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Die ultimativ subjektive Liste 2016

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Boxer des Jahres
Tyson Fury (25 Kämpfe, 25 Siege, 18 durch KO) boxte 2016 nicht. Er hatte mit psychischen Problemen, Drogen, Alkohol und einem positiven Dopingtest zu tun. Der Weltmeister der WBO und Super Champion der WBA verlor kampflos seine Titel. Aber immer war er in den Medien präsent. Wir dürfen gespannt sein, ob er den Weg zurück in den Ring findet.
Boxer des Jahres (ehrenhalber)
Die Liste der Boxer, die einen zu hohen Preis für ihr Tun bezahlen, wird immer länger. Erst war es Alexander Mengis, der nach seinem Kampf am 23. Mai 2013 in Berlin ins Koma fiel. Nun kam am 18. November 2016 Eduard Gutknecht hinzu. Boxfans, Manager, Veranstalter und Journalisten vergessen gerne, dass Boxen gefährlich ist. Alexander Mengis und Eduard Gutknecht sind die Boxer des Jahres 2016 ehrenhalber.
Boxerin des Jahres
2016 sah ich in Deutschland keine Boxerin, die diesen Titel verdient hätte.
KO des Jahres
Marek Jedrzejewski (11 Kämpfe, 11 Siege, 10 durch KO) boxte am 05.11.2016 in Plettenberg um den Titel des GBU Europameisters im Super Federgewicht. Dabei traf er auf Manuel Buchheit (9 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO). Jedrzejewski boxte überlegt und kontrolliert bis in die letzte Runde. Dann stellte Jedrzejewski Buchheit an den Seilen und deckte ihn mit Links-rechts-Kombinationen zum Kopf ein. Buchheit stürzte KO durch die Seile auf den Tisch der Offiziellen.
Schlechteste Veranstaltung des Jahres
Alle Veranstaltungen von großen Promotern, die das Geld nicht wert waren, das die Fernsehsender und die Zuschauer an den Kassen bezahlt haben.
Feiglinge des Jahres
Zwei Schläger bedrohten im Rahmen der Veranstaltung am 04. Dezember in Hamburg den renommierten Boxsportjournalisten Per Ake Persson. Ein Boxer oder eine Boxerin fühlte sich wohl von Persson nicht nett genug behandelt. Der Boxer oder die Boxerin hat erst einmal ein intellektuelles Problem, weil er oder sie meint, Journalisten hätten Hofberichterstatter zu sein. Zum anderen scheint er oder sie auch feige zu sein, weil er oder sie nicht das Gespräch gesucht hat.
Rookie des Jahres
Ein 32-jähriger Boxer soll ein Rookie sein? Ja. Der Schwergewichtler Patrick Korte hat bis jetzt nur 8 Profikämpfe bestritten. Er ist ein Spätberufener. Aber als Typ ist er interessant und als Boxer viel versprechend. Den Rest wird die Zukunft zeigen.
Überschätzter Boxer des Jahres
Erkan Teper (17 Kämpfe, 16 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage) hat am 15.10.2016 in Christian Hammer seinen Meister gefunden. Der Schwergewichtler war und ist die Hoffung von Z!-Promotion. Inwieweit Teper die in ihn gesetzten Hoffnungen aber erfüllen kann, wird sich zeigen.
Überschätzte Boxerin des Jahres
Es gibt sie, aber ich will sie hier nicht mit einer Nennung ehren.
Ringrichter des Jahres
Drei Ringrichter sind mir sehr positiv aufgefallen: Goran Filipovic vom BDB, Thomas Hackenberg von der GBA und Alexander Plumanns von dem FVA.
Absteiger des Jahres (männlich)
Alexander Zastrow und Boris Zastrow, die Besitzer von Z!-Promotion wollten von Deutschland aus das Schwergewichtsboxen erobern. Sie holten sich Hagen Döring als Mastermind, Oktay Urkal als Trainer und drei Schwergewichtler, Erkan Teper, Christian Lewandowski und Franz Rill. Die Dopingskandale um Erkan Teper wurden ausgesessen. Dann kam aber noch der 15.10.2016 und alle drei Schwergewichtler verloren. Lewandowski und Urkal verloren wohl sogar ihren Vertrag. Unbeschädigt blieb nur ein Nicht-Schwergewichtler, nämlich der Weltergewichtler Timo Schwarzkopf (17 Kämpfe, 16 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage).
Absteiger des Jahres (weiblich)
Maria Lindberg (19 Kämpfe, 15 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage, 2 Unentschieden) ist die Nummer sechs im Super Weltergewicht. Dennoch boxte sie in ihrem letzten Kampf am 04. Dezember in Hamburg gegen eine Debütantin, Selma Music aus Kroatien.
Aufsteiger des Jahres
Felix Sturm (48 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) ist aufgestiegen in den Sportolymp, u. z. in den, in dem schon die Großen Lance Armstrong, Ben Johnson und Jan Ullrich sind. Wie vermutlich bei all den oben Genannten enthielten auch die Körperausscheidungen von Sturm Substanzen, die dort nicht hinein gehören.
Aussteiger des Jahres
Der BDB ist zum zweiten Mal von der EBU in ihrer Mitgliedschaft herabgestuft worden. Grund war wohl jeweils der Umgang des BDBs mit Doping. Man könnte die Informationspolitik des BDB gegenüber der EBU als Ausstieg aus der EBU verstehen.
Veranstalter des Jahres
Der Veranstalter des Jahres ist eine Frau, um es noch präziser zu sagen, eine sehr junge Frau. Die erst 14 Jahre alte Ranee Schröder, stellte am 18.12.2016 in Bielefeld einen Box-Frühschoppen auf die Beine. Und es war eine richtig gute Veranstaltung. Ranee Schröder ist wohl der/die jüngste Boxpromoter/in der Welt sein. Hoffen wir, dass sie weiter macht.
