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Foto: Istvan Szili vs. Mathias Zemski

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(C) Bruno Füchslin

 

Written by betker

2. September 2014 at 23:59

Die Herausforderung von Istvan Szili und acht weitere Kämpfe

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Das Volkshaus in Zürich war am 30.08.2014 Schauplatz einer bemerkenswerten Boxveranstaltung. Um es vorab zu sagen, die Veranstaltung war großartig. Der Veranstaltungsort war eine Art Theater mit Bühne. Auf der Bühne saßen die VIPs, die auf den Ring herunter schauten, der vor ihren Füßen lag. Unter diesen Berühmtheiten war auch der große Jürgen Blin, der am 26.12.1971 in Zürich gegen Muhammad Ali angetreten war. Auch die anderen Zuschauer hatten eine sehr gute Sicht, weil sie entweder von einer Empore runterschauen konnten, oder weil sie direkt vor dem Ring saßen; die Stuhlreihen waren außerdem auf Stufen aufgestellt. Das Volkshaus ist schlicht ein toller Ort für Boxveranstaltungen.
Den ersten Kampf des Abend bestritt der viel versprechende Cruisergewichtler Ehsan Maudodi (3 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO). Er trat gegen Ben Nsafoah (26 Kämpfe, 15 Siege, 8 durch KO, 10 Niederlagen, 3 durch KO) an. Der Kampf zwischen diesen beiden hinterließ bei mir gemischte Gefühle. Zum einen ist es schon bemerkenswert mutig, dass ein Boxer wie Maudodi sich so früh in seiner Karriere einen so guten und erfahrenen Mann wie Nsafoah wählt. Gleichzeitig wirkte der Kampf aber insgesamt doch etwas uninspiriert, so als hätten beide Boxer den Erfolg nicht bedingungslos gesucht. Maudodi zeigte einen sehr guten Jab, eine gute Deckung und manchmal auch schöne Kombinationen, besonders Links-Rechts-Kombinationen zum Kopf. Nsafoah versuchte zu kontern. Er kam jedoch so gut wie nie durch. „The Soldier“ Maudodi war zu dominant, daher war die Siegerehrung nach vier Runden auch eine reine Formsache.
Auch der folgende Vierrunder ging über die Distanz. Im Junior Weltergewicht trafen Selcuk Bilgin (4 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO) auf Karoly Lakatos (58 Kämpfe, 13 Siege, 5 durch KO, 44 Niederlagen, 15 durch KO, 1 Unentschieden). Auch diese Ansetzung war mutig, denn Lakatos ist ein sehr erfahrener Boxer, der sich noch nicht ans Verlieren gewöhnt hat und immer wieder für eine Überraschung gut ist. Am Anfang der ersten Runde brachte ein Wischer Lakatos zu Boden, aber der Ringrichter der GBA wertete dies, übrigens zu Recht, nicht als Niederschlag. Näher kam Bilgin dann auch nicht an einen KO Erfolg. Er arbeitete beeindruckend viel und man konnte deutlich spüren, dass er den vorzeitigen Erfolg unbedingt wollte – der aber blieb aus. Bilgin machte sich auch selber das Leben schwer, da er so gut wie nie eine Aktion mit seiner Führhand vorbereitete. Eine linke Grade hatte er an diesem Abend offenbar gar nicht im Angebot. Dennoch war der Kampf recht kurzweilig und der Punktsieg für Bilgin einstimmig.
