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Von Punktrichtern des BDB

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Schon wieder ist ein, wie ich finde, grauen- und erbrechenerregendes Fehlurteil zu beklagen. Dem bis dahin ungeschlagenen Istvan Szili (18 Kämpfe, 17 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage) gab man am 23.08.2013 in Galati in Rumänien gegen Gökalp Özekler (17 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO. 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) nur ein Unentschieden, weil zwei deutsche Punktrichter ihm den Sieg nicht zusprechen wollten.
Die Veranstaltung in Rumänien wurde vom hamburger Veranstalter EC Boxpromotion auf die Beine gestellt. Das mag auch erklären, dass zwei bekannte BDB Punktrichter, nämlich Frank Michael Maass und Holger Wiemann am Ring saßen und ein bekannter BDB Ringrichter, nämlich Manfred Küchler, den Kampf leitete. Es gab auch einen rumänischen Punktrichter, Mihai Leu, der seine Sache ordentlich machte. Er punktete, wenn auch ein wenig zu knapp mit 115:113 für Szili.
Die Punktrichter des Bundes Deutscher Berufsboxer werteten den Kampf allerdings anders. Maass punktete 114:114, also unentschieden, Wiemann 113:115 für Özekler. Der Kampf wurde also Unterschieden gewertet. Nun könnte man natürlich argumentieren: eine Unentschieden ist doch keine Fehlentscheidung. Aber wer sich eine Aufzeichnung des Kampfes ansieht, kann eigentlich nur Istvan Szili als eindeutigen Sieger sehen. Man kann m.E. Gökalp Özekler ernsthaft nur dann mehrere Runden zusprechen, wenn man ständiges Halten und Klammern als boxerische Aktionen wertet. Ich muss schon sehr in meinem Gedächtnis kramen, um mich an einen Kampf zu erinnern, bei dem ein Boxer so viel klammerte. Damit wären wir dann auch bei der Leistung des Ringrichters Küchler, der das ständige Klammern von Özekler nicht ein einziges Mal ermahnte, geschweige denn eine Verwarnung aussprach – in meinen Augen eine unterirdische Ringrichterleistung.
Immer und immer wieder bekommt man bei solchen offensichtlichen Fehlendscheidungen dann die gleichen Ausreden zu hören. Da wird z.B. gesagt, Punktrichter werten einen Kampf unterschiedlich, weil sie an unterschiedlichen Seiten des Rings sitzen. Oder: nur vom BDB geschulte Punktrichter können die Feinheiten des Profiboxens wirklich sehen und werten. Oder …
Eigentlich braucht man all diesen doch sehr alten und abgeschmackten fadenscheinigen Ausreden nur eine Feststellung entgegenhalten: Fehlentscheidungen in Deutschland bzw. bei deutschen Veranstaltungen sind immer zu Gunsten der Veranstalter. Ich kann mich in den Jahrzehnten, in denen ich nun Boxen verfolge, nur an eine einzige gravierende Fehlentscheidung erinnern, die zu Ungunsten eines Heimboxers lautete. Und das war bei einer Kleinringveranstaltung von Mario Guedes.
Was mich bei all dem wirklich beunruhigt, ist die Tatsache, dass Fehlurteile scheinbar immer irgendwie weitere nach sich ziehen. Frank Michael Maass, der für mich unverständlicherweise Özekler ein Unentschieden gab, sah z.B. auch Susi Kentikian gegen Nadia Raoui siegen und gab ihr außerdem ein Unentschieden gegen Melissa McMorrow. Holger Wiemann sah als Einziger Rola El Halabi gegen Lucia Morelli ein Unentschieden erreichen. Ringrichter Küchler disqualifizierte Cisse Salif in seinem Kampf gegen Alexander Petkovic für Tiefschläge, die nur er sah.
Das Muster ist eindeutig: Fehlentscheidungen fallen immer zu Gunsten von Heimboxern. Gökalp Özekler bleibt damit Interkontental Champion der World Boxing Organisation im Mittelgewicht. Und Promoter Erol Ceylan hat sich als deutscher Veranstalter in die Reihe der „Opfer von Fehlurteilen“ eingereiht.
Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Die Zahl der Fehlurteile in Deutschland nimmt rapide zu. Man könnte schon geradezu von einer Epidemie sprechen, die sich hier ausbreitet. Die Einzigen, die das nicht sehen wollen, sind die Offiziellen, die großen Veranstalter und ein Teil der Fernsehsender. Liest man aber im Ausland irgendetwas über Boxen in Deutschland, so stößt man unweigerlich auf die Feststellung: In Deutschland ist es nahezu unmöglich, nach Punkten zu gewinnen. – Leider ist das die Wahrheit.
Man könnte sich natürlich auf den Standpunkt stellen: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“ Aber nach dieser Maxime können letztlich nur die Veranstalter handeln, die einen lukrativen Fernsehvertrag haben und deren Sendern es egal ist, wenn Boxer um ihre Siege betrogen werden und damit schlich ihre Zuschauer für dumm verkauft werden. Nur diese Veranstalter können sich nämlich Titelkämpfe kaufen, bzw. sie nach Deutschland holen.
© Uwe Betker

