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Posts Tagged ‘Franz-Michael Maaß

Foto: Ehsan Maudodi (mit Ringrichter Franz-Michael Maaß)

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Maudodi vs. Murko
(C) Marianne Müller

Written by betker

14. April 2014 at 23:59

Ein beeindruckender, ein unbeeindruckender Kampf und lästige Punktrichter

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Ob die Übertragung von Boxkämpfen im Internet die Zukunft von Universum Box-Promotion sichern kann – ich weiß es nicht. Von den vier Kämpfen der letzten Veranstaltung im Universum Gym am 26.03.2011, die wohl auch die letzte an diesem Ort überhaupt gewesen sein dürfte, wurden zwei via Internet von bild.de übertragen. Man muss wirklich sagen: Dem Zuschauer wurde etwas geboten für seine Telefongebühren.
Im ersten Kampf verteidigte Schwergewichts-Europameister Alexander Dimitrenko (32 Kämpfe, 31 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage) seinen Titel gegen Albert Sosnowski (51 Kämpfe, 46 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) erfolgreich. Die Beiden zeigten einen durchaus sehenswerten Kampf. Der 28jährige Dimitrenko, der das erste Mal als Deutscher in den Ring stieg, war in der langen Distanz überlegen. In der ersten Hälfte konnte er seinen Reichweitenvorteil (er ist 2,01 Meter groß und sein Gegner ist 12 Zentimeter kleiner) nutzen und punktete schön mit der Führ- und mit der Schlaghand. Wollte Sosnowski eine Chance haben, in den Kampf zu kommen, war er gezwungen, die Distanz zu verkürzen. Gerade die Zähigkeit und Kampfstärke des Polen machte dann die Begegnung der beiden Kontrahenten zu einem wirklich beeindruckenden EM-Kampf. Als Dimitrenko in den letzten Runden massive konditionelle Probleme bekam, wurde es noch einmal richtig spannend. Der Kampf schien zu kippen. Der Herausforderer suchte die Entscheidung und der Titelverteidiger konnte ihn nicht mehr auf Distanz halten. In höchster Not klammerte Dimitrenko so oft er nur konnte. In der letzten Runde kam er dann aber mit einem brutal harten rechten Aufwärtshaken durch, der Sosnowski fällte.
Das Aufeinandertreffen der Beiden zeigte, dass nicht immer nur bei WM-Kämpfen gutes und vor allem spannendes Boxen zu sehen ist. Es war einer der unterhaltsamsten Schwergewichtskämpfe seit langer Zeit. Man kann nur hoffen, dass wir mehr solche Kämpfe zu sehen bekommen. Weiterhin hoffe ich, dass Klaus-Peter Kohl, der Manager von Dimitrenko, nicht auf die Idee kommt, seinen Schützling in absehbarer Zeit eine WM boxen zu lassen. Denn dafür reicht es, nach meiner Meinung, noch nicht. Zu offensichtlich zeigte Dimitrenko Schwächen in der Defensive und zu wenig Druck und Entschlossenheit in der Offensive.
Die ebenfalls erfolgreiche Titelverteidigung der Weltmeisterin im Fliegengewicht der Verbände WIBF, WBA und WBO Susianna Kentikian (28 Kämpfe, 28 Siege, 16 durch KO) war schlicht unbeeindruckend. Die eingedeutschte Syuzanna Kentikyan boxte gegen eine Hausfrau und dreifache Mutter aus Mexiko. Anna Arrazola (28 Kämpfe, 19 Siege, 16 durch KO, 6 Niederlagen, 3 Unentschieden) hatte ihr schlicht nichts entgegenzusetzen außer ihren Willen.
Der Kampf beeindruckte mich nicht nur deshalb so wenig, weil er nach der Dimitrenko EM kam. Es war auch so, dass die boxende Hausfrau und Mutter einfach viel zu schwach war. Und Frau Kentikian boxte auch ganz gewiss nicht wie eine „Killer Queen“, sondern eher wie eine Büroangestellte, die ihre Aufgaben abarbeitet.
Am Ring saß nun zu allem Überfluss auch noch als Punktrichter wieder Frank-Michael Maaß. Das ist jener Maaß, den man als Garantie dafür ansehen kann, dass Frau Kentikian auf jeden Fall nach Punkten gewinnt, wie der Kampfverlauf auch immer sein mag. Da könnte man doch fast auf die Idee kommen, Universum Box-Promotion war sich vorher über das Leistungsvermögen ihrer Kämpferin nicht so ganz sicher.
Außerdem fand ich bemerkenswert, wie stolz der BILD-Kommentator Fuss darauf war, dass er während des Dimitrenko-Kampfes von einem Punktrichter – ob dies wiederum Herr Maaß war, weiß ich natürlich nicht – über den Punktestand informiert wurde. Soweit ich nun aber informiert bin, ist das immer noch nicht erlaubt. Wie schon sooft, stelle ich mir auch jetzt erneut die Frage, wieso sich an deutschen Ringen die Punktrichter eigentlich nicht einfach nur darauf beschränken, das zu machen, wofür sie da sind, nämlich den Kampfverlauf durch ihr Punkten wiederzugeben. Punktrichter, die ihre Aufgabe nicht erfüllen, sind doch einfach nur lästig.
© Uwe Betker

