Box-Blog

Posts Tagged ‘Manfred Fammler

Gastbeitrag: Zufriedene Sieger lächeln anders

leave a comment »

Als Timo Rost eine Hand zum Zeichen des Sieges zur Hallendecke streckte, sprach sein Gesicht andere Bände. Große Freude war daraus nicht abzulesen. Dachte er in diesem Moment an die vermaledeite zweite Runde? Diese drei Minuten hätten den Kampfrichterspruch zum Ausgang des Kampfes entscheidend beeinflussen könne.
Mit zwei zu eins Stimmen bezwang Rost den Polen Bartlomiej Grafjka nach Punkten. Das ist ein Fakt. Insgesamt konnte das Ergebnis nach acht Runden aber nicht zufriedenstellen. Zu früh, eben in den zweiten drei Minuten, verlor der Lokalmatador in der Düsseldorfer Classic Remise die Kontrolle über den Kampf und damit die Hoheit über die Zettel der Punktrichter.

Ein Gedanke, der sich in der ersten Runde nicht aufdrängte. Der 28-jährige agierte souverän, bewegte sich gut durch den Ring und bot dem Polen kaum eine Chance, ihn zu stellen. Besonders die Beinarbeit des Düsseldorfer zeigte im Vergleich zu anderen Kämpfen deutliche Fortschritte. Mit kleinen Schritten entzog er sich den Angriffen des Polen. So musste der 31-jährige Grafka Rost ständig hinterhergehen, der sich aber der Halbdistanz und dem Infight – die Stärke des Polen – entzog, und seinerseits Geraden und Haken setzen konnte. Deutlich ging die erste Runde an Timo Rost, dessen Attacken und Treffer – auch auf die Deckung – mit lautem Jubel der meisten der 600 Zuschauer begleitet wurden. Zu diesem Moment ahnte niemand, dass der Gerresheimer zur Mitte der zweiten Runde – wie von Geisterhand geschüttelt – einbrach.

Kaum Korrekturen in der Ringpause, stattdessen „weiter so“ und mit großer Zuversicht getragen von seinen Fans ging Rost in die Schlüsselrunde des Kampfes. Zu Beginn lief auch alles nach Plan. Der Pole boxte konstant, änderte seinen Stil nicht, ging weiter nach vorne, suchte Halbdistanz und Infight und präsentierte sich als zwar hartnäckiger, aber dankbarer Gegner. Gefahr schien von ihm nicht auszugehen. In eben diese brachte sich Rost plötzlich selber. Ohne Not, ohne Wirkungstreffer, ohne erkennbares Zeichen oder äußeres Merkmal verlor Rost – ja was eigentlich? Kraft, Konzentration, Zuversicht? Wie eine Vollbremsung eines Sportwagens aus voller Fahrt stoppte Rost in der Mitte der zweiten Runde fast jede Aktivität, die in der ersten Runde noch Zuversicht ausstrahlte. Ging ihm der Sprit aus, war er erkältet, fuhr er auf Reserve? Timo Rost verlor die Linie. Er schleppte sich nun von Runde zu Runde. Immer häufiger stellte ihn Grafka entweder an den Ringseilen oder in einer Ecke. Zwar brachte seine Stöße Rost nicht in unmittelbare Gefahr eines KOs, doch mit zunehmender Kampfdauer ließ Rost die Deckung immer häufiger fallen und bot dem Polen Gelegenheiten, die ein ambitionierterer Boxer hätte nutzen können, nein, genutzt hätte. Selbst die immer dringenderen und lauter werdenden Anweisungen aus der eigenen Ringecke verhallten größtenteils ungehört. Erst in den letzten beiden Runden setze Rost die Anweisungen seines Trainers wieder um und konnte Vorteile für sich zu gestalten. So bleibt die Erkenntnis, die Timo Rost nach dem Kampf selber äußerte: „Es hätte auch andersherum ausgehen können.“ Doch die zweite Runde schreit nach einer umfassenden Erklärung.

Das „Team Rost“ um Trainer Rüdiger May, Management und Boxer werden sich schnellstens zusammensetzen und den Einbruch in der vermaledeiten zweiten Runde analysieren, um seine auch wohlwollenden Kritiker am 9. November in Velbert zu besänftigen. Ursprünglich sollte es dort zu einem Titelkampf für den sympathischen Düsseldorfer kommen, wird es aber nicht. Stattdessen kann er nun zeigen, was in ihm steckt und sich für höhere Weihen im Super Mittelgewicht empfehlen.

