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Einer lügt immer

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„Einer lügt immer“ ist eine Sammlung von Kriminalgeschichten von Ross Macdonald rund um die Figur Lew Archer. Die Bücher dieses Autors kann man jedem nur empfehlen, der auf Krimis steht. Ross Macdonald gilt als einer der wichtigsten Vertreter der sogenannten  „harten Schule“ des Detektivromans. Er steht in der Tradition von Dashiell Hammett und Raymond Chandler und ist ein Vorbild von James Ellroy. Auch hat er als einer der ersten Krimiautoren der Gattung Gedanken der Psychoanalyse zugeführt.

Aber was hat das alles nun mit Boxen zu tun? Nichts. Außer, dass wohl immer einer lügt. Genau das scheint mir nämlich bei der Absage der 46. Auflage des Chemiepokals der Amateurboxer in Halle/Saale der Fall zu sein. Der renommierte Chemiepokal, der für Anfang April geplant war ist abgesagt worden. Damit hat die wohl traditionsreichste und wertigste Veranstaltung der Amateurboxer in Deutschland ihr Leben ausgehaucht. Wie in einem Krimi stellt sich natürlich die Frage: Wer ist der Mörder? Oder hier: Wer ist dafür verantwortlich?

Der DBV, der Deutsche Boxsport-Verband, zeigt mit dem Finger auf das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt. „Die Hauptgründe liegen in den angekündigten drastischen Reduzierungen von Fördermitteln bei gleichbleibenden Anforderungen der Zuwendungsgeber Land Sachsen-Anhalt und LOTTO Sachsen-Anhalt und nicht erfüllbarer bürokratischer Auflagen.“ So wird DBV-Präsident Jürgen Kyas in einer Pressemeldung des DBV zitiert. „Das wirtschaftliche Risiko ist nicht mehr zu verantworten. Der Umgang mit uns als Verband durch das Land Sachsen-Anhalt ist inakzeptabel. Mit Sportförderung von hochrangigen Sportveranstaltungen hat dies nur noch wenig zu tun. Die Politik des Landes Sachsen-Anhalt hat uns im wahrsten Sinne des Wortes im Stich gelassen. Eines der weltweit hochwertigsten Boxturniere im Olympischen Boxsport ist damit vom Kalender des Landes Sachsen-Anhalt verschwunden. Zum gegenwärtigem Zeitpunkt ist die Finanzierung des Chemiepokals völlig offen und fast nicht zu erfüllende Nachforderungen und Auflagen des Landes Sachsen-Anhalt verhindern die erforderlichen vertraglichen Vereinbarungen.“ Soweit Kyas.

Weiter heißt es in der Pressemeldung: „Trotz vorliegender Zusagen von Partnern und Sponsoren, die die bisherige erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzen wollen, ist die Finanzierung des Chemiepokals nicht gesichert. Derzeit ist der vorzeitige Maßnahmenbeginn durch das Land Sachsen-Anhalt noch nicht genehmigt, was aber die zwingende Voraussetzung für eine finanzielle Landesförderung und vertragliche Vereinbarungen darstellt. Hinzu kommt eine bis zu 30prozentige Kürzung der Fördersumme durch LOTTO -Sachsen-Anhalt. „Wir können derzeit keinerlei vertragliche Vereinbarungen treffen und für die Suche nach weiteren Sponsoren bleibt kaum noch Zeit“, erläuterte der für die Finanzen zuständige Vizepräsident des DBV, Erich Dreke (Mettmann). „Der DBV hat bereits über vier Jahren darauf hingewiesen, dass die Organisation des weltgrößten Boxturniers eine stabile finanzielle Grundlage erfordert“, so Dreke weiter.

„Wir arbeiten zurzeit intensiv an einer Alternative für die Fortführung an einem anderen Standort und werden dies in Kürze veröffentlichen“, sagte Sportdirektor Michael Müller (Dortmund). „Wir danken allen bisherigen Partnern und Sponsoren, namentlich der Stadt Halle, den Stadtwerken Halle, der Firma S&G, der HAVAG, dem Stadtmarketing Halle, dem Fachbereich Sport der Stadt Halle, dem TRYP Hotel und der GWG ausdrücklich für die bisher geleistete Unterstützung“, erklärte Müller abschließend.“

Also wer ist der Mörder? Laut DBV und seiner Führungsriege Jürgen Kyas, Erich Dreke und Michael Müller eindeutig das Land Sachsen-Anhalt. Denn – hier nochmals der Hauptvorwurf, also die Tatwaffe. „Die Hauptgründe liegen in den angekündigten drastischen Reduzierungen von Fördermitteln bei gleichbleibenden Anforderungen der Zuwendungsgeber Land Sachsen-Anhalt und LOTTO Sachsen-Anhalt und nicht erfüllbarer bürokratischer Auflagen.“

Der vermeintliche Täter, das Landesverwaltungsamt von Sachsen-Anhalt, widerspricht dem DBV allerdings. Es erklärte gegenüber dem MDR: „Beide Sachverhalte sind falsch. Die Fördermittel in Höhe von 50.000 Euro wurden nicht gekürzt und stehen zur Verfügung. Daran hat sich nichts geändert. Zudem wurden die vorzeitigen Maßnahmebedingungen für den Geldfluss vergangene Woche genehmigt.“ Auch die vom DBV kritisierten angeblichen bürokratischen Wege,  könne die Landesverwaltung nicht nachvollziehen, „schließlich handelt es sich um öffentliche Gelder der Bürger und Bürgerinnen, an die sich auch der DBV halten muss.“

Wenn ich die Äußerungen des Landesverwaltungsamts von Sachsen-Anhalt richtig verstehe, wird darin nun der DBV bzw. einige seiner Vertreter der Lüge bezichtigt. Womit wir wieder bei unserem anfänglichen „Einer lügt immer“ wären.

