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Die hohe Hürde bei RTL

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Jeder Veranstalter von Boxveranstaltungen träumt davon einen TV Vertrag mit RTL zu bekommen. Man kann davon ausgehen, dass schon viele Veranstalter wie auch Möchtegernveranstalter bei dem Sender in Köln an die Tür geklopft haben. Aber nur wenige Veranstalter hatten bis jetzt Erfolg, nämlich Sauerland Promotion und Klitschko Management Group. Der Grund dafür ist, dass RTL die Hürde mittlerweile sehr hoch gelegt hat.
Als im Dezember 1992 RTL anfing Boxen zu zeigen, war dies aus der Not geboren. Den Programmverantwortlichen war aufgefallen, dass ihnen attraktiver Sport im Programm fehlte. Die Berichterstattung der Fußball-Bundesliga war gerade Sat 1 zugefallen, und RTL brauchte nun dringend Ersatz. Da es aber nur sehr wenige TV-taugliche Sportarten gibt, kam man schnell aufs Boxen. Boxen gilt als eine Sportart, die angeblich jeder versteht. Andererseits stand Boxen aber im Ruf, dass am Ring Personen sitzen, die nicht werbewirksam sind. Henry Maske, der Boxer mit dem Image eines Gentleman, kam da gerade recht. Bis September 2000 zeigte RTL Sauerland Veranstaltungen. Die Boxer hießen Henry Maske, Markus Beyer, Axel Schulz, Sven Ottke, Torsten May und andere. Sauerland setzte bewusst auf deutsche Boxer. Und es gab auch genug gut ausgebildete Boxer aus der zusammengebrochenen DDR. Nach 8 Jahren war dann, nicht zuletzt auch wegen sinkender Quoten, Schluss und Sauerland wechselte zur ARD.
Sechs Jahre später, 2006, stieg RTL wieder ins Boxen ein, u. z. mit Wladimir und Vitali Klitschko. Die Geschäftsverbindung hält bis heute noch an, weil beide Partner davon profitieren. Folgende Zahlen werden kolportiert: Die Boxer Klitschko bekommen 3 bis 3,5 Millionen Euro pro Kampf vom TV-Partner RTL. Hinzu kommen geschätzte 4 bis 5 Millionen Euro für die Veranstalter Klitschko, denn die Brüder Klitschko vermarkten und veranstalten selber, aus Eintrittsgeldern, vor allem aber aus den anteiligen Erlösen aus dem internationalen Verkauf der Fernsehrechte. Schließlich kommen noch Werbe- und Sponsorengelder hinzu. Insgesamt sollen die Klitschkos bis zu zehn Millionen Euro kassieren.
RTL gibt so viel Geld natürlich nur aus, wenn Radio Télévision Luxembourg auch auf seine Rechnung kommt. Bis zu 15,56 Millionen Zuschauern schalten beim Boxen ein. Das ist ein Marktanteil von 70 Prozent der für die Werbewirtschaft relevanten Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Dabei ist anzumerken, dass diese werberelevante Zielgruppe Mitte der 80er Jahre in Deutschland von Helmut Thoma, Programmdirektor des damaligen winzigen Senders RTL, eingeführt worden ist, um der quotenstärkeren Konkurrenz mit älteren Zuschauern etwa entgegenzusetzen. Heute hecheln alle TV Sender dieser Erfindung von Herrn Thoma, die keinerlei Grundlage in der Realität hatte, hinterher.
Dass ist nun die Hürde von RTL. Der Privatsender zeigt nur Boxen, wenn eine bestimmte Anzahl von Zuschauern garantiert ihren Fernseher einschalten. Es werden zwei Zahlen immer wieder kolportiert: 6.000.000 und 8.000.000. Ein Veranstalter muss glaubhaft machen können, dass sechs oder acht Millionen Zuschauer einschalten werden. Erst dann ist RTL offenbar bereit, Boxen auch zu zeigen. Solche Zahlen bringen aber eben nur die Klitschkos und noch ein Kampf zwischen Arthur Abraham und Robert Stieglitz oder Felix Sturm gegen Abraham oder Stieglitz.
An einem normalen Freitag- oder Samstagabend sind daher eher Sendungen zu sehen wie:
Geheimnisse der Körpersprache – Die Thorsten Havener Show, Familienduell Prominenten
Special und die Wiederholungen von Spielfilmen wie Mr. & Mrs. Smith und Lockout – also
Konfektionsware, die eine einigermaßen gute Quote bringen und außerdem nicht viel kosten. Es ist schon wirklich schade, dass
RTL nicht versucht, einen unattraktiven Sendeplatz zu finden, um dort dann gutes Boxen zu
zeigen. Gutes Boxen muss ja nicht teuer sein. Auch müsste man sich ja nicht an einen
Veranstalter binden. Man müsste nur Boxen zeigen wollen. Persönlich bin ich sogar davon überzeugt, dass
der Sender dabei dann sogar den einen oder anderen Boxer finden würde, der später die 6 oder 8
Millionen Zuschauer an einem Samstagabend an die Bildschirme lockt.
© Uwe Betker

Eine Pressekonferenz mit Vitali Klitschko und Odlanier Solis

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Die WBC-Weltmeisterschaft in Schwergewicht zwischen Vitali Klitschko (43 Kämpfe, 41 Siege, 38 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) und Odlanier Solis (17 Kämpfe, 17 Siege, 12 durch KO) wirft ihren Schatten voraus, und das nicht nur weil Solis sich „La Sombra“, der Schatten, nennt. Am 26.01.2011 fand die erste Pressekonferenz zu diesem Ereignis statt.
Die Klitschko Management Group lud Vertreter der Presse in die Arena in Köln ein – und viele kamen. Ein Teil der Eisfläche war abgedeckt, ein Podium mit ein paar Stühlen und ein paar mehr Stühle für die Medienvertreter aufgebaut worden. Als erstes kam die Gruppe rund um den Herausforderer Odlanier Solis (die Trainer Pedro Luis Diaz und Jose Perez sowie der Veranstalter Ahmet Öner). Dann kam die Gruppe um den Titelverteidiger Vitali Klitschko (der Trainer Fritz Sdunek und der Manager Bernd Bönte). Interessant war, dass die Solis-Gruppe wartete und das Podium erst betrat, als auch die Klitschko-Gruppe eingetroffen war.
Dann folgten die Statements der einzelnen Manager, Trainer und Boxer. Die erste Runde bestritten die Manager. Öner betonte, das Management von Klitschko hätte alles getan, um diesen Kampf zu verhindern. Da gab es zuerst den Versuch, noch eine freiwillige Titelverteidigung durchzusetzen. Dann folgte der Versuch, sich aus dem Kampf herauszukaufen. Bönte konterte, indem er behauptete, steuerliche Probleme von Öner hätten eine frühere Einigung verhindert.
Der Rest der doch sehr ereignisarmen Pressekonferenz ist schnell erzählt. Klitschko versuchte sich über einen großen goldenen Sponge-Bob-Anhänger von Solis lustig zu machen. Solis erklärte, dass er 2011 wie Sponge Bob, wie ein Schwamm, alle Schwergewichtstitel aufsaugen würde.
Das abschließende Stare Down verweigerte Solis. Klitschko war so gezwungen, leicht in die Knie zu gehen, um auf Augenhöhe mit Solis zu kommen. Ein bekannter deutscher Box-Journalist fasste die Pressekonferenz in einem Satz zusammen: A lot of nothing.
© Uwe Betker