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Posts Tagged ‘Manny Pacquiao

Drei Boxer – drei Perspektiven

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Es ist die MGM Grand Garden Arena in Las Vegas, wo am 09. April 2016 gleich drei deutsche Boxer, im Vorprogramm von dem Pacquiao-Bradley-Kampf, auftreten und dem amerikanischen Publikum ihr Können zeigen wollen. Für die drei deutschen Boxer und ihre zukünftige Karriere hat der Kampf dabei jeweils eine andere Bedeutung.
Hauptkampf des Abends aber soll das Aufeinandertreffen von Manny Pacquiao (65 Kämpfe, 57 Siege, 38 durch, 6 Niederlagen, 3 durch KO, 2 Unentschieden) und Timothy Bradley Jr. (36 Kämpfe, 33 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) werden. Es geht um den vakanten WBO International Titel im Weltergewicht. Emmanuel Dapidran Pacquiao, der wohl zurzeit beste Weltergewichtler der Welt, trifft auf den vermutlich Zweitbesten dieser Gewichtsklasse. Der Kampf verspricht auf den ersten Blick ein Knaller zu werden – aber leider nur auf den ersten Blick. Beide standen bereits zweimal miteinander im Ring. Am 09.06.2012 gewann Bradley durch eine sehr umstrittene Mehrheitsentscheidung und am 21.04.2014 unterlag er klar nach Punkten. Es ist wohl kaum davon auszugehen, dass Bradley inzwischen ein Rezept gegen Pacquiao gefunden hat. Auch der letzte Kampf von Pacquiao, gegen Floyd Mayweather Jr., im Mai 2015, hielt nicht das, was man sich von ihm erhofft hatte. Es war ein Langeweilerkampf. Pacquiao scheint sich am Ende seiner Karriere als Profiboxer doch eher auf seine Politikerkarriere und auf seine Homophobie zu konzentrieren. Gleichwohl ist die dritte Auflage des Kampfes Pacquiao – Bradley Hauptkampf der Veranstaltung von Bob Arum (Top Rank). Ein WM-Kampf ist es aber nicht.
Außerdem verteidigt Arthur Abraham (48 Kämpfe, 44 Siege, 29 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO) seinen Weltermeistertitel der WBO im Super Mittelgewicht gegen Gilberto Ramirez (33 Kämpfe, 24 durch KO). Abraham ist, laut Boxrec, der Beste seiner Gewichtsklasse. Ramirez rangiert auf Position 10. Diese Ansetzung kann man als Aufeinandertreffen von Alter und Jugend betrachten. Abraham ist bereits 36 Jahre alt und Ramirez ist erst 24. Der Mexikaner ist bis jetzt ungeschlagen und mit einer KO Quote von 73% nicht zu unterschätzen. Der Titelverteidiger hat angekündigt, dass in diesem Kampf der beste Abraham aller Zeiten zu sehen sein wird. Ramirez ist Rechtsausleger und 14 Zentimeter größer; dementsprechend hat er einen Reichweitenvorteil von 8 Zentimeter. – Nun, wir dürfen gespannt sein. Abraham wird es sich kaum leisten können, die ersten Runden zu verschlafen, wie er es schon so häufig gemacht hat. Auch wird er sein Arbeitspensum schon deutlich erhöhen müssen, auch wenn er als Heimboxer und Titelverteidiger in den Ring steigt.
Wenn Abraham gewinnt, hat er seinen Führungsanspruch für seine Gewichtsklasse unter Beweis gestellt. Wenn er dann noch eindrucksvoll gewinnt, wird er für den sehr lukrativen us-amerikanischen Fersehmarkt wieder interessant. Verliert er aber, hat er ein Problem. Er hat dann keinen Titel mehr und ob der übertragende deutsche TV Sender dann noch weiter auf ihn setzen will, ist fraglich.
Der zweite Deutsche, der in Las Vegas boxen will, ist Deniz Ilbay (15 Kämpfe, 15 Siege, 8 durch KO). Er trifft auf Egidijus Kavaliauskas (12 Kämpfe, 12 Siege, 11 durch KO). Der in Litauen geborene und in Kalifornien lebende Kavaliauskas ist in diesem Kampf sowohl der Favorit als auch der Heimboxer. Er ist bereits die Nummer 42 in der Welt. Der 21-jährige Kölner ist nur die Nummer 137. Auch die KO-Rate von 92% spricht für Kavaliauskas. Gleichwohl stellt der Kampf für Ilbay eine große Chance dar. Gewinnt er, wird es kaum noch möglich sein, ihn zu übersehen bzw. zu ignorieren. Verliert er, ist das zwar schon ein Rückschlag, aber bedeutet noch nicht das Ende der Karriere.
Schließlich boxt noch Leon Bauer (7 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO), der zweitjüngste deutsche Profiboxer. Für ihn ist es das erste Mal, dass er im Ausland kämpft. Der Super Mittelgewichtler wurde bis jetzt solide aufgebaut von seinem Management. Er trifft auf Ilshat Khusnulgatin (13 Kämpfe, 12 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO). Bauer geht als Favorit in die Begegnung. Dennoch ist die Ansetzung des Kampfes der 165 gegen die 323 in der Welt eine gute. Auch wenn Bauer verlieren sollte, wovon ich aber nicht ausgehe, hätte dies keine gravierenden Folgen. Im jetzigen Stadium seiner Karriere wäre eine Niederlage nichts weiter als ein verkraftbarer Rückschlag. Sollte er aber gewinnen, dann hat er im Ausland einen guten Auftritt gezeigt und sich bewiesen.
(C) Uwe Betker