Jetzt wird es interessant. Die Auflösung ist nämlich in greifbarer Nähe. Der hinterhältige meuchelnde Mörder des Chemiepokals, um in der Sprache von Kriminalromanen zu bleiben, kann entlarvt werden. Der DBV ist in einer geradezu phantastischen Situation: Er hat nämlich den ultimativen Beweis für die Überführung des Täters in den Händen. Der DBV, also Jürgen Kyas, der Präsident des Verbandes, Erich Dreke, der Vizepräsident und Michael Müller, Sportdirektor, braucht nur hingehen und das Schreiben veröffentlichen, in dem das Landesverwaltungsamt die Reduzierung der Fördermittel ankündigt. Wenn jedoch Jürgen Kyas, Erich Dreke und Michael Müller keinen Brief oder Email vorlegen können …

Einer lügt immer.

© Uwe Betker

Gastbeitrag: Boxsport-Geschichte in Deutschland geschrieben / Gemeinsame Tagung unter dem Motto: „Zusammen sind wir stark“

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Auf Einladung des Bürgermeisters der Stadt Karlsruhe und des Präsidenten des Badischen Landessportbundes, Dr. Martin Lenz trafen sich am Dienstag, 16. Mai 2017 im Hoepfner Burghof (Gastgeber: Willy Schmidt und die Hoepfner Brauerei Karlsruhe) die Vertreter der wichtigsten Organisationen, die im deutschen Boxsport, sowohl im olympischen Boxen als auch im Profiboxen tätig sind.

Ziel war es, im Rahmen des „Come together“, durch einen intensiven Gedankenaustausch nach Verbesserungen der Zusammenarbeit und gegebenenfalls gemeinsamen Projekten zu suchen.

So haben sich im „Mälzerstüble“, zu einer historischen Besprechung, die Delegationen des BDB, DBV/AIBA und des Badischen Landessportbundes zusammengefunden. Unter der Schirmherrschaft von Dr. Martin Lenz und Karlsruhes Sportbotschafter Rainer Gottwald nahmen folgende Offizielle an der Tagung teil:

Vom Bund deutscher Berufsboxer (BDB): Präsident Thomas Pütz, Vizepräsident Sport Volker Grill und Kampfrichterobmann Walter Knieps

Vom Deutschen Boxsport-Verband (DBV): DBV-Präsident Jürgen Kyas, DBV-Sportdirektor Michael Müller, DBV-Vizepräsident/Kampfrichterobmann Erich Dreke, DBV-Vizepräsident Uwe Hamann (gleichzeitig Präsident des Boxverbandes Baden-Württemberg), Baden-Württembergs Vizepräsident Marco Grund, HBV-Präsident Daniel Tischer und der Vorsitzende der Technical &Rules-Kommission der AIBA (und Berater von TS Fight Sport) Helmut Ranze, und DBV – Bundestrainer Valentin Silaghi

Von TS Fight Sport dessen Chef Thomas Schwarz

Nach ausgiebiger Diskussion und Einschätzung des derzeitigen Umfeldes im Bereich des olympischen Boxens und des Profiboxens resultierte die klare Erkenntnis, dass nur mit einer engen und effizienten Zusammenarbeit aller wichtiger Partner und hier zählen auch insbesondere die seriösen Promotoren dazu, der Boxsport in Deutschland zukunftsfähig und hochattraktiv für mögliche Fernsehsender gemacht werden kann und muss.

Aufgrund der Regeländerung des Weltverbandes AIBA ist es jetzt möglich, eine enge Zusammenarbeit zwischen Profis und olympischem Boxen zu organisieren. Hierzu laufen bereits erste Gespräche. Entsprechend ist jedoch, dass erst einmal die Grundlagen der Zusammenarbeit strukturiert werden müssen.

Gründung eines Aufsichtsrates

Als übergreifendes Führungselement wurde aus Vertretern des DBV, des BDB, der AIBA und auch Vertretern deutscher Promotoren ein Aufsichtsrat gegründet. Einstimmig wurde hier als Vorsitzender des Aufsichtsrates Dr. Martin Lenz gewählt.

Weitere Mitglieder des Aufsichtsrates sind: Thomas Pütz, Jürgen Kyas, Helmut Ranze, Michael Müller und Rainer Gottwald

Einsetzung einer Arbeitsgruppe:

Als erste Arbeitsgruppe für den Bereich „sporttechnisches Regelwerk“ wurde der DBV- Vizepräsident/Kampfrichterobmann Erich Dreke sowie der Vizepräsident des BDB, Volker Grill und der Vorsitzende der AIBA-Technical & Rules Commission Helmut Ranze eingesetzt.

Ziel ist es hier die Wettkampfgrundlage zu schaffen, die bestehenden Regelwerke zu harmonisieren und anzupassen und ebenso die Arbeitsgrundlagen für Trainer und Kampfrichter zu definieren.