Einen Schritt nach vorne in seiner sportlichen Entwicklung zeigte Yaser Yüksel in seinem Kampf gegen Gyula Roszas. Zeitweise völlig entfernt davon, aktiv zu werden, versuchte sich der Ungar dem stetigen Druck Yüksels zu entziehen. Der 27-jährige Yüksel bestimmte den Kampf und zeigte sich über die gesamte Kampfdistanz im Vergleich zu einigen seiner früheren Kämpfe hochkonzentriert. Er drückte dem Kampf in jeder Runde seinen Stempel auf. Über die gesamten sechs Runden musste der 20-jährige Ungar weite Wege am Ringseil gehen, um sich den Stößen Yüksels zu entziehen. Manchmal erinnerte das Aufeinandertreffen an das Kinderspiel „Nachlaufen“, andere sprachen von Marathonlauf. Vielleicht lag es daran, das Yüksel den Ungar bereits in der zweiten Runde mit einer technisch sauberen Schlaghand an den Kopf in den Ringstaub schickte. Zwar erholte sich der Budapester davon, machte aber danach keine großartigen Anstalten, seinerseits dominanter in das Kampfgeschehen einzugreifen.

Doch dieser Niederschlag schien ebenso Einfluss auf Yüksels Kampfverhalten zu nehmen: er wollte den KO. Zunehmend hektischer nahm er die „Verfolgung“ des Ungarn auf. Der Nachteil: Als er in Kampfdistanz kam, stand er zu häufig instabil und musste zuerst seine Position finden. Diese Zeit nutzte der Ungar, um sich einem möglichen Trommelfeuer des 27-jährigen Weltergewichtlers zu entziehen.
Doch zurück zu dem 27-jährigen Deutschen. Jeder Gegner ist anders, vielleicht muss Yüksel dem nächsten Gegner nicht ständig hinterherlaufen, sondern es kommt zu einer Auseinandersetzung, in der Yaser Yüksel seine vorhandenen boxerischen Qualitäten ausspielen und deutlicher zeigen kann. Zu wünschen ist es ihm.
© Manfred Fammler

Gastbeitrag: Die Timo Rost Show

leave a comment »

Der Düsseldorfer Timo Rost hat seinen ersten Profititel. In einem auf zehn Runden angesetzten Kampf errang er im Super Mittelgewicht die WBF Internationale Meisterschaft. Nach einer Serie von schweren Treffern zu Körper und Kopf ging sein Kontrahent Sadettin Keser in der fünften Runde schwer angeschlagen zu Boden. Daraufhin warf die Ecke des Koblenzers das Handtuch.

(C) Manfred Fammler


Timo Rosts Freude kannte keine Grenzen. Er schrie sie förmlich aus sich heraus und ballte noch einmal beide Fäuste, bevor er überglücklich in die Arme seines Trainers Rüdiger May sank. Der erste Titel, der erste Gürtel und dazu noch die meiste Zeit souverän geboxt! Dieser Erfolg war so wichtig und so nötig geworden, nach dem sonderbaren Kampf und zweifelhaften Urteil in seinem letzten Kampf in Belgien gegen den Italiener Constantin Pancrat. Nun hatte er es allen gezeigt und sich als Champion präsentiert.

(C) Manfred Fammler


Allerdings ließ er dem teilweise überforderten 31-jährigen Koblenzer noch zu viel Raum. Natürlich muss man seinen Gegner nicht in den ersten Runden auf die Bretter schicken und natürlich sollte man auch in den ersten Runden nicht „überpacen“. Doch Rost versäumte es, nach meinem Geschmack, zu Beginn des Kampfes eine „Duftmarke“ zu setzen und seine Überlegenheit seinem Gegner zu zeigen. Ja, der 27-jährige Düsseldorfer bewegte sich gut, besser als in den letzten Kämpfen, meistens außen rum, und überließ es vorerst dem Koblenzer, die Ringmitte zu halten. Kaum aber, dass Rost stehen blieb, setzte der Düsseldorfer Aktionen, um sich danach wieder wegzubewegen. Doch diese Stöße waren zu einem zu hohen Anteil zu locker und nicht zwingend genug. Hier versäumte es Rost in den ersten Runden, vereinzelt mehr Stärke und Präsenz zu zeigen. Denn sobald er sich nicht schnell genug wegbewegte, gab er seinem Gegner Raum und Zeit für Aktionen, die dieser nutzte. Nicht nachhaltig, aber offensichtlich.

