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Profiboxen in Voerendaal – Quintessens des Boxens

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Die Veranstaltungen von Patrick Driessen sind immer eine Reise wert. Hier gibt es immer gutes Boxen zu sehen. Diesmal war jedoch etwas anders. Diesmal nämlich waren im Zaalencentrum in De Borenburg in Voerendaal bei Heerlen 17 Amateurkämpfe und nur 2 Profikämpfe zu sehen. Diese beiden Profikämpfe waren allerdings so etwas wie die Quintessenz des Boxens: eine brutale Ringschlacht und ein Fechten mit der Faust.
Den Anfang bei den Profis machten im Weltergewicht Bo Delbressine, der sein Profidebüt gab, und Bryan Nisia (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) mit einem Vierrunder. Von der ersten Sekunde an war es eine harte Ringschlacht, bei der sich die Kontrahenten nichts schenkten, vor allem keine Ruhe. Nisia boxte unorthodox. Er verzichtete weitestgehend auf seine Deckung, schlug aus allen Positionen und verließ sich auf seine Reflexe und Meidbewegungen. Delbressine boxte hinter einer Doppeldeckung, suchte aber auch den Schlagabtausch. Und davon gab es dann auch wirklich viel zu sehen. In der zweiten Runde kam Nisia immer häufiger mit seinen Schlägen durch. Delbressine nahm viele und harte Treffer. Es sah auch schon danach aus, als würde er runter gehen, er machte es aber nicht. Stattdessen kam er selbst mit harten Treffern durch, die Nisia erschütterten. Zu Anfang der dritten Runde konnte Delbressine mehrfach Körperhaken anbringen. Es sah sogar schon danach aus, dass er den Kampf für sich entscheiden könnte. Dann aber kam wieder Nisia. Er erhöhte den Druck und Delbressine musste wieder mehr und mehr nehmen. Schließlich traf ihn eine harte Linke zur Schläfe und er drehte sich wie eine Schraube, während er zu Boden sank. Er wurde angezählt, kam schwankend wieder hoch. Der gute Ringrichter Gerard Steifzand nahm ihn jedoch aus dem Kampf, weil er Delbressine nicht mehr als kampffähig einschätzte.
Sieger durch TKO in Runde 3 nach 2:25 Minuten: Bryan Nisia.
Der Hauptkampf des Abends war die Beneluxmeisterschaft im Cruisergewicht zwischen Ricardo Snijders (11 Kämpfe, 11 Siege, 2 durch KO) und Erik Nazaryan (48 Kämpfe, 24 Siege, 18 durch KO, 19 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden). Beide Kontrahenten zeigten gutes technisches Boxen, allerdings in unterschiedlicher Ausführung. Snijders war erheblich größer als Nazaryan und hatte dementsprechend mehr Reichweite. Er boxte überlegt und kreiste langsam um seinen Gegner herum. Er agierte hinter einer kompakten Doppeldeckung und versuchte, seine Führhand zu etablieren, um seinen Reichweitenvorteil zu nutzen. Nazaryan versuchte, an Snijders heranzukommen, um dann seine Haken ins Ziel zu bringen. Seine Deckung war auch gut. In der zweiten Runde wurde der Kampf etwas munterer. Snijders verteilte gut, was Nazaryan dazu verleitete, gestenreich darauf hinzuweisen, dass die Schläge ihm nichts anhaben könnten. Er forderte Snijders auf, ihn doch anzugreifen. Snijders reagierte auf die Provokationen nicht – nur Ringrichter Toni Tiberi. Der ermahnte Nazaryan, die Faxen zu lassen. In der dritten Runde trieb Snijders Nazaryan kontrolliert vor sich her, ohne zu überhasten. In der vierten Runde erhöhte Snijders den Druck und trieb Nazaryan an den Seilen entlang. Dann öffnete sich ein böser Cut unter der linken Braue, auf dem Lid, von Nazaryan und der Kampf wurde gestoppt. Sieger durch TKO in Runde 4, nach 1:45 Minuten: Ricardo Snijders. – Eine bemerkenswert souveräne Leistung.
Die Veranstaltung in Heerlen war klein, aber fein. Sie stellte einen tollen Start in die neue Boxsaison dar. Es gab zwar nur zwei Profiboxkämpfe zu sehen, nachdem sich geplante Kämpfe zerschlagen hatten, weil sich die Boxer verletzt hatten. Zum Ausgleich boten gerade diese beiden Kämpfe aber die komplette Spannbreite des Boxens.
© Uwe Betker

Boxen im Stahlwerk

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Freudenreich Professional Boxing stellte zum vierten Mal an einem Freitag im Stahlwerk in Düsseldorf eine Boxveranstaltung auf die Beine. Damit dürften sich sowohl der Veranstalter als auch der Veranstaltungsort etabliert haben. Die Halle war denn auch sehr gut gefüllt. Die Stimmung war gut und es gab gute Kämpfe zu sehen. Zehn Kämpfe waren es insgesamt, vier Amateurkämpfe, mit einem Jugendkampf und sechs Profikämpfe. Um es vorab zu sagen, es war die beste Veranstaltung, die ich im Stahlwerk bislang gesehen habe.
Den Anfang bei den Profis machten Moukhliss El Gars (2 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO) und Dominik Tietz (14 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 8 Niederlagen, 5 durch KO) im Super Mittelgewicht. Beide Boxer begannen verhalten. Beide arbeiteten konsequent mit der Führhand, wobei El Gars mehr Hände ins Ziel brachte. Der zweite Durchgang wurde dann schon munterer. El Gars erhöhte das Tempo und zog auch die Rechte nach. Zum Ende der Runde hatte dann auch Tietz seine Momente. Die erste Hälfte der nächsten Runde gehörte wieder Tietz. Immer wieder brachte er mit Führhand und Rechter El Gars in Schwierigkeiten. Zum Ende der Runde kam dieser dann aber wieder in den Kampf und beeindruckte Tietz mehrfach mit seiner rechten Graden. Die vierte Runde war noch härter umkämpft. Immer wenn El Gars seine rechte Grade einsetzte, sah er gut aus und punktete. Immer wenn er sich auf Schlagabtäusche einließ, was aber nur selten vorkam, hatte Tietz eine Hand mehr im Ziel. Es war ein Kampf ohne Unterbrechungen. Der GBA Ringrichter Kornelius Bernds hatte praktisch nichts zu tun. Am Ende der vier Runden stand als einstimmiger Punktsieger: Moukhliss El Gars. Anschließend stiegen Vittorio Buonanno, ein Debütant, und Bilal Messoudi (7 Kämpfe, 4 Siege, 1 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) für einen Vierrunder im Weltergewicht in den Ring. Die erste Runde wurde von beiden Boxern hektisch geführt. Es gab viele Schlagabtäusche, aber wenig boxerische Linie. In den folgenden Runden entwickelte sich eine Ringschlacht, bei der zwei Männer mehr oder weniger ohne Pause aufeinander einschlugen. Kein Kampf für Boxästheten oder Freunde des Fechtens mit der Faust. Es war ein extrem hart und intensiv geführtes Gefecht, bei dem sich Erfahrung und Kondition durchsetzten. Sieger durch Mehrheitsentscheidung: Bilal Messoudi.