Foto: Nadia Raoui vs. Eileen Olszewski

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Written by betker

5. August 2012 at 23:59

Die Rückkämpfe der Susi Kentikian

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Syuzanna, genannt Susianna oder Susi Kentikian (31 Kämpfe, 29 Siege, 16 durch KO, 1 Niederlage) ist nicht mehr Weltmeisterin der WBA, WBO und WIBF im Fliegengewicht. Die aus Jerewan, Armenia stammende Boxerin machte eine beispiellose Karriere: Aus einem armen Flüchtlingskind wurde eine Werbefigur (Milch-Schnitte). Sie wurde zunächst von dem Veranstalter Universum Box-Promotion aufgebaut. Dort wurde sie dann Weltmeisterin.
Am 24.04.2010 boxte sie gegen Nadia Raoui und ihr wurde der Sieg, wie nicht nur ich finde, unverdient zugesprochen. Hiernach, am 17.07.2010, boxte sie gegen Arely Mucino. Diesmal erreichte sie ein No Contest. Der Kampf wurde abgebrochen weil sie sich einen Cut im Haaransatz zugezogen hatte. Damit hat sie vermutlich den ersten Kampf der Welt bestritten, der durch eine solche Verletzung abgebrochen wurde. Für beide Kämpfe musste sie herbe Kritik einstecken.
Nun verlor die selbsternannte „Killer Queen“, die mittlerweile für Ulf Steinforth und sein SES Sports Events boxt, gegen Melissa McMorrow. Zwei Punktrichter, nämlich Ingo Barrabas und Lahcen Oumghar, sahen die Amerikanerin wohl zu Recht mit zwei Runden vorne. Das ist schon sehr erstaunlich, denn von dem Punktrichter Lahcen Oumghar kann man wohl sagen, dass er berühmt dafür ist, für den Heimboxer zu punkten. Er war z.B. einer der Punktrichter, die Marco Huck den Sieg gegen Denis Lebedev ermöglicht haben. Wieso deutsche Veranstalter immer noch solche „verdienten“ Punktrichter an einem deutschen Ring Platz nehmen lassen, ist mir allerdings schleierhaft. Der BDB Punktrichter Frank Michael Maass sah den Kampf unentschieden.
Es sieht alles danach aus, dass der gute Frauenboxkampf eine Wiederholung erfährt. Der Veranstalter Steinforth macht es möglich. Ich wünsche Frau Kentikian viel Glück. Ich wünsche ihr auch, dass sie den Rückkampf gewinnt und wieder Weltmeisterin wird. Ich wünsche mir aber auch, dass sie einmal – eventuell in einer stillen Stunde – daran zurück denkt, was sie alles so nach ihren Kämpfen gegen Nadia Raoui und Arely Mucino gesagt hat. Ich erinnere mich da etwa an Äußerungen wie…
Eventuell kommt es nach einem Sieg über Arely Mucino ja auch zu den überfälligen Rückkämpfen mit Raoui und Mucino. Nadia Raoui (16 Kämpfe, 14 Siege, 3 Siege, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) ist mittlerweile Weltmeisterin der WIBA im Fliegengewicht und Arely Mucino (19 Kämpfe, 15 Siege, 8 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) WBC Weltmeisterin.
© Uwe Betker

