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Die Nacht der Löwen in Velbert

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Der Veranstalter Werner Kreiskott stellte im EMKA Sportzentrum einen Kampfsportabend mit insgesamt 17 Kämpfen auf die Beine. Es gab neun K1- Kämpfe, zwei von Kindern, sieben von Erwachsenen, darunter eine IKBO Pro Am Deutsche Meisterschaft, sowie acht Profiboxkämpfe.

Bei den Profiboxern machten Antonio Hoffmann (21 Kämpfe, 20 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) und Orlen Padilla (34 Kämpfe, 24 Siege, 21 durch KO, 9 Niederlagen, 8 durch KO, 1 Unentschieden) im Super Weltergewicht den Anfang. Der Kampf wurde intensiv geführt. Beide standen viel Fuß an Fuß und deckten sich ein, wobei Hoffmann meist mehr Hände ins Ziel brachte. Besonders seine Haken waren schön. Am Ende der ersten Runde wurde Hoffmann in einer Ecke gestellt und Padilla deckte ihn ein. Doch gingen die meisten Schläge auf die Deckung. In der zweiten Runde wurde Hoffmann stärker und dominanter. Er kam immer häufiger mit harten Kombinationen durch. Padilla nahm immer mehr, bis seine Ecke genug hatte und das Handtuch warf. Der GBA Ringrichter Jens-Uwe Baum hatte nichts weiter zu tun, als den Kampf abzuwinken. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 2:51 Minuten: Antonio Hoffmann.

(C) Andreas Bornewasser

Es folgte die 6-Runden-Begegnung zwischen Emin Atra (15 Kämpfe, 15 Siege, 12 durch KO) und Yesilat Berkta (47 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO; 41 Niederlagen, 26 durch KO) im Super Mittelgewicht. Atra ließ das Publikum erst einmal warten. „Hells Bells“ lief einmal komplett durch, bevor er an der Hallentür auftauchte – und das Lied ist ziemlich lang. Dann boxte er schön und lang. Beide schenkten sich nichts. Es gab viele Aktionen, die meist von Atra ausgingen. Berkta hatte allerdings auch seine Momente. Ende der Runde kam Atra mit einer Rechten zur Schläfe durch, die Berkta in einer neutralen Ecke zu Boden brachte. Ringrichter Roman Morawiec zählte ihn an. Bevor der Kampf wieder losgehen konnte, ertönte der Gong. Die zweite Runde wurde intensiv geführt. Es gab viele Schlagabtäusche. Bei einem ging ein Treffer unabsichtlich tief. Berkta boxte jedoch kurze Zeit später weiter, ging aber dann nach Körpertreffern runter. Schon kam dann auch ein Handtuch geflogen, Sieger durch TKO Runde 2, nach 1:36 Minuten: Emin Atra.

(C) Andreas Bornewasser

Im Mittelgewicht trafen sodann Adnan Ukella (2 Kämpfe, 2 Siege) und Rene Molik (3 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlagen) in einem Vierrunder aufeinander. Ukella boxte schön lang und versuchte, mit Haken ans Ziel zu kommen. Molik hatte dem wenig entgegenzusetzen, kam aber auch manchmal durch. Die erste Hälfte der zweiten Runde dominierte Ukella. Dann nahm er eine schwere Rechte zum Kopf, die ihn sichtlich beeindruckte. Hieraufhin suchte Molik den KO. In den letzten Sekunden sahen wir einen offenen Schlagabtausch, bei dem beide nahmen. Der dritte Durchgang war außerordentlich munter, wobei Molik, der konditionell abbaute, in den letzten Sekunden mit harten Händen durchkam. In der letzten Runde hatten beide Boxer keine Luft mehr. Daher machten sie beide weniger und nahmen viel. Sieger nach Punkten: Adnan Ukella.

(C) Andreas Bornewasser

Im Halbschwergewicht maßen Shokran Parwani (11 Kämpfe, 11 Siege, 9 durch KO) und Zura Mekerishvil (28 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO, 21 Niederlagen, 4 durch KO) ihre Kräfte. Der Rechtsausleger Parwani konnte in der auf acht Runden angesetzten Begegnung seinen Reichweitenvorteil oft nutzen. Mit seinen langen Armen hielt er sich sein Gegenüber die meiste Zeit vom Hals. Er verteilte gut und kam mehrfach gut durch. In der zweiten Runde verkürzte  Mekerishvil ein paar Mal die Distanz, konnte dann aber bei seinen Treffern nicht beeindrucken. Er schlug Schwinger. In der fünften Runde bekam er dann Nasenbluten. In der letzten Runde hatte man das Gefühl, der Kampf könnte eventuell doch vorzeitig enden. Dazu kam es dann aber doch nicht. Sieger nach Punkten: Shokran Parwani.

(C) Andreas Bornewasser

Ebenfalls auf acht Runden war die Begegnung von Sahan Aybay (9 Kämpfe, 9 Siege, 7 durch KO) und Gutram Ngoya (13 Kämpfe, 11 Siege, 7 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) im Super Mittelgewicht angesetzt. Ngoya ließ das Publikum warten, auch seine Einmarschmusik lief einmal durch, bevor er sich der Hallentüre näherte. Aybay machte Druck und trieb sein Gegenüber vor sich her. Am Ende der ersten Runde stellte er ihn in einer neutralen Ecke, ließ ihn nicht mehr raus und deckte ihn mit harten Treffern ein, die Ngoya zu Boden zwangen. Der Gong ersparte Ngoya weitere Treffer. Anfang der zweiten Runde wurde Ngoya wieder von Ringrichter Baum angezählt, nachdem er an den Seilen gestellt und nach einem Körpertreffer zu Boden gegangen war. Diese Szene wiederholte sich noch zweimal. Das letzte Mal zählte Baum bis zehn. Sieger durch KO in Runde 2, nach 1:41 Minuten: Sahan Aybay.

(C) Andreas Bornewasser

Ebenfalls im Super Mittelgewicht boxten Jalal El Zein (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Cankan Guenyuezlue (17 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 15 Niederlagen, 14 durch KO). Der Vierrunder begann verhalten. El Zein boxte ruhig und bestimmte den Kampf. Anfang der zweiten Runde brachte eine Aktion  Guenyuezlue zu Boden, wo er angezählt wurde.  Guenyuezlue stellte sich nochmal zum Kampf, aber kaum wurde er erneut gestellt flog ein Handtuch in den Ring. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 28 Sekunden: Jalal El Zein.

Den ersten Titelkampf des Abends bestritten Patrick Korte (15 Kämpfe, 14 Siege, 12 durch KO) und Ramazi Gogichashvili (40 Kämpfe, 11 Siege, 7 durch KO, 27 Niederlagen, 14 durch KO, 2 Unentschieden). Es ging um die WBF Eurasia Meisterschaft im Schwergewicht. Korte bestimmte die ersten beiden Runden mit seiner Führhand. Gogichashvili suchte sein Heil in überfallartigen Angriffen, wobei sein linker Haken am gefährlichsten war. Insgesamt gab es aber nur wenige Aktionen, wobei Korte in der zweiten Runde stärker wurde. Gogichashvili begann die dritte Runde druckvoll und versuchte, Korte mit seinen Überfällen aus dem Konzept zu bringen. Korte hielt ruhig dagegen und ließ sich nicht durcheinander bringen. Mit einem harten Körpertreffer holte er dann Gogichashvili von den Beinen. Korte setzte ruhig und kontrolliert nach und schickte kurze Zeit später seinen Gegner erneut mit einem rechten Körperhaken auf die Bretter. Der Ringrichter Thomas Hackenberg zählte Gogichashvili aus. Sieger durch KO in Runde 3, nach 1:33 Minuten: Patrick Korte.