Eine weitere Arbeitsgruppe für Entwicklungsstrategien/Wettkampfstrukturen wird ebenfalls in Kürze berufen.

Als sehr wichtiger Punkt wurde festgehalten, dass diese Zusammenarbeit mit deutschen Organisatoren ausgerichtet werden muss.

Wichtige weitere Positionen sind ein konsequenter Anti-Doping Kampf, eine sehr hohe medizinische Absicherung der Athleten/innen, systematische Verfolgung der dualen Karriereplanung der Athletinnen und Athleten, die Kernkompetenz des DBV im Bereich der Trainerausbildung, die um beide Ausbildungsinhalte ergänzt wird, sowie die Ausbildung der Kampfrichter.

Die gesamte Entwicklung soll in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem Weltverband AIBA stattfinden, um die Boxlandschaft in Deutschland so zu ordnen und zu strukturieren, dass die Hauptzielstellungen:

Medaillen bei Olympischen Spielen
Medaillen bei Weltmeisterschaften
Profi-Weltmeister
Gemeinsame Events
Gemeinsames TV

und vieles mehr angestrebt werden.

Diese Arbeiten sollen bis Ende 2017 abgeschlossen sein, um dann mit einem überzeugenden Gesamtkonzept den deutschen Fernsehsendern ein attraktives Angebot machen zu können.

„Gemeinsam sind wir stark“ war das Motto und Boxsport-Geschichte wurde geschrieben.
(C) DBV

Trainer und entlassene Trainer

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Aus der Welt des professionellen Fußballs erreichen uns immer gleich mehrere Meldungen im Jahr wie: „Der Fußballverein Y hat Trainer X entlassen. Z neuer Y-Trainer. Nach nur zwei Siegen in zehn Pflichtspielen ziehen die Verantwortlichen die Reißleine und feuern X. ….“ So oder so ähnlich lesen sich diese Meldungen.
Bei den Amateurboxern, die nun aber nicht mehr Amateure sein wollen, sondern nur Boxer oder olympische Boxer, liest sich so eine Meldung anders. „DBV und Cheftrainer Dr. Bastian gehen getrennte Wege. Der Deutsche Boxsport-Verband e. V. und sein Cheftrainer Dr. Michael Bastian gehen zukünftig getrennte Wege – Der zugrunde liegende Vertrag ist mit Wirkung zum Jahresende 2014 beendet worden. Der Verband dankt Herrn Dr. Bastian für dessen geleistete Arbeit und wird mit seinen Partnern die personelle Ausrichtung auf die Olympischen Spiele in Rio abstimmen und zu gegebener Zeit bekannt geben.“
Aus der Pressemeldung des Deutschen Boxsport-Verbands e.V. geht nicht hervor, warum Dr. Michael Bastian nicht mehr Cheftrainer ist. Aber „getrennte Wege gehen“ hört sich doch nach einem Rauswurf an. Wieso wurde dann Dr. Bastian rausgeworfen? Noch witziger finde ich, dass überhaupt nicht gesagt wird, wer sein Nachfolger wird. Soll das denn heißen, der DBV hat keinen Cheftrainer mehr. Stellen wir uns für einen Augenblick vor, Bayern München entlässt Josep Guardiola in der Saison und verkündet dann, dass der Nachfolger „zu gegebener Zeit bekannt“ gegeben wird. Unvorstellbar! Beim Verband der Amateurboxer ist das Realität.
Das Verhältnis des eingetragenen Vereins, der schließlich den Anspruch erhebt, die Amateurboxer zu vertreten, scheint mir da ganz schön von Willkür geprägt zu sein. Der DBV bestand immer darauf, dass Amateurboxen und Profiboxen nicht vereinbar sind. Es werden auch immer noch Amateurtrainer gesperrt, die auch bei einem Profiboxer in der Ecke stehen. Gleichzeitig beteiligt sich der DBV aber an einer eigenen Profiliga. Dieses Profiboxen, das die AIBA selbst betreibt und das dann APB (Amateur Pro Boxing), heißt, ist dann wohl in Ordnung. Die Profis des Association Internationale de Boxe dürfen dann auch in den Leistungszentren des DBV unter der Leitung der dortigen Amateurtrainer trainieren. Da drängt sich mir auch noch die Frage auf, was wohl die AIBA Profis dem DBV dafür zahlen, dass sie deren Trainingseinrichtung benutzen dürfen. Und wie hoch sind eigentlich die Trainerhonorare?
Wir erinnern uns: Michael Müller, der Sportdirektor des DBV erklärte erst unlängst, sein Verband habe mit dem der World Series of Boxing, also der Profiliga der AIBA nichts zu tun. Dementsprechend müssten dann doch die WSB Profis zahlen, wenn sie Trainingsstätten und Trainer der Amateure in Anspruch nehmen. Sollte es aber so sein, dass die Profis den Amateuren nichts zahlen, muss man dann nicht aber daraus schließen, dass der DBV wohl doch etwas mit der WSB zu tun hat. Dann kann aber DBV Müller doch wohl nicht ganz so recht haben mit seiner Äußerung.
Ganz seltsam kommt mir dann noch das Gerücht vor, DBV Müller selbst hätte die Position von Dr. Bastian eingenommen. Das kann ich nun eigentlich kaum glauben. Denn wir erinnern uns: Michael Müller war bis 2008 DRV Müller. Er war Sportdirektor Michael Müller des Deutschen Ruderverbands. Er wurde 2008 entlassen – Entschuldigung: Er und der Verband kamen überein getrennte Wege zu gehen. Unter seiner Leitung hatte die deutsche Rudermannschaft bei den Olympischen Spielen in Peking erstmals seit 52 Jahren kein Olympiagold gewonnen. Das Flaggschiff der Ruder, der Deutschland-Achter, schied sogar schon im Vorlauf aus. Kritiker machen tatsächlich DRV Müller für dieses Desaster verantwortlich.
Aber noch mal zurück zu den Trainern: Seit geraumer Zeit setzt der Amateurboxverband auf Profitrainer. Mittlerweile haben schon vier Trainer hier ihr Auskommen gefunden: Valentin Silaghi, Zoltan Lunka, Michael Timm und neuerdings auch Torsten Schmitz. Ich will es noch einmal deutlicher sagen: Es geht hier nicht um die Kompetenz der Trainer, denn die ist unbestritten. Aber … – Soweit ich informiert bin, müssen Bundestrainer Diplom-Trainer sein. Soweit ich auch gehört habe, sind Timm und Schmitz das aber nicht. Worauf ich hinaus möchte ist, dass es auch beim DBV doch Regeln geben sollte, die für alle gelten. Wenn ein Amateurtrainer in der Ecke eines Profiboxers steht, dann wird er beim DBV normalerweise ganz schnell gesperrt. – Es sei denn, es handelt sich um einen AIBA Profi oder um einen Trainer, der vom DBV angestellt wird. So ähnlich verhält es sich auch mit den Lizenzen, die ein Trainer braucht. Also ich meine, so etwas kann man schon Willkür nennen.
© Uwe Betker

