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Die ultimativ subjektive Liste 2014

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Boxer des Jahres
Gennady Golovkin (31 Kämpfe, 31 Siege, 28 durch KO) ist zurzeit der beste Mittelgewichtler der Welt. In allen Pound for pound Listen steht er ganz oben. Warum hat kein deutscher Veranstalter ihn unter Vertrag genommen, nachdem Universum Box-Promotion seine Tore geschlossen hatte?

Boxer des Jahres (ehrenhalber)
Der IBF Cruisergewichtsweltmeister Yoan Pablo Hernandez (30 Kämpfe, 29 Siege, 14 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) hat sich 2014 mehrfach politisch geäußert und gegen den Völkermord an den Jesiden im Nordirak demonstriert. Das ist nicht nur sehr ehrenwert. Normalerweise äußern sich Profiboxer in Deutschland ja nicht politisch, es sei denn, dass sie ihrer Bewunderung für Wladimir Wladimirowitsch Putin Ausdruck verleihen wollen, oder wenn sie darüber sprechen, dass die Bevölkerung in Russland noch nicht reif sei für eine Demokratie. Dies Engagement vom Hernandez bringt ihm den Titel Boxer des Jahres (ehrenhalber) ein.

Boxerin des Jahres
Özlem Sahin (19 Kämpfe, 18 Siege, 6 durch KO, 1 Unentschieden) wurde am 21.06.2014 Weltmeisterin der WIBF, WBF und GBU im Minimumgewicht. Ohne Veranstalter und ohne Manager erreichte sie dies. Seit 2007 boxt sie nun als Profiboxerin unter wechselnden Trainern. Sie ist ohne Zweifel eine der attraktivsten Boxerinnen der Welt.

KO des Jahres
Habe ich verpasst.
Schlechteste Veranstaltung des Jahres
Alle Veranstaltungen von großen Promotern, die das Geld nicht wert waren, das die Fernsehsender und die Zuschauer an den Kassen bezahlt haben.

Rookie des Jahres (männlich)
Manager Rainer Gottwald verkündete lautstark, sein Schützling Vincent Feigenbutz (19 Kämpfe, 18 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) könne jetzt Arthur Abraham schlagen. Nun, das bezweifle ich schon. Aber Feigenbutz hat einen guten Punch, und mit einem Mehr an Technik kann der Karlsruher noch weit kommen. Er ist auch seit kurzem bei Sauerland Event unter Vertrag.

Rookie des Jahres (weiblich)
Die Weltergewichtlerin Ornella Domini (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO) aus der Schweiz hat zwar erst 8 Kämpfe bestritten, ist aber bereits auf Position 6 der unabhängigen Weltrangliste – und das ohne Titelkampf.

Ringrichter des Jahres
Manfred Küchler vom BDB. Bereits am 14.10.2011 hatte er einem Heimboxer, nämlich Alexander Petkovic, eine Niederlage erspart, indem er beherzt eingriff. Am 26.07.2014 wurde er nun noch zum Wiederholungstäter. Er sorgte nämlich dafür, dass Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO), die von Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) ganz regelkonform KO geschlagen worden war, doch ihren WM Titel behalten durfte. Das schaffte er, indem er kurzerhand die Siegerin disqualifizierte.
Ich möchte hier noch mal bemerken, dass es mir persönlich absolut schleierhaft ist, wieso der Bund Deutscher Berufsboxer einen solchen Mann, der offensichtlich das Boxen so sehr hasst, dass er immer wieder versucht, dessen Glaubwürdigkeit zu zerstören, in seinen Reihen duldet. Manfred Küchler vom BDB gebührt eigentlich nicht der Titel Ringrichter des Jahres, sondern wohl eher skandalösester Ringrichter aller Zeiten oder schlechtester Ringrichter aller Zeiten.

Absteiger des Jahres (männlich)
2014 war für Robert Stieglitz (52 Kämpfe, 47 Siege, 27 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) ein Seuchenjahr. Erst verlor er den Rückkampf gegen Arthur Abraham und war damit auch seinen WBO Titel im Super Mittelgewicht los. Und dann erreichte er gegen Felix Sturm nur ein Unentschieden.

Absteiger des Jahres (weiblich)
Elina Tissen (20 Kämpfe, 18 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) bestritt im Oktober 2013 erst einen Kampf ohne sanktionierenden Verband, den sie gewann. 2014 boxte sie nur einmal. Sie gewann auch wieder. Ihre Gegnerin kam mit einem Rekord von 9 Kämpfen, 4 Siegen, 4 Niederlagen und ein Unentschieden in den Kampf. Das war dann auch noch ein WM Kampf im Federgewicht nach Version WIBF und GBU. – Ich werde mich ehrlich bemühen, nie wieder über diese Frau zu schreiben, die sich selber Maschine nennt.

Aufsteiger des Jahres (männlich)
Der Weltergewichtler Robert Tlatlik (16 Kämpfe, 16 Siege, 10 durch KO) schickt sich an, in die europäische Spitze vorzustoßen.

Aufsteiger des Jahres (weiblich)
Nicole Wesner – Leichtgewicht – 9 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, bereits Weltmeisterin der WIBF und WBF, Nummer 8 der unabhängigen Weltrangliste – Was soll ich mehr schreiben?

Aussteiger des Jahres (männlich)
Markus Tomala (11 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen) erklärte mir vor ein paar Monaten, er sei noch im Training und warte auf Kämpfe. Aber ich habe den Verdacht, dass er nie wieder in den Ring steigt. Seinen letzten Kampf bestritt Tomala am 16.12.2012. In ihm zeigte er, was aus ihm hätte werden können. Ich habe dem Düsseldorfer Schwergewichtler locker zugetraut, Deutscher Meister zu werden. Auch eine Europameisterschaft traute ich ihm zu. Man mag mich für einen Träumer halten, aber sogar einen heißen Tanz mit einem der Klitschkos habe ich für möglich gehalten. Schade!

Aussteiger des Jahres (weiblich)
Die Federgewichtlerin Goda Dailydaite (9 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage) boxte 2013 zum letzten Mal. Sie verlor gegen Ina Menzer (31 Kämpfe, 30 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage) in deren Abschiedskampf. Offensichtlich konzentriert sie sich jetzt auf ihr Lehramtsstudium.

