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Rezension: Thomas Hauser „Brutal Artistry“

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Thomas Hauser ist einer der ganz Großen des Boxjournalismus. In relativ regelmäßigen Abständen veröffentlicht er Bücher über Boxen. Er hat das ultimative Buch über Muhammad Ali geschrieben: „Muhammad Ali: His Life and Times“, das auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Ein Buch von Hauser zu kaufen, ist eine sichere Sache. Man bekommt guten bis exzellenten Boxjournalismus, und so ist es auch bei „Brutal Artistry“.
Auch wenn es um ein so wichtiges Kulturgut geht, wie Bücher unter die Menschen bringen, so sind Buchverlage doch in erster Linie profitorientierte Firmen. So haben Verlage die Unart entwickelt, bei kommerziell erfolgreichen Autoren, besonders wenn sie Kurzgeschichten, Abhandlungen oder Artikel veröffentlichen, die Anzahl der Buchveröffentlichungen künstlich zu erhöhen. Teile aus mehreren schon veröffentlichten Büchern werden dann schon mal zu einem neuen zusammengestellt. Genau das ist auch bei „Brutal Artistry“ der Fall.
Hausers Buch ist dementsprechend sowohl ein Quell der Freude als auch ein richtiges Ärgernis. Wer „Muhammad Ali: His Life and Times“ schon gelesen hat, kann gut ein Drittel der versammelten Artikel überblättern. Und wer „A Beautyful Sickness“ und „A Year at the Fights“ auch hat, findet in dem hier zu besprechenden Buch buchstäblich nichts Neues.
Hauser versammelt in diesem Buch Artikel u. a. über Muhammad Ali, Henry Cooper, George Foreman, Audley Harrison, Evander Holyfield, Bernard Hopkins, Ray Leonard, Lennox Lewis, Shane Mosley und ganz viel über Mike Tyson. Einige der Artikel sind einfach phantastisch, wie der über die Niederlage von Naseem Hamed gegen Marco Antonio Barrera (am 07.04.2001) und von Michael Grants gegen Lennox Lewis (29.04.2000).
Am Ende bleibt ein zwiespältiges Gefühl. Alle drei Bücher von Hauser zu kaufen, wäre in, meinen Augen, eigentlich besser. Kennt man sie aber noch nicht alle und es fällt einem „Brutal Artistry“ in die Finger, dann sollte man zugreifen und sei es allein aus dem Grund, dass es ein Buch von Thomas Hauser ist.
© Uwe Betker

