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Vier Profiboxkämpfe in der Yayla Arena in Krefeld

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Klaus Waschkewitz stellte in Krefeld eine große Kampfsportveranstaltung auf die Beine. Die Yayla Arena in Krefeld war Austragungsort von 16 Kämpfen, einem MMA, fünf K1, sechs IKBO Boxkämpfen und vier Profikämpfen. Insgesamt gab es fünf Titelkämpfe.
Leider habe ich aufgrund eines Missverständnisses die ersten beiden Profiboxkämpfe, die früh am Abend stattgefunden hatten, verpasst. Im Super Leichtgewicht besiegte Nawid Hakimsadeh (12 Kämpfe, 11 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage) Dominik Tietz (21 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 15 Niederlagen, 10 durch KO) in einem Vierrunder. Tietz musste verletzungsbedingt in Runde 2 aufgeben.
Im Weltergewicht wurde der bis dahin ungeschlagene Piergiulio Ruhe (7 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) Ende der vierten Runde aus dem Kampf genommen. Damit wurde Hamisi Maya (12 Kämpfe. 9 Siege, 8 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden) der neue Intercontinentalmeister der GBC.
In dem ersten Kampf, den ich dann sah, traf der Düsseldorfer Schwergewichtler Dominic Vial (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) auf Sebastian Tuscherer (33 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 18 Niederlagen, 8 durch KO). Sie maßen im Schwergewicht in einem Sechsrunder ihre Kräfte. Vial beherrschte die Ringmitte. Er arbeitete schön mit der Führhand. Tuscherer versuchte den Reichweitennachteil durch Schwinger zum Kopf und durch Körperhaken auszugleichen. In der zweiten Runde wollte er Vial einfach überrollen. Der aber boxte technisch schön weiter und stellte Tuscherer in der eigenen Ecke, wo er ihn nicht mehr raus ließ. Tuscherer ließ sich von dem GBA Ringrichter Ahmed Bencheikh, der praktisch nichts zu tun hatte, anzählen und stellte sich dann wieder zum Kampf. Vial aber wollte dem nun ein Ende setzen. Er deckte sein Gegenüber mit einer langen Kombination ein, der Tuscherer nichts entgegen zu setzen hatte. Seine Ecke warf ein Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 1:01 Minuten: Dominic Vial.
Den Hauptkampf des Abend bei den Profiboxern bestritten im Halbschwergewicht Alpay Yaman (10 Kämpfe, 9 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage) und Alexander Rigas (10 Kämpfe, 10 Siege, 5 durch KO). Es ging um den vakanten Continentaltitel der IBO. Vor dem Kampf hatten beide den gleichen Kampfrekord. Nach einer Minute war das Abwarten beendet und es begann der klassische Kampf Fighter gegen Boxer. Rigas versuchte lang und grade zum Kopf anzuboxen und zwischendurch Körperhaken einzustreuen. Yaman suchte durch Kopf- und Körperhaken zum KO zu kommen. Am Ende der Runde kam er auch mit einer Rechten zum Kopf durch, die Rigas erschütterte. In der zweiten Runde wurde der Kampf verbissen und hart geführt. Rigas kam immer wieder mit Körperhaken durch, Yaman traf seltener, dafür aber härter. In der dritten Runde hielt sich Rigas seinen Gegner mit der Führhand vom Hals. Er ließ ihn auch ein ums andere Mal ins Leere laufen. Dabei zu Gute kam ihm , dass Yaman praktisch während des gesamten Kampfes nie anboxte. Nur Mitte der vierten Runde boxte er eine Zeitlang an und erarbeitet sich dadurch dann auch seine Momente. Aber während der ersten wie der dritten Minute bestimmte Rigas das Kampfgeschehen durch seine Führhand. Auch in der fünften Runde wurde ausschließlich durch Rigas Führhandarbeit der Ton angegeben. Am Ende des sechsten Durchgangs kam er mit einer harten Rechten zum Körper durch, die Yaman nicht mochte. Nach einer Minute in der siebten Runde musste Rigas zu Boden: Ein Tiefschlag hatte ihn gefällt. Danach schien sich der Kampf neu zu erfinden. Beide Boxer suchten den Schlagabtausch, der hin und her ging. Rigas wollte sich offensichtlich für das Foul rächen, was Yaman in die Karten spielte.
