur-Weltmeister aus Kuba als Favorit in das Duell mit der amerikanischen Nr. 1 der Weltrangliste geht. Bei einem Sieg von Solis gibt es für 100,- Dollar Einsatz gerade mal 110,- Dollar zurück. Wer 100,- Dollar auf Austin setzt, bekommt dafür immerhin 7.500,- Dollar ausgezahlt.“
Alle glauben, dass der Kubaner Odlanier Solis (16 Kämpfe, 16 Siege, 12 durch KO) der Pflichtherausforderer für den WBC-Weltmeister Vitali Klitschko wird. Obwohl Solis erst relativ wenige Profikämpfe bestritten hat, ist er mit seinen 30 Jahren kein junges Talent mehr. Seinen Mangel an Profi-Erfahrung macht er geradezu mit einem Übermaß an Amateur-Erfahrung wett: Vier Mal Weltmeister, Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen und weit über 200 Amateur-Kämpfe mit nur 14 Niederlagen sprechen eindeutig für Solis.
Solis kann, wenn er denn seiner Favoritenrolle gegen Austin gerecht wird, das Schwergewicht aus der Alles erstickenden Umklammerung der Klitschko-Brüder befreien. Denn ähnlich wie sich die Klitschkos im Kampf auf den Gegner legen und damit den Kampf ersticken, erstickt auch die Dominanz von Vitali und Wladimir Klitschko das Schwergewichtsboxen. Das Seltsame an diesem Phänomen ist, dass, trotz der Dominanz, ihre Kämpfe als langweilig gelten. Dies ist ja wohl auch der Grund dafür, dass der so große und mächtige amerikanische Fernsehsender HBO keine Klitschko-Kämpfe mehr zeigen will. Mike Tyson war auch dominant, aber ihn wollten alle sehen.
© Uwe Betker

Wie man nicht zu einem ganz Großen wird

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Auf dem Kongress des WBC haben sich Don King und Ahmet Öner gegen die Klitschkos durchgesetzt. Nunmehr steht fest, dass der Kampf zwischen Ray Austin (36 Kämpfe, 28 Siege, 18 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 4 Unentschieden) and Odlianer Solis (16 Kämpfe, 16 Siege, 12 durch KO), der am 17. Dezember stattfinden soll, der „final eliminator” für den Kampf gegen Vitali Klitschko sein wird. Der Sieger ist Pflichtherausforderer für den WBC Weltmeister im Schwergewicht, und dieser Pflicht soll er auch so schnell wie möglich nachkommen, spätestens 100 Tage nach dem Kampf. Einer vorhergehenden freiwilligen Titelverteidigung gegen Schwergewicht (43 Kämpfe, 42 Siege, 27 durch KO, 1 Niederlage) wurde nicht zugestimmt.
Man kann mich nun missgünstig nennen – aber ich habe mich darüber gefreut. Dabei halte ich einen Kampf zwischen Klitschko und Adamek sogar noch für eine relativ gute Paarung. Gefreut habe ich mich trotzdem darüber, dass dieser Kampf nun nicht stattfindet, weil uns dadurch wohl eine, wie ich finde, Geschmacklosigkeit erspart bleibt. Die K2 Promotion, die Veranstaltungsfirma der Brüder Klitschko, und die HBO, der große US-amerikanische Bezahlfernsehsender, wollten zum 40sten Jahrestag des ersten Ali-Frazier-Kampfes im Madison Square Garden in New York Vitali Klitschko gegen jenen Tomasz Adamek antreten lassen.
Im Vorfeld gab es dann diesen, meiner Meinung nach, völlig unnötigen und sehr ungemessenen Wladimir-Klitschko-Muhammad-Ali-Vergleich. Da versucht sich Vitali Klitschko also nun in die Tradition von Muhammad Ali zu stellen.
Natürlich kann jeder Besitzer einer Kirmesboxbude zum 40sten Jubiläum des Ali-Frazier-Kampfes eine Veranstaltung auf die Beine stellen. Wenn er denn genug Geld hat und die Halle denn frei ist, könnte er diese Veranstaltung auch im Madison Square Garden stattfinden lassen. Dadurch verändert sich aber nicht die Qualität seiner Veranstaltung. Es färbt auch kein bisschen von dem Ruhm, der Klasse und der Größe eines Ali oder Fraziers auf seine Kämpfer ab.
Kann nicht endlich jemand den Boxern, Trainern, Veranstaltern, Managern, PR-Beratern und Fernsehsendern auf der Welt erklären, dass sie Vergleiche mit Muhammad Ali und anderen großen Boxern einfach sein lassen sollen! Als Boxer wird man groß und wird als Großer wahrgenommen, wenn man groß ist, d.h. durch nichts Anderes als durch seine Leistung. Wer aber solche Vergleiche und vermeintlichen Traditionslinien nötig hat, beweist m.E. nur, dass er weder die Größe hat noch in der besagten Tradition steht. Man kann einfach neben dem Größten, so jedenfalls meine Auffassung, nur ziemlich mickrig aussehen. Muss hier noch erwähnt werden, dass Vitali Klitschko nicht in der Tradition von Muhammad Ali steht? Er ist kein linearer Champion. Einen Vergleich erspare ich mir.
© Uwe Betker