(C) Andreas Bornewasser

Den Hauptkampf des Abends bildete die UBO International Meisterschaft im Weltergewicht zwischen Sherif Morina (9 Kämpfe, 8 Siege, 4 durch KO, 1 Unentschieden) und Benson Nyilawila (11 Kämpfe, 10 Siege, 6 durch KO). Um es gleich vorweg zu sagen, der Kampf war etwas für Boxfeinschmecker. Beide Kontrahenten zeigten sehr gutes technisches Boxen. Über weite Strecken sahen wir ein  Fechten mit der Faust. Morina besetzte die Ringmitte und trieb seinen Gegner vor sich her. Ende der ersten Runde sah es so aus, als würde Nyilawila nach einer Rechten zum Kopf wackeln. In der dritten Runde kam Nyilawila aber auf und trug Morina mehr den Kampf an. Der hielt dagegen. In der vierten und fünften Runde kontrollierte Morina wieder den Kampf, während in der sechsten Nyilawila dann wieder mehr machte. Beide boxten insgesamt sehr kontrolliert. Die siebte und achte Runde gingen an Morina, wobei die achte härter umkämpft war. In der neunten machte  Nyilawila wieder mehr. In der letzten und zehnten Runde wollten es beide Boxer noch einmal wissen. Beide erhöhten das Tempo und suchten den KO, der aber nicht kam. Sieger nach Punkten (97:03, 97:93 und 96:94): Sherif Morina.#

(C) Andreas Bornewasser

Morina zeigte an diesem Abend eine bemerkenswerte Leistung. Er boxte sowohl technisch als auch taktisch sehr gut. Nyilawila war bis zur letzten Sekunde gefährlich. Immer wieder versuchte er Morina durch eine hängende Deckung zu einem Fehler zu verleiten, den der aber nicht machte. Ein großer Kampf!

Es war ein richtig guter und unterhaltsamer Abend. Habe ich übringens schon erwähnt, dass es auch eine Hip-Hop Tanzgruppe, Chearleader und ein Nummerngirl gab?