Veranstaltung des Jahres
Christoph Jan Jaszczuk (First Punch Boxpromotion) stellte am 05.11.2016 in Plettenberg eine großartige Veranstaltung auf die Beine. Es gab einfach nur richtig gutes Boxen zu sehen. Im Hauptkampf des Abends wurde Marek Jedrzejewski (11 Kämpfe, 11 Siege, 10 durch KO) GBU Europameister im Super Federgewicht.
Boxevent des Jahres
Gab es überhaupt ein gutes großes Boxevent 2016?
Fehlentscheidung des Jahres
Felix Sturm (48 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) gewann am 20.09.2016 seinen Rückkampf gegen Fedor Chudinov (15 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage). Das wenigstens sahen die Punktrichter Jean-Louis Legland (115:113), Giuseppe Quartarone (115:113) und Ignacio Robles (114:114). Die meisten Boxfans allerdings, sofern sie nicht gerade Felix Sturm Fans waren, sahen das wohl anders.
Trainer des Jahres
Kai Gutmann aus Lemgo hat mit zwei Boxerinnen das Frauenboxen in Deutschland aufgemischt und bereichert: Beke Bas (7 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO) und Leonie Giebel (11 Kämpfe, 10 Siege, 1 durch KO, 1 Unentschieden).
Entgleisung des Jahres
Doping fängt an, das Profiboxen in Deutschland zu zerstören. Erkan Teper, Felix Sturm und Alexander Povetkin sind 2016 im Zusammenhang mit Doping in Erscheinung getreten. Aber das interessiert offenbar keinen, am wenigsten die Verbände, deren Strafen für Doping nach wie vor geradezu lächerlich sind.
Boxkampf des Jahres (männlich)
Der Kampf zwischen Milos Janjanin und Atilla Kayabasi um den WBU International Titel im Super Leichtgewicht am 21.05.2016 in Dorsten, im Rahmen der zweiten Assassin Fighting Championship. Beide gingen von der ersten Sekunde an ein unglaublich hohes Tempo. Ein Schlagabtausch folgte auf den nächsten. In der sechsten Runde zog sich Kayabasi einen stark blutenden Cut über dem rechten Auge zu. Danach verwandelte sich der klasse Kampf in eine geradezu epische Ringschlacht, die Atilla Kayabasi schließlich nach Punkten für sich entscheiden konnte.
Boxkampf des Jahres (weiblich)
Es fand kein wirklich großer in Deutschland statt, oder ich habe weder von ihm gehört noch habe ich ihn gesehen.
Comeback des Jahres (männlich)
Markus Bott ist wieder da. Der ehemalige Weltmeister im Cruisergewicht nach Version WBO trainiert seit kurzem Vincent Feigenbutz.
Comeback des Jahres (weiblich)
Habe ich übersehen.
Bester Show Act des Jahres
Troy Afflick, ein unglaublich guter Soulsänger, sang mehrfach beim Box-Frühschoppen von Ranee Schröder in Bielefeld. – Eine super Stimme.
Boxer, der einen WM-Kampf verdient (männlich)
Der Cruisergewichtler Noel Gevor (22 Kämpfe, 22 Siege, 10 durch KO) ist vermutlich der Boxer von Sauerland Event mit dem größten Potential. Er ist WBO International Champion und die Nummer 22 der unabhängigen Weltrangliste.
Boxer, der einen WM-Kampf verdient (weiblich)
Die Super Federgewichtlerin Leonie Giebel (11 Kämpfe, 10 Siege, 1 durch KO, 1 Unentschieden) dürfte reif für eine WM sein. Sie hat zwar keinen richtigen Punch, dafür hat sie aber eine gute boxerische Grundausbildung. Mit ihren 24 Jahren hat sie noch viele Jahre vor sich.
Boxer, der zu Unrecht übersehen wird
Der Schwede Adrian Grant (14 Kämpfe, 14 Siege, 13 durch KO) ist zurzeit der vielversprechendste unter den in Deutschland boxenden Schwergewichtlern. Und er ist erst 25 Jahre alt. D.h. für einen Schwergewichtler ist er noch richtig jung. In der unabhängigen Weltrangliste wird er bereits auf Position 27 geführt.
Boxerin, die zu Unrecht übersehen wird
Die erst 22 Jahre alte Leichtgewichtlerin Beke Bas (7 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO) ist eine Kriegerin und so boxt sie auch.
Boxkampf, den wir 2017 nicht sehen wollen (männlich)
Laut Internet-Gerüchteküche ist ein Aufeinandertreffen von Felix Sturm (49 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) und Arthur Abraham (50 Kämpfe, 45 Siege, 30 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO) geplant. Vor fünf Jahren wäre das ein Weltklassefight gewesen, jetzt, fürchte ich, ginge es nur noch ums Kasse-Machen. Außerdem stellt sich noch eine moralische Frage: Soll man Boxer, die doch wohl des Dopings überführt sind, auch noch mit einer vermutlichen Millionenbörse belohnen?
Boxkampf, den wir 2017 nicht sehen wollen (weiblich)
Es soll da eine Boxerin in Deutschland geben, eine Weltmeisterin, die angeblich in ihren letzten sechs Titelkämpfen, in den letzten drei Jahren, keine Frau mit einem positiven Kampfrekord geboxt hat.
Boxkampf, den wir 2017 sehen wollen (männlich)
Wladimir Klitschko (68 Kämpfe, 64 Siege, 53 durch KO, 4 Niederlagen, 3 durch KO) vs. Anthony Joshua (18 Kämpfe, 18 Siege,18 durch KO) – Eventuell werden wir den Kampf auch zu sehen bekommen, den wir wollen. Der Gewinner dürfte dann der neue oder der alte Herrscher über das Schwergewicht sein.
Boxkampf, den wir 2017 sehen wollen (weiblich)