Nach einer kurzen Pause folgten drei Kämpfe im Schwergewicht, Es begann mit einem Sechsrunder, bei dem Patrick Korte (10 Kämpfe, 10 Siege, 8 durch KO)
auf Emre Altintas (23 Kämpfe, 10 Siege, 6 durch KO, 12 Niederlagen, 11 durch KO, 1 Unentschieden) traf. Korte begann verhalten. Er trieb sein Gegenüber durch den Ring. Aktionen gab es aber nur wenige. In der Ringpause wurde der Ringarzt in die Ecke von Altintas gerufen, um sich dessen rechte Hand anzusehen. Das dürfte allerdings eine Unmöglichkeit sein, ohne den Handschuh auszuziehen. Offensichtlich hatte er sich verletzt. Dennoch boxte er weiter. In der zweiten Runde erhöhte Korte den Druck und trieb Altintas vor sich her. Als er ihn das erste Mal an den Seilen stellte und mit einer Rechten durchkam, die Altintas in die Seile schlug, gab das oberste Seil nach und hing dann durch. Nach einer kurzen Pause, in der der Schaden repariert wurde, ging es dann weiter. Korte nahm die Jagd erneut auf. Kurze Zeit später hatte er Altintas in einer neutralen Ecke gestellt und ließ ihn nicht mehr raus. Erst deckte er ihn mit Schwingern ein, dann ging er einen Schritt zurück und feuerte nunmehr Graden auf ihn ab, die Altintas zu Boden sinken ließen. Der Ringrichter Thomas Hackenberg zählte ihn an, wobei Altintas anzeigte, seine rechte Hand sei verletzt. Dennoch wollte sich Altintas wieder zum Kampf stellen. Seine Ecke warf aber das Handtuch in den Ring: Sieger durch TKO in Runde 2, nach 1:55 Minuten: Patrick Korte.

Danach traf Dominic Vial in seinem Profidebüt auf Ismael Altintas (34 Kämpfe, 3 Siege, 2 durch KO, 27 Niederlagen, 12 durch KO, 4 Unentschieden). Ich muss sagen, das war schon eine sehr mutige Ansetzung, denn Altintas ist ein mit allen Wassern gewaschener Veteran des Boxrings. Er boxte wie er immer. Er verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung, schob sich an seinen Gegner heran und versuchte mit Schwingern zum Ziel zu kommen. Vial zeigte von der ersten Runde an einen schönen Jab und hielt sich damit Altintas weitestgehend vom Hals. Von Runde zu Runde erhöhte Vial den Druck. Dabei half, dass er immer häufiger und bessere seine Rechte einsetzte. Er zeigte schönes technisches Boxen und wir dürfen gespannt sein, wie es mit ihm weitergeht. Einstimmiger Punktsieger: Dominic Vial.

Als nächste stiegen Robert Filipovic (6 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO) und Baran Özdemir in den Ring. Filipovic begann überhastet aber auch erfolgreich. Die erste Kombi, oder besser gesagt der erste Schwingerschlaghagel, zwang Özdemir zu Boden. Er wurde angezählt. Danach boxte Filipovic für den Rest der Runde ziemlich unkontrolliert weiter. Ab der zweiten Runde fand er dann besser in den Kampf, nutzte seinen Reichweitenvorteil und etablierte seinen Jab. Hierdurch wurde der Kampf besser. Özdemir versucht an seinen Gegner heranzukommen, um selber Schwinger zu landen, aber das gelang ihm nur sehr selten. Der Kampf war unterhaltsam und relativ eng. Punktsieger durch Mehrheitsentscheidung: Robert Filipovic.

Den Abschluss bildete ein Sechsrundenkampf im Mittelgewicht zwischen Faton Vukshinaj (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Javad Sadeghi (8 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO). Der Boxer mit der geringeren Profiboxerfahrung, Vukshinaj, beherrschte die Ringmitte und trieb Sadeghi vor sich her, wobei er ökonomisch boxte. Sadeghi boxte mit und hatte am Ende der ersten Runde auch seinen Moment, als er Vukshinaj eindeckte. In der zweiten Runde dominierte dann wieder Vukshinaj seinen Gegner. Er zeigte schöne Meidbewegungen und schnelle Hände. Er verteilte gute und harte Schläge. In der dritten Runde erhöhte Sadeghi seine Schlagfrequenz und konnte diese Runde für sich entscheiden. In der vierten Runde wurde der Kampf härter, schneller und verbissener. Die erste Minute gehörte Sadeghi. Vukshinaj erhöhte dann aber kontinuierlich den Druck und das Tempo. Er ging rein und raus und verteilte seine harten Schläge gut. Am Ende der fünften Runde nahm Sadeghi mehrere harte Treffer, die ihn einknicken ließen. Nur mit Müh und Not erreichet er die Rundenpause. In der sechsten und letzten Runde stellte Vukshinaj Sadeghi in seiner Ecke und ließ ihn nicht mehr raus. Er deckte ihn mit brutalen Schlägen ein. Nur mit Mühe konnte Kornelius Bernds sein Breakkommando durchsetzten und den zu Boden sinkenden Sadeghi anzählen. Sadeghi stellte sich wieder zum Kampf wurde aber bereits in der nächsten Situation wieder in einer Ecke gestellt, diesmal seiner eigenen, und nicht mehr rausgelassen. Sadeghi nahm viele harte Treffer, vor allem zum Kopf, die ihn schließlich zusammenbrechen ließen. Sieger durch KO in Runde 6, nach 1:20 Minuten: Faton Vukshinaj.

