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Zwei Weltmeisterschafen in Velbert

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Das EMKA Sportzentrum in Velbert ist am Samstag, dem 18 Juni, Austragungsort von zwei Weltmeisterschaften im Profiboxen. In der ersten trifft der Interimsweltmeister im Schwergewicht Werner Kreiskott (43 Kämpfe, 22 Siege, 16 durch KO, 19 Niederlagen, 8 durch KO, 2 Unentschieden) auf Drazan Janjanin (17 Kämpfe, 11 Siege, 10 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO) aus Bosnien Herzegowina. Er will nun regulärer Weltmeister der World Boxing Union werden. Natürlich ist die WBU nicht einer der großen vier Verbände im Profiboxen und Kreiskott ist auch kein Wladimir Klitschko, dafür sind die Kämpfe des Wuppertalers Kreiskott unterhaltsamer als die meisten, die wir von dem Ukrainer zu sehen bekommen. Als er im September Interimsweltmeister wurde, musste er in der zweiten Runde einen Niederschlag überstehen. Kreiskott ist kein Filigrantechniker. Er steigt in den Ring, um zu kämpfen. Er hat den Kampfnamen: „der Panzer“ – und der Name passt. Er versucht, seine Gegner schlich und einfach zu überrollen. Das geht nicht immer gut, was man an seiner Kampfbilanz ablesen kann. „Man kann nicht immer gewinnen“, erklärt er. „Wenn der Andere besser ist, dann hat er auch den Sieg verdient, und dann soll er ihn auch bekommen.“ Kreiskott hat weder einen Manager und noch einen Trainer. Dafür aber ist er sein eigener Veranstalter für einen Teil seiner Kämpfe, so auch jetzt in Velbert. Seine Kämpfe ermöglicht er sich so erst. „Boxen macht mir einfach Spaß“, sagt er. „Ich liebe es dort oben im Ring zu stehen und zu boxen.“ Diese Worte könnten auch von Özlem Sahin (22 Kämpfe, 20 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) stammen, die den zweiten Hauptkampf des Abend bestreiten wird. Sahin boxt um die WM der Universal Boxing Organization und um den Intercontinental Titel der World Boxing Federation im Minimumgewicht, der Gewichtsklasse bis 46,266 kg. Dabei trifft die Ludwigsburgerin auf die Ungarin Agnes Draxler (21 Kämpfe, 9 Siege, 1 durch KO, 12 Niederlagen, 7 durch KO). Sie hat einen Trainer, Frank Lubitz, und eine Managerin, Eva Dzipina, aber wie Kreiskott muss sie selber sehen, wie sie ihre Kämpfe finanziert. Sahin pendelt für ihre Kampfvorbereitungen zwischen Ludwigsburg wo sie wohnt und Kerpen, wo sie trainiert, einmal die Woche hin und her. Dies kann sie nur, indem sie zum einen Urlaub nimmt, dann in Kerpen Homeoffice für ihren Arbeitgeber Bosch in Waiblingen arbeitet und schließlich durch die Unterstützung ihres Sponsors GAZI. Das alles nimmt sie auf sich für ihr erklärtes Ziel, noch in diesem Jahr einen Rückkampf mit Gretchen Abaniel zu bekommen, gegen die sie am 09.11.2015 ihren einzigen Kampf verlor. Auch Sahin hat eine passenden Kampfnamen: BoxLady.
(C) Uwe Betker

Uwe Hück fordert Wladimir Klitschko heraus

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Uwe Hück, den Konzern-Betriebsratsvorsitzenden und stellv. Aufsichtsratsvorsitzenden der Porsche AG, nur einmal getroffen hat, der glaubt durchaus, was da in der Überschrift steht und hält es keineswegs für ausgeschlossen, dass er sich traut, gegen Klitschko zu kämpfen. Aber gemeint ist etwas anderes; die Herausforderung ist von einer anderen Art.
Bis vor wenigen Tagen schien unbestritten, dass die Veranstaltung von K2 Promotions am 24. Oktober 2015 das Boxevent des Jahres in Deutschland werden würde. Der 39-jährige Wladimir Klitschko (67 Kämpfe, 64 Siege, 3 Niederlagen, 3 durch KO) wird dann gegen Tyson Fury (24 Kämpfe, 24 Siege, 18 durch KO) antreten, um seine WM-Titel der IBF und WBO im Schwergewicht und den Super Champion Titel der WBA zu verteidigen. Fury ist ein Showman und der zurzeit beste Herausforderer. Er ist vermutlich sogar der beste der letzten Jahre. Es spricht also alles für einen wirklich guten Schwergewichtskampf. Es könnte sogar der beste der letzten Jahre werden.
Dem hat Uwe Hück sportlich nichts oder fast nichts entgegenzusetzen. Hück ist 53 Jahre alt und nur ein „Hobbykampfsportler“. Er war vor ewigen Zeiten wohl mal zweifacher Europameister im Thaiboxen. Am 16. November 2013 machte er einen Charity-Boxkampf gegen den ehemaligen Profiboxer Luan Krasniqi. Nun, zwei Jahre später, will er am 07. November erneut in den Ring steigen und wieder in der MHP-Arena in Ludwigsburg. Der neue Gegner ist ein hierzulande alter bekannter: Frans, oder Francois Johannes Botha. Der inzwischen auch schon 46-jährige Botha (63 Kämpfe, 48 Siege, 29 durch KO, 11 Niederlagen, 9 durch KO, 3 Unentschieden) wurde gegen Axel Schulz am 09.12.1995 in Stuttgart durch einen Punktsieg Weltmeister der IBF. Ihm wurde der Titel jedoch kurze Zeit später wieder aberkannt, nachdem er positiv auf Steroide getestet worden war. Er verlor dann noch WM Kämpfe gegen Michael Moorer, am 09.11.1996 durch TKO 12, Lennox Lewis, am 15.07.2000 durch TKO 2, und Wladimir Klitschko, am 16.03.2002. In Nichttitelkämpfen unterlag er Mike Tyson, am 16.01.1999 durch KO 5, Evander Holyfield, am 10.04.2010, Michael Grant, am 19.11.1011, und Francesco Pianeta, am 07.09.2012. Seine letzten sechs Kämpfe hat er alle verloren und bis zum Kampf am 07. November hat er eine eineinhalbjährige Ringabstinenz hinter sich. Aber immerhin, er ist auch ein Showman.
