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Acht Kämpfe in Detmold

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Der Sportpark Lippe, ein 3.600 Quadratmeter großes Fitness- und Sportcenter in Detmold, war am 27. Juni 2015 der Ort, an dem zwei Boxer, nämlich Besar Nimani und Christian Pawlak, beweisen wollten, dass sie noch da sind. Beide Boxer hatten überraschend ihren letzten Kampf verloren. Nimani unterlag in seinem letzten Kampf am 11.04.2015 Frank Haroche Horta durch TKO in Runde 4 und Pawlak am 17.04.2014 Yesilat Berkta durch TKO in Runde 1.
Insgesamt gab es am Abend des 27.06. acht Kämpfe zu sehen und es waren 50 Runden angesetzt.
Den ersten Kampf bestritten Dzhengis Osmanov (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 3 durch KO) und Selim Sarialioglu (9 Kämpfe, 8 Niederlagen, 7 durch KO, 1 Sieg, 1 durch KO) im Super Mittelgewicht. Der auf vier Runden angesetzte Fight war kurz und knackig. Beide Kontrahenten haben vorher noch keinen Kampf für sich entscheiden können. Osmanov begann überlegen. Er punktete mit der Führhand und kam mit der Rechten durch. Er war der bessere Boxer. Dann traf ihn aus dem Nichts ein rechter Schwinger am Kinn – er ging zu Boden und wurde ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 1 nach 1:01 Minuten: Selim Sarialioglu.
Es folgte das Aufeinandertreffen von Armand Cullhaj (26 Kämpfe, 18 Siege, 12 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO, 3 Unentschieden) und Zoran Sekularac (22 Kämpfe, 16 Siege, 12 durch KO, 6 Niederlagen, 4 durch KO) im Super Mittelgewicht. Der bereits 56 Jahre alte Sekularac ging unbeirrt nach vorne. Cullhaj ging rückwärts und konterte. Immer wieder kam er mit Haken zu Kopf und Körper durch. Sekularac schien bereits in der ersten Runde mehrfach von Treffern erschüttert. Er nahm definitiv mehr an Treffern als seiner Gesundheit zuträglich ist. Ende der zweiten Runde ging er nach einem rechten Kopfhaken zu Boden, erreichte aber noch die Rundenpause. In der dritten Runde nahm er eine Kombination nach der anderen. Irgendwann öffnete sich ein Cut über seinem rechten Auge, der dann zum Abbruch führte. Sieger durch TKO in Runde 3 nach 1: 46 Minuten: Armand Cullhaj.
Ebenfalls im Super Mittelgewicht kämpften Besmir Plaku und Emir Atra, die beide ihr Debüt gaben, gegeneinander. Atra beherrschte die Ringmitte und zeigte gutes Boxen. Plaku versuchte es mit Lässigkeit, mit hängender Deckung und mit Auslagenwechsel. Meist boxte er in der Rechtsauslage. Immerhin schaffte er es zum Ende der ersten Runde, seinen Gegner in eine heftige Keilerei zu verwickeln. Ab dem zweiten Durchgang hatte Atra den Kampf vollends im Griff. Er traf schön mit Linken zum Körper. Plaku musste immer mehr Treffer nehmen. In der folgenden Runde brach Plaku zusehends auseinander. Er nahm Schlag um Schlag. In seiner Ecke wurde heftig darüber gestritten, ob der Kampf abgebrochen werden sollte. Der Trainer setzte sich durch und Plaku kassierte weitere harte Treffer. Auch in der vierten und letzten Runde ging es dann so weiter, bis der endlich Ringrichter vom Bund Deutscher Faustkämpfer, Christian Rösen, ein Einsehen hatte und den Kampf stoppte. Sieger durch TKO in Runde 4, nach 2:13 Minuten: Emir Atra.
Im Super Mittelgewicht boxte auch Christian Pawlak (31 Kämpfe, 22 Siege, 13 durch KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) gegen Fadil Pasalic (6 Kämpfe, 1 Sieg, 5 Niederlagen, 2 durch KO). Pawlak hatte offensichtlich Probleme mit der Rechtsauslage von Pasalic. Der Kampf war jedenfalls enger als zu erwarten war. Mit zunehmender Kampfdauer wurde er auch immer verbissener, härter, schneller und schmutziger geführt. Es war ein regelrechter Krieg, den die beiden da ausfochten. Schlagabtäusche, Keilereien, Klammern, schmutzige Tricks … – das ganze Repertoire war zu sehen. In der vierten Runde bekam Pasalic dann massive Konditionsprobleme. Ein rechter Haken zum Kopf zwang ihn zu Boden, wo er ausgezählt wurde. Sieger durch KO in Runde 4 nach 1:52 Minuten: Christian Pawlak.
Der ungeschlagene Cruisergewichtler Erzen Rrustemi (9 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO) traf auf Ata Dogan (42 Kämpfe, 14 Siege, 5 durch KO, 27 Niederlagen, 6 durch KO, 1 Unentschieden). Dogan ist ein Boxer, der andere schlecht aussehen lässt. So auch diesmal. Sechs Runden lang schenkten sich die beiden Kontrahenten nichts. Rrustemi sah immer gut aus, wenn er mit es schaffte, lang zu boxen. Schön war seine linke Gerade gefolgt von einem linken Cross, seine besten Schlagkombination. Dogan hatte seine Momente wenn er es schaffte, verschanzt hinter seiner Doppeldeckung in die Halbdistanz oder in den Infight zu kommen. Da wirkte Rrustemi manchmal ein wenig hilflos. Wenn Dogan auch noch das Tempo erhöhte, konnte er die Runden für sich entscheiden. Gleichwohl gewann der klar bessere Boxer, u.z. nach Punkten. Ich persönlich hatte Rrustemi mit zwei Runden vorne. Die Punktrichter werteten 59:55, 57:58 und 59:55. Sieger durch Mehrheitsentscheidung: Erzen Rrustemi.
Ebenfalls im Cruisergewicht maßen der ungeschlagene Sefer Seferi (20 Kämpfe, 20 Siege, 18 durch KO) und Radenko Kovac (9 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 7 Niederlagen, 7 durch KO) ihre Kräfte. Der zwei Jahre jüngere Bruder von Nuri Seferi machte kurzen Prozess. Von der ersten Sekunde an lag ein KO in der Luft. Bereits mit seiner ersten Aktion, einer Links-Rechts-Kombination zum Kopf, kam er durch. Zwar gab es noch einen Schlagabtausch, aber dann fällte er Kovac mit einem brutalen Leberhaken. Kovac klappte buchstäblich in der Luft zusammen und wurde zusammengekrümmt auf den Boden liegend ausgezählt. Das Handtuch, das spät geflogen kam, konnte das Auszählen nicht verhindern. Sieger durch KO in Runde 1 nach 1:45 Minuten: Sefer Seferi.
Auch der folgende Kampf fand im Cruisergewicht statt. Rashid Raad (7 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen) und Drazan Janjanin (9 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlage) boxten um die Internationale Deutsche Meisterschaft nach Version BDF. Um es vorweg zu sagen, der Kampf war richtig gut. Zehn Runden lang boxten und kämpften beide gegeneinander. Die ersten Runden gingen für mich an Janjanin. Die Schläge von Raad, der einen Reichweitenvorteil hatte, prallten von einer guten Deckung ab. In der Halbdistanz kam Janjanin dann ein ums andere Mal mit Körper- und Kopftreffern durch. Ab der fünften Runde gehörte der Kampf dann aber Raad. Raads Führhand bestimmte den Verlauf. Sie hielt seinen Gegner die meiste Zeit auf Distanz und leitetete die eigenen Aktionen ein. Die letzten zwei Runden waren dann noch einmal hart umkämpft. Am Ende stand ein einstimmiger, wenn auch nach meinen Geschmack zu hoher, Punktsieg (99:92, 100:92 und 99:94) für Rashid Raad.
Den Hauptkampf des Abends bestritt Besar Nimani (20 Kämpfe, 19 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO). In dem auf acht Runden angesetzten Kampf im Halbmittelgewicht traf er auf Peter Orlik (21 Kämpfe 10 Siege, 2 durch KO, 10 Niederlagen, 5 durch KO, 1 Unentschieden). Der Kampf war zu Ende, noch bevor er eigentlich angefangen hatte. Nach kurzem Abtasten kam Nimani mit einer brutal harten Link-Rechts-Kombination zum Körper durch, die Orlik fällte. Der versuchte zwar noch hochzukommen, aber wackelnd wurde er ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 1, nach 1:54 Minuten: Besar Nimani.
Die Veranstaltung von Berat Nimani, dem Bruder von Besar, hat mir gut gefallen. Es gab gutes Boxen zu sehen und die geschätzt 300 bis 400 Zuschauer wurden gut unterhalten. Nimani und Pawlak konnten ihre Kämpfe gewinnen, wobei man dies aber auch nicht überbewerten sollte. Der Letztgenannte konnte mich nicht restlos überzeugen. Eigentlich kann man sich der Forderung von Nimani nach einen Kampf gegen Jack Culcay (31 Kämpfe, 20 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage) nur anschließen. Warum trauen er und sein Management von Sauerland Event sich eigentlich nicht, gegen Nimani anzutreten? Wenn Culcay denn tatsächlich so gut sein sollte, wie es uns die Presseabteilung von Sauerland glauben lassen will, dürfte ein solcher Kampf doch eine relativ leichte Übung für ihn sein.
© Uwe Betker

