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„Kingsvillage Beatdown“ – ein Anwärter auf den Titel „beste Veranstaltung 2015“

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Das Foyer des Abtei Gymnasiums in Pulheim war am 12.12.2015 Austragungsort einer sehr bemerkenswerten Veranstaltung, die Bihes Barakat auf die Beine gestellt hatte. Der Ring stand, wie gesagt, im Foyer der Schule. Darum herum standen Stühle. Es gab auch noch eine Empore, von der aus man auf den Ring gucken konnte. Der Ort war fürs Boxen gut gewählt. Das ganze nannte sich „Kingsvillage Beatdown“ Es begann mit einer Darbietung der Cheerleader des 1. FC Köln. Überhaupt war die Veranstaltung etwas FC-lastig. Chistoph Daum war Ehrengast und Michael Tripple, der Stadionsprecher des FC, war Kommentator fürs Fernsehen. Im Vorprogramm gab es erst mal vier Kämpfe nach K1 Regeln.
Den ersten richtigen Boxkampf des Abend bestritten dann im Superleichtgewicht Khavazhy Khatsyhau (24 Kämpfe, 12 Siege, 8 durch KO, 12 Niederlagen, 8 durch KO) und Agali Alishov (29 Kämpfe, 21 Siege, 15 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). Khatsyhau, der kompaktere und kleinere Boxer, hatte von Anfang an Schwierigkeiten. Alishov, der Rechtsausleger, versuchte es mit Schwingern, war aber dabei zu hektisch, um für sein Gegenüber gefährlich zu werden. Die zweite Runde war härter. Beide Kontrahenten suchten den Schlagabtausch, wobei aber viele Schläge die Deckung trafen. Am Ende der Runde verletzte sich Khatsyhau den rechten Ellbogen. Er schaffte es noch, die Rundenpause zu erreichen, aber zur dritten Runde trat er nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 3 nach 0:00 Minuten: Agali Alishov.
Im folgenden Kampf gab Branimir Stankovic sein Profidebüt im Weltergewicht. Stankovic, der für die German Eagles in der World Series of Boxing geboxt hatte, traf auf Samir Boukrara (34 Kämpfe, 12 Siege, 2 durch KO, 21 Niederlagen, 8 durch KO, 1 Unentschieden). Um es gleich vorweg zu sagen, Stankovic sah richtig gut aus. Von Nervosität bei seinem Debüt war kaum etwas zu sehen. Er beherrschte auf beeindruckende Art und Weise das Geschehen im Ring. Er boxte variabel auf schnellen Beinen. Immer wieder ging er schön zum Körper. In der zweiten Runde kam er wiederholt mit Kopfhaken durch. In der dritten Runde erhöhte er das Tempo. Er verteilte seine Schläge gut und klug und Boukrara musste viele harte Treffer nehmen. Irgendwann hatte die Ecke von ihm genug gesehen und schütze ihn vor weiteren Schlägen mit dem Wurf des Handtuchs. Sieger durch TKO in Runde 3 nach 1:02 Minuten: Branimir Stankovic. Der Boxer von CSC-Boxpromotion hat da ein wirklich sehr beeindruckendes Profidebüt gegeben.