(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


Erst ab der vierten Runde wurden Rosts Aktionen klarer. Ab diesem Zeitpunkt war es für jeden in der Halle offensichtlich, dass Rost den Titel des Internationalen Meisters nach WBF davon tragen würde. Der 27jährige Düsseldorfer war nun auch gewillt, ein vorzeitiges Ende des auf zehn Runden angesetzten Titelkampfes zu erreichen. Warum ihn sein Trainer allerdings zurückpfiff, erschließt sich nur den intimen Kenntnissen eines Trainers über seinen Schützling. May meinte dazu nach dem Kampf: „In der vierten Runde war er mir ein bißchen zu sicher. Da hat er von mir Zunder gekriegt, dass es nicht ganz so klar ist, wie er es sich vorstellt. Dass er den Gegner mehr unter Druck halten muss – und dann ist das super aufgegangen.“

(C) Manfred Fammler


Doch wirft der Kampf Fragen auf. Die zentralste und wichtigste überhaupt: Kann Timo Rost auch „Kaliber“ boxen , die ihrerseits nachsetzen und härter, präziser treffen, als es der Koblenzer Sadettin Keser über die gesamte Kampfzeit nicht vermochte? Rosts Management muss nun die nächste Karrierestufe zünden, damit der Düsseldorfer zeigen kann, ob er es kann. Ansonsten bleibt der errungene Titel nett, mehr aber auch nicht. Eine Platzierung unter den Top 100 muss das Ziel zum Jahresende sein, ein durchaus realistisches Ziel.

(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


Ungefährdet und souverän absolvierte Yaser Yüksel seine Pflichtaufgabe im Super Weltergewicht. Diese hieß Oleg Harder, wobei der 30-jährige den Kampf zu einem unterhaltsamen Spektakel aufwertete. Wer Yaser kennt weiß, dass er bei Überlegenheit schnell auf Unterhaltung umschaltet. Ob Ali-Shuffle oder tiefhängende Deckung, die Galerie scheint Yaser zu mögen und Yaser die Galerie.

(C) Manfred Fammler


Demgegenüber steht der 30-jährige Mindener eher für Boxarbeit, Motivation und Nehmerqualitäten. Diesen bodenständigen Archetypen präsentierte er auch in Wuppertal. Selbst nach dem dritten Niederschlag in der fünften Runde versuchte sich der Mindener zu einem Weitermachen zu motivieren. Doch seine Ecke nahm in aus dem Kampf. Zurecht, den Yaser zeigte an diesem Abend neben seiner schauspielerischen auch boxerische Qualität und ließ zu keinem Zeitpunkt des Kampfes Zweifel an seiner Überlegenheit aufkommen. Agil und gut unterwegs ließ er dem aufopferungsvoll und couragiert kämpfenden Oleg Harder keine Chance. Letztendlich musste Harders Ecke das Handtuch werfen, da die Gesundheit des Sportlers nicht gefährdet werden durfte.

(C) Manfred Fammler


Der Kampfabend kann auch als „Abend der fliegenden Handtücher“ bezeichnet werden. Badien Hasso setzte sich im Halbschwergewicht mit Samet Yaser leider nur kurz auseinander. Nach einem krachenden linken Haken zum Kopf seines Kontrahenten aus der Halbdistanz flog bereits in der zweiten Runde des auf sechs Runden angesetzten Kampfes das Handtuch. Kaum Zeit also für den , sich zu beweisen.

(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


Genauso wie Sherif Morina, der nach dem Rost-Kampf im Viereck in einer sich schnell leerenden Halle gegen den Georgier Kakhaber Avetisian seine Kämpferqualitäten unter Beweis stellen wollte. Nach einer ereignislosen ersten Runde ging der 29-jährige Avetisian in den zweiten drei-Minuten das erste Mal zu Boden. 20 Sekunden nach dem Gong zur dritten Runde im Weltergewicht flog das Handtuch aus der Ecke des Georgiers in hohem Bogen in die Ringmitte.