Gastbeitrag: Boxen in der Literatur – Jack London (4) „The Mexican“

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Keiner aus der Junta mag den etwa 18 Jahre alten Felipe Rivera der zu Beginn dieser Kurzgeschichte [Jack London. Best Short Stories of Jack London. Garden City, N.Y.: Doubleday, 1945. 226-248] seine Dienste dieser Gruppe mexikanischer Revolutionäre anbietet. Sein Auftreten dort wird folgendermaßen beschrieben:
“There was no smile on his lips, no geniality in his eyes. Big, dashing Paulino Vera felt an inward shudder. Here was something forbidding, terrible, inscrutable. There was something venomous and snakelike in the boy´s black eyes. They burned like cold fire, as with a vast, concentrated bitterness.” [ London. Best Stories. 227]
Anfangs wird er für einen Spion des Präsidenten Diaz gehalten und beauftragt, den Fußboden zu schrubben und die Spucknäpfe zu leeren. Er fragt nur: „Is it for the revolution?“ und auf die Antwort: „It is for the revolution“ sagt er nur „It is well“ und macht sich an die Arbeit. [Anfangs wird er für einen Spion des Präsidenten Diaz gehalten und beauftragt, den Fußboden zu schrubben und die Spucknäpfe zu leeren. Er fragt nur: „Is it for the revolution?“ und auf die Antwort: „It is for the revolution“ sagt er nur „It is well“ und macht sich an die Arbeit. [London. Best Stories. 227]
Nach einer Weile bittet Rivera darum, im Büro der Junta übernachten zu dürfen. Diese Bitte wird ihm jedoch aus Mißtrauen verweigert und er fragt nie wieder danach. Die Revolutionäre sind von Geldmangel geplagt und müssen ihre letzten Habseligkeiten verkaufen. Immer wieder schafft Rivera Bargeld heran, ohne die Quelle bekanntzugeben. Langsam schwindet der Argwohn der Revolutionäre, doch sie mögen ihn dennoch nicht, denn er stahlt Eiseskälte aus und macht ihnen Angst, so daß sie es nicht wagen, ihm Fragen zu stellen.
Der erste richtige Auftrag, den River erhält ist die Wiederherstellung der Nachrichtenverbindung zwischen Los Angeles und dem Rest Kaliforniens. Diese hatte Juan Alvarado, der brutale Befehlshaber des Präsidenten, unterbrochen, indem er drei Revolutionäre erschießen und zwei weitere festnehmen ließ. Rivera stellt die Verbindung wieder her und als man wenig später von der Ermordung Alvarados erfährt ist klar, daß er seinen Auftrag mehr als erfüllt hat.
Immer häufiger bringt Rivera Geld ins Büro der Junta und immer häufiger trägt sein Gesicht Kampfspuren. Es wagt jedoch niemand nach der Herkunft des Geldes zu fragen. Die Vorbereitungen für die Revolution sind in der entscheidenden Phase, als das Scheitern droht, da der wichtigste Geldgeber von Diaz´ Männern erschossen wurde und dringen Gewehre benötigt werden. In dieser Situation fragt Rivera, ob 5000 Dollar reichen würden und als dies bejaht wird sagt er nur: „Order the guns.“ [London. Best Stories. 232]
Das dritte Kapitel dieser Kurzgeschichte spielt im Büro des Boxmanagers Kelly. Er ist auf der verzweifelten Suche nach einem neuen Gegner für seinen aufstrebenden Leichtgewichtsboxer Danny Ward weil der eigentlich vorgesehene Billy Carthey sich den Arm gebrochen hat. In dieser Situation bietet sich Rivera als Gegner an. Weil Roberts, der erfahrene Trainer des jungen Mexikaners den Manager überzeugen kann, daß sein Schützling in der Lage ist den Zuschauern einen Kampf zu bieten willigt Kelly schließlich ein. Anschließend berichtet Roberts davon wie er den jungen Rivera kennenlernte. Dieser lungerte einige Jahre zuvor völlig ausgehungert in der Nähe von Roberts´ Trainingscamp herum und da dieser verzweifelt nach einem Sparringspartner für den brutalen Boxer Prayne suchte zog er dem Jungen einfach ein Paar Handschuhe über und ließ ihn von dem Prayne prügeln, bis er bewußtlos wurde. Anschließend erhielt er einen halben Dollar und eine Mahlzeit. Wider Erwarten tauchte Rivera am folgenden Tag wieder auf und schließlich lernte er sich zu behaupten und wurde ein regelmäßiger Sparringspartner. Erst während der letzten Monate zeigte er, für Roberts überraschend, Interesse, selbst zu boxen.
Als die Börse für den kommenden Kampf ausgehandelt wird besteht Rivera zur Überraschung aller darauf, daß der Sieger alles bekommen soll. [Im Profiboxen wird üblicherweise die Börse vor dem Kampf festgelegt. Sieg oder Niederlage kann jedoch die Börse im nächsten Kampf um den Faktor zehn verändern.]
