Box-Blog

Posts Tagged ‘Frauenboxkampf

Gutes Boxen in Detmold

leave a comment »

Am 10. Oktober gab es in der Stadthalle Detmold eine bemerkenswert gute Boxveranstaltung zu sehen. Kai Gutmann stellte sie auf die Beine. Die Stadthalle ist ein ausgesprochen schöner Veranstaltungsort; sie hat etwas von einem Theater. An zwei Seiten des Rings stiegen 12 Theaterstuhlreihen an. Auf der einen Längsseite war eine Empore.
Es gab fünf gute Amateurkämpfe, davon ein Frauenkampf. Außerdem waren vier Profiboxkämpfe zu sehen, von denen zwei von Frauen bestritten wurden. Geschätzte 400 Zuschauer sahen eine außerordentlich gute Veranstaltung.
Es begann schon gleich sehr gut. Jammy Kummande gab sein Profidebüt gegen Remo Arns (20 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 13 Niederlagen, 7 durch KO) im Halbschwergewicht. Gegen Arns sein Debüt zu geben, zeugt schon von einem großen Selbstbewusstsein. Der Schützling von Ralf und Graciano „Rocky“ Rocchigiani boxte auch wie ein Erfahrener. Seine linke Führhand war schnell und präzise. Er dominierte das Geschehen von der ersten Minute an. Der erfahrene Arns hatte tatsächlich keine Chance. Am Ende der ersten Runde wurde er an den Seilen gestellt, wo er zwei linke Haken zum Kopf, gefolgt von einer Rechten nehmen musste, die ihn sichtlich erschütterten. Arns versuchte zu Beginn der zweiten Runde schneller an Kummande heranzukommen, um ihn mit Schwingern einzudecken, aber die trafen nur die Deckung. Kummande konterte ihn vielmehr souverän und erhöhte seinerseits den Druck. Dann war es plötzlich auch schon zu Ende. Kummande kam mit einem schönen harten linken Haken zur Schläfe durch. Es folgte noch eine Rechte und Arns ging zu Boden. Bevor der Ringrichter anfangen konnte zu zählen, flog auch schon das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 2 nach 2:27 Minuten Jammy Kummande. – Ein beeindruckendes Profidebüt. Wir können gespannt sein, wie sich Kummande weiter entwickelt.
Graciano Rocchigiani und Mario Achour zeigten sich nach dem Kampf zufrieden mit dem Ausgang. Sie plauderten noch über ihr neues Gym, ihre Pläne für eine Box-Casting-Show und ihre Zusammenarbeit mit Holger Petersent, dem neuen und sehr umtriebigen Veranstalter aus Hamburg. In diesem Zusammenhang wurde auch von einer Achse Berlin-Hamburg und von der Website boxen-im-norden.de gesprochen.
Der folgende, von zwei Frauen geführte Kampf stand dem vorangegangenen in nichts nach. Im Leichtgewicht traf Beke Bas (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) auf Zsofia Bedo (49 Kämpfe, 13 Siege, 3 durch KO, 35 Niederlagen, 10 durch KO, 1 Unentschieden). In der ersten Runde tasteten sich die beiden noch ab. Bedo, die größere Boxerin, versuchte lang zu bleiben. Bas versuchte, den Abstand zu verkürzen und in die Halbdistanz und den Infight zu kommen. Bas war in ihren Bemühungen sehr viel erfolgreicher als ihre Gegnerin. Sie erhöhte kontinuierlich den Druck, ohne dabei zu überhasten. Im zweiten Durchgang zeigte sie mehrfach ein sehr schönes „bob and weave“, wobei sie schöne Treffer setzte. Aber auch mit der klassischen Führhand-Schlaghand-Kombination kam sie durch. In der dritten Runde kam dann das Ende für Bedo. Erst nahm sie eine harte Rechte zum Kopf, die sie wackeln ließ. Dann wurde sie in den Seilen gestellt und nahm eine Rechte an die Schläfe, die sie zu Boden schickte. Auf dem Boden sitzend wurde sie ausgezählt. Siegerin durch KO in Runde 3 nach 2:00 Minuten Beke Bas. Auch hier dürfen wir gespannt sein, wie sich die talentierte Bas weiter entwickeln wird.
Hiernach stiegen Christian Pawlak (33 Kämpfe, 24 Siege, 14 durch KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Norbert Szerkeres (64 Kämpfe, 16 Siege, 9 durch KO, 45 Niederlagen, 11 durch KO, 3 Unentschieden) für einen Vierrunder im Super Mittelgewicht in den Ring. Pawlak, der auch wohl sehr kurzfristig den Kampf angenommen hat, wirkte unkonzentriert. Vier Runden lang schlug Pawlak, bis auf eine einzige Ausnahme immer nur zum Kopf. Sehr erstaunlich war, dass ein so erfahrener Mann wie Szerkeres konsequent falsch herum ging, d.h. immer in die Schlaghand von Pawlak. Dessen Ecke coachte auch fast gar nicht, dafür hörte Pawlak aber offensichtlich auf Graciano Rocchigiani, der im Saal stand und Anweisungen gab. Auch in den Ringpausen suchte Pawlak Augenkontakt zu Rocchigiani. Was kann man noch über den Kampf sagen? Szerkeres kann nehmen und er nimmt viel. Er nimmt so viel, dass das einfach nicht gesund sein kann. Am Ende stand ein etwas glanzloser Punktsieg für Christian Pawlak.
Der Hauptkampf des Abends war ein Frauenboxkampf. Leonie Giebel (9 Kämpfe, 8 Siege, 1 durch KO, 1 Unentschieden) traf im Super Federgewicht auf Daniela Graf (12 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 6 Niederlagen, 1 Unentschieden). Bei dem Aufeinandertreffen ging es um die vakante deutsche Meisterschaft der GBA. Bei dem Achtrunder handelte es sich um eine regelrechte Ringschlacht, die sicher noch lange diskutiert werden wird. Graf war die aggressivere Boxerin, die ihrer Gegnerin den Schlagabtausch antrug. Von der ersten bis zur letzten Sekunde ging sie nach vorne. Sie schlug aus jeder Position Haken. Giebel, die etwas größer war, boxte den aufrechten Stil und schlug schöne Graden. Sie setzte die saubereren Treffer, vor allem zum Kopf. Manchmal brachte sie auch Aufwärtshaken zum Kopf, die dann auch Wirkung erzielten. Im Infight und meist auch in der Halbdistanz aber war sie unterlegen. Der Kampf wogte hin und her und wurde von Runde zu Runde verbissener geführt. Die sechste Runde wurde dann vom Zeitnehmer – wohl aus Versehen – 45 Sekunden zu früh abgegongt. Die Ecke von Graf vermutete lautstark ein Komplott gegen sie, wodurch die verbleibenden zwei Runden dann noch giftiger ausgetragen wurden. Die Punktrichter der GBA werteten 77:75, 75:77 und 79:75, wodurch Giebel der Sieg zugesprochen wurde.
Dieser Ausgang wurde nach dem Kampf aber noch lange und hitzig diskutiert. Ich persönlich hatte den Kampf unentschieden gepunktet. Man muss dazu aber sagen, dass es schon extrem schwer war zu punkten. In jeder Runde musste die Workrate (Graf) gegen klarere Treffer (Giebel) abgewogen werden, und hier schwingen dann natürlich persönliche Vorlieben mit. Ein Sieg für Graf hätte mich auch nicht gewundert. Egal wie die Punktrichter auch noch hätten entscheiden können, die Entscheidung wäre, meine ich, in jedem Fall diskutiert worden. Vor allen Dingen lässt sich festhalten, es war ein großer Kampf von beiden Boxerinnen.
Die Veranstaltung, die Kai Gutmann in der Stadthalle Detmold da auf die Beine gestellt hat, war wirklich gut. Was ich persönlich schon bemerkenswert fand, war, dass sich Gutmann nicht scheute, auf Frauenboxen zu setzen. Das Publikum wusste das wohl auch zu schätzen. Jedenfalls saßen im Zuschauerraum erstaunlich viele Frauen. Denen wurde auch in den Ringpausen etwas geboten. Bei den Boxkämpfen der Männer zeigten zwei Nummerngirls im rückenfreien kleinen Schwarzen die Runde an. Bei den Frauenboxkämpfen wurde dieser Part dann von einem Mann mit nacktem Oberkörper übernommen. So war für jeden etwas dabei. Ich werde wieder hinfahren.
(C) Uwe Betker