Danach trafen Badien Hasso (10 Kämpfe, 10 Siege, 4 durch KO) und Dzianis Makar (38, Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 31 Niederlagen, 8 durch KO, 2 Unentschieden) im Halbschwergewicht aufeinander. Hasso ist ein Boxer, der sich von Kampf zu Kampf steigert; er lernt und wird besser. Er begann ruhig und verhalten und studierte erst mal seinen Gegner. In der zweiten Runde erhöhte er dann den Druck und boxte systematischer. Zum Ende hin, deckte er ihn mit mehreren harten Kombinationen ein. Makar versuchte zwar gegenzuhalten, bekam aber von Hasso keine Chance. Bei einer der letzten Aktionen verletzte sich Makar am linken Auge. Auf Anraten des Ringarztes trat er zur folgenden Runde dann nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 3 nach 0:00 Minuten: Badien Hasso.
Es folgte ein kleine Pause und ein Showact: Die Pop-Sängerin Almok. Die stimmgewaltige Sängerin ist in Togo ein Superstar. Sie trug zwei Lieder vor.
Im Weltergewicht maßen dann Ilhami Aydemir (8 Kämpfe, 8 Siege, 5 durch KO) und Anton Bekish (22 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 16 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden) ihre Kräfte. Aydemir, auch von CSC-Boxpromotion, besetzte die Ringmitte und beherrschte das Geschehen mit seinem beeindruckenden Jab. Überhaupt war seine ganze Vorstellung beeindruckend. Angriffe von Bekish pendelte er locker aus, um dann selber effektiv und hart zu kontern. Ende der ersten Runde wurde Bekish durch eine Linke, gefolgt von und zwei Rechten zum Kopf, gefällt. Während der Ringrichter Tengis Sade von der GBA noch zählte, ertönte der Gong. Bekish trat aber zur nächsten Runde nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 0:00 Minuten: Ilhami Aydemir.
Die Einmarschmusik für Kouami Folly Kuegah (16 Kämpfe, 13 Siege, 9 durch KO, 3 Niederlagen), genannt Prinz Lorenzo, sang Almok live. Kuegah traf auf Bakhtiyar Isgandarzada (17 Kämpfe, 10 Siege, 3 durch KO, 7 Niederlagen, 4 durch KO). Dabei ging es um die Weltmeisterschaft der GBC im Halbweltergewicht. Der Prinz machte von Anfang an Druck. Isgandarzada hielt gegen und versuchte mit Haken zu kontern. Lorenzo traf aber besser. Ende der zweiten Runde verletzte sich Isgandarzada die Schlaghand. Daher erhöhte Kuegah auch den Druck. Isgandarzada trat aber trotz seiner Verletzung zur dritten Runde an. Er arbeitete viel mit der Linken und nur im Ausnahmefall mit der Rechten. Er versuchte dem Druck von Lorenzo durch schnelle Beine, Auslagenwechsel und hohe Schlagfrequenz mit der Linken etwas entgegenzusetzen. Das Vorhaben war aber zum Scheitern verurteilt. Dennoch stellte er sich auch zur vierten Runde, in der er viel nehmen musste, denn Lorenzo erhöhte immer weiter den Druck und suchte den KO-Erfolg. Zur fünften Runde trat Isgandarzada dann nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 5 nach 0:00 Minuten: Kouami Folly Kuegah – Prinz Lorenzo.
Für mich stellt der erste „Kingsvillage Beatdown“ einen ganz heißen Anwärter auf den Titel „beste Veranstaltung 2015“ dar. Es war einfach ein richtig gute Veranstaltung. Auch der Veranstaltungsort war gut gewählt. Besonders bemerkenswert aber fand ich die Qualität des Vorprogramms. Von vier Vorkämpfen waren drei wirklich gut. Wäre da noch zu erwähnen, dass es beim Hauptkampf ein Nummerngirl gab, eine Sambatänzerin.
© Uwe Betker

