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Head To Head: Jürgen Brähmer vs. Nathan Cleverly

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direkter_vergleich_braehmer_cleverly
(C) Team Sauerland

Written by betker

5. Oktober 2016 at 23:59

Boxen im Ballsaal

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Magdeburg ist der Sitz von Sport Events Steinforth, und daher war auch die Veranstaltung unter dem Titel „Schwere Jungs“ am 16.11.2012 in einem Ballsaal des Maritim Hotels in Magdeburg ein Heimspiel. Der Ballsaal war ein edler Rahmen für die wirklich gute Veranstaltung.
Im ersten Kampf bekam es Toni Thes (11 Kämpfe, 6 Siege, 3 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO) im Halbschwergewicht mit Freddy Lemmer (16 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO, 10 Niederlagen, 5 durch KO) zu tun. Eigentlich sollte ein junger und aufstrebender Boxer wie Thes kein Problem mit einem 42 Jahre alten Mann wie Lemmer haben. Aber Thes tat sich erstaunlich schwer. Dabei sah es in der ersten Runde so aus, als könnte sich der Mann aus Magdeburg seiner Aufgabe schnell entledigen. Er war ganz offensichtlich der bessere Boxer. Und dem Mann aus Bad Aussee in Österreich ist anzusehen, dass er von einer anderen Kampfsportart kommt. Aber immerhin hatte er seine letzten vier Kämpfe alle gewonnen. Immer wieder sah es so aus, als würde Lemmer gleich KO gehen. Bereits in der dritten Runde begann er schwer zu atmen und bekam einen Punktabzug wegen Haltens. Aber die folgende musste ich ihm auf meinen Punktzettel dann wieder geben. Thes fand gegen den Rechtsausleger einfach kein Rezept. Je länger der Kampf dauerte, umso mehr Sympathie bekam ich für Lemmer und hoffte, dass er es über die Runden schafft. Das tat er auch. Thes gewann des Sechsrunder einstimmig nach Punkten (60:53, 60:53 und 60:53).
In der gleichen Gewichtsklasse kämpfte Moritz Stahl (2 Kämpfe, 2 Siege, 2 durch KO) mit Josef Obeslo (9 Kämpfe, 1 Sieg, 7 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden). Der Magdeburger Stahl kam in den Kampf, um ihn durch KO zu gewinnen. Ungestüm ging er nach vorne. Am Anfang der dritten Runde kam er mit einer linken Graden zum Kopf durch und Obeslo ging runter. Nach dem Anzählen stellte er sich erneut zum Kampf. Zwei rechte Graden zum Kopf ließen ihn in die Seile fallen. Hier nun ging Ringrichter Oliver Brien schützend dazwischen. TKO nach 1:42.
Der Düsseldorfer Schwergewichtler Markus Tomala (11 Kämpfe, 9 Siege, 4 durch KO, 2 Niederlagen) zeigte gegen Istvan Ruzsinsky (11 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO, 4 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) eine beeindruckende Leistung. Nach einigen wenigen Aktionen hatte er seinen ungarischen Gegner in die Defensive gedrängt. Tief abgeduckt sich hinter seiner Doppeldeckung versteckend versuchte Ruzsinsky sich heran zuschieben. Tomala schlug eine Rechte zur Schläfe, die seinen Gegner auf die Knie zwang, wo er angezählt wurde. Diese Rechte war sensationell. Es ist eine Ewigkeit her, dass ich solch einen Schlag in einem deutschen Ring gesehen habe. Der Rest war reine Formsache. Vier Rechte zu Körper und Kopf zwangen den Ungarn zum Abdrehen. Der Ringrichter ging dazwischen und bewahrte ihn vor einem schweren KO. TKO nach 1:14.