© Uwe Betker

Boxen in Fernsehstudio 1

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Profiboxen in einem Fernsehstudio ist eigentlich die Ideallösung für diesen Sport, wenn das Ganze dann auch noch von einem TV-Sender übertragen wird. Für den TV-Sender wie für den Veranstalter sind die Bedingungen ideal. Auch für die Zuschauer ist es gut, denn die Konzentration ist auf den Ring fokussiert, bzw. auf das Geschehen darin. Die nobeo Studios in Hürth waren am 12.05.2018 Austragungsort einer Veranstaltung von Ahmet Öner, die von Sky Sport übertragen wurde. Insgesamt gab es dreizehn Kämpfe zu sehen.
Den Anfang machte ein Sechsrunder im Schwergewicht zwischen Gogita Gorgiladze (63 Kämpfe, 38 Siege, 32 durch KO, 25 Niederlagen, 10 durch KO) und Ali Kiydin (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO). Kiydin schlug viele Haken, wobei besonders sein rechter Körperhaken gut aussah. Er dominierte den Kampf. In der dritten Runde kam er mehrfach mit schönen Aufwärtshaken durch. Die vierte Runde war munter und es gab viele Schlagabtäusche. Gorgiladze schien Konditionsprobleme zu bekommen, erreichte aber das Kampfende. Sieger nach Punkten, durch Mehrheitsentscheidung: Ali Kiydin.
Anschließend stiegen Lars Jaarsma und Azad Dogru (19 Kämpfe, 19 Niederlagen, 19 durch KO) für einen Vierrunder im Super Weltergewicht in den Ring. Jaarsma, ein Debütant, boxte gut und Dogru ging mehrfach zu Boden. Beim dritten Mal hatte BDB Ringrichter Maurizio Rinaudo genug gesehen und nahm Dogru aus dem Kampf. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 1:57 Minuten: Lars Jaarsma.
Ebenfalls einen Vierrunder bestritten im Halbschwergewicht Miroslaw Dzembic und Onur Kanat. Beide Debütanten zeigten technisch gutes Boxen. Kanat boxte ruhig und abgeklärt. Er machte Druck und bestimmte den Kampf. Am Ende der zweiten Runde kam er mit einem schönen rechten Haken zum Kopf durch und Dzembic schien zu wackeln. Zur dritten Runde trat er dann verletzungsbedingt nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 3: Onur Kanat.
Danach stiegen Davit Gorgiladze (28 Kämpfe, 16 Siege, 14 durch KO, 12 Niederlagen, 12 durch KO) und Mohamed Soltby (15 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) für einen Achtrunder im Schwergewicht in den Ring. Soltby boxte schön mit der Linken an und zog gut mit der Rechten nach. Er verteilte gut. Plötzlich ging Gorgiladze auf die Knie. Er hatte sich seine linke Schulter ausgekugelt. Der Ringrichter Uwe Lorch brach den Kampf ab. Sieger durch TKO in Runde 1 nach 1:58 Minuten: Mohamed Soltby.
Auf sechs Runden war die Kampf von Francisco Cordero (49 Kämpfe, 38 Siege, 29 durch KO, 11 Niederlagen, 9 durch KO) und Mohammed Bekdash (13, Kämpfe, 13 Siege, 10 durch KO) im Halbschwergewicht angesetzt. Bekdash boxte überlegt und ruhig. Er trieb mit seiner rechten Führhand seinen Gegner vor sich her, ohne zu überhasten. Bekdash boxte schön durch die Mitte und Cordero versuchte es mit Haken. Allerdings hatte Cordero Schwierigkeiten, den Reichweitennachteil auszugleichen. Die vierte Runde war besonders munter, als Cordero zwei Mal mit einem Kopfhaken durchkam. Am Anfang der fünften Runde platzierte Bekdash eine schöne Rechte zum Kopf. Am Ende der Runde deckte er sein Gegenüber mit einem regelrechten Schlaghagel ein, aber der Gong rettete Cordero noch mal. Er trat allerdings zur sechsten Runde nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 6: Mohammed Bekdash.
Im Mittelgewicht boxten Sokol Arsic (4 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) und Taycan Yildirim (4 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO). Die Begegnung war auf vier Runden angesetzt. Sie begann mit einem Führhandduell, bis Yildirim den Druck erhöhte. Am Ende der Runde schlug Yildirim seinen Gegner buchstäblich aus dem Ring. Arsic war, sich hinter einer Doppeldeckung verschanzend, durch die Ringseile gerutscht. In der zweiten Runde erhöhte Yildirim den Druck. Er stellte seinen Gegner in einer neutralen Ecke und ließ ihn nicht mehr raus. Arsic ging langsam zu Boden. Er machte keine Anstalten, sich noch mal dem Kampf zu stellen und der Ringrichter nahm ihn aus dem Kampf. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 39 Sekunden: Taycan Yildirim.
Im Mittelgewicht boxten Dino Sabanovic (19 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 17 Niederlagen, 11 durch KO) und Onur Aykac (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO), ebenfalls in einem Vierrunder. Der Kampf war munter. Ende der zweiten Runde holte Aykac seinen Gegner mit einem schönen Leberhaken von den Beinen. In dieser Runde war Sabanovic von Ringrichter Rinaudo bereits zwei Mal angezählt worden, jeweils nach kleineren Kombinationen. Dann kam ein Handtuch geflogen und der Kampf war zu Ende. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 1:00 Minute: Onur Aykac.
Auch Jovica Jovanovic (14 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 13 Niederlagen, 4 durch KO) und Mohamed Khaloua (5 Kämpfe, 5 Siege, 1 durch KO) traten für einen Vierrunder an, u.z. im Superweltergewicht. Khaloua zeigte schnelle Hände und schnelle Beine. Er tanzte seinen Gegner aus und deckte ihn mit variablen Kombinationen ein. In der dritten Runde hatte er ihn mehrfach am wackeln. Im vierten Durchgang gab es harte Schlagabtäusche, wobei beide Treffer nahmen. Sieger nach Punkten: Mohamed Khaloua.
Anschließend boxten Dionisio Miranda (41 Kämpfe, 22 Siege, 19 durch KO, 17 Niederlagen, 14 durch KO, 1 Unentschieden) und Yusuf Kangül (19 Kämpfe, 16 Siege, 10 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden) einen Achtrunder im Super Mittelgewicht. Kangül besetzte die Ringmitte und trieb Miranda relativ verhalten vor sich her. Immer wieder explodierte er und schlug harte Kombinationen. In der zweiten Runde arbeitete Miranda, der einen Reichweitenvorteil hatte, mehr mit seiner Führhand. In der dritten Runde kam Kangül wieder besser mit den langen Armen von Miranda zurecht. Er tauchte unter den Schlägen weg und kam an seinen Gegner heran. Dabei trafen sich die Köpfe der beiden Boxer. In der folgenden Runde stellte Kangül Miranda, erst in seiner und dann in dessen Ecke, und deckte ihn mit harten Schlägen ein. Die fünfte Runde war hart umkämpft und Miranda nahm einige harte Treffer. Zur sechsten Runde trat Miranda verletzungsbedingt nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 6: Yusuf Kangül.
Ladislav Nemeth (69 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, 51 Niederlagen, 16 durch KO, 8 Unentschieden) und Nick Morsink (5 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) maßen im Halbschwergewicht ihre Kräfte in einem Sechsrunder. Beide gingen ein sehr hohes Tempo. Morsink beeindruckte. Mit dem Gong zur Pause kam er mit einem rechten Haken zur Schläfe durch, die Nemeth einknicken ließ. Nach ca. zwei Minuten in der zweiten Runde fand sich Morsink auf dem Boden wieder. Ein Schlag hatte ihn aus der Balance und zu Boden gebracht. Ringrichter Uwe Lorch zählte ihn nicht an. Die folgende Runde war hektisch. Nemeth suchte den KO zu erzwingen. Er nahm viel, aber er fiel nicht. Lediglich eine kleine Catcheinlage von Morsink brachte ihn zu Boden. Diese Einlage gab es dann in der fünften Runde noch einmal. Nemeth wollte einfach nicht durch Schläge fallen. Er nahm. Er nahm sehr viele harte Schläge, aber er erreichte den Schlussgong. Sieger nach Punkten: Nick Morsink.
Einen Vierrunder im Cruisergewicht bestritten Fadil Pasalic (18 Kämpfe, 1 Sieg, 17 Niederlagen, 10 durch KO) und Hami Sedef, der sein Profidebüt gab. Sedef besetzte zwar die Ringmitte, agierte aber etwas unsicher und kam nur selten an seinen Gegner heran. Pasalic hielt ihn sich meist mit seiner Führhand vom Hals. In der zweiten Runde verletzte sich Pasalic den linken Ellebogen und glitt zu Boden, während Sedef weiter auf ihn einprügelte. Ringrichter Lorch zählte Pasalic an. Kurze Zeit später prügelte Sedef Pasalic erneut zu Boden. Pasalic, der sich offensichtlich verletzt hatte, gab auf. Sieger durch TKO in Runde 2 nach 1:59: ami Sedef.
Im Halbschergewicht trafen Attila Tibor Nagy (44 Kämpfe, 11 Siege, 7 durch KO, 33 Niederlagen, 11 durch KO) und Serge Michel (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) für einen Achtrunder aufeinander. Nagy ging mit einer schon brutal zu nennenden Systematik ans Werk. Er boxte, ohne zu überhasten. Immer wieder traf seine präzise Führhand und sobald sich die Lücke ergab, zog er mit der Rechten nach. Gleichzeitig erhöhte er kontinuierlich den Druck, ohne dabei aber zu überhasten. So brachte er seinen Gegner drei Mal in der dritten Runde zu Boden. Dieser versuchte zwischen den Niederschlägen, Michel in Keilereien zu verwickeln, was ihm aber nichts nützte; Michel sezierte ihn ruhig weiter. Nach dem dritten Niederschlag war dann Schluss: Sieger durch TKO in Runde 3 nach 2:02 Minuten: Serge Michel.
Den Hauptkampf des Abends bestritten Ryan Ford (17 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO, 3 Niederlagen) und Avni Yildirim (20 Kämpfe, 19 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) im Super Mittelgewicht. Dabei ging es um die WBC International Meisterschaft. Beide Boxer standen Fuß an Fuß und suchten die Lücke in der guten und kompakten Deckung des Anderen. Beide gingen ein sehr hohes Tempo. Es gab in den ersten beiden Runden nur sehr wenige einzelne Treffer. In der dritten Runde wurde der Kampf härter. Beide trafen häufiger, was sich in der vierten Runde fortsetzte. In der letzten Minute der vierten Runde gab es mehrere harte Schlagabtäusche. Man konnte sich kaum vorstellen, dass der Kampf über die Runden gehen würde. In der fünften und sechsten Runde wurden beide etwas langsamer, was aber nur dazu führte, dass es häufiger zum Schlagabtausch kam. In der siebten Runde wirkte Ford dann frischer und kam auch mehrfach hart durch. Im folgenden Durchgang ruhte er sich etwas aus und unterband viele Aktionen, indem er ganz nah an Yilderim heranging. Ringrichter Celestino Ruiz hatte nur sehr wenig zu tun. Nur hin und wieder musste er die Kontrahenten trennen. In der neunten Runde kam Yildirim auf. Am Ende sah es so aus, als ob Ford wackeln würde. Die zehnte und die erste Hälfte der elften Runde dominierte Yildirim, dann kam Ford wieder. Die zwölfte und letzte Runde gestaltete sich dann noch einmal brutal. Beide suchten den KO. Es war eine epische Ringschlacht. Einstimmiger Sieger nach Punkten (116:112, 115:113 und 117:112): Avni Yildirim.
Wir dürfen gespannt sein, ob der deutsche Weltmeister im Super Mittelgewicht nach Version WBA, Tyron Zeuge (23 Kämpfe, 22 Siege, 12 durch KO, I1 Unentschieden), auf die Herausforderung von Avni Yildirim und seinem Manager Ahmet Oener reagieren wird.
Das Studio 1 von nobeo Studios in Hürth ist ein idealer Austragungsort für Profiboxen. Solange ein Boxer keine Stadien oder Riesenhallen füllen kann, ist ein TV-Studio eine eindeutig gute Alternative.
© Uwe Betker

