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Boxen im Panther Gym in Köln

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Im Panther Gym, von Cemal Gülsen, in Köln wurden am 09. März 2019 gut zwei Dutzend Amateurboxkämpfen, ein K1 Turnier und sechs Profiboxkämpfe, fünf Vierrunder und ein Titelkampf, ausgetragen.
Den Anfang bei den Profis machten Terry Zunke und Mario Obenauer (3 Kämpfe, 3 Niederlagen, 3 durch KO) im Halbschwergewicht. Der Debütant Zunke machte den Kampf über eine schöne schnelle Führhand zum Kopf. Mitte der Runde ging er vermehrt zum Körper. Ende der Runde schickte er mit einem Leberhaken Obenauer zeitverzögert zu Boden. Dieser stellte sich jedoch wieder zum Kampf. Die letzten Sekunden gestalteten sich als ein hektischer Schlagabtausch. In der zweiten Runde versuchte Obenauer, Zunke den Kampf anzutragen. Hierdurch kam es zu mehr Aktionen, bei denen Zunke mehr Hände ins Ziel brachte. Obenauer schien bereits schwer nach Luft zu schnappen. Er nahm einige gute Treffer zu Kopf und Körper. In der dritten Runde wurde er immer wieder an den Seilen gestellt. Zweimal verlor er seinen Mundschutz. Für das zweite Mal wurde er mit einem Punktabzug bestraft. Wenige Sekunden vor der Rundenpause wurde er mit einer rechten Geraden zum Kopf gefällt. In der vierten Runde ging Zunke ruhig und methodisch zu Werk. Er trieb seinen Gegner vor sich her und suchte die Lücke. Obenauer versuchte nur noch zu überleben. Dann wurde er wieder an den Seilen gestellt und beantwortete die Schläge nicht. Der GBA Ringrichter Ruslan Svider nahm ihn aus den Kampf. Sieger durch TKO in Runde 4, nach 2:26 Minuten: Terry Zunke.
Ebenfalls im Halbschwergewicht boxten Mohammed Boulahya (12 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) und Badran Badran. Badran wirkte ein wenig überfordert und Boulahya boxerisch und physisch überlegen. Bereits der erste Körpertreffer ließ Badran einknicken. Dann wurde er in einer neutralen Ecke gestellt und nahm Schlag und Schlag. Ringrichter Svider nahm ihn aus dem Kampf heraus. Sieger durch TKO in Runde 1 nach 41 Sekunden: Mohammed Boulahya.
Pascal Wolter (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Murteza Husein (5 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO) kämpften sodann im Cruisergewicht. Wolter machte Druck. Er versuchte Husein zu überrollen. Schon nach wenigen Sekunden fand sich Wolter am Boden wieder. Ringrichter Izzet Kurnaz wertete dies als Ausrutscher. Später war es dann aber wirklich ein Niederschlag. Wolter stürmte nach vorne, geradewegs in eine Rechte von Husein. Wolter versuchte mit Links-Rechts, Links-Rechts zum Ziel zu kommen. Husein nahm den Kopf runter und ging in den Mann hinein. Anfang der dritten Runde kam Wolter mit einer Rechten zum Körper durch, die Husein zu Boden zwang. Auf dem Boden kniend sah er das Handtuch seiner Ecke vor sich auf den Boden fallen. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 1:45 Minuten: Pascal Wolter.
Die beiden Debütanten Nazar Thiaka und Cihad Akipa kämpften anschließend im Super Mittelgewicht gegeneinander. Akipa ging erstaunlich ruhig ans Werk. Er beherrschte die Ringmitte und machte Druck. Er verteilte gut und kam immer wieder mit harten Treffern durch. Thiaka verließ sich auf seine schnellen Beine. Er ging immer wieder schnell rein und raus und kreiste um seinen Gegner. In der zweiten Runde hatte er seine Momente, wenn er Akipa in den Rückwärtsgang zwang. Akipa hatte aber mehr vom Kampf. In der dritten Runde verlor Akipa ein wenig seine boxerische Linie und Thiaka spielte sein Schnelligkeit aus; er brachte nun auch mehr Hände ins Ziel. In der vierten Runde machte dann Akipa wieder mehr Druck und versuchte, den KO zu erzwingen. Sieger nach Punkten: Cihad Akipa
Im Super Weltergewicht boxten Sergey Wotschel (17 Kämpfe, 12 Siege, 6 durch KO, 4 Niederlagen, 1 Unentschieden) und Robin Schöngarth (5 Kämpfe, 5 Niederlagen, 5 durch KO). Wotschel machte den Kampf. Er machte Druck, trieb seinen Gegner vor sich her, stellte ihn immer wieder an den Seilen und ging schön zum Körper. Dann stellte er Schöngarth in einer neutralen Ecke und holte ihn mit zwei Leberhaken von den Beinen. Sieger durch KO, nach 1:52 Minuten: Sergey Wotschel.
Den Abschluss bildete die WBU Europameisterschaft im Cruisergewicht, die zwischen Fatih Altunkaya (7 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO) und Lars Burry (6 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) ausgeboxt wurde. Altunkaya trieb seinen Gegner vor sich her und deckte ihn ein. Immer wieder kam er mit harten Körpertreffern durch, die Burry sichtlich Schmerzen bereiteten. Burry ging nach mehreren brutalen Körpertreffern in einer neutralen Ecke auf die Knie. Der Ringrichter Kornelius Bernds zählte bis acht. Zur zweiten Runde trat Burry nicht mehr an. Er hatte sich die rechte Hand verletzt. Sieger durch TKO in Runde 2: Fatih Altunkaya.
Das Panther Gym in Köln ist ein guter Ort für Profiboxen. Ich hoffe, hier noch viele unterhaltsame Abende mit Profiboxen geboten zu bekommen.
© Uwe Betker

Vorweihnachtliches Boxen in Moers

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Klaus Waschkewitz stellte kurz vor Weihnachten, am 15.12.2018, im Ennis Sportpark Moers eine schöne Kampfsportveranstaltung auf die Beine. Es gab zwölf Kämpfe zu sehen, vier K1- , zwei Amateur- und sechs Profiboxkämpfe zu sehen.