Ein Sonntagnachmittagskaffe und Boxkämpfe

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Ein Sonntagnachmittag Boxing Industry Gym in Essen Horst 12:30 Uhr Einlass, 13:30 Anfang. Die richtige Zeit für einen Kaffee und für Profiboxen. Innen: ein flacher Ring, ein paar Stühle, ein Tisch für die Offiziellen, ein winzige Theke für Einlass und Kaffee und zwei kleine Sofas für die VIPs. Leider kam ich zu spät, daher verpasste ich den ersten Kampf. Der auf sechs Runden angesetzte Kampf im Halbschwergewicht, alle anderen Kämpfe waren auf vier Runden angesetzt, dauerte nur 28 Sekunden. In ihm trafen Benjamin Transfeld (4 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage) auf Pierre Kerstan (5 Kämpfe, 5 Niederlagen, 4 durch KO). Mir wurde berichtet, dass die beiden sich erste Abtasteten und dann Transfeld mit einem rechten Cross durchkam, der seinen Gegner an die Seile stellte. Hier ließ er ihn nicht mehr weg und deckte ihn mit Schlägen ein, bis das Handtuch geworfen wurde, Der zweite Kampf, der im Super Weltergewicht stattfand ging über die volle Distanz und war hart umkämpft. In ihm trafen zwei Debütanten gegeneinander an, Dominik Tietz und Dejan „Elvis“ Pavlovic. Tietz zeigte ein gute linke Führhand und ein nicht schlechte Deckung. Immer wenn er grade zum Kopf boxte, sah er gut aus. Pavlovic hatte seine Momente in der Halbdistanz und im Infight. Hier wirkte sein Gegner gehemmt. Hier kam er gut mit Körperhaken und mit zunehmender Dauer des Kampfes auch mit Kopfhaken durch. Gleichzeitig klassierte er immer härtere Treffer. Von Runde zu Runde wurde der Kampf härter und verbissener geführt. Es war ein sehr guter Kampf für das Aufeinandertreffen von zwei Debütanten. Am Ende stand ein verdienter Punktsieg für Tietz (39:37) Hiernach folgte das Aufeinandertreffen von Pierre David Wagner (5 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) und Mike Käßmann (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO) im Weltergewicht. Wagner schickte seinen Gegenüber bereits am Anfang der ersten Runde mit einem linken Körperhaken zu Boden. Von diesem Niederschlag erholte sich Käßmann nicht mehr. Er war ein geschlagener Mann mit einer offensichtlichen Rippenprellung. Er versuchte zwar noch den Rundengong zu erreichen, aber Wagner deckte ihn mit Schlägen ein. Und immer wieder trafen welche auch seine empfindliche Stelle. Nach 1:25 Minuten warf die Ecke von Käßmann das Handtuch. TKO in Runde 1. Hiernach stiegen Sergej Vib (7 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) und Sandro Lütke Bordewick (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 Niederlage) in den Ring um ihre Kräfte zu messen. Die Begegnung fand im Super Federgewicht statt. Anfang der ersten Runde deckt Vib mit Schlagkombinationen ein. Bordewick verschanzt sich hinter seiner Doppeldeckung und wartet ab. Dann kommt dieser und macht Druck und geht ein extrem hohes Tempo. Er punktet, aber Ende der Runde ringt er hörbar schwer nach Luft. Ab der zweiten Runde hat der unorthodox boxende Vib den Kampf weitgehend im Griff. Immer wieder kommt er mit seinen gefährlichen Kopfhaken durch, die in der dritten und vierten Runde Bordewick erschüttern. Am Ende muss dieser dann auch zu Boden, aber der Gong rettet ihn. Am Ende steht ein sehr eindeutiger Punktsieg (40:35) von Vib, der am 24.04.2015 im Freudenreich Professional Boxing Gym in Düsseldorf gegen Sebastian Tlatlik (7 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO) um die Internationale Deutsche Meisterschaft im Super Federgewicht nach Version GAB boxen wird. Am Ende stand der Schwergewichtskampf zwischen Kevin Still (6 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) und Ahmad Merhi (2 Kämpfe, 2 Niederlagen). Der Kampf war schlecht und verdient keine Worte. Punktsieger Still (40:36) © Uwe Betker