Abschließend bleibt zu sagen: Die vierte Freitagabendveranstaltung von Freudenreich Professional Boxing im Stahlwerk in Düsseldorf war wirklich sehr sehr sehenswert. Wer als Boxfan aus der Region nicht da war, hat etwas verpasst. Man darf gespannt sein, ob die nächste Veranstaltung noch mal besser wird.
© Uwe Betker

Tolles Boxen in Plettenberg

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Mit einem Paukenschlag wurde die Stadt Plettenberg in NRW auf die Landkarte des Profiboxens gesetzt. Christoph Jan Jaszczuk (First Punch Boxpromotion) stellte am 05.11.2016 eine großartige Veranstaltung auf die Beine, die wohl alle bisherigen Veranstaltungsdebüts in den Schatten stellt. Es gab in der Volksbank Arena acht Profiboxkämpfe zu sehen.
Vorwegnehmen möchte ich: Kein Kampf endete durch Aufgabe oder durch eine geschauspielerte Aufgabe. Alle Begegnungen waren gut und ihr Ausgang wirklich umkämpft.
Im ersten Kampf des Abends trafen Javad Sadeghi (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) und Dennis Kurd (4 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 2 Niederlagen) im Mittelgewicht aufeinander. Javad zeigte eine gute Deckungsarbeit und nahm von Anfang an die Ringmitte ein. Er versuchte, über rechte Körperhaken und linke Kopfhaken zu punkten. Kurd, in der Rechtsauslage boxend, konterte. Insgesamt gab es in der ersten Runde jedoch nur wenige Aktionen, zu gut sahen beide die Aktionen ihres Gegners voraus. In der zweiten Runde erhöhte Javad den Druck. Er stellte Kurd mehrfach an den Seilen und kam mit Körperhaken durch. Jedoch musste er auch Konter, linke Kopfhaken, nehmen. Ab der dritten Runde fing Javad immer häufiger seine Kombinationen mit einer rechten Graden zum Kopf an, ein Konzept, das aufging. Kurd musste mehr nehmen. Einmal trieb ihn Javad quer durch den Ring. Auch in der folgenden Runde nahm Kurd wieder mehr. Ein ums andere Mal wurde er gestellt. Dann wurde ihm vom BDB Ringrichter noch ein Punkt abgezogen für wiederholtes Innenhandschlagen. In den letzten beiden Runden wurden beide Kontrahenten zusehends müder. Javad konnte den Druck nicht aufrechterhalten und Kurd versuchte über die Runden zu kommen, was ihm auch gelang. Am Ende des Sechsrunders stand ein einstimmiger Punktsieg für Javad Sadeghi.
Anschließend stiegen im Mittelgewicht zwei Debütanten in den Ring, Rafael Lesniak und Ahmet Ali. Ali boxte mit hängender Deckung und verließ sich auf seinen Reichweitenvorteil, seine guten Meidbewegungen und seine Beine. Lesniak kam einfach nicht an seinen Gegner heran. Er versuchte es zwar unermüdlich, doch immer wieder wurde er abgekontert. Nur selten hatte er seine Momente und konnte Treffer setzen. Ali tanzte, punktete, wenn er lang boxte und konterte. Den Abtausch in der Halbdistanz konnte er fast immer durch Klammern verhindern. Die erste Hälfte der vierten Runde war eine muntere Keilerei. Der Rest des Kampfes verlief wie der Anfang. Am Ende stand ein einstimmiger und klarer Punktsieg für Ahmet Ali.
Die Gegner im nachfolgenden Kampf hatten beide bisher zehn Profikämpfe bestritten, John Rene (11 Kämpfe, 8 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 2 Unentschieden) und Dominik Tietz (11 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 5 Niederlagen 3 durch KO). Der Kampf fand im Mittelegewicht statt. Den ersten Durchgang begannen beide Boxer verhalten. Tietz machte ein wenig mehr, dafür traf Rene häufiger. Rene boxte sehr abgeklärt und ruhig. Er überhastete nicht und warte darauf, dass sich Chancen ergeben würden. Die erste kam dann auch Ende der zweiten Runde. Ein rechter Körperhaken schickte Tietz auf die Bretter. Rene arbeitete ruhig weiter. Tietz machte zu wenig, um sich seinen Gegner vom Hals zu halten. Machte er einmal mehr, so hatte er auch seine Momente. Der Kampf war aber fest in der Hand von Rene. In der fünften Runde lief Tietz in einen linken Körperhaken hinein, der ihm buchstäblich die Beine wegriss und ihn hart auf dem Boden aufschlagen ließ. Der Ringrichter winkte den Kampf sofort ab. Tietz lag noch eine ganze Weile auf dem Boden, bevor er wieder aufstehen konnte. Sieger durch KO in Runde 5, nach 2:00 Minuten: John Rene.
Zwischendurch ein paar Worte zum Kampfgericht des Bundes Deutscher Berufsboxer. Die Punktrichter werteten durch die Bank weg gut und sie scheuten sich auch nicht, einen „Heimboxer“ nach Punkten verlieren zu lassen. Besonderns bemerkenswert war die Leistung der Ringrichters Goran Filipovic. Er agierte umsichtig und sehr souverän.
Es folgte ein Kampf im Schwergewicht. Der spät berufene aber sich schnell entwickelnde Patrick Korte (8 Kämpfe, 8 Siege, 6 durch KO) traf auf Kamil Kulczyk (3 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlage, 1 durch KO). Korte zeigte erneut, dass er sich von Kampf zu Kampf technisch verbessert. Er boxte ruhig und baute seinen Kampf auf. Er dominierte. Kulczyk versuchte sich mit Schwingern Respekt zu verschaffen, was ihm aber nur sehr bedingt gelang, denn sie trafen nur die Deckung von Korte. Zum Ende des Kampfes hin versuchte Korte dann, seinen Gegner mit Rechten zum Körper und einer Linken zum Kopf zu knacken, aber Kulczyk erreichte des Schlussgong nach der vierten Runde: Einstimmiger Punktsieger: Patrick Korte.
