Box-Blog

Posts Tagged ‘Lajuan Simon

Die ultimativ subjektive Liste 2011

with 2 comments

Boxer des Jahres
Wladimir Klitschko (59 Kämpfe, 56 Siege, 49 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) – WBA, IBF, WBO Weltmeister im Schwergewicht. Ein einziger Kampf und Sieg gegen David Haye am 02.07.2011 reicht mir schon, um ihm meinen Titel „Boxer des Jahres“ zu verleihen. Aber: Perfektion kann langweilen.
+
Boxerin des Jahres
Özlem Sahin wurde auf sehr beeindruckende Weise in Göppingen am 15.07.2011 Interimsweltmeisterin der WIBF. Sie ist eine Boxerin mit Charme und Charisma, und sie sieht gut aus. Sie hat also eigentlich alles, was man braucht, um das Frauenboxen wieder fernsehtauglich zu machen.
+
KO des Jahres
Gennady Golovkin (22 Kämpfe, 22 Siege, 19 durch KO) schlug mit einem unglaublichen, linken, aus der Schulter geschlagenen Haken Lajuan Simon (30 Kämpfe, 23 Siege, 12 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) schwer KO. Simon war noch nie zuvor KO gegangen.
+
Schlechteste Veranstaltung des Jahres
Gibt es etwas Schlimmeres als einen Ringsprecher, der das Publikum zur Menschenjagt aufhetzt? Mechernicher Fight Night am 10.12.2011 mit Baker Barakat.
+
Rookie (männlich) des Jahres
Robert Tlatlik (7 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO) schaffte es, innerhalb von nur 8 Monaten zur Nummer 1 in Deutschland und zur Nummer 286 in der Welt im Weltergewicht zu werden.
+
Rookie (weiblich) des Jahres
Derya Saki (1 Kampf, 1 Sieg, 1 KO) Die Leichtgewichtlerin machte bisher nur einen Kampf. – Der aber beeindruckte mich.
+
Absteiger des Jahres
Arthur Abraham (35 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen). Der einstmalige Superstar im Mittelgewicht wurde im Super Six Turnier ziemlich durchgereicht. Von seinem Superstarstatus blieb nichts mehr übrig. Nun stellt sich jeder die Frage, ob Abraham überhaupt noch gegen einen starken Boxer gewinnen kann.
+
Aufsteiger des Jahres
Gabor Veto (27 Kämpfe, 27 Siege, 21 durch KO). Der Junior Weltergewichtler wurde am 15.10.2011 gegen Michael Kizza Weltmeister der Global Boxing Union. Nun ist er die Nummer 193 der unabhängigen Weltrangliste. Er ist einer der interessantesten und spannendsten Boxer.
+
Aussteiger des Jahres
Luan Krasniqi (35 Kämpfe, 30 Siege, 14 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden) steigt nicht mehr in den Ring. Er war ganz nahe daran, Weltmeister im Schwergewicht zu werden. Er war ein wirklicher Kämpfer. Er war der Löwe von Rottweil.
+
Veranstalter des Jahres
Keiner der Großen
+
Beste Veranstaltung des Jahres
Kleine Veranstaltungen sind besser als große Events: Das zeigte sich bei der WBA Weltmeisterschaft im Mittelgewicht zwischen Gennady Golovkin (22 Kämpfe, 22 Siege, 19 durch KO) und Lajuan Simon (30 Kämpfe, 23 Siege, 12 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) im Ballsaal des Intercontinental Hotel auf der Königsallee in Düsseldorf am 09.12.2011. Diese Veranstaltung wurde von der Klitschko Manangement Group auf die Beine gestellt. Ich würde mir wünschen, sie machten mehr solcher Nicht-Klitschko-Shows.
+
Fehlentscheidung des Jahres
Felix Sturm blieb Dank der beiden Punktrichter Roberto Ramirez und Jose Ignacio Martinez, die 116 zu 112 für Sturm werteten, Super Champion der WBA im Mittelgewicht. Für mich hätte Matthew Macklin ganz klar der Sieg zugesprochen werden müssen. Aber in Deutschland werden Punktsiege häufig nur noch vergeben und nicht mehr erkämpft. Daher ist diese Fehlentscheidung auch nur eine von ziemlich vielen.
+
Trainer des Jahres
Conny Mittermeier hat sich endgültig als Weltklassetrainer etabliert. Seine Arbeit mit Özlem Sahin, Erkan Teper, Timo Schwarzkopf und Selcuk Aydin spricht für sich.

+
Boxkampf (männlich) des Jahres
Den muss ich verpasst haben.
+
Boxkampf (weiblich) des Jahres
Özlem Sahin vs. Corina Carlescu. Ein Frauenboxkampf auf hohem Niveau, in dem sowohl Technik als Härte zu sehen waren – eine Werbung fürs Frauenboxen.
+
Bester Show Act des Jahres
Bevor Felix Sturm sich gegen Matthew Macklin abquälte, erfreute Mel C, das Ex Spice Girl, meine Augen. Ihr im Vollplayback vorgetragenes Lied habe ich bereits vergessen und ich würde es auch nicht wiedererkennen. Aber ihre High Heels und ihre hautenge rote Hose …
+
Boxer, der einen WM-Kampf verdient
Odlanier Solis (18 Kämpfe, 17 Siege, 12 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) ist eventuell der einzige Schwergewichtler, der einem der Klitschkos gefährlich werden könnte. Auch wenn Herr Bernd Bönte es gerne anders sehen möchte, Vitali Klitschko hat nicht bewiesen, dass er gegen Solis einfach so gewinnen kann.
+
Boxer, der zu Unrecht übersehen wird
Markus Tomala (9 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO, 2 Niederlagen). Ein deutscher Schwergewichtler mit Potential, der keine Kämpfe bekommt und keinen Veranstalter hat. Unglaublich aber wahr.
© Uwe Betker