Die 2. Dürener Fight Night

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Die Birkesdorfer Festhalle in Düren war am 21.02.2015 Austragungsort für die 2. Dürener Fight Night, eine kleine aber feine Veranstaltung von Khalil Boxpromotion. Im Vorprogramm gab es 11 Kämpfe zu sehen, 8 nach K1-Regeln und 3 nach Box-Regeln. Hinzu kamen noch: eine Tanzeinlage von drei jungen Damen und eine Gesangseinlage der stimmgewaltigen, erst 16 Jahre alten Isabelle Schmitz.
Vier Profikämpfe waren im Boxen zu sehen, drei über vier Runden und der Hauptkampf, eine Internationale Deutsche Meisterschaft nach Version GBA. Die Veranstaltung diente zudem noch einem guten Zweck: Es wurde Geld für „Sports For Afghan Kids“ gesammelt, ein Projekt vom Jama Saidi, das der Unterstützung von Kindern in Afghanistan im Bereich Sport/Boxen und Schule gewidmet ist. Die Hilfen erfolgen auf finanzieller wie auf Sachmittel-Ebene.
Den ersten der vier Profikämpfen dieses Abends bestritten Maramcheel Mohammed (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 3 durch KO) und Mirko Sikora, der sein Profidebüt gab, im Leichtgewicht. Mohammed war von Anfang chancenlos. Bereits nach der ersten Aktion war er im Rückwärtsgang. Schon bald wurde er in seiner eigenen Ecke gestellt und ging nach Körpertreffern zu Boden; er wurde ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 1 nach 1:10 Minuten Mirko Sikora.
Im folgenden Kampf trafen im Schwergewicht Renato Blitz (4 Kämpfe, 4 Siege, 1 durch KO) und Gürkan Basak (2 Kämpfe, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) in einem Vierrunder aufeinander. Dieser Kampf entwickelte sich zu einer guten und spannenden Begegnung. Blitz, der Größere von beiden, nutzte seinen Reichweitenvorteil gut und punktete mit seiner Führhand. Basak schob sich, verschanzt hinter seiner Doppeldeckung, an seinen Gegner heran und versuchte im Infight mit Kopftreffern zum Erfolg zu kommen. Blitz war boxerisch überlegen, konnte aber mit seinen Schlägen den massigen Basak nicht beeindrucken, was er auch merkte. Basak suchte bis zum Schluss seine Chance. Immer wenn Blitz lang boxte, punktete er. In der Halb- und der Nahdistanz hatte Basak durchaus seine Momente. Am Ende des sehr intensiv geführten Gefechts stand ein hart erkämpfter Punktsieg für Blitz.
Im dritten Profikampf des Abends maßen Tiran Mkrtschjan, genannt Tiran Metz, (15 Kämpfe, 10 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 4 Unentschieden) und Vadim Firidunov (3 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 1 Niederlage) im Supermittelgewicht ihre Kräfte. Dieser Kampf wurde mein persönlicher Aufreger des Abends. Metz begann schnell. Er setzte seinen Gegner von Anfang an unter Druck. Jedoch hatte auch Firidunov seine Momente. Im Lauf des Kampfes schien es, als hätte Metz leichte Schwierigkeiten mit der Rechtsauslage seines Gegners. Ende der zweiten Runde musste er mehrere Treffer nehmen, als er aus der Balance war. Der dritte Durchgang wurde hart und verbissen geführt. Bis zum Ende der dritten Runde sah es nach einem knappen Arbeitssieg für Metz aus.
Dann begann die vierte und letzte Runde. Metz zog sich gleich in einer der ersten Szenen einen Cut in der rechten Braue zu – so weit so schlecht, aber nicht ungewöhnlich. Der Ringrichter Kazim Kurnaz schickte Metz daraufhin in seine Ecke. Dort behandelte erst sein Trainer die Verletzung, sodann wurde der Arzt hinzugezogen. Dieser behandelte Metz dann regelwidrig. Nach einer sehr-sehr langen Behandlungszeit ging der Kampf schließlich weiter. Jetzt erst zeigte der Ringrichter an, dass er einen absichtlichen Kopfstoß gesehen hatte, der dann zum Cut geführt hatte. Ich habe einen solchen absichtlichen Kopfstoß allerdings nicht gesehen, was aber noch nichts heißt. Bei einem Aufeinandertreffen von Normal- und Rechtsauslegern kommt es schon häufiger mal zu schmerzhaften Zusammenstößen mit den Köpfen.
Der Kampf wurde hiernach hart und hektisch. Kurze Zeit später war der Cut dann auch wieder offen. Nach einer Aktion in der neutralen Ecke drehte sich Metz ab und teilte dem Ringrichter mit, ihm flösse Blut ins Auge. Anstatt den Kampf nun mit einem TKO zu beenden, schickte Kurnaz Metz wieder in seine Ecke, wo erneut, gegen alle Regeln, der Arzt die Wunde versorgte. Metz nahm mit einem Pflaster über dem Cut den Kampf wieder auf, was wohl ein Novum gewesen sein dürfte und mit Sicherheit nicht regelkonform war. Irgendwann flog das Pflaster dann durch den Ring und der Kampf war zu Ende. An diesem Ende stand dann ein Punktsieg für Metz, den es so sicherlich nicht hätte geben dürfen.
Den Hauptkampf des Abends bestritten Jama Saidi (8 Kämpfe, 8 Siege, 4 durch KO) und Ziso Poulitsa (7 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden). Um es gleich vorweg zu sagen, diese Internationale Deutsche Meisterschaft im Mittelgewicht nach Version GBA war wahrhaft ein tolles Gefecht. Saidi zeigte tolle Reflexe, schöne Meidbewegungen und schnelle und explosive Angriffe. Mehrfach bekam er Szenenapplaus für sein Heraustanzen aus Angriffen von Poulitsa. Poulitsa hatte dem boxerisch nicht viel entgegenzusetzen, aber er wurde in den zehn Runden nie müde, seine Chance trotzdem zu suchen. Am Ende einer sehr unterhaltsamen Begegnung stand ein Punktsieg für Jama Saidi. Die Punktrichter werteten 100:92, 100:90 und 100:91.