Auch der nächste Kampf ging über die Distanz. Nur, hier waren sechs Runden angesetzt. Im Super Leichtgewicht trafen Andreas Maier (5 Kämpfe 5 Siege, 4 durch KO) und Marcin Ficner (20 Kämpfe, 2 Siege, 14 Niederlagen, 5 durch KO, 4 Unentschieden) aufeinander. Es war das Kräftemessen zweier Techniker. Maier dominierte den Kampf mit seinem schönen Jab. Mit fortschreitendem Kampfverlauf ging er immer häufiger mit seiner Rechten zu Körper und Kopf. Trotz seiner Dominanz musste er aber auch die ein oder andere Linke nehmen. In der vierten Runde sah es so aus, als könnte Maier vorzeitig siegen. Er kam mehrfach hart durch und schien Ficner beeindruckt zu haben. Dabei blieb es dann aber. Maier dominierte, konnte aber nicht vorzeitig gewinnen. Am Ende des technisch sehr sauberen Sechsrunders stand ein einstimmiger und klarer Punktsieg für Andreas Maier.
Die nachfolgende Super Mittelgewichtsbegegnung, die über sechs Runden ging, zwischen Pas Fontanet (4 Kämpfe, 3 Siege, 1 durch KO, 1 Niederlage) und Aro Schwartz (14 Kämpfe, 12 Siege, 9 durch KO, 2 Niederlagen) war eine Ringschlacht. Schwarz schlug schöne Eins-Zwei-Kombinationen und schöne Kopfhaken. Fontanet schlug weniger, dafür aber sehr harte Schläge. In der zweiten Runde erhöhte Schwarz den Druck. Er schlug und traf nun mehr. Von nun an wurde der Kampf Runde für Runde härter und verbissener geführt. Es kam immer häufiger zum Schlagabtausch. Fontanet schlug mehr, traf aber häufig nur die Deckung. Zu Beginn der sechsten Runde öffnete sich dann ein Cut am linken Auge von Fontanet und es entbrannte ein brutales Kräftemessen. Beide Boxer suchten den KO. Buchstäblich mit dem Schlussgong wurde Fontanet, durch eine Rechte zum Kopf, zu Boden geschickt. Einstimmiger Punktsieger: Aro Schwarz.
In der folgenden Halbschwergwichtsbegegnung boxten David Saric (9 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO) und Przemyslaw Binienda (9 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO) gegeneinander. Am Anfang des Kampfs zeigte Ringrichters Filipovic eine beeindruckende akrobatische Einlage: Er kam ins Stolpern, fiel nach hinten auf den Rücken, rollte sich ab und kam wieder auf die Füße, um weiterzumachen. Er erhielt dafür auch den gebührenden Szenenapplaus. – Aber zurück zum Boxkampf. Saric boxte lang und er schlug hart. Ende der ersten Runde stellte er Binienda in den Seilen und deckte ihn mit Schlägen ein, so dass dieser sich Nasenbluten zuzog. In der zweiten Runde versuchte Saric dann, den vorzeitigen Sieg zu erzwingen. Das gelang ihm aber nicht. Binienda wollte nur noch über die Runden zu kommen. In der dritten Runde wurde ihm ein Punkt abgezogen, nachdem er sich zum wiederholten Mal nicht lösen wollte nach dem „Stepp back“. Außerdem gesellte sich eine Schwellung unter dem linken Auge zu seinem Nasenbluten. In der fünften Runde bekam dann auch Saric einen Punkt abgezogen, nachdem er wiederholt versucht hatte, seinen Gegner auf den Boden zu drücken. In der sechsten Runde versuchte er noch mal, den KO zu erzwingen. Zwar brachte er Binienda, der viele harte Treffer nehmen musste, in Bedrängnis, aber der KO blieb aus. Einstimmiger Punktsieger David Saric.
Der Hauptkampf des Abends ging um die GBU Europameisterschaft im Super Federgewicht. Es trafen die beiden ungeschlagenen Federgewichtler Marek Jedrzejewski (11 Kämpfe, 11 Siege, 10 durch KO) und Manuel Buchheit (9 Kämpfe, 8 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO). Jedrzejewski nutzte von der ersten Sekunde an seinen Reichweitenvorteil. Er schlug schnelle, präzise Führhände und machte es Buchheit sehr schwer. Dieser versuchte sich, hinter seiner guten Doppeldeckung verschanzt, an den Gegner heranzuschieben und mit Haken und Schwingern zum Erfolg zu kommen. Die erste Runde verlief für ihn auch gut. Denn am Ende der Runde öffnete er einen Cut unter der rechten Braue von Jedrzejewski. Von nun an stand der Kampf unter der Frage, ob Jedrzejewski sein rechtes Augen würde schützen können. Diese Frage stellte sich nach der dritten Runde dann aber nicht mehr. Jedrzejewski hatte den Kampf, trotz seines Handicaps, im Griff. Buchheit kam einfach nicht mehr an ihn ran. Und Buchheit nahm. Immer weiter versuchte er, an seinen Gegner heranzukommen, und dabei kassierte er Schlag um Schlag. Zunächst gelang es ihm noch, die meisten mit seiner Doppeldeckung zu blocken. Aber mit zunehmender Dauer des Kampfes ermüdete er und nahm dann doch immer mehr. In der elften Runde nahm er vier Volltreffer zum Kopf hintereinander. Und dann passierte das, was keiner sehen will. Jedrzejewski stellte Buchheit an den Seilen und deckte ihn mit Links-rechts-Kombinationen zum Kopf ein. Und sie trafen. Sie trafen auch dann noch, als Buchheit schon KO war, aber noch stand; schließlich stürzte er dann durch die Seile auf den Tisch der Offiziellen. Wenn ich es richtig gesehen habe, schlug er, schon bewusstlos, mit dem Kopf gegen die Glocke. Minutenlang lag Buchheit regungslos im Ring. Die Ringärztin war sofort bei ihm und die Rettungssanitäter nur Sekunden danach. Buchheit wurde mit einer Trage aus dem Ring ins Krankenhaus geschafft. Sieger durch KO nach 50 Sekunden der Runde 12: Marek Jedrzejewski.
Als Fazit bleibt festzuhalten: Das Debüt, das Christoph Jan Jaszczuk mit First Punch Boxpromotion in Plettenberg gegeben hat, setzte Standards. Für mich ist diese Veranstaltug ein heißer Anwärter auf den Titel „Veranstaltung des Jahres“. Die Halle war schön, das Matchmaking war gut, die Kämpfe waren gut. Die Showeinlage, eine Rock and Roll Nummer, war ansehnlich, ebenso die Nummerngirls. Dies erwähne ich auf den ausdrücklichen Wunsch mehrerer photographierender Kollegen. First Punch Boxpromotion hat sich die Latte extrem hoch gelegt. Von der zweiten Veranstaltung erwartet man schließlich immer noch mal mehr als von der ersten. Ich bin schon sehr gespannt auf die nächste Show von First Punch Boxpromotion.
© Uwe Betker