Wladimir Klitschko gegen Jürgen Brähmer

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Der IBF und WBO Weltmeister im Schwergewicht Wladimir Klitschko will seinen Titel nicht gegen Dereck Chisora und David Haye verteidigen, sondern gegen Jürgen Brähmer, dem WBO-Weltmeister im Halb Schwergewicht. – Eine absurde Ankündigung? Mag sein. Aber Ankündigungen dieser Art gibt es wirklich.
Die Weltmeisterin nach Version WIBF, WBA und WBO im Fliegengewicht Susianna Kentikian (27 Kämpfe, 27 Siege, 16 durch KO) boxt am 29. Januar 2011 in Hamburg gegen Teeraporn Pannimit (18 Kämpfe, 13 Siege, 5 durch KO, 3 Niederlagen). Die 18jährige Pannimit, die sich Female Rambo nennt, ist Weltmeisterin der WBO jedoch im Minimumgewicht, also zwei Gewichtsklassen unterhalb der Gewichtsklasse, in der Frau Kentikian boxt. An diesem Punkt ist der Vergleich Klitschko/Brähmer mit Kentikian/Pannimit zutreffend. Denn in den niedrigen Gewichtsklassen wirkt sich der Gewichtsunterschied genau so aus, wie in den höheren. Das heißt Frau Kentikian ist größer, hat eine größere Reichweite und vor allem eine sehr viel größere Schlaghärte.
Hier aber hören auch schon die Gemeinsamkeiten auf. Brähmer hätte nämlich gegen einen Klitschko größere Chance als Pannimit gegen Kentikian. Obwohl Pannimit Weltmeisterin ist, hat sie bis jetzt nur gegen No-Names geboxt. Die Thailänderin errang ihren Titel (02.04.2010) gegen Eun-Young Huh aus Korea, die einen Kampfrekord von 7 Kämpfen, 6 Siegen, 1 Unentschieden hatte. Sie verteidigte den Titel (22.11.2010) gegen Jujeath Nagowa von den Philippinen, die einen Kampfrekord von 18 Kämpfe, 9 Sieg2, 5 durch KO, 8 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden hatte.
Die selbsternannte Killer Queen konnte im letzten Jahr in keinem ihrer beiden Kämpfe auch nur ansatzweise sportlich überzeugen. Wir erinnern uns: Sie verdankte den Erfolg der Titelverteidigung gegen Nadia Raoui aus Herne (24.04.2010) sehr viel mehr den deutschen Punktrichtern Werner Kasimir und Franz-Michael Maaß als ihrer eigenen boxerischen Leistung. In ihrer zweiten Titelverteidigung gegen Arely Mucino aus Mexiko (17.07.2010) verdankte sie dem Ringarzt ein No Contest, der den Kampf aufgrund einer Cutverletzung im Haaransatz abbrach, die bei einem Männerboxkampf wohl nie zu einem Abbruch geführt hätte.
Ich gebe zu, ich hatte gehofft, dass Frau Kentikian und ihr Veranstalter Universum Box-Promotion den Mut aufbringen würden, ihre „Altlasten“ vom letzten Jahr abzuarbeiten. D.h. ich hoffte, es würde einen Rückkampf mit Arely Mucino und Nadia Raoui geben. Aber das Vertrauen in die sportlichen Fähigkeiten von Frau Kentikian ist wohl so stark gesunken, dass es inzwischen, wie es aussieht, nur noch darum geht, ein Opfer zu finden.
© Uwe Betker

