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Gutes Boxen in Detmold

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Am 10. Oktober gab es in der Stadthalle Detmold eine bemerkenswert gute Boxveranstaltung zu sehen. Kai Gutmann stellte sie auf die Beine. Die Stadthalle ist ein ausgesprochen schöner Veranstaltungsort; sie hat etwas von einem Theater. An zwei Seiten des Rings stiegen 12 Theaterstuhlreihen an. Auf der einen Längsseite war eine Empore.
Es gab fünf gute Amateurkämpfe, davon ein Frauenkampf. Außerdem waren vier Profiboxkämpfe zu sehen, von denen zwei von Frauen bestritten wurden. Geschätzte 400 Zuschauer sahen eine außerordentlich gute Veranstaltung.
Es begann schon gleich sehr gut. Jammy Kummande gab sein Profidebüt gegen Remo Arns (20 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 13 Niederlagen, 7 durch KO) im Halbschwergewicht. Gegen Arns sein Debüt zu geben, zeugt schon von einem großen Selbstbewusstsein. Der Schützling von Ralf und Graciano „Rocky“ Rocchigiani boxte auch wie ein Erfahrener. Seine linke Führhand war schnell und präzise. Er dominierte das Geschehen von der ersten Minute an. Der erfahrene Arns hatte tatsächlich keine Chance. Am Ende der ersten Runde wurde er an den Seilen gestellt, wo er zwei linke Haken zum Kopf, gefolgt von einer Rechten nehmen musste, die ihn sichtlich erschütterten. Arns versuchte zu Beginn der zweiten Runde schneller an Kummande heranzukommen, um ihn mit Schwingern einzudecken, aber die trafen nur die Deckung. Kummande konterte ihn vielmehr souverän und erhöhte seinerseits den Druck. Dann war es plötzlich auch schon zu Ende. Kummande kam mit einem schönen harten linken Haken zur Schläfe durch. Es folgte noch eine Rechte und Arns ging zu Boden. Bevor der Ringrichter anfangen konnte zu zählen, flog auch schon das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 2 nach 2:27 Minuten Jammy Kummande. – Ein beeindruckendes Profidebüt. Wir können gespannt sein, wie sich Kummande weiter entwickelt.
Graciano Rocchigiani und Mario Achour zeigten sich nach dem Kampf zufrieden mit dem Ausgang. Sie plauderten noch über ihr neues Gym, ihre Pläne für eine Box-Casting-Show und ihre Zusammenarbeit mit Holger Petersent, dem neuen und sehr umtriebigen Veranstalter aus Hamburg. In diesem Zusammenhang wurde auch von einer Achse Berlin-Hamburg und von der Website boxen-im-norden.de gesprochen.
Der folgende, von zwei Frauen geführte Kampf stand dem vorangegangenen in nichts nach. Im Leichtgewicht traf Beke Bas (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) auf Zsofia Bedo (49 Kämpfe, 13 Siege, 3 durch KO, 35 Niederlagen, 10 durch KO, 1 Unentschieden). In der ersten Runde tasteten sich die beiden noch ab. Bedo, die größere Boxerin, versuchte lang zu bleiben. Bas versuchte, den Abstand zu verkürzen und in die Halbdistanz und den Infight zu kommen. Bas war in ihren Bemühungen sehr viel erfolgreicher als ihre Gegnerin. Sie erhöhte kontinuierlich den Druck, ohne dabei zu überhasten. Im zweiten Durchgang zeigte sie mehrfach ein sehr schönes „bob and weave“, wobei sie schöne Treffer setzte. Aber auch mit der klassischen Führhand-Schlaghand-Kombination kam sie durch. In der dritten Runde kam dann das Ende für Bedo. Erst nahm sie eine harte Rechte zum Kopf, die sie wackeln ließ. Dann wurde sie in den Seilen gestellt und nahm eine Rechte an die Schläfe, die sie zu Boden schickte. Auf dem Boden sitzend wurde sie ausgezählt. Siegerin durch KO in Runde 3 nach 2:00 Minuten Beke Bas. Auch hier dürfen wir gespannt sein, wie sich die talentierte Bas weiter entwickeln wird.