René Oeffner (15 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage) und Yesilat Berkta (48 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO, 42 Niederlagen, 26 durch KO) machten bei den Profis den Anfang. Der auf sechs Runden angesetzte Kampf im Super Mittelgewicht begann mit technisch schönem Boxen von Oeffner. Mit schön steifer Führhand bestimmte er das Kampfgeschehen. Wenn die Lücke sich zeigte, stieß er mit einer graden Schlaghand hinein. In der zweiten Runde arbeiteten beide viel in der Halb- und Nahdistanz. In der dritten Runde standen sie viel Fuß an Fuß an den Seilen. Mehrfach kam Oeffner mit harten linken Körperhaken durch, die Berkta spürte. In der vierten Runde boxte Oeffner wieder auf Distanz. Immer wieder trafen seine Graden den Kopf von Berkta. Dieser versuchte, mit Schwingern zu punkten, die aber meist ins Leere gingen oder auf die Deckung. In der ersten Hälfte der fünften Runde boxte Oeffner lang und in der zweiten nah. Anfang der sechsten Runde zog GBA Ringrichter Kornelius Bernds Berkta einen Punkt ab für wiederholtes Kniehochziehen. Es wurde ihm dann nochmals ein Punkt abgezogen, wegen mehrfachen Mundschutzausspuckens. Insgesamt wurde diese Runde intensiv geführt; Berkta zeigte vor allem eine unglaubliche Härte sich selbst gegenüber. Einstimmiger Punktsieger (59:53, 60:53 und 59:53): René Oeffner.

Yaser Yüksel (8 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) boxte im Super Weltergewicht gegen Armani Aziz (5 Kämpfe, 5 Niederlagen) Den Sechsrunder begann Yüksel mit einer Demonstration seiner überlegenen Reflexe. Er kreiste zum Teil um seinen Gegner mit hängender Deckung und wich den Schlägen von Aziz scheinbar mühelos aus. In der zweiten Runde erhöhte er den Druck und suchte den Schlagabtausch, was sich dann meist sehr munter gestaltete. In der dritten erhöhte Yüksel das Tempo und kam immer wieder, vor allem mit harten Rechten, zum Kopf durch. In der vierten und fünften Runde versuchte Aziz durch schnellere Beine den Abtausch zu vermeiden, was auch zunächst gelang. Dann kam Yüksel aber wieder stärker zurück; es gab viele harte und schnelle Schlagabtäusche. In der sechsten Runde ging Yüksel auf einen KO aus. Mehrfach stellte er sein Gegenüber an den Seilen und deckte ihn ein. Aziz nahm viele harte Treffer, blieb aber stehen: Punktsieger (59:55,60:54 und 57:58): Yaser Yüksel

Sadettin Keser (7 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) und Aleksander Jankovic (84 Kämpfe, 19 Siege, 13 durch KO, 65 Niederlagen, 45 durch KO) boxten eine auf sechs Runden angesetzte Begegnung im Super Mittelgewicht aus. Keser machte den Kampf. Er boxte an, überbrückte schnell die Distanz und schlug dann mit der Rechten zum Körper, gefolgt von einem rechten Uppercut. In der zweiten Runde stellte er seinen Gegner in einer neutralen Ecke und holte ihn mit mehreren Körpertreffern von den Beinen. Hiernach ging dann Jankovic noch zweimal nach rechten Körperhaken runter. Die Ecke von Jankovic wedelte mit dem Handtuch und Ringrichter Roman Morawiec beendete den Kampf. Sieger durch TKO in Runde 2:21 Minuten: Sadettin Keser.

Es folgte ein Sechsrunder im Schwergewicht zwischen Vincenco Arangio und Emmrulah Kaya (4 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO). Von der ersten Sekunde an lag ein KO in der Luft. Arangio konnte die allererste Aktion entscheiden. Er boxte etwas kontrollierter als Kaya. Dieser war aber der Aggressivere. Beide suchten den Abtausch. Beide boxten wenig an. In der zweiten Runde wogte der Kampf hin und her. Arangio stand an den Seilen, Kaya holte aus und wollte einen Schwinger landen, Arangio wich zur Seite aus und Kaya kam, getragen vom Schwung seines Schlages, mit seinem Oberkörper über die Seile. Beim Umdrehen erwischte ihn ein perfekter und brutaler Aufwärtshaken von  Arangio, der sein Kinn traf. Kaya schlug hart auf die Bretter auf. Der sehr umsichtig agierende Ringrichter Bernds zählte den auf dem Boden liegenden Kaya aus und holte gleichzeitig seinen Mundschutz heraus. Sieger durch KO in Runde 2, nach 2:22 Minuten: Vincenco Arangio.

Danijel Arandelovic (12 Kämpfe, 6 Siege, 6 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO) und Alpay Yaman (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) boxten anschließend die Deutsche Meisterschaft GBA im Halbschwergewicht aus. Auch in diesem Kampf machte keiner der Kontrahenten Anstalten, Gefangene zu machen. Arandelovic hatte eine höhere „work rate“, aber Yaman brachte die härteren Hände ins Ziel. Er boxte auch sauberer. Arandelovic ging Kopf voran in den Mann. In der zweiten Runde ging Yaman mehr zum Körper und erzielte dadurch auch Wirkung. Man hatte den Eindruck, als würde Arandelovic sich überlegen, ob er überhaupt zur dritten Runde antreten wollte. Was folgte waren zwei sehr harte und hektische Schlagabtäusche, an deren Ende Arandelovic mit dem rechten Fuß umknickte und aufgab. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 47 Sekunden: Alpay Yaman.

Im Hauptkampf des Abends ging es um den Eurasia Titel der WBF im Halbschwergewicht. Dafür trafen Slavoljub Mitic (18 Kämpfe, 9 Siege, 6 durch KO, 9 Niederlagen, 5 durch KO) und Rami Ali (12 Kämpfe, 11 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage) aufeinander. Ali boxte souverän und kontrolliert. Er trieb seinen Gegner vor sich her, boxte an und verteilte gut. In der zweiten Runde erhöhte Ali den Druck. Immer wieder stellte er Mitic an den Seilen, ohne dabei zu überhasten. In der dritten Runde stellte Ali Mitic in dessen eigener Ecke und deckte ihn ein. Der kam nur mit Mühe noch mal raus. Direkt in der nächsten Situation wurde Mitic in der nächsten Ecke erneut gestellt. Diesmal ging er nach einem linken Körperhaken zu Boden. Nur wenige Sekunden später und nur ein paar Zentimeter weiter ging er an den Seilen, nach einem Körperhaken, wieder zu Boden. Das wiederholte sich direkt darauf nochmal und der Ringrichter Jens-Uwe Baum, der bis dahin nur wenig zu tun hatte, beendete den Kampf. Sieger durch TKO in Runde 1:08 Minuten: Rami Ali.

Weihnachtsgebäck oder Glühwein gab es bei diesem vorweihnachtlichen Boxen in Moers nicht. Aber gute Kämpfe gab es zu sehen. Für einen Boxfan genau das Richtige in der Vorweihnachtszeit.