Written by betker

13. Mai 2018 at 23:59

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Profiboxen in Voerendaal – Quintessens des Boxens

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Die Veranstaltungen von Patrick Driessen sind immer eine Reise wert. Hier gibt es immer gutes Boxen zu sehen. Diesmal war jedoch etwas anders. Diesmal nämlich waren im Zaalencentrum in De Borenburg in Voerendaal bei Heerlen 17 Amateurkämpfe und nur 2 Profikämpfe zu sehen. Diese beiden Profikämpfe waren allerdings so etwas wie die Quintessenz des Boxens: eine brutale Ringschlacht und ein Fechten mit der Faust.
Den Anfang bei den Profis machten im Weltergewicht Bo Delbressine, der sein Profidebüt gab, und Bryan Nisia (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) mit einem Vierrunder. Von der ersten Sekunde an war es eine harte Ringschlacht, bei der sich die Kontrahenten nichts schenkten, vor allem keine Ruhe. Nisia boxte unorthodox. Er verzichtete weitestgehend auf seine Deckung, schlug aus allen Positionen und verließ sich auf seine Reflexe und Meidbewegungen. Delbressine boxte hinter einer Doppeldeckung, suchte aber auch den Schlagabtausch. Und davon gab es dann auch wirklich viel zu sehen. In der zweiten Runde kam Nisia immer häufiger mit seinen Schlägen durch. Delbressine nahm viele und harte Treffer. Es sah auch schon danach aus, als würde er runter gehen, er machte es aber nicht. Stattdessen kam er selbst mit harten Treffern durch, die Nisia erschütterten. Zu Anfang der dritten Runde konnte Delbressine mehrfach Körperhaken anbringen. Es sah sogar schon danach aus, dass er den Kampf für sich entscheiden könnte. Dann aber kam wieder Nisia. Er erhöhte den Druck und Delbressine musste wieder mehr und mehr nehmen. Schließlich traf ihn eine harte Linke zur Schläfe und er drehte sich wie eine Schraube, während er zu Boden sank. Er wurde angezählt, kam schwankend wieder hoch. Der gute Ringrichter Gerard Steifzand nahm ihn jedoch aus dem Kampf, weil er Delbressine nicht mehr als kampffähig einschätzte.
Sieger durch TKO in Runde 3 nach 2:25 Minuten: Bryan Nisia.
Der Hauptkampf des Abends war die Beneluxmeisterschaft im Cruisergewicht zwischen Ricardo Snijders (11 Kämpfe, 11 Siege, 2 durch KO) und Erik Nazaryan (48 Kämpfe, 24 Siege, 18 durch KO, 19 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden). Beide Kontrahenten zeigten gutes technisches Boxen, allerdings in unterschiedlicher Ausführung. Snijders war erheblich größer als Nazaryan und hatte dementsprechend mehr Reichweite. Er boxte überlegt und kreiste langsam um seinen Gegner herum. Er agierte hinter einer kompakten Doppeldeckung und versuchte, seine Führhand zu etablieren, um seinen Reichweitenvorteil zu nutzen. Nazaryan versuchte, an Snijders heranzukommen, um dann seine Haken ins Ziel zu bringen. Seine Deckung war auch gut. In der zweiten Runde wurde der Kampf etwas munterer. Snijders verteilte gut, was Nazaryan dazu verleitete, gestenreich darauf hinzuweisen, dass die Schläge ihm nichts anhaben könnten. Er forderte Snijders auf, ihn doch anzugreifen. Snijders reagierte auf die Provokationen nicht – nur Ringrichter Toni Tiberi. Der ermahnte Nazaryan, die Faxen zu lassen. In der dritten Runde trieb Snijders Nazaryan kontrolliert vor sich her, ohne zu überhasten. In der vierten Runde erhöhte Snijders den Druck und trieb Nazaryan an den Seilen entlang. Dann öffnete sich ein böser Cut unter der linken Braue, auf dem Lid, von Nazaryan und der Kampf wurde gestoppt. Sieger durch TKO in Runde 4, nach 1:45 Minuten: Ricardo Snijders. – Eine bemerkenswert souveräne Leistung.
Die Veranstaltung in Heerlen war klein, aber fein. Sie stellte einen tollen Start in die neue Boxsaison dar. Es gab zwar nur zwei Profiboxkämpfe zu sehen, nachdem sich geplante Kämpfe zerschlagen hatten, weil sich die Boxer verletzt hatten. Zum Ausgleich boten gerade diese beiden Kämpfe aber die komplette Spannbreite des Boxens.
© Uwe Betker

Die erste Zaza Fightnight

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Innerhalb von wenigen Wochen war die Baslar Eventlocation in Krefeld zum zweiten Mal Austragungsort einer Boxveranstaltung. Yusuf „Zaza“ Kangül veranstaltete am Sonntagabend, dem 26.11.2017, die erste Zaza Fightnight. Insgesamt gab es 17 Boxkämpfe zu sehen, drei mit Kindern, zwei mit Jugendlichen, sieben mit erwachsenen Amateuren und fünf Profiboxkämpfe.

Den Anfang bei den Profis machten im Mittelgewicht Nazmi Kurteshi (6 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO) und Slobodan Vukic (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 4 durch KO) mit einem Vierrunder. Kurteshi wollte von der ersten Sekunde an den KO. Wie ein Holzfäller schlug er auf seinen Gegner ein. Der nun versuchte, den Schlägen zu entkommen oder sie zu blocken. Anfang der zweiten Runde griff Vukic an. Aber dann zeigte er an, er habe sich seinen rechten Arm verletzt, was zur Aufgabe führte. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 47 Sekunden: Nazmi Kurteshi.

Im Halbschwergewicht boxten sodann in einem Sechsrunder Sascha Arsumanyan (6 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 1 Unentschieden) und Marek Prochazka (9 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) gegeneinander. Arsumanyan begann verhalten, so dass sich Prochazka aufgefordert fühlte, seinerseits viel zu machen. Er traf aber vor allem die Deckung von Arsumanyan. In der zweiten Runde macht der dann mehr, wodurch der Kampf munterer wurde. Dabei demonstrierte Arsumanyan seine Beweglichkeit und zeigte auch ein paar Tricks; z.B. stellte er sich freiwillig in die Ecke, um sich dank Auspendeln und Deckung nicht treffen zu lassen. In den Runden drei und vier spielte Arsumanyan geradezu mit seinem Gegner. Im fünften Durchgang kam Arsumanyan mit einer Linken zur Schläfe durch und es sah so aus, als würde Prochazka einknicken. Auch in der sechsten Runde spielte Arsumanyan sein Spiel weiter und demonstrierte seine technische Überlegenheit. Es war aber Prochazka, der unermüdlich nach vorne ging, Arsumanyan den Kampf antrug und ihn mit Schlägen eindeckte. Am Ende stand folgerichtig ein Unentschieden, eine sehr gute Entscheidung von dem sehr umsichtig agierenden BDB Ringrichter Maurizio Rinaudo.