Der vierte Kampf machte qualitativ da weiter, wo der vorherige aufgehört hatte. Im Halbschwergewicht boxten Dominic Bösel (9 Kämpfe, 9 Siege, 3 durch KO) gegen Zoltan Kiss Jr. (38, Kämpfe, 24 Siege, 8 durch KO, 11 Niederlagen, 10 durch KO, 3 Unentschieden) – eine ziemlich mutige Ansetzung. Immerhin ist Kiss ungarischer Meister und er besitzt einen eindeutig positiven Kampfrekord. Bösel wurde von vielen lautstarken Fans angefeuert. Bereits Mitte der ersten Runde hatte er seinen Gegner nahe am KO; nach einem schönen Leberhaken ging er auf die Knie. Jedoch schaffte er es, sich noch in die dritte Runde zu retten. Bösel, der ohne Hast arbeitete, beeindruckte besonders durch die Präzision seiner Schläge. Ende der dritten Runde kam er mit harten Links-Rechts-Kombinationen zum Kopf durch, die Kiss fast über die Seile schickten. Der Ringrichter verhinderte durch sein Einschreiten, dass er aus dem Ring geschlagen wurde. TKO nach 2:55.
Der folgende Kampf war der schlechteste des Abends. Dennis Ronert (13 Kämpfe, 13 Siege, 10 durch KO) boxte gegen Tamas Bayzath (7 Kämpfe, 4 Siege, 3 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden). Dieser Kampf entwickelte sich nämlich schnell zu einer Keilerei, und leider noch einer ziemlich langweiligen. Absolut unverständlich war mir, warum beide Boxer ganz auf die Führhandarbeit verzichteten und sich auf Schwinger auf die Deckung beschränkten. Ronert gewann schließlich den Sechsrunder einstimmig nach Punkten (59:56, 58:56, 58:55). Das sehr sachkundige Publikum verabschiedete den Ungarn Bayzath danach mit fast so viel Applaus wie Ronert.
So lang der Vorgängerkampf war, so kurz war der nachfolgende Kampf. Francesco Pianeta (29 Kämpfe, 28 Siege, 15 durch KO, 1 Unentschieden) bekam es im Schwergewicht mit Nelson Dario Dominguez (17 Kämpfe, 14 Siege, 7 durch KO, 2 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) zu tun. Der Argentinier versuchte vor allem mit Schwingern, Halten und Beschwerden über vermeintlich illegale Schläge auf den Hinterkopf zu seinem Ziel zu kommen. Bevor der Kampf erst richtig angefangen hatte, schlug bei ihm dann aber eine linke Gerade zum Kopf ein, die ihn fällte. Auf dem Boden, an den Seilen sitzend, machte er keine Anstalten noch einmal aufzustehen, worauf der Ringrichter den Kampf abbrach. Es sah so aus, als ob Dominguez keine Lust mehr gehabt hätte und nun, nachdem er zuerst den Clown gegeben hatte, auch noch den Spielverderber machen würde. Der Eindruck aber trog, denn er hatte sich einen Knochen an der rechten Augenhöhle gebrochen. TKO nach 2:31.
Den Hauptkampf des wirklich guten Kampabends bestritt Robin Krasniqi (31 Kämpfe, 28 Siege, 15 durch KO, 2 Niederlagen). Diesen Kampf kann man als so etwas wie einen Aufwärmkampf bezeichnen, denn Krasniqi ist ja der Pflichtherausforderer des Weltmeisters der WBO Nathan Cleverly (25 Kämpfe, 25 Siege, 12 durch KO) – und dieser Kampf soll nun bald stattfinden. Max Heyman (41 Kämpfe, 25 Siege, 14 durch KO, 12 Niederlagen 6 durch KO, 4 Unentschieden) hatte kein Mittel gegen den aggressiv nach vorne gehenden Krasniqi. Ende der ersten Runde stellte der WBO-International-Titelverteidiger Krasniqi seinen Gegner in einer Ecke. Nach mehreren Treffern ging dieser dann mit dem Knie runter und wurde von WBO Ringrichter Manfred Küchler, der, wenn ich recht informiert bin, noch immer vom BDB (Bund Deutscher Berufsboxer) gesperrt ist, angezählt.
In der dritten Runde stellte Krasniqi ihn erneut in einer Ecke und ließ ihn nicht mehr raus. Mehrere harte Rechte trafen ihr Ziel. Heyman ging zu Boden und wurde angezählt. Ringrichter Küchler gab, obwohl Heyman rechtzeitig wieder stand und auch klar und kampfbereit schien, den Kampf nicht wieder frei. Für mich kam der Abbruch zu früh. Jedoch gab es keinen Zweifel daran, dass Heyman KO gegangen wäre.TKO nach 2:45.
Magdeburg ist definitiv eine Reise wert, um dort Boxen zu gucken. – Eigentlich hätte neben mir ein Redakteur der Zeitschrift BoxSport sitzen sollen. Der Sitz blieb aber leer. Da bin ich gespannt, was der BoxSport über die Veranstaltung zu berichten weiß.
© Uwe Betker

