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Geschenke für Susianna Kentikian

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Syuzanna, genannt Susianna Kentikian (27 Kämpfe, 27 Siege, 16 durch KO) ist die Weltmeisterin im Fliegengewicht der Verbände WIBF, WBA und WBO. Sie hat im letzten Jahr neben Training, Boxkämpfen, Werbeaufnahmen und sonstigen öffentlichen Auftritten die Zeit gefunden ein Buch zu schreiben. Worüber ich immer wieder stolpere, ist der Titel: „Mir wird nichts geschenkt!“ Ich möchte ihr hier etwas entgegenhalten, einfach weil ich nicht daran glaube, dass man Erfolg nur aus sich selbst heraus haben kann. Und dieser Titel suggeriert schließlich genau das.
Es wäre vermutlich für jede Boxerin der Welt ein Geschenk, bei dem mächtigsten und einflussreichsten Veranstalter von Frauenboxkämpfen einen Vertrag zu bekommen. Für vermutlich jede Boxerin der Welt wäre es auch ein Geschenk, dann noch von einem Fernsehsender wie Pro7 und von Stefan Raab als Boxerin gezeigt und zur Hauptkämpferin gemacht zu werden, um dadurch zu einer vermutlich doch gut verdienenden Werbeträgerin gemacht zu werden.
Wenn ich auch ihre Leistung durchaus anerkenne, so ist Frau Kentikian, meiner Meinung nach, aber nicht die beste Boxerin und auch die bestaussehende Boxerin in Deutschland. Sie ist zum großen Teil auch ein Produkt des guten Willens von Vielen. Damit will ich nicht sagen, dass sie nicht hart für ihren Erfolg und ihren sozialen Aufstieg gearbeitet hat.
Aber, wie immer Frau Kentikian es selbst sehen mag, Weltmeisterin ist sie heute noch immer, weil die zwei deutschen Punktrichtern des Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) Werner Kasimir und Frank-Michael Maaß ihr den Sieg im Kampf gegen Nadia Raoui (24.04.2010) zuerkannten, obwohl nahezu alle Beobachter sich einig waren, dass sie den Kampf klar verloren hatte. Wenn das kein Geschenk ist?
Sie ist heute immer noch Weltmeisterin, weil ihr gegen Arely Mucino (17.07.2010) ein „No Contest“ zuerkannt wurde, wo andere eine TKO-Niederlage durch Aufgabe bekommen hätten. Auch hier würde ich von einem Geschenk sprechen wollen.
Nun bekommt die selbsternannte „Killer Queen“ es am 26. März 2011 im Universum Gym in Hamburg mit der Mexikanerin Ana Arrazola (27 Kämpfe, 19 Siege, 16 durch KO, 5 Niederlagen, 3 Unentschieden) zu tun. Das ist eigentlich eine gute Wahl. Arrazola ist die Nummer 6 der unabhängigen Weltrangliste. Trotzdem bin ich der Meinung, hier wird der Frau, die von vielen als „Milchschnitte“ bezeichnet wird, eine Gegnerin „geschenkt“. Ich sehe nämlich folgendes Muster: Verliert Frau Kentikian gegen eine Gegnerin, bekommt sie den Sieg doch trotzdem geschenkt. Einen Rückkampf gibt es dann natürlich nicht, denn der wäre zu gefährlich. Stattdessen schenkt man ihr eine neue Gegnerin, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass Frau Kentikian es gegen eine andere Gegnerin besser hinbekommt. Das war bei Nadia Raoui so und später auch bei Arely Mucino. Ich sehe hier ganz viele Geschenke. Wie Frau Kentikian zu der Überzeugung kommt, dass ihr nichts geschenkt würde, verstehe ich persönlich nicht.
© Uwe Betker

Killer Queen oder Milchschnitte?