© Uwe Betker

Zehn Profiboxkämpfe in Remscheid

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Am Samstag, dem 17.11.2018, war die Sporthalle West in Remscheid Austragungsort von zehn Profiboxkämpfen, einem Kick-Box- und einen K1-Kampf. Die Sporthalle mit Empore, sechs VIP Tischen und Bestuhlung war wohl ausverkauft. Abgerundet wurde der Abend durch Rapper und mehrere Tanzgruppen.

Den Anfang machten im Mittelgewicht Ibrahim Yildirim (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Kemal Faik (11 Kämpfe, 11 Niederlagen, 10 durch KO). Faik begann schön und boxte lang. Aber schon bald übernahm Ibrahim Yildirim das Kommando. Er stellte seinen Gegner an den Seilen und ließ ihn nicht mehr weg. Nach ein paar Dutzend unbeantworteten Schlägen nahm der GBA-Ringrichter Kazim Kurnaz Faik aus dem Kampf. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 1:58 Minuten: Ibrahim Yildirim,

Im Schwergewicht maßen sodann Daniel Balabula (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Nikola Spasojeviv ihre Kräfte. Balabula machte von der ersten Sekunde an Druck. Er suchte den KO. Er trieb seinen Gegner vor sich her und versuchte ihn an den Seilen zu stellen, wo er ihn eindeckte. In der zweiten Runde ging dann Spasojevic nach einer solchen Aktion zu Boden. Zwar kam er noch rechtzeitig wieder hoch, doch sein Trainer nahm ihn aus dem Kampf. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 2:13:  Daniel Balabua,

Ebenfalls im Schwergewicht traf anschließend Huenkar Polat (3 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) auf den Debütanten Samir Begic. Polat beherrschte die Ringmitte und trieb seinen Gegner vor sich her. Schön waren seinen Rechten zum Körper. Mitte der zweiten Runde legte Begic einen Zwischensprint ein: er verteilte viele Schläge auf die Deckung von Polat. Der dritte Durchgang war munter, beide machten mehr und standen häufig Fuß an Fuß und schlugen aufeinander ein, wobei Begic mehr Hände ins Ziel brachte. Zur vierten Runde trat er nicht mehr an, weil er sich seine rechte Schlaghand verletzt hatte. Sieger durch TKO, in Runde 4: Hunkar Polat.

Der erste Höhepunk des Abends war der Sechsrunder im Super Weltergewicht mit Malik Yasir (4 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO) und Robin Schoengart (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Schoengart versuchte, seinen Reichweitenvorteil zu nutzen. Yasir versuchte dementsprechend, seinen Reichweitennachteil auszugleichen und an den Mann heranzukommen, wobei er mit seinem Vorhaben erfolgreicher war als Schoengart. Die Begegnung war ausgesprochen munter. Mehrfach kam Yasir schön mit seinem rechten Cross durch. In der zweiten Runde ging Schoengart nach mehreren Körpertreffern in der Ecke von Yasir runter. Anfang der dritten Runde stellte Yasir seinen Gegner erneut in seiner Ecke und ließ ihn nicht mehr raus. Schoengart nahm Körpertreffer auf Körpertreffer, bevor er vom Ringrichter aus dem Kampf genommen wurde. Sieger durch TKO in Runde 3, nach 54 Sekunden: Malik Yasir.

Im Mittelgewicht gaben danach Yan Sumbu Nsasi und Hasa Kurdia ihr Profidebüt. Nsasi boxte bemerkenswert abgeklärt. Er schaute sich in der ersten Runde seinen Gegner genau an, um dann in der zweiten die Jagd aufzunehmen. Er trieb ihn vor sich her, verteilte schön zu Körper und Kopf. In der dritten Runde stellte er ihn in seiner eigenen Ecke und holte ihn mit Körpertreffern von den Beinen. Kurdia wurde von Ringrichter Izzet Kurnaz am Boden kniend ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 3, nach 53 Sekunden: Yan Sumbu Nsasi.

Armin Malekzadeh (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO) und Baskim Jakupi (12 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 11 Niederlagen, 9 durch KO) boxten einen Vierrunder im Super Weltergewicht gegeneinander. Malekzadeh dominierte den Kampf durch seine Schnelligkeit: schnelle Beine und schnelle Fäuste. Er trieb seinen chancenlosen Gegner vor sich her und streckte ihn mit einem Leberhaken zu Boden. Sieger durch KO in Runde 1, nach 2:23 Minuten: Armin Malekzadeh.

Im Mittelgewicht traten dann Sergej Wotschel (14 Kämpfe, 11 Siege, 5 durch KO, 3 Niederlagen, 1 Unentschieden) und Zoran Sekularac (24 Kämpfe, 17 Siege, 13 durch KO, 7 Niederlagen, 6 durch KO) zu einem Sechsrunder gegeneinander an. Sekularac kam, gekleidet mit einem Wolfsfell als Umgang, in den Ring. Wölfe sind Rudeltiere und Boxen ist ein Individualsport. Das ging dann auch nicht gut. Wotchel machte sich sehr unaufgeregt daran, den Wolf zu erlegen. In der ersten Runde kam er mehrfach schön mit Körperhaken durch, in der zweiten ging er mehr zum Kopf. Immer wieder kam er durch die Deckung, durch die Mitte zum Kopf durch. Ende der dritten Runde holte sich Sekularac einen tiefen Cut über dem linken Auge und konnte zur nächsten Runde nicht mehr antreten. Sieger durch TKO in Runde 4: Sergej Wotschel.

Als nächstes stiegen Kai Hildebrandt (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO) und Amir Suljovic (10 Kämpfe, 10 Niederlagen, 8 durch KO) für einen Vierrunder im Cruisergewicht in den Ring. Der Kampf war schon zu Ende, bevor er noch richtig angefangen hatte. Sehr schnell verletzte Amir Suljovic seinen rechten Ellenbogen. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 45 Sekunden: Kai Hildebrandt.

Hiernach boxten Adem Fetahovic (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Sabri Ulas Göcmen (39 Kämpfe, 11 Siege, 1 durch KO, 28 Niederlagen, 27 durch KO) einen Vierrunder im Mittelgewicht. Fetahovic wollte den vorzeitigen KO. Jeder Schlag war mit größtmöglicher Härte geschlagen. Dem hatte Göcmen nicht viel entgegenzusetzen. Zur zweiten Runde trat er dann auch nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 2: Adem Fetahovic.