DBV Müller und der WSB

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Es gibt Sätze, die mich irgendwie verfolgen. Ich lese sie und stutze. Dann lese ich weiter, springe wieder zurück zu den gerade gelesenen Sätzen… Und dann komme ich ins Denken, jedenfalls versuche ich es. So ist es mir erst unlängst gegangen. Irgendwo las ich ein Interview, in dem auch Michael Müller, der Sportdirektor des Deutschen Boxverbandes (DBV), zu Wort kam.
Müller, den ich, damit er nicht mit anderen Müllern verwechselt wird, DBV Müller nenne, äußerte sich zu dem Problem WSB, AIBA und Ulrich Bittner. Zur Erinnerung: Bittner, der Lizenznehmer der AIBA für die WSB, hat Streit mit der International Boxing Association. Er will sie sogar verklagen. Die wiederum will mit ihm nichts mehr zu tun haben. Ob nun eine deutsche Mannschaft an der World Series of Boxing teilnehmen kann, ist noch unklar. Soweit – so bekannt.
DBV Müller also sagt in dem Interview jene Sätze, die mich ins Grübeln gebracht haben, nämlich: „Einer möglichen juristischen Auseinandersetzung mit Herrn Bittner sieht die AIBA offensichtlich gelassen entgegen. Damit hat der DBV aber nichts zu tun, weil wir da nie etwas unterschrieben haben.“ Den ersten Satz verstehe ich ja noch. Natürlich sieht die AIBA juristischen Auseinandersetzungen gelassen entgegen. Die AIBA hat schließlich, wie nahezu alle Sportverbände, ihren Sitz in der Schweiz, um genau zu sein, in Lausanne, im Maison du Sport International. Damit befinden sie sich, nach meiner Meinung, sozusagen in einem rechtsfreien Raum. Soweit ich weiß, hat noch nie ein Sportverband einen Prozess in der Schweiz verloren. Dabei wurde anderen Verbänden bereits Bestechung und Betrug nachgewiesen. Aber das schweizerische Rechtssystem schützt die super reichen Verbände.
Nun komme ich aber über das folgende „Damit hat der DBV nichts zu tun“ nicht hinweg. Es hallt irgendwie immer weiter nach. Ich verstehe hier, dass Müller zum Ausdruck bringen will, dass der deutsche Amateurverband mit dem WSB Turnier nichts zu tun hat. Meiner Meinung nach hat er aber natürlich doch etwas mit dem WSB zu tun. Waren es denn nicht zum Teil deutsche Boxer, die vom Verband ausgesucht worden waren und die dann dort als deutsche Mannschaft angetreten sind? – Aber folgen wir doch einfach der Argumentation von Müller und überprüfen, ob der DBV etwas mit dem Turnier zu tun hat. Waren eigentlich Vertreter des DBV, z.B. Michael Müller und Jürgen Kyas, der Präsidenten des DBV, bei einer oder mehreren Veranstaltungen der WSB dabei? Die Antwort auf diese Frage klärt alles.
So wie ich es verstehe, gibt es nun drei Möglichkeiten – ich erinnere noch mal daran, dass wir der Argumentation von DBV Müller folgen.
1. Möglichkeit: Keiner vom DBV war jemals da. Damit ist schon bewiesen, der DBV hat wirklich nichts mit dem Turnier zu tun.
2. Möglichkeit: Es waren zwar schon Offizielle vom DBV, aber als Privatpersonen, dort und haben wie alle Privatpersonen auch eine Eintrittskarte gekauft und die Reise dorthin, mit allem, was dazu gehört, aus der eigenen Tasche bezahlt. Dann ist auch alles gut.
3. Möglichkeit: Es waren Offizielle vom DBV akkreditiert und die Reise hat der Verband bezahlt. Dann haben diese Personen ja wohl Gelder des DBV zweckentfremdet, wenn denn der DBV mit dem WSB nichts zu tun hat. Nennt man das dann nicht Unterschlagung oder Betrug?
Nun ist also nur noch die Frage zu klären, ob z.B. Michael Müller und Jürgen Kyas bei einer WSB Veranstaltung dabei war und wer dafür bezahlt hat.
© Uwe Betker