Bis jetzt kam es immer noch nicht zum Rückkampf zwischen Christina Hammer (21 Kämpfe, 20 Siege, 9 durch KO) und Anne Sophie Mathis (33 Kämpfe, 27 Siege, 23 durch KO, 4 Niederlagen, 12 durch KO). Wir erinnern uns noch mit Entsetzen an Ringrichter Manfred Küchler und daran, dass Hammer den Kampf nicht durch KO verlor. Nun wird es langsam Zeit, denn Mathis ist bereits 39 Jahre alt und sie hat ihren letzten Kampf gegen Cecilia Braekhus durch TKO in Runde 2 verloren.
© Uwe Betker

Written by betker

31. Dezember 2016 at 23:59

Veröffentlicht in Boxen

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Was man so von und über Felix Sturm hört oder auch nicht hört

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In letzter Zeit ist es um Felix Sturm irgendwie seltsam ruhig geworden. Wir erinnern uns: Felix Sturm (49 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) wurde nach seinem letzten Kampf gegen Fjodor Tschudinow (15 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage) am 20. Februar in Oberhausen positiv auf die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol getestet. Er war also wohl in diesem WM-Rückkampf gedopt. Über das, was die Punktrichter Jean-Louis Legland und Giuseppe Quartarone in diesen Kampf sahen und werteten, wollen wir hier den bleiernen Mantel des Fremdschämens legen.
Nach Öffentlichwerden des Ergebnisses der Analyse von Sturms Urinprobe A sprach Sturm mit Express. Dort erzählte er damals: „Ich bin geschockt“. Weiter meinte er: „Ich werde kämpfen wie ein Löwe. Ich werde Anwälte einschalten und die B-Probe öffnen lassen.“
Danach hörte man von Sturm nichts mehr. Sicher ist, dass er die B-Probe bis heute nicht hat öffnen lassen. Es gibt vermutlich eine Bezeichnung für jemanden, der der Öffentlichkeit etwas verspricht oder sagt, dass er etwas machen wird, und es dann nicht einhält. Aber mir fällt diese Bezeichnung einfach nicht ein. Dabei glaube ich ja immer noch daran, dass der Leverkusener Adnan Ćatić morgen oder übermorgen der Öffentlichkeit seine Unschuld beweisen und den Verdacht, ein Doper und Betrüger zu sein, aus der Welt schaffen wird.
Vor ein paar Tagen sprach Sturms Manager Roland Bebak nun auch mit Express. Er sagte:„Felix gibt seinen WM-Gürtel der WBA zurück“, und weiter, „denn er kann in diesem Jahr nicht mehr kämpfen, er wird sich in Deutschland einer Ellbogen-OP unterziehen müssen.“ – Dies sind nun wirklich Neuigkeiten. Natürlich muss man erst mal abwarten, ob Sturm dieser Ankündigung auch Taten folgen lässt. Der geneigte Boxfan hat schließlich mit Ankündigungen von Sturm so seine Erfahrungen gemacht. Siehe oben.
Leider hat Manager Bebak nichts dazu gesagt, wann und ob Sturm nun die Dopingvorwürfe entkräften wird. Leider schweigen aber nicht nur Sturm und Bebak hierzu. Auch der betroffene Weltverband WBA (World Boxing Association) ist zu keiner Stellungnahme bereit. Mehrfach schickte ich dem Verband drei simple Fragen:
Ist Felix Sturm noch der Super Champion der WBA?
Ist Felix Sturm noch der Sieger seines Kampfes gegen Fjodor Tschudinow?
Will die WBA Sturm für sein Doping bestrafen?
Diese Fragen hat die WBA bis heute nicht beantwortet. Wenn Ćatić und Bebak sich nicht äußern wollen, so kann man das, vor allem nach den vollmundigen Ankündigungen, zwar missbilligen, aber man kann es auch verstehen. Wohl gemerkt, während ich dies hier schreibe, bin ich wie 99,5 Prozent aller Boxinteressieren davon überzeugt, dass Sturm unschuldig ist, nicht gedopt hat und damit auch nicht betrogen hat.
Ein wenig Dynamik kommt durch die Staatsanwaltschaft Köln, die ja wegen des Dopingverdachts, den ja aber keiner glaubt, gegen Sturm ermittelt, oder wie die Staatsanwaltschaft selbst es nennt: „Ermittlungsverfahren gegen Adnan Catic wegen einer Straftat nach dem Gesetz gegen Doping im Sport“. In der Sache teilt sie mit, dass die B-Probe am 12.10.2016 um 10 Uhr in Köln geöffnet wird.
Vermutlich wird dies nun der von allen Sturm-Fans so ersehnte Befreiungsschlag. Ich kann mir natürlich sehr gut vorstellen, dass Sturm die Staatsanwaltschaft gebeten hat, die B-Probe öffnen zu lassen, weil er so seine Unschuld beweisen kann. Man kann sich ja schließlich nicht gut vorstellen, dass Sturm die ganze Sache womöglich aussitzen wollte. Auch kann man sich nicht vorstellen, dass er gehofft haben könnte, sein Sender Sat.1 würde seine Kämpfe trotz der Dopingvorwürfe weiter übertragen.
Fies wird die ganze Geschichte, wenn man sich die WBA ansieht, die offensichtlich das Problem auch aussitzen will. Nichts deutet darauf hin, dass der Verband etwas gegen Doping tun will. Doper werden weiterhin nicht bestraft. Die Kämpfe von Dopern werden nicht annulliert oder neu gewertet. Ein Verband, der sich so verhält, ist dann auch wohl nicht Opfer von „Dopingsündern“, sondern selber Täter. Er handelt dann nämlich als Teil des Dopingsystems. Dies trifft genauso auch für die nationalen Verbände zu.
Um es noch einmal deutlich zu sagen, auch wenn es die Offiziellen der nationalen und internationalen Verbände nicht akzeptieren wollen: Doping ist Betrug. Doping ist eine Straftat. Es ist die Pflicht eines jeden Boxverbandes, sich zu überlegen, wie mit diesen kriminellen Machenschaften umzugehen ist.
© Uwe Betker

Rezension: „Two Ton“ von Joseph Monninger

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Für jeden, der sich für Boxgeschichte interessiert und auch Humor hat, ist das Buch „Two Ton. One fight, one night“, das Buch von Joseph Monninger über den Kampf zwischen Tony Galento und Joe Louis, Pflichtlektüre. Außerdem ist das Buch noch kurzweilig und amüsant.
Tony Domenick Galento (112 Kämpfe, 80 Siege, 57 durch KO, 26 Niederlagen, 6 durch KO, 5 Unentschieden) war ein Unikum. Er machte Wrestling mit einen Oktopus. Er mimte den Bösewicht in dem Film Faust im Nacken, von Elia Kazan mit Marlon Brando. Er wettete, vor einem Schwergewichtskampf fünfzig Hot Dogs essen zu können und er unterhielt sein Publikum mit Tarzanschreie. Er schlug drei Gegner nacheinander, an einem Abend, KO; dabei trank er in den Ringpausen Bier. Überhaupt bestand sein Training zum Teil aus Biertrinken. Er hatte unzählige Manager, darunter den großen Jack Dempsey und bei dem Kampf gegen Louis den legendären Joe Jacobs. Er war Protagonist in dem wohl schmutzigsten Boxkampf des modernen Boxens. Und er boxte am 28.06.1939 im Yankee Stadion in New York, vor 40.000 Zuschauern. NBC übertrug den Kampf im Radio. Geschätzte 40 Millionen Menschen in den USA lauschten der Übertragung.
Gallento, ein haariger und übergewichtiger Barkeeper, dem die Haare auf dem Kopf ausgingen, trat gegen den besten Schwergewichtler seinen Generation, Joe Louis, an, der gleichzeitig auch einer der besten Boxer aller Zeiten ist. Aber dieser Mann, der so überhaupt nicht aussah wie ein Athlet, glaubte daran, dass er gewinnen könnte. Sein Credo: „I´ll moida da bum.“
In der ersten Runde des Titelkampfes klingelte Galento Louis an und in der dritten Runde hatte er ihn sogar am Boden. Der Ausgang ist bekannt.
Er war der krasse Außenseiter, aber die Hälfte der Zuschauer war für ihn. Er war der Mann, der sie zum Lachen brachte und er war der, mit dem sich viele identifizieren konnten. Er war die Verkörperung der Mehrheit: Nicht besonders hübsch, nicht besonders talentiert und nicht übermäßig intelligent, also ebenso durchschnittlich wie wir jeder – aber auch wie jeder von der Idee beseelt, der eigenen Durchschnittlichkeit zu entwachsen.
Gallento bekam seine Chance im Kampf gegen Louis und er versuchte diese Chance, die, realistisch betrachtet, nicht wirklich bestand, zu nutzten. Was in diesem Kampf und auch alles, was davor oder danach noch passiert ist, zeichnet das Buch minutiös nach. Dabei ist es sehr unterhaltsam. Die knapp über 200 Seiten habe ich mit großem Vergnügen und in einem Rutsch durchgelesen. Das Buch „Two Ton“ von Joseph Monninger ist ein sommerlich leichtes Buch und ideal für den Liegestuhl im Garten oder für den Strand. Es ist neu und gebraucht via Internet zu beziehen.
(C) Uwe Betker

Ein Plädoyer für Mindeststandards von Boxverbänden

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Die Glaubwürdigkeit des deutschen Profiboxens nimmt rasant ab. Mal werden positive Dopingergebnisse gar nicht gemeldet, mal werden überführte Doper nur so lange gesperrt, dass es einem unaufmerksamen Zuschauer gar nicht erst auffällt und dann werden Ergebnisse von Punktrichterentscheidungen ein paar Monate später mal eben einfach geändert. Manchmal habe ich das Gefühl, jeden Monat gibt es einen neuen Skandal und alle werden ausgesessen und es ändert sich nichts. Lediglich die Glaubwürdigkeit nimmt immer weiter ab.
Da Profiboxverbände keiner staatlichen und kaum einer publizistischen Kontrolle unterliegen, können sie im Prinzip schalten und walten wie sie möchten. Werden sie mal verklagt, vertrauen sie darauf, dass die Richter sich der Tragweite der Ungeheuerlichkeiten, die da passieren, überhaupt gar nicht bewusst werden, nicht verstehen können oder wollen. Juristisch sind die ganzen Skandale kaum aufzuarbeiten. Das liegt nicht zuletzt an der Tatsache, dass die Verbände eingetragene Vereine sind. Das nämlich erlaubt es den Verbänden, sich zu verhalten, wie sie es eben tun. Und der deutsche Staat ist nun mal leider nicht willens, die Sportverbände zu kontrollieren. So haben wir denn dieses immer größer werdende Problem des Glaubwürdigkeitsschwundes.
Dabei gäbe es ein simples Mittel, dem entgegenzutreten und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Die Boxverbände müssten nur einfache Mindeststandards einhalten. Sicher, es ist geradezu peinlich, Mindeststandards einzufordern, denn die müssten doch wohl selbstverständlich sein. Sind sie aber nicht. Die nachfolgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber wären diese Mindeststandards eingehalten worden, wäre die Glaubwürdigkeit des Profiboxens nicht so massiv ramponiert worden.