Hauptkampf des Abends war ein Sechsrunder im Halbschwergewicht mit Martin Houben (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO) und Armin Kukic (5 Kämpfe, 5 Niederlagen, 3 durch KO). Der Kampf der beiden war gut, aber kurz. Houben kam mit seiner Rechten gut zu Kopf und Körper durch. Eine brutale Rechte zum Körper schickte Kukic auf die Bretter, wo er ausgezählt wurde. Sieger durch KO in Runde 1, nach 2:06 Minuten: Martin Houben.

Die erste Remscheider Profi-Boxnacht war ein Erfolg. Von einigen, die dort geboxt haben wird man in den nächsten Jahren noch hören. Es wäre schön, wenn der ersten nun auch eine zweite, eine dritte, eine vierte usw. Profi-Boxnacht in Remscheid folgen würde.

© Uwe Betker

Beginn eines neuen Zeitalters

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8Mit der Veranstaltung am 07.04.2017 in Wuppertal schaffte Werner Kreiskott den Beginn eines neuen Zeitalters. Bislang war Kreiskott selbst immer auch Hauptkämpfer oder agierte zumindest als möglicher Hauptkämpfer im Hintergrund. Nun aber, nachdem er seine Handschuhe an den berühmten Nagel gehängt hat, fungiert er „nur“ noch als Veranstalter. Die Veranstaltung am Samstag war nun die erste ohne Kreiskott als Boxer und – sie war ein voller Erfolg. Die verkleinerte Unihalle war mit 1.000 verkauften Karten restlos ausverkauft. Und, was das wichtigste ist, es gab guten Kampfsport zu sehen.
Der erste Profiboxkampf, den ich gesehen habe – und ich war relativ früh da – war ein Vierrunder im Leichtgewicht. Susan Kolukisa (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 1 Unentschieden) traf auf die Debütantin Leila Chebabi. Die erste Runde wurde von beiden Frauen relativ verhalten geführt. Sie zeigten beide ein gutes technisches Boxen, wobei Kolukisa die besseren und härteren Treffer setzen konnte. Zur zweiten Runde trat Chebabi verletzungsbedingt nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 2: Susan Kolukisa.
Danach stiegen, ebenfalls für einen Vierrunder Marc Dube (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Ziya Goekalp (17 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 16 Niederlagen, 11 durch KO) in den Ring. Die Begegnung im Super Weltergewicht wurde von Anfang an sehr intensiv geführt. Der Kampf war nichts für die Technikfreunde, sondern eher einer für Freunde der harten Keilerei. Mitte der ersten Runde war Dube etwas übereifrig. Er hörte nicht auf das Break Kommando von Goran Morawiec, was ihm eine Ermahnung einbrachte. In der zweiten Hälfte der Runde musste Goekalp viele Treffer nehmen. Immer wieder wurde er an den Seilen gestellt und steckte einen Schlag nach dem anderen zum Kopf ein. Zu diesem Zeitpunkt konnte er froh sein, dass er nicht vom GBA Ringrichter aus den Kampf genommen wurde. Auch die folgenden Runden verliefen ähnlich munter, wenn auch nicht ganz so einseitig. Goekalp verließ sich dabei mehr auf seine Nehmerfähigkeit als auf seine Deckung. Dube schaffte es jedenfalls nicht, ihn mit seinen Schwingern zu fällen. Einstimmer Punktsieger: Marc Dube.
Im Super Mittelgewicht gab sodann Edison Demaj sein Profidebüt gegen Yesilat Berkta (44 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO, 38 Niederlagen, 23 durch KO). Der Kampf wurde verbissen und hart geführt. Die beiden Kontrahenten standen Fuß an Fuß und deckten sich gegenseitig mit Schlägen ein. Zur zweiten Runde trat Berkta, verletzungsbedingt, nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 2: Edison Demaj.
Anschließend gab es wieder einen Frauenboxkampf. Özlem Sahin (26 Kämpfe, 24 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) traf im Minimumgewicht auf Teona Pirosmanashvili (5 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO). Sahin trieb ihre Gegnerin vor sich her. Mehrfach kam sie mit schönen Treffern durch, so in der zweiten Runde mit einem schönen Körpertreffer und einem rechten Cross, die Pirosmanashvili beide deutlich gespürt haben dürfte. In der dritten Runde erhöhte Sahin dann den Druck. Mehrfach kam sie mit dem rechten Cross durch, der Pirosmanashvili immer wieder erschütterte. Zur vierten Runde trat Pirosmanashvili nicht mehr an. Angeblich hatte sei sich verletzt. Ich persönlich vermute eher, sie wollte nicht KO gehen. Später am Abend habe ich sie sogar tanzen gesehen; dabei schien sie mir auch keine Schmerzen gehabt zu haben. Der Ringrichter Jens-Uwe Baum hatte in dem Kampf nichts zu tun. Sieger durch TKO 4: Özlem Sahin
Im Mittelgewicht maßen Ercan Tuncel (5 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO) und Emir Recepaga (3 Kämpfe, 3 Niederlagen, 1 durch KO) ihre Kräfte. Beide zeigten gutes und technisches Boxen. Tuncel präsentierte sich aber als der physisch stärkere und schnellere Boxer; vor allem war er der härtere Puncher. Ende der ersten Runde kam Tuncel dann mit einer Rechten zum Kopf durch, die Recepaga sichtlich beeindruckte. In der zweiten Runde erhöhte Tuncel langsam den Druck, aber Recepaga hielt dagegen. Die dritte Runde war geprägt von vielen Schlagabtäuschen. In der vierten Runde sah es sogar so aus, als könnte Recepaga den Kampf drehen. Dann aber kam Tuncel erst mit einer Rechten und später mit einer Linken zum Kopf durch, beides Volltreffer. Am Ende der Runde nahm Recepaga noch mehr harte Kopftreffer, ging aber nicht runter. In der fünften Runde spielte Tuncel ein wenig mit seinem Gegner und machte weniger Druck. In der sechsten Runde erhöhte Tuncel noch mal den Druck, stellte Recepaga und ließ ihn nicht mehr weg. Als Ringrichter Morawiec gerade den Kampf abbrechen wollte, weil Recepaga sich nicht mehr verteidigen konnte, flog auch ein Handtuch in den Ring. Sieger durch TKO in der 6. Runde, nach 2:26 Minuten: Ercan Tuncel.
Im Leichtgewicht gab Manuel Steffan gegen Attila Csereklye (20 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO, 13 Niederlagen, 7 durch KO) sein Profidebüt. Csereklye versuchte Steffan den Kampf kaputt zu machen. Überfallartig sprang er Steffan an, um ihm den Infight aufzuzwingen und/oder er versuchte zu klammern. Nur selten konnte Steffan ihn abkontern. In der zweiten Runde gelang es Steffan aber, mehr und mehr seinen Kampf zu etablieren. Er kam mehrfach mit Kontern zu Kopf und Körper durch, wodurch Csereklye langsamer wurde. In der dritten Runde hatte Steffan seinen Gegner dann im Griff. Er bestimmte das Kampfgeschehen. Csereklye kam nicht mehr an ihn ran. In der vierten Runde boxte Steffan schön lang und grade, ein vorzeitiger Sieg blieb ihm jedoch verwehrt. Punktsieger: Manuel Steffan.
Eine Gewichtklasse höher boxten Nawid Hakimsadeh (10 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage) und Bilal Messoudi (9 Kämpfe, 5 Siege, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO) in einem Vierrunder gegeneinander. Es war ein intensives Aufeinandertreffen. Beide wollten den KO. Hakimsadeh wollte ihn eher erboxen, Messoudi durch harte Schwinger erzwingen. Es gab viele harte Schlagabtäusche. In der zweiten Runde punktete Messoudi durch harte Körpertreffer. In der dritten Runde wurde Hakimsadeh in einer neutralen Ecke von Ringrichter Baum angezählt. Eine Rechte zum Kopf hatte ihn zu Boden gezwungen. Es war ein wüster Kampf. Messoudi wurde ein Punkt abgezogen, wegen mehrfachen Hinterkopfschlagens. Danach ging die Ringschlacht weiter. In der vierten Runde war von einer boxerischen Linie nichts mehr zu sehen. Es war ein ununterbrochener wilder Schlagabtausch, bei dem Hakimsadeh viele Schläge zum Kopf nahm. Punksieger: Bilal Messoudi.