Zur Kampfabsage von Jürgen Brähmer

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Jürgen Brähmer boxt nicht am 21.05.2011 gegen den Interimsweltmeister der WBO im Halbschwergewicht, Nathan Cleverly (21 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO). Damit ist Brähmer nun seinen WM-Titel nach mehr als einem Jahr Inaktivität endgültig los. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass er seinen Titel kampflos gewonnen und jetzt auch verloren hat, durch Entscheidungen der WBO. Brähmer soll sich entweder beim Sparring oder beim Abtrocknen mit einem Handtuch eine alte Narbe am Augenlid wieder aufgerissen haben.
Um diese Kampfabsage herum gibt es einige Ungereimtheiten. BILD.de berichtete über die Verletzung am Mittwoch, dem 18.05.2011, also drei Tage vor dem Kampf. Irgendwie verwirrt mich der Zeitpunkt. Soweit ich weiß, gibt es doch in der Woche unmittelbar vor dem Kampf gar kein Sparring mehr.
Dann konnte man vom Veranstalter Frank Warren hören, dass Brähmer am Dienstag in Großbritannien ankommen sollte. Warren soll einen Anruf erhalten haben, in dem mitgeteilt wurde, Brähmer hätte den Flug verpasst. Auch am nächsten Tag kam Brähmer nicht. Warren soll dann aus dem Internet von Brähmers Verletzung erfahren haben. Angeblich soll Universum bereits am Dienstagmorgen das Hotel storniert haben.
Es ist natürlich möglich, dass Frank Warren sich geirrt hat, oder er will womöglich dem angeschlagenen Mitbewerber Universum Box-Promotion schaden. Es kann aber auch sein, dass der hamburger Veranstalter ein Verhalten zeigte, das man nicht von einem hamburger Kaufmann erwarten möchte.
© Uwe Betker

Jürgen Brähmer als Pay-per-View

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Endlich ist es soweit. Der amtierende Weltmeister der WBO im Halbschwergewicht Jürgen Brähmer kämpft am 21.05.2011 in der Londoner O2-Arena gegen Interimsweltmeister Nathan Cleverly (21 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO). Endlich, weil die juristischen Probleme Brähmer daran gehindert hatten zu boxen. Er wird sogar in der unabhängigen Weltrangliste nicht mehr geführt, weil er über ein Jahr lang nicht geboxt hat.
Brähmer ist einer der letzten 12 Boxer, die laut Webauftritt noch bei Universum Box-Promotion unter Vertrag sind. Er wurde erst als Jahrhunderttalent und später als Knastboxer tituliert. Der Rechtsausleger ist ohne Zweifel ein Riesentalent mit einem harten Punch. Eine KO-Quote von 76,32 % spricht für sich. Aber seine inkonsistenten Leistungen gaben immer wieder auch der Kritik Nahrung. Eine erneute Niederlage könnte für den 32-jährigen das Karriereende bedeuten.
Der in Großbritannien sehr populäre Cleverly gewann am 18.09.2010 beeindruckend durch TKO in Runde 10 den Ausscheidungskampf für die WM gegen Karo Murat, der für Sauerland Event boxt. Eigentlich hätte er hiernach bereits gegen Brähmer boxen sollen, aber stattdessen bekam er am 11.12.2010 nur einen Interims WM-Kampf gegen Nadjib Mohammedi, den er nach Punkten gewann. Er ist die Nummer 5 der unabhängigen Weltrangliste. Der Kampf Brähmer gegen Cleverly verspricht interessant zu werden.
Universum Box-Promotion, die keinen Fernsehvertrag mehr hat, geht mit diesem Kampf neue Wege der Vermarktung von Boxen. Das Internetportal BILD.de überträgt exklusiv diesen Kampf, und zwar als Pay-per-View. Es bleibt abzuwarten, ob das Pay-per-View für Boxkämpfe, wie es sich in den angloamerikanischen Ländern schon lange durchgesetzt hat, in Deutschland angenommen wird. Die Preise sind mit 2,99 bzw. 3,99 Euro schließlich noch recht moderat.
© Uwe Betker

