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Sechs Boxkämpfe und zwei Go-Go-Girls in Brunssum

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In Brunssum, in den Niederlanden, war am Samstag, dem 01. Februar, gutes Boxen zu sehen. Es wurden sechs Kämpfe geboten, fünf waren auf vier Runden und einer auf sechs angesetzt, m. a. W. bekamen viele junge Boxer die Chance, ihr Können zu zeigen.
Der erste Kampf hielt eine faustdicke Überraschung bereit. Im Supermittelgewicht trafen Farouk Daku (23 Kämpfe, 17 Siege, 9 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO) und Bai-Thaimko Conteh (2 Kämpfe, 1 Sieg. 1 Niederlage) aufeinander. Conteh setzte seinen sehr viel erfahrenen Gegner ganz schön unter Druck. Daku reagierte darauf, indem er versuchte mit Kontern zu punkten, die aber meist nur die Deckung trafen. Seine rechte Führhand gebrauchte er nur selten. In der dritten Runde kam Conteh mehrfach mit seiner Linken zum Kopf durch. Erst am Ende der vierten und letzten Runde fing Daku an zu arbeiten. Er bewies dann, dass er über die sehr viel bessere Technik verfügt und auch noch immer der bessere Boxer ist. Durch Körpertreffer versuchte er, die Doppeldeckung von Conteh nach unten zu ziehen, um ihn KO zu schlagen. Aber er schaffte es nicht mehr. Am Ende stand ein einstimmiger Punktsieg für Conteh, der von Mario Guedes betreut wird.
Später beklagte sich Daku sehr lautstark beim Supervisor des niederländischen Verbandes Rinze van der Meer. Es spricht für den Verband des Professional Boksen Nederland, dass auch ein Boxer, der aus der falschen Ecke kommt, den Sieg bekommt, wenn er ihn verdient hat.
Der folgende Kampf, der praktisch der Hauptkampf war und über sechs Runden angesetzt war, begann mit der Showeinlage von zwei Go-Go-Tänzerinnen. Leider war der Show Act viel zu schnell vorbei und die Tänzerinnen traten auch nicht wieder auf. Eine persönliche Anmerkung: Es sollte mehr Go-Go-Tänzerinnen bei Boxveranstaltungen auftreten.
In dem Kampf trafen dann Gevorg Khatchikian (20 Kämpfe, 20 Siege, 8 durch KO) und Olegs Fedotovs (32 Kämpfe, 18 Sieg. 12 durch KO, 14 Niederlagen, 3durch KO) aufeinander. Die erste Runde roch noch nach einem vorzeitigen Sieg. Bereits die erste Kombination von Khatchikian ließ seinen russischen Gegner durch den Ring taumeln. Dadurch ermutigt, suchte er nun den KO, wodurch er dann aber die boxerische Linie etwas verlor. Immer wieder ließ er seine Führhand fallen, um seinen Kontrahenten heran zu locken, um dann zu versuchen, mit Schwingern seinen Gegner zu treffen und zu fällen. Im Lauf des Kampfes entwickelte sich daraus ein seltsamer Wettbewerb. Es konnte einem so vorkommen, als wollte Khatchikian Fedotovs beweisen, dass er ihn KO schlagen kann. Dieser nun wieder wollte ihm im Gegenzug dann offenbar zeigen, dass er das nicht schafft. Am Ende war Fedotovs der moralische Sieger des Wettbewerbs, weil er klar nach Punkten verlor. Allerdings denke ich, dass solche Beweise von Härte nicht gesund sein können. Fedotovs hat schon viele harte Treffer kassiert. Khatchikian gehört zur europäischen Spitzenklasse. Der Schützling von Patrick Driessen sollte sich aber doch etwas weniger auf seine Schlagkraft als auf seine boxerischen Fähigkeiten verlassen.