Nun also zur Herausforderung von Hück: Er und sein Veranstalter, die Ferbermarketing GmbH, wollen sich anschicken, das Boxevent des Jahres auf die Beine zu stellen. Natürlich liegen, sportlich gesehen, Galaxien zwischen den beiden Hauptkämpfen. Auch der Show Act von K2 Promotions dürfte kaum zu toppen sein. Immerhin gibt sich der Commander of the Order of the British Empire, Rod Steward, die Ehre. Und wer nun bei der Charity Gala der Lern-Stiftung Hück auftreten soll, ist noch nicht bekannt. Außer Acht lassen wollen wir hier mal, dass der Gewinn der Klitschko Veranstaltung in die Taschen von Wladimir Klitschko, Vitali Klitschko und Bernd Bönte wandert und der von Hück benachteiligten Kindern zu Gute kommen soll.
Wenn wir also mal absehen von der Wohltätigkeit, wodurch könnte denn die Veranstaltung in Ludwigsburg die in Düsseldorf übertreffen? Die Antwort lautet: Schlicht durch drei Faktoren: Spaß, Sport und Prominente. Veranstalter behaupten gerne, Boxen im Stadion sei etwas Besonderes. Das ist schon richtig. Boxen im Stadion ist in der Regel ein Großevent – aber eines ohne Atmosphäre. Der Ring steht zu weit weg. Der Spaßfaktor in einem Stadion geht, jedenfalls meiner Meinung nach, gegen Null. Hier schlägt Hück Klitschko, um im Bild zu bleiben, KO.
Was nun den Sport bzw. dessen Qualität angeht, so sind Events im Stadion halt auch so eine Sache. Alle warten nur auf den Hauptkampf. Das Vorprogramm ist meist schlecht bis grottenschlecht. Nur sehr selten steht es in einer angemessenen Relation zum Hauptkampf. K2 Promotions Interesse am Vorprogramm reduziert sich vermutlich auf dessen Existenz und wahrscheinlich noch darauf, dass es möglichst wenig kosten soll. Ganz anders bei Hück. Hier treten im Vorprogramm Luan Krasniqi (35 Kämpfe, 30 Siege, 14 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden), Firat Arslan (45 Kämpfe, 35 Siege, 21 durch KO, 8 Niederlagen, 3 durch KO, 2 Unentschieden) und Özlem Sahin (20 Kämpfe, 19 Siege, 6 durch KO, 1 Unentschieden) auf. Krasniqi, der Ex-Europameister im Schwergewicht, boxt gegen Danny Williams (74 Kämpfe, 48 Siege, 36 durch KO, 25 Niederlagen, 12 durch KO). Ob das jetzt ein „realer“ Kampf wird oder nur ein Showkampf zugunsten seiner eigenen Charity Projekte (SOS Kinderdörfer im Kosovo), habe ich noch nicht erfahren. Auch Firat Arslan, der Ex-Weltmeister der WBA im Cruisergewicht, wird in den Ring steigen. Den sportlichen Hauptkampf stellt aber die Doppelweltmeisterschaft im Minimumgewicht der Women`s International Boxing Federation und Global Boxing Union dar. Die ungeschlagene Sahin verteidigt ihre Titel gegen Gretchen Abaniel (23 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO). Mit diesem Vorprogramm erreicht Hück, um im Bild zu bleiben, schon mal ein Unentschieden gegen Klitschko.
Dritter Faktor – Prominenz. An beiden Ringen werden viele Prominente sitzen. RTL wird viel RTL Prominenz auffahren. Hinzu kommen prominente Fans von Klitschko und natürlich der Show Act Rod Steward. Welcher Show Act bei Hück zu sehen sein wird, ist, wie gesagt, noch nicht bekannt. Man kann aber noch nicht davon ausgehen, dass der nicht auch besser sein könnte als Steward. Nun zur Prominenz am Ring, da darf man nicht unterschätzen, wer so alles kommt, wenn Uwe Hück ruft. Beim letzten „Blaue Flecke für soziale Zwecke“ kam unter anderen Udo Lindenberg. Viele Prominente, die bei Hück am Ring sitzen, sind allerdings anders prominent als die Sportler und Showgrößen bei Klitschko. Bei Hück sitzen Größen aus der Wirtschaft am Ring, z.B. von Porsche, Mercedes und Bosch. Die Boschler dürften wohl hauptsächlich wegen Özlem Sahin kommen, die selber Boschlerin ist. Extra für sie kam auch die Werksleitung von Bosch aus Waiblingen zur ersten Pressekonferenz in Ludwigsburg. Man kann außerdem davon ausgehen, dass sich schon auch ein paar Politiker einfinden werden. Auch hier dürfte Sahin ihren Beitrag leisten. Sie kommt schließlich aus der Region kommt und hat Werbung gemacht für die Einbürgerungskampagne des Landes Baden-Württemberg. Mit der Prominenz am Ring rechne ich für Hück mit einem klaren Punktsieg. Hück schlägt Klitschko, um im Bild zu bleiben, auch hier knapp nach Punkten.
Mit seiner Veranstaltung „Blaue Flecke für soziale Zwecke 2“ wird Uwe Hück wohl schlicht die Boxveranstaltung des Jahres 2015 auf die Beine stellen. Damit ist dann auch geklärt, wo ich mich am 07. November aufhalten werde, nämlich in Ludwigsburg.