Foto: Gürtel GBC

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(C) southsideboxing.de

Written by betker

9. Juli 2015 at 23:59

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Derya Saki boxt um die Weltmeisterschaft

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Am 03.05.2014 ist es soweit. Die Krefelderin Derya Saki (6 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO) boxt um die Weltmeisterschaft im Leichtgewicht. Dabei geht es um den vakanten Titel des GBC, Global Boxing Council. Ihre Gegnerin in der Müggelspreehalle, Hangelsberg in Brandenburg, ist Flora Paul Machela (6 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO).
Die 24-jährige Saki ist in ihrer Gewichtsklasse die Nummer 65 in der Welt. Die aus Daressalam, Tansania, kommende Machela ist ein Jahr älter und boxt normalerweise drei Gewichtsklassen tiefer, im Super Bantamgewicht. Das dürfte ein Vorteil für Saki sein. Machela ist zwar in der Weltrangliste höher platziert als Saki, sie ist auf Position 36, aber nach meiner Einschätzung ist Saki die stärkere und bessere Boxerin. Der Kampf dürfte dennoch für sie der erste richtige Härtetest werden.
Wenn die Nummer 65 der unabhängigen Weltrangliste gegen die Nummer 36 boxt und es dabei um einen vakanten WM Titel geht, dann ist schon klar, welche Wertigkeit dieser Titel hat. Natürlich ist der GBC-Titel nicht der renommierteste Titel, den es im Frauenboxen gibt. Aber er ist ein Titel, und damit bietet er die Möglichkeit, sich zu profilieren und über die Distanz von 10-mal 2 Minuten zu gehen. Gleichzeitig ist ein solcher Titel ein Sprungbrett in die Weltspitze und dort will Derya Saki hin.
© Uwe Betker

Gedanken zum Phänomen Elina Tissen

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Elina Tissen ist ein Phänomen. Vermutlich gibt es kaum eine Boxerin, die so viel Ablehnung unter den Boxfans erfährt wie sie. Dabei ist Tissen (17 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) amtierende Weltmeisterin in drei Gewichtsklassen. Sie hat nicht weniger als fünf WM Titel.
Man könnte sich natürlich auch annehmen, die, die an ihr Kritik üben, sind nur neidisch. Aber dieser Ansatz fasst zu kurz. Wieso sollten denn Boxfans neidisch auf eine Boxerin sein? Die 26-jährige Boxerin sieht ja gut aus, wirkt charmant und nett. Sie ist auch Beispiel für eine gelungene Integration. In Orynbor (Orenburg, Russland) geboren, zieht sie mit zwölf nach Warendorf bei Münster. Sie nimmt die deutsche Staatsangehörigkeit an und macht eine Ausbildung zur Erzieherin. Wo ist da ein Grund für die Ablehnung?
Mir persönlich ist Elina Tissen zu zu. Sie ist mir zu aufdringlich, zu großsprecherisch, zu seltsam, zu selbstverliebt und zu laut. Halt zu zu. Beispiele gefällig? Frau Tissen wird von ihrem Management nicht als Weltmeisterin, sondern als „Worldchampionesse“ vermarktet. (Ich hoffe ich habe das Wort richtig geschrieben, denn aussprechen kann ich es nicht.) Dann mag ich ihren Kampfnamen nicht „Elin the Machine“. Wie kann man nur aus einer jungen Dame eine Maschine machen? Dies sind aber nur persönliche Empfindlichkeiten von mir.