– Der Verband hält sich an die eigenen Regeln.
– Der Verband hält sich an die internationalen Regeln.
– Der Verband sieht sich als Vertreter aller Mitglieder, unabhängig davon wie viel Geld sie für den Verband generieren.
– Der Verband vertritt im gleichermaße die Interessen ausländischer Boxer.
– Der Verband sieht sich nicht als Interessensvertreter oder als Exekutive einzelner nationaler Veranstalter.
– Alle Vertreter und Offiziellen sind frei von finanziellen Interessen, die mit dem Boxsport zu tun haben. Das heißt, wer als Veranstalter, Matchmaker, Manager, Trainer, Securityanbieter oder sonst wie als Dienstleister im Bereich Profiboxen tätig ist, darf keine offizielle Position im Verband innehaben.
– Die Titelsituation wird transparent gemacht. Der Verband veröffentlicht für jeden einsehbar, welcher nationale Titel von wem gehalten wird und welche Titel vakant sind.
– Zu jedem Kampf wird die Punktwertung transparent gemacht. Bei jedem Punkturteil wird die Punktwertung verkündet. Es wird transparent gemacht, welcher Punktrichter wie gewertet hat und das wird dann auch bei boxrec eingetragen.
– Tatsachenentscheidungen von Kampfgerichten werden prinzipiell nicht geändert.
– Werden Punkturteile geändert, werden die Gründe transparent gemacht und öffentlich genannt. Alle Beteiligten (Boxer, Trainer, Manager, nationale und internationale Verbände und auch die Öffentlichkeit) werden über die Änderung eines Urteils und deren Gründe informiert.
– Unfähige Punkt- und Ringrichter werden nicht mehr eingesetzt. Wenn ein Punkt- oder Ringrichter den Beweis erbracht hat, dass er unfähig, unwillig oder indisponiert ist, wird er gesperrt, damit er genug Zeit für Nachschulungen hat. Die Sperre wird öffentlich gemacht.
– Unfähige Punkt- und Ringrichter werden auch dann gesperrt, wenn sie angeblich psychisch labil sind und mit Selbstmord drohen.
– Unfähige Punkt- und Ringrichter, die nach einer Sperre ihr Handwerk immer noch nicht beherrschen, werden von allen offiziellen Funktionen im nationalen Verband sowie internationalen Verbänden ausgeschlossen.
– Kämpfe von Boxerinnen und Boxern, die von anderen nationalen und internationalen Verbänden gesperrt sind, dürfen nicht sanktioniert werden.
– Doping wird bestraft. Doping muss bestraft werden, und die Strafe muss für den Doper, der nichts anderes als ein Betrüger ist, spürbar und empfindlich sein.
– Doping wird veröffentlicht. Jedes Doping wird transparent gemacht. Jede Dopingstrafe veröffentlicht (Suspension List).
– Doping wird kontrolliert, und zwar nicht nur nach Titelkämpfen. Will man ernsthaft gegen das Doping vorgehen, so muss es auch unangemeldete Kontrollen gegen.
Wie schon gesagt, dies sind einfache Mindeststandards und man sollte eigentlich erwarten können, dass die Boxverbände sie auch einhalten. Wenn mich nicht die Realität im Profiboxen eines Besseren belehrt hätte, würde ich mich nicht der Peinlichkeit aussetzten, solche Selbstverständlichkeiten hier noch aufzuschreiben. Aber diese Selbstverständlichen sind eben nicht selbstverständlich. Daher ist es auch notwendig, Mindeststandards einzufordern.
(C) Uwe Betker

Written by betker

31. Juli 2016 at 23:59

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Zwei Weltmeisterschafen in Velbert

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Das EMKA Sportzentrum in Velbert ist am Samstag, dem 18 Juni, Austragungsort von zwei Weltmeisterschaften im Profiboxen. In der ersten trifft der Interimsweltmeister im Schwergewicht Werner Kreiskott (43 Kämpfe, 22 Siege, 16 durch KO, 19 Niederlagen, 8 durch KO, 2 Unentschieden) auf Drazan Janjanin (17 Kämpfe, 11 Siege, 10 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO) aus Bosnien Herzegowina. Er will nun regulärer Weltmeister der World Boxing Union werden. Natürlich ist die WBU nicht einer der großen vier Verbände im Profiboxen und Kreiskott ist auch kein Wladimir Klitschko, dafür sind die Kämpfe des Wuppertalers Kreiskott unterhaltsamer als die meisten, die wir von dem Ukrainer zu sehen bekommen. Als er im September Interimsweltmeister wurde, musste er in der zweiten Runde einen Niederschlag überstehen. Kreiskott ist kein Filigrantechniker. Er steigt in den Ring, um zu kämpfen. Er hat den Kampfnamen: „der Panzer“ – und der Name passt. Er versucht, seine Gegner schlich und einfach zu überrollen. Das geht nicht immer gut, was man an seiner Kampfbilanz ablesen kann. „Man kann nicht immer gewinnen“, erklärt er. „Wenn der Andere besser ist, dann hat er auch den Sieg verdient, und dann soll er ihn auch bekommen.“ Kreiskott hat weder einen Manager und noch einen Trainer. Dafür aber ist er sein eigener Veranstalter für einen Teil seiner Kämpfe, so auch jetzt in Velbert. Seine Kämpfe ermöglicht er sich so erst. „Boxen macht mir einfach Spaß“, sagt er. „Ich liebe es dort oben im Ring zu stehen und zu boxen.“ Diese Worte könnten auch von Özlem Sahin (22 Kämpfe, 20 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) stammen, die den zweiten Hauptkampf des Abend bestreiten wird. Sahin boxt um die WM der Universal Boxing Organization und um den Intercontinental Titel der World Boxing Federation im Minimumgewicht, der Gewichtsklasse bis 46,266 kg. Dabei trifft die Ludwigsburgerin auf die Ungarin Agnes Draxler (21 Kämpfe, 9 Siege, 1 durch KO, 12 Niederlagen, 7 durch KO). Sie hat einen Trainer, Frank Lubitz, und eine Managerin, Eva Dzipina, aber wie Kreiskott muss sie selber sehen, wie sie ihre Kämpfe finanziert. Sahin pendelt für ihre Kampfvorbereitungen zwischen Ludwigsburg wo sie wohnt und Kerpen, wo sie trainiert, einmal die Woche hin und her. Dies kann sie nur, indem sie zum einen Urlaub nimmt, dann in Kerpen Homeoffice für ihren Arbeitgeber Bosch in Waiblingen arbeitet und schließlich durch die Unterstützung ihres Sponsors GAZI. Das alles nimmt sie auf sich für ihr erklärtes Ziel, noch in diesem Jahr einen Rückkampf mit Gretchen Abaniel zu bekommen, gegen die sie am 09.11.2015 ihren einzigen Kampf verlor. Auch Sahin hat eine passenden Kampfnamen: BoxLady.
(C) Uwe Betker