In der achten Runde gewann Rigas wieder die Oberhand und dominierte das Kampfgeschehen durch seine Führhand. Allerdings wurden seine Beine langsamer, wodurch Yaman mehr Szenen bekam. In der neunten Runde hatte Rigas wieder mehr Kraft. In der zehnten und letzten Runde versuchte Yaman die drohende Niederlage in diesem großartigen Kampf noch abzuwenden, aber Rigas ließ ihn auch jetzt ins Leere laufen.
Die Punktrichter werteten: 95:95, 93:97 und 93:97. Punktsieger: Alexander Rigas
Alexander Rigas zeigte eine große boxerische Leistung. Er ist jemand, den man im Auge behalten sollte. Einen Rückkampf mit Alpay Yaman, der hinter seinen Möglichkeiten zurück geblieben ist, wäre ein schöner Kampf für 2020.
(C) Uwe Betker

Der BDB und die EBU

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Selbst wenn die Verbindung zwischen dem ältesten deutschen Profiboxverband, dem Bund Deutscher Berufsboxer, und der European Boxing Union im Himmel geschlossen worden sein sollte, so wird sie doch auf der Erde gelebt. Und genau da kommt es zwischen beiden immer wieder zu Konflikten. Kurz, der BDB hat schon wieder Ärger mit der EBU und mit einem anderen nationalen Verband.
So wie ich mich erinnere – Irrtümer sind natürlich möglich – begann alles damit, dass der BDB es schlicht versäumte, der EBU mitzuteilen, dass die Dopingprobe von Erkan Teper von dessen Kampf gegen Newfel Ouatah, am 13.06.2014, positiv war. Dabei hatte es sich um einen EBU Titelkampf gehandelt. Dann war Tepers Dopingprobe aus dem Kampf gegen David Price, am 17.07.2015, wieder positiv. Auch das war ein EBU Titelkampf. Die Information erfolgte hier nun ein paar Monate später.
Wie es sich darstellt, war die EBU wohl über die Handhabung der Dopingfälle Erkan Teper nicht amüsiert. Sie sperrten Teper zunächst mal bis zum 17.07.2017. Dann gingen sie hin und stuften den Status des BDB als vollwertiges Mitglied im Januar 2016 zu dem eines vorläufigen Mitglieds herab. Allerdings wurde der BDB bereits wenige Monate später, im Juni, schon wieder hochgestuft.
Am 03.07.2016 lizenzierte der BDB dann Tepers Kampf gegen Derric Rossy, obwohl die vom BDB selbst verhängte Sperre noch nicht in voller Länge abgelaufen war. Teper konnte so also zwei Wochen vor Ablauf der Sperre seinen Kampf bestreiten. Positiv bei der Sache ist, dass sich, wohl erstmalig, ein mit BDB Lizenz Boxender Trainingskontrollen unterziehen musste. Das war bis dahin für Boxer, die ja „Weltbürger“ sind, nicht möglich.
Schon wieder scheint dir EBU nicht besonders amüsiert, dass die sowieso schon kurze BDB-Sperre von Teper noch weiter verkürzt worden war. Die EBU teilte in einer Erklärung an die Mitgliederverbände mit, dass der BDB nicht mehr als vollwertiges Mitglied, sondern nur noch als „vorläufiges Mitglied“ geführt wird. Stefan Braune wurde dann auch gleich noch aus dem Vorstand der EBU ausgeschlossen. Es war die Rede von „einem deutlichen, mangelnden Respekt gegenüber der Suspendierungs-Regeln“.
Hinzu kommt nun noch, dass das „vorläufige Mitglied“ BDB mit dem Vollmitglied NPBF Ärger hat. Der Norwegian Professional Boxing Federation gefällt es nämlich nicht besonders, dass der deutsche Verband Shows in Norwegen sanktioniert, wie es am 01.10.2016 im „Spectrum“ in Oslo geschehen ist. Hier boxten Cecilia Braekhus (29 Kämpfe, 29 Siege, 8 durch KO) gegen Anne Sophie Mathis (33 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) gegeneinander. Es ging um die Titel WBC, WBA, IBF, WBO und IBO im Weltergewicht. Hinzu kam das Profidebüt von Kevin Melhus (1 Kampf, 1 Sieg, 1 durch KO) gegen Christian Dulz (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 Niederlage, 1 durch KIO) im Cruisergewicht.