EHRLICH, EROTISCH, MÄNNLICH, ANDERS

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Wenn eine Zeitschrift mit großen Lettern sich so definiert, kann man schon kaum widerstehen. Wenn dann auch noch eine Boxerin auf der Titelseite zu sehen ist, muss man die Zeitschrift einfach kaufen, wenn auch nur antiquarisch für einen Euro. Die Rede ist von der Märzausgabe des Männermagazins Penthouse. Maßlos enttäuscht musste ich feststellen, dass es in der Mitte kein Bild zum Aufklappen gab. Umso mehr begeisterte mich der Artikel über Nadia Raoui, der sehr poetisch „Die Schöne und das Biest“ hieß.
Normalerweise sind Journalisten, die über Boxen schreiben, in ihrem Stil eher sachlich. Umso erfrischender ist da der Stil von dem Autor Wolfgang Schadinger. Da wird „einer hübschen, gut gebauten Dunkelhaarigen wie Raoui auf den ersten Blick kaum“ zugetraut, dass sie als Kickboxerin, „als Teenager mörderisch absahnte“. Raoui kämpft natürlich mit ihrem Auftritt in der Zeitschrift gegen das Vorurteil an, dass Frauen, die Kampfsport betreiben, unattraktiv sind. Die WIBA Weltmeisterin im Fliegengewicht siegt natürlich auch hier, wie die Fotos im Heft beweisen – oder wie Schadinger feststellt: „Gratulation, Miss Raoui: Mission accomplished!“ – Ich erinnere mich dunkel, dass George Walker Bush auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln den Irakkrieg mit denselben Worten für gewonnen erklärte.
Schadinger wird fast lyrisch, wenn er sich und Raoui fragt: „Warum entscheidet sich eine aufreizende junge Frau für eine Sportart, bei der ihr mit etwas Pech die Fresse poliert wird?“ Später wird er schwärmerisch, wenn er berichtet, dass die Boxerin „mit schlappen sechs Wochen Training in den zarten Beinen“ ihr Comeback machte.
So sehr mich dieser Schreibstil in Verzückung versetzt, so sehr fühle ich mich doch durch den Artikel intellektuell überfordert. Was heißt: „Die Schöne und das Biest“? Die Schöne kann ich wohl noch identifizieren. Aber wo oder wer ist die Bestie? Wo ist der verzauberte Prinz? Wieso verstehe ich das alles nicht?
© Uwe Betker

PS: Ich bin wirklich intellektuell überfordert. Ich verwechsel schon das Fliegen- mit dem Weltergewicht.