(C) Andreas Bornewasser


Es folgte der Titelkampf des Abends. Dabei ging es um den vakanten World Boxing Federation International Titel im Super Weltergewicht. Marco Martini (18 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 3 Niederlagen) und Yaser Yüksel (6 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage). Es war das klassische Aufeinandertreffen eines Fighters und eines Boxers. Beide fingen sehr verhalten an. Es gab nur wenige Aktionen und nur wenige Hände fanden ihr Ziel. Martini beherrschte die Ringmitte, schob sich an seinen Gegner heran und suchte den Abtausch. Yüksel beschränkte sich aufs Kontern. In den folgenden Runden wurde das Tempo kontinuierlich höher. Die ersten Runden gehörten Martini. Er machte mehr und traf häufiger. In der vierten Runde konterte Yüksel Martini häufiger ab und kam dann auch häufiger mit seinen Schlägen durch. In der fünften machte Martini wieder mehr. Die sechste Runde war extrem eng. Hiernach wurde die Begegnung härter. In der siebten konnte Yüksel dann mehr Hände ins Ziel bringen. In der achten Runde wiederum erzielte Martini wieder mehr Treffer. Runde neun war wieder sehr eng und in der zehnten Runde suchte Yüksel den KO, der aber nicht kam. Die Punktrichter werteten 96:94, 98:92 und 98:92. Einstimmiger Punktsieger: Marco Martini.

(C) Andreas Bornewasser


Es folgte ein Sechsrunder im Weltergewicht. Sherif Morina (7 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO) boxte gegen Giorgi Gviniashvili (26 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 11 Niederlagen, 4 durch KO). Morina setzte seinen Gegner von Anfang an unter Druck, obwohl er, wie so oft, der Kleinere ist. Ende der ersten Runde schien Gviniashvili durch einen Körperhaken, gefolgt von einem Kopfhaken, beeindruckt zu sein. In der zweiten Runde erhöhte Morina den Druck, aber Gviniashvili steckte nicht auf. Er versuchte, selber durch Körpertreffer und Schläge auf dem Hinterkopf Morina langsamer zu machen. Dafür wurde er dann auch zweimal von Ringrichter Baum ermahnt. Mitte der dritten Runde kam Morina mehrfach mit schönen Rechten zum Kopf durch, die Gviniashvili einknicken ließen. In den verbleibenden drei Runden versuchte Gviniashvili zu überleben. Er machte Faxen, er schlug Innenhände, er monierte Tiefschläge die nicht existierten. Morina suchte den KO. In der sechsten Runde knickte Gviniashvili nach schweren Treffern sichtlich ein, aber er erreichte den Schlussgong. Punktsieger: Sherif Morina.

(C) Andreas Bornewasser


Den letzten Kampf des Abends bestritten Timo Rost (4 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO) und Diego Shamatava (13 Kämpfe, 5 Siege, 2 durch KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO) im Super Mittelgewicht mit einem Sechsrunder. Shamatava, der gut einen Kopf kleiner als Rost ist, stürmte auf seinen Gegner zu und schlug dabei wilde Schwinger. Rost nutzte seinen Reichweitenvorteil und deckte seinen Gegner mit Schlägen zum Kopf ein. Die erste Runde war extrem schnell. In der zweiten Runde normalisierte sich das Tempo, aber es war immer noch sehr hoch. Rost ließ sich von dem unsauber Boxenden Shamatava nicht provozieren und boxte seinen Kampf weiter. Shamatava nutzte jede Gelegenheit zum Klammern. In der vierten Runde zeigte Shamatava eine kleine Catcheinlage mit Schlagen auf den Hinterkopf. Dafür wackelte er dann nach einem Körper- und Kopftreffer. In den folgenden Runden nahm Shamatava unglaublich viele Schläge gegen den Kopf, aber er fiel nicht. Punktsieger: Timo Rost.
© Uwe Betker

Written by betker

8. April 2018 at 23:59

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Gastbeitrag: Boxen in der Literatur – Jack London (2) „A Piece of Steak”