Das Problem bei Auslandseinsätzen nationaler Verbände ist, soweit ich richtig informiert bin, dass sie laut EBU-Vereinbarung einfach nicht erlaubt sind, d.h. kein Verband in der EBU wildert auf dem Gebiet ein es anderen. – Der Österreichische Verband macht eine Ausnahme.
Soweit ich also informiert bin, hat nun der BDB in Norwegen gewildert und dort eine Veranstaltung sanktioniert. Das ist schon deswegen besonders pikant, man könnte auch sagen besonders unsolidarisch, weil in Norwegen noch bis vor kurzem das Profiboxen verboten war. Einem Verband, der dafür gekämpft hat, dass dieses Verbot nach mehr als 30 Jahren aufgehoben wird, nun die erste große Show dann wegzunehmen, ist vermutlich nicht so ganz nett.
Angeblich gibt es eine Mail des BDB an den Veranstalter First Lady Promotion (FLP), in der der BDB schreibt, dass die NPBF eine Veranstaltung dieser Größe nicht veranstalten soll. Gleichzeitig soll der BDB in dieser Mail auf seine brillante Erfahrung bei der Sanktionierung von WM-Kämpfen und seinen Ruf im Kampf gegen das Doping hingewiesen haben.
Auch wenn man noch gutwillig hervorhebt, dass die eingesetzten BDB-Mitglieder bei dem Titelkampf in einer anderen Funktion in Erscheinung traten, Frank Michael Maass als Ringrichter für einen der Weltverbände, Malte Müller Michaelis als Supervisor des WBC und Beate Poeske als Supervisorin der WBO, hat der BDB doch eine Grenze überschritten. Im Vorprogramm boxte immerhin Kevin Melhus. Der Cruisergewichtler Melhus ist Norweger und lebte in Skien, Norwegen, womit Melhus auch mit einer norwegischen Lizenz boxen muss. Eine Lizenz vom norwegischen Verband hat er aber nicht. Er boxte dennoch auf besagter Veranstaltung. Der BDB Mann Rene Fiebig war der Ringrichter und Maurizio Rinaudo Punktrichter – und er ist, wenn ich mich richtig erinnere, ebenfalls BDB-Mitglied. Soweit der NPBF und ich das beurteilen können, widerspricht das eindeutig den EBU Regeln.
Schaut man sich die ganzen Probleme an, die der Bund Deutscher Berufsboxer mit der European Boxing Union hat, dann könnte man glatt auf die Idee kommen, der BDB hat überhaupt keine Lust, sich an die EBU-Regeln zu halten. Dann kann man sich aber auch weiter fragen, warum der BDB eigentlich nicht aus der EBU austritt. Das würde doch wohl allen helfen. Oder ist es für einen nationalen Profiboxverband wirklich so erstrebenswert, einen Rekord in Mitgliedschaftsrunterstufungen aufzustellen?
© Uwe Betker

Huck Reloaded und andere Boxkämpfe

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Am 27.02.2016 war das Gerry Weber Stadion Austragungsort für die Show „Huck Reloaded“. Damit hat Marco Huck (43 Kämpfe, 39 Siege, 27 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) praktisch ein Wunder vollbracht, denn RTL übertrug seinen Kampf, trotz der KO-Niederlage, die er am 14.08.2015 in Newark, New Jersey, gegen den nicht sehr hoch eingeschätzten Krzysztof Głowacki einstecken musste. Wodurch er seinen WM Titel der WBO verloren hatte.
Leider hielt sich Huck Sports Promotion nicht an den Zeitplan. Angekündigt war, dass der erste Kampf um 19 Uhr beginnen sollte. Leider sah ich, als ich um 18:45 die Halle betrat, vom ersten Kampf nur noch, wie Slobodan Culum (28 Kämpfe, 11 Siege, 8 durch KO, 17 Niederlagen, 11 durch KO) ausgezählt wurde. Der Ringsprecher verkündete den Sieg des Halbschwergewichtlers Marco Nikolic (11 Kämpfe, 11 Siege, 7 durch KO) durch KO in Runde 4 nach 2:52. Dass dieser Kampf vorgezogen wurde, ist für mich umso unverständlicher, weil es später Leerlauf und Pausen gab.