© Uwe Betker

Erkan Teper vs. David Price: Ein Vorbericht

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Am 17. Juli soll Erkan Teper (14 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO) in Ludwigsburger MHP Arena gegen David Price (21 Kämpfe, 19 Siege, 16 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) boxen. Dabei geht es um den vakanten Europameistertitel (EBU) im Schwergewicht. Teper gegen Price ist eine gute Ansetzung. Teper ist die Nummer 17 der unabhängigen Weltrangliste und Price die Nummer 26. Das heißt, beide Athleten sind in der Rangliste nahe genug beieinander, um sich einen guten Kampf liefern zu können. Teper ist aber wohl der Favorit und Price eher der Außenseiter, der nur durch KO gewinnen kann.
Der Deutsche Teper wurde zuletzt gut aufgebaut. In seinen letzten Kämpfen besiegte er Johann Duhaupas (14.03.2015, W 12), Newfel Ouatah (13.06.2014, TKO 6), Martin Rogan (16.11.2013, KO 1) und Michael Sprott (31.08.2013, TKO 1). Er ist ungeschlagen. Der Brite Price wechselte erst vor ca. einem Jahr zu Sauerland Event. Davor musste er zwei Niederlagen gegen Tony Thompson (23.02.1013, TKO 2 und 06.07.2013, TKO 5) hinnehmen. Dementsprechend ist er auch relativ vorsichtig wieder aufgebaut worden, um sein Selbstvertrauen zu stärken. Dies ist auch eines der Argumente, die für einen Sieg von Teper sprechen.
Interessant ist, dass der Veranstalter Z!-Promotion sich gegen Sauerland Event bei der Kampfversteigerung durchgesetzt hat. Sie boten 252.500 Euro, Sauerland nur 23.979,55 Euro. Das kann man verschieden interpretieren. Zum einen kann das heißen, dass Z!-Promotion von Alexander und Boris Zastrow sowie Matchmaker Hagen Döring nun zu den großen in der Branche gehört. Es kann aber auch heißen, dass der Berliner Veranstalter einfach nicht mehr so viel Geld hat wie früher. Oder, dass er einfach kein gesteigertes Interesse an dem Kampf von Price hat. Jedenfalls, zu Zeiten, als Sauerland noch einen TV Vertrag mit der ARD hatte, wäre ein solches Ergebnis einer Versteigerung gar nicht denkbar gewesen. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass die Brüder Zastrow – mit Hilfe von Hagen Döring – zu einer Größe im deutschen Boxsport geworden sind. Mit dem Bezahlsender Sky Select haben sie auch einen starken Partner an ihrer Seite.
Sollte Teper gewinnen, so hätte Z!-Promotion einen Schwergewichtler unter Vertrag, der gegen Wladimir Klitschko (67 Kämpfe, 64 Siege, 53 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO), den Schwergewichtsweltmeister der IBF und WBO und Super Champion der WBA, oder gegen den Weltmeister light der WBA, Ruslan Chagaev (37 Kämpfe, 34 Siege, 21 durch KO, 2 Niederlagen. 1 durch KO) antreten könnte.
Persönlich bin ich gespannt, ob der Super Leichtgewichtler Timo Schwarzkopf (5 Kämpfe, 14 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage) nach seiner Niederlage gegen Anthony Yigit, am 21.03.2015, wieder boxt. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Schwarzkopf, Festim Kryeziu, zu Z!-Promotion gegangen ist.
(C) Uwe Betker

Großartiges Boxen und eine großartige Show in Ludwigsburg

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Bei dieser Veranstaltung konnten am Ende wirklich alle zufrieden sein. Die Zuschauer hatten gutes bis großartiges Boxen und außerdem noch eine gute Show gesehen. Darüber hinaus wurde durch den Kartenverkauf, durch Spenden, durch Tombolas und die Versteigerung von Bildern und anderen Dingen vielen Kindern geholfen.
Uwe Hück, der Konzern-Betriebsratsvorsitzende und stellv. Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche AG, hatte die Idee Luan Krasniqi zu einem Boxkampf herauszufordern, um Geld für soziale Zwecke zu sammeln. Damit konnte der Megastar der Gewerkschaften eine Menge bewegen und viele mobilisieren und war dabei so überzeugend, dass am Ende eine tolle Show stand, bei der auch wirklich gutes Boxen gezeigt wurde.
Die ersten vier Kämpfe standen unter dem Motto: Die Jungen Wilden – Nachwuchs-Profiboxer – die Stars von übermorgen. Den Anfang machte im Halbschwergewicht der 25-jährige Arijan Sherifi (3 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO). Er boxte gegen Egidijus Kakstys (24 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 19 Niederlagen, 7 durch KO, 2 Unentschieden). Zunächst sah es so aus, als würde der Sechsrunder schnell zu Ende sein. Sherifi kam mit seinen Schlägen gut durch. Eine rechte Grade brachte in der ersten Runde Kakstys zu Boden. Aber in den folgenden Runden zeigte sich, dass der Punch von Sherifi nicht ausreichte, um sein Gegenüber aus Litauen zu fällen. Ein Cut über dem rechten Auge von Kakstys führte dann schließlich zum Abbruch. TKO in Runde 5, nach 1:22 Minuten.
Im folgenden Kampf, der auch im Halbschwergewicht stattfand, war der 23-jährige Belgier Marc De Bonte (4 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO) zu sehen, der es mit Vygaudas Laurinkus (18 Kämpfe, 3 Siege, 13 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden), auch aus Litauen, zu tun. Der 19-jährige Laurinkus hat alle seine 18 Kämpfe in einem Zeitraum von 1 ½ Jahren bestritten. Der ehemalige Kickboxer De Bonte zeigte Fechten mit der Faust vom Feinsten, was man eigentlich einem Kickboxer nicht zutraut. Er boxte klug. Er nutzte seinen Reichweitenvorteil, um lang zu boxen, aber offensichtlich fühlte er sich auch in der Halb- und Nahdistanz wohl. Mit seinen 188cm ist er für einen Halbschwergewichtler groß. Am Ende stand ein deutlicher Punktsieg für ihn.