Der nachfolgende Kampf im Mittelgewicht zwischen Yasin Basar (3 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO) und Norbert Szekeres (52 Kämpfe, 15 Siege, 8 durch KO, 40 Niederlagen, 9 durch KO, 3 Unentschieden) war auf vier Runden angesetzt. „The Gentleman“ Basar, der in London trainiert und erst seit drei Monaten Profi ist, zeigte von der ersten Sekunde an gutes, druckvolles und variables Boxen. Er verteilte seine Schläge gut auf Körper und Kopf. Anfang der zweiten Runde zwang er Szekeres mit einem linken Haken zu Boden. Erstaunlicherweise schaffte der es, das Ende der Runde zu erreichen. Basar machte Druck und suchte den KO, ohne jedoch hektisch zu werden. Er boxte sehr abgeklärt. In der folgenden Runde ließ eine Linke zum Kopf Szekeres einknicken, aber durch Klammern und Tapferkeit erreichte er erneut das Rundenende. Auch in der vierten und letzten Runde schaffte es Basar nicht, seinen Gegner KO zu schlagen. Er zeigte aber eine gute Leistung, die einen neugierig auf mehr Kämpfe von ihm machte. Sein Punktsieg war deutlich.
Im vierten Kampf des Abends trafen im Supermittelgewicht Butrint Rama (11 Kämpfe, 11 Siege, 6 durch KO) und Pietro d´Alessio (28 Kämpfe, 11 Siege, 7 KO, 17 Niederlagen, 5 durch KO, 1 Unentschieden) aufeinander. Rama dominierte die ersten beiden Runden. Er arbeitete gut und sehr präzise mit seiner Führhand, um dann seine Rechte folgen zu lassen. D’Alessio konterte und versuchte, einen Schlagabtausch zu erzwingen. Immer wieder schnitt er Grimassen und spielte den Clown, um Rama aus dem Konzept zu bringen. Je länger der Kampf dauerte, umso erfolgreicher war er mit dieser Taktik. In der dritten Runde konnte er mehr und bessere Treffer setzen als sein Gegner. Die folgenden Runden waren hart umkämpft und eng. Am Ende der sechsten Runde wurde Rama zum knappen Punktsieger erklärt. Ich persönlich hätte d´Alessio ein Unentschieden gegeben, obwohl ich seinen Faxen und Clownerien nicht so viel abgewinnen konnte. Es folgte eine Showeinlage mit zwei Tänzern.
Im fünften Kampf traten im Mittelgewicht Arthur Hermann (12 Kämpfe, 12 Siege, 11 durch KO) und Laszlo Haas (24 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, 14 Niederlagen, ? durch KO, 1 Unentschieden) gegeneinander an. Hermann wirkte wie ein Jäger, der konzentriert und ruhig seiner Beschäftigung nachgeht. Haas beeindruckte durch seine Deckungsarbeit und seine Zähigkeit. Immer wenn es so aussah, als ob er im nächsten Moment zu Boden gehen würde, war er wieder da und konterte. Es sah aus, als würde es immer so weiter gehen und als würden sich die beiden aneinander abarbeiten. Dann kam die fünfte Runde. Hermann kam mit einem Leberhaken durch und Haas musste zu Boden. Er wurde angezählt, aber er kam wieder hoch und stellte sich erneut dem Kampf. Hermann setzte sofort nach und kam noch mal mit einem Leberhaken, gefolgt von einem Aufwärtshaken aufs Kinn, durch. Haas ging zu Boden und der Ringrichter winkte den Kampf ab. Sieger durch TKO 5 nach 0:50 Minuten Arthur Hermann.
Der folgende Kampf fand im Cruiseregewicht statt. Es trafen Sevdail Sherifi (17 Kämpfe, 10 Siege, 9 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Björn Blaschke (13 Kämpfe, 9 Siege, 5 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) aufeinander. Beide Boxen wollten den Sieg. Sherifi war der Aktivere und er schien mir auch der wohl boxerisch Bessere zu sein, aber Blaschke hatte durchaus seine Momente. In der zweiten Runde kam Blaschek mehrfach mit Links-Rechts-Kombinationen durch die Deckung zum Kopf durch. Diese Schläge ließen den Kopf von Sherifi nach hinten schnappen. In der folgenden Runde stellte Sherifi Blaschke in dessen Ecke und deckte ihn mit Schlägen ein. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als sollte Blaschek nun runter gehen, aber er kam zurück. Ab der vierten Runde standen beide häufig Kopf an Kopf und deckten sich mit Schlägen ein. Bei einer solchen Situation kam Blaschke mit einer Eins-Zwei-Kombination zur Stirn durch, die Sherifi einknicken ließ. Mit zunehmender Kampfdauer verringerte sich zwar das Tempo des Kampfes, aber nicht die Intensität. Am Ende werteten die Punktrichter den Achtrunder unentschieden, was ein sehr gutes Urteil war.