Im Super Mittelgewicht trafen dann Emin Atra (7 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO) und Nikola Matic (45 Kämpfe, 13 Siege, 9 durch KO, 32 Niederlagen, 6 durch KO) aufeinander. Der auf sechs Runden angesetzte Kampf gestaltete sich für Atra schwieriger, als vorher zu vermuten war. Atra begann sehr verhalten. Er verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und studierte seinen Gegner. Dann kam er mit einem linken Körperhaken und einen rechten Kopfhaken durch und Matic zeigte sich beeindruckt – sogar zweimal. Das Ende für Matic schien nah. Es entstand der Eindruck, als wäre er beide Male eingeknickt. Aber er kam zurück in den Kampf. Er punktete mit seiner Führhand und versuchte, Schwinger ins Ziel zu bringen. In den folgenden Runden wogte der Kampf hin und her. Allerdings gab es nur relativ wenige Aktionen. Zwar störte Atras Führhand die Aktionen seines Gegner, aber sie trafen ihn nur sehr selten. In der zweiten Runde machte Atra dann mehr. Er zeigte auch gute Meidbewegungen. Dafür ging die dritte Runde wieder an Matic. Die vierte war ausgeglichen und die fünfte plätscherte so vor sich hin. Atra erhöhte aber zum Ende hin den Druck. Die sechste Runde war die beste des ganzen Kampfes. Die ersten zwei Minuten gehörten Matic, der es sogar mehrfach schaffte, sein Gegenüber an den Seilen zu stellen. Zum Ende hin kam Atra wieder auf. Er konnte auch noch eine schöne rechte Grade zum Kopf ins Ziel bringen. Am Ende stand schließlich ein recht knapper Punktsieg für Emin Atra (57:57, 59:55 und 58:56).
Ebenfalls im Super Mittelgewicht maßen Semir Bajrovic (18 Kämpfe, 15 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Gary Abajyan (57 Kämpfe, 30 Siege, 14 durch KO, 24 Niederlagen, 4 durch KO) ihre Kräfte. Auch dieser Kampf ging hin und her. In der ersten Runde hatte Abajyan mehr vom Kampf. Er schob sich, hinter seiner Doppeldeckung verschanzt, an seinen Gegner heran und punktet mit seiner linken Graden, die manchmal ihr Ziel fand. In der zweiten Runde boxte Bajrovic weiter im Rückwärtsgang – machte aber mehr. Abajyan suchte den Infight, wo aber nicht viel passierte. In der dritten Runde punkte Abajyan wieder mit seinem Jab. Wenn ich es richtig gesehen habe, schlug Bajrovic in dieser Runde nur ein einziges Mal zu. In der vierten Runde wurde Bajrovic immer stärker. Er arbeitete nun mehr. Er versuchte, Abajyan mit Schwingern zu beeindrucken. Dieser verletzte sich irgendwann die linke Schulter, was ihn sichtlich behinderte. Zur fünften Runde trat er dann nicht mehr an, wodurch Semir Bajrovic Sieger durch TKO wurde.

Im vierten Kampf, der im Mittelgewicht stattfand, boxten Dominik Britsch (35 Kämpfe, 32 Siege, 11 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Slavisa Simeunovic (34 Kämpfe, 19 Siege, 17 durch KO, 15 Niederlagen, 12 durch KO) gegeneinander. Um es gleich vorweg zu sagen, am Ende des Achtrunders stand ein einstimmiger Punktsieg für Britsch. Die Punktrichter gaben ihm jeder alle Runden. Britsch und Simeunovic arbeiteten viel. Aber Britsch war seinem Gegner in allen Belangen überlegen. Er verteilte seine Schläge gut. Er punktete schön mit der Führhand. Er setzte klare Treffer. Man hatte aber zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, es könnte ein vorzeitiges Ende geben.