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Das Gerücht, das schon seit Wochen zu hören ist, hat sich nun bestätigt. Susianna Kentikian (27 Kämpfe, 27 Siege, 16 durch KO), die amtierende Weltmeisterin nach Version WIBF, WBA und WBO im Fliegengewicht, wechselt zu SES Boxing. Sie boxt aber wohl am 26. März 2011 noch einmal in Universum Gym in Hamburg, bevor es dann endgültig aufgegeben wird. Ihr Kampf wird am selben Tag von BILD.de übertragen.
Vielleicht lässt Frau Kentikian damit nun endgültig ihre Vergangenheit hinter sich. Sportlich war das Jahr 2010 ein Desaster. Erst schusterten die zwei deutschen Punktrichter Werner Kasimir und Frank-Michael Maaß der eingebürgerten Armenierin den Sieg im Kampf gegen die deutsche Nadia Raoui (24.04.2010) zu. Dieses Urteil bescherte uns, nach meiner Meinung, eines der übelsten und beschämendsten Fehlurteile der letzten Jahre. Und es beschädigte zum anderen das Frauenboxen in Deutschland massiv.
Dann zeigte sich die „süße“ (BILD Zeitung) Syuzanna von einer ihrer weniger netten Seiten. Was nach der Urteilsverkündung passierte, war fast schon peinlicher als die Punktwertungen von Kasimir und Maaß. Die Werbeträgerin für ein Süßwarenprodukt tat, wohl in absoluter Verkennung der Realität, jegliche Kritik an dem Urteil und an ihrer Leistung als „einseitig“ ab. Wie inzwischen leider schon fast üblich, kam es nicht zu dem versprochenen Rückkampf gegen die Dame aus Herne. Kentikian und ihr Veranstalter Spotlight Boxing bzw. Universum Box-Promotion erklärten lapidar, Raoui hätte eine zu hohe Börse verlangt. Damit war dann das Thema Rückkampf vom Tisch.
Der folgende Kampf beschädigte den Ruf von Frau Kentikian noch weiter. Gegen die weitgehend unbekannte Mexikanerin Arely Mucino boxte sie alles andere als souverän. Sie zog sich eine Cutverletzung im Haar zu, und was dann daraus folgte, wäre bei einem Männerkampf als Aufgabe gewertet worden. Aber sie hatte ein weiteres Mal Glück und der Kampf wurde als „No Contest“ gewertet. Wieder zeigte sie sich anschließend von ihrer nicht ganz so „süßen“ Seite. Sie machte doch allen Ernstes den Vorschlag, ihre beiden letzten Gegnerinnen sollten erst mal gegeneinander boxen, um sich das Recht zu erwerben, ein weiteres Mal gegen sie antreten zu dürfen. Für mich klang das schlicht wie eine Verhöhnung von Nadia Raoui und Arely Mucino.
Nun hat die Boxerin, die in den einschlägigen Foren im Internet gerne als Milchschnitte bezeichnet wird, in Magdeburg bei Ulf Steinforth eine neue sportliche Heimat gefunden. Nachdem sie jetzt durch das Schreiben ihrer Autobiographie „Mir wird nichts geschenkt!“ ihre schwierige Lebensgeschichte aufgearbeitet hat, kann sie jetzt ja daran gehen, ihre sportlichen „Altlasten“ abzuarbeiten. Es ist zu hoffen, dass Sport Events Steinforth die selbsternannte „Killer Queen“ gegen Raoui und Mucino antreten lässt. Frau Kentikian hat da, auch wenn sie selbst das wohl nicht so sieht, einiges wieder gut zu machen. Die Frage, was sie eigentlich ist, Killer Queen oder Milchschnitte, ist zurzeit nämlich noch nicht geklärt.
© Uwe Betker