Ebenfalls einen Sechsrunder, aber im Mittelgewicht, absolvierten Sahan Aybay (6 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO) und Marko Pavlovic  (2 Kämpfe, 1 Siege, 1 Niederlagen, 1 durch KO). Der Rechtsausleger Aybay schickte seinen Gegner schon nach wenigen Sekunden mit einer Linken zur Schläfe auf die Bretter. Danach begann Aybays Jagd. Am Ende der Runde wackelte Pavlovic kurz nach mehreren Rechten zur Schläfe. In der zweiten Runde machte Aybay da weiter, wo er in der vorangegangenen aufgehört hatte. Mehrfach stellte er Pavlovic , der Schläge nahm, die ihn erschütterten. Im dritten Durchgang wurde Janjanin ein Punkt für Kopfstoßen angezogen. In der vierten Runde zerfiel Pavlovic geradezu. In der Mitte der Runde fand er sich auf dem Boden wieder – eine nicht besonders harte und präzise Kombination hatte ihn zu Boden gezwungen. Zur fünften Runde trat er dann nicht mehr an. Sieger durch TKO 5: Sahan Aybay.
Den vorletzten Kampf, einen Sechsrunder im Mittelgewicht, bestritten Ercan Tuncel (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) und Sinisa Gambelic (6 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO). Tuncels Kampf war kurz und kurzweilig. Er trieb seinen Gegner vor sich her, stellte ihn an den Seilen und kam mit einer Rechten zur Schläfe durch. Dieser Treffer ließ Gambelic langsam in den Seilen zusammensacken. Tuncel deckte ihn noch weiter mit Schlägen ein, bis der Ringrichter Rinaudo dazwischenging und den Kampf, völlig zu Recht, abbrach.
Sieger durch KO, nach 1:20 Minuten: Ercan Tuncel.

Den Hauptkampf des Abends bestritt natürlich Yusuf Kangül (17 Kämpfe, 14 Siege, 8 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden). In einen Zehnrunder im Super Mittelgewicht traf er auf Mirko Zdralo (6 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO). Dabei ging es um den vakanten Euro-Asia-Titel der WBF. Kangül startete stark. Mehrere Male kam er gut durch, sowohl mit seinem Jab, als auch mit seinen Haken zu Körper und Kopf. In der zweiten Runde erhöhte er das Tempo, wodurch der Kampf härter wurde. Kangül stellte Zdralo an den Seilen und brachte ihn mit Körperhaken zu Boden. Zdralo stand zwar wieder auf, er wurde aber direkt wieder an den Seilen gestellt und durch harte Körperhaken endgültig gefällt. Ringrichter Mufadel Elghazaoui zählte ihn aus.
Sieger durch KO in Runde 2, nach 2:45 Minuten: Yusuf Kangül.
Die erste Zaza Fightnight war ein voller Erfolg. Hoffentlich werden ihr noch viele weitere folgen.
© Uwe Betker

Boxen auf dem Fußballplatz

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Boxveranstaltungen auf Fußballplätzen kennt man eigentlich aus den zwanziger und fünfziger Jahren. Aber Björn Sothmann wählte für seine erste Veranstaltung einen Aschenplatz in Essen. Die Veranstaltung stand unter keinem guten Stern oder besser gesagt unter keinen guten Wolken. Denn bis kurz vor dem Beginn regnete es. Da aber im Vorverkauf bereits fast alle Eintrittskarten verkauft worden waren, stand dem Beginn der Show nichts im Wege. Das Problem war nur der Weg an den Ring und zu den Stühlen. Es war matschig.
Den Anfang machten zwei weibliche Debütantinnen im Super Leichtgewicht, Susan Kolukisa und Maike Sieberger. Kolukisa begann gut, verlor aber nach 30 Sekunden die Linie und Sieberger punkte mit der Führhand. In der zweiten Runde war Kolukisa wieder stärker, sie schob sich an ihre Gegnerin ran und brachte einige gute und harte Hände ins Ziel. Die dritte Runde war fast ausgeglichen und es gab viele Schlagabtausche. In der vierten Runde begann Kolukisa stark und stellte Sieberger in einer neutralen Ecke und deckte sie ein. Hiernach wogte der Kampf hin und her. Am Ende stand ein Unentschieden.

Es folgte ein Kampf im Schwergewicht zwischen Hasan Kurnaz (7 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) und Rojhat Bilgetekin (17 Kämpfe, 8 Siege, 8 durch KO, 9 Niederlagen, 8 durch KO). Kurnaz bestimmte weitest gehend den Kampf. Er hatte seine besten Momente, wenn er mit seiner Linken zum Körper ging. Bilgetekin beherrschte im zweiten Durchgang die Ringmitte und hatte seine Momente, wenn er eine Links-rechts-Kombination schlug. In der dritten Runde drehte Kurnaz auf. Er stellte Bilgetekin in dessen eigener Ecke und deckte ihn mit Kombinationen ein. Kaum war dieser aus der Ecke heraus, wurde er erneut an den Seilen gestellt und ging nach vielen Schlägen und vor allem einen einem Linken Kopfhaken zu Boden. Er wurde von GBA Ringrichter Roman Morawiec angezählt. Er stellte sich wieder, aber er wurde direkt wieder gestellt und musste nach einem rechten Kopfhaken wieder zu Boden. Während er angezählt wurde signalisierte er, dass er nicht mehr wolle. Sein Trainier reagierte und warf das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 3 nach 50 Sekunden: Hasan Kurnaz.


Hiernach gab es den ersten Titelkampf des Abends. Sandro Lütke Bordewick (13 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO, 7 Niederlagen, 6 durch KO) und Sergej Vib (16 Kämpfe, 8 Siege, 5 durch KO, 8 Niederlagen, 6 durch KO) boxten die vakante Deutsche Meisterschaft im Leichtgewicht der German Boxing Association aus. Von der ersten Sekunde an, wurde der Kampf verbissen und hart geführt. Bordewick versuchte seinen Reichweitenvorteil zu nutzen, was ihm aber nicht gelang. Vib brachte die härteren Treffer ins Ziel. Immer wieder kam er mit dem Rechten Cross durch. Schon nach der ersten Runde sah es so aus, als ob Bordewick Konditionsproblem hätte. Ab der zweiten Runde versuchte Bordewick nur noch ganz selten lang zu boxen. Oft machte er sich klein, boxte nicht an und versuchte Haken zu schlagen, weshalb er immer mehr Schläge kassierte. In der Ringpause nach der zweiten runde wollte sein Trainer ihn schon aus dem Kampf nehmen, wenn er nicht mehr und besser boxen würde. Die dritte und vierte Runde war etwas verhaltener, aber Bordewick bekam dennoch weiter Prügel. Anfang der fünften Runde hatte er seine beste Szene, als er Vib in dessen eigener Ecke stellte. Aber nahezu alle Schläge trafen nur die Deckung. Im siebten Durchgang war nicht mehr zu übersehen, dass Bordewick tapferer ist, als für seine Gesundheit zuträglich. Irgendwann signalisierte er dann endlich seiner Ecke, dass er genug hat. Ein Handtuch flog. Sieger durch TKO in Runde 7 nach 2:35: Sergej Vib.


