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Hat da jemand Angst vor Nathan Cleverly?

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Wer erinnert sich nicht an den letzten Kampf von Nathan Cleverly gegen Karo Murat vom 18.09.2010 in Manchester? Cleverly (20 Kämpfe, 20 Sieg, 10 durch KO) sah einfach phantastisch aus. Er boxte schnell. Er boxte variabel. Er schlug hart – eine wahre Augenweide. Mit seinem TKO-Sieg über Murat, dem WM-Ausscheidungskampf der WBO im Halbschwergewicht, wurde er zum Pflichtherausforderer für den Weltmeister Jürgen Brähmer. Jürgen Brähmer (38 Kämpfe, 36 Siege, 29 durch KO, 2 Niederlagen), wir erinnern uns, wurde einst als Jahrhunderttalent tituliert, und nun spricht die Boulevardpresse von ihm nur noch als Knastboxer. Den Spitznamen Knastboxer errang er durch die Tatsache, dass seine Profikarriere von einem Gefängnisaufenthalt unterbrochen wurde und eine rechtskräftige Verurteilung zu einer weiteren Gefängnisstrafe erst unlängst erfolgte. Es geht um jenen Brähmer also, der 2009 nur deshalb um den vakanten WBO-Titel boxen konnte, weil der Veranstalter Klaus-Peter Kohl Zsolt Erdei dazu bewegte, den Titel aufzugeben und eine Gewichtsklasse höher zu boxen, weil Universum Box-Promotion unbedingt einen Titel für Brähmer haben wollte. Dabei ist noch nicht mal geklärt, ob Brähmer nicht schon bald wieder ins Gefängnis muss.
Boxfans in Deutschland hatten sich schon auf den Kampf Brähmer gegen Cleverly gefreut. Schließlich hatten sie gehofft, endlich wieder einmal einen Kampf von boxerischer Bedeutung von dem Deutschen sehen zu können. Nicht wenige seiner Gegner waren nämlich vom Matchmaker Mohamed Hedi Taouab so ausgewählt worden, dass der Sieger schon vorher feststand. Es gibt sogar böse Zungen, die behaupten, Brähmer würde gegen starke Gegner (Mario Veit 27.052006 und Hugo Hernan Garay 22.11.2008) immer verlieren. Für diese These spricht, dass Brähmer ja tatsächlich nicht aus eignener Kraft, d.h. durch einen Sieg über einen amtierenden Weltmeister, seinen Titel errang.
Dieser Kampf findet nun aber nicht statt. Stattdessen gibt es nun das Aufeinandertreffen von Cleverly und Alejandro Lakatos (38 Kämpfe, 31 Siege, 23 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). In Deutschland ist der 36-jährige Lakatos bekannt geworden durch seine Niederlagen gegen Zsolt Erdei (11.09.2004) und Dariusz Michalczewski (05.05.2001). In seinem dritten Anlauf hofft er nun offenbar, doch noch Weltmeister bei der WBO werden zu können. Der Kampf am 11. Dezember 2010 ist nämlich als Interims Weltmeisterschaft angesetzt.
Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass Brähmers Promoter Klaus-Peter Kohl Angst davor hat, einen seiner letzten Boxer – und dann noch einen mit einem Titel – gegen einen starken Mann antreten zu lassen. Dass der WBO Universum Box-Promotion nicht zu einer Pflichtverteidigung zwingt, ist der alten Verbundenheit zwischen den Beiden geschuldet. Wer erinnert sich nicht mit Grauen daran, dass Dariusz Michalczewski kaum Pflichtverteidigungen absolvieren musste. Die Veranstalter Klaus-Peter Kohl und Frank Warren haben die WBO ja erst zu einem anerkannten Weltverband gemacht – wodurch wir hier nun eine Pattsituation haben. Ob es je zu einem Brähmer-Cleverly-Kampf kommen wird, wird sich zeigen. Das hängt wohl vor allem davon ab, ob Kohl noch lange sein „Talent“ vor starken Boxern schützen will.
© Uwe Betker