Eine Frau in einer Männerwelt: Die Boxmanagerin Eva Dzepina

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Profiboxen ist eine Männerwelt, auch wenn es ein paar Frauen gibt, die in den Ring klettern und dort kämpfen. Die Trainer sind Männer. Die Veranstalter sind in der Regel auch Männer. Die Manager von den Boxern sind Männer. Fast allen Frauen, die man in Deutschland wahrgenommen hat sind Verwandte bzw. Ehefrauen von männlichen Profiboxern. Die bekanntesten dürften Christine Rocchigiani, die (Ex-)Frau von Graciano Rocchigiani und Daniela Haak, die (Ex-)Ehefrau von Markus Beyer gewesen sein.
Die Rechtsanwältin Eva Dzepina wird mehr und mehr zu einer festen Größe in der deutschen Profiboxszene. Einige ihre Mandanten sind oder waren Profiboxer und diese hat sie in verschieden Rechtstreits vertreten. Mittlerweile ist die Managerin von Özlem Sahin, der Ex-Weltmeisterin im Minimumgewicht.

Frage: Sie sind Rechtsanwältin, unter anderem für Marken-, Kunst- und Wettbewerbsrecht und Partnerin einer mittelständischen Wirtschaftskanzlei. Was haben Sie im Profiboxen zu suchen?

Antwort: Zufall. Als aktive und begeisterte Boxsportlerin habe ich auch viele Profis kennen gelernt und mit ihnen trainieren dürfen. Mit Özlem Sahin bin ich privat gut befreundet und eigentlich Ende letzten Jahres nur so in das Management reingerutscht, weil jemand gebraucht wurde, der Ordnung in die Kampf-Organisation brachte und mal auf den Tisch haut. Seitdem hänge ich drin, und das sehr gerne.

Frage: Wie sehen Sie als Rechtsanwältin die Realitäten des Profiboxens? Sie sind bestimmt eher geordnete Strukturen gewohnt.

Antwort: Es hat einige Zeit gebraucht, hinter das System und die Rolle der verschiedenen Verbände und insbesondere des Boxrec-Rankings zu steigen. Letzteres erscheint mir immer noch gelinde gesagt schleierhaft und häufig willkürlich. Mit klassischer anwaltlicher Arbeit hat das Profiboxen weniger zu tun. Das ist dagegen wilder Westen. Aber es hilft, ein charmantes Auftreten und Flexibilität zu haben. Es hat nach meiner bisherigen Erfahrung auch wenig Sinn, auf vermeintliche Rechte zu pochen. Das funktioniert nicht, wie man bereits häufig gesehen hat. Vielmehr geht es um individuelle Absprachen und praktische Lösungen.

Frage: Sehen Sie als Frau Ihre Rolle im Boxmanagement als schwieriger an? Das Frauenboxen ist ja nicht so populär wie das Männerboxen.

Antwort: Ich habe bisher nur gute Erfahrungen im Umgang mit den Verbänden und anderen Managern gemacht. Ich nehme den Boxsport sehr ernst und ich denke, dass merkt man. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass wenig verbindlich ist und alles regelmäßig und mehrfach absichern. Es ist unerlässlich, Sponsoren zu haben. Vielleicht ist es auch ein Vorteil, dass ich als Frau keinen Hahnenkampf durchführen muss wie oft bei Männern der Fall. Dann geht alles entspannter zu. Mein Beruf als Rechtsanwältin hilft aber definitiv. Ich gehe strukturiert an die Sachen heran und wundere mich eigentlich sowieso schon über nichts mehr (lacht).

Frage: Werden Sie noch tiefer in das Boxmanagement einsteigen?

Antwort: Das kann durchaus passieren. Ich werde demnächst auch einen jungen Boxer, der nach einer beachtlichen Amateurkarriere ins Profigeschäft wechseln möchte, mit Managementaufgaben unterstützen. Und mit Özlem haben wir dieses Jahr noch Einiges vor, wir wollen um WM-Gürtel weiterer Verbände kämpfen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir hier eine gute Medienpräsenz erhalten.

Frage: Was haben Sie bisher vom Profiboxgeschäft gelernt?

Antwort: Habe immer einen Plan B, C und D. Und: Keine Schnellschüsse. Manchmal hilft einfach nur entspanntes Abwarten.
© Uwe Betker