Als nächstes stieg Besar Nimani (22 Kämpfe, 21 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) in den Ring. Der Super Weltergewichtler stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass mit ihm zu rechnen ist und dass er einen Titelkampf verdient. Er demontierte Chris Herrmann (31 Kämpfe, 21 Siege, 12 durch KO, 10 Niederlagen, 9 durch KO) geradezu. Um es noch deutlicher zu sagen: Es sah so aus, als würde eine Katze mit einer Maus spielen. Nimani agierte, Herrmann reagierte. Nimani wechselte immer wieder die Auslage und spielte. Er trieb sein Gegenüber ein bisschen durch den Ring, dann schlug er ein paar Kopfhaken und dann nahm er das Tempo und den Druck wieder etwas raus. In der zweiten Runde ging Herrmann dann in einer neutralen Ecke zu Boden und wurde angezählt. In der dritten Runde machte Nimani dann etwas mehr. Er setzte Herrmann mit ein paar Kopfhaken unter Druck, um ihn dann mit einem Leberhaken zu Boden zu schicken. Herrmann stellte sich noch mal dem Kampf, musste aber nach einer Linken zum Kopf erneut zu Boden. Ein umsichtiger Ringrichter Arnold Golger beendete den ungleichen Kampf. – Es wird langsam Zeit, dass Besar Nimani einen Titelkampf bekommt.
Hiernach stieg Cecilia Braekhus (28 Kämpfe, 28 Siege, 7 durch KO) in den Ring. Sie vereidigte eindrucksvoll ihre Weltmeistertitel der WBC, WBA, IBF, WBO und IBO im Weltergewicht gegen Chris Namus (26 Kämpfe, 21 Siege, 8 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO). Obwohl Namus in der unabhängigen Weltrangliste ganz weit oben steht, hatte sie nicht den Hauch einer Chance gegen Braekhus. Über zehn Runden lang zeigte die amtierende Weltmeisterin ihr, was sie boxerisch alles besser kann. Braekhus zeigte einen sehr guten Jab und gutes und variables Boxen. Namus zeigte Kampfgeist und den Willen zu gewinnen. Immer wieder wurde sie abgekontert. Nur sehr selten konnte sie einen Treffer landen. Cecilia Braekhus war einfach zu überlgen. Die Punktrichter waren sich einig, ihr alle Runden zu geben.
Den Schluss bildete dann das vierte Aufeinandertreffen von Marco Huck und Ola Afolabi (31 Kämpfe, 22 Siege, 11 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 4 Unentschieden). Der übertragende Fernsehsender sprach von einer WM – es ging um den Weltmeistertitel der IBO im Cruisergewicht. Es fielen auch Worte wie „Thron“ besteigen u.s.w. Es muss aber schon gesagt werden, dass die International Boxing Organization im Männerboxen doch ein nur unbedeutender Verband ist. Gleichwohl war der Kampf interessant. Huck war hoch motiviert. Wie am Anfang seiner Karriere schlug er viel auf dem Hinterkopf, zog mit dem Ellenbogen durch, schubste und schlug. Für eines seiner vielen Fouls bekam er sogar vom Ringrichter einen Punktabzug. Den Zuschauern in der Halle gefiel das überhaupt nicht; sie quittierten die Strafe mit Pfiffen und Buhrufen. Huck machte alles in allem das, was seine Zuschauer von ihm sehen wollten. Er kämpfte schmutzig und verprügelte seinen Gegner. Der 31-jährige Afolabi wirkte alt und verbraucht. Hucks Führhand war schneller als seine. Und Huck wollte den Sieg. Zur elften Runde trat Afolabi nicht mehr an.
© Uwe Betker

Ein atomisierter Sport

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Selbst als hart gesottener Boxfan ist es wohl unmöglich alle Weltmeister zu kennen. Im Allgemeinen werden zur Zeit vier Weltverbände anerkannt. Die so genannte Buchstabensuppe, so wird diese Situation im englischen Sprachraum genannt, besteht zurzeit aus WBA (World Boxing Association), WBC (World Boxing Council), WBO (World Boxing Organisation) und IBF (International Boxing Federation). Hinzu kommen IBO (International Boxing Organization), WBF (World Boxing Federation), GBC (Global Boxing Council) und andere. Jeder Titel ist also aufgeteilt in vier Viertel, wenn man die kleineren Verbände außer acht lässt.