Hiernach stiegen Christian Pawlak (33 Kämpfe, 24 Siege, 14 durch KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Norbert Szerkeres (64 Kämpfe, 16 Siege, 9 durch KO, 45 Niederlagen, 11 durch KO, 3 Unentschieden) für einen Vierrunder im Super Mittelgewicht in den Ring. Pawlak, der auch wohl sehr kurzfristig den Kampf angenommen hat, wirkte unkonzentriert. Vier Runden lang schlug Pawlak, bis auf eine einzige Ausnahme immer nur zum Kopf. Sehr erstaunlich war, dass ein so erfahrener Mann wie Szerkeres konsequent falsch herum ging, d.h. immer in die Schlaghand von Pawlak. Dessen Ecke coachte auch fast gar nicht, dafür hörte Pawlak aber offensichtlich auf Graciano Rocchigiani, der im Saal stand und Anweisungen gab. Auch in den Ringpausen suchte Pawlak Augenkontakt zu Rocchigiani. Was kann man noch über den Kampf sagen? Szerkeres kann nehmen und er nimmt viel. Er nimmt so viel, dass das einfach nicht gesund sein kann. Am Ende stand ein etwas glanzloser Punktsieg für Christian Pawlak.
Der Hauptkampf des Abends war ein Frauenboxkampf. Leonie Giebel (9 Kämpfe, 8 Siege, 1 durch KO, 1 Unentschieden) traf im Super Federgewicht auf Daniela Graf (12 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 6 Niederlagen, 1 Unentschieden). Bei dem Aufeinandertreffen ging es um die vakante deutsche Meisterschaft der GBA. Bei dem Achtrunder handelte es sich um eine regelrechte Ringschlacht, die sicher noch lange diskutiert werden wird. Graf war die aggressivere Boxerin, die ihrer Gegnerin den Schlagabtausch antrug. Von der ersten bis zur letzten Sekunde ging sie nach vorne. Sie schlug aus jeder Position Haken. Giebel, die etwas größer war, boxte den aufrechten Stil und schlug schöne Graden. Sie setzte die saubereren Treffer, vor allem zum Kopf. Manchmal brachte sie auch Aufwärtshaken zum Kopf, die dann auch Wirkung erzielten. Im Infight und meist auch in der Halbdistanz aber war sie unterlegen. Der Kampf wogte hin und her und wurde von Runde zu Runde verbissener geführt. Die sechste Runde wurde dann vom Zeitnehmer – wohl aus Versehen – 45 Sekunden zu früh abgegongt. Die Ecke von Graf vermutete lautstark ein Komplott gegen sie, wodurch die verbleibenden zwei Runden dann noch giftiger ausgetragen wurden. Die Punktrichter der GBA werteten 77:75, 75:77 und 79:75, wodurch Giebel der Sieg zugesprochen wurde.
Dieser Ausgang wurde nach dem Kampf aber noch lange und hitzig diskutiert. Ich persönlich hatte den Kampf unentschieden gepunktet. Man muss dazu aber sagen, dass es schon extrem schwer war zu punkten. In jeder Runde musste die Workrate (Graf) gegen klarere Treffer (Giebel) abgewogen werden, und hier schwingen dann natürlich persönliche Vorlieben mit. Ein Sieg für Graf hätte mich auch nicht gewundert. Egal wie die Punktrichter auch noch hätten entscheiden können, die Entscheidung wäre, meine ich, in jedem Fall diskutiert worden. Vor allen Dingen lässt sich festhalten, es war ein großer Kampf von beiden Boxerinnen.
Die Veranstaltung, die Kai Gutmann in der Stadthalle Detmold da auf die Beine gestellt hat, war wirklich gut. Was ich persönlich schon bemerkenswert fand, war, dass sich Gutmann nicht scheute, auf Frauenboxen zu setzen. Das Publikum wusste das wohl auch zu schätzen. Jedenfalls saßen im Zuschauerraum erstaunlich viele Frauen. Denen wurde auch in den Ringpausen etwas geboten. Bei den Boxkämpfen der Männer zeigten zwei Nummerngirls im rückenfreien kleinen Schwarzen die Runde an. Bei den Frauenboxkämpfen wurde dieser Part dann von einem Mann mit nacktem Oberkörper übernommen. So war für jeden etwas dabei. Ich werde wieder hinfahren.