Timor Khalil hat wieder mal eine gute und unterhaltsame Veranstaltung abgeliefert. Auch die inakzeptable Schiedsrichterleistung und das Fehlen von Nummerngirls ändert insgesamt nichts daran. Bemerkenswert war vor allem, dass er in seinem Vorprogramm beim Matchmaking ein relativ hohes Risiko eingegangen ist, was die Kämpfe aber attraktiv machte. Man kann sich schon auf die 3. Dürener Fight Night freuen, die hoffentlich bald kommt.
© Uwe Betker

Christina Hammer, Manfred Küchler und das Boxen in Deutschland

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Eigentlich sollte der Kampf zwischen Christina Hammer (18 Kämpfe, 17 Siege, 8 durch KO) und Anne Sophie Mathis (31 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) ein Höhepunkt in der Karriere von Hammer werden. Es wurde auch ein Höhepunkt, aber anders als geplant. Geplant war, dass Hammer, die bereits WBO und WBF Weltmeisterin im Mittelgewicht ist, im Hauptkampf, den sie in der Anhalt Arena in Dessau bestritt, nun auch Weltmeisterin im Junior Mittelgewicht der beiden Verbände werden sollte. Der World Boxing Organization Titel war dabei vakant, und der World Boxing Federation Titel wurde von Anne Sophie Mathis gehalten.
Mathis als Gegnerin schien eine gute Wahl. Sie kommt aus dem Junior Weltergewicht, wo sie Europameisterin und WBA Weltmeisterin war. Dann stieg sie auf ins Weltergewicht wo sie WBF, WIBF und WIBA Weltmeisterin wurde. In dieser Gewichtsklasse schlug sie auch die große Holly Holm (02.12.2011). Im Rückkampf (15.05.2012) unterlag sie. Diese Niederlage qualifizierte sie dann allerdings dazu, vier Monate später, gegen Cecilia Braekhus (22.09.2012) antreten zu dürfen. Auch in diesem Kampf unterlag sie. Mehr als ein halbes Jahr später (06.06.2013) boxte sie gegen Yajaira Hernandez und wurde wieder Weltmeisterin, diesmal im Junior Mittelgewicht nach Version WBO. Hernandez hatte bis dahin viermal um einen WM Title gekämpft und viermal verloren, auch gegen Christina Hammer (07.09.2012).
Anne Sophie Mathis als Gegnerin für Christina Hammer zu holen, war eine kluge Entscheidung von SES Boxing. Sie ist bereits 37 Jahre alt und hat, so könnte man meinen, ihre beste Zeit als Boxerin schon hinter sich. Zwei ihrer drei letzten Kämpfe hat sie verloren, und ihren letzten gewann sie gegen eine relativ schwache Gegnerin. Die über einjährige Pause sollte ihr eigentlich auch nicht gut getan haben. Aber der Kampf entwickelte sich anders als erwartet und geplant.
Mathis begann aggressiv. Sie agierte von der Ringmitte aus. Hammer kreiste um sie herum und arbeitete mit ihrer Führhand. Sie versuchte den Infight durch Klammern zu unterbinden. Einmal klemmte sie die Führhand der Titelverteidigerin ein und ließ sich mit der Rechten gegen den Kopf schlagen, bis der Ringrichter Manfred Küchler „Break“ rief. Schon hier reagierte Küchler falsch und an der Realität im Ring vorbei, denn anstatt Hammer für ihr Einklemmen der Faust zu verwarnen, maßregelte er die Französin für Halten und gleichzeitiges Schlagen. Im Nachhinein, wo jeder klüger ist, kann man feststellen, dass sich der KO von Hammer schon hier andeutete. Der Rest der Runde ging klar an Hammer, was dann zum Gewinn dieser Runde gereicht haben müsste.
In der zweiten Runde erhöhte Mathis den Druck und versuchte Hammer den Infight oder den Kampf in der Halbdistanz aufzuzwingen. Hammer ihrerseits versuchte dies durch Klammern und Halten zu unterbinden. Obwohl Hammer die bessere Boxerin ist, ging die Runde wohl an Mathis. Die folgende Runde ging dann vermutlich wieder an Hammer. Aber auch hier hielt sie die Linke von Mathis fest und ließ sich so lange von ihr mit der Rechten schlagen, bis Küchler mit einem „Stopp!“ die Aktion unterbrach. Der nachfolgende Durchgang wurde noch härter geführt. Hammer schaffte es nicht, sich mit ihrer Führhand ihre Gegnerin vom Hals zu halten. Trotz Klammerns und Haltens wurde sie immer wieder in einen Schlagabtausch gezwungen. Gleichwohl dürfte diese sehr enge Runde an sie gegangen sein.
Die mittlerweile berühmte fünfte Runde begann mit einem Angriff von Mathis, der Hammer nach hinten in die Seile zurückweichen ließ. Hammer konnte ihre Gegnerin zwar wegdrücken, aber Mathis griff weiter an. Und wieder klemmte Hammer die Führhand von Mathis ein und wie schon zweimal zuvor schlug Mathis, vollkommen regelkonform, mit ihrer freien Rechten so lange zu, bis der Ringrichter „Stopp!“ rief. Fünfmal traf die Rechte von Mathis die linke Schläfe von Hammer, die schließlich zu Boden sank. Ein guter und unparteiischer Ringrichter wäre nun hingegangen, hätte Hammer ausgezählt und dafür gesorgt, dass die Betreuer sich schnell um die KO- Gegangene kümmern könnten. – Nicht aber BDB Ringrichter Manfred Küchler. Vielmehr folgte die große Manfred Küchler Show.
Kaum war Hammer zu Boden gegangen, signalisierte er mit seinen Händen: Kein Niederschlag, ein Ausrutscher. Dann gab er Hammer Zeichen, sie solle wieder aufstehen. Sodann versuchte er, ihr aufzuhelfen. Hammer schaffte es aber nicht hochzukommen, es gelang ihr gerade mal, eine sitzende Position einzunehmen. Nun rief Küchler „Time“, um die Uhr anzuhalten. Dann ging er etwas im Ring spazieren, um wieder zu Christina Hammer zu gehen und sie noch mal aufzufordern aufzustehen. Als sie es versuchte, ging sie wieder zu Boden. Nun zeigte Küchler an, Hammer sei durch einen Schlag auf den Hinterkopf gefällt worden. Es kamen dann auch Betreuer von Hammer in den Ring, um ihrem schwer angeschlagenen und noch wankenden Schützling beizustehen. Als Hammers Trainer, Dimitri Kirnos, sich darüber beschwerte, seine Boxerin sei durch einen Ellenbogenschlag niedergestreckt worden, schien Küchler diese Auffassung auch gleich zu übernehmen. Jedenfalls zeigte er einem Punktrichter einen Ellenbogenschlag an. Küchler disqualifizierte Mathis.