Den sportlichen Hauptkampf des Abends bestritten zwei Frauen, Özlem Sahin (25 Kämpfe, 23 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) und Sandy Coget (16 Kämpfe, 9 Siege, 6 Niederlagen, 1 Unentschieden). Dabei ging es um den WM Titel der UBO, Universal Boxing Organization, und dem Intercontinentaltitel der WBF von Sahin. In der ersten runde beherrschte Sahin, wie weitestgehend im ganzen Kampf, die Ringmitte und trieb Coget vor sich her und sammelte ihre Punkte. Coget wich zurück und versuchte gar nicht ihren erheblichen Reichweitenvorteil zu nutzen. In der zweiten Runde machte sie dann mehr, wodurch die Runde ausgeglichener war. In der dritten Runde erwischte Sahin Coget mit einer Rechten, als sie außer Balance war, wodurch diese dann sich auf dem Ringboden wieder fand. Der Ringrichter Thomas Hackenberg zählte bis acht. Die folgende Runde war hart umkämpft, wobei Sahin am Ende die klareren Treffer in Ziel brachte. Die sechste Runde ging an Coget. Sie boxte lang, nutzte ihren Reichweitenvorteil, wodurch Sahin nicht an sie heran kam. Die folgende Runde war wieder ausgeglichener. Beide Boxerinnen hatten ihre Momente. In der achten Runde konnte Coget, obwohl sie mehrfach gut durch kam sich Sahin nicht mehr vom Hals halten. In der folgende Runde bestimmet Sahin weitest gehend das Ringgeschehen. In der zehnten Runde gaben beide Boxerinnen noch einmal Gas. Es gab viel Schlagabtausche, aber wenig Treffer. Die Punktrichter werteten 95:94, 95:93 und 98:91. Einstimmige Punktsiegerin: Özlem Sahin.

Nach einer Pause, in der Cheerleader tanzten, trafen die beiden Schwergewichtler Ali Kiydin (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO) und Muhammed Ali Durmaz (34 Kämpfe, 10 Siege, 9 durch KO, 24 Niederlagen, 21 durch KO) aufeinander. Kiydin deckte seinen Gegner von der ersten Sekunde an mit Schlägen ein und ließ ihm keine Chance. Nach drei Niederschlägen nahm Ringrichter Thomas Hackenberg Durmaz aus dem Kampf. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 2:15: Ali Kiydin.

Shokran Parwani (8 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO) und Frank Blümle (19 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO, 2 Unentschieden) boxten um den International Titel der World Boxing Federation im Cruisergewicht. Die Vorteile in dem schönen Kampf wechselten von Runde zu Runde. Parwani begann verhalten. Er zeigte eine schöne lange Führhand. Blümle ersuchte mit überraschenden Angriffen ans Ziel zu kommen. Wobei die Runde ab Blümle ging. In der zweiten Runde erhöhte Parwani den Druck. Es sah so aus, als ob Blümle nach einem rechten Kopftreffer kurz wackelte. In den folgenden Runden zeigten beide Boxer gutes Boxen, wobei Blümle mehr Hände ins Ziel brachte. Die vierte Runde ging wiederum an Parwani. In der fünften Runde kam wie aus dem Nichts ein perfekt getimter Leberhaken, der Blümle zu Boden schickte. Blümle kam nicht mehr rechtzeitig hoch. Sieger durch KO in Runde 5 nach 2:05 Minuten: Shokran Parwani.

Den Hauptkampf des Abend bestritt der Essener Lokalmatador Patrick Korte (11 Kämpfe, 11 Siege, 9 durch KO). Er traf auf Davit Gorgiladze (19 Kämpfe, 13 Siege, 11 durch KO, 6 Niederlagen, 6 durch KO). Korte wollte dem Publikum, welches vor allem wegen ihm gekommen war etwas bieten und er bot ihnen viel. Er stieg in den Ring um zu zerstören. Bereist mit der ersten Aktion ließ er Gorgiladze in die Seile taumeln. Dann fing Korte an seinen Gegner systematisch zu demontieren. Mehrfach kam er mit der Rechten zum Körper durch. Eine von diesen Schlägen zwangen dann Gorgiladze auch zu Boden. Dieser ging dann kurz vor Rundenende mit dem Knie zu Boden, um sich noch einmal anzählen zu lassen, den Kampffluss von Korte zu unterbrechen um die Runde zu überstehen. In der zweiten Runde arbeitet Korte systematischer. Er verteilte die Schläge. Ende der Runde „verlor“ Gorgiladze seinen Mundschutz um eine kleine Pause zu gewinnen. In der dritten Runde war Gorgiladze nur noch auf der Flucht und Korte auf der Jagd. Eine Rechte zum Körper zwang Gorgiladze erneut zu Boden. Ein Rechte zur Schläfe beendete dann den Kampf: Sieger durch KO in Runde 3 nach 25 Sekunden: Patrick Korte.

Obwohl es am Abend doch recht kühl wurde, war die Boxveranstaltungen auf dem Fußballplatz von Björn Sothmann ein voller Erfolg.
© Uwe Betker

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6. August 2017 at 23:59

Ein Freitagabend in Essen – die Recover Fight Club House Gala am 17.03.2017

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Die Veranstaltungen im Recover Fight Club in Essen haben inzwischen schon Tradition. Sie sind bereits ausverkauft, kaum dass der Termin festgesetzt ist. So war es auch diesmal: Keine Abendkasse, nur Einlasskontrolle. Und es gab fünf Profikämpfe. Um ungefähr 22 Uhr war schon alles vorbei. Früh genug noch für eine Freitagnacht. Das – und natürlich die Kämpfe – ist das Erfolgsrezept.
Den Anfang machten im Mittelgewicht Akmal Gertsen und Dogan Kurnaz (10 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 8 Niederlagen, 7 durch KO). Der Debütant Gertsen trug sehr auffälliges Schuhwerk. Es sah fast so aus, als hätte er schwarze Straßenschuhe an und darüber ein Art Gamaschen aus Stoff. Es waren aber keine Straßenschuhe, sondern originale Boxschuhe aus den 30er Jahren, die er sich aus den USA hatte schicken lassen. Eigentlich wollte er auch mit Leggins boxen, so wie man sie auf Fotos von uralten Boxern sieht – das wurde ihm aber untersagt.
Gertsen boxte so, wie man es von einem Boxer mit solchen Schuhen erwartet. Er machte Druck und er verteilte seine Schläge. Allerdings machte er auch den Eindruck, zu sehr einen schnellen KO zu suchen. Kurnaz, der kleinere Boxer, schlug schnelle Hände und versuchte Gertsen das Leben möglichst schwer zu machen. Er kam sogar das ein oder andere Mal durch. Mitte der zweiten Runde nahm Gertsen seinem Gegner durch einen schönen linken Haken zum Körper, gefolgt von einer schönen Rechten zum Kopf, die Luft. Danach stellte er ihn an den Seilen und holte ihn mit einem brutalen Aufwärtshaken ans Kinn von den Beinen. Das sah schon nach dem Ende des Kampfes aus. GBA Ringrichter Kornelius Bernds zählte und der sichtlich hart getroffene Kurnaz rappelte sich wieder auf und stellte sich zum Kampf. Der wurde denn auch wieder freigegeben. Und irgendwie schaffte es Kurnaz tatsächlich, den Schlussgong zu erreichen. Als der Gong zur dritten Runde ertönte, warf aber seine Ecke das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 3: Akmal Gertsen. Gertsen will nun das Regelwerk prüfen, um herauszufinden, welche Vorgaben es zu den Sporthosen gibt.