Rezension: Ricky Hatton’s Vegas Tales

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Das Buch „Ricky Hatton’s Vegas Tales“ des ehemaligen Weltmeisters der IBF im Halbweltergewicht und der WBA im Weltergewicht, Ricky Hatton, ist vor allen Dingen unterhaltsam und schnell zu lesen. Es trägt den selbstironischen Untertitel: „Me in Las Vegas, what could possibly go wrong?” Damit ist der Ton des Buches schon gut getroffen. Hatton erzählt von seinen zweieinhalb Jahren in Las Vegas, die finanziell zwar schon sehr erfolgreich waren, sportlich aber weniger. Er bestritt dort sechs Kämpfe. Von denen konnte er vier, nämlich gegen Juan Urango, Jose Luis Castillo, Juan Lazcano und Paul Malignaggi, gewinnen. Seine beiden wichtigsten Kämpfe allerdings, nämlich Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao, verlor er.
Sein Ghostwriter Justyn Barnes, der sich auf das Schreiben von Sportbüchern, davon viele über Manchester United, spezialisiert hat und sich als Ghostwriter von Sportlerautobiographien einen Namen gemacht hat, trifft den Ton von Hattons Sprache gut. Der hatte offenbar wirklich eine tolle Zeit in den USA, und das merkt man dem Buch an. Beim Lesen stellt sich rasch das Gefühl ein, Hatton würde eine amüsante oder witzige Anekdote nach der anderen erzählen. Dabei macht er auch Witze über sich selbst. Die Stärke des Buches liegt vor allem in seinem Unterhaltungswert. Es ist kurzweilig und man bekommt die 282 Seiten sehr schnell runter gelesen. Und es hat auch noch ein ausführliches Register, das die Suche nach Kämpfen, Personen etc. erleichtert.
Die Erinnerungen von Hatton werden ergänzt durch die von Wegbegleitern. Gegner kommen nicht zu Wort. Das letzte Drittel des Buches wirkt ein wenig langgezogen. “Ricky´s Top Ten Vegas Tear-Ups”, also Hattons Auswahl der besten Kämpfe in Las Vegas und “Rick´s Dream Fight Card” wirken etwas gezwungen originell. Erik Morales vs. Marco Antonio Barrera I wertet er als besten Kampf und er lässt Mike Tyson gegen Muhammad Ali siegen.
Ricky Hatton’s Vegas Tales ist in erster Linie ein Buch für Hatton Fans. Für Nichtfans weist es unübersehbare Lücken auf. Eine Beschreibung, oder Nachbetrachtung der sechs Kämpfe gibt es da beispielsweise nicht. Hatton äußert sich auch kaum über Gründe für die Niederlagen oder Trainer- und Managerwechsel. Diese Erinnerungen sind eben nicht analytisch, sie wollen vielmehr witzig anekdotisch sein. Ein Muss für die Bibliothek ist dieses Buch folglich nicht. Aber es ist, wie schon gesagt, witzig und schnell und einfach zu lesen. Es wäre daher z.B. die richtige Wahl ein träges Wochenende. Bestellen kann man das Buch im Internet oder es auch in Großbritannien im Buchhandel erwerben. Ich habe meines vor kurzem in London bei Waterstones Piccadilly, nicht mein Lieblingsbuchladen in London, gekauft. Es war auf fünf Pfund heruntergesetzt, dafür aber von Ricky Hatton signiert.
© Uwe Betker