Veranstalter des Jahres
Veranstalter des Jahres kann nur sehr schwer ein großer Veranstalter mit TV Vertrag werden. Die Großen bekommen viel Geld für ihre Veranstaltungen, aber häufig wirken ihre Shows billig und die Gegner ihrer Boxer sehen schlecht aus. Offensichtlich verschwindet einfach zu viel Geld in den Taschen der Veranstalter, die dann eben zu wenig Geld für ihre Veranstaltungen ausgeben. Da lobe ich mir die vielen Kleinen, die mit viel Mut, viel Enthusiasmus und Liebe – und wenig Geld – veranstalten.
Drei möchte ich hier stellvertretend für viele andere nennen: Benedikt Poelchau, Patrick Driessen, Timor Khalil und Peter M. Pospichal.
Der Veranstalter Benedikt Poelchau ist erneut Veranstalter des Jahres geworden. Zwar veranstaltet er nur selten, aber wenn, dann richtig gut. Seine Show im Volkshaus in Zürich, am 30.08.2014 war einfach vorbildlich. An Poelchau sollten sich die großen und mit TV-Verträgen ausgestatteten Promoter ein Beispiel nehmen. Noch besser wäre es aber, wenn ein Fernsehsender seine Show übertragen würde.

Veranstaltung des Jahres
Die Veranstaltung im Volkshaus in Zürich am 30.08.2014 von Benedikt Poelchau war so gut, dass einer dieser ewigen Nörglern nur bemängeln konnte, dass bei seiner Show die Nummerngirls zu schnell waren.

Boxevent des Jahres
Diese Kategorie sollte ich eventuell ganz streichen. Wenn es nämlich ein Event, also eine Großveranstaltung, nicht schafft, Veranstaltung des Jahres zu werden, warum sollte man ihr dann noch den Trostpreis „Boxevent des Jahres“ zukommen lassen, nur weil die Veranstalter viel Geld dafür bekommen haben?

Fehlentscheidung des Jahres
Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) hat Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO) absolut regelkonform KO geschlagen. Der Ringrichter Manfred Küchler vom BDB hat seiner Verachtung für den Sport und das Publikum Ausdruck verliehen, indem er Mathis disqualifizierte. Dass die Entscheidung später in ein No Contest umgewandelt wurde, ändert nichts an dem Skandal.

Trainer des Jahres
Fritz Sdunek (geb. am 18. April 1947 in Lüssow – gest. am 22. Dezember 2014 in Hamburg). Der große Fritz ist tot. Wie kein anderer verkörperte er den Trainer, der bei und mit seinen Schützlingen war. Man hatte nie den Eindruck, dass er seine Boxer als Mittel zum Zweck des Geldverdienens sah. Er war vielleicht der beste und ehrlichste deutsche Trainer aller Zeiten.

Entgleisung des Jahres
Die Entgleisung des Jahres ist eigentlich nichts weiter als eine unglaublich ehrliche Reaktion. Als Ulli Wegner auf der Pressekonferenz mitgeteilt wurde, was der ARD Experte Henry Maske über den Sieg von Yoan Pablo Hernandez (30 Kämpfe, 29 Siege, 14 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) über Firat Arslan (44 Kämpfe, 34 Siege, 21 durch KO, 8 Niederlagen, 3 durch KO, 2 Unentschieden) gesagt hatte, war er empört. Wegner polterte: „Dass Henry von einem Fehlurteil spricht, ist eine Schweinerei von ihm. Wer das so sieht, der kann nicht mehr mein Freund sein.“

Boxkampf (männlich) des Jahres
fand nicht in Deutschland statt.

Boxkampf (weiblich) des Jahres
Özlem Sahin (18 Kämpfe, 17 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden) bestritt am 21.06.2014 ihren ersten WM Kampf. Es ging um die WIBF, WBF und GBU Titel im Minimumgewicht. Eindrucksvoll besiegte sie Thuion Thanyathada alias Buangern OnesongchaiGym (18 Kämpfe, 11 Siege, 2 durch KO, 6 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden). Von Runde zu Runde stärker werdend, schickte sie ihre Gegnerin in der sechsten Runde nach einer längeren Kombination zu Boden. Wieder auf den Beinen, deckte Sahin sie weiter mit Schlägen ein, unter denen Thanyathada zusammenbrach und ausgezählt wurde. – Ein großartiger Kampf von eine großartige Weltmeisterin.

Comeback des Jahres (männlich)
Graciano Rocchigiani versucht sein Comeback. Nachdem 2012 bekannt wurde, dass er sein komplettes Vermögen durchgebracht hat und Hartz IV bezieht. Nun betreibt er ein eigenes Box Gym.

Comeback des Jahres (weiblich)
2013 musste Rola El Halabi (15 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage) bei ihrem Comebackkampf, nachdem sie sich von ihren Verletzungen erholt hatte, eine bittere Niederlage einstecken. Damals zeigte sie sich als große und faire Verliererin. Mittlerweile ist sie die Nummer 6 in der unabhängigen Weltrangliste im Junior Weltergewicht und Weltmeisterin der Verbände WIBF, WIBA und UBF.

Bester Show Act des Jahres
Was ist besser als Nummerngirls? – Nummerngirls und Gogo-Tänzerinnen oder Sambatänzerinnen. Auf der Veranstaltung von Patrick Driessen, am 08.11.2014 in Voerendaal bei Heerlen, gab es nicht nur gutes Boxen zu sehen, sondern auch Gogo-Tänzerinnen. Wieso gibt es eigentlich nicht auf allen Profiboxveranstaltungen Gogo-Tänzerinnen?

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (männlich)
Der Mittelgewichtler Istvan Szili (20 Kämpfe, 18 Siege, 7 durch KO, 2 Unentschieden) könnte innerhalb eines halben Jahres Weltmeister werden. Absolut unverständlich warum kein deutscher Veranstalter mit TV-Vertrag den sympathischen, deutsch sprechenden und klasse boxenden Szili unter Vertrag nimmt. Aber vielleicht sind es ja genau diese drei Eigenschaften, die man nicht haben will.

