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Ein harter Tag im Büro: Wladimir Klitschko vs. Alex Leapai

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Man kann sich vorstellen, wie Wladimir Klitschko (64 Kämpfe, 61 Siege, 51 KO, 3 Niederlagen, 3 KO) am frühen Morgen des 27.04.2014 sein Hotelzimmer betritt. Eine Frau liegt im Bett und fragt im Halbschlaf: „Schatz, wie war dein Tag?“ Er antwortet: „Es war wieder ein harter Tag im Büro.“ So oder so ähnlich könnte sich eine idyllische häusliche Szene abspielen, nachdem Klitschko seine Schwergewichtstitel der IBF, WBO und WBA in der Arena Oberhausen verteidigt haben wird.
Sein Gegner heißt Alex Leapai (37 Kämpfe, 30 Siege, 24 KO, 4 Niederlagen, 2 KO, 3 Unentschieden). Er ist der zweitbeste Schwergewichtler in Australien und er hat am 23.11.2013 gegen Dennis Boytsov nach Punkten gewonnen. Beides hat ihn, wohl in dieser Reihenfolge dafür qualifiziert, gegen den zurzeit besten Schwergewichtler der Welt zu boxen.
Leapai wird in der unabhängigen Weltrangliste auf Position 29 geführt. Also 27 Boxer sind vermutlich besser als er und haben größere Chancen gegen Wladimir Klitschko als er. Also wären diese wohl als Gegner besser und damit für die Zuschauer auch interessanter:

Alexander Ustinov (30 Kämpfe, 29 Siege, 21 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO)
Steve Cunningham (32 Kämpfe, 26 Siege, 12 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO)
Seth Mitchell (30 Kämpfe, 26 Siege, 19 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unetschiden)
Ruslan Chagaev (35 Kämpfe, 32 Siege, 20 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden)
Manuel Charr (26 Kämpfe, 25 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO)
Francesco Pianeta (31 Kämpfe, 29 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden)
Amir Mansour (20 Kämpfe, 20 Siege, 15 durch KO)
Lucas Browne (19 Kämpfe, 19 Siege, 17 durch KO)
Carlos Takam (31 Kämpfe, 29 Siege, 23 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden)
Johnathon Banks (32 Kämpfe, 29 Siege, 19 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden)
Andy Ruiz Jr. (21 Kämpfe, 21 Siege, 15 durch KO)
Erkan Teper (12 Kämpfe, 12 Siege, 8 durch KO)
Mike Perez (20 Kämpfe, 20 Siege, 12 Durch KO)
Christian Hammer (18 Kämpfe, 15 Siege, 10 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO)
Bryant Jennings (18 Kämpfe, 18 Siege, 10 durch KO)
Odlanier Solis (21 Kämpfe, 20 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO)
Tomasz Adamek (52 Kämpfe, 49 Siege, 29 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO)
Tony Thompson (42 Kämpfe, 38 Siege, 26 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO)
Alexander Povetkin (27 Kämpfe, 26 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage)
Bermane Stiverne (25 Kämpfe, 23 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden)
Deontay Wilder (31 Kämpfe, 31 Siege, 31 durch KO)
Chris Arreola (39 Kämpfe, 36 Siege, 31 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO)
Dereck Chisora (24 Kämpfe, 20 Sieg, 13 durch KO, 4 Niederlagen, 1durch KO)
Robert Helenius (19 Kämpfe, 19 Siege, 11 durch KO)
Vyacheslav Glazkov (18 Kämpfe, 17 Siege, 11 durch KO, 1 Unentschieden)
Tyson Fury (22 Kämpfe, 22 Siege, 16 durch KO)
und
Kubrat Pulev (19 Kämpfe, 19 Siege, 10 durch KO)

Wladimir Klitschko vs. Alex Leapai – Wie schon gesagt: Ein harter Tag im Büro.
(C) Uwe Betker