Zwei Anmerkungen: Das Kampfgericht der German Boxing Association war seht gut. Es gab keine Fehlurteile und es gab auch keinen Heimbonus, wie man an dem eben beschriebenen Unentschieden sieht. Es gab auch Nummerngirls, u.z., wenn ich recht gezählt habe, zwei. Ab dem Sherifi-Blaschke-Kampf versahen sie ihren Dienst. Die beiden Damen haben vermutlich an diesem Abend Weltrekorde aufgestellt. Nie sah ich schnellere Damen mit Tafeln im Ring. Kaum waren sie in den Ring gestiegen, waren sie auch schon wieder draußen. Einmal konnte ich einen Blick auf das Fußgelenk einer Dame erhaschen. Sie hatte dort Flügel – eine Tätowierung. Über einen Zusammenhang zwischen den Flügeln und der Geschwindigkeit ihres Schreitens habe ich mir allerdings noch keinen schlüssigen Reim gemacht.
Es folgte eine weitere Showeinlage, bei der eine Dame in einem silbernen Ganzkörperanzug und mit sehr hohen silbernen Plateauschuhen ein Lied vortrug. Der Silberanzug war übersät mit so einer Art Ausbuchtungen, ähnlich wie Eierkartons, nur kleiner. Sie sang auch ein Lied. Die Pinökel sahen irgendwie seltsam aus. Ach so: Sie sang auch ein Lied.
Im siebten Kampf boxten Anatoli Muratov (10 Kämpfe, 8 Siege, 5 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) und Philipp Kolodziej (10 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO) im Super Mittelgewicht um die vakante Internationale Deutsche Meisterschaft. Kolodziej, ein Mann von Werner Kreiskott, begann stark und dominierte die erste Runde. Muratov war passiv und konnte erst am Ende einen guten Konter landen. Die zweite Runde war weitestgehend ausgeglichen. Kolodziej gehörte die erste und Muratov, der jetzt aktiver wurde, die zweite Hälfte. Muratov machte in der dritten Runde dort weiter, wo er in der vergangenen Runde aufgehört hatte. Er machte Druck. Bis zur Mitte der Runde dominierte er den Kampf, dann nahm er eine harte Linke mit dem Kopf. Es entsprang ein harter Schlagabtausch. Am Ende hatte Muratov die Kontrolle jedoch zurückgewonnen, die er auch in den nächsten zwei Runde nicht mehr abgab.
Aber Kolodziej ließ sich nicht beirren. Immer weiter ging er nach vorne und zwang seinem Gegenüber den Kampf auf: es entstand fast der Eindruck, als könnten ihm die Schläge von Muratov, und das waren nicht gerade wenige, die er nehmen musste, nichts ausmachen. In der fünften Runde fing Muratovs Nase an zu bluten. In der sechsten Runde stellte Kolodziej Muratov in dessen Ecke und fällte ihn mit einem harten Leberhaken. Muratov kam zwar noch rechtzeitig hoch, aber er stellte sich nicht mehr zum Kampf. Sieger durch TKO in Runde 6, nach 1:12 Min. Philipp Kolodziej. Anatoli Muratov ist nun nach dem 02.11.2013 (Juan De la Rosa) zum zweiten Mal nach einem Leberhaken KO gegangen.