Kämpfe die nicht stattfinden

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Der TV-lose Veranstalter von Profiboxkämpfen Universum Box-Promotion ist vom Pech verfolgt. Hier eine kleine Chronik: Erst behandelte der Schwergewichts-Europameister Alexander Dimitrenko (31 Kämpfe, 30 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage) eine Durchfallserkrankung nicht. Dann verheimlichte er sie vor seinem Team. Schließlich brach er am 04.12.2010 vor seinem Kampf gegen Albert Sosnowski (50 Kämpfe, 46 Siege, 28 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) in der Kabine in Schwerin zusammen. Danach gab es dann eine Pressekonferenz, in der Dimitrenko erklärte: „Ich wollte einfach nicht als Weichei dastehen.“
Der WBO-Weltmeister im Halbschwergewicht Jürgen Brähmer (38 Kämpfe, 36 Siege, davon 29 durch KO und 2 Niederlagen) wollte lieber seinen eigenen Titel mit dem des WBA-Weltmeister Beibut Shumenov (11 Kämpfe, 10 Siege, davon 6 durch KO und 1 Niederlage) vereinigen als gegen den Ausnahmeboxer und Pflichtherausforderer Nathan Cleverly (21 Kämpfe, 21 Sieg, 10 durch KO) kämpfen. Dafür flog Brähmer, der als „Jahrhunderttalent“ oder auch als „Knastboxer“ bezeichnet wird, nach Kasachstan, wo er am 08.01.2011 boxen sollte. Dort bekam er starken Durchfall mit Erbrechen. Das letzte, das über die PR-Abteilung des Veranstalters zu hören war, ist, dass er sich in der Asklepios Klinik in Hamburg befindet.
Susianna Kentikian (27 Kämpfe, 27 Siege, 16 durch KO), die Weltmeisterin nach Version WIBF, WBA und WBO im Fliegengewicht, sollte am 29. Januar 2011 in Hamburg gegen die Minimumgewichtlerin Teeraporn Pannimit (18 Kämpfe, 13 Siege, 5 durch KO, 3 Niederlagen) antreten. Sie sollte also gegen eine Gegnerin, die zwei Gewichtsklassen unter ihrer boxt, kämpfen – mit den bekannten Vorteilen für Frau Kentikian und den entsprechenden Nachteilen für Pannimit. Dieser Kampf ist wohl auch abgesagt. Jedenfalls ist er aus den einschlägigen Listen verschwunden. Leider hat der hamburger Veranstalter noch nicht mitgeteilt, ob wieder eine Durchfallerkrankung oder ein anderer Grund zu dieser Stornierung führte.
Ein Nachtrag zu Frau Kentikian: Sie fand im letzten Jahr genug Zeit, ein Buch zu schreiben. In ihm berichtet die selbsternannte „Killer Queen“ in ihren eigenen Worten über ihr nunmehr 23-jähriges Leben und ihre Träume. Ihre Autobiographie mit dem viel versprechenden Titel „Mir wird nichts geschenkt!“ erscheint im März 2011.
Wobei, wenn ich ihre Boxkämpfe so Revue passieren lasse …
© Uwe Betker