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Der alternde australische Schwergewichtsboxer Tom King [London. Best Stories. 73-88] muß am selben Abend, an dem er kämpfen soll seine Kinder hungrig ins Bett schicken. Seine eigene Mahlzeit besteht nur aus vom letzten Geld gekauftem Brot und Mehlschwitze von geliehenem Mehl. Er hat nicht einmal mehr Tabak, um seine Pfeife zu stopfen. King ist ein erfahrener Profi, der sich außerhalb des Ringes nie auf Kämpfe eingelassen hat und in seiner erfolgreichen Zeit großzügiger war als ihm guttat. Deshalb hat er jetzt auch kein Geld , um ein Steak zu kaufen, nach dem er schon seit dem Aufstehen ein unstillbares Verlangen hat.
King ist in schlechter Verfassung. Aufgrund einer Dürre in Australien ist er schlecht ernährt und selbst seine Freunde konnten ihm deshalb kein Geld mehr leihen. Selbst die drei Dollar Vorschuß, die dem Anteil des Verlierers an der Börse des bevorstehenden Kampfes entsprechen sind schon aufgebraucht. Einst war er Champion von New South Wales und nun muß er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten und ohne Trainer und Sparringspartner trainieren wobei es mit 40 Jahren ohnehin schwer ist in Form zu kommen.
Der Boxer muß die zwei Meilen zur Halle zu Fuß gehen, da er kein Fahrzeug besitzt und sich kein Taxi leisten kann. Auf dem Weg sinnt er darüber nach, wie er in der Jugend ein schönes Leben führte und viele Siege errang. Ihm wird aber auch klar, daß die Gegner damals alternde Boxer waren, wie er jetzt einer ist. Besonders erinnert er sich daran, daß einer dieser Männer nach der Niederlage in seiner Kabine weinte und ihm wird bewußt, daß auch dieser Mann vielleicht hungrige Kinder zuhause hatte oder das Verlangen nach einem Steak.
Tom King soll als Prüfstein für den aufstrebenden jungen Neuseeländer Sandel dienen. Dieser beginnt den Kampf mit hohem Tempo während King mit seinen Kräften haushaltet. Der ältere Boxer hat mehr als 20 Jahre Ringerfahrung und kennt alle Tricks und indem er einem Schlag nicht ausweicht sondern ihn oben auf den Kopf treffen läßt bricht sich der Gegner einen Fingerknöchel. In der dritten und der neunten Runde gelingt es King fast, den Jüngeren mit überraschenden Schlägen auszuknocken doch der sehr gut trainierte Sandel erholt sich immer wieder. Von der zehnten Runde an wird King offensiver und sieht wie der sichere Abbruchsieger aus, als der Gong die Runde beendet. Im folgenden Durchgang setzt King alles auf eine Karte und setzt die gesamte Kraft ein, die er bis dahin aufgespart hatte. Erneut gelingt es Sandel nach einem Niederschlag kaum, rechtzeitig auf die Beine zu kommen. King weiß, daß er nur noch einen richtigen Treffer landen muß, um den Kampf zu entscheiden, doch die Kräfte verlassen ihn.
„King did not attempt to free himself. He had shot his bolt. He was gone. And youth had been served. Even in the clinch he could feel Sandel growing stronger against him. When the referee thrust them apart, there, before his eyes, he saw youth recuperate. From instant to instant Sandel grew stronger. his punches, weak and futile at first, became stiff and accurate. Tom King´s bleared eyes saw the gloved fist driving at his jaw, and he willed to guard it by interposing his arm. He saw the danger, willed to act; but the arm was too heavy.” [London. Best Stories. 87]
King geht K.O. und weiß anschließend, daß ihm im entscheidende Moment nur die Kraft, die ihm ein Stück Steak gegeben hätte zum Sieg gefehlt hat. Ihm ist klar, daß er wegen seiner zerschlagenen Hände wenigstens eine Woche nicht arbeiten kann. Von Hunger gequält macht er sich zu Fuß auf den Weg nach Hause, wo seine Frau auf ihn wartet und er bricht in Tränen aus, wie einst sein Gegner Stowsher Bill.
Diese insbesondere in der Beschreibung des Boxkampfes sehr realistische Kurzgeschichte befaßt sich mit einem grundsätzlichen Dilemma des Profiboxens. die wenigen, die überhaupt gut dabei verdienen versäumen es ihr Geld sinnvoll anzulegen und sind später gezwungen ihre Gesundheit als trial horse, also als Prüfstein für junge aufstrebende Boxer auf Spiel zu setzen.
Neben diesem tragischen Aspekt des Boxgeschäftes steht der Kampf zwischen dem alternden King und dem jungen Sandel ganz allgemein für den in den USA herrschenden Konflikt zwischen Alt und Jung im Sport, wie Michael Oriard feststellt.
“[…] Jack London in „A Piece of Steak“ (1909) created the prototype for the sports story of youth and age. London demonstrates in his brief story his recognition that this polar conflict is particularly highlighted in the sports world. Athletic careers are inescapably short – retirement is a premature „death“ that physical decline necessitates while the athlete is still a young man. In sport, as in no other American activity, the ritual replacement of the old king by the new […] occurs with crushing regularity”. [vgl. Oriard, Michael: Dreaming of Heroes: American Sports Fiction, 1868-1980, Chicago: Nelson-Hall, 1982, 5]
Die Aussage Hans Lobmeyers, London übe in dieser Kurzgeschichte Sozialkritik erscheint dagegen als haltlos. [Lobmeyer. 121] Die Gesellschaft hätte den sozialen Abstieg des Boxers nur durch einen massiven Eingriff in dessen Recht auf Selbstbestimmung davor bewahren können und er selbst scheint dies zu wissen.
“He found himself wishing that he had learned a trade. It would have been better in the long run. But no one had told him, and he knew, deep down in his heart, that he would not have listened if they had. It had been so easy. Big money – sharp, glorious fights – periods of rest and loafing inbetween […].”London. Best Stories.77 ]
Das titelgebende Stück Fleisch ist für den Athleten nicht nur als Nahrung von Bedeutung. Der Boxer selbst ist davon überzeugt, daß er gesiegt hätte, wenn er es bekommen hätte. Das Steak steht aber sicherlich auch als Symbol für das Männlichkeit und den Stolz Kings. [Bert Brecht behandelte in der Kurzgeschichte „Der Kinnhaken“ ein ähnliches Thema. Dem Boxer Freddy wird von seinem Trainer vor dem Kampf ein Bier versagt und er hat nicht den Schneid zu widersprechen, bekommt eine „schlechte Meinung von sich“ und verliert den Kampf. Vergleiche: Bert Brecht. Der Kinnhaken und andere Box- und Sportgeschichten. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1995. 7-11] Früher fütterte er seinem Hund Steaks und heute bekommt er von seinem Metzger nicht einmal mehr soviel Kredit um vor dem Kampf selbst eines zu sich nehmen zu können. Dieses piece of steak steht also auch für den Verlust des Selbstwertgefühles des einstigen Champions, der am Ende der Geschichte weint.
(C) Martin Scheja

Die erste Zaza Fightnight

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Innerhalb von wenigen Wochen war die Baslar Eventlocation in Krefeld zum zweiten Mal Austragungsort einer Boxveranstaltung. Yusuf „Zaza“ Kangül veranstaltete am Sonntagabend, dem 26.11.2017, die erste Zaza Fightnight. Insgesamt gab es 17 Boxkämpfe zu sehen, drei mit Kindern, zwei mit Jugendlichen, sieben mit erwachsenen Amateuren und fünf Profiboxkämpfe.

