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Wenig Zeit

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Der in Kursk geborene Russe Alexander Wladimirowitsch Powetkin (25 Kämpfe, 25 Siege, 17 durch KO) dürfte wenig Zeit für sein Hobby, das Boxen, haben. Er lebt zusammen mit seiner Frau Irina und seiner Tochter Arina in Tschechow. Hauptberuflich ist er Abgeordneter im Gebietsparlament von Kursk. Dort verteidigt er zusammen mit seinen politischen Freunden von der Partei Einiges Russland die Demokratie, oder was sich Wladimir Putin darunter so vorstellt.
Aber manchmal findet Powetkin doch noch etwas Zeit und dann verdient er nebenbei mit seinem Hobby Geld, Geld, das jeder Haushalt in der Bundesrepublik zahlen muss; er verdient nämlich an den Rundfunkgebühren. Er ist bei Sauerland Event unter Vertrag und Sauerland Event überträgt bei der ARD. Somit stattet der Gebührenzahler den lupenreinen Demokraten noch mit einem Zusatzeinkommen aus.
Powetkin hat sportlich viel erreicht. Er darf sich Weltmeister im Schwergewicht nach Version WBA nennen. Dies wurde möglich, weil dieser Verband gerne Boxer, die Weltmeister bei mehreren Verbänden sind, zu „Super Champions“ erklärt, um dann den regulären Titel wieder vergeben zu können. Damit kann dann die WBA zweimal Gebühren kassieren. Ein weiterer Grund, warum er Weltmeister werden konnte, ist, dass er erfolgreich bis jetzt den Klitschkos, sozusagen den anderen Weltmeistern, aus dem Weg gehen konnte, was ihm bei mir den Ehrentitel „Zaghafter Zar“ eintrug.
Am 29.09.2012 boxte Powetkin wieder und verteidigte dabei erfolgreich seinen Weltmeistertitel. Da man einem so vielbeschäftigten Mann aber nun mal nicht zumuten kann, gegen einen richtigen Gegner zu boxen, suchte und fand man einen Gegner, den auch ein als Hobby boxender Abgeordneter beeindruckend besiegen kann, Hasim Rahman (61 Kämpfe, 50 Siege, 41 durch KO, 8 Niederlagen, 6 durch KO, 2 Unentschieden).
Rahman hatte vor gefühlten 30 Jahren, aber es sind in Wirklichkeit nur 11, sensationell Lennox Lewis durch KO besiegt. Er war ein paar Monate Weltmeister. Dann schlug Lewis ihn im Rückkampf KO. 2008 tat es diesem dann auch Wladimir Klitschko gleich. Seitdem stand Rahman noch fünfmal im Ring und blieb dabei unbesiegt. Seine Gegner waren von beeindruckender Schwäche. Der erste hatte von seinen letzten vier Kämpfen drei verloren, der Zweite drei von fünf, der Dritte zwei von vier, der Vierte vier von acht und der Fünfte sechs von neun. Diese beindruckende Siegesserie und die dann folgende Pause von 15 Monaten qualifizierten nun Rachman zum WM-Kampf gegen Powetkin. Sich über den Kampfverlauf und den Ausgang dieses Kampfes zu äußern, erübrigt sich.
Was mich an diesem Kampf noch weiter beschäftigt, ist allein die Frage, warum eigentlich die Gebührenzahler in Deutschland einem russischen Abgeordneten sein Hobby bezahlen sollen, wo dieser noch nicht einmal um einen richtigen Titel oder zumindest gegen einen richtigen Gegner boxen will. Warum zeigt die ARD kein richtiges Boxen?
© Uwe Betker

