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Der BoxSport berichtet

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Die Zeitschrift der BoxSport berichtete über die Mechernicher Fight Night vom 10.12.2011 in einem Artikel mit den Titel: „Gevor prügelt wieder auf den Ringrichter ein“. Der Herausgeber Hans Reski meinte wohl, seine Leser über die Ausschreitungen in der Eifel informieren zu müssen. Jedoch stand er wohl nun vor einem Problem. Denn der BoxSport berichtet wohl prinzipiell über keine kleineren Veranstaltungen oder, anders ausgedrückt, über keine Veranstaltungen, die nicht vorher Werbung bei ihm gekauft haben.
Dem Artikel kann man nicht entnehmen, wer ihn geschrieben hat, was ich sehr bedauere. Ich hätte mich gerne persönlich mit dem Herrn oder der Dame unterhalten, der oder die doch wohl anwesend war. Man kann beim Lesen des Artikels zumindest den Eindruck bekommen, dass jemand vom BoxSport vor Ort war. Bedauerlicherweise habe ich am Ring aber keinen Mitarbeiter entdecken können. Ich hätte sehr gerne nach dem Tumult meine Eindrücke mit denen eines Kollegen abgeglichen. Wer auch immer diesen Artikel geschrieben haben mag, seine Wahrnehmung weicht jedenfalls in einigen entscheidenden Punkten von meiner ab.
Wenn man den Artikel liest, kann man auf die Idee kommen, Khoren Gevor und der Ringsprecher waren die Einzigen an diesem Abend, die an dem ganzen Skandal beteiligt waren. Da heißt es z.B.: „Gerade hatte Ringsprecher Dirk Spiekermann den Sieg für die Rote Ecke von Baker Barakat verkündet, da attackierte Gevor Ring- und Punktrichter Paji Peci mit einem satten Hieb. Zahlreiche Helfer stürmten in den Ring und versuchten, den tobenden Ex-Europameister unter Kontrolle zu bringen. Vergeblich.“
Jeder konnte sehen, dass Gevor den Ringrichter attackierte. Ob nun allerdings der Hieb ein „satter“ gewesen ist, kann ich persönlich nicht beurteilen, aber es sah für mich so aus, als hätte Gevor gar nicht getroffen. Ich weiß natürlich nicht, was der Autor sagen will, wenn er mitteilt: „Zahlreiche Helfer versuchten“ Gevor „unter Kontrolle zu bringen“. Für mich sah das doch eher so aus, als ob ein Mob versuchte, jemanden niederzuknüppeln. Einen Versuch der Deeskalation habe ich da auf keinen Fall erkennen können.
Weiter heißt es: „Kurz darauf kletterte Gevor wutschnaubend durch die Seile und setzte seine Randale im Publikum fort, pöbelte Zuschauer an und schmiss mit Stühlen um sich. (…) Mit großer Eskorte und unter gellendem Pfeifkonzert wurde der Armenier anschließend in die Kabine gebracht.“
Ich kann mich natürlich irren – und natürlich habe ich auch nicht alles gesehen – aber, dass hat der Berichterstatter die Menschenjagd auf Gevor nicht gesehen hat, ist mir rätselhaft. Es muss doch überall zu hören gewesen sein, wie Barakat namentlich Schläger anflehte, von Gevor abzulassen, weil er doch nur sein Kind suche und die Halle verlassen wolle. Aber der Autor hat dafür anderes gehört und gesehen. So hat er vor dem Kampf ein Versprechen von Gevor gehört, „sich anständig zu benehmen“. Und er hat beim Wiegen „Provokationen und Anfeindungen“ gesehen und gehört, die er oder sie aber nicht weiter benennt.
Wie schon gesagt, ich würde sehr gerne meine Wahrnehmung der Veranstaltung mit dem oder der Kollegin vom BoxSport abgleichen.
© Uwe Betker