Trainer und Boxerin des Jahres

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Zum Ende eines jeden Jahres sind alle Sportjournalisten, die im Verband Deutscher Sportjournalisten organisiert sind, aufgerufen, den „Sportler der Jahres“ zu wählen. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Snookerspieler, ein Behindertensportler oder ein Voltigierer nur eine theoretische Chance haben, die Auszeichnung in Empfang zu nehmen.
Der BoxSport, die einzige deutsche Box-Zeitschrift, geht einen anderen Weg. Sie befragt ihre Leser. Dieses Jahr gewann hier in der Kategorie bester Trainer: Ulli Wegner. Oder besser gesagt, er vereinigte die meisten abgegebenen Stimmen auf sich. Aber es gab auch eine „Expertenjury“, die Fritz Sdunek kürte. Daher wurde der Titel geteilt. An dieser Stelle kann man sich natürlich schon fragen, warum denn erst die Leser gefragt werden, wenn die Zeitschrift dann deren Votum doch nicht traut?
Eine interessante andere Titelvergabe erfolgte in der Kategorie „Boxerin des Jahres“. Den ersten Platz erreichte Cecilia Braekhus, ihr folgten Susianna Kentikian und Jessica Balogun. Die gebürtige Kolumbianerin, die für Sauerland Event boxt, „bekam 976 Stimmen und sechs Jury-Punkte“, was immer das auch heißen mag. Um es deutlich zu sagen: 976 Leser (!) waren der Meinung, dass die Norwegerin, die mittlerweile bevorzugt in Dänemark boxt, die Boxerin des Jahres sein soll. Mich persönlich erstaunt diese Wahl allerdings doch ein wenig.
Frau Braekhus (16, Kämpfe, 16 Siege, 4 durch KO) boxte im Jahr 2010 insgesamt dreimal, zweimal in Dänemark und einmal in Deutschland. Wenn ich mich recht entsinne, wurden zwei der drei Kämpfe abschnittsweise als Beimischung von der ARD gezeigt. Sie bestritt ihren ersten Kampf des Jahres 2010 (15.05.2010) gegen Victoria Cisneros (15, Kämpfe, 5 Siege. 1 KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden), also gegen eine Gegnerin mit negativem Kampfrekord. Danach boxte sie (30.10.2010) gegen die ungeschlagene Mikaele Lauren (6 Kämpfe, 6 Siege, 1 durch KO). Aber mit nur sechs Kämpfen ist eine solche Gegnerin eher als Anfängerin in Sachen Profiboxen anzusehen. Über die Unwürdigkeit von Eva Halasi (8 Kämpfe, 6 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlage, 2 durch KO), die Braekhus dann auch standesgemäß in der dritten Rune KO schlug (20.11.2010), habe ich schon mehrfach hier geschrieben. Was also qualifiziert die selbsternannte „First Lady“ nun zur „Boxerin des Jahres“? Ich zumindest kann es nicht sehen.
Die Wahl der Vorjahressiegerin Susianna Kentikian (28 Kämpfe, 27 Siege, 16 durch KO, 1 keine Wertung) auf den zweiten Platz ist, so finde ich, nur noch absurd. Syuzanna Kentikyan, so heißt die in Yerevan, Armenien geboren Dame wirklich, hat 2010 überhaupt nur zweimal geboxt. Das erste Mal wurde sie von Nadia Raoui aus Herne (24.04.2010) vermöbelt. Zwei in meinen Augen unfähige deutsche Punktrichter (Werner Kasimir und Franz-Michael Maaß – die Namen muss man sich merken) sahen aber Frau Kentikian aus Gründen, die, wie ich glaube, viele wissen möchten, als Siegerin.
Die Titelverteidigerin zeigte nach dem Kampf, wie ich finde, eine eklatante Unfähigkeit zur Selbstkritik und zur realistischen Wahrnehmung der eigenen Leistung und der Realität. Ihre Äußerungen verrieten eine maßlose Selbstüberschätzung sowie richtig schlechten Stil. Zu einem Rückkampf kam es nicht, obwohl der Veranstalter Klaus-Peter Kohl nach dem Kampf angekündigt hatte, über einen Rückkampf nachzudenken wolle. Es ist nicht bekannt, ob er heute, mehr als 8 Monate später, immer noch darüber nachdenkt.
Stattdessen kämpfte die selbsternannte „Killer Queen“ gegen eine vermeintlich schwächere Gegnerin, Arely Mucino (17.07.2010). Auch hier sah Frau Kentikian alles andere als gut aus. Sie kam überhaupt nicht in den Kampf. Als sie sich dann eine Cutverletzung im Haaransatz zuzog, der bei einem Männerboxkampf wohl nie zu einem Abbruch geführt hätte, wurde der Kampf zu einem No Contest erklärt. Hierdurch waren ihre WM-Gürtel wieder einmal gerettet. Auch nach diesem Kampf legte sie ein ähnliches Verhalten wie schon nach ihrer Begegnung mit Raoui an den Tag.
Fassen wir das Boxjahr von Frau Kentikian zusammen: Zwei Kämpfe, ein skandalöses Fehlurteil, ein glücklicher Kampfabbruch und Äußerungen der Boxerin, die ihr nicht gerade schmeicheln. Was hat Frau Kentikian auf Platz zwei zu suchen?
Erfreulich ist, dass Jessica Balogun Platz drei erreichte. Balogun (19 Kämpfe, 18 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage) hat bereits einige Gürtel eingesammelt, wenn auch von kleineren Verbänden. Sie ist wohl eine der stärksten Weltergewichtlerinnen der Welt und damit eine direkte Konkurrenz für Cecilia Braekhus. Besonders erfreulich wird ihre Platzierung noch dadurch, dass hinter ihr kein großer Veranstalter steht. Dementsprechend waren ihre Kämpfe aber auch noch nicht im Fernsehen zu sehen, jedenfalls nicht im überregionalen. Ich würde auf jeden Fall die Boxerin von Mario Guedes auf eine höhere Position setzen.
© Uwe Betker