Danach stiegen Dejan Pavlovic (5 Kämpfe, 5 Niederlagen, 4 durch KO) und Bader Fattah im Super Weltergewicht in den Ring. Der Kampf war kurz. Fattah, ein Debütant, boxte unorthodox, was aber nicht wirklich zielführend war. Pavlovic konterte seine ungestümen Aktionen souverän ab. Zwei Lebertreffer zwangen Fattah zur Aufgabe. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 2:50 Minuten: Dejan Pavlovic.

Den einzigen Frauenboxkampf des Abends bestritten Özlem Sahin (24 Kämpfe, 22 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) und Claudia Ferenczi (79 Kämpfe, 16 Siege, 7 durch KO, 56 Niederlagen, 3 durch KO, 6 Unentschieden) im Halbfliegengewicht. Es war auch der einzige Kampf, der über die angesetzte Distanz ging. Sahin stieg nach einer neunmonatigen Pause zum ersten Mal wieder in den Ring. Es ging bei dem Kampf zum einen darum, Ringrost abzuschütteln und zum anderen darum, den ersten Kampf mit neuem Trainer, Sebastian Tlatlik, zu bestreiten.
Sahin besetzte die Ringmitte, bestimmte den Kampf und setzte boxerische Akzente. Ferenczi, die Muhammad Ali als Tatoo auf dem linken Oberarm trägt, hielt dagegen. Ferenczi wurde in der zweiten Runde sichtbar wütend, weil sie nur sehr selten mit ihren Aktionen durchkam. Gleichwohl wurde die Begegnung härter. In der dritten Runde verlor Sahin die boxerische Linie, wodurch Ferenczi stärker und der Kampf härter wurde. Die letzten drei Runden gehörten wieder Sahin. Sie trug Ferenczi den Kampf an, wobei sie vor allem auf Haken setzte. In der sechsten Runde hatte Sahin ihre Gegnerin zweimal nahe am KO, aber Ferenczi erreichte stehend den Schlussgong. Die Punktrichter werteten: 60:54, 60:54 und 60:55. Einstimmige Punktsiegerin: Özlem Sahin.

Nach einer Pause ging es mit zwei Schwergewichtsbegegnungen weiter.
Hasan Kurnaz (5 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) boxte gegen Sezer Sahin. Sahin, ein Debütant, verausgabte sich mit wilden Attacken zum Körper, wobei er aber keine Wirkung erzielte. Am Ende der Runde ging er nach einer Linken zum Körper zu Boden, wobei dies aber wohl eher Konditionsproblemen als der Schlagwirkung zu danken war. Ringrichter Michael Erdinc zählte ihn an. Sahin erreichte die Rundenpause und warf mit dem Gong zur zweiten Runde das Handtuch. Sieger durch TKO in Rune 2: Hasan Kurnaz.

Den Hauptkampf des Abends bestritt der Lokalmatador Patrick Korte (9 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO). Er traf auf Asad Adrovic (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 Niederlage, 1 durch KO). Der Kampf war etwas konfus. Korte besetzte die Mitte des Rings und bestimmt das Kampfgeschehen. Korte, der eindeutig bessere Boxer, brachte Adrovic zweimal zu Boden – beide Male wurde es allerdings nur als Ausrutscher gewertet. Zum Ende der Runde stellte Korte seinen Gegner in einer neutralen Ecke und ließ ihn nicht mehr raus. Dann passierte etwas Bizarres: Adrovic tat das, was er meistens tut, wenn er sich rauskämpfen will. Er trat zweimal in den Bauch seines Gegners. Adrovic ist nämlich sehr viel mehr K1-Kämpfer als Boxer. Der Ringrichter Roman Morawiec entschied sich dafür – vermutlich auch, weil Adrovic ihm gesagt hatte, er wolle zur nächsten Runde nicht mehr antreten -, ihm nur einen Punkt abzuziehen. Wenige Sekunden später ertönte auch schon der Schlussgong, den Korte überhörte. Zur zweiten Runde trat Adrovic dann auch wirklich nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 2: Patrick Korte.

Man kann mal wieder feststellen, die Veranstaltungen des Recover Fight Club von Promoter Hani ElJarie stellen eine schöne Einstimmung fürs Wochenende dar.
© Uwe Betker