Ringschlachten in Velbert

leave a comment »

Der Wuppertaler Kultboxer und Veranstalter Werner Kreiskott zog für einen Tag in die Nachbarstadt Velbert. Dort fand am 19.09.2015 in der EMKA Sportarena eine bemerkenswerte Veranstaltung statt. Zwölf Kämpfe standen auf dem Programm, von denen sechs Profiboxkämpfe waren. Der Hauptkampf war sogar eine Weltmeisterschaft, wenn auch nur nach Version WBU, aber immerhin – und wenn die Veranstaltung was hermachen will, dann muss das Kind ja schließlich auch einen Namen haben.
Der einzige Frauenboxkampf des Abends war auch gleich der erste Profiboxkampf des Abends. Dabei trafen im Leichtgewicht Ikram Kerwat (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO) und Bojana Libiszewska (9 Kämpfe, 1 Sieg, 8 Niederlagen) aufeinander. Kerwat, die vom ehemaligen Weltmeister im Super Mittelegewicht Sven Ottke sekundiert wurde, bestimmte den Kampf, wenn auch ohne viele Aktionen. Sie war die klar bessere Boxerin und dominierte den Vierrunder nach Belieben. Ihre Beinarbeit und ihre Deckung waren, soweit ich das nach dem,was ich gesehen habe, jetzt sagen kann, gut. Aber sie macht eben extrem wenig. Pro Runde gab es nur eine Handvoll Aktionen. Meist standen sich die beiden Boxerinnen fintierend gegenüber. Manchmal ließ Kerwat auch lässig ihre Führhand fallen, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Sie zeigte auch zwischendurch Andeutungen eines Bolo Punches. Dem folgten dann aber keine Aktionen. Die unterhaltsamste Runde war die dritte. In der kam Kerwat am Ende mit einem rechten Schwinger zum Kopf durch, der Libiszewska einknicken ließ. Kerwat setze nach und konnte noch einen rechten Schwinger ins Ziel bringen. Libiszewska erreichte klammernd die Ringpause. Der Punktsieg von Ikram Kerwat war eindeutig.
Es folgte ein Gefecht im Cruisergewicht, das auf 10 Runden angesetzt war, aber nur 46 Sekunden dauerte. Sanel Papic (16 Kämpfe, 16 Siege, 13 durch KO) traf auf Slobodan Jankovic (7 Kämpfe, 1 Sieg, 5 Niederlagen, 5 durch KO). Papic war von Anfang an auf der Jagd und Jankovic auf der Flucht. Praktisch in der ersten Aktion fällte Papic dann auch schon seinen Gegner. Zwei Leberhaken in der Ecke von Papic brachten Jankovic zu Boden. Dann flog ein Handtuch. TKO in Runde 1.
Es folgte der Kampf Emin Atra (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO) gegen Radovan Petrovic (10 Kämpfe, 10 Niederlagen, 9 durch KO) im Super Mittelgewicht. Von einem Kampf mag ich eigentlich gar nicht sprechen. Mir stellte sich das Ganze eher als eine Demonstration von Arbeitsverweigerung durch Herrn Petrovic dar. Er ließ die sich dann auch schon bald nach einem Wischer zu Boden fallen. Kurze Zeit später ging er erneut schmierentheatermäßig zu Boden – je nach Perspektive: aufgrund eines Schlags auf die Schulter oder nach einem Kopfstreichler. Der Ringrichter Arno Pockrand fing an zu zählen. Dann kam ein Handtuch geflogen, aber Pockrand ließ sich nicht beirren und zählte bis 10. Immerhin bekommt Petrovic nun eine Zwangspause, in der er nicht Veranstalter, Gegner und Publikum auf die Nerven gehen kann durch seine Arbeitsverweigerung. Sieger durch KO in Runde 1 nach 1 Minute 19 Sekunden: Emin Atra.
Die folgenden drei Kämpfe entschädigten mich dann aber vollends für das Vorangegange. Um es vorab zu sagen: Das Hauptprogramm war einfach klasse. Marco „Krawallo“ Martini (6 Kämpfe, 6 Siege, 2 durch KO) und Jovica Jovanovic (4 Kämpfe, 1 Sieg, 3 Niederlagen, 1 durch KO) stiegen für einen Sechsrunder in den Ring. Von der ersten bis zur letzten Minute standen die beiden Kontrahenten Fuß an Fuß und deckten sich mit Schlägen ein. Die ersten zwei Runden waren einfach nur intensiv. Beide gingen ein extrem hohes Tempo. Sie hielten sich nur sehr selten mit Anboxen auf, sondern suchten und fanden gleich den Schlagabtausch. Mit Körper- und Kopfhaken deckten sie sich ein, wobei Martini meist die Oberhand behielt. Jovanovic steckte aber zu keinem Zeitpunkt auf. Ende der dritten Runde bekam Martini sein Leistungstief, das anhielt bis zum Ende der nächsten Runde, die auch deutlich langsamer geführt wurde. In dieser Zeit nahm er mehr als sein Gegner. In der folgenden Runde erhöhte Martini dann wieder das Tempo und hatte auch wieder mehr vom Kampf. Beide Boxer nahmen im Laufe des Kampfes viele Schläge. Am Ende der Materialschlacht stand ein Punktsieg für Marco Martini.
In der GBA Juniorenmeisterschaft im Halbschwergewicht trafen David Saric (7 Kämpfe, 7 Siege, 7 durch KO) und Kevin Laubach (5 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) aufeinander. Saric kam am Anfang der ersten Runde mit einem schönen präzisen rechten Cross zur Schläfe durch und war damit auf der Siegerstraße, die er nicht mehr verließ. Im Laufe der Runde kam er auch noch mehrfach schön mir rechten Kopfhaken und Körperhaken durch. Die Linke von Laubach war schlicht zu langsam für die Rechte von Saric. Auch in der zweiten Runde nahm Laubach viele Treffer. Wobei Saric ruhig und überlegen boxte. Es war nur noch die Frage, wann und wie der Kampf zu Ende gehen würde. In der dritten Runde erhöhte Saric den Druck und ließ nicht mehr von seinem Gegner ab. Laubach stand an den Seilen und kam nicht mehr weg. Irgendwann sackte er einfach in sich zusammen und wurde ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 3 nach 1 Minute 45 Sekunden: David Saric.
Hauptkampf des Abends war dann die vakante Interimsweltmeisterschaft im Schwergewicht nach Version World Boxing Union zwischen Werner Kreiskott (43 Kämpfe, 22 Siege, 16 durch KO, 19 Niederlagen, 8 durch KO) und Zoltan Csala (13 Kämpfe, 9 Siege, 7 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO). Um es gleich vorweg zu sagen: Es war eine Ringschlacht. Beide hielten sich nicht lange mit Abtasten und Studieren des Gegners auf. Sie gingen vielmehr direkt aufeinander los und versuchten sich gegenseitig KO zu schlagen. Die ersten drei Minuten waren ein nahezu ununterbrochener Schlagabtausch, der hin und her wogte. Keiner konnte für sich einen klaren Vorteil herausarbeiten. In der zweiten Runde verlegte sich Kreiskott dann darauf, mehr zum Körper zu gehen, was Csala auch offensichtlich nicht gut vertrug. Der KO Sieg für Kreiskott war schon zum Greifen nah. Dann plötzlich, am Ende der Runde, lief Kreiskott in eine Rechte hinein, die ihn fast durch die Seile schlug. Er wurde von Ringrichter Mustafa Erenay angezählt. Die verbleibende Zeit bis zur Rundenpause versuchte Kreiskott nur noch irgendwie zu überstehen, während Csala auf ihn eindrosch.
Die dritte Runde setzte dort an, wo die zweite aufgehört hatte. Kreiskott, der wohl immer noch nicht ganz da war, nahm und Csala deckte ihn mit harten Schlägen ein. Aber dann bekam Kreiskott den „zweiten Wind“ und drehte den Kampf doch noch mal. Erst gab es einen offenen Schlagabtausch nach dem anderen. Dann deckte er seinen Gegner mit Schlägen ein. Am Ende der Runde war Csala kurz vor dem KO. Er spuckte den Mundschutz aus, um sich ein paar Sekunden Luft zu verschaffen. In der folgenden vierten Runde trieb Kreiskott Csala vor sich her. Immer wieder stellte er ihn und immer wieder kam er mit schweren, harten Treffern zu Kopf und Körper durch. Kreiskott stellte Csala an den Seilen und ließ ihn nicht mehr weg. Irgendwann drehte Csala sich dann ab und gab auf. Zeitgleich ging der Ringrichter dazwischen und brach den Kampf ab. Sieger durch TKO in Runde 4 nach 43 Sekunden: Werner Kreiskott.
Die Veranstaltung Werner Kreiskott in Velbert war ein voller Erfolg. Es gab sechs Kickboxkämpfe, drei Aufbaukämpfe und drei Hauptkämpfe zu sehen. Bei den drei letzten handelte es sich um regelrechte Ringschlachten, über die die Zuschauer noch lange reden werden.
© Uwe Betker

