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BDB-Präsident wird von Amira Hamzaoui verklagt

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Der Kampf zwischen Amira Hamzaoui und Raja Amasheh vom 11.10.2014 will irgendwie kein Ende finden. Damals ging es in der Saarlandhalle Saarbrücken um den Weltmeistertitel der WBF und um den Silver Titel der WBC im Fliegengewicht. Wenn ich mich recht entsinne, war die Punktwertung damals wie folgt: Vincent Dupas 94:96, Steve Mertz 98:94 und Toni Tiberi 94:97. Amira Hamzaoui wurde durch Mehrheitsentscheidung zur Siegerin erklärt. Sanktionierender Verband war der Bund Deutscher Berufsboxer E.V.
Danach wird die Geschichte undurchsichtig. Etwa einen Monat später wird das Urteil der Punktrichter in ein „No contest“ geändert. An dieser Stelle setzen wohl die juristischen Auseinandersetzungen zwischen Hamzaoui und dem BDB an. Die entscheidende Frage scheint dabei zu sein: Wer hat die Umwandlung in einen „No contest“ veranlasst?
Hamzaoui ging juristisch gegen den BDB vor. Es gab ein einstweiliges Verfügungsverfahren vor dem Landgericht Kiel. Hamzaoui unterlag. Entscheidend für das Urteil war wohl eine eidesstattliche Versicherung des BDB Präsidenten Thomas Pütz. Der soll, wenn ich recht unterrichtet bin, ihr geschrieben oder gesagt haben:
„Die Boxerin Raja Amasheh hat im Anschluss an den Kampf gegen die Punktrichterentscheidung bei den Verbänden WBC und WBF Protest eingelegt. Der Präsident des WBC, Mauricio Sulaiman, hat mich daraufhin am 11.11.2014 darüber informiert, dass das Bord of Governors des WBC entschieden hat, dass der Titelstatus entzogen und das Kampfergebnis in ein „no contest“ geändert wird. Zudem sei vom WBC beschlossen worden, dass ein Rückkampf ausgetragen wird und die beiden WBF-Punktrichter für WBC Kämpfe suspendiert werden.
Herr Sulaiman hat vorgeschlagen, dass wir diese Entscheidung in einer gemeinsamen Erklärung veröffentlichen. Der WBC hat daraufhin mit uns eine entsprechende Erklärung abgestimmt, die er als offizielle Mitteilung auf seiner Webseite veröffentlicht hat.
Der BDB selbst hat in dieser Angelegenheit keine Entscheidung gefällt. Wir treffen bei internationalen Titelkämpfen generell keine eigenen Beschlüsse im Hinblick auf die Wertung der Kämpfe.“
Der Rechtsanwalt von Amira Hamzaoui, Marcus Bartscht, geht jetzt wohl davon aus, dass die Ausführungen unrichtig sind und er meint, dies auch beweisen zu können. D.h., der Vorwurf einer Straftat (§ 156 StGB), nämlich die der Falschen Versicherung an Eides statt, steht im Raum.
Der Prozess findet, soweit ich informiert bin, in den nächsten Tagen statt.
© Uwe Betker

PS: Ich wurde darauf hingewiesen, dass die Überschrift des Artikels irreführend sei. Bei einer falsche Eidesstattliche Versicherung (§ 156 StGB) handelt es sich ein sogenanntes Offizialdelikt,für dessen Verfolgung allein die Staatsanwaltschaft und nicht etwa Hamzaoui oder deren Anwalt Bartscht zuständig ist. Dank für den Hinweis! Leider fällt mir kein besser Titel ein. Bin aber für Vorschläge und Präzisierungen dankbar.

Gastbeitrag: Offener Brief von Marcus Bartscht (Rechtsanwalt von Amira Hamzaoui)

with one comment

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz und befasse mich aktuell mit einem Fall aus der Boxszene, der mich fast sprachlos macht. Hierzu wird am 12.01.2015, 12.30 Uhr, vor dem Landgericht Kiel (Az: 6 O 368/14) eine mündliche Verhandlung im einstweiligen Verfügungsverfahren stattfinden.

Es geht um einen Boxkampf vom 11.10.2014 in Saarbrücken zwischen Raja Amasheh (Deutschland) und Amira Hamzaoui (Frankreich). Hierbei wurden auch Titel der Weltboxverbände WBF und WBC vergeben. Aufsichtführender nationaler Verband war der BDB (Bund Deutscher Berufsboxer).

Der Kampf ging über zehn Runden und endete mit einem Punktsieg für Hamzaoui.

Doch scheint dieses Ergebnis nicht den Vorstellungen des WBC und auch des BDB entsprochen zu haben, die in möglicherweise Amasheh größeres Vermarktungspotenzial gesehen haben könnten. Der WBC zog nicht nur nachträglich seinen ausgelobten Titel zurück, sondern behauptet zusammen mit
dem BDB einfach, dass eine so genannte „No Contest“-Entscheidung getroffen worden sei. Der WBC publiziert das seither im Internet und der BDB tut das ebenso. Gleichzeitig hat der BDB dieses „Ergebnis“ an die internationalen Datenbanken (u. a. boxrec.com), wo unter anderem auch die Weltranglisten mit den jeweiligen Kampfrekorden geführt werden, geschickt. Hamzaoui, die als
reguläre Siegerin zunächst erheblich in der Weltrangliste geklettert war, ist über Nacht wieder gestürzt worden.

Das Erschreckende an der Sache: Hier wird willkürlich ein Sportergebnis im Nachhinein manipuliert! Das verstößt komplett gegen sämtliche Regeln (auch gegen diejenigen des WBC und des BDB) und ist sowieso an Unfairness nicht mehr zu überbieten.

„No Contest“ (kein Kampf) bedeutet, dass der Kampf keinen Sieger und Verlierer hat und auch nicht als Unentschieden gewertet wurde. Nicht zu verwechseln ist dies mit einer so genannten „Non-Title“-Entscheidung, die lediglich bedeutet, dass zwar ein Sieger gekürt wird, aber dieser keinen Titel erhält, sondern lediglich seinen Kampfrekord verbessert hat.

Vergleichbar wäre das Vorgehen damit, dass im Fußball das Finale um den Supercup ausgetragen wird und dem DFB sowie der unterlegenen Mannschaft das Ergebnis nicht passt und deshalb in der Öffentlichkeit behauptet wird, dass es in dem Spiel, das vor Publikum und offiziell ausgetragen wurde, keinen Sieger gegeben habe.

Mit freundlichen Grüßen

Bartscht
Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz
Hannover