Mülheimer Nachlese (1)

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Die Veranstaltung von Sauerland Event vom 12.02.2011 in Mülheim an der Ruhr ist vorbei. Die Kommentare im Fernsehen sind gesprochen, die Berichte für die Internetseiten sind gepostet und die Journalisten von den Tageszeitungen haben ihre Berichte und Analysen den Redaktionen geschickt. Mit ein wenig zeitlichem Abstand können wir uns nun einer näheren Betrachtung widmen.

1. Kampf im Halbschwergewicht über 4 Runden: Valerijs Rogozins (Lettland) vs. Erik Skoglund (Schweden): Sieger Skoglund durch technischen KO in der ersten Runde
Der Kampf war schon zu Ende, bevor er überhaupt richtig angefangen hatte. Erik Skoglund (jetzt 5 Kämpfe, 5 Siege, 3 durch KO) soll aufgebaut werden. Alles lief nach Plan. Der komplett überforderte Rogozins (jetzt 5 Kämpfe, 1 Sieg, 4 Niederlagen, 3 durch KO), von dem man schon den Eindruck bekommen konnte, dass er überhaupt nicht boxen kann, ging erwartungsgemäß auf die Bretter. Skoglunds Ego und Kampfrekord wurde aufgebaut. Das war ja auch Sinn und Zweck dieser sportlichen Übung. Solche Sieger sind nicht immer schön mit anzusehen, aber sie sind absolut legitim und auch wichtig am Anfang einer Karriere.
2. Kampf im Schwergewicht über 8 Runden: Samir Kurtagic (Serbien) vs. Francesco Pianeta (Deutschland): Sieger Pianeta (einstimmig) nach Punkten
Diese Begegnung war ein ziemliches Gewürge. Samir Kurtagic (jetzt 11 Kämpfe, 9 Siege, 7 durch KO, 2 Niederlagen) entpuppte sich als zäher Bursche, der der Schwergwichtshoffnung aus Gelsenkirchen Francesco Pianeta (jetzt 23 Kämpfe, 22 Siege, 13 durch KO, 1 Unentschieden) das Leben schwer machte. Der Serbe boxte sehr offen oder zum Teil ohne Deckung. Pianeta wirkte auf mich uninspiriert und zum Teil sogar hilflos. Hinzu kommt, dass einfach nicht zu übersehen ist, dass er keinen Punch hat. Es war, obwohl ein unattraktiver Kampf, interessant. Interessant war nämlich, welch große Schwierigkeiten die Nummer 13 mit der Nummer 385 in der Welt hatte.
3. Kampf im Halbschwergewicht über 8 Runden: Christian Cruz (USA) vs. Karo Murat (Deutschland): Sieger Murat (einstimmig) nach Punkten
Karo Murat (jetzt 24 Kämpfe, 23 Siege, 13 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) soll nach seiner Niederlage in dem WBO Eliminator gegen Nathan Cleverly (18.09.2010) wieder aufgebaut werden. Daher setzte man ihm hier mit Christian Cruz (jetzt 25 Kämpfe, 12 Siege, 10 durch KO, 11 Niederlagen, 5 durch KO, 1 Unentschieden) auch einen Aufbaugegner vor. Mir gefiel Murats Arbeit mit der Führhand, sein systematisches Arbeiten und seine Kombinationen. Mir drängte sich im Verlauf des Kampfes der Eindruck auf, als ob Murat über die Distanz gehen wollte. Erst im letzten Durchgang versuchte er sein Gegenüber vorzeitig zu besiegen. In den vorangegangenen Runden hatte es dafür allerdings auch schon Möglichkeiten gegeben.
4. Kampf im Halbschwergewicht über 8 Runden: Oleksandr Cherviak (Ukraine) vs. Eduard Gutknecht (Deutschland): Sieger Gutknecht (einstimmig) nach Punkten
Für mich war der Kampf von Eduard Gutknecht (jetzt 21 Kämpfe, 20 Siege, 7 durch KO, 1 Niederlage) die Enttäuschung des Abends. In seinem ersten Auftritt für Sauerland Event gegen Oleksandr Cherviak (jetzt 11 Kämpfe, 9 Siege, 1 durch KO, 2 Niederlagen) überzeugte er mich überhaupt nicht. Offensichtlich ist ihm der Wechsel von Veranstalter und Trainer doch nicht ganz so reibungslos verlaufen, wie er uns glauben machen will. Wie soll ich es mir denn sonst erklären, dass bei einem solch erfahrenen Boxer mehrfach beim Nachsetzen Schrittfehler zu sehen waren, die man sonst eher nur bei Anfängern sieht. Ich muss gestehen, der Kampf hat mich gelangweilt.
An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich den Ringrichter Ingo Barrabas loben. Er hat immer wieder am Abend eine absolut souveräne Leistung gezeigt. Besonders positiv fiel mir auf, dass er mehrfach Kämpfe zu Recht weiter laufen ließ, die andere seiner Kollegen abgebrochen hätten, um dem Heimboxer einen vorzeitigen Sieg zuzuschanzen. Respekt!
© Uwe Betker