Istvan Szili – Auf zu neuen Ufern

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Es ist eines der großen Rätsel des Boxens, nach welchen Kriterien die großen deutschen Veranstalter ihren Stall zusammenstellen. Wenn man zurückschaut und sich anguckt, wer alles einen Vertrag bekommen hat und aus wem dann etwas geworden ist, kann man nur feststellen, dass die Verantwortlichen nicht immer ein glückliches Händchen haben. Natürlich kann nicht aus jedem Boxer ein Weltmeister werden. Und manchmal werden Boxer auch nur unter Vertrag genommen, weil sie billig sind und sich als Sparringspartner eignen. Auch wenn man all dies in Rechnung stellt, ist die Ausbeute einfach nicht optimal. Ich würde beispielsweise, könnte ich denn einen Boxstall eröffnen, den Mittelgewichtler Istvan Szili (20 Kämpfe, 18 Siege, 8 durch KO, 2 Unentschieden) unter Vertrag nehmen.
Istvan Szili ist 32 Jahre alt und derzeit die Nummer 54 der unabhängigen Weltrangliste. Er ist nur wenige Kämpfe von der absoluten Weltspitze entfernt. Aber genau das ist auch sein Problem, denn diese Kämpfe bekommt er hier nicht, weil er eben keinen großen Veranstalter an seiner Seite hat. 2014 hat er insgesamt nur zwei Kämpfe bekommen. Hinzu kommt noch, dass er als Nicht-Heimboxer zwei ungerechtfertigte Unentschieden, am 23.08.2013 gegen Goekalp Oezekler und am 02.05.2014 gegen Matteo Signani, hinnehmen musste. Wir erinnern uns: Der Kampf gegen Oezekler wurde zur Fehlentscheidung des Jahres 2013 gekürt.
Der umtriebige Veranstalter Benedikt Poelchau (Blanko Sports) ist der Manager von Szili. Dieser hat nun für den 17. Juli in Bethlehem, Pennsylvania, USA ein Kampf besorgt. Der ungarischen Wahl-Schweizer Szili soll gegen das amerikanische Spitzentalent Antoine Douglas (18 Kämpfe, 17 Siege, 11 durch KO, 1 Unentschieden), die Nummer 39 der unabhängigen Weltrangliste, kämpfen. Es ist der Hauptkampf des Abends, der vom US-TV Sender Showtime live übertragen wird.
Nun könnte man natürlich sagen „jeder Profi-Boxer träumt davon, ein Mal in seiner Karriere auf einem der großen amerikanischen Box-Sender – Showtime oder HBO – zu boxen“, ich aber glaube eher, dass jeder Boxer davon träumt, bei einem großen Veranstalter einen Vertrag zu bekommen, der sich seriös um den Aufbau und die Weiterführung seiner Karriere kümmert. Der TV Sender Showtime ist der größte Box-TV-Sender der Welt. Erst vor kurzem machte er den teuersten Kampf der Box-Geschichte: Floyd Mayweather gegen Manny Pacquiao in Las Vegas möglich. Und nun hat der ungeschlagene Szili einen Vertrag über zwei Kämpfe bei Showtime unterschrieben.
Das hört sich doch erst mal gut an. Aber machen wir uns nichts vor: die USA hat nicht wirklich auf Szili gewartet. Man macht es ihm nicht leicht und man wird es ihm nicht leicht machen. Er geht nach Amerika, um in seinem ersten Kampf für den amerikanischen TV Sender gegen einen Top-Boxer anzutreten – natürlich in der Hoffnung zu gewinnen und ein faires Urteil zu bekommen. Gewinnt “the Prince” Szili geht es weiter gegen einen noch stärkeren Mann. Verliert er, zeigt dabei aber eine gute Leistung, dürfte er Teil des großen Boxer-Pools von Showtime bleiben. Verliert er beide Kämpfe aber deutlich, dann steht er mit leeren Händen da. Wenigstens hat er aber versucht, seiner Karriere Schwung zu verleihen. Ich drücke ihm auf jeden Fall die Daumen. – Aber wie schon gesagt, mir ist es ein Rätsel, nach welchen Kriterien die großen deutschen Veranstalter ihren Stall zusammenstellen.
© Uwe Betker