Unangenehmer wird es, wenn sie einfach von der WIBF zur Boxerin des Jahres 2010 erklärt wird, ohne überhaupt nur einen WIBF Kampf bestritten zu haben. Oder wenn Frau Tissen mögliche zukünftige Gegnerinnen aus der Halle wirft. So geschehen 2011. Die Herausgeworfene war Goda Dailydait (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO). Oder wenn sie die angesprochene Dailydait einfach nicht boxt, obwohl sie die Pflichtherausfoderin ist. Warum nun Elina Tissen nicht auf einer Veranstaltung Khalil BoxPromotion boxt, ist letztlich nicht ganz klar. Aber es drängt sich der Verdacht auf, das Management von Tissen könnte den Kampf auf keinen Fall gewollt haben.
Nun boxt sie am 01.Juni in Essen gegen Doris Köhler (25 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO, 12 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). Dabei geht es um die WM Titel im Federgewicht von den drei Verbänden GBC (Global Boxing Council), WIBF (Women’s International Boxing Federation) und GBU (Global Boxing Union). So weit so schlecht. Aber noch schlimmer wird diese Kampfansetzung durch die Tatsache, dass Tissen bereits am 24.03.2012 gegen Köhler geboxt und nach Punkten gesiegt hat. Die Punktrichter werteten den Kampf 100:89, 100:89 und 100-91. Von den drei Punktrichtern wertete nur einer eine einzige Runde unentschieden. Alle anderen Rundenwertungen gingen an Tissen. Die Dame aus Wien gewann nicht eine einzige Runde.
Wenn Tissen Köhler jetzt in einem Interview stark redet und über ihre Entwicklung im letzten Jahr spekuliert, dann empfinde ich dies einfach nur als eine Beleidigung der Intelligenz der Boxfans. Frau Köhler verlor nach ihrem Kampf gegen Tissen noch gegen Ina Menzer, am 21.04.2012 und gegen Gaelle Amand, am 29.06.2012. Hiernach erreichte sie gegen eine Dame mit einem Kampfrekord von 3 Siegen, 24 Niederlagen, 2 Unentschieden in 29 Kämpfen immerhin ein Unentschieden. Dann siegte sie sogar noch drei Mal in Folge. Ihre erste Gegnerin gab ihr Profidebüt, die nächste hatte alle ihre drei Kämpfe verloren und die Letzte hatte zwölf Kämpfe in Folge verloren. Der WM Kampf zwischen Tissen und Köhler ist, nach meiner Meinung, einfach nur eine beschämend unwürdige Kampfansetzung.
Trotzdem kann ich nur jedem empfehlen, zu diesem Kampfabend hinzugehen. Die Veranstaltung verspricht wirklich gut zu werden, wenn man einmal absieht von dem letzten Kampf, den man als Ausfeger ansehen kann. Der Veranstalter Granit Shala schickt sich an, dem Profiboxen in Essen neue Impulse zu geben. Im richtigen Hauptkampf ist der Junior Weltergewichtler Bihes Barakat (21 Kämpfe, 18 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) zu sehen und der Barakat Kampf ist mit Sicherheit sehenswert.
© Uwe Betker

