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Povetkin der zaghafte Zar (2.)

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Alexander Wladimirowitsch Povetkin beherrscht das Ballyhoo des Boxsports gut. Vollmundig tönt er: „Ich werde Klitschko den WM-Gürtel entreißen!“ Wenn dann aber der Kampf in für ihn offensichtlich bedrohliche Nähe kommt, dann kann er aus irgendwelchen Gründen doch nicht gegen Wladimir Klitschko boxen. Das eine Mal hindert ihn einen Nebenhöhlenentzündung am Fliegen oder es lauern Gefahren für Leib und Leben in der unendlichen Weite der Wälder von Russland. Fast scheint es, als gäbe es da etwas, was er der Öffentlichkeit nicht sagen kann. Weiß er, dass er einen Klitschko nicht besiegen kann? Hat er deswegen Angst und will jetzt nicht versuchen, Weltmeister werden? Jedenfalls deutet alles darauf hin. Der „Zar“ hatte schon zweimal die Gelegenheit gehabt, gegen Wladimir Klitschko zu boxen. Der Zar scheint wohl ein bisschen zaghaft zu sein, denn beide Male hat er angeblich aus gesundheitlichen Gründen nicht boxen wollen.
Zur Erinnerung: Povetkin ist seit mehr als vier Jahren Profi; er bestritt 19 Kämpfe und gewann alle, davon 14 durch KO. Gleichzeitig erweckt er aber den Eindruck, mit stoischer Ruhe nur darauf zu warten, dass die Klitschkos ihren Thron endlich freiwillig räumen, damit er ihren Platz einnehmen kann.
Man kann natürlich verstehen, dass Povetkin, wenn er denn Angst hat, sich nicht traut, gegen so starke Boxer wie die Klitschkos anzutreten. Gleichzeitig kann man auch argumentieren, dass mindestens 30% von 13,13 Millionen US-Dollar eigentlich doch keine schlechte Börse für einen Kampf von 12 mal 3 Minuten ist. Wenn Herr Kalle Sauerland das als einen „Sklavenvertrag“ bezeichnet, so wird er, wenn er es denn darauf anlegen möchte, ein Heer von Menschen finden, die mit Freuden einen solchen Sklavenvertrag unterzeichen würden.
An dieser Stelle möchte ich an einen nicht so zaghaften Boxer erinnern: Pete Rademacher. Rademacher gewann wie Povetkin die Olympischen Spielen (1956 in Melbourne). Danach wollte er es dann aber direkt wissen. Er trat gleich in seinem ersten Profikampf gegen den amtierenden Weltmeister im Schwergewicht, Floyd Patterson, an. Wohl gemerkt, damals gab es nur einen Weltmeister! Am 22.08.1957 unterlag er durch KO in Runde 6, aber vorher, in Runde 2, hatte er den Weltmeister selber am Boden.
Ginge es nach mir, so sollte so etwas eine einmalige Anekdote der Boxgeschichte bleiben. Aber ein bisschen mehr Willen zum Risiko würde ich doch gerne sehen von jemandem, der Weltmeister werden will und als Weltmeister auch ernst genommen werden will.
(C) Uwe Betker

Written by betker

12. Oktober 2010 at 23:59