Selcuk Aydin vs. Ionut Dan Ion – eine Standortsbestimmung

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Der WBC Silbergürtelträger im Weltergewicht Selcuk Aydin (22 Kämpfe, 22 Siege, 17 durch KO) verteidigt am 26.11.2011 seinen Titel gegen Ionut Dan Ion (30 Kämpfe, 29 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage). Das Aufeinandertreffen der Beiden ist ein Rückkampf. Am 05.06.2010 wurde Aydin in Istanbul gegen Ion durch Mehrheitsentscheidung Silberweltmeister. Einige Beobachter des Kampfes sahen Aydin als Verlierer.
Nach seinem Titelgewinn nahm Aydins Karriere keine Fahrt auf, sondern stagnierte. Üblicherweise bekommt ein Weltmeister nach seinem Titelgewinn einen leichten Gegner in seiner ersten Titelverteidigung vorgesetzt, bevor man ihn weiter aufbaut. Aydin verteidigte seinen Titel in den letzten 15 Monaten kein einziges Mal. Stattdessen boxte er zwei Boxer, die wohl noch nicht einmal ein leichtes Sparring mit ihm ausgehalten hätten. Bei beiden Kämpfen sah der Mann aus Trabzon unmotiviert, uninspiriert und untrainiert aus.
Eigentlich sollte ein Sieg vor heimischem Publikum für Aydin eine sichere Sache sein. Der Puncher schlägt den Techniker. Das Problem scheint mir jedoch zu sein, dass Aydin eigentlich noch nie seine Fähigkeiten zeigen konnte. Bis jetzt wirkte er auf mich wie ein uneingelöstes Versprechen.
Aydin hat einen Gürtel, aber er ist nur die Nummer 16 der unabhängigen Weltrangliste. Das liegt vermutlich nicht daran, dass die Weltspitze Angst vor seinem Punch hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Manny Pacquiao, Floyd Mayweather Jr., Andre Berto und Shane Mosley, um nur die besten Vier zu nennen, sich ernsthafte Sorgen vor einer Auseinandersetzung mut Aydin machen. Dementsprechend ist der Kampf gegen den in Kanada lebenden Rumänen eher eine Standortbestimmung. Gewinnt Aydin nicht wirklich überzeugend und beeindruckend, dürfte wohl nicht mehr von ihm zu erwarten sein.
© Uwe Betker

Written by betker

25. November 2011 at 23:59

Die ARD, die Rundfunkgebühren und das Boxen (2)

