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Gastbeitrag: Der letzte Kämpfer tritt ab!

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Robert Stieglitz hat seinen Rücktritt als aktiver Profiboxer verkündet
„Ich habe mich in den letzten Wochen mit dieser Entscheidung sehr, sehr schwer getan. Nun sage ich aber dem Boxsport als Aktiver Lebewohl und mache Platz für die „neue Generation“!“
Auf der Pressekonferenz vor der nächsten SES-Box-Gala am 1. Juli 2017 in der neuen BallsportARENA Dresden hat sich ein ganz Großer des deutschen Boxsports als Aktiver verabschiedet.
Der zweimalige Weltmeister im Super-Mittelgewicht und aktuelle Europameister im Halb-Schwergewicht Robert Stieglitz, der auch immer wieder als „der letzte Kämpfer“ betitelt wurde und in 50 Profikämpfen als Sieger den Ring verließ, hat seinen Rücktritt verkündet.
Robert Stieglitz mit seinen Abschiedsworten auf der heutigen Pressekonferenz im Radisson Blu Park Hotel & Conference Centre, Dresden Radebeul:
„Ich habe mich in den letzten Wochen mit dieser Entscheidung sehr, sehr schwer getan. Der Boxsport hat mir so viel gegeben und war in den letzten 20 Jahren „mein Leben“. In diesem tollen Sport habe ich alles erreicht, was man erreichen kann. Nach dieser langen Zeit der Überlegungen sage ich aber dem Boxsport nun als Aktiver Lebewohl und mache Platz für die „neue Generation“. Mein Wille, mein Kampfgeist sind zwar noch da, aber mit 35 Jahren will der Körper nicht mehr so, wie ich es noch brauche, um im Ring weiter auf hohem Niveau erfolgreich zu sein. Ich blicke auf eine großartige Zeit zurück und möchte mich bei so vielen Sportfreunden, Wegbegleitern und meinen Fans bedanken. Mit meinen Trainern, besonders mit meinem ersten Trainer Werner Kirsch und in den letzten Jahren unter der Regie von Dirk Dzemski, habe ich große Erfolge feiern können und ihnen gebührt ein großes Dankschön. Meinem Promoter Ulf Steinforth gilt ein besonderer Dank, denn er hat mir in den letzten 16 Jahren als Boxer und als Mensch mit seiner sehr persönlichen und verlässlichen Art so viele Türen geöffnet. Ich sage nun erst einmal danke und verspreche, ich werde auf einer besonderen Veranstaltung noch einmal vor meinem Publikum Abschied nehmen.“
Mit dem Rücktritt von Robert Stieglitz wird der Europameistertitel im Halb-Schwergewicht vakant. Die Europäische Box-Union (EBU) hat daraufhin gestern einen Kampf um den vakanten Titel zwischen dem ursprünglichen Pflichtherausforderer Dominic Bösel (Freyburg / SES Boxing Magdeburg) und der Nummer 3 der EBU-Rangliste Karo Murat (Berlin / EC Boxing Hamburg) neu angesetzt. Dieses deutsche Duell wird als Hauptkampf am 1. Juli 2017 in Dresden in der BallsportARENA ausgetragen.
(C) SES Boxing

Wladimir Klitschko gegen Jürgen Brähmer

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Der IBF und WBO Weltmeister im Schwergewicht Wladimir Klitschko will seinen Titel nicht gegen Dereck Chisora und David Haye verteidigen, sondern gegen Jürgen Brähmer, dem WBO-Weltmeister im Halb Schwergewicht. – Eine absurde Ankündigung? Mag sein. Aber Ankündigungen dieser Art gibt es wirklich.
Die Weltmeisterin nach Version WIBF, WBA und WBO im Fliegengewicht Susianna Kentikian (27 Kämpfe, 27 Siege, 16 durch KO) boxt am 29. Januar 2011 in Hamburg gegen Teeraporn Pannimit (18 Kämpfe, 13 Siege, 5 durch KO, 3 Niederlagen). Die 18jährige Pannimit, die sich Female Rambo nennt, ist Weltmeisterin der WBO jedoch im Minimumgewicht, also zwei Gewichtsklassen unterhalb der Gewichtsklasse, in der Frau Kentikian boxt. An diesem Punkt ist der Vergleich Klitschko/Brähmer mit Kentikian/Pannimit zutreffend. Denn in den niedrigen Gewichtsklassen wirkt sich der Gewichtsunterschied genau so aus, wie in den höheren. Das heißt Frau Kentikian ist größer, hat eine größere Reichweite und vor allem eine sehr viel größere Schlaghärte.
Hier aber hören auch schon die Gemeinsamkeiten auf. Brähmer hätte nämlich gegen einen Klitschko größere Chance als Pannimit gegen Kentikian. Obwohl Pannimit Weltmeisterin ist, hat sie bis jetzt nur gegen No-Names geboxt. Die Thailänderin errang ihren Titel (02.04.2010) gegen Eun-Young Huh aus Korea, die einen Kampfrekord von 7 Kämpfen, 6 Siegen, 1 Unentschieden hatte. Sie verteidigte den Titel (22.11.2010) gegen Jujeath Nagowa von den Philippinen, die einen Kampfrekord von 18 Kämpfe, 9 Sieg2, 5 durch KO, 8 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden hatte.
Die selbsternannte Killer Queen konnte im letzten Jahr in keinem ihrer beiden Kämpfe auch nur ansatzweise sportlich überzeugen. Wir erinnern uns: Sie verdankte den Erfolg der Titelverteidigung gegen Nadia Raoui aus Herne (24.04.2010) sehr viel mehr den deutschen Punktrichtern Werner Kasimir und Franz-Michael Maaß als ihrer eigenen boxerischen Leistung. In ihrer zweiten Titelverteidigung gegen Arely Mucino aus Mexiko (17.07.2010) verdankte sie dem Ringarzt ein No Contest, der den Kampf aufgrund einer Cutverletzung im Haaransatz abbrach, die bei einem Männerboxkampf wohl nie zu einem Abbruch geführt hätte.
Ich gebe zu, ich hatte gehofft, dass Frau Kentikian und ihr Veranstalter Universum Box-Promotion den Mut aufbringen würden, ihre „Altlasten“ vom letzten Jahr abzuarbeiten. D.h. ich hoffte, es würde einen Rückkampf mit Arely Mucino und Nadia Raoui geben. Aber das Vertrauen in die sportlichen Fähigkeiten von Frau Kentikian ist wohl so stark gesunken, dass es inzwischen, wie es aussieht, nur noch darum geht, ein Opfer zu finden.
© Uwe Betker