Die Felix Sturm Fight Card

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Der Kampfabend begann mit dem Superweltergewichtler Maurice Weber (16 Kämpfe, 14 Siege, 4 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden). Weber boxte gegen Andrei Dolhozhyieu aus Weißrussland. Wie schon in der Kampffolge angekündigt, versprach auch der Ringsprecher den Zuschauern einen Andrei Dolhozhyieu aus Weißrussland mit einem Kampfrekord von 25 Kämpfen, 14 Siegen, 6 durch KO, 8 Niederlagen, 1 durch KO und 3 Unentschieden. Nun musste ich aber feststellen, dass boxrec nur einen Andrei Dolhozhyieu kennt mit 2 Kämpfen, 1 Sieg, 1 durch KO und einen Unentschieden. So wie Dolhozhyieu dann auch boxte, hätte man auf die Idee kommen können, dass der Matchmaker von Sturm Box-Promotion womöglich dessen Kämpfe gegen seine jüngere Schwester mit in den Kampfrekord eingerechnet hat.
Der Geschehen im Ring war eine Farce. Dolhozhyieu, der überhaupt nicht boxen konnte, ging nach einem leichten Körpertreffer zu Boden. Der Ringrichter Arnold Golger zählte ihn an. Dolhozhyieu kam wieder hoch, drehte sich direkt ab und machte sich auf den Weg in seine Ecke. Weber witterte seine Chance und setzte nach, um auf dessen Hinterkopf zu schlagen. Golger übersah das grobe Foul, brach den Kampf ab und erklärte Weber zum Sieger. Der Ringsprecher verkündete dann einen KO nach 1:06. Entweder kennt der Herr den Unterschied zwischen TKO und KO nicht, oder er wollte das Publikum nicht verwirren. Wenn ich meine Mitschrift richtig entziffern kann, passierte das alles noch in Runde 1.
Im zweiten Kampf durfte ein weiterer Weißrusse von der gleichen boxerischen Güte ran, u. z. Vadzim Zmitrovich (7 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO, 5 Niederlagen, 5 durch KO). Immerhin – und dies ist das Beste, was man über ihn sagen kann – trat er mit seinem realen Kampfrekord an. Er boxte einen sehr eigenwilligen Stil. Er holte für seine Schwinger weit aus, streckte das Kinn so hoch wie möglich und hielt seine Augen möglichst geschlossen. Der Schwergewichtler Adnan Redzovic (6 Kämpfe, 6 Siege, 2 durch KO) schickte ihn dann einmal durch einen Körpertreffer und einmal durch einen Kopftreffer zu Boden. Glücklicherweise wurde der Kampf nach 2:12 in der ersten Runde abgebrochen. Der Ringsprecher verkündete dann – was schon? – einen KO.
Auch im dritten Kampf trat ein Herr aus Weißrussland an. Ruslan Rodivich (18 Kämpfe, 10 Siege, 10 durch KO, 8 Niederlagen, 4 durch KO) war immerhin ein kleines bisschen besser als seine Landsleute. Er hielt gegen den Mittelgewichtler Mike Keta (11 Kämpfe, 10 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) fast zwei ganze Runden durch. Am Anfang wehrte sich Rodivich ein wenig und er kam sogar einmal mit einer Rechten durch. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass Keta, der wie ein Kickboxer, nicht wie ein Boxer boxte, sich selber das Leben schwer machte. In der zweiten Runde schickte er seinen Gegner dann mit jeweils einen Körpertreffer zweimal zu Boden, woraufhin der Kampf abgebrochen wurde. Der Ringsprecher verkündete dann – wie könnte es auch anders sein – einen KO.
Der vierte Kampf versprach viel und hielt ziemlich wenig. Im Schwergewicht trat Denis Boytsov (31 Kämpfe, 31 Siege, 25 durch KO) gegen den erfahrenen Handlungreisenden in Sachen Boxen, Dominick Guinn (43 Kämpfe, 33 Siege, 22 durch KO, 9 Niederlagen), an. Nun erwartete keiner wirklich eine Sensation, zumal der 42jährige Amerikaner seine letzten zwei Kämpfe verloren hatte, aber die Ansetzung war im Prinzip nicht schlecht. Die drei ersten der insgesamt10 Runden waren ganz schön anzusehen. Es gab solides Boxen. Boytsov spielte seine Schnelligkeit aus und boxte variabel. Guinn konnte mit Kopf- und Aufwärtshaken punkten. Danach hörte Boytsov praktisch auf, seine Rechte zu benutzen. Bis auf zwei oder drei Schläge boxte er nur noch mit seiner linken Hand, wodurch der Kampf dann sehr ausgeglichen und langweilig wurde. Mich erinnerte er mehr an ein sehr lahmes Sparring. Dass der Kampf sehr ausgeglichen war, sahen die Punktrichter Arnold Golger, Klaus Griesel und Arno Pokrandt nicht, denn sie werteten 100:90, 99:91 und 100-90. Diese Punktrichterleistung schließt sich für mich nahtlos an die boxerische Leistung der Herren aus Weißrussland an.