Die folgende Begegnung fand im Halbschwergewicht statt. Es ging dabei um den Europatitel der Universal Boxing Federation, um den Alis Sijaric (8 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO) und Gyorgy Marosi (38 Kämpfe, 22 Siege, 11 durch KO, 16 Niederlagen, 11 durch KO) kämpften. Der Kampf begann, wie viele andere auch. Die Boxer tasteten sich ab und irgendwie plätscherte das Geschehen so dahin. Wie aus dem Nichts kam Sijaric dann plötzlich mit einer rechten Graden zum Kopf durch und Marosi lag KO auf dem Ringboden. Sieger durch KO 1, nach 2:14 Alis Sijaric.
Den Hauptkampf des Abends bestritten im Mittelgewicht Istvan Szili (20 Kämpfe, 18 Siege, 7 durch KO, 2 Unentschieden) und Mathias Zemski (15 Kämpfe, 13 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO). Es ging um den Weltmeistergürtel der Universal Boxing Federation im Mittelgewicht. Natürlich ist der Titel der UBF keiner der „harten“ Titel, aber es ist ein Titel, und den muss man erst einmal gewinnen. Der Gewinn des Titels empfiehlt den Boxer dann auch für höhere Aufgaben.
Szili begann verhalten, bestimmte aber das Tempo. Zemski schien großen Respekt vor Szili mitgebracht zu haben, denn er klammerte oft, auch in Situationen, bei denen es absolut nicht notwendig gewesen wäre. Von Runde zu Runde erhöhte Szili den Druck. Im zweiten Durchgang kam er mit einem rechten Körperhaken und einer anschließenden linken Graden zum Kopf durch, die Zemski sichtlich beeindruckte. Am Anfang der folgenden Runde ging er dann zweimal zu Boden, einmal bei dem vergeblichen Versuch wieder zu klammern und das andere Mal nach einem rechten Aufwärtshaken zum Kopf. In der Folgezeit war Szili auf der Jagd und Zemski auf der Flucht. Am Anfang der vierten Runde musste Zemski eine harte Linke nehmen und ging in der Mitte der Runde nach einer Rechten zur Schläfe runter. Ende der fünften Runde musste er erneut nach einem rechten Körpertreffer runter. Szili filetierte geradezu seinen Gegner.
In der sechsten Runde kam dann das endgültige Aus. Szili kam mit einer rechten Graden zum Körper durch und Zemski sackte ganz langsam, wie in Zeitlupe, in sich zusammen. Szili setzte nach und gab dem Zusammensackenden noch zwei Schläge mit. Für den letzten der beiden Schläge verwarnte ihn der Ringrichter Arno Pokrandt. Zemski stellte sich zwar noch einmal, musste nach einem Leberhaken aber wieder zu Boden. Der Ringrichter brach den Kampf nach 1:22 Min. in Runde 6 ab.
Istvan Szili hat mit seiner beeindruckenden Leistung nicht nur einen recht unbedeutenden WM Gürtel gewonnen, sondern sie bedeutet zugleich eine Herausforderung an die großen Mittel- und Supermittelgewichtler, an Felix Sturm (46 Kämpfe, 39 Siege, 18 durch KO, 4 Niederlage, 1 durch KO, 2 Unentschieden), an Robert Stieglitz (51 Kämpfe, 47 Siege, 27 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO) und an den WBO Weltmeister im Super Mittelgewicht Arthur Abraham (44 Kämpfe, 40 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO). Istvan Szili kann für alle drei als eine ernsthafte Konkurrenz angesehen werden. Man darf gespannt sein, ob sich einer von ihnen auch traut, gegen Szili anzutreten. Ein toller Kampf ist garantiert.
Der Veranstalter Benedikt Poelchau (Blanko Sports) ist ein Wiederholungstäter. Bereits im letzten Jahr hat er eine unglaublich gute Veranstaltung im Ravensburg auf die Beine gestellt. Und genau das hat er nun auch wieder in Zürich geschafft. Seine Show im Volkshaus sehe ich als ganz heißen Anwärter für den Titel „Beste Veranstaltung der Jahres 2014“. Der Ort, die Boxkämpfe, die Urteile und die Stimmung waren sehr gut. Nur die Nummerngirls – die waren zu schnell.
© Uwe Betker