(C) Manfred Fammler


(C) Manfred Fammler


Nicht besser erging es dem Düsseldorfer Spas Genov. im Halbschwergewicht war der gebürtige Bulgare zu stark für seinen Ersatzgegner Cemal Gülsan, dessen Ecke den Kampf in der zweiten Runde durch ein fliegendes Handtuch ein Ende setzte. Damit schraubte er seine Bilanz auf 11 Siege bei elf Profikämpfen hoch.
(C) Manfred Fammler

Written by betker

9. Mai 2019 at 23:59

Gastbeitrag: Düsseldorf feiert Timo Rost

leave a comment »

Düsseldorf feiert seinen neuen Lokalmatador im klassischen Faustkampf in der Classic Remise. Nach acht Runden stand Timo Rost als einstimmiger Sieger nach Punkten im Super Mittelgewicht fest. Eine Tatsache, die sein beherzt kämpfender Gegner Tiran Metz nicht wahrhaben wollte und noch lange nach der Urteilsverkündung wütend als „Fehlurteil“ wertete. Sein größter Fehler an diesem Abend.

Dabei zeigte sich Metz als die erwartet harte Nuss, die der 27-jährige Timo Rost zu knacken hatte. Der Essener sollte ein ernstzunehmender Gegner in der noch jungen Profikarriere des Düsseldorfers werden. Um den anfangs übermotivierten Rost jedoch in die Grenzen zu zwingen, geschweige denn an den Rand einer Niederlage zu bringen und sich ernsthaft über das Urteil beschweren zu können, hätte Metz mehr Leistung zeigen müssen. Doch Einzelaktionen reichen im heutigen Profiboxen nicht mehr aus, insbesondere in einer Gewichtsklasse in der zwischen unterschiedlichen Distanzen hin- und hergependelt werden und Schnelligkeit und Beinarbeit eine gewisse Rolle spielen kann. Kurzum: Metz zeigte zu wenig. Rost wurde seiner Rolle als Favorit gerecht und ließ sich durch den auf acht Runden angesetzten Kampf von Beginn auf einer Welle der Euphorie tragen.

Zum Kampf: Erst ab der dritten Runde konnte Timo Rost seine besseren boxerischen und konditionellen Qualitäten zeigen. Vorher hielten sich beide Boxer zu sehr damit auf, sich durch klammern zu neutralisieren. Unabhängig, von wem dieses Stilmittel hauptsächlich eingesetzt wurde. Erst als sich Rost in der dritten Runde mehr bewegte, dadurch zwar längere Wege an den Ringseilen gehen musste, nahm sein Kampf Gestalt an und er bekam Zugriff auf den 32-jährigen Metz, der mit einer Bilanz von 22 Kämpfen, davon 15 Siege, drei Niederlagen und vier Unentschieden in die Düsseldorfer Classic Remise anreiste.

Rosts bis dato schönste Kombination, die mit einem linken Haken zum Kopf aus der „neuen“ Halbdistanz ins Ziel fand, schoss der Lokalmatador in der vierten Runde ab. In diesem Moment hatte er die exakte Entfernung gefunden. Metz reagierte wie häufig an diesem Abend mit Einzelaktionen, die allerdings selten trafen oder Rost in Verlegenheit brachten. Wobei es der Lokalmatador seinem Gegner auch zeitweise sehr leicht machte. Seine Deckung befand sich wiederholt nicht dort, wo sie der Erfinder des Spiels sowie Rosts Trainer Rüdiger May sehen wollte.

Wobei Deckung ein Thema ist, die richtige Distanz ein anderes. Ab der sechsten Runde zeigte sich Rost häufig zu weit vom Gegner entfernt, um nach diversen Kombinationen nachsetzen zu können. Ein bis zwei Schritte in Richtung Gegner aber außerhalb dessen Reichweite hätten den Druck auf Metz erhöhen können, der durch die zu große Entfernung die Gelegenheit bekam, sich positionieren und Einzelaktionen starten zu können.

Groß war der Schrecken unter den Besuchern allerdings in der siebten Runde als der Ringarzt in Rosts Ecke gerufen wurde. Nach einem unabsichtlichen Kopfstoß zeigte sich ein Cut über Rosts linkem Auge. Doch er boxte weiter, wobei Metz diese Verletzung auch nicht in den letzten beiden Runden konkret anvisierte, im Gegensatz zu anderen Kämpfern. So gelangten beide Sportler in die letzte Runde, in der Rost noch einmal Druck machte und signalisierte, dass er über mindestens acht Runden gehen kann. Ein deutliches Signal für künftige Herausforderungen?

Ein abschließendes Wort zu Tiran Metz, der sich nach dem einstimmigen Urteil zugunsten von Timo Rost ungerecht behandelt fühlte. Er hat gut gekämpft und damit einen interessanten Boxabend mitgestaltet – und ein guter Kämpfer sollte kein schlechter Verlierer sein.