Mittlerweile gibt es 17 verschiedene Gewichtsklassen:
1. Strohgewicht/Minimumgewicht/Mini-Fliegengewicht
2. Junior Fliegengewicht
3. Fliegengewicht
4. Super Fliegengewicht/Jr. Bantamgewicht
5. Bantamgewicht
6. Super Bantamgewicht/Jr. Federgewicht
7. Federgewicht
8. Super Federgewicht/Jr. Leichtgewicht
9. Leichtgewicht
10. Super Leichtgewicht/Jr. Weltergewicht
11. Weltergewicht
12. Super Weltergewicht/Jr. Mittelgewicht
13. Mittelgewicht
14. Super Mittelgewicht
15. Halb Schwergewicht
16. Cruisergewicht
17. Schwergewicht

Wenn alle 4 Verbände jeweils einen anderen Weltmeister in ihren 17 Gewichtsklassen haben, sind das insgesamt 68 Weltmeister. Hinzu kommen Interims Weltmeister, Super-Champions und was den Drei-Buchstaben-Organisationen sonst noch einfällt, um Sanktionierungs-Gebühren für WM-Kämpfe zu erheben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand alle aktuellen Titelträger aufzählen kann. Hier liegt m. E. ein Grund für den weltweiten Niedergang des Boxens.
Aller Orten verliert das Boxen immer mehr an Bedeutung. In den USA ist Baseball, Football und Basketball populärer. In Deutschland, Großbritannien, Niederlande und Frankreich ist Fußball die Sportart Nummer eins. Verschiedene andere Sportarten wie Wrestling, Käfigkämpfe, und Mischkampfsportarten wie UFC und K1 werden als Konkurrenz immer stärker.
Es ist wohl davon auszugehen, dass, wenn die so genannten Weltverbände nicht zur Vernunft kommen, Boxen immer weiter an Zuschauern verlieren wird. Die Drei-Buchstaben-Organisationen sind Vereinigungen von Menschen, hauptsächlich Männern, mit dem Ziel, durch Boxen Geld zu verdienen. Jeder, der will, kann einen Weltverband gründen und seine WM-Titel anbieten. Die Geschichte dieser Vereinigungen ist geprägt von Korruption, Manipulation, Regelverletzungen und Skandalen. Hier geht es Geld und nicht um Sport.
Üblicherweise gibt es im Weltsport in den unterschiedlichen Sportarten jeweils nur einen Weltmeister. Das Boxen leistet sich aber gleich vier pro Gewichtsklasse, Tendenz steigend. Das bedeutet doch, dass ein durchschnittlicher Weltmeister ist in der Regel nur ein Viertel-Weltmeister ist. Selbst ein so bekannter Titelträger wie Wladimir Klitschko ist mit seinen zwei WM-Gürteln der IBF und der WBO also nur ein halber Weltmeister. Weshalb Herr Klitschko auch noch den Titel eines IBO-Weltmeisters mit sich herum trägt, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Der IBO-Titel hat nämlich so gut wie keine Bedeutung. Genau das ist der Punkt. Die Titel haben, so denke ich, keine wirkliche Bedeutung mehr. Die Promoter brauchen sie lediglich, um ihre Veranstaltungen einfacher vermarkten zu können. Die Bezeichnung WM-Kampf sagt heute nur bedingt etwas aus über die Qualität. Wie man an dem Super-Six-Turnier unschwer erkennen kann, braucht man nicht unbedingt einen Weltmeistertitel zu haben, um ein weltweites Interesse hervorzurufen, denn offensichtlich gibt es immer noch einen Markt für sehr gute Boxkämpfe. Zu ihnen kommt es aber nur selten, weil viele der wirklich guten Boxer Weltmeister sind und nicht gegeneinander antreten.
Es wäre dem Profiboxen zu wünschen, dass sich die Verbände auf einen Modus einigen könnten, der dazu führt, dass es pro Gewichtsklasse nur noch einen Weltmeister gibt. So kämen dann die Kämpfe zu Stande, die die Menschen auch sehen wollen. Nur so kann das Boxen langfristig auch wieder an Attraktivität gewinnen.
© Uwe Betker