Elina Tissen, Maiki Hundt und ein Rauswurf

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Elina Tissen (15 Kämpfe, 13 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) gewann am 23.07.2011 den Titel des Global Boxing Council (GBC) im Super Bantamgewicht im Cultura – Sparkassentheater in Rietberg gegen Fatuma Zarika (29 Kämpfe, 23 Siege, 14 durch KO, 5 Niederlagen, 1 Unentschieden). Für Aufregung sorgte vorher der Rauswurf von einigen zahlenden Zuschauern. Das Management von Elina Tissen ließ Goda Dailydait (5 Kämpfe, 5 Siege, 2 durch KO) samt Trainer und mitgereisten Boxfans aus der Halle werfen. Ich hatte Gelegenheit mit Thorsten Brück über die Vorkommnisse zu sprechen.

Betker:
Herr Brück, Sie sind also jemand, den man aus Boxveranstaltungen rausschmeißt.
Brück:
Ja, das kann man so sagen. Aber ernsthaft: Wenn ich betrunken gewesen wäre oder wenn ich rumgepöbelt hätte, dann hätte ich es ja noch verstanden, dass man mich rausschmeißt. Aber jeder der mich kennt, weiß, dass ich so etwas nicht mache und dass ich ein sportlich fairer Mensch bin.
Betker:
Was ist eigentlich in Rietberg genau passiert?
Brück:
Was genau passiert ist? Das kann ich noch nicht einmal sagen. Auf einmal standen drei Hünen hinter mir, so zwei mal zwei Meter. Die haben dann gesagt: „Ansage vom Management, ihr verlasst sofort hier die Veranstaltung!“
Betker:
Ihr heißt, Sie und Goda Dailydait?
Brück:
Genau – und dann noch unser zweiter Sekundant, der war auch dabei an dem Abend.Und alle, die mit uns zusammen gekommen waren, duften dann mit uns auch wieder die Veranstaltung verlassen.
Betker:
Haben Sie Ihr Eintrittsgeld zurückbekommen?
Brück:
Ja, das haben wir zurück bekommen.
Betker:
Na, immerhin.
Brück:
Das wäre ja auch noch eine zusätzliche Dreistigkeit gewesen, wenn man uns einfach so rausschmeißt, ohne uns unser Geld zurück zu zahlen. Es lag ja auch kein Grund für den Rausschmiss vor – keine, dass man hätte sagen können: Selber schuld!
Betker:
Es gab also keine Erklärung, warum das Management beschlossen hatte, sie vom Veranstaltungsort entfernen zu lassen?
Brück:
Nein – ohne Erklärung. Ich habe den Mann von der Security noch gefragt, aus welchem Grund das hier alles passiert. Aber er sagte nur: „Wir brauchen hier nicht diskutieren. Wir haben hier die Order und – – – Bitteschön. Wir haben hier das Hausrecht.“
Betker:
Aha.
Brück:
Was soll man dann noch versuchen mit solchen Menschen zu reden? Das bringt dann auch nichts.
Betker:
Ja, aber es hätte doch sein können, dass die Herren von der Security sagen, dass Goda …
Brück:
von der Tissen noch lernen könnte.
Betker:
Haben Sie überhaupt etwas von der Veranstaltung gesehen?
Brück:
[gedehnt] Doch. Also ich muss ja sagen: Ich war noch nie so erschüttert, wie an diesen Abend. Auch mein Trainerkollege, der mir das Boxen beigebracht hat als ich mit fünf mit dem Boxen anfing, sagte das. Ich bin mittlerweile 45 – Sie können sich also leicht ausrechnen, wie lange wir schon zusammen arbeiten. Er saß neben mir, den Mund ganz weit offen und konnte es nicht fassen. Er sagte zu mir: „Ganz ehrlich, ich bin jetzt ganz fix und fertig. Ich weiß gar nicht mehr, was ich sagen soll. Wenn ich das jetzt nicht hier mit eigenen Augen gesehen hätte, ich hätte das nie geglaubt. Wenn mir das jemand erzählt hätte, ich hätte das niemals geglaubt. Das gibt es gar nicht. Das gibt es gar nicht! So ein schlechtes Boxen. Wo gibt es denn zwei mal zwei Minuten Kämpfe?