Die ultimativ subjektive Liste 2011

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Boxer des Jahres
Wladimir Klitschko (59 Kämpfe, 56 Siege, 49 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) – WBA, IBF, WBO Weltmeister im Schwergewicht. Ein einziger Kampf und Sieg gegen David Haye am 02.07.2011 reicht mir schon, um ihm meinen Titel „Boxer des Jahres“ zu verleihen. Aber: Perfektion kann langweilen.
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Boxerin des Jahres
Özlem Sahin wurde auf sehr beeindruckende Weise in Göppingen am 15.07.2011 Interimsweltmeisterin der WIBF. Sie ist eine Boxerin mit Charme und Charisma, und sie sieht gut aus. Sie hat also eigentlich alles, was man braucht, um das Frauenboxen wieder fernsehtauglich zu machen.
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KO des Jahres
Gennady Golovkin (22 Kämpfe, 22 Siege, 19 durch KO) schlug mit einem unglaublichen, linken, aus der Schulter geschlagenen Haken Lajuan Simon (30 Kämpfe, 23 Siege, 12 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) schwer KO. Simon war noch nie zuvor KO gegangen.
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Schlechteste Veranstaltung des Jahres
Gibt es etwas Schlimmeres als einen Ringsprecher, der das Publikum zur Menschenjagt aufhetzt? Mechernicher Fight Night am 10.12.2011 mit Baker Barakat.
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Rookie (männlich) des Jahres
Robert Tlatlik (7 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO) schaffte es, innerhalb von nur 8 Monaten zur Nummer 1 in Deutschland und zur Nummer 286 in der Welt im Weltergewicht zu werden.
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Rookie (weiblich) des Jahres
Derya Saki (1 Kampf, 1 Sieg, 1 KO) Die Leichtgewichtlerin machte bisher nur einen Kampf. – Der aber beeindruckte mich.
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Absteiger des Jahres
Arthur Abraham (35 Kämpfe, 32 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen). Der einstmalige Superstar im Mittelgewicht wurde im Super Six Turnier ziemlich durchgereicht. Von seinem Superstarstatus blieb nichts mehr übrig. Nun stellt sich jeder die Frage, ob Abraham überhaupt noch gegen einen starken Boxer gewinnen kann.
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Aufsteiger des Jahres
Gabor Veto (27 Kämpfe, 27 Siege, 21 durch KO). Der Junior Weltergewichtler wurde am 15.10.2011 gegen Michael Kizza Weltmeister der Global Boxing Union. Nun ist er die Nummer 193 der unabhängigen Weltrangliste. Er ist einer der interessantesten und spannendsten Boxer.
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Aussteiger des Jahres
Luan Krasniqi (35 Kämpfe, 30 Siege, 14 durch KO, 4 Niederlagen, 4 durch KO, 1 Unentschieden) steigt nicht mehr in den Ring. Er war ganz nahe daran, Weltmeister im Schwergewicht zu werden. Er war ein wirklicher Kämpfer. Er war der Löwe von Rottweil.
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Veranstalter des Jahres
Keiner der Großen
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Beste Veranstaltung des Jahres
Kleine Veranstaltungen sind besser als große Events: Das zeigte sich bei der WBA Weltmeisterschaft im Mittelgewicht zwischen Gennady Golovkin (22 Kämpfe, 22 Siege, 19 durch KO) und Lajuan Simon (30 Kämpfe, 23 Siege, 12 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) im Ballsaal des Intercontinental Hotel auf der Königsallee in Düsseldorf am 09.12.2011. Diese Veranstaltung wurde von der Klitschko Manangement Group auf die Beine gestellt. Ich würde mir wünschen, sie machten mehr solcher Nicht-Klitschko-Shows.
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Fehlentscheidung des Jahres
Felix Sturm blieb Dank der beiden Punktrichter Roberto Ramirez und Jose Ignacio Martinez, die 116 zu 112 für Sturm werteten, Super Champion der WBA im Mittelgewicht. Für mich hätte Matthew Macklin ganz klar der Sieg zugesprochen werden müssen. Aber in Deutschland werden Punktsiege häufig nur noch vergeben und nicht mehr erkämpft. Daher ist diese Fehlentscheidung auch nur eine von ziemlich vielen.
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Trainer des Jahres
Conny Mittermeier hat sich endgültig als Weltklassetrainer etabliert. Seine Arbeit mit Özlem Sahin, Erkan Teper, Timo Schwarzkopf und Selcuk Aydin spricht für sich.

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Boxkampf (männlich) des Jahres
Den muss ich verpasst haben.
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Boxkampf (weiblich) des Jahres
Özlem Sahin vs. Corina Carlescu. Ein Frauenboxkampf auf hohem Niveau, in dem sowohl Technik als Härte zu sehen waren – eine Werbung fürs Frauenboxen.
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Bester Show Act des Jahres
Bevor Felix Sturm sich gegen Matthew Macklin abquälte, erfreute Mel C, das Ex Spice Girl, meine Augen. Ihr im Vollplayback vorgetragenes Lied habe ich bereits vergessen und ich würde es auch nicht wiedererkennen. Aber ihre High Heels und ihre hautenge rote Hose …
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Boxer, der einen WM-Kampf verdient
Odlanier Solis (18 Kämpfe, 17 Siege, 12 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) ist eventuell der einzige Schwergewichtler, der einem der Klitschkos gefährlich werden könnte. Auch wenn Herr Bernd Bönte es gerne anders sehen möchte, Vitali Klitschko hat nicht bewiesen, dass er gegen Solis einfach so gewinnen kann.
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Boxer, der zu Unrecht übersehen wird
Markus Tomala (9 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO, 2 Niederlagen). Ein deutscher Schwergewichtler mit Potential, der keine Kämpfe bekommt und keinen Veranstalter hat. Unglaublich aber wahr.
© Uwe Betker