Kämpfe die nicht stattfinden

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Der TV-lose Veranstalter von Profiboxkämpfen Universum Box-Promotion ist vom Pech verfolgt. Hier eine kleine Chronik: Erst behandelte der Schwergewichts-Europameister Alexander Dimitrenko (31 Kämpfe, 30 Siege, 20 durch KO, 1 Niederlage) eine Durchfallserkrankung nicht. Dann verheimlichte er sie vor seinem Team. Schließlich brach er am 04.12.2010 vor seinem Kampf gegen Albert Sosnowski (50 Kämpfe, 46 Siege, 28 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO, 1 Unentschieden) in der Kabine in Schwerin zusammen. Danach gab es dann eine Pressekonferenz, in der Dimitrenko erklärte: „Ich wollte einfach nicht als Weichei dastehen.“
Der WBO-Weltmeister im Halbschwergewicht Jürgen Brähmer (38 Kämpfe, 36 Siege, davon 29 durch KO und 2 Niederlagen) wollte lieber seinen eigenen Titel mit dem des WBA-Weltmeister Beibut Shumenov (11 Kämpfe, 10 Siege, davon 6 durch KO und 1 Niederlage) vereinigen als gegen den Ausnahmeboxer und Pflichtherausforderer Nathan Cleverly (21 Kämpfe, 21 Sieg, 10 durch KO) kämpfen. Dafür flog Brähmer, der als „Jahrhunderttalent“ oder auch als „Knastboxer“ bezeichnet wird, nach Kasachstan, wo er am 08.01.2011 boxen sollte. Dort bekam er starken Durchfall mit Erbrechen. Das letzte, das über die PR-Abteilung des Veranstalters zu hören war, ist, dass er sich in der Asklepios Klinik in Hamburg befindet.
Susianna Kentikian (27 Kämpfe, 27 Siege, 16 durch KO), die Weltmeisterin nach Version WIBF, WBA und WBO im Fliegengewicht, sollte am 29. Januar 2011 in Hamburg gegen die Minimumgewichtlerin Teeraporn Pannimit (18 Kämpfe, 13 Siege, 5 durch KO, 3 Niederlagen) antreten. Sie sollte also gegen eine Gegnerin, die zwei Gewichtsklassen unter ihrer boxt, kämpfen – mit den bekannten Vorteilen für Frau Kentikian und den entsprechenden Nachteilen für Pannimit. Dieser Kampf ist wohl auch abgesagt. Jedenfalls ist er aus den einschlägigen Listen verschwunden. Leider hat der hamburger Veranstalter noch nicht mitgeteilt, ob wieder eine Durchfallerkrankung oder ein anderer Grund zu dieser Stornierung führte.
Ein Nachtrag zu Frau Kentikian: Sie fand im letzten Jahr genug Zeit, ein Buch zu schreiben. In ihm berichtet die selbsternannte „Killer Queen“ in ihren eigenen Worten über ihr nunmehr 23-jähriges Leben und ihre Träume. Ihre Autobiographie mit dem viel versprechenden Titel „Mir wird nichts geschenkt!“ erscheint im März 2011.
Wobei, wenn ich ihre Boxkämpfe so Revue passieren lasse …
© Uwe Betker

Hat da jemand Angst vor Nathan Cleverly?