Boxer, der einen WM-Kampf verdient (weiblich)
Melanie Zwecker (6 Kämpfe, 5 Siege, 2 durch KO) ist eine Federgewichtlerin aus Karlsruhe, die sich innerhalb ihrer zwei Jahre als Profi sehr schnell entwickelt hat. In ihrem letzten Kampf wurde sie World Boxing Federation International Champion. Wenn sie sich weiter in dem Tempo entwickelt, traue ich ihr Ende 2015 einen WM Titel zu.

Boxer, der zu Unrecht übersehen wird
Der Berliner Mittelgewichtler Arthur Hermann (15 Kämpfe, 14 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage) wird hier meist übersehen, schlicht weil er in London lebt und trainiert und vor allem in Großbritannien boxt. Hermann ist jedoch ein Mann mit Potential.

Boxkampf, den wir 2015 sehen wollen (männlich)
Schön wäre, wenn der WBA Weltmeister im Halbschwergewicht Jürgen Brähmer (47 Kämpfe, 45 Siege, 33 durch KO, 2 Niederlagen) mal wieder gegen einen halbwegs guten Boxer antreten würde. Zsolt Erdei (35 Kämpfe, 34 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage), der von 2004 bis 2009 Weltmeister der WBO im Halbschwergewicht war, wäre da eine gute Wahl.

Boxkampf, den wir 2014 sehen wollen (weiblich)
Wenn es einen Rückkampf geben muss, dann den zwischen Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO) und Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO).
© Uwe Betker

Written by betker

30. Dezember 2014 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen

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Ein Brief von Miriam Bohn an Ina Menzer

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Die Veranstalterin von Elina Tissen (18 Kämpfe, 16 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) hat vor geraumer Zeit einen offenen Brief an Ina Menzer (31 Kämpfe, 30 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage)) geschrieben. Zuerst war ich irritiert, dann verwirrt und schließlich verzweifelt. Ich war intellektuell einfach überfordert und habe wochenlang gegrübelt. Dann kam mir die Erkenntnis. Der Brief ist ein Gesamtkunstwerk! Nur so kann man ihn angemessen würdigen.
Hier folgt nun dieser literarisch wertvolle, ja wirklich großartige und wunderbare Brief von Frau Bohn, versehen mit einem bescheidenen und dilettantischen Versuch, ihm die ihm gebührende Reverenz zu erweisen.