Um es noch deutlicher zu sagen: Anne Sophie Mathis hat Christina Hammer absolut regelkonform KO geschlagen. Selbst wenn ein Schlag von fünf nicht die Schläfe, sondern den Hinterkopf getroffen haben sollte, ist dies noch kein Grund, sie zu disqualifizieren. Schließlich war es Hammer, die gefoult hatte, indem sie die Faust ihrer Gegnerin einklemmte. Nun könnte man argumentieren, der arme Manfred Küchler sei etwas überfordert gewesen, hätte einfach ein wenig den Überblick verloren und daher so konfus reagiert. Seltsam an Küchlers Agieren war nur, dass er das Naheliegende, nämlich Hammer auszuzählen, nicht machte. Es sah vielmehr so aus, als wollte er alles nur Erdenkliche tun, um Hammer nicht verlieren zu lassen. Zwar könnte man versuchen, das Handeln von Küchler zu rechtfertigen durch Stress, Überforderung, Unterzuckerung oder irgendetwas anderes. Tatsache ist jedoch, dass Küchler ein Wiederholungstäter ist.
Bereits am 14.10.2011 versuchte er, einem Heimboxer eine Niederalge zu ersparen. Damals boxten im Schwergewicht Alexander Petkovic und Cisse Salif gegeneinander. Es ging in dem Kampf um den vakanten WBA International Titel. Petkovic wirkte unmotiviert und untrainiert. Das wäre nun aber noch kein Problem gewesen, denn Salif ist am Ende seiner Karriere wohl nicht in den Ring gestiegen, um zu gewinnen. In den ersten drei Runden machte er dann auch wenig. In der vierten Runde jedoch kam er mit einer rechten Grade zum Kopf durch und Petkovic ging schwer zu Boden. Küchler zählte ihn an. Wenig später ging Petkovic wieder runter und wurde wieder von Küchler angezählt. Salif nahm nun Tempo raus, schlug ein paar halbherzige Jabs und vermied es, die Rechte einzusetzen. So schaffte es Petkovic eineinhalb Minuten zu überstehen.
In der folgenden Runde konnte man dann eine Manfred Küchler Show bewundern. Den ersten Körperhaken nahm Küchler zum Anlass für einen Punktabzug wegen Tiefschlags. Diesen Tiefschlag hat aber nur er gesehen, wenn er ihn denn sah. Aber wie heißt es: The show must go on. Ein kurzer linker Haken zum Kopf fällte wenige Sekunden später Petkovic erneut. Küchler fing nicht an zu zählen. Er ließ sich Zeit. Er gab Petkovic viel Zeit, um dann Salif erneut wegen Tiefschlagens einen Punkt abzuziehen. – Muss man noch erwähnen, dass es keinen Tiefschlag gab? Aber es wurde noch absurder. Wieder wenige Sekunden später zwangen ein linker und ein rechter Haken zum Kinn Petkovic erneut zu Boden. Küchler zählte wieder nicht, sondern gab dem angeschlagenen Boxer Zeit sich zu erholen. Und dann ermahnte er auch noch Salif – wofür auch immer! Er drohte ihm sogar mit Disqualifikation. Das muss man sich schon auf der Zunge zergehen lassen: Der Ringrichter Manfred Küchler ermahnt einen Boxer und sagt ihm, er werde ihn disqualifizieren, wenn er seinen Gegner noch mal durch einen oder mehrere Schläge zum Kopf niederschlägt!
Anfang der sechsten Runde ging Petkovic dann auch tatsächlich wieder zu Boden, nachdem er eine Links-Rechts-Kombination zum Kopf nehmen musste. Küchler zählte ihn – man muss schon sagen, überraschenderweise – sogar an. Wenige Sekunden später musste Petkovic nach einem linken Körperhaken und einem rechten Kopfhaken aufs Knie runter. Er stand auf und ging in seine Ecke, um sich zu beschweren, was normalerweise als Aufgabe zu werten gewesen wäre. Aber es stand ja Manfred Küchler im Ring und der disqualifizierte Salif für wiederholtes – imaginäres – Tiefschlagen.
Nachdem Manfred Küchler also schon im Oktober 2011 eine der skandalösesten Ringrichterleistungen aller Zeiten gezeigt hatte, tat er sich also am 26. Juli 2014 erneut hervor. Küchler hat dem Ansehen des Boxens in Deutschland massiven Schaden zugefügt. Vermutlich hat er das nicht gewollt. Er wollte sicher nicht als der wohl schlechteste deutsche Ringrichter dastehen – und die Konkurrenz in Deutschland ist da schon hart. Er wollte wohl nur dem Veranstalter zu Diensten sein und dem Heimboxer/der Heimboxerin zum Sieg verhelfen. Er wollte vermutlich das Boxen in Deutschland beschützen – vermutlich. Mit Sicherheit aber will er weiter zu Veranstaltungen eingeladen werden, ein Wochenende in einem guten Hotel, in einer schönen Stadt verbringen und dabei noch Geld verdienen. Aber gerade das zerstört eben die Glaubwürdigkeit des Profiboxens. Ringrichter wie Manfred Küchler schaden dem deutschen Boxsport.
An dieser Stelle müssen sich nun auch Veranstalter und TV Sender die Frage gefallen lassen, weshalb sie Ring- und Punktrichter akzeptieren bzw. einladen, die in dieser Form Boxer oder Boxerinnen um ihren Sieg gebracht haben. Ehrlicherweise sollte man das Kind nun auch beim Namen nennen: Es ist davon auszugehen, dass es Punkt- und Ringrichter gibt, die korrupt sind und die betrügen. Mir sagte mal ein Punktrichter im Vertrauen: „Ich will auf Veranstaltungen eingeladen werden. Deswegen punkte ich so.“ Es gibt Veranstalter, die die Chuzpe haben zu behaupten, sie könnten nichts für die Punkt- und Ringrichter, weil die ja vom Verband kommen. Ich kann hierin nur den Versuch erkennen, die Öffentlichkeit anzulügen. Natürlich kann ein Veranstalter Punkt- und Ringrichter ablehnen. Aber warum tauchen dann denn immer wieder dieselben Offiziellen, die für ihre Heimurteile bekannt sind, an den Ringen auf. Jeder Veranstalter, der einen Ring- oder Punktrichter wie Manfred Küchler akzeptiert – und Küchler steht für mehrere Andere – setzt sich dem Verdacht aus, dass er im Notfall lieber eine „Küchler Show“ haben will, als seinen Boxer oder seine Boxerin vielleicht verlieren zu sehen.