Lübecker Requiem

leave a comment »

Die geschätzt einhundert Zuschauer, die sich am 26.04.2014 in die Hansehalle Lübeck einfanden, kamen nicht für ein Requiem, sondern für eine Profiboxveranstaltung. Der Veranstalter Rolf Neumann stellte seine zweite Show auf die Beine. Zwei weitere waren für dieses Jahr geplant. Er schickte sich an, eine feste Größe im Boxgeschäft zu werden. Aber alles kam ganz anders. Die Fightcard der „2. Fight Night Hansestadt Lübeck“ sah 10 Kämpfe vor.
Den ersten Kampf bestritten im Cruisergewicht Helge Rippe (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Özgur Göcmen (5 Kämpfe, 3 Siege, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Das Aufeinandertreffen der beiden war kurz und – zumindest für Göcmen – schmerzhaft. Dieser versuchte sich hinter einer Doppeldeckung zu verschanzen, während Rippe seine harten Schläge gut auf Körper und Kopf verteilte. Göcmen wurde bald schon an den Seilen gestellt und kam nicht mehr weg. Ein rechter Haken ans Kinn fällte ihn. Schwer KO lag er minutenlang auf dem Ringboden. KO 1, 1:24min.
Im zweiten Kampf trafen im Halbschwergewicht Ismael Özen (11 Kämpfe, 10 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Dusan Makula (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO) aufeinander. Der von Artur Grigorian trainierte Özen begann sehr passiv. Er behauptete zwar die Ringmitte, aber Makula setzte mehr Treffer. Im zweiten Durchgang wurde Özen aktiver und bestimmte von da an den Kampf. Sein Jab kam immer häufiger durch. Makula versuchte mit überfallartigen Angriffen zum Ziel zu kommen. In der hart umkämpften dritten Runde musste er zu Boden, weil Özen ihn getroffen hatte, als er aus der Balance war. Es wurde nicht als Niederschlag gewertet. In der vierten Runde zahlte sich die Geduld von Özen aus. Bei einem Schlagabtausch traf er seinen Gegner hart. Der versuchte noch mit einer schauspielerischen Einlage die Schlagwirkung zu kaschieren. Aber Özen ließ sich nicht täuschen. Er deckte ihn mit Schlägen ein, die ihn dann schließlich auch zu Boden zwangen. Makula wurde angezählt. Um Zeit zu gewinnen, spuckte er noch seinen Mundschutz aus. Aber auch diese Extrasekunden retteten ihn nicht. Der folgende Schlaghagel zwang ihn erneut zu Boden. Wieder wurde er angezählt. Sein Trainer hatte dann schließlich ein Einsehen und warf das Handtuch um seinen noch schwankenden Schützling vor weiteren Schlägen zu schützen. TKO 4, 2:45min
Der dritte Kampf fand im Mittelgewicht statt. Hier trafen Omar Siala (39 Kämpfe, 21 Siege, 8 durch KO, 15 Niederlagen, 9 durch KO, 3 Unentschieden) und Pavel Hermann (10 Kämpfe, 10 Niederlagen, 8 durch KO) aufeinander. Die erste Runde wurde von beiden extrem schnell geführt. Beide waren schnell auf den Beinen und umkreisten sich. Am Ende der Runde kam Siala mit einem linken Haken durch und Hermann musste runter. Auch er spuckte seinen Mundschutz aus, um sich Extrasekunden zu verschaffen – mit Erfolg. Kurz drauf kam der Gong. Die folgende Runde war dann sowas wie eine Jagd auf Hermann. Dieser konnte boxerisch seinem Gegner kaum etwas entgegensetzen. Mitte der Runde spuckte er erneut seinen Mundschutz aus, um Sekunden für eine Verschnaufpause zu schinden. Wofür er ermahnt wurde. Das Ende der Runde gestaltete sich identisch zur Vorrunde. Der Unterschied war nur, dass Hermann zur dritten Runde nicht mehr antrat. TKO 3
Die folgende Begegnung im Cruisergewicht war sehr seltsam. Der sehr schlaksig wirkende Mohamed Soltby (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO), der von Arthur Grigorian trainiert wird, traf auf Martin Stensky (31 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 30 Niederlagen, 29 durch KO). Stensky ging zweimal nach nicht besonders hart wirkenden linken Kopfhaken runter. Als er das zweite Mal hoch kam hielt er sich den rechten Ellbogen und gab auf. TKO 1, 2:17 min.
Auch der folgende Kampf, der im Mittelgewicht ausgetragen wurde, ging nicht über die Distanz und wirkte auch eher merkwürdig. Chris Hermann (24 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden) trat gegen Sabri Ulas Göcmen (22 Kämpfe, 10 Siege, 12 Niederlagen, 11 durch KO) an. Hermann wirkte stabil und boxte druckvoll. Er verteilte seine Schläge schön. In der zweiten Runde stellte Hermann seinen Gegner mehrfach an den Seilen. Einmal ging Göcmen auch zu Boden, was aber mehr das Resultat eines unbeabsichtigten Tiefschlags war. In der Ringpause gab er dann auf. TKO 3
Der folgende Kampf im Halbmittelgewicht war der erste, der über die angesetzte Distanz ging. In ihm trafen Arman Torosyan (13 Kämpfe, 12 Siege, 9 durch KO, 1 Unentschieden) und Artem Karasev (14 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 10 Niederlagen, 1 durch KO) aufeinander. In den ersten beiden Runden schlug Torosyan nur sehr selten und wenn, dann meist mit der Linken. Die traf dann regelmäßig den rechten Handschuh von Karasev. Der wiederum traf immer wieder mit seinem rechten Cross den Kopf seines Gegners. Im dritten Durchgang war dann Torosyan etwas aktiver, wobei er am Anfang der Runde noch einmal zurück in seine Ecke musste, weil sein Trainer seinen Mundschutz vergessen hatte. Auch die vierte Runde konnte er für sich entscheiden. Er schaffte es sogar, dass Karasev am Ende der Runde aus der Nase blutete. Die folgenden zwei Runden gehörten dann wieder Karasev, nicht zuletzt deshalb, weil sein Gegner einfach zu inaktiv war und nur sehr selten die Führhand benutzte. Karasev glaubte irrtümlicherweise, der Kampf wäre auf sechs Runden angesetzt worden. Obwohl er sich in den letzten zwei Runden doch etwas verausgabt hatte, konnte er Torosyan, der sein Arbeitstempo partout nicht erhöhen wollte, aber dennoch weiter dominieren. Zu Beginn der letzten Runde rief sein Trainer Torosyan in den Ring zu: „Nach Punkten kannst du nicht mehr gewinnen, du musst ihn KO schlagen.“ Aber Torosyan konnte einfach den Druck nicht erhöhen. Am Ende der achten Runde feierte Karasev sich als Sieger und das Publikum sah es genauso. Aber er – und auch die Zuschauer – hatte die Rechnung ohne das Kampfgericht vom BDF gemacht. Die Punktrichter gaben den Sieg durch Mehrheitsentscheidung dem Mann aus Berlin. Dieser musste sich die Pfiffe und die Unmutsäußerungen der Zuschauer gefallen lassen. Die Punktrichter werteten 78:74, 77:75 und 76:77. Es war übrigens Matthias Kranz, der Punktrichter vom Bund Deutscher Faustkämpfer, der richtig lag. Der Punktsieg für Torosyan ist eine böse Fehlentscheidung.
Auch der nun folgende Frauenboxkampf ging über die Distanz. Im Minimumgewicht boxten Özlem Sahin (18 Kämpfe, 17 Siege, 5 durch KO, 1 Unterschieden) gegen Elke Beinwachs (12 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 7 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). Die ungeschlagene Sahin ist erheblich kleiner als ihre Gegnerin. Trotzdem hatte sie kaum Schwierigkeiten, die Distanz zu verkürzen und selber mit der Führhand zu punkten. Sie boxte variabler, druckvoller und aggressiver. Gleichwohl hielt Beinwachs dagegen, wodurch sich ein munterer Kampf entwickelte, der der beste des Abends war. Am Ende der sechs Runden stand ein klarer und einstimmiger Punktsieg für Sahin fest.
Der achte Kampf des Abends, der auf vier Runden im Halbschwergewicht angesetzt war, ging glücklicherweise nicht über die Distanz. Am Ende siegte Sami Said (5 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage) durch TKO 2, 1:51. Selten kamen mir 291 Sekunden so lang vor. Der Debütant Maruen Chabbouh hüpfte durch den Ring und versuchte wohl durch hartes Auftreten auf den Ringboden seinen Gegner zum Umfallen zu bringen oder zumindest zu beeindrucken. Manchmal schlug er auch zu, aber zumeist war er zu weit von seinem Gegner entfernt um ihn auch nur zu berühren. Said machte irgendwie nichts und ging langsam durch den Ring. Kam er seinem Gegner zu nah, drehte dieser sich ab. Said machte dann in der folgenden Runde mehr und irgendwie wurde dann Chabbouh vom Ringrichter aus dem Kampf genommen, wodurch dann das groteske aber unamüsante Theater zu Ende war.
Danach gab es eine Pause, die dann immer länger wurde. Per Lautsprecher wurde der Ringarzt zum Ring gerufen, dann waren alle Offiziellen verschwunden. Dann ergriff Ringsprecher Gerhard Müller das Mikrofon und erklärte dem wartenden Publikum, der Veranstalter Rolf Neumann sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Offensichtlich war er nach Hause gefahrenen, um etwas zu holen. Es gab eine Schweigeminute und danach wurde die Veranstaltung abgebrochen. Die Athleten, Trainer, Manager und Offiziellen versammelten sich noch mal. Es wurde die weitere Vorgehensweise besprochen, schließlich hatten ja die Boxer ihre Börsen noch nicht bekommen.
Das also war das Lübecker Requiem. Ein Veranstalter, der auszog, das Boxen zu bereichern, starb vor der Zeit. Ob seine letzte Veranstaltung nun eines Requiems für ihn würdig war, kann man nicht sagen. Zu heterogen war die Qualität der Kämpfe. Ob die zwei abgesagten Kämpfe, von dem einer der erste Titelkampf des BDF sein sollte, das Gesamtbild geändert hätte, darüber kann man auch nur spekulieren.