„Sehr geehrte Frau Menzer,“
– Der Brief fängt höflich an. Das ist schön. –
„wir haben Sie immer als Sportlerin hoch geschätzt und Ihre Leistungen ebenfalls sehr hoch eingestuft.“
– Frau Bohn spricht von sich im Pluralis Majestatis, wie früher die Königinnen und Kaiserinnen. Aber immerhin zeigt sich Frau Bohn in ihrer Funktion als Majestät huldvoll und würdigt die sportliche Leistung von Ina Menzer mit ein paar aufmunternden, warmen Worten. –
„Doch auf das Niveau auf welches Sie sich nun herablassen ist einfach nur beschämend!“
– Hoch gestiegen und tief gefallen. Ihre Majestät entzieht der Boxerin sofort wieder ihre Gunst und watscht sie öffentlich ab. Hat sich Frau Menzer da etwa eine Majestätsbeleidigung zu Schulden kommen lassen. –
„Zunächst haben Sie es bis heute vermieden, gegen Weltmeisterin Elina Tissen anzutreten und gingen lieber den einfachen Weg und verpflichteten Goda Dailydaite für Ihren Abschiedskampf.“
– Das ist also die Majestätsbeleidigung. Frau Menzer hat nicht den Schützling von Frau Bohn für ihren Abschiedskampf gebucht, nämlich Elina Tissen (18 Kämpfe, 16 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen). Das ist ja nun schon wirklich eine Majestätsbeleidigung. Interessant an diesen Ausführungen finde ich aber vor allem, dass hier unterstellt wird, ein Kampf gegen Goda Dailydaite (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO) sei der einfachere. Natürlich ist Frau Bohn davon überzeugt, dass ihre Boxerin, die sich selber Maschine nennt – ich verstehe immer noch nicht, warum ein Mensch sich selber zu einem Ding macht -, die tollste Boxerin der Welt ist. Sie ist schließlich ihre Veranstalterin und muss an so etwas glauben, oder zumindest in der Öffentlichkeit so tun. –
„Waren Sie es nicht, die nach ihrer Niederlage durch Janine Garside, immer und immer wieder davon gesprochen hat, sie wolle sich die verlorenen Welttitel zurückholen!?“
– Absolut zutreffende Feststellung! Ina Menzer pausierte nach ihrer Niederlage gegen Garside mehr als ein Jahr. Danach hatte sie, wie alle Boxer von Universum Box-Promotion nach dem Zusammenbruch ihres Veranstalters, Probleme, Kämpfe zu bekommen.-
„Bis heute haben Sie weder Elina Tissen (WIBF) noch Jelena Mrdienovich (WBC) oder gar Alejandra Marina Oliveras (WBO) herausgefordert, um besagte Titel zurück zu hohlen!“
– Frau Menzer, sie haben nicht Elina Tissen herausgefordert? Das wirft natürlich einen riesigen Schatten auf ihre über neunjährige Karriere! –
„Nun ziehen Sie es vor um den Vacanten WIBA, dem Interim der WBF und den unbekannten „Super Champ“ Titel der WIBF zu kämpfen, für den es allerdings Seitens der WIBF bis heute weder einen Vertrag noch eine offizielle Bestätigung gibt!!!“
– Nun, über den „Vertrag“ und über die „offizielle Bestätigung“ kann ich nichts sagen. Aber die dreifache Wiederholung eines Ausrufezeichens ist ja so poetisch und schön. Hier zeigt sich die Meisterin der Satzzeichen.
Ich liebe es, wenn Menschen drei Ausrufezeichen machen. Zum einen sieht das einfach wirklich schmuck aus. Zum anderen haben sie etwas Drängend, etwas Dringliches. Außerdem merkt dann auch wirklich jeder Idiot, dass das Gesagte wichtig ist. –
„Auch ist bei Boxrec lediglich der „Interims“ Titel der WIBF eingetragen und auch dort wird es diesen Titel, laut Boxrec, nicht geben und somit auch nicht eingetragen!“
– Jetzt hat sie es ihr aber gegeben. Und da ist auch wieder dieses schöne, die Bedeutung des Gesagten unterstreichende Ausrufezeichen – diesmal in der einfachen Variante. –
„Es ist doch sehr offensichtlich, dass Sie hier den Titelträgerinnen Ihrer verlorenen Titel bewusst aus dem Weg gegangen sind, um in Ihrem Abschiedskampf gut auszusehen.“
– Das ist ein brutaler Vorwurf: Eine Boxerin sucht sich für ihren Abschiedskampf ihre Gegnerin selbst aus. Das ist hart. Frau Menzer hat doch tatsächlich Frau Bohn nicht gefragt. Ruft nicht Joachim Löw bei Frau Bohn an und lässt sich bei Abschiedsspielen beraten? –
„Dafür haben wir Verständnis.“
– Da ist er wieder, der hübsche Pluralis Majestatis. Ich liebe es einfach. Und dann noch der Wechsel der Emotionen. Erst dieser eiskalt vorgebrachte Vorwurf und dann das majestätische Verständnis. Dieses Spiel mit den Emotionen – das beherrscht die Autorin einfach grandios. –
„Nicht aber dafür dass Sie, nur um mit 3 Gürteln den Ring zu verlassen, sich als ehemalige Top Boxerin auf so ein Niveau herablassen und Ihren Fans einen solchen Kampf zumuten…“
– Ist es nicht toll, wie bedeutungsschwanger diese drei Punkte den Satz beenden? Das ist ja natürlich auch schon harter Tobak. Hier wird Frau Menzer zu einer „ehemaligen Top Boxerin“ degradiert. Und dann diese Zumutung für ihre Fans. Menzer mutet ihren Fans einen Kampf gegen Dailydaite zu – eben jene Dailydaite, gegen die Tissen, die als Worldchampionesse vermarktet wird, ihre Pflichtverteidigung offenbar nicht machen wollte. Das ist schon eine Zumutung. –
„Eins noch, Felix Sturm ist Inhaber eines Super World Titels gewesen und diesen Titel gab es sicher nur, um dem wahren Weltmeister der WBA aus dem Weg zu gehen, Gennady Golovkin!“
– Da ist schon wieder ein Ausrufezeichen. Aber auch wenn hier das Ausrufezeichen ganz wichtig aussieht, so hinkt doch der Vergleich zwischen Sturm-Golovkin und Menzer-Tissen. Sturm boxt schließlich nicht gegen eben die Pflichtherausforderer, denen Golovkin aus dem Weg geht. Aber natürlich verstehen wir, dass Frau Tissen, wenn sie ihre Pflichtverteidigung auch wohl nicht machen will, dennoch die „wahre“ Weltmeisterin ist. Sie ist halt „Worldchampionesse“. –
„Wir denken, dass Sie verstehen was wir damit ausdrücken wollen…“
– Zum Abschluss gibt es dann noch diesen einfach wunderbaren Satz. Beginnend mit dem schönen „wir“, ist er doch einfach zu schön: „Wir denken, dass Sie verstehen was wir damit ausdrücken wollen…“ Hört man da nicht einen leicht koketten kumpelhaften Unterton? Hat hier vielleicht Frau Bohn sogar mit einem Auge verschwörerisch, wenn nicht gar wissend, gezwinkert. Ich liebe solche Sätze! (So jetzt habe ich auch mal ein Ausrufezeichen gemacht.) Und nicht zu vergessen die drei Punkte. Verweisen diese drei Punkte nicht in die Unendlichkeit? Wird hier nicht auf die Sterblichkeit jeder irdischen Existenz verwiesen? Welch philosophische Tiefe, ausgedrückt durch ein Auslassungszeichen. –

Der Brief ist wahrlich ein Gesamtkunstwerk. Das muss man ganz klar feststellen. Damit dürfte sich Frau Miriam Bohn in die erste Liga der Boxschreiber hineingeschrieben haben: Ernst Hemingway, Norman Mailer, Bud Schulberg, Joyce Carol Oates, Bert Randolph Sugar, Nigel Collins und Abbott Joseph Liebling – macht mal alle Platz, Miriam Bohn kommt!
(C) Uwe Betker

Ein großer Abschied für Ina Menzer

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Am 30.03.2004 konnte wohl kein Zuschauer im Saaltheater Geulen in Aachen ahnen, dass eine der vielen Frauen, die dort boxten, neun Jahre später immer noch in den Ring steigen würde. Für mich jedenfalls war sie nur eine von den Vielen, die Universum Box-Promotion damals als neue Regina Halmich zu verkaufen versuchte. Die Boxerin, von der hier die Rede ist, heißt Ina Menzer. Sie gewann ihr Profidebüt gegen eine gewisse Zsanett Erod, deren einziger Profikampf das war. Ich habe keine Erinnerung mehr an den Kampf. Ihrem Kampfrekord gemäß gewann Menzer seinerzeit durch TKO in Runde 3.
Universum Box-Promotion gibt es inzwischen nicht mehr. Regina Halmich boxt nicht mehr. Und Ina Menzer wurde keine neue Halmich. In der Bedeutungslosigkeit versank sie aber nicht. Sie wurde etwas Eigenständiges, nämlich Ina Menzer (31 Kämpfe, 30 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage). Sie war Weltmeisterin im Federgewicht nach Version WIBF (Women’s International Boxing Federation), WBC (World Boxing Council) und WBO (World Boxing Organization). Sie gewann ihren ersten Titel am 22.10.2005 gegen Silke Weickenmeier, und sie verlor alle ihre Titel am 03.07.2010 an Jeannine Garside.
Nun will Menzer in ihrer Heimatstadt Mönchengladbach zum letzten Mal in den Ring steigen. Dass es sich hierbei sogar um einen Titelkampf handeln soll, ist dabei schon fast nebensächlich. – Es geht um den Interims WM Titel der WBF (World Boxing Federation) und um den WIBA (Womens International Boxing Association) Titel. Was diesen Kampf aber wirklich zu einem besonderen Abschiedskampf macht, das ist die Gegnerin, Goda Dailydaite (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO).
Dailydaite gilt als die kommende Boxerin im Federgewicht. Die amtierende Weltmeisterin der WIBF Elina Tissen (18 Kämpfe, 16 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) scheint vor Dailydaite dagegen wohl Angst zu haben. Wie könnte man es denn sonst erklären, dass die Frau, die sich selber Maschine nennt und die als Worldchampionesse vermarktet, die Pflichtverteidigung ihres Titels nicht macht?
Da ist Ina Menzer aus ganz anderem Holz geschnitzt! Zum Abschluss ihrer Karriere boxt sie noch mal eine der stärksten Boxerinnen der Welt und schenkt ihren Zuschauern damit einen großartigen Kampf.
Es ist schwer zu sagen, wer den Kampf gewinnen wird. Ich persönlich sehe leichte Vorteile bei Menzer – aufgrund ihrer Erfahrung und weil Dailydaite manchmal nicht stabil steht. Gleichzeitig dürften Kraft und Ausdauer aber für Dailydaite sprechen. Deshalb halte ich auch ihren Sieg für möglich.
© Uwe Betker