Dafür muß er Kelly allerdings zugestehen, daß das Einwiegen bereits um zehn Uhr morgens stattfindet. [Durch das früh angesetzte Wiegen kann der schwerere Boxer, in diesem Fall Kelly, das Gewicht, das er abtrainierten mußte, um im Limit zu bleiben vor dem Kampf ersetzen. Dies stellt einen immensen Vorteil dar]
Als der Kampf stattfindet sind von Beginn an alle Anwesenden, einschließlich des Ringrichters auf Kellys Seite. Selbst Riveras Sekundanten haben ihre Anweisungen von Kelly bekommen: „No layin´ down at the start. Them´s instructions. Take a beatin´ an´ earn your dough.“ [London. Best Stories. 239]
Nun wird auch Riveras Einstellung zum Boxen klar.
“He despised prize fighting. It was the hated game of the hated gringo. He had taken up with it, as a chopping block for others in the training quarters, solely because he was starving. The fact that he was marvelously made for it had meant nothing. He hated it. Not until he had come in to the Junta had he fought for money, and he had found the money easy.” [London. Best Stories. 238]
Riveras Motivation, für die Revolution zu kämpfen, im wahrsten Sinne des Wortes wird durch einen Rückblick verdeutlicht. Er wuchs in ärmsten Verhältnissen auf. Sein Vater organisierte einen Streik und wurde zusammen mit seiner Mutter und dutzenden anderer von Diaz´ Männern erschossen.
Nach einem furiosen Ansturm von Kelly gelingt Rivera bereits in der ersten Runde ein Niederschlag. Der Schiedsrichter verhindert jedoch unfairerweise einen schnellen Sieg. In der vierten und siebten Runde erzielt Kelly einen Niederschläge, doch nun beeilt sich der Schiedsrichter mit dem Zählen. In der neunten Runde geht erneut der Favorit zu Boden und in der folgenden sogar dreimal und noch einmal vier Runden später erneut. Zwischen den Runden helfen Riveras Sekundanten ihm kaum und geben ihm falsche Ratschläge.
Schließlich versucht der Manager Kellys ihn mit verlockenden Angeboten dazu zu bewegen, den Kampf absichtlich zu verlieren. Als nächstes soll Rivera wegen Fouls disqualifiziert werden, doch geschickt gelingt ihm dies zu vermeiden. In der 14. Runde wird Riveras Überlegenheit so klar, als er seinen Gegner wieder und wieder zu Boden schlägt, daß der Polizeikommandant den Ring betritt. Rivera gelingt es noch Kelly endgültig auszuknocken bevor der Polizist einschreitet. Dem Ringrichter bleibt schließlich nichts anderes übrig, als den Mexikaner zum Sieger zu erklären. Niemand gratuliert ihm, doch er hat sein Ziel erreicht. Die Revolution kann weitergehen.
Der Boxkampf der in dieser Kurzgeschichte sehr detailliert und realistisch gezeigt wird dient als Metapher für den Kampf des Mexikaner gegen die verhaßten Weißen und den Unterdrücker Diaz. Im Kampf muß der 18jährige Felipe Rivera gegen fast alle denkbaren Widrigkeiten ankämpfen. Er ist schlecht ernährt, nicht optimal trainiert, muß gegen den viel erfahreneren Weltmeisterschaftsaspiranten Kelly antreten und alle Zuschauer, ja selbst seine eigenen Betreuer sind gegen ihn. Er muß neben dem eigentlichen Kampf auch noch darauf acht geben, was außerhalb des Ringes geschieht. Nur so kann er die Pläne vereiteln, die die anderen schmieden, damit er unter allen Umständen verliert.
Der Leser soll damit auf die Seite des jungen Boxers gezogen werden, den niemand mag. Außerdem erfährt nur der Leser die grausame Details aus der Kindheit des Mexikaners, die den anderen Figuren der Geschichte vorenthalten bleiben.
London schrieb diese Geschichte offensichtlich, um die Revolution in Mexiko zu unterstützen. Einige Jahre später war er nach einer Reise dorthin jedoch völlig desillusioniert wie folgende Sätze belegen:
„He […] came to believe that it was American ingenuity that had developed Mexico industrially. About the revolutionaries, Jack said, „These `breeds´ do politics, issue pronunciamentos, raise revolutions or are revolutionized against by others of them, write bombastic unveracity that is accepted as journalism in this sad, rich land, steal payrolls of companies and eat out hazienda after hacienda as they picnic along what they are pleased to call wars for liberty, justice and the square deal.”[Kingmann, Russ. A Pictorial Life of Jack London. New York: Crown, 1979, 253]
Nach dieser Erfahrung wäre also eine Geschichte wie „The Mexican“ nicht mehr möglich gewesen.