Epilog: Im Internet kursiert das Gerücht, dass Rolf Neumann lebt und seinen Tod nur vorgetäuscht hat. Um sich vor der Auszahlung der Börsen zu drücken. Ob diese Behauptung richtig ist, ist zurzeit nicht zu klären. – Vor der Veranstaltung haben mehrere Personen einige Boxer angeschrieben, um ihnen die Absage der Veranstaltung mitzuteilen.
(C) Uwe Betker

Gutes Boxen in Ravensburg

leave a comment »

Obwohl Ravensburg am 07. September 2013 unter dem Motto stand „Ravensburg spielt – überall in der Stadt wurde auf den Straßen gespielt -, gab es genau zu diesem Termin in der Stadt auch Menschen, die nicht spielten, sondern kämpften. Im Hotel/Restaurant Bärengarten gab es gutes Boxen und K-1 Kickboxen zu sehen. Vier K-1 Kämpfe und sieben Profiboxkämpfe wurden in dem schönen Biergarten ausgetragen. Ungefähr 1.000 Zuschauer verbrachten den lauen Spätsommerabend hier im Freien.
Kurzfristig übernahm die GBA die Aufsicht über die Veranstaltung, weil, wenn ich es richtig gehört habe, der BDB den Hauptkämpfer Joe Duffy aus England keine Notlizenz erteilen wollte. Sein Management hatte wohl ein Formular nicht fristgerecht eingeschickt.
Ich hatte das Glück, zwischen den Nummerngirls zu sitzen. Es war mir sogar vergönnt, in jedem Kampf eine andere junge Dame an meiner Seite zu finden. Zuerst saß eine ausgesprochen hübsche Dunkelhaarige neben mir, die auf dem rechten Oberschenkel eine Tätowierung in Form eines Strumpfbandes hatte. Auf ihrem rechten Bein war in verschlungener Schrift etwas geschrieben. Bevor ich entziffern konnte, was dort stand, war der erste K-1 Kampf schon vorbei. Artur Albrand wurde zum Punktsieger über Eyüp Sögüt in der Gewichtsklasse bis 72 kg erklärt. Hiernach saß eine junge und attraktive Brünette neben mir, die etwas kleines Schwarzes anhatte, was man früher Hot Pants nannte. Kaum hatte ich mich halbwegs an das Schwarze meiner Nachbarin gewöhnt, war auch dieser Kampf schon zu Ende. Nicolai Pinkers besiegte Patrick Friedrich in der Gewichtsklasse bis 85 kg durch DSC 1. Der Ringrichter stoppte den Kampf in der Pause nach der ersten Runde aufgrund einer Cutverletzung am linken Auge.
Auch von den ersten drei Runden des dritten Kampfes, in der Gewichtsklasse bis 75 kg, bekam ich nichts mit, weil neben mir eine außerordentlich aparte Blondine saß. Sie hatte pinke Zehennägel, die aus ihren Highheels herauslugten. Ihre Fingernägel hatten die gleiche Farbe. Ihr Top war auch pink. Da das Aufeinandertreffen von Evangelos Kalaitzis und Milan Stützle nach drei Runden unentschieden stand, gab es eine Verlängerungsrunde. In der kam Stützle mit einem Körperhaken durch, der seinen Gegner zu Boden und zur Aufgabe zwang.
Im letzten K-1 Kampf ließ ich mich nicht mehr durch meine Nachbarin ablenken und beobachtete das sehr kurzweilige Aufeinandertreffen von Konstantin Biegler und Köksal Orduhan (Gewichtsklasse bis 95 kg). Orduhan kämpfte spektakulär. Er zeigte Sprünge und Saltos. Biegler kämpfte konventionell aber effektiv. Am Ende musste Orduhan ganz tief in die Trickkiste greifen, absichtliche Kopfstöße und Tiefschläge, um den Schlussgong des mitreißenden Kampfes zu erreichen.
Dann wurden der Weltergewichtler Timo Schwarzkopf (12 Kämpfe, 12 Siege, 7 durch KO) und die deutsche Schwergewichtslegende Andreas Sidon (53 Kämpfe, 41 Siege, 34 durch KO, 11 Niederlagen, 6 durch KO) geehrt. Der anwesende Jens Plösser (8 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) nutzte die Gelegenheit. Er ließ es sich nicht nehmen, Sidon dazu herauszufordern, den unlängst ausgefallenen Kampf sofort nachzuholen – ein sehr unterhaltsamer Showact, bei dem auch noch Peter Althoff mitspielte. Es folgte noch ein weiter Act mit einem Sänger namens L-Cubano. Vermutlich bin ich nicht Zielgruppe seiner Musik, daher kann ich darüber auch nichts sagen. Aber seine beiden Tänzerinnen waren nett anzusehen.
Im ersten Boxkampf des Abends trafen im Halbmittelgewicht Uran Hadergjonaj (6 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO) und Andy Thiele (30 Kämpfe, 1 Sieg, 27 Niederlagen, 15 durch KO, 2 Unentschieden) aufeinander. Der in Berlin lebende Thiele ist schon ein Phänomen. Von seinen bisher 30 Kämpfen konnte er nur einen einzigen gewinnen. Der 28-jährige Thiele steigt schlicht mit jedem in den Ring, macht sein Ding und verliert. In seinem Kampfrekord finden sich Namen wie Ronny Lopez, Nick Klappert, Ronny Mittag, Jürgen Doberstein und Mike Keta.
Diesmal gab es nur sehr wenig von ihm zu sehen. Bereits am Anfang der ersten Runde brachte ein Körpertreffer ihn zu Boden. Er kam zwar wieder hoch und stellte sich erneut, aber der Mann, der sich „Atomic Boy“ nennt, schickte ihn gleich noch mal mit einem Körpertreffer zu Boden. Der Ringrichter hatte genug gesehen und nahm Thiele aus dem Kampf.
Anschließend kämpfte im Halbschwergewicht Alis Sijaric (4 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO) gegen Attila Korda (7 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Sijaric, der offenbar technisch bessere Boxer, punktete mit seiner Führhand. Korda versuchte es vor allem mit Kraft, was ihn für Konter anfällig machte. Der von Alexander Petkovic trainierte Korda ließ immer wieder seinem Jab einen weit ausgeholten Schwinger folgen, der aber nur selten sein Ziel fand. In der dritten Runde stellte Sijaric seinen müde werdenden Gegner am Seil und deckte ihn mit 10 bis 15 Kopfhaken ein, woraufhin Korda zu Boden musste. Zwar kam er wieder hoch und stellte sich noch mal dem Kampf, aber kurze Zeit später musste er wieder in die Knie gehen und gab auf.
Auch der folgende einzige Frauenboxkampf war gut. In ihrer eigentlichen Gewichtsklasse, dem Minimumgewicht, bestritt Özlem Sahin (16 Kämpfe, 15 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden), die Interimsweltmeisterin im Junior Fliegengewicht der WIBF (Women’s International Boxing Federation), einen Kampf, um aktiv zu bleiben. Die Ludwigsburgerin Sahin war zuletzt im Dezember 2012 in den Ring gestiegen. Gegnerin in dem auf 4 Runden angesetzten Kampf war Mirela Baradzic aus Serbien, die bis dahin erst einen Kampf bestritten hatte. Am 06.07.2013 verlor sie gegen die Deutsche Steffi Schünke in Neuruppin durch Mehrheitsentscheidung.
Gegen Sahin hatte Baradzic keinerlei Chance. Soweit ich es gesehen habe, hat sie in den vier Runden ihre Gegnerin nur ein einziges Mal am Körper getroffen. Sehr schnell war ihr klar, dass es hier nur um ihr Überleben ging. Sahin jagte sie geradezu, und Baradzic war regelrecht auf der Flucht. Zum Teil legte die Serbin sogar Joggingeinlagen ein, um vor Sahin zu fliehen. Auch ihre Ecke tat alles, sie zu schützen und Zeit zu schinden: Ecke überfluten, Mundschutz vergessen, spät aus dem Ring klettern … – das volle Programm eben. Letztlich hatte Baradzic Erfolg: Stark verbeult, aber stehend erreichte sie den Schlussgong.