Gedanken zum Phänomen Elina Tissen

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Elina Tissen ist ein Phänomen. Vermutlich gibt es kaum eine Boxerin, die so viel Ablehnung unter den Boxfans erfährt wie sie. Dabei ist Tissen (17 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) amtierende Weltmeisterin in drei Gewichtsklassen. Sie hat nicht weniger als fünf WM Titel.
Man könnte sich natürlich auch annehmen, die, die an ihr Kritik üben, sind nur neidisch. Aber dieser Ansatz fasst zu kurz. Wieso sollten denn Boxfans neidisch auf eine Boxerin sein? Die 26-jährige Boxerin sieht ja gut aus, wirkt charmant und nett. Sie ist auch Beispiel für eine gelungene Integration. In Orynbor (Orenburg, Russland) geboren, zieht sie mit zwölf nach Warendorf bei Münster. Sie nimmt die deutsche Staatsangehörigkeit an und macht eine Ausbildung zur Erzieherin. Wo ist da ein Grund für die Ablehnung?
Mir persönlich ist Elina Tissen zu zu. Sie ist mir zu aufdringlich, zu großsprecherisch, zu seltsam, zu selbstverliebt und zu laut. Halt zu zu. Beispiele gefällig? Frau Tissen wird von ihrem Management nicht als Weltmeisterin, sondern als „Worldchampionesse“ vermarktet. (Ich hoffe ich habe das Wort richtig geschrieben, denn aussprechen kann ich es nicht.) Dann mag ich ihren Kampfnamen nicht „Elin the Machine“. Wie kann man nur aus einer jungen Dame eine Maschine machen? Dies sind aber nur persönliche Empfindlichkeiten von mir.
Unangenehmer wird es, wenn sie einfach von der WIBF zur Boxerin des Jahres 2010 erklärt wird, ohne überhaupt nur einen WIBF Kampf bestritten zu haben. Oder wenn Frau Tissen mögliche zukünftige Gegnerinnen aus der Halle wirft. So geschehen 2011. Die Herausgeworfene war Goda Dailydait (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO). Oder wenn sie die angesprochene Dailydait einfach nicht boxt, obwohl sie die Pflichtherausfoderin ist. Warum nun Elina Tissen nicht auf einer Veranstaltung Khalil BoxPromotion boxt, ist letztlich nicht ganz klar. Aber es drängt sich der Verdacht auf, das Management von Tissen könnte den Kampf auf keinen Fall gewollt haben.
Nun boxt sie am 01.Juni in Essen gegen Doris Köhler (25 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO, 12 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). Dabei geht es um die WM Titel im Federgewicht von den drei Verbänden GBC (Global Boxing Council), WIBF (Women’s International Boxing Federation) und GBU (Global Boxing Union). So weit so schlecht. Aber noch schlimmer wird diese Kampfansetzung durch die Tatsache, dass Tissen bereits am 24.03.2012 gegen Köhler geboxt und nach Punkten gesiegt hat. Die Punktrichter werteten den Kampf 100:89, 100:89 und 100-91. Von den drei Punktrichtern wertete nur einer eine einzige Runde unentschieden. Alle anderen Rundenwertungen gingen an Tissen. Die Dame aus Wien gewann nicht eine einzige Runde.
Wenn Tissen Köhler jetzt in einem Interview stark redet und über ihre Entwicklung im letzten Jahr spekuliert, dann empfinde ich dies einfach nur als eine Beleidigung der Intelligenz der Boxfans. Frau Köhler verlor nach ihrem Kampf gegen Tissen noch gegen Ina Menzer, am 21.04.2012 und gegen Gaelle Amand, am 29.06.2012. Hiernach erreichte sie gegen eine Dame mit einem Kampfrekord von 3 Siegen, 24 Niederlagen, 2 Unentschieden in 29 Kämpfen immerhin ein Unentschieden. Dann siegte sie sogar noch drei Mal in Folge. Ihre erste Gegnerin gab ihr Profidebüt, die nächste hatte alle ihre drei Kämpfe verloren und die Letzte hatte zwölf Kämpfe in Folge verloren. Der WM Kampf zwischen Tissen und Köhler ist, nach meiner Meinung, einfach nur eine beschämend unwürdige Kampfansetzung.
Trotzdem kann ich nur jedem empfehlen, zu diesem Kampfabend hinzugehen. Die Veranstaltung verspricht wirklich gut zu werden, wenn man einmal absieht von dem letzten Kampf, den man als Ausfeger ansehen kann. Der Veranstalter Granit Shala schickt sich an, dem Profiboxen in Essen neue Impulse zu geben. Im richtigen Hauptkampf ist der Junior Weltergewichtler Bihes Barakat (21 Kämpfe, 18 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) zu sehen und der Barakat Kampf ist mit Sicherheit sehenswert.
© Uwe Betker