Der dritte Kampf fand im Schwergewicht statt. Franz Rill (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) traf auf Ivo Andelic (11 Kämpfe, 8 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden). Andelic, der erst einmal eine Ehrenrunde um den Ring machte, bevor er ihn betrat, wirkte nicht wirklich austrainiert. Er versuchte die Ringmitte zu halten, sich hinter seiner Doppeldeckung zu verschanzen und mit Schwingern einen Treffer zu landen. Rill war leichtfüßig und war der Dominierende. Dann nach 2:02 Minuten in der dritten Runde stoppte der Ringrichter vom BDB Valerio Quarta den Kampf aus unerfindlichen Gründen. Jedenfalls habe ich nichts gesehen, was das gerechtfertigt hätte. Auch wurde kein Ringarzt zu Rate gezogen, um sich mögliche Verletzungen anzuschauen.
Der zweite Teil der Vorkämpfe stand unter dem Motto: Die Stars von Morgen. Hier boxte im Super Mittelgewicht als erstes Butrint Rama (8 Kämpfe, 8 Siege, 5 durch KO) gegen Janos Varga (35 Kämpfe, 14 Siege, 12 durch KO, 20 Niederlagen, 13 durch KO, 1 Unentschieden). Rama, der wohl von Luan Krasniqi betreut wird, hat eine sehr gute Führhand, mit der er auch am Ende der ersten Runde seinen Gegner mit einem Leberhaken zu Boden schickte. Die Führhand war seine beste Waffe, während seine Rechte praktisch nicht existent bzw. kaum effektiv war. Das war auch daran abzulesen, dass der Ungar auch in der folgenden zweiten und in der vierten Runde runter musste, Rama es aber dennoch nicht schaffte, ihm den Rest zu geben. So stand am Ende der sechsten Runde ein haushoher Punktsieg für ihn.
Ein Highlight des Abends war die Begegnung zwischen dem ungeschlagenen Timo Schwarzkopf (13 Kämpfe, 13 Siege, 7 durch KO) und dem Ex-Weltmeister Junior Witter (50 Kämpfe, 41 Siege, 22 durch KO, 7 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) im Weltergewicht. Witter „the Hitter“ war eine der dominierenden Persönlichkeiten des Junior Weltergewichts Ende des letzten Jahrzehnts, und er ist trotz seiner 39 Jahre noch immer richtig gut. Witter ist extrem unangenehmem zu boxen. Er wechselt die Auslagen, er provoziert, er ist aufreizend lässig, macht Show und schlägt aus allen, wirklichen allen Positionen.
Schwarzkopf tat sich schwer. Ein ums andere Mal sah er schlecht aus oder wurde schlicht vorgeführt. Aber er blieb dran. Es gab nur wenige Aktionen im Sinne von Schlagabtäuschen. In der letzten Runde wurde Witter, nach meiner Meinung, von Schwarzkopf umgeschubst und angezählt. Ringrichter war eben jener schon genannte Valerio Quarta vom Bund Deutscher Berufsboxer.
Der Kampf, der über 10 Runden ging, war extrem eng und sehr schwer zu punkten. Selten kam einer mit mehr als einer Hand durch. Am Ende wurde Schwarzkopf zum einstimmigen Punktsieger erklärt. Die Punktrichter werteten 95:95, 98:91 und 96:94. Wie Ringrichter Herbert Ulrich da allerdings zu einem 98:91 kommen konnte, ist mir absolut schleierhaft. Um es deutlich zu sagen, ich hatte Schwarzkopf, ohne den Niederschlag, ganz knapp vorne nach Punkten. Auch über ein Unentschieden hätten sich Conny Mittermeier und sein Schützling nicht beschweren können. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Schwarzkopf den Kampf in England oder den USA gewonnen hätte.
Im folgenden Kampf trat im Schwergewicht Erkan Teper (12 Kämpfe, 12 Siege, 8 durch KO) gegen Martin Rogan (21 Kämpfe, 16 Siege, 8 durch KO, 5 Niederlagen, 4 durch KO) an. Der Nordire ging bereits nach 1:25 Minuten in der ersten Runde schwer KO. Er wich zurück und stand einladend, ohne Deckung an den Seilen. Teper traf ihn mit einer Rechten, einem Volltreffer, am Kinn und dann noch mit einem linken Wischer am Kopf und zwei weiteren Volltreffern mit rechts am Kinn. Rogan wurde direkt vom Ring ins Krankenhaus gefahren: Verdacht auf Kieferbruch.
Den Hauptkampf des Abend bestritt die ludwigsburger Lokalmatadorin Özlem Sahin (17 Kämpfe, 16 Siege, 5 durch KO, 1 Unentschieden). In Sahins Ecke standen wieder der Mittelgewichtler Istvan Szili (18 Kämpfe, 17 Siege, 7 durch KO, 1 Unentschieden), Brigitte Gassert und Dietrich Wolter. Die amtierende Interims Weltmeisterin im Junior Fliegengewicht nach Version WIBF traf auf Maria Rosa Tabbuso (21 Kämpfe, 13 Siege, 3 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden). Die sehr erfahrene Tabbuso bot Sahin einen beherzten Kampf. Wie immer gab Sahin die erste Runde ab. Hiernach wurde sie immer stärker und setzte die Italienerin immer mehr unter Druck, obwohl die einen erheblichen Reichweitennachteil hatte. Immer wieder kam die „Box Lady“ mit ihrem rechten Haken durch. Es war ein guter und fairer Kampf, der auf einem hohen technischen Niveau ausgetragen wurde. Sahin, die das erste Mal vor heimischem Publikum boxte, hatte sichtlich Spaß im Ring. In zwei Ringpausen forderte sie das Publikum auf, sie zu unterstützen, was es dann auch tat. Am Ende der sechs Runden stand ein eindeutiger Punktsieg für Sahin. Die Punktrichter werteten: 57:57, 59:56 und 58:56.
Eine persönliche Bemerkung: Ich habe nicht mehr recherchiert, welcher BDB Punktrichter den Kampf da unentschieden gesehen hat. Langsam werde ich es nämlich müde, dass es so viele Punktrichter, nach meiner Meinung, einfach nicht schaffen, den Kampfverlauf zu erkennen und auch wiederzugeben.
