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„Boxing Cuba“

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Das Stadthaus in Ulm zeigt bis zum 26. Mai 2019 Fotografien von Katharina Alt. Die Ausstellung trägt den Titel „Boxing Cuba“. Die Münchner Fotografin Katharina Alt wurde 1980 in Frankfurt am Main geboren. Schon frühzeitig legte sie den Schwerpunkt ihrer Arbeit fest. Sie interessiert sich für bestimmte gesellschaftliche Gruppen: Sie schloss ihr Studium an der Fachhochschule in München mit einem Bilderzyklus über eine Roma-Siedlung in der Ostslowakei ab. Es folgten soziokulturelle Studien und Porträts. Alt unterhielt für ein halbes Jahr ein kleines Studio in Indien, in dem klassische Porträts in Schwarz-Weiß entstanden.

Yampier Hernández, 2015 © Katharina Alt


Ohne Titel, 2015 Rafael Trejo Gym, Habana Vieja © Katharina Alt


Dayamaivis Ruiz Pérez, 2015 Kid Chocolate Gym, Centro Habana © Katharina Alt


In „Boxing Cuba“ wird eine Auswahl von Fotos gezeigt von Boxern, die Katharina Alt auf Kuba porträtiert hat. Ihre Arbeiten tragen den Namen des jeweiligen Sportlers. Entstanden sind sie spontan und mit einfachen technischen Mitteln. Sie zeigen Individuen: Boxer, boxende Frauen, Kinder, Trainer, Ringrichter und Situationen aus Training und Kampf.

Ohne Titel, 2015 Roberto Balado Gym, La Lisa, Habana © Katharina Alt


Ohne Titel, 2015 San Miguel del Padrón Gym © Katharina Alt


Kuba ist ein Sehnsuchtsort, ein Ort für Projektionen: Ein Ort für Karibikurlauber, Revolutionsromantiker, Freunde von Oldtimern, Rum und Zigarren, Liebhaber des Son und Rumba und – natürlich auch für Boxfans. Denn Boxen gehört zur kubanischen Kultur wie hierzulande der Fußball. Namen wie Eligio Sardiñas Montalvo alias „Kid Chocolate“, Teófilo Stevenson und Félix Savón wecken bei Boxfans Erinnerungen, wie die Namen Cohiba Robusto, Montecristo und Trinidad Coloniales bei Zigarrenrauchern.

Ohne Titel, 2015 San Miguel del Padrón Gym © Katharina Alt


Pedro Orlando Reyes, 2015 Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft 1986 in Reno und Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft 1989 in Moskau © Katharina Alt


Die Fotografin Katharina Alt reiste 2015/16 nach Kuba, um zu dokumentieren, was Boxen dort bedeutet. Aber diese Fotografien haben über das Dokumentarische und Exotische hinaus auch noch eine besondere ästhetische Stärke. Sie zeigen eine Schönheit, die gerade diejenigen, die regelmäßig trainieren, boxen oder zum Boxen gehen, schon mal aus den Augen verlieren. Die Ausstellung „Boxing Cuba“, Fotografien von Katharina Alt, im Stadthaus in Ulm läuft bis zum 26. Mai 2019 und ist sehr sehenswert.
© Uwe Betker

Wette niemals auf einen Kubaner!

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Bevor die zwei hünenhaften ukrainischen Brüder Klitschko das Schwergewicht dominierten, galt die Regel: Never bet on the white guy, also frei übersetzt: Wette niemals auf einen weißen Boxer. Dieses politisch nicht korrekte Zitat spiegelt unter anderem die vergangene Dominanz der afroamerikanischen Boxer im Schwergewicht wider.
Eine solche Zockerweisheit, auch wenn sie nicht so explizit formuliert ist, gibt es auch bezüglich kubanischer Boxer: Wette niemals auf einen Kubaner! Hier drückt sich die Enttäuschung darüber aus, dass kubanische Boxer immer wieder die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllten. Es gibt wohl kein Land auf der Erde, das, gemessen an seiner Einwohnerzahl, so viele gute Boxer hervorgebracht hat wie Kuba. Aber das war eben auch nur im Amateurbereich. Und diese Einschränkung lässt sich sicherlich auch nicht allein als ein Resultat der Diktatur von Fidel Castro erklären.
Kubanische Boxer gelten weithin – und das ist politisch nicht korrekt – als unzuverlässig, lebenslustig, feierfreudig, faul und undiszipliniert. Und das scheint sich auch in der Boxgeschichte zu bestätigen. Die Liste der kubanischen Weltklasseamateure, die es nicht geschafft haben, oder die Erwartungen nicht erfüllen konnten, ist lang. Selbst der legendäre Kid Chocolate, der größte kubanische Boxer aller Zeiten, war nur von 1931 bis 1933 immer mal Weltmeister im Feder-, Super Feder- und Leichtgewicht. Der Beste war, nach heutigen Standards, nur drei Jahre erfolgreich.
Auch dem Klitschko-Herausforderer Odlanier Solis (17 Kämpfe, 17 Siege, 12 durch KO) eilt der Ruf voran trainingsfaul zu sein. Immer wieder stieg er, Hüftgold mit sich herumtragend, in den Ring. Vor dem heutigen Kampf gegen Klitschko stellt sich also erneut die Frage: Wird Solis wiederum das bekannte Vorurteil bestätigen, oder wird er eine der letzten alten Regeln für Wetter auf Boxkämpfe außer Kraft setzen?
© Uwe Betker

Written by betker

19. März 2011 at 23:59