Den Anfang bei den Profis machten im Mittelgewicht Nazmi Kurteshi (6 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO) und Slobodan Vukic (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 4 durch KO) mit einem Vierrunder. Kurteshi wollte von der ersten Sekunde an den KO. Wie ein Holzfäller schlug er auf seinen Gegner ein. Der nun versuchte, den Schlägen zu entkommen oder sie zu blocken. Anfang der zweiten Runde griff Vukic an. Aber dann zeigte er an, er habe sich seinen rechten Arm verletzt, was zur Aufgabe führte. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 47 Sekunden: Nazmi Kurteshi.

Im Halbschwergewicht boxten sodann in einem Sechsrunder Sascha Arsumanyan (6 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 1 Unentschieden) und Marek Prochazka (9 Kämpfe, 7 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) gegeneinander. Arsumanyan begann verhalten, so dass sich Prochazka aufgefordert fühlte, seinerseits viel zu machen. Er traf aber vor allem die Deckung von Arsumanyan. In der zweiten Runde macht der dann mehr, wodurch der Kampf munterer wurde. Dabei demonstrierte Arsumanyan seine Beweglichkeit und zeigte auch ein paar Tricks; z.B. stellte er sich freiwillig in die Ecke, um sich dank Auspendeln und Deckung nicht treffen zu lassen. In den Runden drei und vier spielte Arsumanyan geradezu mit seinem Gegner. Im fünften Durchgang kam Arsumanyan mit einer Linken zur Schläfe durch und es sah so aus, als würde Prochazka einknicken. Auch in der sechsten Runde spielte Arsumanyan sein Spiel weiter und demonstrierte seine technische Überlegenheit. Es war aber Prochazka, der unermüdlich nach vorne ging, Arsumanyan den Kampf antrug und ihn mit Schlägen eindeckte. Am Ende stand folgerichtig ein Unentschieden, eine sehr gute Entscheidung von dem sehr umsichtig agierenden BDB Ringrichter Maurizio Rinaudo.

Ebenfalls einen Sechsrunder, aber im Mittelgewicht, absolvierten Sahan Aybay (6 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO) und Marko Pavlovic  (2 Kämpfe, 1 Siege, 1 Niederlagen, 1 durch KO). Der Rechtsausleger Aybay schickte seinen Gegner schon nach wenigen Sekunden mit einer Linken zur Schläfe auf die Bretter. Danach begann Aybays Jagd. Am Ende der Runde wackelte Pavlovic kurz nach mehreren Rechten zur Schläfe. In der zweiten Runde machte Aybay da weiter, wo er in der vorangegangenen aufgehört hatte. Mehrfach stellte er Pavlovic , der Schläge nahm, die ihn erschütterten. Im dritten Durchgang wurde Janjanin ein Punkt für Kopfstoßen angezogen. In der vierten Runde zerfiel Pavlovic geradezu. In der Mitte der Runde fand er sich auf dem Boden wieder – eine nicht besonders harte und präzise Kombination hatte ihn zu Boden gezwungen. Zur fünften Runde trat er dann nicht mehr an. Sieger durch TKO 5: Sahan Aybay.
Den vorletzten Kampf, einen Sechsrunder im Mittelgewicht, bestritten Ercan Tuncel (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) und Sinisa Gambelic (6 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO). Tuncels Kampf war kurz und kurzweilig. Er trieb seinen Gegner vor sich her, stellte ihn an den Seilen und kam mit einer Rechten zur Schläfe durch. Dieser Treffer ließ Gambelic langsam in den Seilen zusammensacken. Tuncel deckte ihn noch weiter mit Schlägen ein, bis der Ringrichter Rinaudo dazwischenging und den Kampf, völlig zu Recht, abbrach.
Sieger durch KO, nach 1:20 Minuten: Ercan Tuncel.

Den Hauptkampf des Abends bestritt natürlich Yusuf Kangül (17 Kämpfe, 14 Siege, 8 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden). In einen Zehnrunder im Super Mittelgewicht traf er auf Mirko Zdralo (6 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO). Dabei ging es um den vakanten Euro-Asia-Titel der WBF. Kangül startete stark. Mehrere Male kam er gut durch, sowohl mit seinem Jab, als auch mit seinen Haken zu Körper und Kopf. In der zweiten Runde erhöhte er das Tempo, wodurch der Kampf härter wurde. Kangül stellte Zdralo an den Seilen und brachte ihn mit Körperhaken zu Boden. Zdralo stand zwar wieder auf, er wurde aber direkt wieder an den Seilen gestellt und durch harte Körperhaken endgültig gefällt. Ringrichter Mufadel Elghazaoui zählte ihn aus.
Sieger durch KO in Runde 2, nach 2:45 Minuten: Yusuf Kangül.
Die erste Zaza Fightnight war ein voller Erfolg. Hoffentlich werden ihr noch viele weitere folgen.
© Uwe Betker