(C) Uwe Betker

Zwei Profiboxkämpfe auf einer MMA Veranstaltung

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MMA und Profiboxen zusammen zu bringen, ist ein gute Idee. Wieso sollten auch nicht beide Sportarten auf einer Veranstaltung zu sehen sein. Bei der „Respect“ Veranstaltung am 11.04.2015 in der Bayerhalle in Wuppertal war es denn auch so. Es gab insgesamt 13 Kämpfe. Davon war einer ein MMA Amateurkampf, 9 MMA Profikämpfe, davon einer ein Frauenkampf, und zwei waren Profiboxkämpfe. Ich gebe zu, dass MMA nicht hundertprozentig nach meinem Geschmack ist, aber, soweit ich es beurteilen kann, waren die Kämpfe gut. Ich fand einige sogar sehr spannend. Es gab auch mehrere Titelkämpfe, Weltmeisterschafts- und Europameisterschaftskämpfe, zu sehen.
Besonders der letzte Kampf des großen Nordin Asrih interessierte und fesselte mich. Dieser kämpfte gegen Abner Lloveras um einen Europameisterschaftstitel. Leider konnte Asrih seinen letzten Kampf nicht für sich entscheiden. Aber er zeigte das, wofür er bekannt ist: Herz und Kampfgeist. Trotz einer Verletzung des Knies gab er alles. Herr Asrih, ich ziehe meinen Hut vor Ihnen! Respekt!
Der auf sechs Runden angesetzte Kampf im Leichtgewicht zwischen Marek Jedrzejewski (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO) und Sandro Lütke Bordewick (3 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlagen, 1 durch KO) war der erste Profiboxkampf des Abends. Leider war er nur 112 Sekunden kurz. Ich hätte wirklich sehr gerne mehr von Jedrzejewski gesehen. Er boxte sehr souverän und beherrscht. Mit seiner tollen linken Führhand bestimmte er das Geschehen im Ring. Gestochen scharf und schnell fand sie ihr Ziel. Immer wieder ging sie durch die Deckung des Gegners durch, als würde sie gar nicht existieren. Schon bald veränderte sich die Form der Nase von Bordewick. Dann verlangsamte ein linker Körperhaken seine Fluchtbewegungen. Kurze Zeit später stellte Jedrzejewski ihn dann an den Seilen und kam mit einem schönen linken Cross zu Schläfe durch. Die folgende Rechte zum Kopf streifte diesen nur. Bordewick drehte sich ab und der Ringrichter brach den Kampf ab. TKO Runde 1 nach 1:52 Minuten.
In einer der drei etwas längeren Pausen trat Chloe Bruce auf, eine Martial Art Künstlerin. Bis jetzt habe ich Derartiges noch nie gesehen. Ich weiß auch gar nicht, wie man das nennt, wenn einer bzw. eine Martial Art wie eine Ballettperformance betreibt – nur wie auf Speed. Aber beeindruckend war das. – Bis jetzt der beste Showact des Jahres.
Im zweiten und letzten Boxkampf trafen Mike Martini (4 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO) und Mike Kässmann (3 Kämpfe, 3 Niederlagen, 3 durch KO) im Weltergewicht für einen Vierrunder aufeinander. Martini, der kleinere und kompaktere Boxer, ging von Anfang an auf den Körper. Immer wieder schlug er zu. Am Ende brachte ein Leberhaken Kässmann zum Einknicken und der Ringrichter brach den Kampf ab. TKO Runde 1 nach 1:50 Minuten.
Wie schon gesagt, MMA ist nicht 100%-prozentig mein Ding, aber die „Respect“ Veranstaltung war, meiner Einschätzung nach, eine gute Veranstaltung. Jedenfalls haben mich die MMA Kämpfe gut unterhalten. Ich persönlich hätte mir ein paar mehr Profiboxkämpfe gewünscht. Man kann nur hoffen, dass das Mischen von MMA und Profiboxen Schule macht. Gerade Profiboxer, die noch aufgebaut werden müssen, brauchen einfach mehr Möglichkeiten zu kämpfen.
(C) Uwe Betker