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Posts Tagged ‘IBF Weltmeister

Mülheimer Nachlese (2)

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5. Kampf im Mittelgewicht über 8 Runden: Joe Rea (Großbritannien) vs. Dominik Britsch (Deutschland): Sieger Britsch (einstimmig) nach Punkten
Dominik Britsch (jetzt 21 Kämpfe, 21 Siege, 7 durch KO) hat mich richtig beeindruckt. Sein Gegner, der Nordire Joe Rea (jetzt 11 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden), war ein sehr zäher Gegner, der sich wirklich bemühte, es ihm schwer zu machen. In diesem Kampf zeigte sich dann, warum sein Trainer Ulli Wegner so große Stücke auf Britsch hält. Besonders gefallen hat mir, wie er zum Körper arbeitet. Seine Körperhaken waren wirklich sehr sehenswert.
6. Kampf im Cruisergewicht über 12 Runden, IBF-Weltmeisterschaft: Steve Cunningham (USA) vs. Enad Licina (Deutschland): Sieger Cunningham (einstimmig) nach Punkten
Das Aufeinandertreffen von Steve Cunningham (jetzt 25 Kämpfe, 23 Siege, 12 durch KO, 2 Niederlagen) und Enad Licina (jetzt 21 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO, 2 Niederlagen) hielt das, was ich von ihm erwartet hatte. Cunningham zeigte seine unglaublich elegante und effektive Deckungsarbeit. Dies minimalistische Anheben der Schulter, mit dem er Schläge abwehrt, ist einfach großartig. Auch sonst zeigte er sich als Minimalist. Die ganze Zeit über war er stets nur ein bisschen besser als sein Gegner. Bei der Pressekonferenz nach der Veranstaltung erklärte er, er sei in der Woche vor dem Kampf drei Tage lang krank gewesen. Ein grippaler Infekt hat ich geschwächt und er spürte ein Brennen in der Lunge, auch während des Kampfes. Aber auch Licina zeigte eine so starke Leistung, dass man von ihm noch einiges erwarten kann. Wenn Cunningham einen richtigen Punch hätte, den er aber leider nicht hat, wäre er wohl der Megastar des Boxens. Aber es war trotzdem ein Genuss, ihn boxen zu sehen.
7. Kampf im Cruisergewicht über 12 Runden, WBA-Interims-Weltmeisterschaft: Steve Herelius (Frankreich) vs. Yoan Pablo Hernandez (Kuba): Sieger Hernandez durch KO in der siebten Runde
Jeder hat gesehen, wie Herelius (jetzt 24 Kämpfe, 21 Siege, 12 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO, I Unentschieden) den Hinterausgang suchte. Interessant fand ich, dass Hernandez (jetzt 25 Kämpfe, 24 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) mit dem ihm von Ulli Wegner antrainierten Boxstil Erfolg hatte. Zwar hatte ich zwischendurch schon auch das Gefühl, dass es dem Boxstil von Hernandez nicht so gut getan hat, das Kubanische ausgetrieben zu bekommen. Aber wen kümmern Stilfragen. Er ist immerhin so Weltmeister geworden. Da muss ich meine Meinung wohl revidieren. Beeindruckt hat mich schließlich, wie Hernandez – sehr unkubanisch – abwartete, sich Zeit ließ, als offensichtlich wurde, dass Herelius reif für den KO war.
8. Kampf im Super-Mittelgewicht über 10 Runden: Stjepan Bozic (Kroatien) vs. Arthur Abraham (Deutschland): Sieger Abraham durch technischen KO in der zweiten Runde
Der Kampf selber brachte wohl keinen Erkenntnisgewinn. Bemerkenswert fand ich, dass sich in der Pressekonferenz ein Kommunikationsproblem bemerkbar machte. Abraham (jetzt 34 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 2 Niederlagen) sprach davon, dass er mit diesem Kampf das Ringgefühl hätte wiederbekommen wollen. Wegner widersprach ihm und sagte, Ringgefühl bekäme man auch im Training. Es sei vielmehr in diesem Kampf darum gegangen zu beweisen, wie gut sie trainieren würden.
© Uwe Betker

Welchen Sinn macht noch das Super Six Turnier?