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5. Punkturteile, die den Ruf des Athleten, des Senders, des Veranstalters und des Sports beschädigen, sollten nicht akzeptiert werden. Verschieben Punktrichter Kämpfe zugunsten des „Heimboxers“, kann man einen sofortigen oder baldigen Rückkampf ansetzen.
6. Punktrichter, die offensichtlich Dinge wie „Heimvorteil“ und „Weltmeisterbonus“ – Dinge, die die Regelwerke ja auch gar nicht vorsehen – in ihre Wertung einfließen lassen oder die versuchen durch vorauseilenden Gehorsam sich dem Veranstalter anzudienen, könnte man ja auch für drei Jahre die Möglichkeit geben, erst mal auf anderen Veranstaltungen ihr Handwerk neu zu erlernen. Oder, um es anders auszudrücken: Ich finde, dass Punktrichter, die sich diskreditiert haben, drei Jahre lang nicht mehr bei Sauerland Veranstaltungen, die schließlich mit Rundfunkgebühren bezahlt werden, eingesetzt werden dürften. Damit wird das Boxen sauberer, und es bekommt mittelfristig auch einen besseren und seriöseren Ruf, was im Interesse aller Beteiligten sein dürfte.
7. Im Vorprogramm kann man auch ausgewählte und sehr gute Weltmeisterschaften im Frauenboxen zeigen. Halten diese Kämpfe das, was man sich von ihnen versprochen hat, kann man sie nach dem Hauptkampf zeigen. Es ist nicht so, als gäbe es keine sehr guten Frauenboxkämpfe, sondern es gibt nur zu viele zu schlechte Matchmaker und dann auch zu viele Veranstalter und TV-Sender, die keine Ahnung von Frauenboxen haben. Gerade hier ist es möglich, großen Sport für relativ wenig Geld zu zeigen. Die Einschaltquoten von Regina Halmich haben seinerzeit doch bewiesen, dass es eine prinzipielle Akzeptanz beim Publikum für diesen Sport gibt.
8. Für mich gibt es auch keinen Grund, warum die ARD Boxkämpfe der unteren Gewichtsklassen ausschließt. Unterhalb des Mittegewichts gibt es durchaus sehr gutes Boxen, das bis jetzt nur nicht gezeigt wird. Mir scheint, es gibt bei den unteren Gewichtsklassen aber ein Vermittlungsproblem. Die Kommentatoren am Ring wären nämlich gezwungen, mehr Fachwissen einzubringen, weil in den unteren Gewichtsklassen das Boxen einfach um ein Vielfaches schneller, technischer und für ungeübte Augen schlechter zu sehen ist.
9. Die Kommentatoren von Boxkämpfen sollten sich primär und verstärkt wieder als Journalisten definieren, die über ein Sportereignis berichten, und nicht als Teil des Doppel-Teams Sauerland-ARD auftreten. Eine schlechte Leistung ist eine schlechte Leistung und muss auch so benannt werden und ein Betrug ist ein Betrug. Keiner will Verrenkungen mit „Heimvorteil“ und „Weltmeisterbonus“. Eine der Stärken der ARD ist doch der Journalismus! Wieso gibt es den dann nicht beim Boxen?
10. Die Kommentatoren sollten ihre Informationen zum jeweiligen Boxkampf nicht nur von den Trainern, Boxern und Angestellten von Sauerland beziehen, sondern auch unabhängige Informationsquellen nutzen.
11. Die so genannten Experten, zumeist ehemalige Boxer, könnten, meiner Meinung nach, auch ruhig etwas ehrlicher und härter analysieren und dafür weniger charmant plaudern. Wenn dann auch mal Meinungen aufeinanderprallen, können die Zuschauer das schon aushalten, wenn nicht sogar genießen.
12. Entscheidungsträger der ARD sollten prinzipiell keinen Urlaub bei Herrn Sauerland in Südafrika machen.

Es wäre vielleicht hilfreich, wenn die ARD einen Boxfachmann abstellen oder engagieren würde, der sich um die Einhaltung der oben aufgeführten Punkte kümmern könnte und die Interessen der ARD und der Gebührenzahler auch offensiv gegenüber Sauerland vertreten würde. Auch wäre es wünschenswert, wenn dieser Fachmann bereits frühzeitig bei der Planung von Veranstaltungen einbezogen wäre um frühzeitig Kontrollen und Einfluss ausüben zu können.

