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Der Tausendsassa Granit Shala

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Der Tausendsassa Granit Shala
Wenn es so etwas gibt wie die Inkarnation eines Tausendsassa, eines Alleskönners, gibt, dann ist das wohl Granit Shala. Der aus dem Kosovo stammende Essener besitzt zwei Restaurants und Pizzerien. Er arbeitet zwölf Stunden am Tag. Außerdem ist er mit seinen 27 Jahren der jüngste Boxpromoter Europas. Drei Veranstaltungen hat er schon auf die Beine gestellt und die nächste ist für Anfang 2014 geplant. Und als wäre das nicht schon genug Arbeit, steigt er auch noch am 07. Dezember erstmalig selbst als Profiboxer in den Ring.
Das letzte Mal stand er vor sieben Jahren im Ring, damals noch als Amateur. Er boxte für Tus Syke bei Bremen. Im Fliegen-, Bantam- und Federgewicht absolvierte er insgesamt 31 Kämpfe, von denen er 29 für sich entscheiden konnte. Er war 14, als er zum Boxen kam. Er wartetet auf einen Freund, der boxte. Und weil das Warten zu langweilig war, trainierte er mit. Wenn man ihn fragt, warum er jetzt als Profi in den Ring steigen will, antwortet er: „Wenn ich andere boxen sehe, merke ich, wie gut ich bin.“ Das will er nun beweisen. Dafür geht er sieben Tage die Wochen nach der Arbeit trainieren. Auf sein Profidebüt hat er sich neun Wochen lang vorbereitet. Dabei hat er 13 Kilo abgenommen.
Sein Kampf ist auf sechs Runden angesetzt und ist der Hauptkampf der Veranstaltung, die er übrigens nicht selber organisiert. Dafür kümmert er sich aber um alles, was seinen Kampf betrifft. Er ließ sich sogar extra seine eigene Einmarschmusik komponieren, die am Abend live von einer Band gespielt wird. Seine Ziele sind klar definiert: „Wenn ich verliere, höre ich auf. Aber bis dahin boxe ich weiter.“ Auch als Veranstalter hat er sich noch Großes vorgenommen. Halb scherzhaft sagt er von sich: „Ich werde der zweite Don King.“
Wer Granit Shalain einem seiner Restaurants sieht, wie er Kunden bedient, witzig und schlagfertig ein Interview führt, Mitarbeitern Anweisungen gibt und immer Alles im Blick und unter Kontrolle hat kann sich gut vorstellen, dass Tausendsassa als Boxer, als Veranstalter und eventuell sogar als Trainer seinen Weg gehen wird
(C) Uwe Betker

Written by betker

4. Dezember 2013 at 23:59

Plakat: Dürener Fight Night (07.12.2013)

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Written by betker

4. Dezember 2013 at 23:59

Gedanken zum Phänomen Elina Tissen

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Elina Tissen ist ein Phänomen. Vermutlich gibt es kaum eine Boxerin, die so viel Ablehnung unter den Boxfans erfährt wie sie. Dabei ist Tissen (17 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) amtierende Weltmeisterin in drei Gewichtsklassen. Sie hat nicht weniger als fünf WM Titel.
Man könnte sich natürlich auch annehmen, die, die an ihr Kritik üben, sind nur neidisch. Aber dieser Ansatz fasst zu kurz. Wieso sollten denn Boxfans neidisch auf eine Boxerin sein? Die 26-jährige Boxerin sieht ja gut aus, wirkt charmant und nett. Sie ist auch Beispiel für eine gelungene Integration. In Orynbor (Orenburg, Russland) geboren, zieht sie mit zwölf nach Warendorf bei Münster. Sie nimmt die deutsche Staatsangehörigkeit an und macht eine Ausbildung zur Erzieherin. Wo ist da ein Grund für die Ablehnung?
Mir persönlich ist Elina Tissen zu zu. Sie ist mir zu aufdringlich, zu großsprecherisch, zu seltsam, zu selbstverliebt und zu laut. Halt zu zu. Beispiele gefällig? Frau Tissen wird von ihrem Management nicht als Weltmeisterin, sondern als „Worldchampionesse“ vermarktet. (Ich hoffe ich habe das Wort richtig geschrieben, denn aussprechen kann ich es nicht.) Dann mag ich ihren Kampfnamen nicht „Elin the Machine“. Wie kann man nur aus einer jungen Dame eine Maschine machen? Dies sind aber nur persönliche Empfindlichkeiten von mir.
Unangenehmer wird es, wenn sie einfach von der WIBF zur Boxerin des Jahres 2010 erklärt wird, ohne überhaupt nur einen WIBF Kampf bestritten zu haben. Oder wenn Frau Tissen mögliche zukünftige Gegnerinnen aus der Halle wirft. So geschehen 2011. Die Herausgeworfene war Goda Dailydait (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO). Oder wenn sie die angesprochene Dailydait einfach nicht boxt, obwohl sie die Pflichtherausfoderin ist. Warum nun Elina Tissen nicht auf einer Veranstaltung Khalil BoxPromotion boxt, ist letztlich nicht ganz klar. Aber es drängt sich der Verdacht auf, das Management von Tissen könnte den Kampf auf keinen Fall gewollt haben.
Nun boxt sie am 01.Juni in Essen gegen Doris Köhler (25 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO, 12 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). Dabei geht es um die WM Titel im Federgewicht von den drei Verbänden GBC (Global Boxing Council), WIBF (Women’s International Boxing Federation) und GBU (Global Boxing Union). So weit so schlecht. Aber noch schlimmer wird diese Kampfansetzung durch die Tatsache, dass Tissen bereits am 24.03.2012 gegen Köhler geboxt und nach Punkten gesiegt hat. Die Punktrichter werteten den Kampf 100:89, 100:89 und 100-91. Von den drei Punktrichtern wertete nur einer eine einzige Runde unentschieden. Alle anderen Rundenwertungen gingen an Tissen. Die Dame aus Wien gewann nicht eine einzige Runde.
Wenn Tissen Köhler jetzt in einem Interview stark redet und über ihre Entwicklung im letzten Jahr spekuliert, dann empfinde ich dies einfach nur als eine Beleidigung der Intelligenz der Boxfans. Frau Köhler verlor nach ihrem Kampf gegen Tissen noch gegen Ina Menzer, am 21.04.2012 und gegen Gaelle Amand, am 29.06.2012. Hiernach erreichte sie gegen eine Dame mit einem Kampfrekord von 3 Siegen, 24 Niederlagen, 2 Unentschieden in 29 Kämpfen immerhin ein Unentschieden. Dann siegte sie sogar noch drei Mal in Folge. Ihre erste Gegnerin gab ihr Profidebüt, die nächste hatte alle ihre drei Kämpfe verloren und die Letzte hatte zwölf Kämpfe in Folge verloren. Der WM Kampf zwischen Tissen und Köhler ist, nach meiner Meinung, einfach nur eine beschämend unwürdige Kampfansetzung.
Trotzdem kann ich nur jedem empfehlen, zu diesem Kampfabend hinzugehen. Die Veranstaltung verspricht wirklich gut zu werden, wenn man einmal absieht von dem letzten Kampf, den man als Ausfeger ansehen kann. Der Veranstalter Granit Shala schickt sich an, dem Profiboxen in Essen neue Impulse zu geben. Im richtigen Hauptkampf ist der Junior Weltergewichtler Bihes Barakat (21 Kämpfe, 18 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) zu sehen und der Barakat Kampf ist mit Sicherheit sehenswert.
© Uwe Betker