Trainer und Boxerin des Jahres

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Zum Ende eines jeden Jahres sind alle Sportjournalisten, die im Verband Deutscher Sportjournalisten organisiert sind, aufgerufen, den „Sportler der Jahres“ zu wählen. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Snookerspieler, ein Behindertensportler oder ein Voltigierer nur eine theoretische Chance haben, die Auszeichnung in Empfang zu nehmen.
Der BoxSport, die einzige deutsche Box-Zeitschrift, geht einen anderen Weg. Sie befragt ihre Leser. Dieses Jahr gewann hier in der Kategorie bester Trainer: Ulli Wegner. Oder besser gesagt, er vereinigte die meisten abgegebenen Stimmen auf sich. Aber es gab auch eine „Expertenjury“, die Fritz Sdunek kürte. Daher wurde der Titel geteilt. An dieser Stelle kann man sich natürlich schon fragen, warum denn erst die Leser gefragt werden, wenn die Zeitschrift dann deren Votum doch nicht traut?
Eine interessante andere Titelvergabe erfolgte in der Kategorie „Boxerin des Jahres“. Den ersten Platz erreichte Cecilia Braekhus, ihr folgten Susianna Kentikian und Jessica Balogun. Die gebürtige Kolumbianerin, die für Sauerland Event boxt, „bekam 976 Stimmen und sechs Jury-Punkte“, was immer das auch heißen mag. Um es deutlich zu sagen: 976 Leser (!) waren der Meinung, dass die Norwegerin, die mittlerweile bevorzugt in Dänemark boxt, die Boxerin des Jahres sein soll. Mich persönlich erstaunt diese Wahl allerdings doch ein wenig.
Frau Braekhus (16, Kämpfe, 16 Siege, 4 durch KO) boxte im Jahr 2010 insgesamt dreimal, zweimal in Dänemark und einmal in Deutschland. Wenn ich mich recht entsinne, wurden zwei der drei Kämpfe abschnittsweise als Beimischung von der ARD gezeigt. Sie bestritt ihren ersten Kampf des Jahres 2010 (15.05.2010) gegen Victoria Cisneros (15, Kämpfe, 5 Siege. 1 KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden), also gegen eine Gegnerin mit negativem Kampfrekord. Danach boxte sie (30.10.2010) gegen die ungeschlagene Mikaele Lauren (6 Kämpfe, 6 Siege, 1 durch KO). Aber mit nur sechs Kämpfen ist eine solche Gegnerin eher als Anfängerin in Sachen Profiboxen anzusehen. Über die Unwürdigkeit von Eva Halasi (8 Kämpfe, 6 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlage, 2 durch KO), die Braekhus dann auch standesgemäß in der dritten Rune KO schlug (20.11.2010), habe ich schon mehrfach hier geschrieben. Was also qualifiziert die selbsternannte „First Lady“ nun zur „Boxerin des Jahres“? Ich zumindest kann es nicht sehen.
Die Wahl der Vorjahressiegerin Susianna Kentikian (28 Kämpfe, 27 Siege, 16 durch KO, 1 keine Wertung) auf den zweiten Platz ist, so finde ich, nur noch absurd. Syuzanna Kentikyan, so heißt die in Yerevan, Armenien geboren Dame wirklich, hat 2010 überhaupt nur zweimal geboxt. Das erste Mal wurde sie von Nadia Raoui aus Herne (24.04.2010) vermöbelt. Zwei in meinen Augen unfähige deutsche Punktrichter (Werner Kasimir und Franz-Michael Maaß – die Namen muss man sich merken) sahen aber Frau Kentikian aus Gründen, die, wie ich glaube, viele wissen möchten, als Siegerin.
Die Titelverteidigerin zeigte nach dem Kampf, wie ich finde, eine eklatante Unfähigkeit zur Selbstkritik und zur realistischen Wahrnehmung der eigenen Leistung und der Realität. Ihre Äußerungen verrieten eine maßlose Selbstüberschätzung sowie richtig schlechten Stil. Zu einem Rückkampf kam es nicht, obwohl der Veranstalter Klaus-Peter Kohl nach dem Kampf angekündigt hatte, über einen Rückkampf nachzudenken wolle. Es ist nicht bekannt, ob er heute, mehr als 8 Monate später, immer noch darüber nachdenkt.
Stattdessen kämpfte die selbsternannte „Killer Queen“ gegen eine vermeintlich schwächere Gegnerin, Arely Mucino (17.07.2010). Auch hier sah Frau Kentikian alles andere als gut aus. Sie kam überhaupt nicht in den Kampf. Als sie sich dann eine Cutverletzung im Haaransatz zuzog, der bei einem Männerboxkampf wohl nie zu einem Abbruch geführt hätte, wurde der Kampf zu einem No Contest erklärt. Hierdurch waren ihre WM-Gürtel wieder einmal gerettet. Auch nach diesem Kampf legte sie ein ähnliches Verhalten wie schon nach ihrer Begegnung mit Raoui an den Tag.
Fassen wir das Boxjahr von Frau Kentikian zusammen: Zwei Kämpfe, ein skandalöses Fehlurteil, ein glücklicher Kampfabbruch und Äußerungen der Boxerin, die ihr nicht gerade schmeicheln. Was hat Frau Kentikian auf Platz zwei zu suchen?
Erfreulich ist, dass Jessica Balogun Platz drei erreichte. Balogun (19 Kämpfe, 18 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage) hat bereits einige Gürtel eingesammelt, wenn auch von kleineren Verbänden. Sie ist wohl eine der stärksten Weltergewichtlerinnen der Welt und damit eine direkte Konkurrenz für Cecilia Braekhus. Besonders erfreulich wird ihre Platzierung noch dadurch, dass hinter ihr kein großer Veranstalter steht. Dementsprechend waren ihre Kämpfe aber auch noch nicht im Fernsehen zu sehen, jedenfalls nicht im überregionalen. Ich würde auf jeden Fall die Boxerin von Mario Guedes auf eine höhere Position setzen.
© Uwe Betker