Zusammenfassung
Bei der Betrachtung der Werke Londons darf man nicht vergessen, daß für ihn das Schreiben eher ein Beruf war, mit dem er Geld verdienen konnte als eine künstlerische Herausforderung. Bei dem ungeheuren Ausstoß, den er an Reportagen, Kurzgeschichten und Romanen hatte ist es nur verständlich, daß er über Bereiche des Lebens schrieb, in denen er sich auskannte. London war ohne Zweifel ein Boxexperte aber er scheute sich auch nicht die Idee für einen der hier besprochenen Romane einem Freund abzukaufen. Die Handlungen und Figuren der Romane und Kurzgeschichten erscheinen nicht immer ganz plausibel und manchmal sogar unglaubwürdig. Vergleicht man aber den fiktiven Helden Pat Glendon mit Gene Tunney und Muhammad Ali und den ausgehungerten Felipe Rivera mit dem Mexikaner Pipino Cuevas, der 1976 als 18jähriger Profiweltmeister im Weltergewicht wurde schwinden etwaige Zweifel an der Authentizität. Die Beschreibungen der Boxer und der Kämpfer lassen sich kaum von denen in Londons Reportagen unterscheiden. Über Jim Jeffries schrieb er vor dessen Weltmeisterschaftskampf gegen Jack Johnson im Dezember 1910: „His back muscles play in matted masses, while those of the shoulders and biceps leap into a twisted roll at the slightest uplift of the arms. And they are all the right kind of muscles. they are not hard and knotted, like those of the professional strong man and weight lifters. […] Those soft mounds and ridges and rolls are the finest grade and quality of muscle a man can possess.” [Zitiert nach: Irving Shepard (Hg.). Jack London´s Tales of Adventure. Garden City, New York: Hanover House, 1956. 135]
Pat Glendon in The Game wird von seinem Vater folgendermaßen beschrieben:
“`See the softness of him´, old Pat chanted. `Tis the true stuff. Look at the slope of the shoulders, an´the lungs of him. Clean, all clean, to the last drop an´ ounce of him. You´re looking at a man, Sam, the like of which was never seen before. Not a muscle of him bound. No weight-lifter or Sandow exercise artist there. See the fat snakes of muscles a-crawlin´ soft an´ lazy-like.” [London. Abysmal Brute. 79]
Die hier betrachteten Werke Londons ähneln aber nicht nur seinen Reportagen in Stil und Sprache, sie haben auch untereinander zahlreiche Elemente gemeinsam. Alle Helden wollen – allerdings aus unterschiedlichen Gründen – mit dem Boxen aufhören. Alle sind außergewöhnlich talentierte Boxer auch wenn Joe Fleming trotzdem im Ring umkommt und Tom King seine besten Tage hinter sich hat.
In einigen Punkten unterscheidet sich „The Mexican“ von den anderen Werken. Felipe Rivera ist kein gutmütiger, moralisch integerer Mann sondern ein haßerfüllter Mörder. Er hat, im Gegensatz zu den anderen drei Boxern bei London keine Lebensgefährtin. Während Fleming, Glendon und King jedoch mehr oder weniger aus dem Nichts auftauchen erfährt man von den prägenden Einflüssen aus dessen Kindheit.
„The Mexican“ ist eher ein „propagandistic revolutionary tract“ [Oriard. Heroes. 19] In den drei anderen Werken wurden die „essential conflicts in American sport between country and city, youth and age, and masculinity and feminity“ [Oriard. Jack London. 3] thematisiert. Für Michael Oriard ist die Hauptaussage dieser drei Texte dagegen eine andere: „Londons boxing stories proclaim the preeminence of either fate („A Piece of Steak“), chance (The Game), or will (The Abysmal Brute).” [Oriard. Sporting, 241] Dieser Standpunkt ist auch nicht von der hand zu weisen und verdeutlicht zudem den Kontrast zu „The Mexican“.
Man kann Londons Arbeiten vorwerfen, daß viele der Charaktere stereotypisch sind. Man muß jedoch bedenken, daß man dies in der Zeit der ersten Erscheinung wohl nicht so empfand, denn der professionelle Sport fand erst in den 20er Jahren breite Akzeptanz in den USA und erst dann gab es eine größere Menge an Sportliteratur. Folglich waren griff London die Stereotypen die er verwendete, wie den natural oder den alternden Profi nicht auf, wie viele Autoren nach ihm sondern er entwickelte sie neu. Michael Oriard sagt über Londons Boxgeschichten: “His stories have an archetypical quality that appears stereotypical in retrospect, for they have been retold numberless times by countless authirs.“ Oriard. Heroes. 134]
Zuletzt soll noch einmal darauf hingewiesen werden, daß London sehr viel schrieb und dies vor allem, um Geld zu verdienen, also um seine Bücher zu verkaufen. Deshalb tritt neben den künstlerischen manchmal fast gleichberechtigt der Unterhaltungsaspekt. Die Darstellung der Boxkämpfe war mitunter also reiner Selbstzweck und diente nicht unbedingt dazu, eine bestimmte künstlerische Aussage zu unterstreichen. Dies soll jedoch die Bedeutung der hier vorgestellten Werke insbesondere als Wegbereiter für die Boxliteratur des 20. Jahrhunderts keinesfalls schmälern. Andrew Sinclairs Aussage zum unterschätzten Stellenwert Londons in der Literatur trifft den Punkt:
„Those who followed his self-dramatizing style of existence and his short, jerky, bald method of writing, such as Ernest Hemingway, forgot to acknowledge the inventor of the mode, which had more to do with Jack London´s Alaska than the Paris of Gertrude Stein. Jack also got little thanks from Dos Passos or Steinbeck or Kerouac for pioneering the hobo novel in The Road. Norman Mailer has not praised the American writer who, straight from the shoulder, made prizefighting the subject of his best journalism and professional fiction.” [Andrew Sinclair. Jack: A Biography of Jack London. London: Weidenfeld & Nicolson, 1978. 248]
(C) Martin Scheja