Ein schneller, ein brüllend komischer und ein guter Kampf

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Am 26.04.2013 fand wieder eine Show im Freudenreich Professional Boxing Gym in Düsseldorf statt. Zum zweiten Mal war diese Veranstaltung eine Benefiz Box-Gala für die Deutschen Kinderhospizverein e. V. Es gab drei Profiboxkämpfe zu sehen.
In dem ersten trafen Jay Spencer (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) und Gerino Grell (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO) im Junior Mittelgewicht kurz aufeinander. Spencer deckte von der ersten Sekunde an seinen Gegner mit einem nicht enden wollenden Schlaghagel ein. Grell versuchte nur, irgendwie den Schlägen zu entkommen oder sie zu blocken. Nach ca. 2 Minuten unterbrach der Ringrichter den Kampf und ermahnte Grell, sich nicht abzudrehen. Diese Pause nutzte Spencers Trainer Stefan Freudenreich dazu, seinen Schützling zu kontrolliertem Boxen zu ermahnen. Kaum ging der Kampf weiter, wobei Spencer nun systematischer boxte, fiel Grell auch schon nach einem Schlag auf den Solarplexus. Nach nur 2 Minuten und 10 Sekunden war der Kampf auch schon zu Ende.
Der zweite Profikampf des Abends war nur ganze 30 Sekunden länger, dafür war er aber geradezu brüllend komisch. Salvatore Vancardo (8 Kämpfe, 4 Siege, 2 durch KO, 2 Niederlagen, 2 Unentschieden) traf im Halbschwergewicht auf den Debütanten Sadettin Önel. Önel suchte am Anfang sein Glück in möglichst weit ausholenden Schlägen. Offensichtlich glaubte er, die Handschuhinnenseite diene als Schlagfläche. Der gute Ringrichter Roman Morawiec unterbrach den Kampf dann bald, um Önel eines Besseren zu belehren. Kurze Zeit später ging Önel dann zu Boden, wo er sich hinter seiner Doppeldeckung verschanzte. Ein Luftzug hatte ihn offenbar gefällt.
Hiernach besann Önel sich auf seine boxerischen Fähigkeiten. Mutig griff er an, indem er langsam, aber rhythmisch und dabei immer wieder elegant die Knie leicht beugend, beide Fäuste gleichzeitig nach vorne stieß, wieder zurückzog, erneut nach vorne stieß u. s. w.. Ich fühlte mich noch am ehesten erinnert an Rudern im Stehen – nur ohne Boot, dafür aber mit Boxhandschuhen an den Händen.
Im Gegensatz zum Publikum, dem zum Teil die Tränen vor Lachen herunterliefen, fand der Ringrichter das Trockenrudern nicht lustig und brach die Darbietung ab, aufgrund des technischen Unvermögens des Boxers. Auch der Boxer Salvatore Vancardo, der sich sechs Wochen lang auf einen Boxkampf vorbereitet hatte, und Veranstalter Stefan Freudenreich, der einen Boxer engagiert hatte, waren nicht amüsiert.

Kleiner Zwischenkommentar: Es entbehrt nicht einer gewissen Logik, wenn ein Boxer versucht, Ruderbewegungen in den Boxsport zu integrieren. Schließlich hat der DBV, Deutschen Boxverbandes, Michael Müller zu seinem Sportdirektor gemacht. Müller, den ich DBV Müller nenne, um ihn nicht mit anderen zu verwechseln, war vorher Sportdirektor des Deutschen Ruderverbandes (DRV). DBV-Müller konnte seine sportlichen Erfolge bei den Boxern sogar noch steigern. Unter der Führung von DBV Müller, der damals noch DRV Müller war, holten die deutschen Ruderer bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 erstmals seit 52 Jahren keine Goldmedaille. – Das dürfte wohl auch der Grund dafür sein, warum aus DRV Müller DBV Müller wurde. – Bei den Olympischen Spielen in London 2012 holten die Boxer unter seiner Führung gar keine Medaille.

Der Hauptkampf des Abends war auf acht Runden angesetzt. Der Junior Weltergewichtler Robert Tlatlik (12 Kämpfe, 12 Siege, 8 durch KO) traf auf Sylwester Walczak (10 Kämpfe, 4 Siege, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden). Bereits mit dem ersten Schlag, einem linken Cross, kam Tlatlik durch. In der ersten Runde traf er dann immer wieder trifft mit dem linken und dem rechten Cross. Die Trefferquote ist umso erstaunlicher, weil Walczak größer ist als Tlatlik. Obwohl er einen erheblichen Reichweitenvorteil hatte, konnte er seinen Jab nicht etablieren. Es sah schon fast wieder so aus, als ob auch dieser Kampf kurz werden würde.
Aber bereits in der zweiten Runde nahm Walczak weniger. Der Kampf wurde dann über acht Runden auf hohem technischem Niveau geführt. Tlatlik brachte seinen Gegner zwar mehrfach nahe an einen KO, aber der konnte sich dann doch immer wieder retten. Zugute kam Walczak, dass er seinen Körper gut decken konnte und damit eine der Hauptwaffen von Tlatlik ausschaltete.
Am Ende der acht Runden stand ein einstimmiger Punktsieg für Tlatlik. Die Punktrichter werteten 80:73, 79:72 und 80:72.
© Uwe Betker