Der Rest des Abends war Show. Es gab eine mit Musik untermalte Leistungsschau der Pyrotechnik, Gesangseinlagen und den Kampf zwischen Uwe Hück und Luan Krasniqi im Schwergewicht. Die sogenannte „erste WM im Charity Boxen“ ging über acht Runden a zwei Minuten – ungefähr. Mal war die Runde zwei Minuten lang, ein anderes Mal auch nur eine Minute fünfzig, jedenfalls wenn ich meiner alten mechanischen Armbanduhr trauen kann, die nicht 100-prozentig ganggenau ist. Auch die Pausen hatten, wie mir schien, unterschiedliche Längen. Mal warteten sie eine Minute lang, mal bis zu anderthalb Minuten. Der Kampf der Beiden war eine riesengroße Show – und zwar eine gute. Krasniqi benutzte nur seine Führhand. Seine Rechte, wenn er sie denn überhaupt benutzte, traf stets schön den linken Handschuh, oder manchmal berührte sie auch den Körper. Hück versuchte zwischendurch schon auch mal ernsthaft zu boxen, aber Krasniqi war einfach ein zu guter Boxer, als dass er wirklich in Gefahr hätte geraten können.
Der Kampf der Beiden war ein Riesenspaß, auch wenn Hück etwas verbeult daraus hervorging. Zweck war es, Geld zu sammeln für die Lern-Stiftung Hück, die sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen helfen will, und für die SOS Kinderdörfer, für die sich Krasniqi einsetzt. Am Ende hatten die Zuschauer das beste Boxevent des Jahres gesehen, bei dem u. a. eben auch sehr gutes Boxen gezeigt wurde, was bei den meisten Boxevents in Deutschland leider nicht selbstverständlich ist. Man kann nur hoffen, dass der Veranstalter Bernhard Michaelis von Michaelis TV dem Boxen treu bleibt.
© Uwe Betker

Blaue Flecke für soziale Zwecke

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Wenn an 16. November in Ludwigsburg die Fäuste fliegen, tun sie das für gute Zwecke. Der Gewinn und die Spenden dieses Abends gehen je zur Hälfte an die Lern-Stiftung Hück in Pforzheim und an die Weltorganisation der SOS-Kinderdörfer. Hauptkampf des Abends ist das Aufeinandertreffen von Uwe Hück und Luan Krasniqi im Schwergewicht. Der Ex- Europameister Krasniqi macht kein Comeback, sondern er stellt sich in einem Boxkampf Uwe Hück, dem Konzern-Betriebsratsvorsitzenden und stellv. Aufsichtsratsvorsitzenden der Porsche AG, der auch zweifacher Europameister im Thaiboxen ist. Hück engagiert sich für die von ihm gegründete Lern-Stiftung Hück, die sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen helfen soll. Für Kinder steigt er und Krasniqi in den Ring.
Es wäre ungerecht, über den sportlichen Wert des Charity-Boxens die Nase zu rümpfen. Zumal das Vorprogramm einige absolute Leckerbissen für Boxfans bereithält. Die ersten vier Kämpfe stehen unter dem Motto: Die Jungen Wilden – Nachwuchs-Profiboxer – die Stars von übermorgen. Hier sind der 21jährige Cruisergewichtler Tobias Voss (3 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO) der vom K1 und Thaiboxen kommt, der 25jährige Halbschergewichtler Arijan Sherifi (2 Kämpfe, 2 Siege) und der 23jährige belgische Halbschwergewichtler Marc De Bonte (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO) der vom Kickboxen kommt. Alle drei Boxer sind mir unbekannt, aber sie hören sich viel versprechend an. Den Hauptkampf der Jungen Wilden bestreitet im Schwergewicht der 25jährige Franz Rill (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO). Dieser relativ unerfahrene Profiboxer bekommt es mit Fabio Tuiach (28 Kämpfe, 25 Siege, 15 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) zu tun. Was eine gute und aber auch mutige Kampfansetzung ist.
Der zweite Teil der Vorkämpfe stehet unter dem Mott: Die Stars von Morgen. Hier tritt als Erstes der ungeschlagene Timo Schwarzkopf (12 Kämpfe, 12 Siege, 7 durch KO) gegen Junior Witters (49 Kämpfe, 41 Siege, 22 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) im Weltregewicht an. Witter „the Hitter“ war einer der dominierenden Persönlichkeiten des Junior Weltergewichts Ende des letzten Jahrzehnts. Im Jahr 2000 unterlag er dem großen Zab Judah in einem IBF WM Kampf nach Punkten. 2002 wurde er Britischer Meister und Commonwealth Meister. Ein Jahr später wurde er Europameister und schlug er die guten Salvatore Battaglia und Andriy Kotelnik. Am 15.09.2006 wurde er durch einen Punktsieg gegen DeMarcus Corley Weltmeister der WBC. Seinen Titel verteidigte er zweimal erfolgreich, wobei er am 07.09.2007 Vivian Harris in der siebten Runde KO schlug. Jener Harris der Oktay Urkal zweimal in Deutschland besiegt hatte. Am 10.05.2008 verlor er seinen Titel gegen seht starken Timothy Bradley, der zurzeit als bestes Weltergewichtler gilt. Es folgten weitere Niederlagen, u. a. gegen Davon Alexander, um den WBC Titel, den heutigen IBF Champion im Weltergewicht, Von seinen letzten fünf Kämpfen konnte er vier gewinnen.
Für Schwarzkopf spricht, dass Witter seinen letzten Kampf, der mehr als ein Jahr zurück liegt verloren hatte und dass er ungeschlagen ist. Witter boxt sehr offen und lässt seine Linke tief hängen, Mit seinen 39 Jahren dürften seine Reflexe nicht mehr so gut sein wie früher, wodurch er anfälliger ist. Für Witter spricht die Erfahrung und seine Fähigkeit Schläge zu absorbieren. Ich muss gestehen, dass ich diese Kampfansetzung vom Management von Schwarzkopf für sehr mutig halte. Der Kampf könnte ein Jahr zu früh für Schwarzkopf kommen. Wenn er jedoch gewinnt, ist er schon in naher Zukunft bereit einen WM Kampf zu machen.