In Sahins Ecke stand nicht wie sonst üblich Conny Mittermeier, sondern der Mittelgewichtler Istvan Szili (18 Kämpfe, 17 Siege, 7 durch KO, 1 Unentschieden) zusammen mit Brigitte Gassert und Dietrich Wolter.
Im Mittelgewicht trafen sich Arton Dajakaj (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Arber Dodaj (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 1 durch KO) zu einer regelrechten Ringschlacht. Dodaj startete furios. Er ließ in der ersten Runde einen Schlaghagel auf Dajakaj, der von Timo Schwarzkopf und Istvan Szilla sekundiert wurde, herunterprasseln. Er deckte ihn mit Schlägen nur so ein. Dajakaj konnte nur selten kontern.
Im zweiten Durchgang fand Dajakaj in den Kampf und blieb Dodaj nichts schuldig. Die letzten drei Runden waren extrem hart und bestanden praktisch aus einem ununterbrochenen Schlagabtausch. Am Ende bekam Dodaj wohl konditionelle Probleme,die er mit Fouls zu kompensieren versuchte. Ein absichtlicher Kopfstoß blieb zunächst ungeahndet. Für den folgenden absichtlichen Tiefschlag musste er dann aber einen Punktabzug hinnehmen. Nach grandiosen vier Runden bekam Dajakaj den verdienten Sieg zugesprochen.
Im Cruisergewicht gab es eine bemerkenswerte Kampfansetzung. Der in Ravensburg lebende Osman Pehlivan gab sein Profidebüt. In seinem ersten Kampf stand er einem Gegner gegenüber, Iko „ Ilhan“ Dzafic (5 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO), der immerhin drei seiner vier Profikämpfe für sich entscheiden konnte. Der Mann der in Bosnien Herzegowina geboren wurde und in München lebt, boxt auch im Schwergewicht und keiner seiner Kämpfe ging über die Distanz. Umso überraschender war der Kampfverlauf.
Der Neuling Pehlivan überrollte seinen Gegner. Er drosch auf ihn ein, stellte ihn am Ringseil und brachte ihn mit Kopftreffern zu Boden. Beim Zu-Boden-gehen verdrehte sich Dzafic dann das Knie, so dass an ein Weitermachen nicht mehr zu denken war.
Der nächste Kampf bot Kontrastprogramm. Im Super Mittelgewicht boxten Anatoli „Toli“ Muratov (4 Kämpfe, 4 Siege) und Vasile Dragomir (32 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO, 10 Niederlagen, 9 durch KO, 1 Unentschieden) gegeneinander. In der ersten Runde war technisch sauberes Boxen von beiden Kontrahenten zu bewundern. In der zweiten Runde erhöhte der erfahrene Dragomir den Druck, aber Muratov hielt Stand und boxte weiter gut mit. Die folgende Runde wurde härter und beide verloren etwas ihre boxerische Linie. In der vierten Runde ließ Dragomir seine Führhand fallen, um Muratov zu unüberlegten Aktionen zu verleiten, der sich aber nicht darauf einließ, sondern nun endgültig das Kommando im Ring übernahm. Zur fünften Runde trat Dragomir aufgrund einer Verletzung des rechten Ellebogens nicht mehr an. Muratov überzeugte. Es könnte sich lohnen, ihn im Auge zu behalten.
Dann kam der Hauptkampf des Abends. Ihn bestritten im Mittelgewicht Joe Duffy (6 Kämpfe, 6 Siege, 2 durch KO) und Ionut Trandafir Ilie (33 Kämpfe, 14 Siege, 2 durch KO, 18 Niederlagen, 8 durch KO, 1 Unentschieden). Der in Irland geborene und in London lebende Joseph Duffy kam mit vielen Vorschusslorbeeren zum ersten Mal nach Deutschland. Aber aus dem einfachen Aufbaukampf wurde nichts. Der Mann aus Ploiesti, Rumänien dachte gar nicht daran, ihm den Sieg einfach zu überlassen. Die ersten zwei Minuten der ersten Runde gehörten Duffy. Er boxte schön an, variierte die Schläge und traf – alles nach Plan. Dann kam Ilie mit einem rechten Schwinger auf die Schläfe durch und Duffy rutschte an den Seilen zu Boden. Eine Sensation bahnte sich an. Er kam wieder hoch und kämpfte noch benommen, die Pause zu erreichen. Dabei musste er immer wieder Treffer nehmen.
Im nächsten Durchgang machte Ilie da weiter, wo er in der ersten Runde aufgehört hatte. Duffy wirkte immer noch nicht ganz klar und hatte keine boxerische Linie mehr. Seine Führhand kam praktisch überhaupt nicht und er ließ sich ein ums andere Mal auf Keilereien ein, die offensichtlich nicht seine Stärke sind. Zum Ende der Runde hin wurde er etwas besser. In der folgenden, dritten Runde kam er soweit in den Kampf zurück, dass er sie für sich entscheiden konnte.
In der Rundenpause kam es dann zu einem Zwischenfall: einige Personen im Publikum entschlossen sich, das Kämpfen nicht den Männern im Ring zu überlassen. Die Security behob dieses Problem schnell. Gleichwohl hatten die Boxer dadurch aber eine Pause von mehreren Minuten, die vor allem Duffy zugute kam.
Die nächsten zwei Runden gehörten dann auch Duffy. Die Verunsicherung blieb ihm aber anzumerken. In der sechsten und letzten Runde drehte Ilie auch noch mal wieder auf. Er zwang seinem 25-jährigen Gegner seinen Kampf auf. Er wollte nicht nur die Runde gewinnen, er wollte Duffy KO schlagen. Immer und immer wieder zwang er ihm Schlagabtäusche auf und Duffy schien zwischenzeitlich wieder zu wackeln.
Was dann aber folgte, war schon grotesk. Der Ringsprecher verkündete einen Punktsieg für Duffy. Mein Versuch, vor Ort die genaue Punktwertung zu erfahren, blieb ohne Erfolg. Zuerst fragte der Ringrichter, wer das denn wissen wolle. Dann beschied er allen Ernstes, die Wertung dürfe nicht sagen. Auf meinen Hinweis hin, dass eine Punktwertung öffentlich ist, versuchte er mich mit der Information abzuspeisen, dass ein Punkt den Kampf entschieden habe. Weitere Nachfragen blieben erfolglos. Ich wurde nur noch darauf verwiesen, die genaue Wertung auf boxrec.com nachlesen zu können.
Um es deutlich zu sagen: In meiner persönlichen Wertung lag Ionut Trandafir Ilie vorne. Ich halte es für eine Fehlentscheidung, dass Duffy zum Sieger erklärt wurde. Es war jetzt keine krasse Fehlentscheidung. Sie war bei Weitem nicht so schlimm wie bei dem letzten Kampf von Istvan Szili. Der Kampf war trotz Niederschlag schon eng. Aber es ist eben eine Fehlentscheidung!
Was mich aber wirklich wundert, ist der Umgang des German Boxing Association Kampfgerichts vor Ort mit der Situation. Unabhängig davon, wie der Duffy-Ilie-Kampf bewertet wurde, muss doch gesagt werden: Ein Kampfgericht, das sich nicht in die Punktzettel gucken lässt, setzt sich dem Verdacht aus, nicht sauber zu arbeiten.
Wenn ich richtig informiert bin, war dies die erste Veranstaltung von Benedikt Poelchau und Götz Bauer (Blanko Sports), bei der auch Profiboxen gezeigt wurde. Mein persönliches Fazit lautet: Es war eine gute und durch und durch solide Show – sieht man einmal von den unerfreulichen Geschehnissen am Ende ab. Erwähnt werden sollte vor allem das mutige Matchmaking, bei dem die Sieger nicht alle schon vorher feststanden und nicht alle Sieger aus der gleichen Ecke kamen. Boxen in Deutschland kann nur überleben, wenn es mehr Veranstalter gibt, die ehrliches und gutes Boxen zeigen, wie Blanko Sports es in Ravensburg gemacht hat.
(C) Uwe Betker

