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„Meine Mutter sprach ein wunderbares Englisch“

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Notizen zu Willi Besmanoff (1)

In den fünfziger Jahren versuchten einige deutsche Boxer im gelobten Land des Boxens, in den USA, Fuß zu fassen. Sie wanderten aus und schlugen sich als Preisboxer durch. Keiner von ihnen konnte Weltmeister werden, doch einige von ihnen gelangten aufgrund ihrer sportlichen Leistungen zu einer gewissen Popularität. Unter ihnen sind u. a. Willi Besmanoff, und Franz Szuzina zu nennen.

Es zeigt sich dabei ein seltsames Phänomen: Durch den Weggang in die USA brachten sie sich in ihrer alten Heimat zum Verschwinden. Die aktive Boxszene in Deutschland der 50er und frühen 60er Jahre vergaß diejenigen ihrer Boxer, die der Heimat den Rücken zugekehrt hatten. Ein Beispiel von vielen: Vor vielen Jahren, bevor es das Internet gab, wollte ich etwas über Franz Szuzina erfahren, weil ich – ja weil ich mich für seine Geschichte interessierte und im Hinterkopf hatte, eventuell etwas über ihn zu schreiben. Auf einer Veranstaltung traf ich den ehemaligen Herausgeber einer deutschen Boxzeitschrift, den ich auf Szuzina ansprach. Die einzige „Information“, die ich dabei bekam, war ein „ja, den gab es auch mal.“ Danach wechselte er das Thema zu Henry Maske.

Robert Richard, der führende Yvonne Durell Fachmann trat mit der Bitte an mich heran, für ihn Willi Besmanoff anzurufen. Er hatte vorher mit ihm telefoniert, um ihn über seinen Kampf mit Yvonne Durell zu befragen. Dabei war aber nichts herausgekommen, was Richard auf sprachliche Schwierigkeiten zurückführte.

Die Telefonnummer von Besmanoff war die Nummer eines Pflegeheims. Ich bekam mit, dass eine Schwester in sein Zimmer ging und ein Telefon einstöpselte. Als ich dann den 78jährigen ehemaligen Boxer am Apparat hatte, hörte er sich sehr alt und sehr müde an. Er hielt mich zuerst für einen seiner Verwandten. Danach versuchte ich zu klären, ob und in welcher Sprache er mit mir sprechen wollte. Er sagte, er wolle Englisch sprechen. Dann sagte er auf Englisch: „Meine Mutter sprach ein wunderbares Englisch.“ Das sind die einzigen Informationen die ich von diesem großen, hier in Deutschland vergessenen Boxer bekommen konnte. Besmanoff verschwand nach diesem Satz in seine Welt, in der ihn keiner folgen kann.

„Meine Mutter sprach ein wunderbares Englisch.“ – das ist das Einzige, was von den Erinnerungen des Willi Besmanoff geblieben ist.

© Uwe Betker

Written by betker

10. Oktober 2010 at 23:59