Zurück zu Christina Hammer. Auch nach dem Kampf zeigte sie kein sehr souveränes Verhalten. Offensichtlich fühlte sie sich als Siegerin. Auch als sich die Empörung der Boxfans weltweit immer lauter Luft machte, blieb sie bei ihrer Sichtweise. Sie schrieb auf ihrer Facebookseite:

Liebe Fans und liebe Boxsportfreunde,
Nachdem ich mir die Situation im Kampf vom Samstag nochmals auf Video ansehen konnte und mich etwas erholt habe, möchte ich gerne folgendes Statement abgeben.
Ich habe mich hart auf diesen Kampf vorbereitet und habe mich sehr darauf gefreut. Anne Sophie Mathis ist eine sehr erfahrene Boxerin und sie war am Samstag ebenfalls sehr fit. Jedoch erwischte ich den besseren Start und konnte in den ersten vier Runden meine Gegnerin beherrschen. Ich traf oft und deutlich, so dass ich in den ersten vier Runden auf allen drei Punktzetteln mit 40:36 vorne lag.
In der fünften Runde kam es zur Disqualifikation der Gegnerin und das nicht ganz ohne Grund. Mit ihrer rechten Hand hatte sie mir mehrmals zwischen Ohr und Hinterkopf getroffen, wobei der letzte Schlag direkt auf den Hinterkopf war. Ich möchte hier betonen, das ist Profiboxen, kein MMA.
Ich bin Boxerin, aus voller Überzeugung und mit echtem Herzblut. Ich trainiere hart, unerbittlich und ich gehe in den Ring um alles zu geben und dies habe ich auch hier getan.
Ich bin kein Promotor, kein Manager, kein Ringrichter und kein Offizieller. Ich habe das Urteil bei meinem Kampf nicht getroffen. Ich kann verstehen, dass manche Fans aufgebracht sind und unzufrieden mit dem Ausgang des Kampfes sind. Jedoch freue ich mich gleichfalls, wenn man hier fair bleibt und nicht mir das Urteil vorwirft. Denn damit habe ich nichts zu tun und trage auch nicht die Verantwortung. Hätte der Ringrichter dies nicht gesehen, dann wäre ich die Leidtragende gewesen, er hätte die Hand meiner Gegnerin zum Sieg gehoben. Fehlurteile passieren leider in jeder Sportart, aber die Disqualifikation von Mathis war definitiv kein eindeutiges Fehlurteil.
Ich habe den Kampf gegen Mathis natürlich nicht so gewonnen, wie ich ihn gewinnen wollte, aber ich habe den Kampf mit Sicherheit nicht verloren. Disqualifikation kommt im Profiboxen nicht oft vor, aber auch dies gehört zu den möglichen Urteilen in unserem Sport und nach meinen bislang 17 eindrucksvoll gewonnen Profikämpfen, bin ich ein Teil eines derartigen Kampfes geworden. Das Urteil habe ich jedoch nicht zu verantworten!
Bereits im Ring habe ich meiner Gegnerin einen Rückkampf von meiner Seite aus versprochen und hoffe sehr, dass es dazu kommt. Ich möchte nochmals gegen Anne Sophie boxen und der Boxwelt zeigen, dass ich sie eindeutig besiegen kann. Für die Planung und die Ansetzung neuer Kämpfe ist mein Promotor von SES Ulf Steinforth zuständig und ihm vertraue ich hier zu 100%. Ich verstecke mich vor keiner Gegnerin und kenne keine Angst im Ring – vor nichts und niemanden.
Was kann ein Sportler mehr machen, als sich zu stellen?! Ich bin bereit, jederzeit wieder gegen Mathis zu boxen, egal wo und egal wann und egal in welcher Gewichtsklasse.
Vielen Dank für Euer Verständnis und eure Unterstützung.
Eure Christina Hammer“

Hammer ist bis jetzt von der Öffentlichkeit gut behandelt worden. Die BILD Zeitung war bis jetzt ein loyaler Fan von ihr. Sie ließ sich so schöne Überschriften einfallen wie: „K.o.- Braut: So sexy ist Christina Hammer“ oder „Schöne Christina schlägt in Dessau zu – Hammer-Diät für 3. WM-Gürtel“. Auch veröffentlichte sie Zitate von ihr wie „Ich würde gerne gegen die Klitschkos boxen!“ Da ist es schon verständlich, dass Hammer es nicht gewohnt ist, mit Kritik umzugehen. Ihr offener Brief ist, nach meinen Geschmack, ein wenig zu trotzig geraten. Ein klitzekleines bisschen Selbstkritik hätte ihr gut zu Gesicht gestanden. Sie erwähnt nicht mit einem Wort ihr Einklemmen der Führhand, das ja überhaupt nur zu den Treffern geführt hat, die sie KO gingen ließ. Stattdessen verweist sie auf ihre „bislang 17 eindrucksvoll gewonnen Profikämpfe“.
Christian Hammer ist es offensichtlich nicht gewöhnt, mit Kritik umzugehen. Das ist natürlich auch wirklich nicht einfach. Ob sie sich aber einen Gefallen damit getan hat, alle kritischen oder negativen Äußerungen auf ihrer Facebook Seite zu löschen, das sei noch dahingestellt sein. Mittlerweile ist ihre Seite nicht mehr verfügbar. Auch ihr offizieller Internetauftritt ist das Gegenteil von selbstkritisch. Dort heißt es: „Nach einer ansehnlichen ersten Runde wurde der Kampf in den nächsten Runden vom Klammern, Halten und unsauberen Aktionen geprägt. In der fünften Runde musste Christina Hammer schwer angeschlagen zu Boden, nachdem sie von Mathis gehalten und in dieser Aktion hart auf den Hinterkopf geschlagen wurde. Der Ringrichter beendete den Kampf durch Disqualifikation auch wegen Nachschlagens von Anne Sophie Mathis. Christina Hammer wurde somit die neue WBO-/WBF-Weltmeisterin im Jr. Mittelgewicht.“ – Derjenige, der das geschrieben hat, sollte sich eventuell doch mal ein Video von dem Kampf ansehen. Abgesehen davon erwähnt Hammer auf ihrer Homepage auch nicht, dass sowohl BDB als auch der WBO den Kampf zu einem no contest erklärt haben. Also ist Hammer mitnichten „Weltmeisterin in drei Gewichtsklassen“.
Ich fürchte, Hammer hat immer noch nicht verstanden, dass eine Boxerin von ihren Fans lebt. Wenn aber die Mehrheit der Fans sie einen Kampf nicht gewinnen sieht und sie dennoch weiter offensiv auf ihrem Sieg beharrt, dann hat sie ein Problem. Denn Fans können sich auch abwenden, und Sympathie kann in Antipathie umschlagen. So etwas haben wir ja schon bei Syuzanna, genannt Susianna oder Susi Kentikian (36 Kämpfe, 33 Siege, 17 durch KO, 2 Niederlagen) erlebt. Einst war die selbsternannte „Killer Queen“ ein Liebling der Medien. Anrührende Geschichten wurden über sie geschrieben. Sie machte sogar Werbung für „Milchschnitte“. Heute ist das alles vorbei. Kaum jemand interessiert sich heute noch für die WBA Weltmeisterin im Fliegengewicht. Und das liegt vor allem an den Kämpfen, die in ihren Kampfrekord als gewonnene oder als no contest eingegangen sind, die aber nach Meinung der Fans von ihr klar verloren wurden.
© Uwe Betker