Written by betker

9. September 2013 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen, Frauenboxen, Uncategorized

Tagged with , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Ein großer Frauenboxkampf wirft seinen Schatten voraus

leave a comment »

Ende April wird es vermutlich zu einem großen Frauenboxkampf in Deutschland kommen. Elina Tissen (17 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) muss ihre Titel der WIBF und GBU (Women`s International Boxing Federation und Global Boxing Union) im Federgewicht gegen Goda Dailydait (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO) verteidigen. Dailydaits Veranstalter Khalil BoxPromotion hat die Pflichtverteidigung von „Elin the Machine“ (- Wie kann man sich selber nur zu einem Ding erklären?) ersteigert.
Besonders brisant wird das Aufeinandertreffen der Beiden dadurch, dass 2011 Tissen Dailydait und ihren Trainer Thorsten Brück bei einer Veranstaltung aus dem Saal hat entfernen lassen. Offensichtlich wollten Tissen und ihr Management nicht, dass ein zukünftige Gegnerin und direkte Konkurrentin sie boxen sehen könnte.
Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass Tissen, ihre Promoterin Miriam Bohn und ihr Trainer Maiki Hundt nicht Angst bekommen. Auch größere Veranstalter (z.B. Sauerland Event) und bekanntere Boxer (Dominik Britsch) haben es schließlich schon vorgezogen, sich aus einer Pflicht herauszustehlen und lieber einen Titel niederzulegen, als einen schweren Gegner auf einer Fremdveranstaltung zu boxen. Im Falle von Sauerland Event und Dominik Britsch hat es allerdings beiden nichts genutzt. Sauerland büßte erheblich an Glaubwürdigkeit ein, weil der Titel erst dann zurückgegeben wurde, als die Versteigerung der Pflichtverteidigung verloren war. Und der Mittelgewichtler Dominik Britsch mutierte von „einem der größten deutschen Hoffnungsträger“, zum „Absteiger des Jahres 2012“ – der mit den Haaren.
Man kann nur hoffen, dass der Kampf zwischen Elina Tissen und Goda Dailydait stattfinden wird, denn er verspricht ein großer zu werden.
© Uwe Betker