Auch der dritte Kampf war durchaus sehenswert. Moreno Janssen, der sein Debüt gab, boxte gegen Suriel Fairon Ursino Hooker (3 Kämpfe, 3 Siege). Die Begegnung fand im Supermittelgewicht statt. Die ersten beiden Runden waren sehr eng. Janssen startete stark. Er boxte sauber, machte Druck und schlug viel. Hooker war defensiver, landete aber die besseren Treffer. In der dritten Runde wurde Janssen angezählt, weil er sich abgedreht hatte. Offensichtlich hatte sich Janssen bei einem rechten Cross die Hand verletzt. Hiernach wurde die Kampf einseitig. Hooker dominierte und Janssen versuchte nur noch über die Zeit zu kommen. Der Punktsieg für Hooker war einstimmig.
In der folgenden Begegnung gab Somay Bilal im Halbweltergewicht sein Profidebüt. Sein Gegner war Meikel Samek (4 Kämpfe, 1 Sieg, 3 Niederlagen, 1 durch KO). Bevor Bilal aber in den Ring stieg, machte er eine Ehrenrunde durch den Saal, um seine Freunde und Fans zu begrüßen. Alle vier Runden verliefen nach dem gleichen Muster. Bilal, der von Patrick Driessen trainiert wird, setzte Samek unter Druck. Dieser versuchte nur irgendwie über die Runden zu kommen. Er verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung, lief weg oder klammerte. Er klammerte immer, wenn er die Möglichkeit hatte.
Bilal versuchte seinen Fans etwas zu bieten, vergaß seine Technik und drosch auf seinen Gegner ein, in der Hoffnung, ihn dadurch zu Boden zu bringen, was ihm aber nicht gelang. Am Ende stand ein einstimmiger Punktsieg für ihn.
Der fünfte Kampf, der im Halbschwergewicht stattfand, war außerordentlich schnell zu Ende.
Gian Carlo Liesdek (4 Kämpfe, 4 Siege, 1 durch KO) bekam es mit dem nicht sehr austrainiert aussehenden Ismael Altintas (10 Kämpfe, 3 Sieg, 2 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) zu tun. Liesdek trieb seinen Gegner vor sich her. Dann kam er mit einer linken Grade zum Kinn durch und Altintas fiel um und wurde ausgezählt. Der Kampf war nach 1 Minute und 40 Sekunden vorbei.
Im letzten Kampf des Abends bekam es Melvin Wassing (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 Niederlage, 1 durch KO) mit Gokhan Kaya (12 Kämpfe, 12 Niederlagen, 6 durch KO) zu tun. Kaya tat das, was er im Ring am besten kann. Er verlor, diesmal nach Punkten. Dafür musste er schon hart arbeiten, denn Wassing tat sein Bestes, um zu verhindern, dass Kaya den Schlussgong erreicht.
In Brunssum in den Niederlanden habe ich gutes Boxen gesehen und ich werde sicher wieder hinfahren. Ich hoffe nur, dass dann die Showeinlagen der Go-Go-Girls länger sind.
© Uwe Betker

Ein zu schneller Abbruch, zwei Go-Go Girls und drei gute Kämpfe

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Am Sonntag gab es in Heerlen, im Südosten der niederländischen Provinz Limburg, in einem Sportzentrum, eine wirklich sehr sehenswerte Veranstaltung. Im Vorprogramm gab es 15 Amateurboxkämpfe zu sehen. Außerdem waren im abgesperrten Innenraum zwei kleine Bühnen aufgebaut, auf denen zwei Go-Go Tänzerinnen in jeder Ringpause die aktionslose Zeit verkürzten. Ich bin dafür, dass bei jeder Boxveranstaltung auch Go-Go Tänzerinnen auftreten sollten.
Vier Profikämpfe gab es zu sehen. Davon waren die ersten beiden Profidebüts. Im ersten Kampf traf im Cruisergewicht der Debütant Gian Carlo Liesdek (1 Kampf, 1 Sieg) auf Antonio Manuel (14 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 9 Niederlagen, 1 Unentschieden). Liesdek begann aggressiv und punktete mit seiner Linken. Manuel, mit großen, auf seinen Rücken tätowierten Engelsflügeln, war zu passiv. Im zweiten Durchgang wurde er dann doch aktiver und versuchte mit einzelnen Haken sein Ziel zu treffen, was ihm aber nur sehr selten gelang. In der dritten Runde wurde er dann noch stärker und zwang Liesdek, immer wieder weg zu tanzen. Letztlich war Manuel in seinen Aktionen aber doch zu unkontrolliert. In der vierten und letzten Runde war Liesdek wieder Herr im Ring. Er zeigte immer wieder einen guten Jab und schöne Meidbewegungen. Sein Punktsieg war verdient.