Während Timo Rost sein vorgegebenes Soll erfüllte, blieb Sherif Morina (Dinslaken) dahinter zurück. Sechs Runden im Weltergewicht à drei Minuten bekam er, um den neun Jahre älteren Juma Waswa (Uganda) von seinen boxerischen Fähigkeiten zu überzeugen, geschafft hat er es nicht. So endete der Vergleich mit einem Unentschieden, das Teile des Publikums zu Ungunsten des Uganders als Fehlurteil werteten. Der 37-jährige hatte sich mit einer couragierten Leistung in die Herzen des Publikums gekämpft.

Dabei schien zu Beginn des Vergleichs alles seinen gewohnten Lauf zu gehen. In den ersten beiden Runden setzte Sherif seinen Gegner dermaßen unter Druck, als wolle er in seinem achten Profikampf den fünften KO feiern. Geschickt entschärfte er durch eine starke Deckung die linke Schlaghand des Rechtsauslegers Wasma zum Körper oder zum Kopf und setzte seinerseits gute Akzente.

Doch ab der dritten Runde zeigte sich Sherif immer ratloser. Ein Plan B schien nicht im Handgepäck versteckt worden zu sein. Seinen Ausdruck erreichte die scheinbare Unsicherheit Sherifs mit einer Tiki-Taka-Boxserie, als er Wasma an den Ringseilen stellen konnte. Doch statt eines willensstarken Auftretens passierte – nichts. Ohne Herz, ohne Dynamik, fast gleichgültig, gleichwohl als würde im Kino eine falsche Filmspule eingelegt werden und der Vorführer merkt es nicht, vergab Morina diese Situation.

Somit wurde Wasma mit zunehmendem Kampfverlauf mutiger. Der Ugander entzog sich den Attacken des 28-jährigen Deutschen und setzte hier und da seine Nadelspitzen, zumal Sherif zunehmend seine Deckung vernachlässigte. Wasma konterte, wenn er die Chance sah, wich aus, wenn er Platz fand, blieb stets gefährlich und trug seinerseits viel dazu bei, dass sich am Ende das Unentschieden für Sherif eher als eine Niederlage anfühlte.

Zwei interessante Begegnungen, bleibt die dritte Paarung des Kampfabends. Darin traf der Kölner René Oeffner (22) im Halbschwergewicht auf Marko Kuvac (Bosnien und Herzegowina). Um es vorweg zu nehmen: Oeffner verbrachte mehr Zeit beim Aufwärmen als im Ring. Drei Mal ging der 31-jährige Kovac bereits in der ersten von sechs Runden zu Boden. Danach hatte der BDB Ringrichter Maurizio Rinaudo ein Einsehen mit allen Beteiligten. Oeffner verbesserte seine Kampfbilanz damit auf 13 Siege bei 14 Kämpfen, davon neun durch KO.

Übrigens: Einen Europameister bekamen die rund 600 Besucher doch zu sehen. Die Cheerleader des SC Unterrath überbrückten als amtierende Deutscher Meister und Europameister die Kampfpause und begeisterten.

Die zahlreichen Fans von Rost feierten noch lange den Sieg ihres Helden in der Düsseldorfer Classic Remise, welche ein toller Rahmen für die Veranstaltung war.

(C) Manfred Fammler

Gastbeitrag: Drei packende Kämpfe in Pulheim

leave a comment »

350 Zuschauer, eine tolle Location, drei packende Kämpfe und ein diskussionswürdiger Punktrichterentscheid – der erste Profiboxabend in Pulheim sorgt für Diskussionsbedarf. Doch der Reihe nach.

50 Jahre Boxclub Pulheim muss natürlich gefeiert werden. Zum Finale des Jubeljahres gab es am 13.10.2018 einen überraschend spannenden Kampfabend, der zwangsläufig leider mal wieder eine Trennung zwischen Amateur- und Profikämpfen hinnehmen musste. Unverständlich, denn der Boxsport in Deutschland steckt in einer großen Krise. Kaum noch öffentliche Aufmerksamkeit für die Profis und zu guter Letzt soll das Amateurboxen aus dem olympischen Programm gestrichen werden. Quo vadis also, deutscher Boxsport?

Zurück zum Sport und direkt zum Hauptkampf. Da stellen sich nach dem Kampf zwei Fragen: Wohin führt Yaser YükselAmateur- und Profikämpfes Weg und wie kam es zu der überraschenden Punktrichterentscheidung eines Unentschiedens?