Boxen im Ballsaal

leave a comment »

Der Ballsaal des Intercontinental Hotel auf der Königsallee in Düsseldorf war der Austragungsort für vier Profiboxkämpfe, die sozusagen das Restprogramm von der Klitschko- Mormeck-Show darstellten.
Als erstes stiegen zwei Frauen in den Ring, Raja Amasheh (13 Kämpfe, 12 Siege, 3 durch KO, 1 Unentschieden) und Julija Cvetkova (10 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 7 Niederlagen, 1 durch KO). Der Kampf der beiden Fliegengewichtlerinnen, der ursprünglich auf sechs Runden angesetzt war, dann aber nur als Vierrunder ausgetragen wurde, wurde für einen großen Teil des Publikums überschattet durch die Handlungen der Ecke, der lettischen Ecke. Man konnte schlicht die wohl inkompetenteste Ecke des Jahres bewundern. Der Mundschutz von Cvetkova saß so schlecht, dass die Enden sich durch die Wangen abzeichneten. Dann musste der Kampf unterbrochen werden, weil eine Halskette nicht abgelegt worden war. Die nach der Urteilsverkündung zu sehenden Bandagen sahen grotesk aus. Der Kampf der Trainerin mit dem Hocker hatte schon etwas Slapstickhaftes. Sie schaffte es einfach nicht, den Hocker in und aus dem Ring zu bekommen. Zum Höhepunkt dieses Treibens gab sie ihrer Boxerin dann den Hocker über das oberste Ringseil an, und Cvetkova nahm diesen mit ihren Boxhandschuhen an und stellte ihn auf den Boden. Die Karlsruherin Ameshah gewann durch eine sehr solide Leistung einstimmig und verdient nach Punkten.
Der zweite Kampf des Abends war ein Titelkampf (IBO Intercontinental) im Cruisergewicht. Isa Akberbayev (9 Kämpfe, 9 Siege, 6 durch KO) traf auf Armin Dollinger (24 Kämpfe, 21 Siege, 8 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO). Von der ersten Sekunde an war klar, dass der Kasache Akberbayev der bessere Boxer war. Sein präziser und schneller Jab bestimmte über weite Strecken den Kampf. Dollinger suchte über Körperhaken zum Erfolg zu kommen. Zum Ende der zweiten Runde musste er nach einer Rechten zum Kinn runter und wurde angezählt. Akberbayev, ganz siegessicher, fing an, Faxen zu machen, was Dollinger genug Zeit gab, um sich zu erholen. Dollinger konnte sogar mit dem Gong noch einen harten rechten Kopfhaken ins Ziel bringen.
Auch im dritten Durchgang zeigte Akberbayev seine Fähigkeiten als Showman. Jedoch traf er auch mit einem rechten Schwinger das Ohr von Dollinger, der dessen Ohrläppchen platzen ließ. Die Wunde blutete so stark, dass auf Anraten des Ringarztes der Ringrichter den Kampf abbrach.
Der vorletzte Kampf fand im Mittelgewicht statt. Die beiden ungeschlagen Vladimir Schipizin (6 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 1 Unentschieden) und Toni Camin (8 Kämpfe, t6 Siege, 4 durch KO, 2 Unentschieden) trafen aufeinander. In der ersten Runde etablierte sich ein Muster an Kampfverlauf, das bis zum Ende des hart und zäh geführten Kampfes gleich blieb. Der etwas kleinere Camin schob sich hinter seiner Doppeldeckung an den Gegner heran, bearbeitete den Körper seines Gegenübers, um dann wenn sich eine Lücke bot, Haken zum Kopf zu schlagen. Schipizin versuchte seinen Gegner auf Distanz zu halten, lang zu boxen und Schlagabtäusche an den Ringseilen zu suchen. Ich hatte zwar Camin auf meinem Punktzettel vorne, aber die Punktrichter sahen den Kampf einstimmig als Unentschieden, womit wohl alle Beteiligen gut leben können.
Die WBA Weltmeisterschaft im Mittelgewicht zwischen Gennady Golovkin (22 Kämpfe, 22 Siege, 19 durch KO) und Lajuan Simon (30 Kämpfe, 23 Siege, 12 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) dauerte nur 137 Sekunden. Der Titelverteidiger Golovkin zeigte ein Boxen von unglaublicher Präzision und Schnelligkeit. Simon, der ja auch kein Schlechter ist, konnte nur eine halbe Aktion für sich verbuchen. Ein linker, aus der Schulter geschlagener Haken fällte Simon und beendete den Kampf. Simon war noch nie zuvor KO gegangen – noch 2009 war er mit Arthur Abraham und Sebastian Sylvester über die Runden gegangen. Golovkin demonstrierte eindrucksvoll, warum Universum Box-Promotion ihn nie gegen Felix Sturm boxen ließ.
Bedauerlich ist nur, dass so wenige Zuschauer den Weg in das Luxushotel gefunden hatten. Der wohl 500 Zuschauer fassende Saal, war kaum zur Hälfte gefüllt.
© Uwe Betker