Written by betker

6. November 2016 at 23:59

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Huck Reloaded und andere Boxkämpfe

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Am 27.02.2016 war das Gerry Weber Stadion Austragungsort für die Show „Huck Reloaded“. Damit hat Marco Huck (43 Kämpfe, 39 Siege, 27 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) praktisch ein Wunder vollbracht, denn RTL übertrug seinen Kampf, trotz der KO-Niederlage, die er am 14.08.2015 in Newark, New Jersey, gegen den nicht sehr hoch eingeschätzten Krzysztof Głowacki einstecken musste. Wodurch er seinen WM Titel der WBO verloren hatte.
Leider hielt sich Huck Sports Promotion nicht an den Zeitplan. Angekündigt war, dass der erste Kampf um 19 Uhr beginnen sollte. Leider sah ich, als ich um 18:45 die Halle betrat, vom ersten Kampf nur noch, wie Slobodan Culum (28 Kämpfe, 11 Siege, 8 durch KO, 17 Niederlagen, 11 durch KO) ausgezählt wurde. Der Ringsprecher verkündete den Sieg des Halbschwergewichtlers Marco Nikolic (11 Kämpfe, 11 Siege, 7 durch KO) durch KO in Runde 4 nach 2:52. Dass dieser Kampf vorgezogen wurde, ist für mich umso unverständlicher, weil es später Leerlauf und Pausen gab.
Im Super Mittelgewicht trafen dann Emin Atra (7 Kämpfe, 7 Siege, 5 durch KO) und Nikola Matic (45 Kämpfe, 13 Siege, 9 durch KO, 32 Niederlagen, 6 durch KO) aufeinander. Der auf sechs Runden angesetzte Kampf gestaltete sich für Atra schwieriger, als vorher zu vermuten war. Atra begann sehr verhalten. Er verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und studierte seinen Gegner. Dann kam er mit einem linken Körperhaken und einen rechten Kopfhaken durch und Matic zeigte sich beeindruckt – sogar zweimal. Das Ende für Matic schien nah. Es entstand der Eindruck, als wäre er beide Male eingeknickt. Aber er kam zurück in den Kampf. Er punktete mit seiner Führhand und versuchte, Schwinger ins Ziel zu bringen. In den folgenden Runden wogte der Kampf hin und her. Allerdings gab es nur relativ wenige Aktionen. Zwar störte Atras Führhand die Aktionen seines Gegner, aber sie trafen ihn nur sehr selten. In der zweiten Runde machte Atra dann mehr. Er zeigte auch gute Meidbewegungen. Dafür ging die dritte Runde wieder an Matic. Die vierte war ausgeglichen und die fünfte plätscherte so vor sich hin. Atra erhöhte aber zum Ende hin den Druck. Die sechste Runde war die beste des ganzen Kampfes. Die ersten zwei Minuten gehörten Matic, der es sogar mehrfach schaffte, sein Gegenüber an den Seilen zu stellen. Zum Ende hin kam Atra wieder auf. Er konnte auch noch eine schöne rechte Grade zum Kopf ins Ziel bringen. Am Ende stand schließlich ein recht knapper Punktsieg für Emin Atra (57:57, 59:55 und 58:56).
Ebenfalls im Super Mittelgewicht maßen Semir Bajrovic (18 Kämpfe, 15 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Gary Abajyan (57 Kämpfe, 30 Siege, 14 durch KO, 24 Niederlagen, 4 durch KO) ihre Kräfte. Auch dieser Kampf ging hin und her. In der ersten Runde hatte Abajyan mehr vom Kampf. Er schob sich, hinter seiner Doppeldeckung verschanzt, an seinen Gegner heran und punktet mit seiner linken Graden, die manchmal ihr Ziel fand. In der zweiten Runde boxte Bajrovic weiter im Rückwärtsgang – machte aber mehr. Abajyan suchte den Infight, wo aber nicht viel passierte. In der dritten Runde punkte Abajyan wieder mit seinem Jab. Wenn ich es richtig gesehen habe, schlug Bajrovic in dieser Runde nur ein einziges Mal zu. In der vierten Runde wurde Bajrovic immer stärker. Er arbeitete nun mehr. Er versuchte, Abajyan mit Schwingern zu beeindrucken. Dieser verletzte sich irgendwann die linke Schulter, was ihn sichtlich behinderte. Zur fünften Runde trat er dann nicht mehr an, wodurch Semir Bajrovic Sieger durch TKO wurde.