Foto: Mathias Zemski

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(C) Uwe Betker

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27. September 2013 at 23:59

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Foto: Mathias Zemski

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(C) Uwe Betker

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8. September 2013 at 23:59

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Die junge Garde von SES Boxing in Potsdam

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In der schönen und neuen MSB Arena in Potsdam konnten 3.000 Zuschauer eine Show von SES Boxing sehen, in der einige Boxer antraten, die vermutlich die Zukunft des deutschen Profiboxens verkörpern. Im Publikum war viel Prominenz aus Sport, Musik und Politik. Am Ring saßen unter anderen der Ministerpräsident des Landes Brandenburg Matthias Platzeck und SPD Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier.
Den Anfang machte der Supermittelgewichtler Dario Bredicean, der sein Profidebüt gab. Der aus Fort Myers USA stammende Bredicean hatte dort einige Amateurkämpfe bestritten, bevor er von Axel Schulz entdeckt wurde, der ihn jetzt auch managt. Bevor Bredicean zum Ring ging, wurde eine Videogrußbotschaft von Heino gezeigt, in der er ihm Glück wünschte. Dazu passte auch die Einmarschmusik, ein von Heino gesungenes Lied. Sein Gegner war Vladimir Fecko (62 Kämpfe, 4 Siege, 1 durch KO, 55 Niederlagen, 27 durch Ko, 3 Unentschieden)aus der Tschechischen Republik. Fecko ist seit Jahren ein beliebter Aufbaugegner. In der Vergangenheit stand er u.a. schon mit Alexander Sipos, Alexander Abraham, Dirk Demski und Michel Trabant im Ring und bringt dementsprechend viel Erfahrung mit.
Die Qualität eines Boxers ist nur sehr selten an seinem Profidebüt abzulesen. Entsprechend wenig kann ich auch über den Rechtsausleger Bredicean sagen. Er dominierte den Kampf. Seine Führhand hielt er lässig tief und sein linker Cross war sein bester Schlag. Alle Punktrichter werteten 40:36 für den 19jährigen Bredicean.
Im zweiten Kampf des Abend trafen Nicole Wesner (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Helga Petukov (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 1 durch KO) aufeinander. Die Begegnung fand im Leichtgewicht statt. Es war eine sehr einseitige Angelegenheit. Wesner war sehr viel stärker als die Ungarin. Immer wieder traf sie mit 1-2-Kombinationen. Ende der ersten Runde ging Petukov in ihrer eigenen Ecke zu Boden.
In der darauffolgenden Runde unterbrach der Ringrichter Klaus Griesel die erste Aktion und nahm aus mir unerfindlichen Gründen Petukov aus dem Kampf. Sieger durch TKO in Runde 2 nach 0:21 Minuten Nicole Wesner.
Im nächsten Kampf boxten im Junior Weltergewicht Felix Lamm (6 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage) und Nico Schröder (17 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch Ko, 10 Niederlagen 7 durch KO, 1 Unentschieden)gegeneinander. Schröder ist amtierender deutscher Meister der GBA im Leichtgewicht. Der 23jährige Lamm war allerdings der bessere Boxer. Er hielt seine Fäuste niedrig – das ist wohl im Augenblick Mode – und boxte unspektakulär systematisch. Umso spektakulärer war dann sein kurzer linker Kopfhaken, der seinen Gegner am Ende der zweiten Runde fällte. Sieger durch KO in Runde 2 nach 2:22 Minuten: Felix Lamm.
Im vierten Kampf des Abends boxten im Mittelgewicht Ronny Mittag (20 Kämpfe, 18 Siege, 8 durch KO, 1 Niederlage) und Rabie Ben Lakhbhar Inoubli (15 Kämpfe, 5 Siege, 1 durch KO, 10 Niederlagen, 5 durch KO)gegeneinander. Mittag war überlegen, und er boxte auch überlegen. Er ging schön zum Körper und stellte seinen Gegner immer wieder an den Seilen. Inoubli verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und versuchte mit als Innenhand geschlagenen Schwingern zu punkten. Am Ende feierte er die Tatsache, dass er das Ende der sechsten Runder erreicht hatte, als einen Sieg. Die Punktrichter werteten 60:54, 60:54 und 60:55 für Mittag.