Gute Veranstaltung im Fight Club Wuppertal

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Gute Veranstaltung im Fight Club Wuppertal
Der Fight Club in Wuppertal war am Samstag Schauplatz einer guten Veranstaltung. Im restlos ausverkauften Gym gab es gleich 20 Kämpfe zu sehen, 10 nach K1 Regeln, 8 Boxkämpfe und 2 Profiboxkämpfe. Die K1-Kämpfe waren durch die Bank weg gut – sofern ich das denn beurteilen kann -, genauso wie auch die Boxkämpfe. Mir ist ein junger Boxer namens Navid Hakimzaheh aufgefallen, der in der Gewichtsklasse bis 64 kg boxt. Obwohl noch ein wenig übermotiviert, beeindruckte er mich doch insgesamt. Es würde mich nicht wundern, wenn er bald bei den Profis wieder zu sehen wäre.
Im ersten Profiboxkampf des Abends traf der Lokalmatador Werner Kreiskott (36 Kämpfe, 15 Siege, 9 durch KO, 19 Niederlagen, 8 durch KO, 2 Unentschieden) im Schwergewicht auf den Debütanten Andre Bunga. Kreiskott versuchte sich an Bunga heranzuschieben, um die Distanz zu verkürzen. Bunga hielt ihn sich aber mit seinem Jab gut vom Hals. Immer wieder versuchte Kreiskott, durch Heranschieben oder durch überfallartige Angriffe an Bunga heranzukommen, um ihn in der Halbdistanz oder im Infight mit einem Schlaghagel einzudecken. Dies gelang ihm aber nur sehr selten. An der guten Führhand von Bunga kam er kaum einmal vorbei. Immer wieder musste er auch harte rechte Haken zum Kopf oder Körper nehmen. Beide Boxer zeigten insgesamt einen beherzten Kampf, wobei ich aber besonders Bungas Leistung loben muss.
Nach den angesetzten vier Runden und vor der Urteilsverkündung ergriff Kreiskott das Mikrofon, um sich an sein Publikum zu wenden. Er, der kurzfristig als Überraschungsgast auf seiner eigenen Veranstaltung auftrat, weil ein Hauptkämpfer ausgefallen war, bedankte sich bei den Zuschauern und mahnte zur Fairness gegenüber seinem beherzten Gegner. Er wusste, dass er den Kampf nach Punkten verloren hatte. Leider sah der Punkt- und Ringrichter der GBA, Thomas Hakenberg, das nicht so. Er punktete unverständliche 39:38 für Kreiskott. Diese Punktrichterentscheidung war aber der einzige Wermutstropfen in einer rundum gelungenen Veranstaltung. Der Kultkrieger Werner Kreiskott Wuppertal braucht solche Siege nicht – und auch sein Publikum braucht sie nicht. Als ganz fairer Sportsmann hat er den Rückkampf schon vereinbart.
Den zweiten und letzten Boxkampf der Profis bestritten im Cruisergewicht Marcel Gottschalk (18 Kämpfe, 10 Siege, 8 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) und Markus Schröder (9 Kämpfe, 9 Niederlagen, 4 durch KO). Gottschalk agierte hinter einer kompakten Deckung und überließ Schröder die Ringmitte. Dabei war er sehr effektiv. Mitte der ersten Runde fing er an, vermehrt zum Körper zu schlagen. Am Ende der Runde hatte er Schröder in dessen Ecke gestellt und deckte ihn mit einem Schlaghagel ein. Dabei verletzte sich Schröder den linken Ellenbogen. Schröder konnte zwar noch die Rundenpause erreichen, er trat auch noch einmal an, aber das Ende war besiegelt.
Gottschalk trieb seinen Gegner mit harten Treffern in die Seile und stellte ihn dort. Ein weiterer Schlag auf den Ellenbogen und Schröder gab auf – TKO in Runde 2 nach 1:26min.

Am 05. April soll die nächste Veranstaltung von Werner Kreiskott stattfinden. Ich werde sicher wieder hinfahren, weil es sich lohnt dabei zu sein.
© Uwe Betker