Unbestritten kann Yüksel mehr, er kann besser boxen, er kann deutlicher einen Kampf dominieren und er kann auch besser treffen. Das alles fehlte am Samstag, keine Frage. Doch für seinen mutigen Gegner, dem Ungarn Gyula  Roszas, hätte die Performance an diesem Abend durchaus gereicht. Nicht jedoch für den Punktrichter. Er sah den Lokalmatador in keiner Runde vorn. Ein Blick, der überprüft werden könnte.

Sechs Runden standen sich die beiden Kämpfer im Quadrat gegenüber. Die ersten beiden Runden zeigte sich Yüksel zu passiv. Er kam mit den schnellen Kontern des Ungarns nicht zurecht, die in aber auch nicht in Gefahr brachten. Zwei Runden „abtasten“ ist allerdings eine zu viel bei einem Sechs-Runden-Kampf. Für einen Favoriten muss der Zugriff auf seinen Gegner einfach schneller erfolgen. So kamen Rüdiger Mays Anweisungen, enger am Gegner zu bleiben, gegen Ende der zweiten Runde zu spät.

Danach versuchte Yüksel seinen Gegner die restlichen vier Runden zu jagen und zu stellen. Ab der dritten Runde wuchs der Druck auf den 19jährigen Ungarn, der nur noch zwischen den Yüksels Stosspausen einige Konter setzen konnte. Diese fanden zwar manchmal ihr Ziel, entfalteten dort aber keine Wirkung. Dafür schickte Yüksel Roszas zu Boden. Ab der  vierten Runde suchte Yüksel deutlich den KO, forcierte den Druck, konnte seinerseits aber keine entscheidenden Treffer setzen, die den Ungarn niederstrecken konnten. Kurzum: Das Engagement des 26jährigen Super Weltergewichtlers kam zu spät und hatte auch nicht die Präzision, die sich das Trainerteam vorgestellt hatte. Allerdings bestimmte er den Kampf, was mit dem Unentschieden auf dem Punktzettel der Offiziellen nicht belohnt wurde.

Nichtsdestotrotz sollte Yaser Yüksel nun die nächste Stufe seiner boxerischen Laufbahn zünden.

Die steht bei der Überraschung des Abends noch ganz am Anfang. Mit einem engagierten Kampf über sechs Runden erwarb  sich der 19jährige Hannoveraner Armani Aziz den Respekt der 350 Besucher. Er trat im Super Weltergewicht gegen Sergej Wotschel an und zeigte Nehmer- und Steherfähigkeiten, die wohl keiner im Saal dem mit erst nur einem Profikampf unerfahrenen Boxer zugetraut hätten. Von der ersten Runde an sah er sich dem Druck und der Physis des favorisierten Wotschel ausgesetzt. Insbesondere wenn der 29järgiger gebürtige Russe ihn an den Seilen stellen konnte, musste Aziz einige Treffer hinnehmen. Gerade die Kombination mit der Führhand zum Körper und der Schlaghand zum Kopf, die er in den ersten Runden einige Male ansetzte, ließen Aziz das ein ums andere mal wanken. Doch der 19jährige fiel nicht, sondern biss sich durch.

Das Tempo, das Wotschel allerdings anschlug, zollte er schon in der dritten Runde Tribut. Die Stöße wurden  unpräziser und dem 19jährigen Aziz gelang es häufiger seinerseits Aktionen zu setzen. So entwickelte sich ein dynamischer und sympathischer Kampf, in dem der Bergisch-Gladbacher Wotschel klare Vorteile hatte, sich Aziz aber nicht ins „Bockshorn“ blasen ließ.

Wotschels rechter Kopfhaken, seine an diesem Abend stärkste Waffe, wurde zunehmend unpräziser. Sein einstimmiger Punktsieg allerdings war verdient, genau wie der Respekt, den sich  der 19jährige Armani Aziz erwarb.

In dem ersten Kampf des Abends standen sich im Mittelgewicht Oualid Almajdoub und Alexander Farkas gegenüber. Almajdoub betätigte sich als Kurzarbeiter. Nach einer etwas hektischen Anfangsphase holte er seinen Gegner jeweils mit einem harten Körperhaken von den Beinen. Beim zweiten Mal nahm Farkas beim Runtergehen noch einen Kopftreffer. Er wurde auf dem Boden kniend ausgezählt.