Es hört sich vielleicht naiv an, aber ich bin nun mal der Überzeugung, dass derjenige, der zahlt, auch die Musik bestimmt. Wieso übernimmt die ARD nicht Verantwortung und zeigt ihren Zuschauern besseres und saubereres Boxen. Sie hat auf jeden Fall dafür alle Möglichkeiten. Nun ist nur die Frage, ob sie auch den Mut und den Willen hat, es zu tun.
© Uwe Betker

Die ARD, die Rundfunkgebühren und das Boxen (1)

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Bis vor kurzem sah es so aus, als sei es eine reine Formsache, dass die ARD ihren Vertrag mit Sauerland Event um drei Jahre verlängert. In den Medien wurde eine Gesamtsumme von 54 Millionen Euro bzw. 1,5 Millionen Euro pro Veranstaltung kolportiert, was allerdings vom Geschäftsführer von Sauerland, Christian Meyer, dementiert wurde. Nun haben die Gremien der ARD den Vertrag nicht abgenickt, sondern blockiert. Es sieht so aus, als würden die Intendanten der einzelnen Sendeanstalten ihren gegenseitigen Animositäten und persönlichen Eitelkeiten über die Medien freien Lauf lassen. Das Profiboxen ist hier nur Spielwiese.
Die Quoten sprechen fürs Boxen, auch wenn einige Intendanten Radfahren oder Rhythmische Sportgymnastik vorziehen mögen. Aber einige Vertreter von Sendeanstalten bezweifeln „die Verhältnismäßigkeit des Millionendeals, und ob Boxkämpfe überhaupt ins öffentlich-rechtliche Programm passen.“ Über das Passen des Boxens kann man wohl getrost hinweggehen, denn das scheinen mir eher Pseudo-Bedenken zu sein. Wenn Boxen nicht ins öffentlich-rechtliche Programm passt, dann passt überhaupt kein Sport ins Programm, auch und vor allem kein Fußball. Denn alles, was man dem Boxen zum Vorwurf machen kann, kann man auch über den Fußball sagen. Über die Verhältnismäßigkeit aber, lohnt es sich schon nachzudenken.
Ein langfristiges und finanziell starkes Engagement von der ARD bei Sauerland Event halte ich für richtig und wichtig. Gleichzeitig sollte die ARD sich aber ihrer Verantwortung gegenüber den Zuschauern und dem Sport stärker bewusst werden und ihre Zusammenarbeit mit Sauerland anders gestalten. Wenn Rundfunkgebühren, die von jedem Haushalt in Deutschland entrichtet werden müssen, dazu verwendet werden, die Übertragung von Boxveranstaltungen zu bezahlen, muss die ARD es auch als ihre Pflicht ansehen, darauf zu achten, dass diese Gelder in einer, nenne ich es mal, ethischen Weise ausgegeben werden. Will die ARD nicht den gleichen Weg gehen wie das ZDF und ihren sowie den Ruf des Boxens ruinieren, dann muss die ARD auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Für mich stellt sich hier allerdings die Frage, ob die ARD das auch wirklich will. Ich jedenfalls habe manchmal schon den Eindruck, dass sie es nicht will.
Wenn die ARD sich jedoch mit dem Juwel Boxen langfristig weiter schmücken und gute Einschaltquoten erzielen will, ohne sich und den Sport zu beschädigen, dann muss sie wohl etwas ändern. Hier ein paar Vorschläge:

1. Die ARD gibt nicht allein dem berliner Veranstalter das ganze Geld, das sie für Boxen zur Verfügung hat. Es käme ja vermutlich auch kein deutscher TV-Sender auf die Idee, nur die Fußballspiele des aktuellen Deutschen Meisters Borussia Dortmund zu übertragen und alle anderen zu ignorieren. Dementsprechend macht es auch keinen Sinn so zu tun, als ob Boxen in Deutschland nur aus dem besteht, was Sauerland Event anbietet. Sinnvoll wäre es also, Sauerland nur einen Anteil von dem Geld zu garantieren. Damit hätten beide, Veranstalter und Sender, eine Planungssicherheit. Gleichzeitig aber hätte man dann noch die Möglichkeit, weitere Kämpfe oder Veranstaltungen hinzuzukaufen. Von den besten 25 Boxern der Welt, boxt nur Steve Cunningham (Position 17) bei der ARD – und dann auch noch nur im Vorprogramm. Hier sitzt also der Zuschauer nicht in der ersten Reihe, sondern eher hinter der Säule.
2. Zugekauft werden könnten dann die Megafights weltweit. Es könnte dann auch die Sauerland Veranstaltung auf den gleichen Abend gelegt werden, wie z.B. die Kämpfe von Manny Pacquiao. Der Fernsehzuschauer hätte dann die Möglichkeit erst die deutsche Veranstaltung zu sehen und anschließend noch einen großen Kampf aus dem Ausland.
3. Zugekauft werden könnten außerdem noch besonders interessante oder viel versprechende Kämpfe mit deutscher Beteiligung, wo die Boxer bei Veranstaltern unter Vertrag sind, die keine TV-Verträge haben. Und warum sollten diese Kämpfe dann nicht sogar auch im Rahmen der Sauerland-Shows oder in Kooperation von zwei Promotern stattfinden?
4. Die Qualität der Kämpfe müsste einfach stärker kontrolliert werden. Es ist ja so, dass ein Weltmeister z.B. einmal im Jahr seinen Titel gegen einen Pflichtherausforderer verteidigen muss. Mindestens bei einer der freiwilligen Titelverteidigungen sollte der Herausforderer ein Top Ten Mann sein. Warum sollte dann die ARD dabei dann einen Gegner akzeptieren, der schlechter als auf Position 35 der unabhängigen Weltrangliste steht?
© Uwe Betker

Die ARD und das Boxen

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Wie bekannt, hat sich die ARD langfristig vertraglich an den berliner Veranstalter Sauerland Event gebunden und wird in Zukunft ca. 1,5 Millionen Euro pro Show bezahlen. Diese 1,5 Millionen Euro sind ein Teil der Rundfunkgebühren, die jeder Haushalt in Deutschland zu entrichten hat. Ich muss gestehen, mich beschäftigt diese Zahl, die ich mir nicht vorstellen kann, seit ich sie gelesen habe.
Immer wieder frage ich mich, wie kontrolliert die ARD eigentlich Sauerland Event? Soweit bis zu mir durchgesickert ist, gibt es letztlich keine Kontrolle. Er gibt nur zwei Vorgaben der ARD, von denen ich gehört habe. Die eine heißt: Wir zeigen kein Frauenboxen und wenn, dann nur als Beimischung. Die andere heißt: Wir zeigen kein Boxen von Männern unterhalb des Mittelgewichts.
Natürlich starrt die ARD, wie jeder andere Sender auf die Quote. Außerdem versucht sie dabei noch bei „der werberelevanten Zielgruppe“, einer RTL-Erfindung von Helmut Thoma, besonders gut abzuschneiden – daher nämlich diese Vorgaben. Ich jedenfalls halte sie für grundlegend falsch.
Zugegeben es gehört schon einiges an Kompetenz dazu, gute Frauenboxkämpfe zu organisieren, aber es gibt sie – sowohl die Kompetenz als auch die guten Kämpfe. Und wie man an Regina Halmich sah, kann Frauenboxen auch gute Quote erzielen. Aber aus Angst vor schlechten Quoten Frauenboxen zu ignorieren und damit letztlich die Mehrheit der Bevölkerung, nämlich die Frauen, zu diskriminieren, das ist schon ein Armutszeugnis.
Auf den Ausschluss von jedwedem Boxen unterhalb des Mittelgewichts möchte ich gar nicht näher eingehen, sondern nur zwei Namen entgegen halten: Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao. Floyd Mayweather Jr. (41 Kämpfe, 41Siege, 25 durch KO) und Manny Pacquiao (57 Kämpfe, 52 Sieg, 38 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden) sind seit Jahren die besten und aufregendsten Boxer der Welt. Sie werden in Deutschland nicht gezeigt.
Das könnte man auch so interpretieren, dass es der ARD wohl an Fachkompetenz und an Mut fehlt.
© Uwe Betker