“ So etwas habe ich auch noch nie, nie gesehen. Ich kenne so etwas nicht. Ich bin jetzt 40 Jahre dabei, aber ich kann mich nicht erinnern, dass es je einen Kampf gab über zwei mal zwei Minuten. Und dann auch noch auf einer Veranstaltung, wo es um eine Weltmeisterschaft geht. Das ist schon – – – krass.
Betker:
Die zwei mal zwei Minuten Kämpfe tauchen auf Boxrec nicht auf.
Brück:
Das glaube ich. Wie sollten sie denn auch jemanden verständlich machen, was das überhaupt soll. Ich kann mir auch nicht erklären, wofür das gut war. Also ich war recht enttäuscht. Dann war Pause, und wir gingen runter, um etwas trinken. Dabei hat wohl Maiki [Hundt, der Manager und Trainer von Elina Tissen] die Goda gesichtet. Dann kam innerhalb von eineinhalb Minuten auch schon der Rausschmiss.
Betker:
Aber warum schmeißt er die Goda Dailydait raus? Goda ist auf Boxrec auf Position 7 und Elina Tissen ist auf 2 im Federgewicht. Dementsprechend wäre es eine logische Geschichte, dass sich die Beiden irgendwann im Ring treffen.
Brück:
Ja, vielleicht irgendwann einmal. Aber ich denke, dass sie das so lange hinauszögern wollen wie nur irgend möglich. Die wollen den Kampf der Beiden nicht. Das vermute ich jedenfalls. Wenn man zurückverfolgt, was die alles an Kommentaren abgelassen haben, als Goda den Interconti[nental] Titel [02.04.2011 gegen Doris Köhler] geholt hat, da war Maiki [Hundt] ja auch da. Dann kamen hinterher die Beschimpfung: „Die hat ja nur mit einem Arm boxen können. Die hat sich ja verletzt. Bla bla bla.“ Dann habe ich gekontert und gesagt, dass wir gerne dazu bereit sind, gegen Tissen zu boxen. Da hat er gleich geantwortet; „Ja, die Goda ist sportlich ja noch gar nicht gereift genug, um in einer Veranstaltung gegen die Tissen antreten zu können.“
So gab sich im Internet ein Wort das andere. Goda hat dann sehr schön reagiert und geschrieben: „Jetzt müssten wir doch wunderbar in das Beuteschema von dem Team Tissen passen, weil die sucht sich doch eh nur Kranke und Schwache aus“. Da war er wohl ein wenig gekränkt und hat uns aus Rache aus seiner Veranstaltung entfernen lassen.
Betker:
Ja, aber …
Brück:
Das ist nur eine Spielerei. Was soll das denn? Die haben doch damals viel mehr gegen die [Ina] Menzer verbal geschossen, als was wir gemacht haben. Wir wollen doch nur einen sportlichen Vergleich, mehr doch nicht.
Betker:
OK.
Brück:
Die tönen doch immer so herum, wie gut sie ist. Sie hat doch bis jetzt praktisch fast nur Schwache geboxt. Das weiß doch jeder. Jedesmal, wenn sie dann eine Starke bekommen hat, haben alle immer gesagt: „Oh Mann, dass ging aber nicht mit rechten Dingen zu.“ Ich war damals in Rietberg gewesen [09.10.2010] als Stacey Reile aus Miami gekommen ist. Das Ding hat Tissen ganz klar verloren. Da geht es nicht um Sympathie oder Antipathie. Sport ist Sport und beim Sport soll die Bessere gewinnen. Ein fairer Kampf gegen Goda Dailydait wäre eine richtige Herausforderung für Frau Tissen. Dann kann sie ja mal unter Beweis stellen, ob sie so gut ist wie Maiki immer behauptet.
© Uwe Betker