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Wer erinnert sich nicht an den letzten Kampf von Nathan Cleverly gegen Karo Murat vom 18.09.2010 in Manchester? Cleverly (20 Kämpfe, 20 Sieg, 10 durch KO) sah einfach phantastisch aus. Er boxte schnell. Er boxte variabel. Er schlug hart – eine wahre Augenweide. Mit seinem TKO-Sieg über Murat, dem WM-Ausscheidungskampf der WBO im Halbschwergewicht, wurde er zum Pflichtherausforderer für den Weltmeister Jürgen Brähmer. Jürgen Brähmer (38 Kämpfe, 36 Siege, 29 durch KO, 2 Niederlagen), wir erinnern uns, wurde einst als Jahrhunderttalent tituliert, und nun spricht die Boulevardpresse von ihm nur noch als Knastboxer. Den Spitznamen Knastboxer errang er durch die Tatsache, dass seine Profikarriere von einem Gefängnisaufenthalt unterbrochen wurde und eine rechtskräftige Verurteilung zu einer weiteren Gefängnisstrafe erst unlängst erfolgte. Es geht um jenen Brähmer also, der 2009 nur deshalb um den vakanten WBO-Titel boxen konnte, weil der Veranstalter Klaus-Peter Kohl Zsolt Erdei dazu bewegte, den Titel aufzugeben und eine Gewichtsklasse höher zu boxen, weil Universum Box-Promotion unbedingt einen Titel für Brähmer haben wollte. Dabei ist noch nicht mal geklärt, ob Brähmer nicht schon bald wieder ins Gefängnis muss.
Boxfans in Deutschland hatten sich schon auf den Kampf Brähmer gegen Cleverly gefreut. Schließlich hatten sie gehofft, endlich wieder einmal einen Kampf von boxerischer Bedeutung von dem Deutschen sehen zu können. Nicht wenige seiner Gegner waren nämlich vom Matchmaker Mohamed Hedi Taouab so ausgewählt worden, dass der Sieger schon vorher feststand. Es gibt sogar böse Zungen, die behaupten, Brähmer würde gegen starke Gegner (Mario Veit 27.052006 und Hugo Hernan Garay 22.11.2008) immer verlieren. Für diese These spricht, dass Brähmer ja tatsächlich nicht aus eignener Kraft, d.h. durch einen Sieg über einen amtierenden Weltmeister, seinen Titel errang.
Dieser Kampf findet nun aber nicht statt. Stattdessen gibt es nun das Aufeinandertreffen von Cleverly und Alejandro Lakatos (38 Kämpfe, 31 Siege, 23 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden). In Deutschland ist der 36-jährige Lakatos bekannt geworden durch seine Niederlagen gegen Zsolt Erdei (11.09.2004) und Dariusz Michalczewski (05.05.2001). In seinem dritten Anlauf hofft er nun offenbar, doch noch Weltmeister bei der WBO werden zu können. Der Kampf am 11. Dezember 2010 ist nämlich als Interims Weltmeisterschaft angesetzt.
Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass Brähmers Promoter Klaus-Peter Kohl Angst davor hat, einen seiner letzten Boxer – und dann noch einen mit einem Titel – gegen einen starken Mann antreten zu lassen. Dass der WBO Universum Box-Promotion nicht zu einer Pflichtverteidigung zwingt, ist der alten Verbundenheit zwischen den Beiden geschuldet. Wer erinnert sich nicht mit Grauen daran, dass Dariusz Michalczewski kaum Pflichtverteidigungen absolvieren musste. Die Veranstalter Klaus-Peter Kohl und Frank Warren haben die WBO ja erst zu einem anerkannten Weltverband gemacht – wodurch wir hier nun eine Pattsituation haben. Ob es je zu einem Brähmer-Cleverly-Kampf kommen wird, wird sich zeigen. Das hängt wohl vor allem davon ab, ob Kohl noch lange sein „Talent“ vor starken Boxern schützen will.
© Uwe Betker