Ein guter Abend im „Generation“ in Moers

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In Moers, im „Generation“, gab Hani El-Jarie eine kleine aber feine Freitagabendveranstaltung mit neun Profikämpfen. Davon waren sieben Vierrunder, einer ein Sechsrunder und einer ein Achtrunder. Matchmaker war Sebastian Tlatlik. Das „Generation“ ist eine Diskothek und war an diesem Abend wahrscheinlich zum ersten Mal auch Veranstaltungsort für Profiboxen. Und ich muss sagen, es ist ein guter Ort fürs Boxen. Er bietet Emporen, von denen man in den Ring gucken kann, Reihenbestuhlung, Sitzecken und eine Theke mit Ringblick. Hoffen wir, dass im „Generation“ noch viele Boxshows zu sehen sein werden.
Im ersten Kampf des Abends trafen im Leichtgewicht Abdessamad Gaabouri (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Khalid Schenweri aufeinander. Schenweri gab sein Profidebüt. Der Kampf war kurz, intensiv und ein wenig hektisch. Beide schenkten sich nichts. Der Rechtsausleger Gaabouri kam mehrfach mit seinen rechten Kopfhaken durch. Allerdings musste er selber auch Rechte zum Kopf nehmen. Einmal schien es, als ob er nach einem Treffer leicht einknickte. Aber kurze Zeit später kam er schon wieder mit einer Rechten zum Kopf durch. Schenweri blieb wie angewurzelt stehen und versuchte zu überleben, während Gaabouri ihn mit Schlagkombinationen eindeckte, bei denen einige Fäuste ihr Ziel fanden. Irgendwann, ungefähr nach 25 bis 30 Schlägen, auf die Schenweri nicht antwortete, brach Ringrichter Thomas Hackenberg den Kampf ab. Sieger durch TKO in Runde 1 nach 2:51: Abdessamad Gaabouri.
Schenweri und seine Ecke meinten, der Abbruch sei unberechtigt gewesen oder zu früh gekommen. Der Manager von Gaabouri, Christoph Jan Jaszczuk, sicherte ihnen einen baldigen Rückkampf zu.
Der folgende Kampf zwischen Sandro Lütke Bordewick (10 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO, 5 Niederlagen 4 durch KO) und Mohamet John Karemi (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 1 durch KO) im Super Federgewicht war sogar noch kürzer als der vorangegangene. Er begann mit einem Sprint. Bei dem obligatorischen Griff in die Weichteile, der Tiefschutzkontrolle, stellte Ringrichter Kornelius Bernds fest, dass Karemi seinen Tiefschutz nicht anhatte. Er musste daher zurück in die Umkleide sprinten. Der vergessene Tiefschutz stellte sich dann im Verlauf des Kampfes auch als schlechtes Omen für ihn heraus. Was folgte, war für mich nämlich eine faustdicke Überraschung. Zunächst begann es eigentlich gut für Karemi. Er kam gleich zu Anfang der Runde mit einer schönen Rechten zum Kopf durch. Daraus entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch. Irgendwann ging Karemi dann nach einem harten Treffer runter und der Ringrichter winkte den Kampf ab. Sieger durch TKO in Runde 1 nach 2:30: Sandro Lütke Bordewick.
Den dritten Kampf bestritten im Weltergewicht Andreas Maier (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Mirko Sikora (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 4 durch KO). Maier boxte schön ruhig, gelassen und ökonomisch. Er überhastete nicht, sondern arbeitete systematisch. Dabei startete er nur wenige Aktionen, die er aber überlegt ansetzte und durchführte. Zwischendurch hatte ich fast das Gefühl, er wollte jede Schlagkombination einmal ausprobieren, um zu sehen, wie sein Gegner darauf reagiert. Sikora traf nicht.
In der zweiten Runde erhöhte Maier das Tempo, wodurch der Kampf munter wurde. Zwei Schläge zum Kopf brachten Sikora dann zu Boden. Er stellte sich zwar noch mal zum Kampf, aber Maier wollte den KO Erfolg. Er jagte und erlegte Sikora. Eine knackige Rechte zur Schläfe zwang Sikora erneut zu Boden. Mit dem Schlussgong winkte der Ringrichter Kornelius Bernds den Kampf ab. Da lag Sikora noch auf dem Boden. Sieger durch TKO in Runde 2, nach 3:00: Andreas Maier.
Der dann folgende Kampf ging über die angesetzten vier Runden und war sehr amüsant. In ihm trafen im Mittelgewicht Dominik Tietz (7 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) und Dogan Kurnaz (4 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) aufeinander. Der sehr viel größere Tietz fand nie die richtige Distanz für seine Führhand und kam daher nie richtig in den Kampf. Er tat sich sehr schwer mit seinem Gegner. Kurnaz wechselte immer wieder die Auslage, machte Faxen und versuchte es mit überfallartigen Angriffen, mit denen er manchmal sogar durch kam. So konnte er, auf meinem Punktzettel, die erste Runde dann auch für sich entscheiden.
Ab der zweiten Runde baute Kurnaz konditionell ab. Er atmete schwer. Aber er hatte offensichtlich beschlossen, bis zum Ende durchzuhalten und Tietz das Leben schwer zu machen. Immer wenn Tietz seine Führhand konsequent nutzte, was er jedoch nur selten tat, punktete er. Sein Punktsieg war schließlich auch nie in Gefahr, aber den KO schaffte nicht, was für Kurnaz schon ein Triumph war. Sieger nach Punkten: Dominik Tietz.
Hiernach stieg das Leichgewichtstalent Marek Jedrzejewski (8 Kämpfe, 8 Siege, 8 durch KO) in den Ring und traf dort auf Ziya Goekalp (5 Kämpfe, 5 Niederlagen, 3 durch KO). Es war eine Demonstration der boxerischen Klasse von Jedrzejewski. Er boxte überlegen und abgeklärt. Mitte der ersten Runde schickte er mit einem schönen Leberhaken seinen Gegner zu Boden. Der kam wieder hoch und musste nun die nicht überhasteten Angriffe von Jedrzejewski über sich ergehen lassen. Am Ende der Runde nahm Goekalp dann eine harte linke Grade zum Kopf. Die Seile verhinderten, dass er zu Boden ging, und der Gong rettete ihn vor noch mehr Schlägen. Zur zweiten Runde trat er dann aber nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 2: Marek Jedrzejewski.
Im Super Mittelgewicht boxte John Rene (9 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 2 Unentschieden) gegen Deniz Polat (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO). Boxen ist hier eigentlich der falsche Begriff. Rene nennt sich selbst „Captain Caveman“ – und genau so boxt er auch. Er steigt in den Ring, um seinen Gegner niederzuwalzen: Er drischt so lange auf seine Gegner ein mit seinen Haken, bis sie zu Boden gehen. Und so war es auch diesmal. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 1:30 Minuten: John Rene.
Im nächsten Kampf trafen im Mittelgewicht zwei Debütanten aufeinander, der Lokalmatador Sahan Albay und Leonardo Loandriz. Albay, wohl inspiriert durch die Vorkämpfe, wollte den KO Erfolg. Er schob sich, hinter seiner Doppeldeckung verschanzt, an seinen Gegner heran und versuchte dann mit harten Schlägen durchzukommen. Loandriz zeigte eine gute Beinarbeit und gute Reflexe. Seine Schläge waren meist Schwinger, die nur selten ihr Ziel trafen. Albay hatte mehr von dem gut anzusehenden Kampf. Sieger nach Punkten: Sahan Albay.
Im vorletzten Kampf des Abend maßen Roman Alesin (12 Kämpfe, 8 Siege, 3 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden) und Fadil Pasalic (11 Kämpfe, 1 Sieg, 10 Niederlagen, 5 durch KO) im Super Mittelgewicht ihre Kräfte. Es war ein ausgeglichenes Kräftemessen. Es gab viel Fintieren, aber nur sehr wenige Aktionen und sehr wenige Schlagabtäusche. Man konnte eher von einem Fechten mit der Faust sprechen. Ich persönlich habe den Kampf Unentschieden gewertet, das Kampfgericht gab Roman Alesin mit 2 zu 1 Richterstimmen den Kampf, was für das Kampfgericht spricht.
Der letzte Kampf des Abends war ein Schwergewichtskampf. Es war weniger ein Hauptkampf als ein Rausfeger, denn nach dem Auftritt des Lokalmatadoren Sahan Albay hatten sich die Zuschauerreihen schon zusehens gelichtet. Rojhat Bilgetekin (7 Kämpfe, 5 Siege, 4 durch KO; 2 Niederlagen, 2 durch KO) traf auf Aldin Avdic (6 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 5 Niederlagen, 5 durch KO). Es war ein seltsamer Kampf. Der kleinere Bilgetekin schien nicht zu wissen, wie er an seinen Gegner ran kommen sollte. Seine Schläge sahen auch nicht gefährlich aus. Avdic machte nur das Nötigste, wenn er überhaupt etwas machte. Die Zuschauer wurden immer weniger und die verbliebenen, waren mit ihren Gesprächen beschäftigt. Der Kampf plätscherte so dahin. Nach der zweiten Runde rief die Ecke von Avdic nach dem Ringarzt. Avdic habe sich die Schulter verletzt. Sieger durch TKO in Runde 3: Rojhat Bilgetekin,
Der Freitagabend im „Generation“ in Moers, am 29.04.2016, war für mich ein guter Abend. Es gab zum Teil gute Kämpfe zu sehen und ich könnte mir vorstellen, dass einige von denen, die dort geboxt haben, auch ihren Weg im Profiboxen gehen werden. Bleibt mir nur zu hoffen, dass ich dort bald wieder Boxen zu sehen bekomme.
© Uwe Betker

Ein Rückblick auf das letzte Jahr der sportlichen Karriere von Marco Huck

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Von Marco Hucks letztem Kampf war das Bild im Internet am häufigsten zu sehen, auf dem er besinnungs- und wehrlos auf dem zweiten Seil von unten liegt , über ihm stehend: der Ringrichter David Fields, der ihn auszählt. Huck (42 Kämpfe, 38 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) ist nicht mehr Weltmeister der WBO im Cruisergewicht. Das sollte nun Grund genug sein, das letzte Jahr seiner sportlichen Karriere Revue passieren zu lassen.