Im vierten Kampf, der im Mittelgewicht stattfand, boxten Dominik Britsch (35 Kämpfe, 32 Siege, 11 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Slavisa Simeunovic (34 Kämpfe, 19 Siege, 17 durch KO, 15 Niederlagen, 12 durch KO) gegeneinander. Um es gleich vorweg zu sagen, am Ende des Achtrunders stand ein einstimmiger Punktsieg für Britsch. Die Punktrichter gaben ihm jeder alle Runden. Britsch und Simeunovic arbeiteten viel. Aber Britsch war seinem Gegner in allen Belangen überlegen. Er verteilte seine Schläge gut. Er punktete schön mit der Führhand. Er setzte klare Treffer. Man hatte aber zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, es könnte ein vorzeitiges Ende geben.
Als nächstes stieg Besar Nimani (22 Kämpfe, 21 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) in den Ring. Der Super Weltergewichtler stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass mit ihm zu rechnen ist und dass er einen Titelkampf verdient. Er demontierte Chris Herrmann (31 Kämpfe, 21 Siege, 12 durch KO, 10 Niederlagen, 9 durch KO) geradezu. Um es noch deutlicher zu sagen: Es sah so aus, als würde eine Katze mit einer Maus spielen. Nimani agierte, Herrmann reagierte. Nimani wechselte immer wieder die Auslage und spielte. Er trieb sein Gegenüber ein bisschen durch den Ring, dann schlug er ein paar Kopfhaken und dann nahm er das Tempo und den Druck wieder etwas raus. In der zweiten Runde ging Herrmann dann in einer neutralen Ecke zu Boden und wurde angezählt. In der dritten Runde machte Nimani dann etwas mehr. Er setzte Herrmann mit ein paar Kopfhaken unter Druck, um ihn dann mit einem Leberhaken zu Boden zu schicken. Herrmann stellte sich noch mal dem Kampf, musste aber nach einer Linken zum Kopf erneut zu Boden. Ein umsichtiger Ringrichter Arnold Golger beendete den ungleichen Kampf. – Es wird langsam Zeit, dass Besar Nimani einen Titelkampf bekommt.
Hiernach stieg Cecilia Braekhus (28 Kämpfe, 28 Siege, 7 durch KO) in den Ring. Sie vereidigte eindrucksvoll ihre Weltmeistertitel der WBC, WBA, IBF, WBO und IBO im Weltergewicht gegen Chris Namus (26 Kämpfe, 21 Siege, 8 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO). Obwohl Namus in der unabhängigen Weltrangliste ganz weit oben steht, hatte sie nicht den Hauch einer Chance gegen Braekhus. Über zehn Runden lang zeigte die amtierende Weltmeisterin ihr, was sie boxerisch alles besser kann. Braekhus zeigte einen sehr guten Jab und gutes und variables Boxen. Namus zeigte Kampfgeist und den Willen zu gewinnen. Immer wieder wurde sie abgekontert. Nur sehr selten konnte sie einen Treffer landen. Cecilia Braekhus war einfach zu überlgen. Die Punktrichter waren sich einig, ihr alle Runden zu geben.
Den Schluss bildete dann das vierte Aufeinandertreffen von Marco Huck und Ola Afolabi (31 Kämpfe, 22 Siege, 11 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 4 Unentschieden). Der übertragende Fernsehsender sprach von einer WM – es ging um den Weltmeistertitel der IBO im Cruisergewicht. Es fielen auch Worte wie „Thron“ besteigen u.s.w. Es muss aber schon gesagt werden, dass die International Boxing Organization im Männerboxen doch ein nur unbedeutender Verband ist. Gleichwohl war der Kampf interessant. Huck war hoch motiviert. Wie am Anfang seiner Karriere schlug er viel auf dem Hinterkopf, zog mit dem Ellenbogen durch, schubste und schlug. Für eines seiner vielen Fouls bekam er sogar vom Ringrichter einen Punktabzug. Den Zuschauern in der Halle gefiel das überhaupt nicht; sie quittierten die Strafe mit Pfiffen und Buhrufen. Huck machte alles in allem das, was seine Zuschauer von ihm sehen wollten. Er kämpfte schmutzig und verprügelte seinen Gegner. Der 31-jährige Afolabi wirkte alt und verbraucht. Hucks Führhand war schneller als seine. Und Huck wollte den Sieg. Zur elften Runde trat Afolabi nicht mehr an.
© Uwe Betker

Die 2. Dürener Fight Night

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Die Birkesdorfer Festhalle in Düren war am 21.02.2015 Austragungsort für die 2. Dürener Fight Night, eine kleine aber feine Veranstaltung von Khalil Boxpromotion. Im Vorprogramm gab es 11 Kämpfe zu sehen, 8 nach K1-Regeln und 3 nach Box-Regeln. Hinzu kamen noch: eine Tanzeinlage von drei jungen Damen und eine Gesangseinlage der stimmgewaltigen, erst 16 Jahre alten Isabelle Schmitz.
Vier Profikämpfe waren im Boxen zu sehen, drei über vier Runden und der Hauptkampf, eine Internationale Deutsche Meisterschaft nach Version GBA. Die Veranstaltung diente zudem noch einem guten Zweck: Es wurde Geld für „Sports For Afghan Kids“ gesammelt, ein Projekt vom Jama Saidi, das der Unterstützung von Kindern in Afghanistan im Bereich Sport/Boxen und Schule gewidmet ist. Die Hilfen erfolgen auf finanzieller wie auf Sachmittel-Ebene.