Gastbeitrag: Boxen in der Literatur – Jack London (3) „The Abysmal Brute“

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Der erfahrene Boxmanager Sam Stubener erhält im ersten Kapitel diese Romans [Jack London. The Game and The Abysmal Brute. London: Arco Pub., 1967. 65-142] einen Brief von Pat Glendon. Der ehemalige Schwergewichtsprofi, dem nur durch Pech und Betrug ein Weltmeistertitel vorenthalten blieb, bittet den Manager darin, seinen Sohn unter seine Fittiche zu nehmen. Glendon beschreibt Pat Junior als den perfekten Schwergewichtler. Da Stubener auf das Urteil des ehemaligen Weltklasseboxers vertraut macht er sich auf in die entlegenen Wälder Nordkaliforniens, um das junge Talent mit eigenen Augen zu sehen. Pat Glendon Junior übertrifft sowohl in physischer als auch in boxerischer Hinsicht alle Erwartungen und so nimmt ihn der Manager unter Vertrag. Allerdings besteht der Vater auf einer Klausel, die die Abmachung ungültig macht, sollte der Stubener den jungen Mann in unsaubere Geschäfte verwickeln. Der alte Mann hatte seinen Sohn nämlich in alle Finessen des Boxsports eingeweiht, ihn aber in einem abgelegenen Waldgebiet aufgezogen und ihm alle Berichte über Betrügereien in der Szene vorenthalten, um die Unschuld des jungen Mannes zu bewahren. Dessen Lehrerin war im übrigen die einzige Frau, mit der er zu tun hatte und vor deren Nachstellungen floh er in die Wälder.
Der junge Boxer begleitet den Manager allerdings nur um seines Vaters Willen nach Los Angeles und wird dort von Heimweh nach den Bergen geplagt. Seine ersten Kämpfe gewinnt Glendon Junior nach nur wenigen Sekunden durch K.O., was einen der Gegner zu folgender Aussage bewegt: „„What happened?“ he queried hoarsely. „Did the roof fall on me?““ [London. Abysmal Brute. 86]
Daraufhin überzeugt der Stubener seinen Schützling, seine nächsten Kontrahenten nicht so schnell bewußtlos zu schlagen, da es sein Ruf ansonsten schwierig machen würde, neue Gegner zu bekommen und da die Zuschauer für ihr Eintrittsgeld länger unterhalten werden wollen. Unmittelbar vor seinem nächsten Kampf hat Pat Junior die traurige Pflicht, seinen Vater zu beerdigen. Dennoch führt er die Anweisung seines Managers pflichtbewußt aus. Nach einer Weile gehen die beiden sogar dazu über, die Runden zu verabreden, in denen der Knockout stattfinden soll. Der Manager nutzt dies ohne das Wissen des Boxers aus und verdient durch seine Verbindung zu einem Wettsyndikat große Summen.
Der Boxer verbringt seine Freizeit mit dem Lesen von Gedichten und Museumsbesuchen. Da er nur wenig Zeit mit anderen Sportlern verbringt, sehr wortkarg ist und alle Kämpfe vorzeitig gewinnt wird er für dumm und brutal gehalten und ein Sportreporter verleiht ihm den Beinamen Abysmal Brute.
Im sechsten Kapitel des Romans wird die junge Maud Sangster vorgestellt. Um ihrer Unabhängigkeit willen verließ sie ihr millionenschweres Elternhaus und wurde Reporterin. Außerdem ist sie jung und hübsch, Staatsmeisterin Tennis, spielt mit Männern Polo und verfaßt Gedichte. Auf eigenen Wunsch übernimmt sie den Auftrag, für ihre Zeitung Pat Glendon zu interviewen, der inzwischen als möglicher neuer Weltmeister gehandelt wird. Dieser muß erst von seinem Manager überzeugt werden, dieses Interview zu geben, denn bislang hatte er sich stets von Reportern fern gehalten. Erst als er erfährt, daß die junge Frau, die das Gespräch führen soll auch Gedichte schreibt willigt er ein. Die Begegnung zwischen dem Schwergewichtler und der Reporterin ist ein zentraler Moment des Romans.
“The meeting was a mutual shock. When blue eyes met grey, it was almost as if the man and the woman shouted triumphantly to each other, as if each had found something sought and unexpected.” [London. Abysmal Brute. 103]
Obwohl der Manager dies zu verhindern sucht bringt die junge Frau das Gespräch auf Betrügereien im Boxgeschäft. Sie erklärt, daß einer ihrer Kollegen stets vorher weiß, in welcher Runde die Kämpfe Glendons enden werden. Glendon schickt nach diesem indirekten Betrugsvorwurf seinen Manager aus dem Raum. Nur dieser wußte schließlich außer ihm von der Abmachung, den Gegner im nächsten Kampf, Nat Powers, bis zur 16. Runde stehen zu lassen. Der junge Boxer verabredet mit der Reporterin den bevorstehenden Kampf in einer späteren Runde, der 18., zu beenden, um der Reporterin zu beweisen, daß sie mit ihrem Verdacht im Unrecht ist.
Maud Sangster schleicht sich als Mann verkleidet in die Arena, um den Fight zu verfolgen. Dort wird sie Zeugin, als Powers in der 16. Runde K.O. geht und wendet sich mit Abscheu ab. Glendon wollte den Kampf erst später beenden, doch sein Manager wollte kein Risiko eingehen und bestach den Gegner, in der verabredeten Runde zu Boden zu gehen. In dem Moment als Powers ohne Schlagwirkung zu Boden geht wird sich Glendon klar über die Verruchtheit des Boxgeschäftes.
Es gelingt ihm die junge Reporterin zu überzeugen, daß er nicht an dem Betrug beteiligt war. Die beiden heiraten Hals über Kopf und verbringen ihre Flitterwochen in den Bergen. Glendon beschließt noch ein letztes Mal zu kämpfen bevor er sich mit seiner Frau in die endgültig in die Einsamkeit der Natur zurückzieht. Seinen Manager läßt er in dem Glauben, er habe sich mit den dunklen Seiten des Boxgeschäftes abgefunden. Unmittelbar vor seinem letzten Kampf hält der junge Boxer unter dem Jubel der Zuschauer im Ring eine Rede, in der er die üblen Machenschaften des Wettsyndikates aufdeckt und die letzten Endes zu einer offiziellen Untersuchung der Boxbranche führt.