Eine Schwergewichtsweltmeisterschaft in Deutschland nebst Vorprogramm

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Die Arena in Oberhausen war am 26.11.2017 der Austragungsort für die WBA Weltmeisterschaft im Schwergewicht. Die Halle war gut gefüllt, aber nicht ausverkauft. Vermutlich mochten zu wenige Manuel Charr zutrauen, Weltmeister zu werden.
Insgesamt waren fünf Kämpfe zu sehen. Den Anfang machten Mohammed Berkdash (12 Kämpfe, 12 Siege, 9 durch KO) und Istvan Zeller (57 Kämpfe, 38 Siege, 12 durch KO, 19 Niederlagen, 13 durch KO) mit einem Sechsrunder im Halbschwergewicht. Der Rechtsausleger Berkdash beherrschte die Ringmitte und trieb sein Gegenüber vor sich her. Der versuchte vor allem, dem Schlagabtausch zu entgehen. Es gab nur zwei erwähnenswerte Aktionen in der ersten Runde und bei diesen hatte Zeller schon Schwierigkeiten. In der zweiten Runde ging Zeller nach einem rechten Kopfhaken runter und BDB Ringrichter Jürgen Langos zählte bis acht. In der dritten Runde nutzte Zeller dann jede Gelegenheit, Zeit zu gewinnen, indem er zu Boden glitt, weil er sich runter gedrückt oder geschubst fühlte. In der vierten Runde meine ich gesehen zu haben, dass er einmal zurückschlug. Kaum war das aber geschehen, rutschte er, angeblich geschoben, durch die Ringseile. In der fünften Runde wurde Zeller, dann mal ein Punkt abgezogen für seine Verzögerungstaktik. Er hatte es geschafft, mehrfach mit Kopf und Oberkörper durch die Seile zu gehen. In der sechsten Runde wackelte der Pazifist Zeller noch mehrfach, aber er erreicht den Schlussgong. Bemerkenswert an dem Kampf war die stoische Ruhe, mit der Berkdash zu Werke ging. Er ließ sich kaum irritieren und boxte einfach seinen Kampf. Einstimmiger Punktsieger: Mohammed Berkdash.
Anschließend stiegen Ryan Hatton (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Attial Orsos (39 Kämpfe, 14 Siege, 8 durch KO, 23 Niederlagen, 20 durch KO, 1 Unentschieden) für einen Vierrunder im Halbschwergewicht in den Ring. Der Kampf gestaltete sich ganz anders als der vorangegangene. Beide stellten sich nämlich zum Kampf. Hatton boxte sauber und verteilte gut. Eine Linke zum Körper kombiniert mit einer Rechten zum Kopf fällte Orsos das erste Mal. Kurze Zeit später kam Hatton mit einem harten Leberhaken durch und Langos zählte durch. Sieger durch KO in Runde 1, nach 1:53 Minuten: Ryan Hatton.
Im Superfedergewicht trafen sodann Marek Jerzejewski (13 Kämpfe, 13 Siege, 12 durch KO) und Karoly Gallovich (16 Kämpfe, 10 Siege, 6 Niederlagen, 5 durch KO) für einen Achtrunder aufeinander. Der Kampf war kurz und knackig. Jerzejewski stellte seinen Gegner direkt in seiner Ecke und fällte ihn mit Körperhaken. Gallovich stellte sich wieder, wurde wieder gestellt und ging nach brutalen Körperhaken erneut zu Boden. Ringrichter Maurizio Rinaudo zählte den sich vor Schmerzen auf dem Boden krümmenden Gallovich aus. Sieger durch KO in Runde 1, nach 49 Sekunden: Marek Jerzejewski.
Sam Maxwell (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) und Ozcar Fiko (54 Kämpfe, 29 Siege, 15 durch KO, 24 Niederlagen, 11 durch KO, 1 Unentschieden) maßen ihre Kräfte in einem Sechsrunder im Superleichtgewicht. Maxwell machte von der ersten Sekunde an Druck. Er zeigte gutes Boxen, eine schöne Führhand und er verteilte gut. Nach ca. zwei Minuten lief Fiko in eine Rechte von Maxwell hinein und ging zu Boden. Er schaffte es, wieder hoch zu kommen und das Ende der Runde zu erreichen. In der zweiten Runde erhöhte Maxwell den Duck, aber Fiko hielt dagegen. Fiko boxte tapfer und versuchte, sich mit Schwingern und indem er in den Gegner hereinstürmte Maxwell vom Hals zu halten. In der nächsten Runde kam Maxwell aber wieder mit einer harten Rechten zum Kopf durch, die Fiko einknicken und seinen Mundschutz verlieren ließ. Dadurch dass der Mundschutz erst mal gesäubert und wieder eingeschoben werden musste, gewann Fiko zwar Zeit, aber es nutzte ihm nichts. Kurze Zeit später fiel er krachend auf die Bretter. Ein rechter Kopfhaken hatte ihn gefällt. Fiko kam zwar wieder hoch und stellte sich dem Kampf, aber noch weitere Treffer zu Körper und Kopf ließen ihn zu Boden sinken. Der Ringrichter stoppte den Kampf.
Sieger durch KO in Runde 3, nach 1:50 Minuten: Sam Maxwell.
Nach einer einstündigen Pause kam dann der Hauptkampf. Es war natürlich die WBA Weltmeisterschaft im Schwergewicht zwischen Manuel Charr (35 Kämpfe, 31 Siege, 17 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO) und Alexander Ustinov (36 Kämpfe, 34 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlage). Es war Ustinov, der in den ersten drei Runden den Kampf machte. Er beherrschte weitestgehend die Ringmitte und trieb Charr vor sich her. Er nutzte seinen Reichweitenvorteil. Charr dagegen boxte verhalten. Er verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und konterte selten. In der zweiten Runde fing Ustinov dann an, seine Führhand fallen zu lassen, um Charr zu einer Aktion zu verleiten. Ustinov sah bis dahin aus, wie der sichere Sieger. In der dritten Runde zog Charr sich einen Cut über dem linken Auge zu. Das veranlasste Charr nun, mehr zu machen und er kam auch mit schönen einzelnen Händen ins Ziel.
In der vierten Runde übernahm Charr das Kommando im Ring. Er kam mehrfach mit seiner linken Graden und seinem rechten Cross durch. Er ging mehr in den Infight, wo er punktete und Ustinov passiv blieb. Der Kampf hatte sich gedreht. In der folgenden Runde bestimmte Charr den Kampf und Ustinov konnte ihn sich nicht mehr vom Hals halten. Ustinovs Manager Wlad Runow, der bis dahin ruhig am Ring gesessen hatte, hielt es auf seinem Platz nicht mehr aus. Er ging in die Ecke seines Schützlings und brüllte in den Ring. In der sechsten Runde versuchte Ustinov mit der ausgestreckten Führhand den Abstand zu Charr zu halten. Dieser wich aber nach rechts aus und brachte eine Rechte zum Kopf durch. Das veranlasste Ustinov dazu, diesen Klitschko-Trick nicht mehr zu versuchen. Nach ca. einer Minute des siebten Durchgangs nahm Ustinov einen linken Haken zum Kinn, der ihn einknicken ließ. Danach nahm er immer wieder Schläge, die ihn auch mehrfach einknicken ließen. Er fiel aber nicht. Am Ende der nächsten Runde brachte ein knackiger linker Kinnhaken Ustinov schließlich zu Boden. Der gute WBA Ringrichter Tony Weeks zählte acht und dann war auch schon die Runde zu Ende. In der neunten Runde trieb Charr seinen Gegner vor sich her und suchte die Lücke. Er suchte den KO. Der aber kam nicht. Manager Runow verließ währenddessen die Halle. Zu Beginn der zehnten Runde tanzte Charr nur noch um Ustinov herum, ohne ihn anzugreifen. Er zeigte ihm, dass er nicht müde war und sehr viel schneller als sein Gegner. Bis zum Schlussgong verwaltete und baute Charr seinen Punktevorsprung aus, ohne noch ein großes Risiko zu gehen. Zur letzten Runde kam Runow wieder.
Am Ende stand ein einstimmiger und recht deutlicher Punktsieg (Stefano Carozza 115:111, John Porturaj 116:111, Stanley Christodolou 115:112) für Manuel Charr. Seine ersten Worte zu den Zuschauern in der Halle lauteten: „Deutschland ist Weltmeister!“
© Uwe Betker