Boxen im Revierpark Wischlingen

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Am Freitag, dem 20.04.2012 fand in Dortmund, im Revierpark Wischlingen, eine sehenswerte Boxveranstaltung statt. Dabei begann es nicht sehr verheißungsvoll, aber von Kampf zu Kampf wurden die Boxkämpfe immer besser.
Im ersten Kampf des Abends gaben die Mittelgewichtler Schirwan Hansen und Moustafa Kükener ihr Profidebüt. Die Darbietung der beiden erinnerte mehr an ein leichtes Sparring als an einen Boxkampf. Hansen, der bessere Boxer, boxte nahezu nur mit seiner linken Führhand und benutzte nur sehr selten seine Rechte. Das war sehr gut für Kükener, der häufig falsch rum, d.h. in die Schlaghand rein lief. Am Ende gewann Hansen dann auch nach Punkten, ohne seinem Gegner allzu sehr weh getan zu haben. Höhepunkt des Kampfes waren die Nummerngirls. In der Pause zwischen der dritten und vierten Runde, trat eines zum ersten Mal auf und kündigte die dritte Runde an. Das hatte dann zur Folge, dass nach der vierten Runde, vor der Urteilsverkündung, eine andere nun die vierte Runde ankündigte. Zu Recht bekam sie daraufhin einen größeren Applaus als die anderen Akteure im Ring.
Im zweiten Kampf trafen im Halbschwergewicht Roman Djavoev (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Stefan Albers (3 Kämpfe, 3 Niederlagen, 3 durch KO) aufeinander. Ich hatte den Eindruck, Albers hatte Angst. Er hatte Djavoev Nichts entgegenzusetzen. Ein Wischer schickte ihn dann zu Boden, wo er angezählt wurde. Sein Chefsekundant hatte sich übrigens während dieser Runde bei seinem Helfer nach dem Namen seines Schützlings erkundigt.
In der zweiten Runde schickte eine Rechte zum Kopf Albers erneut zu Boden. Wieder wurde er angezählt. Diesmal aber brach der umsichtig agierende Ringrichter Toni Tiberi aus Luxemburg ab. Die Veranstaltung stand unter der Aufsicht des luxemburger Boxverbandes F.L.B. (Fédération Luxembourgeoise de Boxe).
Der folgende Kampf im Super Mittelgewicht war sehr unterhaltsam. Auch hier wurde ein Boxer, Christian Pawlak (23 Kämpfe, 18 Siege, 10 durch KO, 4 Niederlagen, 1 Unentschieden), aufgebaut. Daher hatte man wohl auch Dominik Ameri (17 Kämpfe, 5 Sieg, 2 durch, KO, 8 Niederlage, 6 durch KO) kommen lassen. Aber der Schützling von Suleyman Dag, der seinem Gegner hoffnungslos unterlegen war, hatte sich offensichtlich vorgenommen, den Kampf zu überstehen. Pawlak wollte den vorzeitigen Sieg und Ameri wollte überleben. Da machte es auch dem Chancenlosen nichts, dass er in der fünften Runde für sein Klammern mit einem Punktabzug bestraft wurde. Und natürlich verlor er dann in der sechsten und letzten Runde seinen Mundschutz. Selbstverständlich dauerte das Säubern und das Wiedereinsetzen ziemlich viel Zeit. Ich gestehe: Ich fieberte mit Ameri mit und ich habe mich königlich amüsiert. Die Verkündigung des Punkturteils war reine Formsache.
Hiernach wurde die Veranstaltung, die von Khalil Box Promotion auf die Beine gestellt worden war, auch sportlich richtig gut und steigerte sich von Kampf zu Kampf. Der als Aufbaugegner engagierte Karim Allous (4 Kämpfe, 1 Sieg, 3 Niederlagen, 1 durch KO) sorgte für eine faustdicke Überraschung. Der Mann, der bis dahin keinen seiner Profikämpfe gewinnen konnte, kam nicht nach Dortmund, um zu verlieren. Er wollte seine Negativserie beenden. Sein Gegner Armand Cullhaj (17 Kämpfe, 11 Siege, 6 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO, 3 Unentschieden) versuchte mit Kraft zum Ziel zu kommen, während sich Allous aufs Boxen verlegte. Cullhaj kam nie richtig in den Kampf, seine Schläge trafen nicht. Sein Gegner entzog sich zumeist erfolgreich seinen Versuchen, ihm den Schlagabtausch aufzuzwingen. Dafür setzte Allous immer wieder schöne Treffer, vor allem mit seiner Linken. Nach vier Runden gab es dann noch eine kleinere Diskussion im Ring, weil der Kampf in der Kampffolge irrtümlich als Sechsrunder angekündigt worden war. Hiernach wurde dann Allous zum Punktsieger erklärt.
Im Schwergewicht maßen sich dann Spas Genov (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) und Serdar Uysal (34 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO, 18 Niederlagen, 14 durch KO, 2 Unentschieden), was eine mutige Ansetzung war. Immerhin stand der 40-jährige Uysal schon mit Christian Hammer, Manuel Charr, Michael Sprott, Robert Helenius und vielen anderen im Ring. Genov musste sich seinen Sieg in dem Sechsrunder hart erarbeiten. Die Rechte, also die Führhand von Uysal, machte ihm Schwierigkeiten. Uysal bekam zum Ende des Kampfes hin Konditionsprobleme. Das war allerdings verständlich, denn er stand drei Wochen vorher bereits im Ring. Letztlich gewann der technisch bessere Boxer, Genov, klar nach Punkten.
In dem letzten Kampf vor der Frauenweltmeisterschaft kämpften im Cruisergewicht Timur Musafarov (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) und Prince Anthony Ikeji (18 Kämpfe, 12 Sieg, 9 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO) gegeneinander. Das Aufeinandertreffen der beiden war eine intensiv geführte Ringschlacht, die hin und her wogte. Der erfahrenere Ikeji dominierte die erste Runde. Aber bereits im zweiten Durchgang wendete sich das Blatt. Er verlor seine boxerische Linie und der Musafarov errang die Oberhand. Wiederum eine Runde später wurde Ikeji wieder stärker. Beide suchten den KO. In den Runden vier, fünf und sechs gab es viele harte Schlagabtäusche. In Durchgang sieben musste Musafarov viel einstecken, konnte dafür aber im achten schön kontern. Es war ein großartiger Kampf, der so verbissen geführt wurde, dass beide Kontrahenten den Schlussgong überhörten. Am Ende gewann Musafarov mit zwei Runden Vorsprung.
Den Hauptkampf des Abend bestritten zwei Frauen: Goda Dailydaite (7 Kämpfe, 7 Siege, 2 durch KO) und Arleta Krausova (8 Kämpfe, 6 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen): Hierbei ging es um die Interims WM der WIBF (Women’s International Boxing Federation) und um den vakanten Titel der WBF (World Boxing Federation) im Federgewicht. Der Kampf der beiden Damen war wirklich ein Hauptkampf. Die unangenehm zu boxende Krausova, die schon Pia Mazelanik und Ramona Kühne das Leben schwer gemacht hatte, wobei sie Mazelanik auch besiegte, forderte der Boxerin aus Essen alles ab.
Dailydaite startete sichtlich nervös. Durch einen Schrittfehler ging sie in der ersten Runde zu Boden, was Ringrichter Daniel van De Wiele zu Recht nicht als Niederschlag wertete. Dailydaite war die bessere Boxerin aber Krausova war die Fighterin, die ihr den Kampf antrug. Auch in der zweiten Runde ging Dailydaite wieder zu Boden. Und wieder wurde es nicht als Niederschlag gewertet. Dabei bin ich persönlich mir allerdings nicht sicher, ob hier nicht doch auch Schlagwirkung im Spiel war.
Ab der dritten Runde kam Dailydaite besser in den Kampf. Immer wenn sie lang boxen konnte, sah sie gut aus. Jedoch verlor sie manchmal beim Schlagabtausch etwas die Übersicht. Bis zum Ende der zehnten Runde wogte der Kampf hin und her, wobei Dailydaite in der Regel immer mehr Hände im Ziel hatte. Am Ende gewann sie verdient nach Punkten. Logisch wäre in der Zukunft ein Kampf gegen die in Deutschland boxende Weltmeisterin bzw. Ex-Weltmeisterin Elina Tissen (16 Kämpfe, 14 Sieg, 6 durch KO, 2 Niederlagen) oder Ina Menzer (30 Kämpfe, 29 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage).
Ich hoffe, dass Khalil Box Promotion noch viele gute Veranstaltungen auf die Beine stellt und dabei weiterhin so viel Mut bei den Kampfansetzungen zeigt.
© Uwe Betker