Der wütende Weltmeister, der als Gast unter den Zuschauern ist stürmt in den Ring, wird aber von Glendon mit einem Schlag ausgeknockt. Der eigentliche Kampf findet schließlich statt, denn Glendon will seinen Gegner nicht wie verabredet in der 14. sondern bereits in der ersten Runde ausknocken. Dies gelingt ihm auch und im Saal bricht ein Tumult aus, denn die Zuschauer fallen über die betrügerischen Boxer, Manager und Promoter her. Der Roman endet damit, daß Pat Glendon auf den Schultern seiner Anhänger getragen wird und erneut eine Rede halten muß.
Der Titel des Romans kommt von dem Spitznamen, den London 1905 dem dänischen Leichtgewichtsboxer Battling Nelson verlieh. Er meinte dies durchaus nicht abwertend:
“I like Nelson. I named him the „Abysmal Brute“ after his seventeen-round fight with Britt at Colma several years ago. Bat didn´t like it at first, but we got together and talked it over, and he began to appreciate the term. I called him that as a compliment. He has the primitive thing in his nerves and fibre and soul that goes ahead; that knows no quitting-primitive.” [Zitiert nach: Kingmann, Russ. A Pictorial Life of Jack London. New York: Crown, 1979, .226]
Im Roman dient der Titel wohl eher dazu, dem Leser klarzumachen, daß sich hinter einem scheinbar stupiden und brutalen Boxer auch ein sensibler und kluger Mann verbergen kann.
Die Kampfszenen in diesem Roman sind absolut überzeugend und realistisch. Der „Übermensch“ Pat Glendon, der körperlich, geistig und moralisch perfekt ist wirkt dagegen wie eine Figur aus einem Märchen. Im Wald aufgewachsen wurde er zum Vorbild für den klassischen Stereotypen des natural, des geborenen Athleten vom Lande. [vgl. Oriard, Michael: Dreaming of Heroes: American Sports Fiction, 1868-1980, Chicago: Nelson-Hall, 1982, 82]
Fast so als ginge es darum Londons Darstellung zu rechtfertigen wurde 15 Jahre nach der ersten Veröffentlichung von The Abysmal Brute ein Mann Weltmeister, der Pat Glendon in vielen Dingen entsprach. Gene Tunney sah blendend aus und erlitt als Profi nur eine Niederlage, schlug aber den Gegner danach noch mehrmals. Nachdem er innerhalb von drei Jahren fast 1.800.000 Dollar verdient hatte trat er zurück und widmete sich seinen Hobbys. [Higgs, Robert. The Unheroic Hero: A Study of the Athlete in Twentieth-Century American Literature. Diss. U. of Tennessee. Ann Arbor: University Microfilms International, 1961, 152] Dazu gehörte die Literatur und so gab Tunney sogar Shakespeare-Vorlesungen in Yale. Außerdem heiratete er eine Dame aus der High Society, welche der fiktiven Maud Sangster nicht unähnlich war. [ebd.]
Seit Muhammad Ali ist auch bekannt, daß ein Weltklasseboxer die Runde vorhersagen kann, in der er einen Kampf beenden wird, wenn auch nicht immer ganz korrekt. Der einzig wirklich utopische Teil des Romans ist folglich die Schlußszene, in der Pat Glendon im Ring eine Rede hält und damit anscheinend auf einen Schlag die gesamte Korruption im Boxgeschäft beseitigt. Ebenso unglaubwürdig ist, daß ihn die nur an ihrer Unterhaltung interessierten Zuschauer dafür bejubeln, ihn am Ende auf den Schultern tragen und noch eine Rede fordern.
Auffällig in diesem Roman sind noch die Anspielungen auf Glendons Rasse und seine irische Abstammung. Sein Vater schreibt über ihn: „Talk about the hope of the white race. This is him.“ [London. Abysmal Brute. 70] und im letzten Kapitel heißt es: „Glendon had the Celt´s intuitive knowledge of the psychology of the crowd.“ [London. Abysmal Brute. 135]
Man kann The Abysmal Brute einfach als Attacke gegen die Korruption im Boxgeschäft verstehen. Michael Oriard ist der Meinung, daß Jack London mit diesem Roman den Konflikt zwischen Stadt und Land darstellen wollte. [Oriard. Jack London: 3ff] Pat Glendon ist ein Kind der Natur, die ihn reichlich mit Talenten und Tugenden ausstattete. Er ist abstinent von Alkohol und Tabak, moralisch rein, gutaussehend, hat ein angeborenes Talent als Redner und besitzt nicht zuletzt die perfekten physischen Voraussetzungen für einen Boxer. Auf Frauen reagiert er mit Scheu, aber als er seiner idealen Partnerin begegnet erkennt er sie und verhält sich intuitiv richtig. Die Stadt dagegen ist das Zentrum der Korruption in dem der natural sich zwar problemlos behaupten kann, dem er die Einsamkeit der Natur jedoch vorzieht.
Der Aspekt der Flucht vor dem Übel der Stadt wird auch in einem anderen Roman thematisiert, in dem das Boxen eine Rolle spielt. Der Held im Roman „The Valley of the Moon“ [Jack London. The Valley of the Moon. New York: Macmillan, 1913] verdient gelegentlich als Boxprofi zusätzliches Geld. Als er aufgrund eines Streiks seinen Job verliert beschließt er mit seiner Frau Saxon aufs Land zu ziehen, wo sie Land kaufen und glücklich werden.
Will man einschätzen, inwieweit die hier angesprochenen Aspekte ein wirkliches Anliegen Londons war muß man besonders berücksichtigen, daß London das Plot für diesen Roman nicht selbst entwickelte, sondern es als „The Dress Suit Pugilist“ seinem Freund Sinclair Lewis für 7,50 Dollar abkaufte. [Vergleiche: Franklin Walker. „Jack London´s Use of Sinclair Lewis Plots, Together with a Printing of Three of the Plots“ in: Jacqueline Tavernier-Courbin (Hg.). Critical Essays on Jack London. Boston: Hall, 1983. 76]
(C) Martin Scheja