Ein atomisierter Sport

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Selbst als hart gesottener Boxfan ist es wohl unmöglich alle Weltmeister zu kennen. Im Allgemeinen werden zur Zeit vier Weltverbände anerkannt. Die so genannte Buchstabensuppe, so wird diese Situation im englischen Sprachraum genannt, besteht zurzeit aus WBA (World Boxing Association), WBC (World Boxing Council), WBO (World Boxing Organisation) und IBF (International Boxing Federation). Hinzu kommen IBO (International Boxing Organization), WBF (World Boxing Federation), GBC (Global Boxing Council) und andere. Jeder Titel ist also aufgeteilt in vier Viertel, wenn man die kleineren Verbände außer acht lässt.
Mittlerweile gibt es 17 verschiedene Gewichtsklassen:
1. Strohgewicht/Minimumgewicht/Mini-Fliegengewicht
2. Junior Fliegengewicht
3. Fliegengewicht
4. Super Fliegengewicht/Jr. Bantamgewicht
5. Bantamgewicht
6. Super Bantamgewicht/Jr. Federgewicht
7. Federgewicht
8. Super Federgewicht/Jr. Leichtgewicht
9. Leichtgewicht
10. Super Leichtgewicht/Jr. Weltergewicht
11. Weltergewicht
12. Super Weltergewicht/Jr. Mittelgewicht
13. Mittelgewicht
14. Super Mittelgewicht
15. Halb Schwergewicht
16. Cruisergewicht
17. Schwergewicht

Wenn alle 4 Verbände jeweils einen anderen Weltmeister in ihren 17 Gewichtsklassen haben, sind das insgesamt 68 Weltmeister. Hinzu kommen Interims Weltmeister, Super-Champions und was den Drei-Buchstaben-Organisationen sonst noch einfällt, um Sanktionierungs-Gebühren für WM-Kämpfe zu erheben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand alle aktuellen Titelträger aufzählen kann. Hier liegt m. E. ein Grund für den weltweiten Niedergang des Boxens.
Aller Orten verliert das Boxen immer mehr an Bedeutung. In den USA ist Baseball, Football und Basketball populärer. In Deutschland, Großbritannien, Niederlande und Frankreich ist Fußball die Sportart Nummer eins. Verschiedene andere Sportarten wie Wrestling, Käfigkämpfe, und Mischkampfsportarten wie UFC und K1 werden als Konkurrenz immer stärker.
Es ist wohl davon auszugehen, dass, wenn die so genannten Weltverbände nicht zur Vernunft kommen, Boxen immer weiter an Zuschauern verlieren wird. Die Drei-Buchstaben-Organisationen sind Vereinigungen von Menschen, hauptsächlich Männern, mit dem Ziel, durch Boxen Geld zu verdienen. Jeder, der will, kann einen Weltverband gründen und seine WM-Titel anbieten. Die Geschichte dieser Vereinigungen ist geprägt von Korruption, Manipulation, Regelverletzungen und Skandalen. Hier geht es Geld und nicht um Sport.
Üblicherweise gibt es im Weltsport in den unterschiedlichen Sportarten jeweils nur einen Weltmeister. Das Boxen leistet sich aber gleich vier pro Gewichtsklasse, Tendenz steigend. Das bedeutet doch, dass ein durchschnittlicher Weltmeister ist in der Regel nur ein Viertel-Weltmeister ist. Selbst ein so bekannter Titelträger wie Wladimir Klitschko ist mit seinen zwei WM-Gürteln der IBF und der WBO also nur ein halber Weltmeister. Weshalb Herr Klitschko auch noch den Titel eines IBO-Weltmeisters mit sich herum trägt, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Der IBO-Titel hat nämlich so gut wie keine Bedeutung. Genau das ist der Punkt. Die Titel haben, so denke ich, keine wirkliche Bedeutung mehr. Die Promoter brauchen sie lediglich, um ihre Veranstaltungen einfacher vermarkten zu können. Die Bezeichnung WM-Kampf sagt heute nur bedingt etwas aus über die Qualität. Wie man an dem Super-Six-Turnier unschwer erkennen kann, braucht man nicht unbedingt einen Weltmeistertitel zu haben, um ein weltweites Interesse hervorzurufen, denn offensichtlich gibt es immer noch einen Markt für sehr gute Boxkämpfe. Zu ihnen kommt es aber nur selten, weil viele der wirklich guten Boxer Weltmeister sind und nicht gegeneinander antreten.
Es wäre dem Profiboxen zu wünschen, dass sich die Verbände auf einen Modus einigen könnten, der dazu führt, dass es pro Gewichtsklasse nur noch einen Weltmeister gibt. So kämen dann die Kämpfe zu Stande, die die Menschen auch sehen wollen. Nur so kann das Boxen langfristig auch wieder an Attraktivität gewinnen.
© Uwe Betker