Nach dem doch eher schwachen Kampf fiel im Folgenden das Niveau wieder ins Bodenlose. Wieder kam einer der Protagonisten, nämlich Andrei Shilovich (7 Kämpfe, 1 Sieg, 6 Niederlagen, 6 durch KO), aus Weißrussland. Der arme Mann wurde sogar von den Zuschauern ausgelacht. Sicher, Menschen, die panische Angst haben, sollte man nicht auslachen. Aber sein Tun im Ring sah einfach nur nach Slapstick aus. Glücklicherweise flog relativ schnell das Handtuch. Nun hat der Schwergewichtler Adam Lautenschläger (5 Kämpfe, 5 Siege, 5 durch KO) also noch einen TKO nach 2:50 in seinem Kampfrekord.
In dem einzigen Frauenboxkampf des Abends verteidigte Nadia Raoui erfolgreich ihren Weltmeistertitel der WIBA im Weltergewicht gegen Eileen Olszewski (13 Kämpfe, 7 Siege, 4 Niederlagen, 2 Unentschieden). Es fing schon schwierig an. Bevor der Kampf los gehen konnte, musste erst mal der Punktrichter Jean-Louis Legland gesucht werden, der nur diesen einen einzigen Kampf zu punkten hatte. Er ließ sich Zeit mit seinem Erscheinen und die Boxerinnen und ein paar Tausend Zuschauer mussten also auf einen Punktrichter warten. Eine weitere Vorbelastung bestand darin, dass der Kampf seine Brisanz aus der Tatsache zog, dass Raoui am 20.12.2008 in Zürich umstritten ein Unentschieden gegen die in Honolulu geborene New Yorkerin hinnehmen musste.
Sehr schnell etablierte sich ein Muster, welches nahezu den ganzen Kampf über gleichbleibend bestimmte. Die kleinere Raoui machte Druck und trieb ihre Gegnerin vor sich her. Diese verließ sich, ihre Deckung lässig tief haltend, auf ihre guten Reflexe und boxte im Rückwärtsgang. Raoui dominierte den Kampf und ging auf Nummer Sicher. Sie ging in Olszewski rein, setzte einen Treffer und ging wieder raus. Sie setzte praktisch nie nach und wirkte insgesamt verkrampft.
Der Kampf dauerte die für WM-Kämpfe der Frauen üblichen 10 Runden, keine 8 und keine 6, sondern die üblichen 10 Runden. Die in Herne geborene Boxerin musste auch nicht zwei Runden länger boxen. Wir erinnern uns: Nadia Raoui ist wohl die erste deutsche Boxerin, die in einem acht Runden Kampf Weltmeisterin geworden war. Zwar verstieß damit der Weltverband WIBA (Women’s International Boxing Association) gegen seine eigenen Regeln, aber wofür braucht man schon Regeln?
Der Kampf wurde dann 98:93, 100:90 und 98:93 gewertet. Der WIBA Punktrichter, der jede Runde Nadia Raoui gegeben hatte, war der schon erwähnte Jean-Louis Legland. Vermutlich war ihm dadurch, dass er sich so beeilen musste, um zum Ring zu kommen, auf seinem Stuhl schwarz vor Augen geworden. Man kann nur für ihn und für die Glaubwürdigkeit der WIBA hoffen, dass er sich ein paar Jahrzehnte Zeit nimmt, um sich von seinen Anstrengungen zu erholen und sich in der Zwischenzeit der ihn so erschöpfenden Tätigkeit des Punktens enthält.
Der Kampf langweilte mich. Zwar sah ich durchaus gutes Frauenboxen. Es war ein Frauenboxen auf hohem technischem Niveau, aber der Kampf langweilte mich. Dieser Kampf war auch der letzte, den der deutsche Ringsprecher ansagte. Er hatte offensichtlich schon etwas von dem ihm nun auftretenden Michael Buffer gehört. Jedenfalls gab er sich wohl im Rahmen seiner Möglichkeiten Mühe wie dieser zu klingen. Damit konnte er ähnlich beeindrucken wie die weißrussischen Boxer.
Der Hauptkampf des Abends entschädigte – zumindest teilweise – für das Vorprogramm. Felix Sturm (41 Kämpfe, 37 Siege, 16 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden) verteidigte erfolgreich seinen „Super Champion“ Titel der WBA (World Boxing Association) gegen Sebastian Zbik (32 Kämpfe, 30 Siege, 10 durch KO, 2 Niederlage, 1 durch KO). Der Kampf war unglaublich schnell und bewegte sich auf einem extrem hohen boxerischen Niveau. Das Ergebnis ist bekannt: Zbik gibt nach der 9. Runde auf. Erstaunlich erschien mir, dass einem so erfahrenen Boxer wie ihm, der sich so lange auf den Kampf vorbereitet hat, auch mit Höhentraining, die Puste ausgehen konnte. Aber zu seiner Ehrenrettung muss man auch sagen, dass Felix Sturm wohl noch nie, oder zumindest seit langer Zeit nicht mehr, so gut war wie in diesem Kampf. Seine Führhand kam wieder explosiv. Er war beweglich. Ganz offensichtlich war die Trennung von seinem Trainer Clive Salz, der so auf Kraft gesetzt hat, der richtige Schritt.
Mein persönliches Resümee der Felix Sturm Fight Card: Ein sehr guter, ein recht guter, ein sehr schwacher und vier grauenerregend schlechte Kämpfe.
© Uwe Betker