Rezension: “Henry Cooper’s Book of boxing”

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Vorab möchte ich schon mal klarstellen: Das 1982 erschienene Buch von Henry Cooper (55 Kämpfe, 40 Siege, 27 durch KO, 14 Niederlagen, 8 durch KO, 1 Unentschieden) ist vermutlich das beste und intelligenteste Buch, das je ein Boxer übers Boxen geschrieben hat. Zwar steht auf der Rückseite neben dem Preis, es handele sich um eine Autobiographie. Tatsächlich aber ist es doch mehr ein Sachbuch übers Boxen.
Anekdoten hat der große Henry Cooper natürlich auch beizutragen. Immerhin hatte er Muhammad Ali am Boden und am Rand einer Niederlage. Der konnte dann nur noch gewinnen, weil dessen Trainer Angelo Dundee ganz-ganz tief in die Trickkiste, u. z. die schmutzige, griff. Henry Cooper war Britischer Meister, Commonwealth Meister und Europameister im Schwergewicht – und dann sind da natürlich auch noch seine zwei Kämpfe gegen Muhammad Ali.
Aber Cooper ist viel zu uneitel und viel zu sehr Gentleman, um in einem Buch übers Boxen sich selbst in den Vordergrund zu stellen.
Cooper beleuchtet viele Aspekte des Amateur- und Profiboxens (Ausrüstung, Geld, Manager, Matchmaker, Medien, Promoter, Ringrichter, Trainer, Sekundanten, Verbände, Zeitnehmer und vieles mehr. Und gegenüber allem vertritt er eine dezidierte Meinung. So spricht er sich für einen Pensionsfonds für Boxer und für eine Zusammenarbeit von Profis und Amateuren aus.
Wer einen Eindruck bekommen möchte, wieso Henry Cooper noch immer so populär ist in Großbritannien und von Königin Elisabeth II. im Jahr 2000 sogar in den Ritterstand erhoben worden ist, der sollte dieses Buch lesen. Wer etwas über Profiboxen lernen und besser verstehen möchte, wie es funktioniert, der sollte dieses Buch lesen. Aber auch der, der einfach nur gut unterhalten werden möchte, sollte das Buch lesen.
© Uwe Betker

Rezension: „The Golden Age of Boxing“ von Ian Welch

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Das World Wide Web mit seinen globalen Marktplätzen verführt mich immer wieder dazu, blind irgendwelche Boxbücher zu kaufen. So kam ich auch zu „The Golden Age of Boxing“ von Ian Welch, für etwas mehr als das Standardporto.
Das kleinformatige Büchlein mit vielen Fotos erwies sich dann mit seinen 130 Seiten als recht kurzweilig. In diesem Buch von 2010 findet sich eine kurze Abhandlung über „Die Geburt des modernen Boxens“. Hinzu kommen Kurzportraits von Muhammad Ali, Wilfred Benitez, Joe Calzaghe, Julio Cesar Chavez, Robeto Duran, Chris Eubank, George Foreman, Wilfredo Gomez, Rocky Graciano, Marvin Hagler, Larry Holmes, Roy Jones Jr., Jake LaMotta, Ray Leonard, Joe Louis, Rocky Marciano, Floyd Mayweather Jr., Manny Paquiao, Ray Robinson und Mike Tyson. Legendäre Kämpfe, Walcott vs. Marciano, Foreman vs. Ali, Ali vs. Frazier III, Duran vs. Leonard, Leonard vs. Hearns, Limon vs. Chacon, Hagler vs. Hearns, Tyson vs. Douglas, Chavez vs. Taylor, Benn vs. Eubank, Holyfield vs. Bowe, War vs. Gatti, Barrera vs. Gatti, Corrales vs. Castillo und Marquez vs. Vasques, werden auch kurz dargestellt. Hinzu kommen Zitate, Tabellen, Boxen im Kino und Fakten.
„The Golden Age of Boxing“ von Ian Welch ist isgesamt schon ein hübsches, kurzes und kurzweiliges Büchlein. Allerdings bringt es für einen Boxfan, der sich für Boxgeschichte interessiert, nichts Neues. Aber es macht Spaß, das Buch zu lesen oder auch nur durchzublättern. Wer also die globalen Marktplätze des World Wide Web durchstöbert, wird es mit ein wenig Glück erstehen können. Für den Preis eines Kaffees bietet es dann immerhin gute Unterhaltung für die Länge von zwei Tassen Kaffee.
(C) Uwe Betker

Ein Freitagabend in Essen – die Recover Fight Club House Gala am 17.03.2017

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Die Veranstaltungen im Recover Fight Club in Essen haben inzwischen schon Tradition. Sie sind bereits ausverkauft, kaum dass der Termin festgesetzt ist. So war es auch diesmal: Keine Abendkasse, nur Einlasskontrolle. Und es gab fünf Profikämpfe. Um ungefähr 22 Uhr war schon alles vorbei. Früh genug noch für eine Freitagnacht. Das – und natürlich die Kämpfe – ist das Erfolgsrezept.
Den Anfang machten im Mittelgewicht Akmal Gertsen und Dogan Kurnaz (10 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 8 Niederlagen, 7 durch KO). Der Debütant Gertsen trug sehr auffälliges Schuhwerk. Es sah fast so aus, als hätte er schwarze Straßenschuhe an und darüber ein Art Gamaschen aus Stoff. Es waren aber keine Straßenschuhe, sondern originale Boxschuhe aus den 30er Jahren, die er sich aus den USA hatte schicken lassen. Eigentlich wollte er auch mit Leggins boxen, so wie man sie auf Fotos von uralten Boxern sieht – das wurde ihm aber untersagt.
Gertsen boxte so, wie man es von einem Boxer mit solchen Schuhen erwartet. Er machte Druck und er verteilte seine Schläge. Allerdings machte er auch den Eindruck, zu sehr einen schnellen KO zu suchen. Kurnaz, der kleinere Boxer, schlug schnelle Hände und versuchte Gertsen das Leben möglichst schwer zu machen. Er kam sogar das ein oder andere Mal durch. Mitte der zweiten Runde nahm Gertsen seinem Gegner durch einen schönen linken Haken zum Körper, gefolgt von einer schönen Rechten zum Kopf, die Luft. Danach stellte er ihn an den Seilen und holte ihn mit einem brutalen Aufwärtshaken ans Kinn von den Beinen. Das sah schon nach dem Ende des Kampfes aus. GBA Ringrichter Kornelius Bernds zählte und der sichtlich hart getroffene Kurnaz rappelte sich wieder auf und stellte sich zum Kampf. Der wurde denn auch wieder freigegeben. Und irgendwie schaffte es Kurnaz tatsächlich, den Schlussgong zu erreichen. Als der Gong zur dritten Runde ertönte, warf aber seine Ecke das Handtuch. Sieger durch TKO in Runde 3: Akmal Gertsen. Gertsen will nun das Regelwerk prüfen, um herauszufinden, welche Vorgaben es zu den Sporthosen gibt.