Die junge Garde von SES Boxing in Potsdam

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In der schönen und neuen MSB Arena in Potsdam konnten 3.000 Zuschauer eine Show von SES Boxing sehen, in der einige Boxer antraten, die vermutlich die Zukunft des deutschen Profiboxens verkörpern. Im Publikum war viel Prominenz aus Sport, Musik und Politik. Am Ring saßen unter anderen der Ministerpräsident des Landes Brandenburg Matthias Platzeck und SPD Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier.
Den Anfang machte der Supermittelgewichtler Dario Bredicean, der sein Profidebüt gab. Der aus Fort Myers USA stammende Bredicean hatte dort einige Amateurkämpfe bestritten, bevor er von Axel Schulz entdeckt wurde, der ihn jetzt auch managt. Bevor Bredicean zum Ring ging, wurde eine Videogrußbotschaft von Heino gezeigt, in der er ihm Glück wünschte. Dazu passte auch die Einmarschmusik, ein von Heino gesungenes Lied. Sein Gegner war Vladimir Fecko (62 Kämpfe, 4 Siege, 1 durch KO, 55 Niederlagen, 27 durch Ko, 3 Unentschieden)aus der Tschechischen Republik. Fecko ist seit Jahren ein beliebter Aufbaugegner. In der Vergangenheit stand er u.a. schon mit Alexander Sipos, Alexander Abraham, Dirk Demski und Michel Trabant im Ring und bringt dementsprechend viel Erfahrung mit.
Die Qualität eines Boxers ist nur sehr selten an seinem Profidebüt abzulesen. Entsprechend wenig kann ich auch über den Rechtsausleger Bredicean sagen. Er dominierte den Kampf. Seine Führhand hielt er lässig tief und sein linker Cross war sein bester Schlag. Alle Punktrichter werteten 40:36 für den 19jährigen Bredicean.
Im zweiten Kampf des Abend trafen Nicole Wesner (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Helga Petukov (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 1 durch KO) aufeinander. Die Begegnung fand im Leichtgewicht statt. Es war eine sehr einseitige Angelegenheit. Wesner war sehr viel stärker als die Ungarin. Immer wieder traf sie mit 1-2-Kombinationen. Ende der ersten Runde ging Petukov in ihrer eigenen Ecke zu Boden.
In der darauffolgenden Runde unterbrach der Ringrichter Klaus Griesel die erste Aktion und nahm aus mir unerfindlichen Gründen Petukov aus dem Kampf. Sieger durch TKO in Runde 2 nach 0:21 Minuten Nicole Wesner.
Im nächsten Kampf boxten im Junior Weltergewicht Felix Lamm (6 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage) und Nico Schröder (17 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch Ko, 10 Niederlagen 7 durch KO, 1 Unentschieden)gegeneinander. Schröder ist amtierender deutscher Meister der GBA im Leichtgewicht. Der 23jährige Lamm war allerdings der bessere Boxer. Er hielt seine Fäuste niedrig – das ist wohl im Augenblick Mode – und boxte unspektakulär systematisch. Umso spektakulärer war dann sein kurzer linker Kopfhaken, der seinen Gegner am Ende der zweiten Runde fällte. Sieger durch KO in Runde 2 nach 2:22 Minuten: Felix Lamm.
Im vierten Kampf des Abends boxten im Mittelgewicht Ronny Mittag (20 Kämpfe, 18 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage) und Rabie Ben Lakhbhar Inoubli (15 Kämpfe, 5 Siege, 1 durch KO, 10 Niederlagen, 5 durch KO)gegeneinander. Mittag war überlegen, und er boxte auch überlegen. Er ging schön zum Körper und stellte seinen Gegner immer wieder an den Seilen. Inoubli verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und versuchte mit als Innenhand geschlagenen Schwingern zu punkten. Am Ende feierte er die Tatsache, dass er das Ende der sechsten Runder erreicht hatte, als einen Sieg. Die Punktrichter werteten 60:54, 60:54 und 60:55 für Mittag.
Im nachfolgenden Kampf ging es um die vakante Deutsche Meisterschaft der GBA im Weltergewicht. Hier trafen Mathias Zemski (9 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage) und Stefan Schröder (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO)aufeinander. Am Anfang war der Kampf dieser beiden noch eine muntere Keilerei, die den Zuschauen Spaß machte. Dann wandelte sich das Geschehen immer mehr zu einem ermüdenden Geklammer zweier sehr müder Boxer. Schröder, der Mann mit der größeren Reichweite und dem härteren Puncher, benutzte seine Führhand zu wenig. Zemski, der kleinere Mann und vermutlich bessere Boxer, arbeitete nicht in der Halbdistanz und im Infight. Je länger der Kampf dauerte umso häufiger klammerten sich die beiden aneinander, wenn sie sich nicht gerade zu Boden schubsten, rangen, sich beim Ringrichter beschwerten, sich über die Seile zu werfen versuchten oder was man sonst noch so macht. Es wurde viel ermahnt und die verschiedensten Punkte abgezogen. Am Ende torkelte Schröder nur noch durch den Ring und ging immer wieder vom Schwung seiner Schläge zu Boden. Trotzdem sah die Mehrheit der Punktrichter ihn vorne (92:97, 95:92 und 95:92): In meinen Augen ein groteskes Fehlurteil.
Der folgende Kampf entschädigte, obwohl er nur 2:24 Minuten dauerte, dann aber wieder für den vorangegangenen. Der Supermittelgewichtler Moritz Stahl (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO)setzte seine Sieges- und KO-Serie weiter fort. Sein Gegenüber, der nicht schlechte Aufbaugegner Ratislav Kovac (47 Kämpfe, 26 Siege, 9 durch KO, 20 Niederlagen, 13 durch KO, 1 Unentschieden), hatte nicht den Hauch einer Chance. Strahl, eigentlich Islam Nusaevich Suleymanov, schickte bereits am Anfang der Runde, mit einer schönen Links-Rechts-Kombination, seinen Gegner in dessen Ecke zu Boden. Hiernach jagte er ihn, sehr unaufgeregt durch den Ring. Ein Körpertreffer schickte Ratislav in die Seile, wo er später dann, ohne sichtbare Schlagwirkung zu Boden ging. Der Ringrichter brach den ungleichen Kampf ab.
Der vorletzte Kampf des Abends, zwischen Domenic Bösel (11 Kämpfe, 11 Siege, 4 durch KO) und Harut Sahakyan (7 Kämpfe, 5 Sieg, 2 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden), war wieder ein Titelkampf, u.z. ging es um die Jugendweltmeisterschaft der WBO im Halbschwergewicht. Bösel dominierte den Kampf. Sein technisch sauberes Boxen, sein Reichweitenvorteil und seine gute Führhand drückten dem Kampf seinen Stempel auf. Immer wieder stellte er Sahakyan an den Seilen. Dieser versuchte mit Haken zum Ziel zu kommen. Nach der fünften Runde verflachte der Kampf ein wenig. Bösel spürte, dass er nicht vorzeitig gewinnen konnte und boxte seine Stiefel runter, um seinen ersten Titel zu erringen. Sahakyan seinerseits merkte, dass es nicht sein Abend war und schaltete einen Gang runter. In der zehnten und letzten Runde erhöhte Bösel noch einmal den Druck, aber für einen vorzeitigen Erfolg war es schon zu spät. Sein Punktsieg war sehr deutlich. Die Punktrichter werteten 100:90, 100:90 und 99:91.
Vor dem Hauptkampf des Abends habe ich mich, offen gesagt, gefragt: Wie kann man nur so eine Gegnerin holen? Als Gegnerin von Ramona Kühne (21 Kämpfe, 20 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch Ko), die immerhin amtierende Weltmeisterin der WBO, WBF und WIBF im Super Federgewicht ist, trat die Brasilianerin Halanna Dos Santos (19 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO) an, die Nummer 41 der unabhängigen Weltrangliste. Von ihren letzten 8 Kämpfen verlor sie 4. Ihre 4 Siege errang sie drei gegen Gegnerinnen, die gegen sie ihr Profidebüt gaben. Und einmal trat sie gegen eine Frau an, die vorher nur ein einziges Mal als Profi im Ring gestanden und dann auch noch verloren hatte.
Die Wahl der Gegnerin erwies sich aber erstaunlicherweise als gut. Dos Santos war, wie zu erwarten, technisch limitiert. Mehr als ein wenig Führhand und Schlaghand hatte sie nicht im Repertoire. – Ihre Haken schlug sie immer als Innenhand und holte dabei noch recht weit aus. Dennoch war sie die richtige Gegnerin für Kühne, denn diese bestritt nach einer einjährigen Zwangspause – sie hatte sich das Knie verletzt – ihren ersten Kampf. Kühne war ohne Zweifel Herrin im Ring. Sie gewann auf meinem Punktzettel jede Runde, aber es war ihr ihre Auszeit anzumerken. Es fehlte ihr an Explosivität. Ihr Timing war häufig nicht richtig. Sie stand oft zu nahe oder zu weit links an der Gegnerin. Sie hatte offensichtlich Ringrost angesetzt. Dementsprechend war ihr Erfolg nicht mehr als ein Arbeitssieg. Es war ein ungefährdeter und sehr eindeutiger, aber doch ein Arbeitssieg, der allerdings nach ihrer Verletzung sehr wichtig war. Die Punkrichter werteten 100:90, 100:90 und 99:91.
Mein Fazit der Veranstaltung: Auf Dario Bredicean, Felix Lamm, Moritz Stahl und Domenic Bösel werde in Zukunft achten, denn eventuell gehört ihnen ja die Zukunft.
© Uwe Betker