Taouab Mohamed Hedi ist zurück

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Aufstieg und Niedergang von Universum Box-Promotion unter der Leitung von Klaus-Peter Kohl sind unverbrüchlich verbunden mit dem Namen Taouab Mohamed Hedi. Er war und ist jetzt auch wohl wieder der Matchmaker von Universum. Dariusz Michalczewski setzte ihm ein sprachliches Denkmal, als er auf die Frage eines Journalisten, wer denn der nächste Gegner sei, antwortete: „Irgend ein Kater Carlo.“ Gemeint war Paul Carlo, dessen einziger halbwegs bemerkenswerter Kampf seine KO Niederlage am 20.05.1995 gegen Michalczewski war.
Nun meldet sich Taouab Mohamed Hedi eindrucksvoll mit den Kampfpaarungen für die Universum Show am 28.01.2012 in Hamburg zurück. Der Cruisergewichtler Evgeny Tishchenko gibt sein Profidebüt gegen einen Mann, der von seinen letzten elf Kämpfen keinen einzigen gewinnen konnte. Der Herr heißt Ihor Pylypenko (15 Kämpfe, 3 Siege, 11 Niederlagen, 7 durch KO, 1 Unentschieden). Es handelt sich hier um eine Paarung, wie sie für ein Debüt üblich ist und an der man noch nicht den, nennen wir ihn mal „Hedi Touch“ erkennen kann. Was ich unter dem „Hedi Touch“ verstehe, erkennt man deutlicher, wenn man sich die Kampfansetzung etwas genauer ansieht.
Der ungeschlagenen Schwergewichtler Vladimir Tereshkin (14 Kämpfe, 13 Siege, 7 durch KO, 1 Unentschieden) darf gegen einen Landsmann aus Russland antreten, der immerhin von seinen letzten acht Kämpfen, drei nicht verloren hatte. Die Gegner, die er besiegte, hatten insgesamt vor ihm nur einen einzigen Kampf bestritten. Der Herr heißt Evgeny Orlov (24 Kämpfe, 13 Siege, 8 durch KO, 10 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden).
Im Super Federgewicht bekommt es Vitali Tajbert (23 Kämpfe, 21 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) mit einem Gegner zu tun, Jose Luis Graterol (29 Kämpfe, 14 Siege, 5 durch KO, 10 Niederlagen, 4 durch KO), der auf Position 247 der unabhängigen Weltrangliste ist. Dieser Mann verlor seine beiden letzten Kämpfe und von seinen letzten zehn verlor er sechs. Immerhin gewann er drei und er konnte auch ein Unentschieden erreichen.
Die ungeschlagene Schwergewichtshoffnung Denis Boytsov (29 Kämpfe, 29 Siege, 24 durch KO) bekommt es mit dem alten, genauer, mit dem 37 Jahre alten Haudegen Darnell Wilson (40 Kämpfe, 24 Siege, 20 durch KO, 13 Niederlagen, 2 durch KO, 3 Unentschieden)zu tun. Obwohl Wilson von seinen letzten zehn Kämpfen nur zwei für sich entscheiden konnte, ist diese Kampfansetzung noch vertretbar, und wohl für Hedis Verhältnisse extrem mutig.
Der Halbschwergewichtler Jürgen Brähmer (38 Kämpfe, 36 Siege, 29 durch KO, 2 Niederlagen) steigt auch mal wieder in den Ring. Dort wartet auf ihn ein gewisser Herr Jose Maria Guerrero (32 Kämpfe, 29 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden), der immerhin 2003 gegen Mario Veit nach Punkten verloren hatte.
Ruslan Chagaev (30 Kämpfe, 27 Siege, 17 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) wird nach seinem verlorenen WM Kampf gegen Alexander Povetkin (27.08.2011) vorsichtig wieder aufgebaut. Kertson Manswell (25 Kämpfe, 22 Siege, 17 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) hat einen Kampfrekord, der sich nett anhört, aber seine Niederlagen kassierte er immer gegen zweitklassige Schwergewichtler.
Auch Ina Menzer (28 Kämpfe, 27 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage), die ehemalige Weltmeisterin im Federgewicht, wird sehr vorsichtig wieder aufgebaut. Ihr Gegenüber: Milena Koleva (7 Kämpfe, 3 Siege, 3 Niederlagen, 1 Unentschieden), eine Dame aus Bulgarien, die keines ihrer letzten vier Gefechte für sich entscheiden konnte.
Der ungeschlagenen Federgewichtler Marcel Meyerdiercks (20 Kämpfe, 20 Siege, 5 durch KO) darf seine Kräfte mit Roberto Santos de Jesus (17 Kämpfe, 13 Siege, 9 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO) messen. Der Herr aus Brasilien gewann sogar seine beiden letzten Kämpfe. Zuletzt besiegte er einen Debütanten und davor wurde er brasilianischer Meister. Santos de Jesus konnte hier seine ganze Klasse zeigen und durch KO in Runde eins siegen. Sein Gegner hatte vorher fünfmal in Folge kurzrundig verloren.
Im Cruisergewicht trifft Firat Arslan (37 Kämpfe, 31 Siege, 20 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) auf Orlando Antonio Farias (33 Kämpfe, 23 Siege, 12 durch KO, 10 Niederlage, 6 durch KO). In derselben Gewichtsklasse kämpfen Rakhim Chakhkiev (11 Kämpfe, 11 Sieg, 9 durch KO) und Alexander Kotlobay (24 Kämpfe. 21 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) gegeneinander. Das Aufeinandertreffen der Nummer 29 der unabhängigen Weltrangliste und der Nummer 46, bzw. der Nummer 26 und der Nummer 92, lässt ein wenig den „Hedi Touch“ vermissen.
Dafür darf dann Rafael Bejaran (14 Kämpfe, 13 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage) im Mittelgewicht um den Europameistertitel der WBO boxen. Sein Gegner Daniel Urbanski (31 Kämpfe, 21 Siege, 5 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO, 3 Unentschieden) kommt aus Europa, was schon einmal nicht immer bei diesem Titel vorkommt. Er hat auch seinen letzten Kampf gewonnen, was auch für seine Qualität spricht.
Taouab Mohamed Hedi meldet sich mit diesen Kampfpaarungen der Universum Box-Promotion Veranstaltung eindrucksvoll wieder zurück.
© Uwe Betker