Ein historischer Tiefpunkt für das Frauenboxen

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Ich gebe zu, ich habe ernsthaft geglaubt, das Niveau wäre nicht mehr weiter zu senken. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur anführen, dass meine Phantasie wohl einfach nicht ausreichte, mir so etwas auch nur ansatzweise vorzustellen. Ich war ja so naiv! Ich war ja so blauäugig! Aber wer rechnet schon mit so etwas? Wer kommt schon darauf, dass einige Protagonisten des Frauenboxens – so wie es sich mir darstellt – ihren eigenen Sport zerstören wollen, und das mit einer solchen Inbrunst und einer schon fast bewundernswerten Konsequenz? Was mich zu dieser öffentlichen Selbstkritik treibt, ist die Bekanntgabe der nächsten Gegnerin von Elina Tissen. Wir erinnern uns: Frau Tissen wurde gerade erst von der WIBF zur Boxerin des Jahres gekürt, obwohl sie keinen einzigen WIBF-Kampf bestritten hat.
Eigentlich hört sich die Pressemeldung erst mal ganz harmlos an: „Elins Gegnerin für den nächsten Titelkampf am 26. März steht nun fest. Es ist die aus Derbyshire stammende Juliette Winter, die bereits mit Weltmeisterinnen wie Magdalena Dahlen, Nadia Raoui und der WIBF Weltmeisterin Esther Schouten im Ring gestanden hat und somit über eine Menge Erfahrung verfügt. 2006 gewann sie gegen die hochgewettete Shanee Martin den vakanten British Masters Female Title.
Nach zähen Verhandlungen mit Boxställen aus aller Welt wurde Promoterin Miriam Bohn sich vertragseinig mit dem in Birmingham ansässigen Manager Errol Johnson, der Juliette Winter langjährig betreut. „Ich freue mich, dass meine Gegnerin nun fest steht und ich mich somit nun auf diese einstellen kann“, so unsere Worldchampionesse Elin.“
Also die „Worldchampionesse Elin“, von der in boxrec kein Geburtsort vermerkt ist, boxt gegen eine Frau Juliette Winter, die „über eine Menge Erfahrung verfügt.“ Nun, das ist absolut richtig. Wenn man das eine Unentschieden in ihrem Kampfrekord den Niederlagen zuschlägt, so hat sie exakt doppelt so viele Niederlagen wie Siege. Somit hat sie wirklich „eine Menge Erfahrung“ – nämlich im Verlieren. Es lohnt sich, ihren Kampfrekord (12 Kämpfe, 4 Siege, 7 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) einmal genauer anzusehen. Er beinhaltet nämlich, dass sie gegen keine der oben aufgeführten Gegnerinnen gewinnen konnte. Sie gewann auch kein einziges Mal vorzeitig. Ihren letzten Kampf (23.04.2010) verlor sie gegen eine Gegnerin (Alicja Dabrowska), die vorher nur einen einzigen Kampf bestritten hatte. Davor war Frau Winter 17 Monate inaktiv. Offensichtlich qualifizieren anderthalb Jahre Inaktivität plus eine Niederlage gegen eine Anfängerin Frau Winter dazu, um drei Federgewichts-Titel (Global Boxing Council, Global Boxing Union und der Interims Titel der Women’s International Boxing Federation) zu boxen. Wie können GBC, GBU und WIBF es überhaupt nur in Erwägung ziehen, einen solchen Kampf ernsthaft als Titelkampf zu sanktionieren?
Frau Winter ist auf Platz 32 der unabhängigen Weltrangliste. Sie hat im Laufe ihre Karriere von boxrec sage und schreibe drei Punkte für ihre Kämpfe bekommen. Damit hat sie immerhin 11 Boxerinnen hinter sich gelassen, die 2 oder nur einen Punkt haben. Und dahinter kommt schon das große Feld der Boxerinnen, die überhaupt keinen Punkt haben.
Es bedurfte also wirklich „zäher Verhandlungen mit Boxställen aus aller Welt“ von der „Promoterin Miriam Bohn“, um so eine solche Gegnerin zu finden! Also, ich bin der Meinung, wenn man schon unbedingt eine Gegnerin in dieser Güteklasse haben will, dann hätte man doch auch einfach die nächste Kassiererin an der Supermarktkasse fragen können. In meinen Augen bestünde das Problem dann eventuell darin, dass die Kassiererin eben nicht eine so spezifische „Erfahrung“ gesammelt hätte und dementsprechend womöglich gefährlicher werden könnte für „Elin The Mashine“ Tissen. Aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung.
© Uwe Betker