In dem folgenden Kampf kämpft im Schwergewicht Erkan Teper (11 Kämpfe, 11 Siege, 7 durch KO) gegen Martin Rogan (20 Kämpfe, 16 Siege, 8 durch KO). Der Nordire ist die Nummer 39 der unabhängigen Weltrangliste, sieben Plätze hinter Teper. Teper ist zwar Favorit in dieser Begegnung, aber ein Selbstläufer ist diese für ihn nicht.
Im letzten Kampf des Abends, bevor Hück und Krasniqi den Ring betreten, bestreitet der ludwigsburger Lokalmatador Özlem Sahin (16 Kämpfe, 15 Siege, 5 durch KO, 1 Unetschiden). Die Minimumgewichtlerin tritt gegen Maria Rosa Tabbuso (20 Kämpfe, 13 Siege, 3 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unetschiden). Tabbuso boxte zweimal gegen Regina Halmich, war Europameisterin in Super Fliegengewicht und kämpfte zweimal um eine Weltmeisterschaft. Auch diese Ansetzung verspricht spannend zu werden. Zumal, wenn die Gerüchte zutreffend sind, dieser Kampf der letzte von Sahin, der amtierenden Interims Weltmeisterin WIBF im Junior Fliegengewicht, vor einem WM Kampf im Minimumgewicht Anfang nächsten Jahres. Für ein letztes Aufgallop vor einen WM Kampf ist Tabbuso eigentlich zu stark und zu gefährlich.
Wie schon geschrieben, über den sportlichen Wert des Hauptkampfe Hück gegen Krasniqi kann man diskutieren, das Vorprogramm ist so gut und, dass es nicht wenige Veranstaltungen, die von den großen Veranstaltern und TV Sendern so gezeigt werden in den Schatten stellen wird.
© Uwe Betker

Marco Huck vs. Ola Afolabi 3

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Am 08.06.2013 boxt der amtierende Weltmeister der WBO im Cruisergewicht, Marco Huck (38 Kämpfe, 35 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), zum dritten Mal gegen Ola Afolabi (25 Kämpfe, 19 Siege, 9 durch KO, 2 Niederlagen, 4 Unentschieden). Man könnte da ja meinen, Muamer Hukic würde besonders gerne gegen Afolabi antreten. Das ist aber sicher nicht so. Er muss – es ist eine Pflichtverteidigung.
Bei dem geplanten Kampf in Berlin treffen die Beiden also zum dritten Mal aufeinander. Am 05.12.2009 gewann Huck in Ludwigsburg den ersten Kampf. Die Punktrichter John Stewart, Manuel Maritxalar und Andre Van Grootenbrue sahen ihn mit 115:113, 115:113 und 116-112 vorne. Schon damals gab es allerdings einige Kritiker, die meinten, der Mann aus Ugao, Serbien hätte nicht gewonnen. Im Rückkampf, am 05.05.2012 in Erfurt, also fast zweieinhalb Jahre später, konnte Huck dann nur ein Unentschieden erreichen. Die Punktrichter Ingo Barrabas, Zoltan Enyedi und Paul Thomas werteten 114:114, 115:113 und 114:114. Das Publikum pfiff Huck und die Punktrichter aus. Vermutlich konnten nur die fanatischsten Huck-Fans damals ernsthaft glauben, Huck hätte sich wirklich ein Unentschieden erkämpft.
Huck muss somit wieder gegen einen Mann antreten, gegen den er sich immer schwer getan hat. Er kann sich jedoch glücklich schätzen, dass er auf einer Veranstaltung von Sauerland Event in den Ring steigen darf. Bei der Versteigerung des Kampfes Ende Februar unterlag sein Veranstalter nämlich gegen Don King, der den Kampf für 1,5 Millionen Dollar ersteigert und damit 536.000 Dollar mehr geboten hatte als Sauerland.
Was nun folgte, war eine Farce. King bekam den Kampf bei keinem deutschen TV-Sender unter. Der Privatsender SAT1 soll zunächst interessiert gewesen sein, wollte ihn dann aber doch nicht zeigen. Felix Sturm soll seinen Einfluss geltend gemacht haben. Es liefen aber womöglich auch schon die Verhandlungen zwischen SAT1 und SES Boxing über die Übertragung der nächsten vier Kämpfe des frischgebackenen WBO Weltmeisters im Super Mittelgewicht, Robert Stieglitz (47 Kämpfe, 44 Siege, 25 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO).
Sportlich ist der Huck-Afolabi-Kampf von sehr hohem Interesse. Obwohl Ola Afolabi manchmal eine schlampige Kampfvorbereitung nachgesagt wird, glauben viele Experten, dass er dieses Mal gewinnen wird. Für Afolabi dürfte es jetzt auch die letzte Chance sein, sich einen WM Titel zu erkämpfen. Auf der anderen Seite muss Huck, will er gewinnen, schon deutlich mehr zeigen als in seinen letzten Kämpfen. Für den deutschen Boxsport kann dabei nur hoffen, dass am Ring nicht wieder die altbekannten Punktrichter sitzen, die die Glaubwürdigkeit des Boxens in Deutschland schon ziemlich gründlich zerstört haben.
Muamer Hukic gibt sich selbstbewusst. Erst unlängst hat er über sich gesagt: „Ich bin der Boxer, den alle am liebsten sehen“. Aber, ebenfalls vor noch nicht allzu langer Zeit, als er von Sauerland Event weg wollte, hat er dann keinen Veranstalter und keinen TV Sender gefunden, der ihn unter Vertrag hätte nehmen wollen, jedenfalls nicht zu seinen Bedingungen. Nun, nachdem er bei Sauerland bis Ende 2014 verlängert hat – „ein Millionendeal“ -, muss er Leistung zeigen. Verliert Huck, dann hat Sauerland Event nämlich keinen Hauptkämpfer mehr, der einen WM Titel hat und eine gute Quote bringt.