Fazit: Der erste Profi-Boxabend in Pulheim war auch dank des Veranstalters Marcel Zichel und der guten Paarungen ein Erfolg, an dem im kommenden Jahr angeknüpft werden soll. Dem BC Pulheim wünschen wir natürlich weitere 50 erfolgreiche Jahre.

(C) Manfred Fammler

Gastbeitrag: Showdown im Halbweltergewicht vertagt – Düsseldorfer Profiboxer Robert Tlatlik stürzte schwer

leave a comment »

Es sollte der große Showdown im Junior-Weltergewicht des Deutschen Profiboxsportes werden. Beide Kontrahenten ungeschlagen, dem Sieger winkten internationale Meisterschaften. Doch dann passierte es. Einen Tag vor dem Kampf gegen Howik Bebraham stürzte der Düsseldorfer Robert Tlatlik nach einem Saunagang schwer. Dabei zog er sich einen tiefen Cut über dem linken Auge zu. Ans Kämpfen war jetzt nicht mehr zu denken.
„Wir sind alle sehr schockiert und wahnsinnig enttäuscht“, sagte der Düsseldorfer Erfolgstrainer Stefan Freudenreich von *FP Boxing*. Schließlich war die Delegation aus der Landeshauptstadt mit großen
Ambitionen und großer Zuversicht an die Isar gereist. Die Vorbereitung war ohne Verletzung optimal gelaufen und auch die Gesundheit machte keinen Strich durch die sechswöchige intensive Vorbereitung. Und nun das. In der Freizeit, abseits der hektischen Vorbereitung auf den Kampfabend, in der ruhigen Vorbereitung auf den Fight machte der Kreislauf für Bruchteile von Sekunden schlapp. Tlatlik: „Mir wurde plötzlich schwarz vor Augen. Als ich wieder wach wurde lag ich auf dem Boden und blutete.“ Dabei könne er froh sein, nicht schwerer verletzt worden zu sein. „Ich habe keinen Bruch erlitten“, zog der 28-jährige ein bitteres Resümee.
2016-07-17
(C) Privat
Auch für die Veranstalter, Nadine Rasche und Alexander Petkovic von Petko´s LMS Promotion, war die Verletzung ein Schock. Sie wollten den Kampf und wollen ihn immer noch, so Freudenreich. „Beide haben sehr professionell und toll reagiert. Sie machten uns keine Vorwürfe, sondern waren selber sehr enttäuscht.“
In Abstimmung mit dem Fernsehsender Sat 1 soll nun ein neuer Termin gefunden werden. In ersten Gesprächen sei der November diesen Jahres favorisiert worden.
Doch wie geht´s jetzt mit Robert Tlatlik weiter? Innerhalb eines Tages steckte Trainer Stefan Freudenreich die neuen Etappen seines Schützlings ab. „Im September wird Robert im Stahlwerk wieder in den Ring steigen.“ Und wenn alles gut gehe, dann werde er topfit im November zu der Neuauflage gegen Howik Bebraham in den Ring steigen. Auf die Frage, ob er im Vorfeld dieses möglichen Kampfes einem großen Bogen um eine Sauna machen werde, antwortete Robert Tlatlik mit einem gequälten Lächeln.
(C) Manfred Fammler / Freudenreich Professional Boxing

Gastbeitrag: „Der Löwe“ brüllt zum Kampf“

leave a comment »

Der Düsseldorfer Boxer Robert Tlatlik steht vor einer weiteren schweren Aufgabe in seiner Karriere. In seinem 19. Profikampf tritt er am 15. Juli auf den Wahl-Münchener Howik „der Löwe“ Bebraham. Für Experten steigt der 27-jährige Halbweltergewichtler aus NRW leicht favorisiert in den Ring.

„Ich trete nicht an, um zu verlieren“, zeigt sich Taltlik selbstbewusst auf der Pressekonferenz. Für ihn spreche unter anderem seine Kampferfahrung und Routine bei den Profis, die bei jetzt 18. Kämpfen liege – „ungeschlagen“ wie er in Richtung seines Kontrahenten hinzufügte. Bebraham hat dagegen bisher drei Profikämpfe ausgefochten, zwar allesamt siegreich, jedoch einen davon – seinen Titelkampf – durch Abbruch wegen der Verletzung seines Gegners. Somit treffen am 15. Juli in München zwei Titelträger aufeinander: Tlatlik als internationaler Deutscher Meister und Bebraham als Deutscher Meister, beide vom Bund Deutscher Berufsboxer (BDB).