Drei Sieger: Rola El Halabi, Lucia Morelli und das Boxen

with 2 comments

Am Samstag, dem 12.01.2013 gab es in Neu-Ulm eine kleine Sensation zu sehen. Erst mal gab Rola El Halabi (12 Kämpfe, 11 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage) ein großartiges Comeback. Sie boxte zum ersten Mal wieder, seit sie Opfer eines Attentats durch ihren Stiefvater wurde. Sie boxte direkt einem Kampf, in dem es um drei Titel ging, den Titel der WIBA ( Women’s International Boxing Association), der GBA (Global Boxing Union) und der WBF (World Boxing Federation) im Leichtgewicht. Und das nach einer 2 ½- jährigen Zwangspause!
Rola El Halabi verlor gegen Lucia Morelli (22 Kämpfe, 18 Siege, 8 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO), die durch eine Mehrheitsentscheidung gewann. Die Punktrichter Bernd Hupfer und Alexander Plumanns werteten 96:95 und 97:93 für sie, wobei Alexander Plumanns Wertung allerdings, jedenfalls nach meinem Geschmack, viel zu hoch war. Der Punktrichter Holger Wiemann wertete Unentschieden, 95:95. Morelli gewann den guten Frauenboxkampf, und sie gewann ihn zu Recht. Das ist nun schon eine kleine Sensation in Deutschland. Mittlerweile kann man hierzulande ja wohl nur noch gegen den Heimboxer gewinnen, wenn man ihn KO haut – zumindest bei den „großen Veranstaltern“.
Allein die Tatsache, dass Morelli der Sieg zugesprochen wurde, ist für mich schon ein Sieg für das Boxen. Morelli und Rola El Halabi haben aber außerdem noch einen richtig guten Kampf gezeigt – schlicht eine klasse Werbung für das Frauenboxen in Deutschland.
Die Veranstaltung hatte also drei Sieger: Lucia Morelli: Sie wurde dreifache Weltmeisterin im Leichtgewicht. Das Boxen: Es gab richtig gutes Frauenboxen, und die Siegerin des Kampfes verließ auch als Siegerin den Ring. Und schließlich Rola El Halabi: Sie hatte ein großartiges Comeback. Auch wenn sie nicht Weltmeisterin wurde, so ist sie doch eine große Boxerin. Sie ist sehr viel mehr Champion, als so mancher Weltmeister, den man so im Fernsehen sieht und der sich nur durch die massive Hilfe von Veranstaltern und Punktrichtern Weltmeister nennen darf.
© Uwe Betker

Vorweihnachtliches Boxen in Halle (Saale)

leave a comment »

Die Säle der Hotelkette Maritim scheinen Orte zu sein, die gutes Boxen anziehen. Am 21.12.2012, also an dem Tag, an dem nach der Meinung von einigen esoterisch Angehauchten die Welt untergehen sollte, fand in Halle an der Saale die 1. Hallesche Boxnacht statt. Zirka 500 Zuschauer fanden kurz vor Weihnachten den Weg in den Ballsaal und sie sahen eine gute und solide Show.

Den ersten Kampf bestritten Robert Maess (7 Kämpfe, 7 Siege, 7 durch KO) und Ahmed Hammoodi (3 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) im Halbmittelgewicht, und es war durchaus spektakulär. Maess, der größere und bessere Boxer, hatte seine liebe Not mit dem aggressiv noch vorne gehenden Hammoodi, der sein Glück in Schwingern und Haken suchte. Die ersten drei Runden gingen klar an Hammoodi. In der dritten Runde schickte er Maess sogar mit einem Haken zu Boden, woraufhin eine wilde und kurzweilige Keilerei begann. In der folgenden Runde drehte sich dann der Kampf. Hammoodi bekam offensichtlich Konditionsprobleme und Maess fing an zu kontern. Dem etwas unsauber boxenden Hammoodi wurde ein Punkt abgezogen wegen Haltens. Warum ihm dann aber später von Ringrichter Ottmar Schmidt noch einmal ein Punkt abgezogen, hat sich allerdings meiner Kenntnis und meiner Wahrnehmung entzogen. In der fünften Runde wurden dann die Konditionsprobleme von Hammoodi immer schlimmer. Er kam schließlich gar vom Schwung seiner eigenen Schläge ins Torkeln. Eine Linke zum Kinn zwang ihn zuletzt in einer neutralen Ecke zu Boden. Zwar kam er noch mal wieder hoch, wurde aber im Stehen ausgezählt. KO in Runde 5 nach 2 Minuten und 10 Sekunden.

Ein paar Worte zu dem Kampfgericht. Die 1. Hallesche Boxnacht war die zweite Veranstaltung des neu gegründeten Bundes Deutscher Faustkämpfer (BDF). Der BDF ist nunmehr der dritte deutsche Verband. Den Punkt- und Ringrichtern war anzumerken, dass sie alle vom Amateurboxen kommen. Dementsprechend war ihr Agieren manchmal ein wenig nervös und nicht eindeutig und souverän genug. Man kann aber auch feststellen, dass dies den Ausgang keines Kampfes beeinflusste und dass in allen Kämpfen der Sieger seinen Sieg auch verdient hatte – etwas, was in diesem Jahr keine Selbstverständlichkeit war.

In der zweiten Ansetzung des Abends bekam es Halbeschwergewichtler Rashad Karimov (28 Kämpfe, 26 Siege, 23 durch KO, 2 Niederlagen) mit Artsem Hurbo (18 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 13 Niederlagen, 12 durch KO, 1 Unentschieden) zu tun. Karimov wirkte in seinem systematischen Tun unterkühlt. Er verfolgte seinen ihm in allen Belangen unterlegenen Gegner und schickte ihn zu Boden. Er knockte ihn dann endgültig aus, nachdem er ihn noch einmal in dem Kampf gelassen hatte: KO in Runde 1, nach 2 Minuten 55.

Der folgende Frauenboxkampf hielt eine faustdicke Überraschung bereit. Sara Schnell gab ihr Debüt bei den Profis im Mittelgewicht. Ihre Gegnerin, Nathalie John (3 Kämpfe, 1 Sieg, 1 Niederlage, 1 NC) aus Karlsruhe hatte vorher nur zwei Kämpfe bestritten, von denen sie keinen gewinnen konnte.
Die erste Runde war noch ausgeglichen. Am Anfang kam John mit ihrer unorthodox geschlagenen Rechten zum Kopf mehrfach gut durch. Hiernach hatte sich Schnell darauf eingestellt und traf selber. Die folgende Runde, ein richtiggehendes Gewürge, ging dann auch an sie. In den letzten beiden Runden boxte Schnell planlos. Sie versuchte mit Schwingern zu treffen, wurde aber immer wieder abgekontert. Am Ende blutete die Debütantin aus der Nase. Punktsieg nach 4 Runden für John, durch Mehrheitsentscheidung.

In dem folgenden Kampf im Weltergewicht zwischen Puryia Haidari (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Marcen Gierke (60 Kämpfe, 10 Siege, 48 Niederlagen, 18 durch KO, 2 Unentschieden) wurde dann wieder Boxen auf hohem technischen Niveau gezeigt. Obwohl der Kampf relativ einseitig war – Haidari gewann jede Runde -, war er doch recht kurzweilig. Das war nicht zuletzt dem sehr erfahrenen Gierke geschuldet, der seinem Gegner genug Widerstand entgegenbrachte, um den Kampf auf seinem Niveau zu halten. Alle Punktrichter werteten 40:36 für Haidari.