Verbesserung:
Mike Keta boxte natürlich nicht im Schwergewicht.
Es ist zur Zeit auch noch nicht geklärt, ob Keta überhaupt gegen Rodivich geboxt hat. Auf boxrec ist Uladzislau Mahdanau (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO) angegeben. Nach den boxerischen Leistungen zu urteilen tippe ich auf Mahdanau. – Schön wenn man eine zuverlässige Kampffolge vom Veranstalter bekommt.
Was ist heute los? – Der Punktrichter heißt natürlich Arno Pokrandt. Danke für den Hinweis Herr Pokrandt.

Danksagung

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Ein wärmendes Gefühl von Dankbarkeit fließt durch meinen Körper. Im Alltag verliert man manchmal aus den Augen, was einem wirklich wichtig ist. Was mir persönlich wichtig ist, wurde mir vor kurzem wieder deutlich ins Bewusstsein gerufen. Und dafür bin ich dankbar. An dieser Stelle möchte ich nun auch öffentlich meinen Dank entrichten, u. z. an Sturm Box-Promotion, Women’s International Boxing Association, Nadia Raoui und vor allem an Nadia Raouis Manager Marc Stöckel, von der Agentur Celebration Promotion. Danke! Vielen Dank!
Nadia Raoui (15 Kämpfe, 13 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) wurde in ihrem letzten Kampf am 02.12.2011 in der SAP Arena Weltmeisterin der WIBA im Fliegengewicht. Veranstalter des Abends war Sturm Box-Promotion. Aus einem mir damals unerfindlichen Grund war der WM-Kampf nur acht Runden lang. Soweit ich informiert bin, war dies die erste 8-Runden-WM in Deutschland.
Nun steht aber im Regelwerk der Women’s International Boxing Association unmissverständlich:
1. WIBA Title fights will be fought under ABC [Association of Boxing Commissions] rules.
2. WIBA World Title fights are ten (10) rounds.