Hier sind wir dann schon wieder beim Thema Punktrichter. Am Ring soll Lahcen Oumghar sitzen. Das ist eben jener Oumghar, der am 18.12.2010 bei Huck gegen Denis Lebedev punktete und der dann den Sauerlandboxer mit unglaublichen 115:113 vorne hatte. Damit hatte er sich seinerzeit in meiner persönlichen Hall Of Shame einen Platz gesichert. Der zweite auserkorene Punktrichter heißt Deon Dwarte. Dwarte hat sich durch sein Wirken am 28.01.2008 in Berlin seinen Platz in meiner Hall of Shame gesichert. Er sah und wertete tatsächlich Alexander Povetkin, einen Sauerlandboxer, mit 117:111, als Sieger gegen Eddie Chambers.
Die Vorzeichen sehen also nicht besonders günstig aus. Sollte Marco Huck wieder einmal das arme Opfer eines umstrittenen Punkturteils werden und dadurch wieder einmal seinen Titel, womöglich unverdient, behalten, hat Sauerland Event zwar weiterhin einen Hauptkämpfer, aber keinerlei Glaubwürdigkeit mehr.
© Uwe Betker

Interview mit Özlem Sahin

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Die ungeschlagene Özlem Sahin (13 Kämpfe, 12 Siege, 4 durch KO, 1 Unentschieden) boxt am 15. Juli in Göppingen um die Weltmeisterschaft im Junior Fliegengewicht nach Version WIBF. Die in Trabzon, Türkei geborene und in Ludwigsburg lebende Sahin bekommt es dabei mit Corina Carlescu (11 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO, 3 Niederlagen, 1 Unentschieden) aus Rumänien zu tun.
Das Interview wurde vor zwei Wochen spät abends, nach dem Training telefonisch geführt.

Betker:
Danke, dass Sie Zeit für mich haben.
Sahin:
Es ist etwas spät geworden. Ich komme gerade vom Training und ich musste noch etwas essen, weil ich einen Riesenhunger hatte. Daher war ich schnell in einem türkischen Imbiss.
Betker:
Was haben Sie gegessen?
Sahin:
[lachend] Wollen Sie das wirklich wissen? [ernsthaft] Ich habe richtig viel totes Fleisch gegessen, dazu Brot. Ich mag es, wenn ich in die Soße mein Brot rein tunke. Wir Schwaben sind Nass-Esser. Wir mögen viel Soße. Wenn ich zum Türken gehe und türkisch esse, esse ich das türkische Gericht auf schwäbische Art – mit viel Soße! Wenn Sie es genau wissen möchten: Es war „Et Sote“, das sind in Streifen geschnittene Fleischstücke mit Paprikaschoten, Petersilie, Tomatenmark usw. Lecker!
Betker:
Das hört sich nicht danach an, als ob Sie für Ihren nächsten Kampf Gewicht machen müssen.
Sahin:
Ich mache doch Gewicht. Wenn ich nicht oder nur wenig trainiere, wiege ich um die 48 Kilo, also exakt das Limit vom Minimumgewicht [47,627 kg, Anm. U.B.]. Wenn ich dann richtig trainiere, nehme ich ab, wenn ich nicht aufpasse. Ich muss sehr viel essen, um nicht zu leicht zu werden. Deshalb ist es ja auch so schwer für mich, oberhalb des Minimumgewichts zu boxen. Höher als das Juniorfliegengewicht [48,988 kg, Anm. U.B.] kann ich nicht gehen. Ich muss ganz viel essen und vor allem fett essen, damit ich überhaupt das Limit für meinen Kampf im Juniorfliegengewicht bringe. Es hört sich schon etwas seltsam an, aber ich habe mit dem Gewicht machen die gleichen Schwierigkeiten, die andere Boxer oder Boxerinnen haben, die hungern müssen, nur eben andersherum. Es gibt bestimmt jetzt Frauen und Männer die sagen: „Dein Problem will ich auch haben!“, das verstehe ich, aber nicht zunehmen zu können, ist auch ein Problem. Aber ehrlich gesagt: „Ich liebe mich so, wie ich bin.“
Betker:
Wie war Ihr Training heute?
Sahin:
Es war ein sehr hartes Training, bei dem ich sechs Runden Sparring mit einem sehr guten Kadetten gemacht habe. Es ist relativ schwierig, passende Sparringspartner zu finden. Die meisten Frauen und Männer sind einfach viel zu schwer für mich. Daher versuchen wir immer starke Jugendliche für das Sparring zu finden. Mein Trainer Conny Mittermeier war ganz zufrieden. Als er mir die Handschuhe auszog, sagte er: „Wenn du am 15. so boxt, wirst du Weltmeisterin!“
Betker:
Das heißt, Sie sind optimistisch, Weltmeisterin zu werden.
Sahin:
Natürlich bin ich optimistisch. Ich habe während der letzten Jahre mein ganzes Leben den zwei Zielen untergeordnet, Weltmeisterin zu werden und natürlich auch ein gute Mitarbeiterin bei der Robert BOSCH GmbH zu sein, wo ich seit 19 Jahren arbeite. Wenn ich das mit der Arbeit und dem Boxen nicht unter einen Hut bekommen hätte, hätte ich auch sportlich nicht die Freiräume wie bisher! Um auf die Frage zurück zu kommen: Ich will Weltmeisterin werden, und ich werde Weltmeisterin! Aber nach jedem Training und nach jedem Kampf bin ich unsicher. Ich weiß dann einfach nicht, wie ich wirklich war. Ich bin mit mir überkritisch. Es gibt immer etwas, was ich besser machen möchte. Ich bin selber meine größte Kritikerin! Daher bin ich dann auch ganz froh, wenn Conny mich hier stoppt, immer weiter darüber nachzudenken, was ich hätte noch besser oder anders machen können. Also ich fühle mich gut und freue mich auf den Kampf.