Über Ersatzgegner, eine Straßenmeisterschaft und eine mutige Tat

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Es nötigt mir schon Respekt ab, wie konsequent der BDB (Bund Deutscher Berufsboxer) unter der Führung seines Präsidenten Thomas Pütz seinen einmal eingeschlagenen Weg verfolgt. Der Verband hatte ja bekanntlich den Kampf zwischen Maurice Weber alias Mohammed Lassoued (18 Kämpfe, 16 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) und Andreas Reimer (19 Kämpfe, 7 Siege, 6 durch KO, 10 Niederlagen, 2 Unentschieden) als Deutsche Meisterschaft im Junior Mittelgewicht sanktioniert. Zur Erinnerung: Reimer hat in seinem letzten Kampf nur ein Unentschieden erreicht. Vorher war er zwei Jahre und zwei Monate inaktiv und noch davor hatte er zwei Kämpfe in Folge verloren.
Dieser Kampf soll nun doch nicht am Samstag, dem 01.12.2012 in Düsseldorf in der „Super Fight Night“ von Sturm Box-Promotion und dem Privatfernsehsender SAT. 1 stattfinden. Wieso, wurde nicht veröffentlicht. Als ob diese Ansetzung nicht schon beschämend genug gewesen wäre, setzten nun alle drei Beteiligten noch einen drauf: Andreas Reimer darf jetzt gegen einen Ersatzgegner eine Gewichtsklasse höher, im Mittelgewicht, um die Deutsche Meisterschaft boxen. Um es noch sicherer zu machen, dass er verliert, darf er außerdem gegen einen stärkeren Boxer als Weber boxen, nämlich Mike Keta (14 Kämpfe, 12 Siege, 11 durch KO, 2 Niederlagen, 2 Niederlagen, 1 durch KO). Der sportliche Wert dieser so genannten Deutschen Meisterschaft ist nach meiner Meinung ungefähr so hoch wie eine Straßenmeisterschaft im Mittelgewicht in einer beliebigen deutschen Großstadt.
Es kommt aber noch besser: Der beste Kampf der Veranstaltung, bei dem immerhin noch die theoretische Möglichkeit bestanden hätte, dass nicht der für Sturm Box-Promotion Boxende gewinnen könnte, findet nicht statt. Der usbekische Schwergewichtler Ruslan Chagaev (33 Kämpfe, 30 Siege, 19 mit KO, 2 Niederlagen 1 durch KO, 1 Unentschieden) bekommt es nun nicht mit dem ungeschlagenen Ismaikel Pérez, genannt Mike Pérez (18 Kämpfe, 18 Siege, 12 durch KO) zu tun. Dieser sagte verletzungsbedingt ab. Nun boxt Chagaev gegen Yakup Saglam (29 Kämpfe, 28 Siege, 25 durch KO, 1 Niederlage). Saglams Kampfrekord sieht zwar auf den ersten Blick beeindruckend aus, ist es aber tatsächlich nicht. Denn er boxte in seiner Karriere erst fünfmal gegen einen Gegner mit positivem Kampfrekord. Einmal boxte er sogar gegen einen Mann Namens Alexandru Manea, der alle seine 50 Profikämpfe verloren hatte. Im letzten Jahr, am 01.04.2011, verlor er gegen Michael Wallisch den Kampf um den Titel des Internationalen Deutschen Meisters. Jetzt hat er seit nunmehr 20 Monaten überhaupt nicht mehr geboxt. Das sind doch wohl die besten Voraussetzungen für einen BDB Titelkampf.
Die ganze Verantwortung für das Gelingen dieser Veranstaltung liegt nun auf den hübschen Schultern von Sjusanna Lewonowna Kentikjan (31 Kämpfe, 29 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage). Die ehemalige Weltmeisterin im Fliegengewicht, die auch Syuzanna Kentikyan geschrieben wird – oder eingedeutscht Susi Kentikian – war einmal ein Liebling der Presse und der Werbetreibenden. Sie schaffte es, das Etikett „Regina Halmich Nachfolgerin“ abzulegen und als „Killer Queen“ selber zu einer Marke zu werden. Ihre Lebensgeschichte, „Boxen fürs Bleiberecht“, ging durch die Gazetten. Die aus Armenien stammende Boxerin wurde sogar Werbefigur (Milch-Schnitte).
Dann aber passierte etwas. Sie änderte ihren Stil, und sie gewann nur noch ihre Kämpfe, weil die Punktrichter es sehr gut mit ihr und sehr böse mit ihren Gegnerinnen meinte. Sie reagierte auf Kritik sehr dünnhäutig, was nur die Kritik an ihr lauter werden ließ. Sie musste es sich sogar gefallen lassen, sich von Gegnerinnen als „Milch-Schnitte“ verspotten zu lassen.
Nachdem nun in ihrem letzten Kampf, damals noch für SES Sports Events, die Punktrichter fair werteten, war sie ihre Titel los. Schlagzeilen machte sie dann, als ihr Audi RS5 (450 PS, ab 78 200 Euro) in einen Unfall mit Fahrerflucht verwickelt war und sie, um den wirklichen Fahrer zu schützen, vorgab selbst gefahren zu sein.
Nun soll eine Art Aufbaukampf von ihr der Hauptkampf bei SAT1 sein. Das ist sehr mutig. Nicht dass etwa zu befürchten wäre, Kentikian könnte Gefahr laufen, gegen Carina Moreno (27 Kämpfe, 22 Siege, 6 durch KO, 5 Niederlagen) zu verlieren. Moreno hat schließlich in den letzten drei Jahren vier der letzten fünf Kämpfe verloren. Viele Beobachter meinen, sie hätte ihre beste Zeit schon längst hinter sich. Es ist schon ziemlich mutig, einen Frauenboxkampf von dieser Güte den Fernsehzuschauern als Hauptkampf anzubieten. Mutig ist auch, Susi Kentikian zur Hauptkämpferin zu machen, obwohl sie, nach meiner Meinung, in den letzten drei Jahren in keinem Kampf überzeugen konnte.
© Uwe Betker