Den ersten der vier Profikämpfen dieses Abends bestritten Maramcheel Mohammed (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 3 durch KO) und Mirko Sikora, der sein Profidebüt gab, im Leichtgewicht. Mohammed war von Anfang chancenlos. Bereits nach der ersten Aktion war er im Rückwärtsgang. Schon bald wurde er in seiner eigenen Ecke gestellt und ging nach Körpertreffern zu Boden; er wurde ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 1 nach 1:10 Minuten Mirko Sikora.
Im folgenden Kampf trafen im Schwergewicht Renato Blitz (4 Kämpfe, 4 Siege, 1 durch KO) und Gürkan Basak (2 Kämpfe, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) in einem Vierrunder aufeinander. Dieser Kampf entwickelte sich zu einer guten und spannenden Begegnung. Blitz, der Größere von beiden, nutzte seinen Reichweitenvorteil gut und punktete mit seiner Führhand. Basak schob sich, verschanzt hinter seiner Doppeldeckung, an seinen Gegner heran und versuchte im Infight mit Kopftreffern zum Erfolg zu kommen. Blitz war boxerisch überlegen, konnte aber mit seinen Schlägen den massigen Basak nicht beeindrucken, was er auch merkte. Basak suchte bis zum Schluss seine Chance. Immer wenn Blitz lang boxte, punktete er. In der Halb- und der Nahdistanz hatte Basak durchaus seine Momente. Am Ende des sehr intensiv geführten Gefechts stand ein hart erkämpfter Punktsieg für Blitz.
Im dritten Profikampf des Abends maßen Tiran Mkrtschjan, genannt Tiran Metz, (15 Kämpfe, 10 Siege, 6 durch KO, 1 Niederlage, 4 Unentschieden) und Vadim Firidunov (3 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 1 Niederlage) im Supermittelgewicht ihre Kräfte. Dieser Kampf wurde mein persönlicher Aufreger des Abends. Metz begann schnell. Er setzte seinen Gegner von Anfang an unter Druck. Jedoch hatte auch Firidunov seine Momente. Im Lauf des Kampfes schien es, als hätte Metz leichte Schwierigkeiten mit der Rechtsauslage seines Gegners. Ende der zweiten Runde musste er mehrere Treffer nehmen, als er aus der Balance war. Der dritte Durchgang wurde hart und verbissen geführt. Bis zum Ende der dritten Runde sah es nach einem knappen Arbeitssieg für Metz aus.
Dann begann die vierte und letzte Runde. Metz zog sich gleich in einer der ersten Szenen einen Cut in der rechten Braue zu – so weit so schlecht, aber nicht ungewöhnlich. Der Ringrichter Kazim Kurnaz schickte Metz daraufhin in seine Ecke. Dort behandelte erst sein Trainer die Verletzung, sodann wurde der Arzt hinzugezogen. Dieser behandelte Metz dann regelwidrig. Nach einer sehr-sehr langen Behandlungszeit ging der Kampf schließlich weiter. Jetzt erst zeigte der Ringrichter an, dass er einen absichtlichen Kopfstoß gesehen hatte, der dann zum Cut geführt hatte. Ich habe einen solchen absichtlichen Kopfstoß allerdings nicht gesehen, was aber noch nichts heißt. Bei einem Aufeinandertreffen von Normal- und Rechtsauslegern kommt es schon häufiger mal zu schmerzhaften Zusammenstößen mit den Köpfen.
Der Kampf wurde hiernach hart und hektisch. Kurze Zeit später war der Cut dann auch wieder offen. Nach einer Aktion in der neutralen Ecke drehte sich Metz ab und teilte dem Ringrichter mit, ihm flösse Blut ins Auge. Anstatt den Kampf nun mit einem TKO zu beenden, schickte Kurnaz Metz wieder in seine Ecke, wo erneut, gegen alle Regeln, der Arzt die Wunde versorgte. Metz nahm mit einem Pflaster über dem Cut den Kampf wieder auf, was wohl ein Novum gewesen sein dürfte und mit Sicherheit nicht regelkonform war. Irgendwann flog das Pflaster dann durch den Ring und der Kampf war zu Ende. An diesem Ende stand dann ein Punktsieg für Metz, den es so sicherlich nicht hätte geben dürfen.
Den Hauptkampf des Abends bestritten Jama Saidi (8 Kämpfe, 8 Siege, 4 durch KO) und Ziso Poulitsa (7 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden). Um es gleich vorweg zu sagen, diese Internationale Deutsche Meisterschaft im Mittelgewicht nach Version GBA war wahrhaft ein tolles Gefecht. Saidi zeigte tolle Reflexe, schöne Meidbewegungen und schnelle und explosive Angriffe. Mehrfach bekam er Szenenapplaus für sein Heraustanzen aus Angriffen von Poulitsa. Poulitsa hatte dem boxerisch nicht viel entgegenzusetzen, aber er wurde in den zehn Runden nie müde, seine Chance trotzdem zu suchen. Am Ende einer sehr unterhaltsamen Begegnung stand ein Punktsieg für Jama Saidi. Die Punktrichter werteten 100:92, 100:90 und 100:91.