Der DBV und seine Schiedsvereinbarung auf vertraglicher Basis

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Es ist gut möglich, dass ich mich irre – das ist eigentlich zu jeder Zeit möglich. Es ist auch gut möglich, dass mir nur von Kaderboxern berichtet wird, die Angsthasen, Warmduscher, Feiglinge, Schlappschwänze und Weicheier sind. Die Amateurboxer, welche der DBV, der Deutsche Boxsportverband e.V., unter Vertrag nehmen will, sind nämlich wohl nicht begeistert von der 17-seitigen „Schiedsvereinbarung auf vertraglicher Basis“, den sie unterschreiben sollen. Der DBV, ein eingetragener Verein, hat durch die Unterstützung des DOSB, des Deutschen Olympischen Sportbundes, praktisch das Monopol auf das Amateurboxen in Deutschland. Dieses Monopol nutzt der DBV auch offenbar weidlich, wenn nicht gar hemmungslos, aus.
Wenn meine Informationen richtig sind, drohen DBV-Vertreter den Kaderboxern unverhohlen. Wer nicht unterschreibt, bekommt keine Förderung, sei es in Form von mehr Sporthilfe, in Form von Turnierteilnahmen (WSB, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, Olympischen Spiele, Militärweltmeisterschaften usw.), Sportschulen oder anderem. Es kann natürlich immer noch sein, dass die Jugendlichen, von denen ich gehört habe, Angsthasen, Warmduscher, Feiglinge, Schlappschwänze und Weicheier sind.
Den Boxern des DBV werden Verträge zur Unterzeichnung vorgelegt, mit denen sie sich langfristig an den DBV binden. Ist sich eigentlich das Bundesinnenministerium (BMI) darüber im Klaren, welche Ziele der Präsident des DBV, Jürgen Kyas, und dessen Sportdirektor, Michael Müller, verfolgen? Weiß der parlamentarische Staatssekretär im BMI Christoph Bergner von dem Vertrag und davon, dass der DBV seine Athleten offenbar massiv unter Druck setzt? Wissen die Verantwortlichen im Ministerium, welche Summen der DBV einzunehmen gedenkt? Sind sich die Förderer des olympischen Sportes darüber im Klaren, dass der DBV praktisch Steuergelder dafür nutzt, um zusammen mit der AIBA, der International Boxing Association, das Profiboxen unter Kontrolle zu bekommen? Wieso werden überhaupt deutsche Steuergelder dafür ausgegeben, dass die AIBA, eine Organisation mit Sitz in der Schweiz, und deren Präsident Dr. Ching-Kuo Wu aus Taiwan, der übrigens bisher nicht gerade durch einen besonders demokratischen Führungsstil aufgefallen ist, in naher Zukunft noch reicher zu werden gedenken. Denn machen wir uns nichts vor, das Ziel der AIBA ist es, alles Boxen zu kontrollieren. Muss dieses Ziel wirklich mit deutschen Steuergeldern unterstützt werden?
© Uwe Betker