Danach stiegen Dejan Pavlovic (5 Kämpfe, 5 Niederlagen, 4 durch KO) und Bader Fattah im Super Weltergewicht in den Ring. Der Kampf war kurz. Fattah, ein Debütant, boxte unorthodox, was aber nicht wirklich zielführend war. Pavlovic konterte seine ungestümen Aktionen souverän ab. Zwei Lebertreffer zwangen Fattah zur Aufgabe. Sieger durch TKO in Runde 1, nach 2:50 Minuten: Dejan Pavlovic.

Den einzigen Frauenboxkampf des Abends bestritten Özlem Sahin (24 Kämpfe, 22 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) und Claudia Ferenczi (79 Kämpfe, 16 Siege, 7 durch KO, 56 Niederlagen, 3 durch KO, 6 Unentschieden) im Halbfliegengewicht. Es war auch der einzige Kampf, der über die angesetzte Distanz ging. Sahin stieg nach einer neunmonatigen Pause zum ersten Mal wieder in den Ring. Es ging bei dem Kampf zum einen darum, Ringrost abzuschütteln und zum anderen darum, den ersten Kampf mit neuem Trainer, Sebastian Tlatlik, zu bestreiten.
Sahin besetzte die Ringmitte, bestimmte den Kampf und setzte boxerische Akzente. Ferenczi, die Muhammad Ali als Tatoo auf dem linken Oberarm trägt, hielt dagegen. Ferenczi wurde in der zweiten Runde sichtbar wütend, weil sie nur sehr selten mit ihren Aktionen durchkam. Gleichwohl wurde die Begegnung härter. In der dritten Runde verlor Sahin die boxerische Linie, wodurch Ferenczi stärker und der Kampf härter wurde. Die letzten drei Runden gehörten wieder Sahin. Sie trug Ferenczi den Kampf an, wobei sie vor allem auf Haken setzte. In der sechsten Runde hatte Sahin ihre Gegnerin zweimal nahe am KO, aber Ferenczi erreichte stehend den Schlussgong. Die Punktrichter werteten: 60:54, 60:54 und 60:55. Einstimmige Punktsiegerin: Özlem Sahin.

Nach einer Pause ging es mit zwei Schwergewichtsbegegnungen weiter.
Hasan Kurnaz (5 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO) boxte gegen Sezer Sahin. Sahin, ein Debütant, verausgabte sich mit wilden Attacken zum Körper, wobei er aber keine Wirkung erzielte. Am Ende der Runde ging er nach einer Linken zum Körper zu Boden, wobei dies aber wohl eher Konditionsproblemen als der Schlagwirkung zu danken war. Ringrichter Michael Erdinc zählte ihn an. Sahin erreichte die Rundenpause und warf mit dem Gong zur zweiten Runde das Handtuch. Sieger durch TKO in Rune 2: Hasan Kurnaz.

Den Hauptkampf des Abends bestritt der Lokalmatador Patrick Korte (9 Kämpfe, 9 Siege, 8 durch KO). Er traf auf Asad Adrovic (2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 Niederlage, 1 durch KO). Der Kampf war etwas konfus. Korte besetzte die Mitte des Rings und bestimmt das Kampfgeschehen. Korte, der eindeutig bessere Boxer, brachte Adrovic zweimal zu Boden – beide Male wurde es allerdings nur als Ausrutscher gewertet. Zum Ende der Runde stellte Korte seinen Gegner in einer neutralen Ecke und ließ ihn nicht mehr raus. Dann passierte etwas Bizarres: Adrovic tat das, was er meistens tut, wenn er sich rauskämpfen will. Er trat zweimal in den Bauch seines Gegners. Adrovic ist nämlich sehr viel mehr K1-Kämpfer als Boxer. Der Ringrichter Roman Morawiec entschied sich dafür – vermutlich auch, weil Adrovic ihm gesagt hatte, er wolle zur nächsten Runde nicht mehr antreten -, ihm nur einen Punkt abzuziehen. Wenige Sekunden später ertönte auch schon der Schlussgong, den Korte überhörte. Zur zweiten Runde trat Adrovic dann auch wirklich nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 2: Patrick Korte.

Man kann mal wieder feststellen, die Veranstaltungen des Recover Fight Club von Promoter Hani ElJarie stellen eine schöne Einstimmung fürs Wochenende dar.
© Uwe Betker