Bebraham hat sich bewusst den Düsseldorfer als bundesweite Nummer eins zur Verteidigung seines Titels als Gegner ausgesucht. Denn für ihn soll Tlatlik Sprungbrett zu höheren Weihen werden. Aber nur für Ihn?

Für beide Boxer geht es an diesem Abend um mehr, um viel mehr. Der Kampf soll als Ausgangspunkt für eine internationale Karriere dienen. Insbesondere das Management des gebürtigen Armeniers Bebraham äußerte ambitionierte Pläne. „Howik muss nach seinen wirklich guten Kämpfen zu Beginn der Profi-Laufbahn jetzt da durch, wenn wir ganz nach oben wollen. Nicht nur in Deutschland. Das Ziel sind die großen internationalen Kämpfe“, sagte Nadine Rasche von Petkos Box-Promotion. „Wir fahren zuversichtlich nach München, und dann sehen wir weiter“, schmunzelte der Düsseldorfer Erfolgstrainer Stefan Freudenreich angesichts solcher Pläne des gegnerischen Lagers. Als Amateure trafen beide schon einmal aufeinander. Damals verließ der Wahlbayer Bebraham den Ring als Sieger nach Punkten. „Diesmal werden die Vorzeichen geändert“, so Tlatlik, der sich mit seinem Cheftrainer Stefan Freudenreich nun intensiv auf den Kampf vorbereitet.

(C) Manfred Fammler/Freudenreich Professional Boxing

Gastbeitrag: Düsseldorfer Profi-Boxer unterliegt im EM-Kampf

with one comment

Der Traum ist aus. Sebastian Tlatlik unterlag in einem harten Kampf dem russischen Europameister im Superfedergewicht (bis 59 kg) Evgeny Chuprakov durch technischen KO in der fünften Runde. Ausschlaggebend war letztendlich die starke Physis des Titelverteidigers, der der 33-jährige Düsseldorfer nichts entgegenzusetzen hatte.
Die Überlegenheit des russischen Titelverteidigers zeigte sich bereits in einem frühen Stadium des Kampfes. Gegen Ende der zweiten Runde wurde Tlatlik angezählt, nachdem ihn ein harter rechter Haken zu Boden warf. „Ich weiß wirklich nicht, woher der Stoss kam. Als ich ihn überhaupt realisierte, war ich bereits unten“, erzählte der Düsseldorfer voller Respekt vor seinem Gegner. Danach, so Tlatlik weiter, hätte der 25-jährige Russe seine Kampfintensität und das Tempo noch erhöht. „Sein Niveau ist unglaublich hoch.“
Kampfbild_02
In der dritten und vierten Runde bewies Tltalik sein Kämpferherz und ließ sich auf einem Schlagabtausch mit dem Russen ein, der immer stärker wurde. Er habe zwar mithalten und seinen Gegner auch treffen können, doch der Intensität und Physis habe er nichts entgegensetzen können. Zu dem Zeitpunkt sei ihm klar gewesen, dass er nach Punkten hinten lag und er den Kampf nur durch einen KO gewinnen könne. Doch so weit ließ es die von seinem Bruder Robert betreute Ecke nicht kommen. Gegen Ende der fünften Runde zog Robert Tlatlik die Konsequenz aus der Dominanz des Russen und beendet den Kampf. „Wie jeder Boxer wollte ich weiter machen. In solchen Momenten hat die Ecke jedoch die Übersicht und denkt mehr an die Gesundheit des Sportlers als er selber.“
Kampfbild_01
Enttäuscht sei er trotz der Niederlage nicht. „Ich habe ihn gefordert, es hat nicht gereicht. Evgeny ist ein würdiger Europameister, der bestimmt um die WM-Krone kämpfen wird“, so Tlatlik. Er werde auf jeden Fall weiter boxen. Durch seine beherzte Leistung liegen dem 33-jährigen bereits Angebote aus dem In- und Ausland vor. Doch zuerst steht eine schöpferische Pause an. Wie lange soll diese dauern? „Eine Woche, dann beginne ich mit der Vorbereitung auf den nächsten Kampf“, lacht Sebastian Tlatlik und verspricht: „Und die wird noch intensiver und härter als die letzte.“
Text (C) Manfred Fammler/Freudenreich Professional Boxing
Fotos (C) Sebastian Tlatlik