Timor Khalil hat wieder mal eine gute und unterhaltsame Veranstaltung abgeliefert. Auch die inakzeptable Schiedsrichterleistung und das Fehlen von Nummerngirls ändert insgesamt nichts daran. Bemerkenswert war vor allem, dass er in seinem Vorprogramm beim Matchmaking ein relativ hohes Risiko eingegangen ist, was die Kämpfe aber attraktiv machte. Man kann sich schon auf die 3. Dürener Fight Night freuen, die hoffentlich bald kommt.
© Uwe Betker

Die zweite First Punch Night in Frankfurt/Main

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219 Km durch Schneegestöber hin und dann wieder 219 Km durch wechselhaftes Wetter, inklusive Nebel, zurück – und das für 7 Profikämpfe und 2 Amateurkämpfe. Aber ich wurde entschädigt. First Punch Box Promotion stellte am 24. Januar im Sports-Performance Studio in Frankfurt/Main eine durchaus sehenswerte Boxveranstaltung auf die Beine. Der Ort: Das tolle Boxgym in Frankfurt Griesheim von Sinisa Ivanisevic mit seiner besonders beeindruckenden Empore, von der aus man auf den Ring schauen kann.
Den ersten Kampf des Abend bestritten im Super Federgewicht Pierre David Wagner (4 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO) und Sebastian Tlatlik (7 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO). Tlatlik begann verhalten. Er beschränkte sich in der ersten Minute darauf, die Ringmitte zu besetzen und seinen Gegner zu studieren. Dabei wurde er kaum getroffen, zu gut waren seine Meidbewegungen und seine linke Führhand, mit der er sich seinen Gegner vom Hals hielt. Als Tlatlik dann aktiver wurde, konterte er Wagner vor allem ab. Immer wieder, wenn dieser seine Führhand zu langsam und zu tief zurückzog, schlug er einen linken Haken zum Kopf. Der fand auch immer wieder sein Ziel. Im weiteren Verlauf der Runde ging Tlatlik dann vermehrt zum Körper.
Am Anfang des zweiten Durchgangs stellte Tlatlik Wagner in der neutralen Ecke, eine Linke zum Kopf gefolgt von einem linken und einem rechten Körperhaken zwangen Wagner zu Boden. Hiernach ging Tlatlik auf die Jagd und Wagner war auf der Flucht. Die sporadischen Angriffe von Wagner waren nur noch dazu da, ihm kurzfristig Luft zu verschaffen. Tlatlik stellte seinen Gegner schließlich in seiner Ecke. Ein rechter Kopfhaken, gefolgt von zwei Körperhaken zwang Wagner erneut zu Boden. Das Ende kam dann in der gegenüberliegenden Ringecke. Mehrere Körperhaken, häufig rechte, ließen Wagner erneut runter gehen. Er kam zwar wieder hoch, wurde aber ausgezählt. KO in Runde 2 nach 2 Minuten und 42 Sekunden.
Nach einem Amateurkampf stiegen Emre-Han Semiz (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 3 durch KO) und Granit Shala (4 Kämpfe, 4 Siege, 4 durch KO) für einen Weltergewichtskampf in den Ring. Der Kampf war kurz, kurzweilig und brachte viele Niederschläge. Schon direkt am Anfang der ersten Runde brachte Shala Semiz zu Boden, wobei es sich aber um einen Stolperer handelte. Er wurde auch nicht als Niederschlag gewertet. Im Weiteren konnte sich der schlaksige und größere Semiz aber kaum der Angriffe von Shala erwehren. Eine Linke, gefolgt von einer Rechten und einem rechten Aufwärtshaken zum Kopf brachten ihn zu Boden. Er wurde angezählt. Später wurde er noch einmal angezählt, wobei dies wohl eher einer Kombination aus Schrittfehler und Schlagwirkung zu verdanken war. Immerhin erreichte er Semiz dadurch die Ringpause.
Zu Beginn der nächsten Runde musste er gleich wieder zu Boden. Kurze Zeit später ging er erst nach einer Linken und Rechten zum Kopf und später nach einem rechten Körperhaken runter. Es folgte ein weiterer Niederschlag, der noch mal eine Mischung aus Schlagwirkung und Stolpern war. Diesmal aber retteten ihn die 10 Sekunden Erholungszeit nicht. Ein rechter Körperhaken zwang ihn kurze Zeit später erneut zu Boden. Sitzend gab er auf. TKO Runde 2 nach 2 Minuten, 23 Sekunden.
Shala ist Profiboxer, Gastronom und Boxpromoter. Er hat angekündigt noch in der ersten Hälfte dieses Jahres wieder eine Profiboxveranstaltung auf die Beine stellen.
Die nächsten zwei Kämpfe dauerten nicht länger als eine Runde. Im ersten gab Marek Jedzejewski im Leichtgewicht sein Profidebüt. Er bekam es mit Azad Dogru (4 Kämpfe, 4 Niederlagen, 4 durch KO) zu tun. Jedzejewski, mehrfacher polnischer Meister der Amateure, ist offensichtlich ein Talent. Alles, was er in der kurzen Zeit im Ring zeigte, war beeindruckend. Er deckte seinen Gegner von Anfang an mit Schlägen, insbesondere mit Körperhaken, ein. Schon bald stellte er seinen Gegner in einer neutralen Ecke, ließ ihn nicht mehr heraus und deckte ihn mit Körperhaken ein. Nur mit Mühe konnte Dogru sich durch Klammen aus der Situation befreien und dadurch retten. Dieses Glück hatte er wenig später nicht noch mal. Jedzejewski nagelte Dogru in dessen Ecke fest. Körperhaken und viele Rechte zwangen ihn zu Boden, wo er sitzend seine Ecke anwies, das Handtuch zu werfen. TKO in Runde 1 nach 1 Minute, 28 Sekunden.
Im Federgewicht boxten dann noch Sergej Vib (6 Kämpfe, 2 Siege, 1 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO) und Jason Eagen (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) gegeneinander. Eagen versuchte sein Glück durch Flucht nach vorn. Er griff ungestüm und unorthodox boxend an. Aber Vib konterte ihn ein ums andere Mal ab. Er stellte Eagen in dessen Ecke und zwang ihn durch Körperhaken zu Boden, wo er sitzend ausgezählt wurde. KO in Runde 1 nach 1 Minute und 51 Sekunden.
Nach einem weiteren Amateurkampf boxten Christian Pawlak (29 Kämpfe, 21 Siege, 12 durch KO, 7 Niederlagen) und Kevin Laubach (1 Kampf, 1 Niederlage, 1 durch KO) im Super Mittelgewicht gegeneinander. Pawlak war der bessere Boxer und in allen Belangen überlegen. Er zeigte gutes sauberes Boxen. Laubach zeigte Tapferkeit. Nach 2 Minuten und 46 Sekunden in der zweiten Runde machte der gute GBA-Ringrichter Thomas Hackenberg Schluss. Nach einem harten Leberhaken und mehreren anderen Treffern nahm er Laubach aus dem Kampf. Wenn man sich vor Augen führt, dass er seinen ersten Profikampf bestritt, so muss man die Leistung von Laubach noch mal höher bewerten.
Es gab dann auch noch eine Pause mit einer Tanzeinlage von jungen Damen.
Der vorletzte Kampf des Abends fand danach im Mittelgewicht statt. In ihm maßen Robert Szalach (3 Kämpfe, 3 Niederlagen, 3 durch KO) und John Rene (4 Kämpfe, 1 Sieg, 2 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) ihre Kräfte. Man muss allerdings sagen, dass diese Kräfte doch ziemlich ungleich verteilt waren. „Captain Caveman“ Rene ging mit brachialer Kraft zu Werke. Er knüppelte seinen Gegner geradezu viermal zu Boden. Zuletzt war es eine Kombination aus einem rechten Körperhaken, einem linken Kopfhaken, einem linken Aufwärtshaken zum Kinn, gefolgt noch von einem rechten Kopfhaken, der Szalach schließlich zu Boden schickte. Dann hatte der Ringrichter Kornelius Bernds genug und brach die einseitige Begegnung ab.
Hauptkampf des Abends war die Internationale Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht der German Boxing Association. In ihr trafen Samy Raid Musa (6 Kämpfe, 6 Siege, 5 durch KO) und Rustem Trott (5 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) aufeinander. Musa bestimmte von der ersten Sekunde an das Kampfgeschehen, wobei er sich aber Zeit ließ. Er beeindruckte mit seiner Führhand, die immer wieder ihr Ziel fand. Er nutze konsequent seinen Reichweitenvorteil. Immer wieder konterte er geschickt Trott ab. In der zweiten Runde wurde Musa aktiver und erhöhte den Druck. Dann kam er plötzlich mit einer schönen rechten Grade zum Körper durch und traf genau den Solarplexus. Trott klappte zusammen wie ein Taschenmesser. KO in Runde 2 nach 1 Minute und 34 Sekunden.
Trotz Schneegestöber haben sich die 219 Km hin und die 219 Km zurück gelohnt. Die zweite First Punch Night in Frankfurt war eine gute Boxveranstaltung, die Spaß gemacht hat. Man kann nur hoffen, dass der Promoter Christoph Jaszczuk noch viele weiteren folgen lässt.
© Uwe Betker

PS: Im Eifer des Gefechtes habe ich in der ursprünglichen Fassung dieses Berichtes Sergej Vib mit Jason Eagen verwechselt. Dafür möchte ich mich bei allen, vor allem bei den beiden Kämpfern entschuldigen.