Die letzten Zwölf (1)

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In dem einst sehr großen und etwas unübersichtlichen Boxstall in Hamburg haben sich die Reihen gelichtet. Heute sind, laut Internetauftritt, nur noch zwölf Boxer und Boxerinnen bei Universum Box-Promotion unter Vertrag. Diese sind: Marcel Meyerdiercks, Ina Menzer, Marcos René Maidan, Sebastian Zbik, Gennady Golovkin, Karoly Balzsay, Jürgen Brähmer, Rachim Tschachkijew, Juan Carlos Gomez, Alexander Dimitrenko, Ruslan Chagaev und Denis Boytsov.
Der ungeschlagen Federgewichtler Marcel Meyerdiercks (19 Kämpfe, 19 Siege, 5 durch KO) hat ein doppeltes Problem. Er boxt in einer zu leichten Gewichtsklasse und er hat zu wenig Punch, um für das aufs Schwergewicht fixierte Fernsehen attraktiv zu sein. Er ist auf der Position 103 in der unabhängigen Rangliste. Dementsprechend braucht der 23-jährige noch Zeit und auch noch Kämpfe, um ganz oben angreifen zu können . Die Frage ist, ob Klaus-Peter Kohl ihm diese Kämpfe noch besorgen kann.
Ebenfalls im Federgewicht startet die letzte noch bei Universum verbliebene Frau, Ina Menzer. Menzer (27 Kämpfe, 26 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage) boxt jetzt schon seit fast einem Jahr nicht mehr. In ihrem letzten Kampf am 03.07.2010 gegen Jeannine Garside unterlag sie klar nach Punkten und verlor ihre WIBF, WBC und WBO Titel. Was aus ihr wird, ist fraglich. Menzer war schon vorher bei einigen Punktentscheidungen mit einem blauen Auge davon gekommen und die Bereitschaft der Zuschauer, solche Punktrichterentscheidungen zu akzeptieren, scheint auch zu sinken.
Der Junior Weltergewichtler Marcos Rene Maidan (32 Kämpfe, 30 Siege, 27 durch KO, 2 Niederlagen) spielt für das Boxen in Deutschland keine Rolle. Der Argentinier boxte zwar 6-mal in Deutschland, aber eigentlich ist er jemand, der überall boxt. Zweimal schon versuchte er Weltmeister zu werden und beide Male unterlag er. Im ersten Kampf musste er sich am 07.02.2009 Andriy Kotelnik und am 11.12.2010 Amir Khan geschlagen geben. Es würde mich nicht wundern, wenn die derzeitige Nummer 4 in der Welt es doch noch mal schaffen könnte, Weltmeister zu werden. Vermutlich wird dieser Kampf aber nicht in Deutschland stattfinden und kein deutscher Fernsehsender wird ihn zeigen.
Sebastian Zbik (31 Kämpfe, 30 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage) wurde in seinem letzten Kampf gegen Julio Cesar Chavez Jr. am 04.06.2011 richtiggehend beschissen. Punktrichter, die nach meiner Meinung nicht an einen Ring gehören, nahmen ihm den Weltmeistergürtel der WBC im Mittelgewicht ab. Es war ein unwürdiges Schauspiel. Wenn Universum so ein mieses Spiel, so jedenfalls meine Wahrnehmung, selbst auch schon oft hier aufgeführt hat, so ist das noch lange kein Grund, so etwas mit irgendjemand zu machen. Das ist sowieso nicht zu entschuldigen. Die Niederlage offenbarte allerdings auch die eklatante Schlagschwäche von Zbik in einer Gewichtsklasse, in der hart geschlagen wird.
© Uwe Betker