Im nachfolgenden Kampf ging es um die vakante Deutsche Meisterschaft der GBA im Weltergewicht. Hier trafen Mathias Zemski (9 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO, 1 Niederlage) und Stefan Schröder (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO)aufeinander. Am Anfang war der Kampf dieser beiden noch eine muntere Keilerei, die den Zuschauen Spaß machte. Dann wandelte sich das Geschehen immer mehr zu einem ermüdenden Geklammer zweier sehr müder Boxer. Schröder, der Mann mit der größeren Reichweite und dem härteren Puncher, benutzte seine Führhand zu wenig. Zemski, der kleinere Mann und vermutlich bessere Boxer, arbeitete nicht in der Halbdistanz und im Infight. Je länger der Kampf dauerte umso häufiger klammerten sich die beiden aneinander, wenn sie sich nicht gerade zu Boden schubsten, rangen, sich beim Ringrichter beschwerten, sich über die Seile zu werfen versuchten oder was man sonst noch so macht. Es wurde viel ermahnt und die verschiedensten Punkte abgezogen. Am Ende torkelte Schröder nur noch durch den Ring und ging immer wieder vom Schwung seiner Schläge zu Boden. Trotzdem sah die Mehrheit der Punktrichter ihn vorne (92:97, 95:92 und 95:92): In meinen Augen ein groteskes Fehlurteil.
Der folgende Kampf entschädigte, obwohl er nur 2:24 Minuten dauerte, dann aber wieder für den vorangegangenen. Der Supermittelgewichtler Moritz Stahl (3 Kämpfe, 3 Siege, 3 durch KO)setzte seine Sieges- und KO-Serie weiter fort. Sein Gegenüber, der nicht schlechte Aufbaugegner Ratislav Kovac (47 Kämpfe, 26 Siege, 9 durch KO, 20 Niederlagen, 13 durch KO, 1 Unentschieden), hatte nicht den Hauch einer Chance. Strahl, eigentlich Islam Nusaevich Suleymanov, schickte bereits am Anfang der Runde, mit einer schönen Links-Rechts-Kombination, seinen Gegner in dessen Ecke zu Boden. Hiernach jagte er ihn, sehr unaufgeregt durch den Ring. Ein Körpertreffer schickte Ratislav in die Seile, wo er später dann, ohne sichtbare Schlagwirkung zu Boden ging. Der Ringrichter brach den ungleichen Kampf ab.
Der vorletzte Kampf des Abends, zwischen Domenic Bösel (11 Kämpfe, 11 Siege, 4 durch KO) und Harut Sahakyan (7 Kämpfe, 5 Sieg, 2 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden), war wieder ein Titelkampf, u.z. ging es um die Jugendweltmeisterschaft der WBO im Halbschwergewicht. Bösel dominierte den Kampf. Sein technisch sauberes Boxen, sein Reichweitenvorteil und seine gute Führhand drückten dem Kampf seinen Stempel auf. Immer wieder stellte er Sahakyan an den Seilen. Dieser versuchte mit Haken zum Ziel zu kommen. Nach der fünften Runde verflachte der Kampf ein wenig. Bösel spürte, dass er nicht vorzeitig gewinnen konnte und boxte seine Stiefel runter, um seinen ersten Titel zu erringen. Sahakyan seinerseits merkte, dass es nicht sein Abend war und schaltete einen Gang runter. In der zehnten und letzten Runde erhöhte Bösel noch einmal den Druck, aber für einen vorzeitigen Erfolg war es schon zu spät. Sein Punktsieg war sehr deutlich. Die Punktrichter werteten 100:90, 100:90 und 99:91.
Vor dem Hauptkampf des Abends habe ich mich, offen gesagt, gefragt: Wie kann man nur so eine Gegnerin holen? Als Gegnerin von Ramona Kühne (21 Kämpfe, 20 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch Ko), die immerhin amtierende Weltmeisterin der WBO, WBF und WIBF im Super Federgewicht ist, trat die Brasilianerin Halanna Dos Santos (19 Kämpfe, 14 Siege, 9 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO) an, die Nummer 41 der unabhängigen Weltrangliste. Von ihren letzten 8 Kämpfen verlor sie 4. Ihre 4 Siege errang sie drei gegen Gegnerinnen, die gegen sie ihr Profidebüt gaben. Und einmal trat sie gegen eine Frau an, die vorher nur ein einziges Mal als Profi im Ring gestanden und dann auch noch verloren hatte.
Die Wahl der Gegnerin erwies sich aber erstaunlicherweise als gut. Dos Santos war, wie zu erwarten, technisch limitiert. Mehr als ein wenig Führhand und Schlaghand hatte sie nicht im Repertoire. – Ihre Haken schlug sie immer als Innenhand und holte dabei noch recht weit aus. Dennoch war sie die richtige Gegnerin für Kühne, denn diese bestritt nach einer einjährigen Zwangspause – sie hatte sich das Knie verletzt – ihren ersten Kampf. Kühne war ohne Zweifel Herrin im Ring. Sie gewann auf meinem Punktzettel jede Runde, aber es war ihr ihre Auszeit anzumerken. Es fehlte ihr an Explosivität. Ihr Timing war häufig nicht richtig. Sie stand oft zu nahe oder zu weit links an der Gegnerin. Sie hatte offensichtlich Ringrost angesetzt. Dementsprechend war ihr Erfolg nicht mehr als ein Arbeitssieg. Es war ein ungefährdeter und sehr eindeutiger, aber doch ein Arbeitssieg, der allerdings nach ihrer Verletzung sehr wichtig war. Die Punkrichter werteten 100:90, 100:90 und 99:91.
Mein Fazit der Veranstaltung: Auf Dario Bredicean, Felix Lamm, Moritz Stahl und Domenic Bösel werde in Zukunft achten, denn eventuell gehört ihnen ja die Zukunft.
© Uwe Betker