Da fällt mir noch etwas ein zu Conny: Ich trainiere ja erst seit Oktober 2010 bei Conny. Vorher war ich acht Jahre bei Achim Böhme in Ludwigsburg beim MBC Ludwigsburg. Hier möchte ihm dafür danken, dass er mich in der Zeit mit Herz und Seele betreut und trainiert hat. – Conny war, bis ich zu ihm kam, kein großer Freund des Frauenboxens. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob er jetzt Frauenboxen mag. Aber Hauptsache ist, dass er mit mir arbeiten will. [lachend] Wer kann mir schon widerstehen. [ernsthaft] Ich meinte: Ich musste ihn mit meinem Fleiß überzeugen. Conny ist immer noch etwas förmlich mir gegenüber. Darauf habe ich ihn auch einmal angesprochen. Daraufhin hat er mir gesagt, ich nehme dich erst in den Arm, wenn du Weltmeisterin geworden bist. Es wird jetzt also Zeit.
Betker: Wie gehen Sie mit dem täglich steigenden Druck um?
Sahin: Mir wurde gesagt, dass ich weniger lache und weniger lächle. Mir selber ist etwas anderes aufgefallen. Vor ein paar Tagen war schönes Sonnenwetter und ich wollte noch mit meinem Motorrad zur Entspannung eine kleine Runde drehen. Ich fuhr los und bemerkte: Es geht nicht. Ich kehrte praktisch direkt wieder um. Ich hatte einfach nicht die spezifische Konzentration, die man für das Motorradfahren braucht.
Betker:
Ihre Gegnerin ist die Rumänin Corina Carlescu.
Sahin:
Ja, das ist richtig.
Betker:
Was können Sie mir über sie sagen?
Sahin:
Sie ist eine harte und zähe Boxerin. Sie hat schon zweimal in Deutschland geboxt. Ich habe sie einmal live gesehen. Das eine Mal, 2008, boxte sie in Karlsruhe gegen Bettina Völker, wo ich auch am Ring saß. Und das andere Mal, 2009, kämpfte sie in Dorsten gegen Pia Mazelanik. Sie hat zwar beide Kämpfe nach Punkten verloren, aber es waren beides sehr enge und sehr intensive Kämpfe. Einige sagen sogar, dass man den Ausgang auch hätte andersherum sehen können. Aber das sehe ich nicht so. Sie ist aber ein harter Brocken und sie bringt Schlagkraft mit. Sie kommt schließlich aus dem Bantamgewicht, also drei Gewichtsklassen über dem Juniorfliegengewicht. Es wird also ein hartes Stück Arbeit werden.
Betker:
Sie hat seit 2009 nicht mehr gekämpft.
Sahin:
Das stimmt nicht. Sie hat keine Kämpfe als Profiboxerin gemacht, aber sie hat viel als Thai- und Kickboxerin gekämpft. Wenn ich da richtig informiert bin, hat sie um die 45 Thai- und Kickboxkämpfe gemacht. Corina Carlescu ist eine wirklich erfahrene Kämpferin, die genau weiß, was sie macht. Man darf sie auf keinen Fall unterschätzen.
Betker:
Sie sind 153 cm groß.
Sahin:
Ja.
Betker:
Corina Carlescu ist 160 cm groß. Sie ist sieben Zentimeter größer als sie und hat eine dementsprechend größere Reichweite.
Sahin:
Das bin ich eigentlich schon fast gewöhnt. Ich boxe immer gegen Frauen, die größer sind als ich. So ist es eben. Das Leben ist ja kein Wunschkonzert, bei dem man das bekommt, was man sich wünscht. Da ich ja auch nicht mehr wachsen werde, muss ich mich mit solchen Tatsachen abfinden. [lachend] Bin nur kurz, aber nicht klein.
Betker:
Haben Sie sich bereits eine Strategie zurechtgelegt?
Sahin:
Conny hat sich nur zwei Runden von einem Carlescu Kampf angesehen. Dann hat er den Fernseher ausgemacht und hat mir gesagt, dass ich sie niederkämpfen muss. Die Boxerin mit dem größeren Willen wird gewinnen. Corina Carlescu ist eine echte Kämpferin – so wie ich. Der Kampf mit ihr wird der schwerste Kampf meines Lebens. Es wird auf jeden Fall ein sehr harter und spannender Kampf. Sie wird bis zur letzten Sekunde alles geben.
Betker:
Sie boxen um den Titel der WIBF [Women’s International Boxing Federation].
Sahin:
Es war mir ein besonderes Anliegen um den WIBF-Titel zu boxen. Es ist als Boxerin schwierig, Kämpfe zu bekommen. Am Anfang meiner Profikarriere hat Jürgen Lutz aus Karlsruhe, der Vizepräsident der WIBF, mich mehrfach auf Veranstaltungen von sich boxen lassen. Ich bin nach jedem Kampf zu ihm hin gegangen und habe mich dafür bedankt. Er sagte jedesmal: Wenn es dir damit ernst ist, sorge dafür, das dein erster WM-Kampf ein WIBF-Kampf ist. Als Arena Box-Promotion mich dann fragte, um welchen WM Gürtel ich am liebsten boxen möchte, habe ich gesagt: WIBF. Ich halte mein Wort. Wenn ich jemandem mein Wort gebe, dann halte ich es auch. Es ist wie ein Vertrag nur viel sicherer, keine Hintertüren und keine Ausstiegsklauseln – eben mein Wort.
Ich möchte mich hier ausdrücklich bei meinem Chef Herrn Klitzke von der Firma Bosch, bei der ich arbeite, bei der Firma Gazi und bei Arena Box-Promotion dafür bedanken, dass sie mich unterstützt haben und unterstützen. Nur durch sie ist es mir überhaupt möglich, um die Weltmeisterschaft zu boxen.
Betker:
Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?
Sahin:
Zuerst einmal natürlich, den nächsten Kampf zu gewinnen und Weltmeisterin zu werden. Dann möchte ich noch so viele WM-Kämpfe wie möglich, in meinen beiden Heimaten, nämlich in Deutschland und der Türkei, machen. Und natürlich wünsche ich mir Gesundheit.
© Uwe Betker