Susianna Kentikians Fähigkeit zur Selbstkritik (2)

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Dann ist aber da noch das Boxen … Susianna Kentikian wurde vorsichtig aufgebaut. Im Januar 2005 gab sie ihr Profi-Debüt. Die Gegnerinnen ihrer ersten 11 Kämpfe hatten zusammen 7 Kämpfe gewonnen, fünf von ihnen standen niemals vorher als Profi im Boxring. Hier etablierte sie ihren aggressiven Kampfstil. Ihr Bestreben, ihre Gegnerin bis zum KO anzugreifen, brachte ihr dann ja auch den Kampfnamen „Killer Queen“ ein.

Im Februar 2007 wurde sie erwartungsgemäß Weltmeisterin im Fliegengewicht nach Version WBA gegen eine Dame namens Carolina Alvarez aus Venezuela. Der Kampf wurde life von ProSieben im Rahmen ihrer „ProSieben Fight Night“ aus der „Fight Night Arena“ in Köln übertragen und bewegte sich auf einem sportlichen Niveau, das noch sehr viel Luft nach oben ließ. Bereits in ihrer zweiten Titelverteidigung hatte sie aber schon sichtlich Schwierigkeiten. Ihr Punktsieg über Nadia Hokmi war sehr schmeichelhaft. Nicht wenige sahen die Französin als Siegerin. Immerhin gab es ein halbes Jahr später einen Rückkampf, den Kentikian verdient gewann. Sieben Kämpfe später hat sie noch die Gürtel von IBF und WBO dazugewonnen.

Dann kam im April dieses Jahres ihr Kampf gegen die deutsche Nadia Raoui. Was hier passierte, spottet einfach nur noch jeder Beschreibung. Diesen Kampf verlor sie klar, jedenfalls nach Meinung der Boxexperten und der meisten Zuschauer. Nur die eingefleischtesten Kentikian-Fans, ihr Veranstalter und zwei Punktrichter sahen sie siegen. Als das Urteil verkündet wurde, musste Sie sich von den Zuschauern in ihrer Heimatstadt auspfeifen lassen. Nach dem Kampf zeigte sie sich dann auch noch als schlechte Verliererin. Kritik an dem Urteil und an ihrer Leistung tat sie als „einseitig“ ab. Zu dem versprochenen Rückkampf gegen die Dame aus Herne kam es dann nicht, weil Raoui angeblich eine zu hohe Börse verlangt hätte. – Hier sei nur kurz angemerkt, dass es Frau Kentikian und ihr Management waren, die darüber befanden, dass die Börsenforderung zu hoch sei.

Stattdessen boxte sie lieber eine weitgehend unbekannte Mexikanerin namens Arely Mucino. Auch gegen diese Gegnerin sah sie alles andere als souverän aus. Eine Cutverletzung im Haar der Titelverteidigerin, der durch einen Zusammenprall der Köpfe entstanden war, beendete den Kampf. Bei einem Männerkampf würde ein solcher Cut vermutlich niemals zu einem Abbruch führen. Das „No Contest“ ermöglichte es Kentikian, die mittlerweile in den einschlägigen Foren im Internet gerne als Milchschnitte tituliert wird, ihre drei Titel zu behalten. Dann machte sie auch noch allen Ernstes den Vorschlag, ihre beiden letzten Gegnerinnen sollten erst mal gegeneinander boxen, um sich das Recht zu erwerben, ein weiteres Mal gegen sie antreten zu dürfen. Sie demonstrierte damit wahrlich ihre Selbstwahrnehmung und stellte ihre Fähigkeit zur Selbstkritik unter Beweis.

© Uwe Betker