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Es war eine gute Idee. Die Idee nämlich, die sechs besten oder zumindest sechs sehr gute Boxer einer Gewichtsklasse in einem Turnier gegeneinander antreten zu lassen. Am Ende sollten es der WBA-Supermittelgewichtsweltmeister Mikkel Kessler aus Dänemark, der WBC-Weltmeister Carl Froch aus England, der IBF-Mittelgewichtsweltmeister Arthur Abraham (29) aus Deutschland, der ehemalige Weltmeister Jermain Taylor aus den USA sowie Andre Ward und Andre Dirrell auch aus den USA unter sich ausmachen. Die paritätische Vergabe der Plätze an drei Europäer und drei US-Amerikaner ist dem un-amerikanischen Fernsehmarkt geschuldet und war auch die größte strukturelle Schwäche des Turniers. Lucian Bute, Károly Balzsay und Robert Stieglitz blieben, weil Europäer, außen vor. Auch ein Kelly Pavlik hätte das Turnier bereichert.

Der erste, der aus dem Turnier ausstieg war Jermain Taylor. Taylor ging bereits vorher der Ruf voraus, durch seine beiden Niederlagen in Folge gegen Pavlik und seiner KO-Niederlage gegen Froch „weich“ geworden zu sein. Es wurde nämlich behauptet, dass er die Schläge nicht mehr verträgt. Es kam so wie befürchtet. Taylor ging in seinem ersten Kampf gegen Abraham KO und zog sich aus dem Turnier zurück. Mikkel Kessler erklärte auf einer Pressekonferenz, dass er wegen einer Augenverletzung seine Teilnahme am Turnier abbrechen müsse. Sprach’s und setzte sich, trotz Augenverletzung, in sein Auto und fuhr von dannen. Und nun stieg mit Andre Dirrell, der Abraham besiegte, auch der dritte Teilnehmer aus. Dirells Management teilte mit, sein Schützling habe „neurologische Probleme“.

Damit stellt sich nun die Frage, ob die mit rund 50 Millionen Dollar dotierte Bestenermittlung überhaupt noch Sinn macht. Immerhin sind von den ursprünglich Angetretenen nur noch die Hälfte übrig. Auch muss man sich im Hinblick auf ein geplantes Nachfolgeturnier im Cruisergewicht fragen, ob ein Turnier von zwei bis drei Jahren Dauer überhaupt praktikabel ist.

© Uwe Betker

Eine Frage des Stils (2.)

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Da hat der Sender ARD mit den Kämpfen von Alexander Frenkel und Karo Murat einen richtig tollen Boxabend übertragen – und trotzdem habe ich mich geärgert, weil ich mich regelrecht für dumm verkauft gefühlt habe. Nachdem Alexander Frenkel so eindrucksvoll Europameister geworden war – Das Erste war mit seinen Zuschauern life dabei -, wurde anschließend noch der Kampf von Karo Murat gezeigt. Leider hat die ARD so getan, als ob Karo Murat jetzt noch boxen müsste. Dabei war es aber eine Aufzeichnung. Ich persönlich finde so was schlechten Stil. Für mich ist das eine Vorspiegelung von falschen Tatsachen.

Noch unangenehmer wurde das Ganze dadurch, dass die ARD die mitgereisten Boxer noch dazu nötigte, sozusagen als Laiendarsteller in einer Schmierenkomödie mitzuwirken. So wurde IBF Weltmeister im Mittelgewicht, Sebastian Sylvester, erst nach seiner Einschätzung des gerade gesehenen und übertragenen Frenkel-Kampfes gefragt und danach um seine Prognose zu Murat gebeten. Also eine Prognose zu einem Kampf, den sowohl der Frager als auch der Gefragte sowie die Zuschauer in der Halle schon gesehen hatten. Nur die Zuschauer vor den deutschen TV-Geräten hatten den Kampf noch nicht gesehen. Ich gestehe, ich mag es einfach nicht, wenn man mich derart hinters Licht führt. Zwei tolle Boxkämpfe, eine gute Veranstaltung und dennoch bleibt ein fader Nachgeschmack. Hat die ARD es wirklich nötig, seinen Zuschauern vorzuspielen, etwas würde jetzt life übertragen, wenn es doch eine Aufzeichnung ist?

© Uwe Betker

Written by betker

18. Oktober 2010 at 23:59