Im Sommer letzten Jahres war die Welt von Huck noch in Ordnung. Am 30. August absolvierte er im Garry Weber Stadion in Halle ein leichtes Sparring. Dabei besiegte er den Italiener Mirko Laghetti, einen handverlesenen Gegner. Aus blieb dabei allerdings das angekündigte Zerbröseln der Hartweizen Nudeln. Er brauchte für die „Spagetti à la Laghetti“ doch zwölf Runden. Dies war sein letzter Kampf für Sauerland Events GmbH.
Sauerland hatte ihn, den Kickboxer, 2004 unter Vertrag genommen. Da Huck spät und über den Umweg des Kickboxens zum Boxen gekommen war, wurde aus ihm, trotz der Bemühungen von Trainer Ulli Wegner, kein technischer Boxer, sondern ein harter, technisch limitierter Fighter, der den KO sucht. Trotz schlechterer Voraussetzungen und allein durch Fleiß, Härte und die Hilfe seines Veranstalters wurde er Europameister und Weltmeister der World Boxing Organisation.

Nach seinem Kampf gegen Laghetti trennte sich Huck von seinem Veranstalter. Vermutlich war Geld der Grund hierfür. Es geht schließlich fast immer um Geld. Huck gründete mit seinem Bruder Kenan Hukić eine eigene Promotion-Firma – nach dem Vorbild der Klitschkos und Felix Sturms. Er und sein Bruder, der nun sein Promoter, Manager und Geschäftsführer seiner Firma ist, versuchte er, sich selber ins Gespräch zu bringen als ein möglicher Gegner für Wladimir Klitschko (66 Kämpfe, 63 Siege, 53 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO). „Jetzt bin ich frei für Klitschko!“ Aber natürlich war solch ein Kampf nicht zu vermarkten. Wieso sollte der zur Zeit beste Schwergewichtler der Welt und amtierende Weltmeister der IBF, WBO und Super Champion der WBA gegen jemanden boxen, der seinen einzigen Schwergewichtskampf nicht gewinnen konnte. – Huck verlor am 25.02.2012 gegen Alexander Povetkin. Seine Leistung war keine Offenbarung. Auf keinen Fall aber war sie eine, die ihn als einen möglichen Herausforderer für Klitschko qualifiziert hätte. Gleichwohl wurde er nach diesem Kampf nicht müde, Klitschko herauszufordern.
Der als Muamer Hukić in Novi Pazar, im heutigen Serbien geborene Huck versuchte nach seinem Weggang von Sauerland einen deutschen TV-Sender für seine Kämpfe zu interessieren. Diese Bemühungen waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Zeljko Karajica, der Geschäftsführer der ProSiebenSat.1 TV Deutschland sagte öffentlich: „Huck muss mit Sauerland einen Deal machen, wenn er in Sat.1 boxen will. Es wird keinen separaten Vertrag mit Huck Sports Promotion geben.“ Und Wilfried Sauerland gab zum Besten, Huck würde sich überschätzen.
Da Huck keinen TV-Vertrag in Deutschland bekam, ging er in die USA. Die Überlegung, die hinter diesem Schritt stand, war gut. Mit seinem Boxstil und seinem WM -Titel standen ihm die Türen offen. Geplant war eine relativ einfache Titelverteidigung gegen den als zweitklassig angesehenen Kryrsztof Glowacki. Dann sollte er gegen die Ringlegende Roy Jones jun. (67 Kämpfe, 59 Siege, 42 durch KO, 8 Niederlagen, 4 durch KO) antreten. Zwei überzeugende Siege, die auch realistisch waren, und er wäre eine feste Größe auf dem US-amerikanischen Markt geworden. Aber dazu kam es nicht. Er verlor nämlich durch KO in Runde 11.
Nach dieser Niederlage steht Huck nun vor dem Scherbenhaufen seiner Karriere. Da nutzte auch nichts, einen Rückkampf zu fordern. Warum sollte er ihn auch bekommen. Hat er denn selbst Denis Lebedev einen Rückkampf gewährt, nachdem er am 19.12.2010 von diesem vermöbelt worden war und durch die zwei Punkrichter Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo den Sieg geschenkt bekommen hatte? – Nein.
Es fiel auf: Huck boxte in seinem letzten Kampf technisch um Klassen schlechter als sonst. Durch seinen Weggang von Sauerland war er gezwungen, sich auch einen neuen Trainer zu suchen. Ulli Wegner, der ihn als Trainer zum Weltmeister gemacht hatte, durfte ihn nicht mehr trainieren. Aus einem mir unerfindlichen Grund nahm er sich dann einen amerikanischen Trainer. Er plauderte selber in einem Interview darüber, dass er einmal zu spät zum Training in seinem Trainingslager in Las Vegas gekommen sei, weil er im Casino festhing. Das spricht ja wohl nicht gerade dafür, dass er seinen Gegner und seinen Trainer Don House sonderlich ernst genommen hätte.

Jeder weiß, dass ein Trainerwechsel nicht unproblematisch ist. Noch schwieriger ist es, wenn der Trainer aus einer ganz anderen Trainerschule kommt. Relativ selten nur kamen europäische Boxer mit amerikanischen Trainern zum Erfolg. Zu unterschiedlich sind beide Boxschulen. Und „Umschulungen“ auf einen anderen Stil gehen in der Regel nicht gut. Wenn Huck nun in seinem Trainer den Sündenbock für seinen Titelverlust gefunden zu haben glaubt, so ist das einfach billig. Er hat sich House doch selbst ausgesucht, der außerdem – abgesehen von Bermane Stiverne – aktuell auch keinen Top-Boxer betreut.
Hucks Deckung war schlecht. Die Kondition war schlecht. Die Linke hängen lassen, um den Gegner zum Angriff zu verleiten, war ein suboptimale Idee. Die Verständigung in der Ringecke war auch schlecht. Sich nur über einen Dolmetscher zu verständigen, kann nun auch einfach nicht hilfreich sein, vor allem, wenn man nur maximal 60 Sekunden Zeit hat zu kommunizieren. Wie schon gesagt Captain Hook hat sich seinen Trainer selbst ausgesucht und alle Probleme waren vorher bekannt.
Huck sucht inzwischen einen neuen Trainer. Es sieht im Moment danach aus, als würde Graciano Rocchigiani sein neuer Trainer werden. Auch hier sehe ich Schwierigkeiten voraus. Aber Huck wird schon wissen, warum er Rocky will. Neue sportliche Aufgaben hat er aber immer noch keine.
© Uwe Betker

Written by betker

25. Oktober 2015 at 23:59

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Eine perfekte Inszenierung: Die erste PK zu Wladimir Klitschko vs. Tyson Fury