Im zweiten Kampf des Abends boxten Robbie Hageman (1 Kampf, 1 Unentschieden) und Radwan Boeka (2 Kämpfe, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) im Mittelgewicht gegeneinander. Hagemann, der sein Profidebüt gab, und Boeka lieferten sich einen unglaublichen Kampf. Obwohl die erste Runde schon sehr schnell und hart umkämpft war, steigerten sich Tempo und Härte der Auseinandersetzung von Runde zu Runde. Die vierte und letzte Runde war parktisch ein ununterbrochener Schlagabtausch. Am Ende stand ein gerechtes Unentschieden.
Ein paar Worte zu den Ring- und Punktrichtern der Professional Boxing Netherlands. Sie waren alle durch die Bank weg unauffällig und sehr gut. Schlechtere Punktrichter, und von denen es ja bekanntlich sehr viele gibt, hätten dem Debütanten Hageman den Sieg zugeschanzt.
Im dritten Kampf gab Dimitri Sartison (32 Kämpfe, 30 Siege, 18 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) sein Comeback, nach seiner TKO Niederlage in Runde 12 gegen Karoly Balzsay, am 21.04.2012. In diesem Kampf hatte er versucht, WBA Weltmeister im Super Mittelgewicht zu werden. Sein Gegner in Heerlen war Artem Solomko (33 Kämpfe, 11 Siege, 4 durch KO, 21 Niederlagen, 8 durch KO, 1 Unentschieden). Nun sollte man eigentlich meinen, dass ein Mann wie Solomko, der einen eindeutig negativen Kampfrekord hat, kein Problem für Sartison sein sollte. Dem war nun aber nicht so.
In der ersten Runde sah es noch so aus, als ob Sartison seinen Aufbaukampf lässig hinter sich bringen sollte. Aber Solomka wehrte sich tapfer. Obwohl er bereits in der zweiten Runde stark aus der Nase blutete, wurde er von Runde zu Runde stärker. Nicht dass Solomko auch nur die Spur von einer Chance gehabt hätte. Dafür war er schlicht zu limitiert. Aber der notorisch spät startende Sartison kam einfach nicht in den Kampf. Er quälte sich geradezu über die sechs Runden. Seine neunmonatige Ringabstinenz war ihm deutlich anzumerken. Er fand schlicht nicht die richtige Distanz und sein Timing war auch nicht gut. Trotzdem war sein haushoher Punktsieg nie in Gefahr.
Im letzten Kampf trafen im Mittelgewicht Gevorg Khatchikian (18 Kämpfe, 18 Siege, 7 durch KO) und Jetmir Kuqi (10 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) aufeinander. Khatchikian gilt als eines der größten Talente im Super Mittelgewicht. Der auf 8 Runden angesetzte Kampf war bereits nach zirka 2 Minuten und 45 Sekunden zu Ende. Ein kleiner Cut über dem rechten Auge von Kuqi führte zum Abbruch. Der Abbruch kam, so wie ich es gesehen habe, viel zu früh. Es musste nur einmal mit dem Handtuch drüber gewischt werden und die Blutung war schon gestoppt. Aber der Ringarzt sah es anders. Die Zuschauer hätten gerne mehr von dem Kampf gesehen. Die wenigen Minuten, die der Kampf gedauert hatte, waren nämlich eng und ausgeglichen.
Die Veranstaltung in Heerlen war sehr gut. – Ach, habe ich das eigentlich schon erwähnt?: – Ich bin dafür, dass bei jeder Boxveranstaltung auch Go-Go Tänzerinnen auftreten.
© Uwe Betker