Der folgende fünfte Kampf, war einer der Höhepunkt des Abends. Der ungeschlagene Timo Schwarzkopf (9 Kämpfe, 9 Siege, 5 durch KO) boxte im Weltergewicht gegen Alexander Pligovka (7 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 3 Niederlagen 1 durch KO, 1 Unentschieden). Schwarzkopf studierte den größeren Pligovka während der ersten Hälfte der Runde eins, um ihn dann mehr und mehr unter Druck zu setzen. In Runde 2 sah es schon so aus, als ob Schwarzkopf zu einem frühen KO-Erfolg kommen könnte. Immer wieder traf er hart. Er zeigte variables Boxen. Sein Gegner kämpfte ums Überleben. Erstaunlich war, dass Pligovka, der kurzfristig eingesprungen war, eine so gute Leistung zeigte.
In der vierten Runde musste Pligovka nach einem Leberhaken zu Boden, aber er kam rechtzeitig wieder hoch und erreichte den Gong. In der Folgezeit musste Pligovka viel einstecken. In der sechsten und letzten Runde ging er erneut nach einem Körpertreffer zu Boden. Der Punktsieg von Schwarzkopf (60:52, 60:52 und 60:52) war einstimmig.

Im nächsten Kampf gab Lelito Lopez Lopez im Halbmittelgewicht gegen Hawal Garib (28 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 25 Niederlagen, 14 durch KO) sein Profidebüt. Lopez boxte furios. Er zeigte schnelle Hände und verteilte gut auf Körper und Kopf. Er schickte Garib dreimal zu Boden, wobei nach dem dritten Niederschlag sein Gegenüber nicht schnell genug mehr hoch kam. KO in Runde 1 nach 2 Minuten 50 Sekunden. Die Unarten, wie Fans und Familienangehörige abzuklatschen, während der Gegner angezählt wird und die neutrale Ecke während des Zählens zu verlassen sind seiner Jugend, Lopez ist erst 19 Jahre alt, seiner Nervosität und seiner Unerfahrenheit geschuldet. Dies sollte er aber bald abgelegt haben.

Das Profidebüt seines um 2 Jahre älteren Bruders, Ronny Lopez Lopez, war noch kürzer. Der Supermittelgewichtler trat gegen Andy Thiele (25 Kämpfe, 1 Sieg, 22 Niederlagen, 12 durch KO, 2 Unentschieden), den notorischen Aufbaugegner aus Berlin an. Bevor der Kampf richtig angefangen hatte, kam es zu einem unbeabsichtigten Kopfstoß, der es Thiele unmöglich machte den Kampf fortzusetzen. TKO in Runde 1 nach 1 Minute 10. – Man darf gespannt sein, wie sich die Brüder Lopez entwickeln werden. Potential haben sie und auch schon eine lautstarke Gruppe von Fans.

Steve Krökel (40 Kämpfe, 17 Siege, 7 durch KO, 21 Niederlagen, 6 durch KO, 2 Unentschieden) und John Mifuba (7 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch K0, 4 Niederlagen, 3 durch KO) trafen im Halbschwergewicht aufeinander. Krökel schickte sein Gegenüber bereits im ersten Durchgang durch eine rechte Gerade auf die Stirn zu Boden. Aber ab der dritten Runde hatte er seinen Gegner nicht mehr im Griff. Er hatte offensichtlich Schwierigkeiten mit der Rechtsauslage von Mifuba. Die folgenden Runden quälte er sich und konnte kaum Treffer setzen. Es schien fast so, als ob er sich das Leben selbst schwer machte. Er versäumte es schlicht gerade zu boxen. Die Punkrichter werteten alle für ihn (59:56, 60:54 und 59:54), wobei ich selbst den Kampf sehr viel knapper gepunktet hatte.

Im neunten Kampf boxte Özlem Sahin (15 Kämpfe, 14 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden) nach 17 Monaten das erste Mal wieder. Die Interimsweltmeisterin im Junior Fliegengewicht nach Version WIBF bestritt einen Sechsrunder im Minimumgewicht. Damit durfte sie zum ersten Mal in ihrer eigentlichen Gewichtsklasse boxen. Ihre Gegnerin war Agnes Draxler (5 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO). Die erst 18-jährige Draxler startete furios. Unerschrocken griff sie Sahin an. Sahin begann verhalten und studierte ihre Gegnerin. Dann konterte sie mit einem linken Cross und übernahm das Kommando im Ring. Sie trieb ihre Gegnerin, die sich immer wieder zum Kampf stellte, vor sich her. Am Ende des ersten Durchgangs wurde Draxler angezählt und sie erreichte nur mit Müh und Not die Ringpause. Im zweiten Durchgang machte Sahin da weiter, wo sie eine Minute vorher aufgehört hatte. Sie suchte den vorzeitigen Sieg, und sie bekam ihn. Der Ringrichter brach den Kampf nach 1 Minute und 10 ab, um die Gesundheit der tapferen Draxler zu schützen. Die zahlreich angereisten Fans feierten ein beindruckendes Comeback von Sahin. Offensichtlich ist sie während ihrer Ringabstinenz noch besser geworden, auch scheint sie im Minimumgewicht stärker zu sein als im Junior Fliegengewicht.

Den folgenden Kampf bestritten Marko Angermann (28 Kämpfe, 11 Siege, 4 durch KO, 16 Niederlagen, 13 durch KO, 1 Unentschieden) und Patrik Linkert (7 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unterschieden) im Halbschwergewicht. Auch dieser Kampf endete überraschend. Der Lokalmatador Angermann startete stark. Aber bereits in der dritten und vierten Runde bekam er so massive Konditionsprobleme, dass er seinen Mundschutz ausspuckte, um Zeit zur Erholung zu gewinnen. In Runde 6 und 7 bekam er so etwas wie die zweite Luft. Er holte aus und versuchte Schwinger ins Ziel zu bringen, dann nahm er sich Auszeiten, indem er sich abdrehte und drauf hoffte, von Linkertn nicht geschlagen zu werden, was dieser auch nicht tat.
In Runde 8 baute er dann wieder rasant ab und kassierte harte Schläge. Als er sich dann nach 1 Minute und 25 erneut abdrehte, interpretierte der Ringrichter dies als Aufgabe. Offensichtlich waren die angesetzten 8 Runden zu lang für Angermann.

Den Hauptkampf des Abends bestritten Ramon Belaev (10 Kämpfe, 10 Siege, 8 durch KO) und Frank Horache Horta (45 Kämpfe, 30 Siege, 10 durch KO, 10 Niederlagen, 1 durch KO, 5 Unentschieden) im Super Weltergewicht. Dem sehr hoch eingeschätzten Belaev wurde in seinem zehnten Kampf ein sehr erfahrener Gegner vorgesetzt.
Der Kampf war auf sehr hohem technischem Niveau. Belaev, der boxende Puncher, versuchte sich den KO zu erarbeiten. Horta, der Ringfuchs, versuchte mit schnellen Händen sein Gegenüber aus dem Rhythmus zu bringen. In dem zum Teil sehr intensiv geführten Gefecht behielt Belaev in fast allen Runden die Oberhand. Aber Horta zeigte auf, dass Belaev als Profi noch nicht ganz ausgereift ist.
In der siebten und der achten Runde musste Horta zu Boden, dass eine Mal nach einem Körper-, dass andere Mal nach einem Kopftreffer. Aber Horta schaffte es, den Schlussgong zu erreichen. Die Punktrichter gaben einstimmig (80:70, 79:73 und 80:72) Belaev den Sieg.
© Uwe Betker