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Am 24. Oktober 2015 sollen Wladimir Klitschko (67 Kämpfe, 64 Siege, 3 Niederlagen, 3 durch KO) und Tyson Fury (24 Kämpfe, 24 Siege, 18 durch KO) im ehemaligen Rheinstadion in Düsseldorf gegeneinander boxen. Also in 3 Monaten geht es um die WM Titel der IBF, WBO im Schwergewicht und um den Super Champion Titel der WBA, den zwar Klitschko verlieren, aber allerdings Fury nicht gewinnen kann. Wie gesagt, der Kampf findet in drei Monaten statt. Aber es gab bereits am 21. Juli die erste Pressekonferenz.
Pressekonferenzen, besonders wenn sie lange vor dem angesetzten Termin für die Veranstaltung stattfinden, sind in der Regel relativ lahm und überraschungsarm. Eine Spannung muss sich erst aufbauen und jeder der Anwesenden weiß, dass es hier darum geht, die PR-Welle allererst anzuschieben. Aber diesmal war es doch etwas anders. Und das lag vor allem an der perfekten Inszenierung der PK.
Ort des Geschehens war der VIP Bereich des Rheinstadions. Auf der Terrasse war ein kleines Buffet mit Currywurst, Brötchen und Kanapees hergerichtet. In der Ecke stand ein Kühlschrank mit einem alkoholfreien Bier und auf den Stehtischen standen Etageren mit Spanschiffchen, die zwei Minifrikadellen mit Senf und Kartoffelsalat enthielten. Kellner brachten auf Wunsch Kaffee und Erfrischungsgetränke. Eine leichte Brise wehte durch das Stadion. Man stand im Schatten und schaute auf das satte Grün des Rasens inmitten des großen Ovals, man unterhielt sich und wurde verköstigt. Was will man als Journalist mehr?
Ein halbe Stunde vor Beginn setze dann ein wummerndes, wie ich finde, nerviges, Geräusch ein, einem Herzschlag nicht unähnlich.
Dann ging man in den vorbereiteten Raum im VIP-Bereich. Dort fand sich am Kopfende eine Reihe mit Tischen, auf denen fünf Weltmeistergürtel standen, dahinter eine Reihe Stühle für Klitschko und Co. und davor fünf Stuhlreihen für die Journalisten. An den Seiten war je ein großer Monitor angebracht. An einer Seite gab es noch Stehtische mit Hockern. Geschätzte 100 Journalisten aus dem In- und Ausland waren gekommen. Einer von ihnen war der ehemalige Weltmeister im Cruisergewicht Johnny Nelson.
Es wurden quasi gleich zwei Pressekonferenzen abgehalten, eine auf Deutsch, ohne Tyson Fury, der erst später dazukam und dann noch eine mit ihm gemeinsam. Die erste von diesen beiden Pressekonferenzen begann mit einem Video über das „unschlagbare Team“ RTL und Klitschko, das auf den beiden Monitoren eingespielt wurde. Da wurde vor allem stolz auf die Zahlen verwiesen. „Im Durchschnitt sahen 8,94 Millionen Zuschauer die bislang 18 Kämpfe von Wladimir Klitschko bei RTL, der Marktanteil liegt bei herausragenden 48,3 Prozent.“ Dann verkündete Frank Hoffmann, Geschäftsführer und Programmdirektor von RTL, dass Klitschko für weitere fünf Kämpfe bei RTL unterschrieben hat. Hoffmann und Bernd Bönte, der Geschäftsführer und Mitinhaber der „Klitschko Management Group GmbH“ und Manager von Klitschko und Klitschko, der eine bewundernswerte Eloquenz demonstrierte, zeigten sich dann noch hoch zufrieden mit ihrer Zusammenarbeit und der Vertragsverlängerung.
In der zweiten Pressekonferenz, die zweisprachig, in Deutsch und Englisch, geführt wurde, ging es dann um den bevorstehen Kampf in drei Monaten. Als erster trat Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer, ans Pult und betonte die Bedeutung der Veranstaltungen von Klitschko für den BDB. Ihm auf dem Fuß folgte Bernd Bönte, der Klitschko in eine Reihe mit Joe Luis, Larry Holmes und Muhammad Ali stellte und vor allem Werbung für die Veranstaltung machte. Er sagte, es sei ein Showact der Extraklasse geplant und werde bald angekündigt. Die Eintrittskarten sollen zwischen 29 und 890 Euro kosten. In über 150 Länder soll übertragen werden; HBO überträgt in den USA, mit vier britischen TV-Stationen werde noch verhandelt. Und überhaupt sei der Kampf gegen Fury das Beste, was zur Zeit möglich sei.
Es folgten Mike Hennessy, der Manager, und Peter Fury, der Trainer von Fury, am Rednerpult. Hennessy führte aus, dass der bevorstehende Kampf die Erfüllung eines Traumes sei. „Tyson Fury ist vorherbestimmt, Weltmeister zu werden.“ Sein Schützling sei einer der besten Schwergewichtler aller Zeiten. Mike Fury, der Tysons Vater ist, machte deutlich, sein Sohn komme zum Gewinnen und nicht, um sich auf die Matte zu legen.
Es folgte ein weiterer Einspieler, diesmal über Tyson Fury, der dann auch selbst ans Pult trat. Gut gelaunt begrüßte er die Anwesenden auf Deutsch. Dann witzelte er, nach seinem Sieg über Klitschko auch bereit zu sein, den TV Vertrag mit RTL zu übernehmen. Dann betonte er noch, er sei einzigartig und einen Boxer wie ihn, gäbe es nur alle 1.000 Jahre mal.
Wieder gab es einen Einspieler, diesmal über Wladimir Klitschko, der dann zum zweiten Mal ans Pult trat. Er reagierte souverän und witzig auf eine Äußerung von Fury über sein Alter und lobte ihn als Boxer und als Entertainer. Er nehme den Herausforderer Fury sehr ernst, und er verspreche, 100% vorbereitet zu sein. Nebenbei bemerkt, brauchte Klitschko keinen Übersetzter. Er übersetze sich selbst.
Sodann durften die Pressevertreter ihre Fragen stellen. Wie üblich, taten das aber nur wenige Kollegen. Klitschko nahm das zum Anlass einzugreifen: „Ihr müsst euch Fragen überlegen und fragen!“ Also stellte er eben selber eine Frage an Fury, oder besser: Er drückte auf den richtigen Knopf und Fury reagierte genau so, wie er es haben wollte. Fury wurde emotional – und dabei war er sehr unterhaltsam. Er beteuerte, die Welt von diesem Langeweiler Klitschko befreien zu wollen. Klitschko sei doch ein alter Mann und er werden ihn KO schlagen.Er prahlte: Er sei unberechenbar. Er sei der Beste. … Klitschko warf zwischendurch einen Satz ein und Fury reagierte prompt darauf. Wladimir Klitschko hatte alles unter Kontrolle.
Zum Abschluss dann das übliche chaotische Staredown für die Photographen und später noch die Möglichkeit, die beiden Boxer im Stadion zu fotografieren.
Die erste Pressekonferenz zu Klitschko vs. Fury war eine perfekte Inszenierung. Was dabei auffiel, war, dass Wladimir Klitschko nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Regisseur der PK war.
© Uwe Betker