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Addition: Ein Debüt + ein Talent + eine kleine Sensation + ein bemerkenswerter Schwergewichtler = ein guter Boxabend

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Trotz Europameisterschaftsviertelfinale im Fußball war der Recover Fight Club in Essen am Freitag, dem 01.07.2016, ausverkauft – und das schon Wochen im Voraus. Dementsprechend wurden dann noch Dutzende möglicher Zuschauer an der Türe abgewiesen. Zu sehen gab es vier Profiboxkämpfe und zwei Amateurboxkämpfe. Um es gleich vorab zu sagen: Es war ein guter Boxabend.
Den Anfang machten im Halbweltergewicht Evgeniy Melzer und Lorans Elyas, die beide ihr Profidebüt gaben. Der Kampf artete über weite Strecken in eine wilde Prügelei aus. Melzer gelangen im letzten Drittel der ersten Runde ein paar gerade Führhände bei seinen sonstigen Schwingern, was auch direkt Wirkung erzielte. Elyas wackelte. Nach diesem Muster ging es dann weiter. Elyas, der es immer wieder tapfer mit Angriffen versuchte, wenn er nicht damit beschäftigt war, sich zu retten, bekam Prügel. Ende der dritten Runde ging er dann zu Boden und wurde von Ringrichter Thomas Hackenberg ausgezählt. Ich glaube, er war mehr vor Erschöpfung zu Boden gegangen. Sieger durch KO in Runde 1, nach 2:44 Minuten: Evgeniy Melzer.
Es folgte ein Kampf im Super Leichtgewicht, der zwar erheblich kürzer, boxerisch aber um Welten besser war. In ihm bekam es Andreas Maier (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO) mit Mohamet John Karemi (3 Kämpfe, 3 Niederlagen, 2 durch KO) zu tun. Kaum war die erste Runde angegongt, kam Maier auch schon aus seiner Ecke und deckte sein Gegenüber mit harten und präzisen Kombinationen ein. Er verteilte gut. Karemi wurde mehrfach hart getroffen und ging zu Boden, wo er ausgezählt wurde. Sieger durch KO in Runde 1, nach 1:25 Minute: Andreas Maier. Der von First Punch Boxpromotion gemanagte Maier ist offensichtlich ein Talent, das es gilt, im Auge zu behalten. Wir dürfen gespannt sein, wie weit der 31-jährige Maier kommen wird
Es folgte der Kampf um die vakante deutsche Meisterschaft im Mittelgewicht nach Version GBA, zwischen Dominik Tietz (8 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) und Rustem Trott (10 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO). Eigentlich hätte dieser Kampf für Tietz, der 18 Jahre ist und damit 27 Jahre jünger als sein Gegner, ein Leichtes sein können. Auch boxerisch waren die Vorteile bei ihm. Gleichwohl fand er nie in den Kampf. Aus einem unerfindlichen Grund boxte er praktisch ohne Führhand. Trott wiederum konzentrierte sich darauf, klare Treffer zu setzen und den Kampf des anderen zu zerstören. Tietz boxte seltsam gehemmt und meist aus der Defensive. Trott wechselte immer wieder die Auslage, womit Tietz nicht zurecht kam. Praktisch immer wenn Trott in die Rechtsauslage wechselte, kam er mit einer rechten Graden zum Kopf durch. So gewann Trott Runde um Runde. Am Ende stand ein einstimmiger Punktsieg für Trott. Die Punkrichter werteten: Kornelius Bernds 96:94, Patryk Wolke 98:92 und Michael Erdinc 98:94. Der 45jähige Rustem Trott ist damit neuer Deutscher Meister im Mittelgewicht nach Version GBA. Das ist schon eine kleine Sensation.
Der Hauptkampf des Abends war der fünfte Profikampf des Essener Schwergewichtlers Patrick Korte (5 Kämpfe, 5 Siege, 5 durch KO). Er traf auf Aldin Avdic (7 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 6 Niederlagen, 6 durch KO). Korte, der von Sebastian Tlatlik trainiert wird, stellte unter Beweis, weshalb er eine der deutschen Schwergewichtshoffungen ist. Er pulverisierte seinen Gegner in kürzester Zeit. Korte hat Schlagkraft und er ist schnell. Dementsprechend stürmt er auf seinen Gegner zu und hämmert ihn nieder. Avdic ging zweimal zu Boden. Beim zweiten Mal kam er nicht mehr hoch und Ringrichter Bernds zählte ihn aus. Sieger durch KO in Runde 1, nach 1:49 Minuten: Patrick Korte – ein Namen, den man sich wohl merken muss.
Die Addition ist simpel: Ein Debüt/eine Keilerei + ein boxerisches Talent + eine kleine Sensation in einem Titelkampf + ein bemerkenswerter Schwergewichtler mit enormem Potential = ein guter Boxabend.
(C) Uwe Betker

Drei Sieger: Rola El Halabi, Lucia Morelli und das Boxen

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Am Samstag, dem 12.01.2013 gab es in Neu-Ulm eine kleine Sensation zu sehen. Erst mal gab Rola El Halabi (12 Kämpfe, 11 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage) ein großartiges Comeback. Sie boxte zum ersten Mal wieder, seit sie Opfer eines Attentats durch ihren Stiefvater wurde. Sie boxte direkt einem Kampf, in dem es um drei Titel ging, den Titel der WIBA ( Women’s International Boxing Association), der GBA (Global Boxing Union) und der WBF (World Boxing Federation) im Leichtgewicht. Und das nach einer 2 ½- jährigen Zwangspause!
Rola El Halabi verlor gegen Lucia Morelli (22 Kämpfe, 18 Siege, 8 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO), die durch eine Mehrheitsentscheidung gewann. Die Punktrichter Bernd Hupfer und Alexander Plumanns werteten 96:95 und 97:93 für sie, wobei Alexander Plumanns Wertung allerdings, jedenfalls nach meinem Geschmack, viel zu hoch war. Der Punktrichter Holger Wiemann wertete Unentschieden, 95:95. Morelli gewann den guten Frauenboxkampf, und sie gewann ihn zu Recht. Das ist nun schon eine kleine Sensation in Deutschland. Mittlerweile kann man hierzulande ja wohl nur noch gegen den Heimboxer gewinnen, wenn man ihn KO haut – zumindest bei den „großen Veranstaltern“.
Allein die Tatsache, dass Morelli der Sieg zugesprochen wurde, ist für mich schon ein Sieg für das Boxen. Morelli und Rola El Halabi haben aber außerdem noch einen richtig guten Kampf gezeigt – schlicht eine klasse Werbung für das Frauenboxen in Deutschland.
Die Veranstaltung hatte also drei Sieger: Lucia Morelli: Sie wurde dreifache Weltmeisterin im Leichtgewicht. Das Boxen: Es gab richtig gutes Frauenboxen, und die Siegerin des Kampfes verließ auch als Siegerin den Ring. Und schließlich Rola El Halabi: Sie hatte ein großartiges Comeback. Auch wenn sie nicht Weltmeisterin wurde, so ist sie doch eine große Boxerin. Sie ist sehr viel mehr Champion, als so mancher Weltmeister, den man so im Fernsehen sieht und der sich nur durch die massive Hilfe von Veranstaltern und Punktrichtern Weltmeister nennen darf.
© Uwe Betker