Das sind die ersten beiden Regeln der WIBA. Sie werden sogar von diesem Verein explizit als Grundregeln (Basic Rules) bezeichnet. Aber leider hält es der Präsident und Besitzer des Verbandes, Ryan Wissow, dennoch nicht für nötig, sich auch an seine eigenen Regeln zu halten. Der Manager von Nadia Raouis Manager Marc Stöckel legte mir gegenüber Wert auf die Feststellung, dass der Kampf seines Schützlings nicht die erste 8-Runden-WM war, sondern dass die WIBA dies schon öfters gemacht hat.
Irgendjemand also wollte, dass der Frauenboxkampf nur acht Runden dauert. Denn der Kampf „war von vornherein auf acht Runden angesetzt. Dies wurde von der WIBA genauso auch im Vorfeld sanktioniert.“ Ich persönlich finde eine solche Kampfansetzung respektlos gegenüber den vielen boxenden Frauen. Welche Reaktion würde es geben, wenn der nächsten WM-Kampf von Felix Sturm auf zehn oder auf acht Runden angesetzt wäre?
Nadia Raoui wurde in ihrem letzten Kampf am 02.12.2011 Weltmeisterin der WIBA im Fliegengewicht. Ihre Gegnerin, Oksana Romanova (21 Kämpfe, 7 Siege, 2 durch KO, 13 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) kam mit einem eindeutig negativen Kampfrekord nach Mannheim. Sie hatte sich für diesen WM-Kampf durch drei Niederlagen in Folge qualifiziert. Im Zusammenhang mit der doch ungewöhnlichen Kampfdauer schrieb ich in einem Beitrag für meinen Blog, dass dies Raoui „ sozusagen nur zu einer vierfünftel Weltmeisterin machte.“ Das ist falsch. Ich möchte mich hierfür in aller Form entschuldigen. Nadia Raoui ist natürlich eine vollwertige Weltmeisterin der WIBA.
Nun soll Raoui am 13.04.2012 ihren Gürtel verteidigen. Man darf gespannt sein, wie viele Runden es diesmal dann sind. Vielleicht beerbt sie Mia St. John und wird zur „Queen of the Eight-Rounders“.
Die ganze Geschichte mit dem 8-Runden WM-Kampf hat mir deutlich vor Augen geführt wie altmodisch, ja spießig, ich doch bin. Ich gehe immer noch davon aus, dass man sich an einmal vereinbarte Regeln zu halten hat, es sei denn, sie werden für alle geändert. Erst gestern kaufte ich bei meinem Obsthändler ein Dutzend Tomaten, die im Angebot waren. Als er dann wirklich zwölf Früchte in die Tüte tat und nicht nur zehn oder noch weniger Tomaten, schossen mir Tränen der Rührung in die Augen, und ich verspürte den Drang, den untersetzten Mann in seinem nicht ganz sauberen Kittel zu umarmen. Offensichtlich hält sich mein Obsthändler an die Vereinbarung, dass ein Dutzend zwölf umfasst. Er geht nicht hin und verändert die Regel zu seinen Gunsten.
Ohne die ganze Geschichte mit dem 8-Runden WM-Kampf hätte ich niemals erfahren, wie wichtig mir die Einhaltung von Regeln ist.
Danke, Sturm Box-Promotion.
Danke, Women’s International Boxing Association.
Danke, Nadia Raoui.
Vielen Dank, Ryan Wissow.
Vielen Dank, Marc Stöckel.
© Uwe Betker

Gegendarstellung von Nadia Raouis Management

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1. Der Kampf war von vornherein auf acht Runden angesetzt. Dies wurde von
der WIBA genauso auch im Vorfeld sanktioniert.

2. Es existiert ein Kampfvertrag zwischen Sturm Boxpromotion und Nadia
sowie ihrer Gegnerin, in dem die acht Runden klar festgehalten wurden.
Dieser datiert auf den 01.01.2012

3. Somit wurde der Kampf auch nicht um zwei Runden reduziert. Ganz im
Gegenteil! Es war von vornherein klar, dass dieser acht Runden dauert. Somit
tut die Anwesenheit von Ryan Wissow (Präsident WIBA) am Ring auch nichts zur
Sache, da alles im Vorfeld besprochen war und alles ordnungsgemäß über die
Bühne gegangen ist.

4. Weder Sturm Boxpromotion noch die WIBA haben den WM-Fight von Nadia
Raoui beschnitten. Dies ist eine böswillige Unterstellung. Nadia wurde
diesbezüglich also auch nicht übel mitgespielt.

Einzig und allein ärgerlich an dem Abend war, dass auf der Fightcard wie
auch im Programmheft fälschlicherweise der Fight als 10-Runden-Kampf
aufgeführt war, was dann dazu führte, dass sowohl Ringsprecher, Ringrichter,
Judges und Pausengirls vor Ort falsch informiert wurden.

Written by betker

13. Februar 2012 at 23:59