Über die Vergesslichkeit von Sauerland Event und ARD

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Vermutlich kennt das jeder. Jeder hat schon einmal etwas vergessen. Ich spreche nicht von der Butter oder den Zwiebeln. Nein, ich spreche davon, dass wohl jeder schon einmal etwas vergessen hat, von dem er sich vorher nicht vorstellen konnte, dass er es je vergessen könnte. So habe ich einmal meinen Hochzeitstag vergessen. Das hatte zur Folge, dass mich nun meine Frau kurz vor unseren Hochzeitstag unauffällig daran erinnert. Seitdem vergesse ich ihn auch nicht mehr.
Wenn man sich nun das Profiboxen in Deutschland ansieht oder, um genauer zu sein, das Profiboxen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, so kann man da auch schon mal das Gefühl bekommen, dass die Hauptprotagonisten hier etwas ganz Zentrales vergessen haben. Dieses Etwas müsste aber eigentlich ihr Denken und Handeln bestimmen. Da es ja aber nun mal jeden passieren kann, dass er etwas vergisst, sollte man die ARD und Sauerland Event einfach daran erinnern, um ihnen dabei zu helfen, es nicht wieder zu vergessen.
Die ARD gibt Sauerland Event einen, wie ich finde ziemlich hohen Betrag und bekommt dafür dann Profiboxkämpfe geliefert. Alle Beteiligten scheinen allerdings vergessen zu haben, woher das Geld eigentlich kommt, von dem die Veranstalter und damit auch die Boxer, Trainer, Matchmaker und Geschäftsführer bezahlt werden. Aus demselben Topf kommt auch das Geld für die Gehälter der Redakteure der ARD. Zahler sind alle Haushalte der Bundesrepublik Deutschland, die gezwungen sind, Rundfunkgebühren zu zahlen, egal ob sie nun Boxen mögen oder nicht und ob sie Boxen anschalten oder nicht. Sauerland Event und ARD haben demnach gegenüber den Gebührenzahlern eine Verantwortung und genau dieses scheinen beide vergessen zu haben. Wie kann man denn ernsthaft rechtfertigen, dass ein Mann wie der Weltmeister im Cruisergewicht nach Version WBO, Muamer Hukic, der sich jetzt Marco Huck (35 Kämpfe, 34 Siege, 25 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) nennt, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wird? Seine Pflichtverteidigung gegen Denis Lebedev gewann er nur, weil zwei Punktrichter ihm den Sieg zuschanzten. Dieses skandalöse Fehlurteil hatte dann keinen Rückkampf zur Folge. Vielmehr wurden in der Folgezeit Herrn Huck aus Ugao, Serbien handverlesene Gegner, manche meinen auch Opfer, vorgesetzt, wodurch er auf extrem leichte Art viel Geld verdiente. Es handelte sich um Geld, das jeder einzelne Gebührenzahler aufbringen muss.
Es ist an der Zeit, dass Sauerland Event und ARD sich ihrer Verantwortung gegenüber denjenigen, die sie schließlich finanzieren bewusst wird. Beide sollten sich allmählich verpflichten, den Zuschauern gute und ausgeglichene Boxkämpfe zu zeigen, bei denen zuletzt dann auch der zum Gewinner erklärt wird, der den Kampf gewonnen hat und nicht derjenige, der für den heimischen Veranstalter antritt.
© Uwe Betker

Ist diese Boxveranstaltung 1,5 Millionen Euro wert?

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Über Geld spricht man nicht. Dennoch wurde erst unlängst öffentlich gemacht, dass die ARD Sauerland Event 54 Millionen (in Buchstaben: vierundfünfzig Millionen) Euro für 3 Jahre Boxen, von 2013 bis 2015 zahlen will. Man könnte schon auf die Idee kommen, da ist jemand neidisch. Wie ist sonst zu erklären, dass jetzt diese Zahlen öffentlich gemacht wurden. Clemens Prokop z.B., der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV), beschwerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: „Wir finden die Entscheidung unverständlich, dass für diese Veranstaltungen Geld keine Rolle spielt und für die olympische Kernsportart um jeden Euro geknausert wird.“ Hintergrund dieser Kritik ist die Tatsache, dass erst kürzlich ARD und ZDF die Verhandlungen mit dem internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) über die Übertragungsrechte der WM in Südkorea beendeten, weil IAAF 15 Millionen Euro gefordert hatten.
Um es deutlich zu sagen, ich begrüße die Vertragsverlängerung ausdrücklich, wenngleich eine Summe wie 54.000.000 Euro außerhalb meiner Vorstellungskraft liegt. Aber es ist doch zu bedenken, dass schließlich jeder Gebührenzahler, d.h. jeder Haushalt in der Bundesrepublik Deutschland Sauerland Event für seine Boxveranstaltungen bezahlt, und zwar knapp 1,5 Millionen Euro pro Veranstaltung. Das ist eine große Verantwortung. Der Veranstalter ist in der Pflicht und kommt ihr hoffentlich auch nach. Muss man sich nun denn nicht bei jeder Boxübertragung der ARD fragen: War das jetzt 1,5 Millionen Euro wert?
© Uwe Betker

Written by betker

9. März 2011 at 23:59