Der Vertrag zwischen dem DBV und seinen Kaderboxern

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Wenn ich zu einem Gebrauchtwagenhändler gehe und einen entsprechenden Vertrag unterschreibe, bekommt der Händler von mir Geld und ich einen w 124 Diesel, mit grüner Plakette, der nur wenige Kilometer runter hat. Beide Seiten sind zufrieden, denn sie haben das bekommen, was sie wollten. Der DBV, Deutsche Boxsportverband e.V., vertreten durch Jürgen Kyas und Michael Müller, geht nun hin und will mit allen Kaderboxern einen Vertrag machen. Soweit ich informiert bin, wird im Augenblick oder in naher Zukunft allen Kaderathleten dieser Vertrag zur Unterschrift vorgelegt – Grund genug, sich diesen Vertrag einmal näher anzusehen.
Der Vertrag – oder, um ganz genau zu sein, die Schiedsvereinbarung auf vertraglicher Basis – umfasst schlappe 17 Seiten. Es fängt harmlos. Man einigt sich z.B. darauf, im Falle eines Streites ein Schiedsgericht anzurufen. Und der Boxer verpflichtet sich nicht zu dopen. So weit, so gut.
In der Präambel (1.1) heißt es: „Athleten und Verband streben eine Zusammenarbeit zur sportlichen und persönlichen Ausbildung und Förderung des Athleten an. Das übergeordnete perspektivische gemeinsame Ziel der Parteien sind die Wettkämpfe in 2013 und 2014 (…). Die Parteien werden gemeinsam die Möglichkeit der Fortsetzung ihrer Partnerschaft auch über den avisierten Wettkampf hinaus erörtern.“ Abgesehen von der Tatsache, dass ich mir nicht vorstellen kann, was der DBV unter der „persönlichen Ausbildung“ versteht, ist das Ziel klar formuliert. Der DBV will seine Kaderboxer durch einen Vertrag an sich binden.
Weiter (1.2) heißt es dann, wie ich finde, etwas nebulös: „Die Parteien verpflichten sich gleiche und faire Bedingungen bei der Sportausübung zu schaffen und zu gewährleisten und werden einen fairen an der gemeinsamen Erreichung des Vereinbarungszweckes orientierten Ausgleich der persönlichen und wirtschaftlichen Interessen von Athleten und Verband anstreben.“ Wieso habe hier das Gefühl eine Nebelkerze zu sehen? Seit wann kann ein Boxer „gleiche und faire Bedingungen bei der Sportausübung“ schaffen und gewährleisten? Dafür muss er dann seine „ persönlichen und wirtschaftlichen Interessen“ mit denen des Verbandes ausgleichen.
Offensichtlich müssen aber einem solchen Ausgleich, jedenfalls von Seiten des Verbandes, Grenzen gesetzt werden. Denn etwas später (1.5) heißt es: „Dem Athleten ist bewusst, dass der Verband als gemeinnütziger Verein tätig ist und daher seine Leistungspflichten (…) unter dem Vorbehalt der personellen und finanziellen Möglichkeiten des Verbandes, insbesondere der Förderung durch das Bundesministerium des Inneren, steht.“
An dieser Stelle stellt sich für mich die Frage: Wer bringt welche Leistung in die vertraglich geregelte Beziehung ein. Der Boxer boxt für den DBV. Desweiteren verpflichtet er sich, sich an die nationalen und internationalen Regeln der Amateurboxverbände zu halten, an dem „sportmedizinischen Untersuchungs- und Betreuungssystem des DOSB, des Deutschen Olympischen Sportbundes, teilzunehmen, die Kleidung des Ausrüsters zu tragen und an 10 Werktagen pro Jahr unentgeltlich für PR- Zwecke zur Verfügung zu stehen. Hinzu kommt, dass der Athlet „zur vollständigen Offenlegung sämtlicher bestehender und künftiger Verträge“ verpflichtet ist. Damit will der DBV wohl verhindern, dass ein Amateurboxer ins Profilager wechselt. „Der Athlet sichert zu, dass er in keinerlei vorvertraglichen oder vertraglichen (mündlichen oder schriftlichen) Anbindungen zu professionellen Boxställen und/oder Boxpromotoren steht.“ Und um auch ganz sicher zu gehen, dass kein DBV Boxer ins Profilager wechselt, verpflichten alle Beteiligten sich, „im Falle einer Vertragsverletzung der einen Partei den hieraus entstandenen Schaden zu ersetzen.“
Die Leistungen des eingetragenen Vereins, der das Amateurboxen, das jetzt aber nicht mehr Amateur- sondern Olympisches Boxen heißt, repräsentiert, sind weniger konkret zu fassen. Zum einen „betreut“ der Verband seine Kaderathleten. Ein Vertragsabschluss garantiert dabei nicht den Verbleib im Kader. Für mich heißt das, dass Kaderboxer nur derjenige sein kann, der die sportlichen Vorgaben erfüllt und nicht in Ungnade fällt. Der DBV „verpflichtet sich (…) den Athleten optimal zu fördern“ – jetzt kommt allerdings ein großes Aber oder die Hintertür in Größe einer achtspurigen Autobahn – „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Weiter verspricht der Verein die „Schaffung der infrastrukturellen Rahmenbedingungen zur sportlichen Förderung“. Gemeint ist damit die Errichtung und der Unterhalt der Stützpunkte, natürlich „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Der DBV verspricht seinen Boxern „fachlich geeignetes und qualifiziertes Personal zur Verfügung“ zu stellen, wie Trainer und Physiotherapeuten (Wie könnte es auch anders sein?), „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Auch erhöht der Verband unmittelbar vor Wett- und Länderkämpfen seine Anstrengungen zur Vorbereitung seiner Boxer, (Wer errät es?) „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Falls ein Boxer für die Nationalmannschaft nominiert werden sollte, bekommt er vom DBV „Unterkunft, Verpflegung sowie medizinische und sportliche Betreuung kostenfrei zur Verfügung“ gestellt, (Und was kommt wohl jetzt?), „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“