Boxen in Velbert – die Alternative zur Fußballeuropameisterschaft

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Selber Schuld, wer die Fußball-EM in der Flimmerkiste guckte und nicht am 18.06.2016 zum Boxen in Velbert gegangen ist. Er hat nämlich eine gute und unterhaltsame Show verpasst, anstatt sich ein 0:0 anzutun. In Velbert gab es zunächst ein Boxturnier von unter 10-Jährigen mit 3 Kämpfen, dann folgten 5 K1 -Kämpfe, von denen einer eine Europameisterschaft war, und schließlich kamen noch 2 IKBO-Boxkämpfe. Alle Kämpfe, auch die mit den Füßen, wurden auf hohem Niveau geführt, und sie lieferten eine gute Einstimmung für die nachfolgenden 9 Profiboxkämpfen. Hier war dann die ganze Bandbreite des Boxens zu sehen: gute und schlechte Kämpfe, Männer- und Frauenboxen. Der eine Hauptkämpfer, ein Mann, boxte um einen Weltmeistertitel der Männer im Schwergewicht und der andere Hauptkämpfer, eine Frau, kämpfte um einen WM Titel im Minimumgewicht. Breiter kann ein sportliches Spektrum nicht sein.
Den Anfang aber machten Sotirios Georgikeas (15 Kämpfe, 14 Siege, 1 durch KO, 1 Niederlage) und Adil Rusidi (31 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO, 24 Niederlagen, 22 durch KO), in der ersten von drei Cruisergewichtsbegegnungen. Georgikeas, der boxende Rechtsanwalt, hatte nur wenig Mühe mit seinem Gegner. Nachdem er verhalten begann, schickte er Rusidi nach einer Rechten zum Körper runter. Dieser wurde von Ringrichter Kornelius Bernds angezählt. Kurze Zeit später ging Rusidi erneut zu Boden, diesmal nach einen Schlag auf eine Niere, den er nehmen musste, weil er sich abgedreht hatte. Es folgte ein regulärer Niederschlag durch einen Körperhaken. Dafür wurde Rusidi wieder angezählt. Am Ende der Runde fanden sich beide Boxer, nach einem Stolperer, am Boden wieder. Dann kam der Gong. Zur zweiten Runde trat Rusidi nicht mehr an. Er hatte sich die linke Schulter verletzt. Sieger durch TKO in Runde 2: Sotirios Georgikeas.
Es folgte der erste von zwei Frauenboxkämpfen, der gleich sehr viel besser war als der vorangegangene Kampf. In ihm gaben Maike Klünert und Andreja Bester jeweils ihr Profidebüt. Um es gleich vorweg zu sagen: Selten war ein Profidebüt von einer Frau so gut und spannend. Natürlich agierte Klünert, die boxende Lehrerin, am Anfang etwas hektisch und überhastet, aber sie zeigte auch schon gute Anlagen. Für einen guten Kampf braucht man allerdings zwei. Und Bester war ganz sicher nicht zum Verlieren gekommen. Sie hielt mit. Klünert stellte ihre Gegnerin mehrfach in den Seilen, wo sie sie mit Schlägen eindeckte. Aber Bester hielt stand und punktete selber mit der Führhand. In der zweiten Runde wurde Klünert ruhiger und schlug mehr Einz-Zwei-Kombinationen. – Für meinen Geschmack schlug sie im ganzen Kampf zu wenige Führhände. – In der dritten Runde wurde Bester stärker. Obwohl Klünert die bessere Boxerin war, musste sie Treffer nehmen. Besonders erwähnenswert ist ein harter Aufwärtshaken, in den sie reingelaufen war. In der vierten Runde ging sie mehr zum Körper. Zum Ende der Runde wurde Bester sogar angezählt, als sie aus der Balance einen Kopftreffer nehmen musste. Am Ende stand ein eindeutiger Punktsieg für die Debütantin: Maike Klünert.
Der folgende Kampf im Cruisergewichtler, in dem Rashid Raad (9 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 3 Niederlagen) und Todor Ilic (25 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 21 Niederlagen, 20 durch KO) aufeinander trafen, war kurz. Raad stellte Ilic in einer Ecke. Dieser ging nach ein paar Körpertreffern zu Boden. Die Situation wiederholte sich dann kurze Zeit später in Raads Ecke, nur mit dem Unterschied, dass Ilic nun ausgezählt wurde. Sieger durch KO in Runde 1, nach 1 Minute 52: Rashid Raad.
Ebenfalls im Cruisergewicht maßen sodann Sherif Morina und Ziya Gökalp (7 Kämpfe, 7 Niederlagen, 5 durch KO) ihre Kräfte in einen Vierrunder. Morina, der sein Profidebüt gab, ging vier Runder nach vorne und machte Druck. Immer und immer wieder stellte er seinen Gegner und deckte ihn ein. Aber Gökalp konterte nicht ungefährlich. Er schlug unkonventionell. Viele Schläge pendelte er aus. Morina suchte den KO, fand ihn aber nicht. Sieger nach Punkten: Sherif Morina.
Es folgte der Kampf zwischen David Saric (8 Kämpfe, 8 Siege, 8 durch KO) und Ismael Altintas (26 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 19 Niederlagen, 7 durch KO) im Halbschwergewicht. Saric arbeitete systematisch und konsequent. Altintas machte das, was er am besten kann, nämlich den Kampf des anderen zu zerstören. Altintas ist wirklich ein Phänomen. Er steigt in den Ring, verschanzt sich hinter seiner Doppeldeckung, schiebt sich an seinen Gegner heran und versucht mit Haken zu punkten. Ich gebe zu, ich mag seinen Stil. Saric ließ sich von Altintas nicht beirren. Er hielt den Druck hoch und er verteilte seine Schläge gut. Alles sah danach aus, dass es enden würde wie so häufig, nämlich dass Altintas wieder über die Zeit kommt. Aber diesmal kam es anders. Altintas nahm von Minute zu Minute mehr und er hielt dem Druck von Saric nicht mehr stand. Zur vierten Runde trat er nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 4: David Saric.
Marco Martini (9 Kämpfe, 8 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage) und Izzet Kurnaz (5 Kämpfe, 5 Niederlagen, 5 durch KO) trafen im Super Weltergewicht für einen Sechsrunder aufeinander. Martini, der Rechtsausleger, hatte von Anfang an die Kontrolle im Ring. Er machte Druck, den er kontinuierlich erhöhte, trieb Kurnaz vor sich her und versuchte vor allem, durch seinen linken Haken zum Erfolg zu kommen. Kurnaz versuchte nur irgendwie über die Runden zu kommen. Mit zunehmender Kampfdauer bekam er dabei aber immer größere Konditionsprobleme und musste immer mehr Treffer nehmen. Zur fünften Runde trat er dann nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 5: Marco Martini.
Den ersten Hauptkampf des Abends bestritten zwei Frauen. Beim Aufeinandertreffen von Özlem Sahin (23 Kämpfe, 21 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) und Agnes Draxler (22 Kämpfe, 9 Siege, 1 durch KO, 13 Niederlagen, 8 durch KO) ging es um die Weltmeisterschaft der Universal Boxing Organization und um den Intercontinental Titel der World Boxing Federation im Minimumgewicht, der Gewichtsklasse bis 46,266 kg. Sahin begann verhalten, wodurch sie Draxler erst mal die Möglichkeit gab, sich zu entfalten. Es gab viele Schlagabtäusche. Offensichtlich hatte Sahins Trainer, Frank Lubitz, seinen Schützling darauf eingestellt, Kopfhaken zu schlagen. Es war ebenfalls offensichtlich, dass keine der beiden Frauen vorhatte, über die Distanz zu gehen. In der zweiten Runde schlug ein harter rechter Kopfhaken bei Draxler ein. Sie ging zu Boden und Ringrichter Thomas Hackenberg zählte sie an. Sie kam noch mal hoch und stellte sich wieder zum Kampf. Sahin aber stellte Draxler direkt wieder zum Abtausch, kam mit einer Linken zum Kopf, gefolgt von einer Rechten zur Schläfe, einer Linken zum Kinn und zwei rechten Haken zur Schläfe durch. Sieger durch KO in Runde 2, nach 1:46 Minuten: Özlem Sahin.
Den Abschluss des Abends bildete die Weltmeisterschaft der World Boxing Union im Schwergewicht. Dabei ging es auch noch um den WBF International Titel. Es trafen Werner Kreiskott (44 Kämpfe, 23 Siege, 17 durch KO, 19 Niederlagen, 8 durch KO, 2 Unentschieden) und Drazan Janjanin (18 Kämpfe, 11 Siege, 10 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO) aufeinander. Es war ein typischer Kreiskott-Kampf, spannend, dramatisch und zu jeder Zeit so offen, dass immer alles passieren konnte. Kreiskott, „der Panzer“, begann verhalten und verschlief die erste Runde. Nachdem er in der zweiten Runde seinen zweiten Schlag auf den Hinterkopf hatte nehmen müssen, wurde er dann aktiver. Von nun an wogte der Kampf hin und her und es war nicht absehbar, wer am Ende noch stehen würde. In der dritten Runde nahm Kreiskott eine Rechte zum Kopf, die ihn sichtlich beeindruckte. Hiernach wurde die Runde hektisch mit harten Schlagabtäuschen und einem Punktabzug für Janjanin für Innenhandschlagen durch Ringrichter Mustafa Erenay. Hektisch und hart umkämpft ging es auch weiter. In der vierten Runde kam Kreiskott mit zwei schönen harten linken Aufwärtshaken durch. Die nachfolgende Runde gab er dann jedoch wieder ab. Am Ende der sechsten Runde verletzte sich Janjanin die linke Schulter, nachdem er einen Leberhaken nehmen musste. Zwar kämpfte er noch bis zum Ende der Runde weiter, aber zur nächsten trat er nicht mehr an. Sieger durch TKO 7: Werner Kreiskott.
Wie schon oben geschrieben: Wer die EM im Fußball in der Flimmerkiste guckte, statt zum Boxen in Velbert zu gehen, ist selber Schuld.
© Uwe Betker

Written by betker

19. Juni 2016 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen, Frauenboxen

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