Frauenboxen bizarr: Elina Tissen ist WIBF Boxerin des Jahres 2010

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Im Profiboxen der Männer ist die Situation schon beschämend genug. Mittlerweile werden vier verschiedene konkurrierende Weltverbände allgemein anerkannt. Dadurch werden munter 68 Weltmeister-Gürtel in 17 Gewichtsklassen verteilt, wobei hier die so genannten Super-Champions der WBA noch nicht mit eingerechnet sind.
Im Frauenboxen sieht die Situation noch viel schlimmer aus. Hier leistet sich jeder der vier großen Weltverbände eine Frauenabteilung. Hinzu kommen aber noch andere Verbände, die Titel an boxende Frauen verteilen können, wie die WIBF, die Women`s International Boxing Federation und die GBU, die Global Boxing Union, wobei sich die WIBF ausschließlich um Frauenboxen kümmert, was ich persönlich durchaus für sehr lobenswert halte. Die WIBF war schließlich eine der Vorkämpferinnen des Frauenboxens. Im Frauenboxen gibt es also zurzeit mindestens sechs Weltverbände.
Ein sehr erhellendes Schlaglicht auf die bizarre Situation im Frauenboxen wirft die Vergabe des Titels „WIBF Boxerin des Jahres 2010“ an Elina Tissen. Tissen (13 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO, 2 Niederlagen), deren Geburtsort ich nicht kenne, hat einen nicht gerade beeindruckenden Kampfrekord. Sieht man einmal von ihrem letzten Kampf ab und betrachtet ihre ersten 12 Kämpfe näher, dann gibt es da schon einiges zu entdecken. Die Hälfte dieser Kämpfe bestritt sie gegen Boxerinnen, die gegen sie ihr Debüt gaben. Vier von ihnen (Britta Amann, 18.02.2006, Sabrina Buttendorf, 06.05.2006, Daniela Hechter, 12.01.2008, und Mirabel Bouns, 19.09.2009) boxten danach nie wieder. Immerhin boxte und verlor Alexandra Chirila (28.06.2009) weiter. Auch Nadia Raoui (11.11.2006) bestritt gegen sie ihren ersten Profikampf – und sie gewann.
Tissen unterlag auch in ihrem ersten Versuch, einen WM-Titel (26.04.2008) zu erringen. Esther Phiri aus Sambia sicherte sich den vakanten Titel der Global Boxing Councils im Super Federgewicht. Einen Kampf später (21.06.2008) holte Tissen sich den Titel eine Gewichtsklasse tiefer, im Federgewicht. Die Bedeutung dieses WM-Gürtels und dieses Weltverbandes kann man unschwer an der Gegnerin ablesen. Es handelte sich um Daniela Elena Dirma aus Rumänien, und sie qualifizierte sich für den WM-Kampf beim GBC dadurch, dass sie alle ihre 4 Profikämpfe vorher verloren hatte!
In ihrem nächsten Kampf (24.01.2009) holte sich Frau Tissen auch noch den Titel im Super Bantamgewicht. Immerhin hatte ihre Gegnerin Benedetta Kaloki (6 Kämpfe, 3 Siege, 3 Niederlagen, 1 durch KO) einen ausgeglichenen Kampfrekord. Es war wieder ein GBC-Titel.
In ihrem bisher letzten Kampf (09.10.2010), dem einzigen im Jahr 2010, traf Frau Tissen nach einer längeren krankheitsbedingten Pause auf die starke Stacey Reile, die sie dann in einen guten Kampf tatsächlich nach Punkten besiegte. Durch diesen Sieg wurde sie Weltmeisterin im Federgewicht von dem Verband Global Boxing Union.
Und jetzt erhält sie vom Verband WIBF die Auszeichnung als „WIBF Boxerin des Jahres 2010“. Nun frage ich mich aber doch, wie ein Weltverband allen Ernstes eine Frau zur Boxerin des Jahres küren kann, die in diesem Jahr nur einen einzigen Kampf bestritten hat? Auch wenn man über solche „Kleinigkeiten“ hinwegsehen möchte, wundere ich mich auch, wieso dieser Verband überhaupt eine Boxerin auszeichnen kann, die für diesen Verband noch keinen einzigen Titelkampf bestritten hat? Für mich würde es das ähnlich viel Sinn machen, wenn Opel den Mitarbeiter des Jahres küren würde und die Auszeichnung ginge an einen Arbeiter von Toyota.
Hinter dieser, in meinen Augen, vollkommen abstrusen Vergabe der Auszeichnung steckt jedoch eine gewisse Logik. Der Präsidentin des WIBF ist Barbara Buttrick aus den USA und der Vizepräsident ist Jürgen Lutz aus Karlsruhe/Deutschland. Bei der GBU heißt der Präsident Jürgen Lutz und die Vizepräsidentin Barbara Buttrick. Auch bei den anderen Mitgliedern der Präsidien gibt es ein hohes Maß an personeller Übereinstimmung. Das sieht für mich doch so aus, als würde es sich gar nicht um zwei unabhängige Verbände handeln, sondern um eine Einheit. Wenn nun aber schon die Protagonisten der Verbände die eigenen Verbände kaum auseinander halten können oder wollen, wieso sollte dann irgendjemand anderes diesen Verbänden dann überhaupt Aufmerksamkeit widmen.
© Uwe Betker

PS: Die Global Boxing Union wird GBU abgekürzt und nicht GBC, wie ich es ursprünlich hier geschrieben hatte. Danke für den Hinweis.