Ein paar Anmerkungen zum „Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“. Dem DBV war es 2011 finanziell nicht möglich, seine Teilnehmerinnen der U17/U19 Nationalmannschaft zur WM in Antalya zu schicken. Der DBV hat sich das Geld vorab von seinen Boxerinnen geholt. Der sportliche Leiter des Deutschen Boxverbandes (DBV), Michael Müller – ich nenne ihn der Einfachheit halber und um ihn nicht mit anderen zu verwechseln: DBV Müller -, der einer der Vertragspartner ist, hat es, soweit ich informiert bin, bis heute nicht geschafft – vielleicht wollte er aber auch nicht -, eine detaillierte und nachvollziehbare Aufstellung der Kosten der WM von Antalya vorzulegen. Das betrifft dann wohl die „personellen Möglichkeiten“ des Verbandes. In diese Kategorie fällt auch die Tatsache, dass DBV Müller die vom Verband besoldeten Trainer in Rechnung gestellt hat, womit diese praktisch zweimal bezahlt wurden. Auch ist, soweit ich informiert bin, den Boxerinnen auch nur ein Teil ihrer Kosten später erstattet worden. Das wirft wiederum ein Schlaglicht auf die „wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Im Gegenzug dafür, dass sich der Verband „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“ bemüht, etwas zu tun, gibt der Boxer seine Persönlichkeitsrechte ab. Der Verband darf z.B. mit den Boxern Werbung machen, ohne sie vorher zu fragen oder etwa an den Einnahmen zu beteiligen.
Unter Punkt 3.6 findet sich Genaueres über die „persönliche und finanzielle Förderung der Athleten“. Dort findet man, was der DBV konkret für seine Athleten tun will. So will der eingetragene Verein sich „bemühen“, die Athleten „dabei zu unterstützen“, Gelder von Dritten zu akquirieren, (jetzt kommt wieder das Mantra des DBV:) „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Noch konkreter wird es im Folgenden. Der DBV schlägt den Athleten, auf seinen Wunsch hin, zur „Aufnahme in die Sportfördergruppe der Bundeswehr oder der Sportfördergruppe einer Polizei (insbesondere der Bundespolizei)“ vor. Wohlgemerkt, es handelt sich hier nur um einen Vorschlag, aber „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Ist unser Boxer dann tatsächlich gut und schafft es in das „DBV-Top-Team“, hat er die „Möglichkeit“ sich für die „Olympische Sonderförderung“ von bis zu 5.000 Euro jährlich zu bewerben. Diesmal gibt es kein „in Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“, sondern eben nur die Möglichkeit der Bewerbung.
Artikel 3.6.4 ist mein Lieblingsartikel. Hier verpflichtet sich der DBV, seinen Athleten Trainingsbekleidung kostenfrei zur Verfügung zu stellen, sofern der Verband einen „offiziellen Ausrüster“ hat und diese Bekleidung gestellt bekommt. – Großartig, diese Großzügigkeit. – Nun verstehe ich auch, warum die Delegierten des 51. DBV Kongresses in Worms, einer Pressemeldung von DBV Müller zufolge, für DBV Präsident Jürgen Kyas eine Ehrenerklärung abgegeben haben. Deshalb sollte man Kyas nun auch Ehrenerklärung-Kyas nennen.
Die Boxer dürfen nur als Amateure boxen, und was ein Amateur ist bestimmt die AIBA. Explizit ausgenommen aus der Abgrenzung von den Profis ist die World Series of Boxing, WSB. Die Punkte 3.6.6 und 3.6.7 widmen der WSB 17 hymnische Zeilen. Dort ist dann zu lesen: „Die WSB bietet den Kaderathleten eine besonders medienwirksame, internationale Plattform und Fördermöglichkeit zur Erreichung ihrer sportlichen Ziele (…). Offensichtlich hat der DBV ein gesteigertes Interesse daran, die von ihnen ausgewählte Kaderboxer in der WSB starten zu lassen. Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass ein Boxer sich einem solchen „Wunsch“ des Verbandes entziehen kann.
Zwar gilt der Vertrag nur für zwei Jahre, aber er ist so terminiert, dass beide Vertragspartner sich vor großen Internationalen Turnieren, wie Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele, über eine Vertragsverlängerung unterhalten. Was passiert wohl mit einem Boxer, der vor den Olympischen Spielen einer Vertragsverlängerung nicht zustimmt? Habe ich schon erwähnt, dass der Boxer nicht das Recht hat vorzeitig zu kündigen?
Ein Wechsel in den Nicht-AIBA Profiboxsport wird für den Athleten eindeutig ausgeschlossen. Das finde ich nun schon infam. Dieses Verbot beinhaltet nämlich, dass der DBV bzw. die AIBA offenbar versucht, im Profiboxen Fuß zu fassen und es dann zu monopolisieren. Wenn keine guten Amateure mehr Nicht-AIBA Profis werden können, dann wird ja wohl das AIBA Profiboxen an diese Stelle treten. Das ist, jedenfalls in meinen Augen, schon unglaublich verlogen. Der DBV besteht schließlich, wie oben schon zitiert, in der Präambel (1.5) auf der Feststellung seiner Gemeinnützigkeit.
Wie gemeinnützig DBV und AIBA aber tatsächlich sind, das lässt sich nicht zuletzt an den Vertragsstrafen und an den Ablösesummen für die Boxer, die Profis werden wollen, anlesen. Der DBV hat eigens dafür eine wunderschöne Tabelle ausgearbeitet, wonach die Ablösesumme berechnet wird. Die Ablöse z.B. für einen Schwergewichtler, der bei den Olympischen Spielen Gold für Deutschland holt, würde danach mindestens 2 Millionen Euro kosten. Von diesem Geld gehen dann 80% direkt an den DBV.
Zurück zu meinem w 124, den ich leider noch nicht habe. Wenn ich also zu dem Gebrauchtwagenhändler gehe und einen Vertrag unterschreibe, lege ich mein Geld auf den Tisch und dafür bekomme ich meinen Traumwagen. Was aber bekommt der Kaderboxer, der einen Vertrag mit dem DBV unterzeichnet? Auf jeden Fall bekommt er schon mal keine Garantien, dafür aber viele „Im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“. Ein Boxer will boxen und dementsprechend werden wohl die meisten, wenn nicht alle Boxerinnen und Boxer, denen der Vertrag vorgelegt wird, diesen auch unterschreiben. Der DBV sitzt also schlichtweg am längeren Hebel. Und er nutzt diese Position, wie ich finde, schamlos aus.
© Uwe Betker