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Posts Tagged ‘Nicolai Firtha

Der zaghafte Zar ist die Nummer 2

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Alexander Povetkin (21 Kämpfe, 21 Siege, 15 durch KO), unser zaghafter Zar, sah in seinen letzten Kämpfen alles andere als überzeugend und dominant aus. Wir erinnern uns: Nach seinem letzten, mäßigen Kampf in Berlin am 18.12.2010 gegen Nicolai Firtha kanzelte sein Veranstalter Wilfried Sauerland ihn öffentlich im Fernsehen ab und kritisierte seine Trainerwahl und seine boxerische Entwicklung.
Nach dem Kampf gegen Firtha wurde bekannt, dass Povetkin sich im ersten Drittel die Schlaghand verletzt hatte. Gleichwohl steht die Kritik im Raum, dass Povetkin sich unter seinem neuen Trainer Teddy Atlas boxerisch nicht weiter sondern zurück entwickelt hat.
Trotzdem wurde Povetkin unlängst vom Weltverband WBA auf Platz 2 der Rangliste im Schwergewicht gesetzt. Im Dezember noch war Ruslan Chagaev (29, Kämpfe, 27 Siege, 17 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO, 1 Unentschieden) auf 1, Dennis Boytsov (28 Kämpfe, 28 Siege, 23 durch KO) auf 2 und Alexander Povetkin auf 3 gesetzt. In der Rangliste vom Januar tauschten Boytsov und Povetkin die Plätze – auf den ersten Blick eine unverständliche Entscheidung. Hier könnte man sehr gut hineininterpretieren, dass Povetkin nur darum so hoch eingestuft wurde, weil der Weltmeister der WBA, David Haye (26, Kämpfe, 25 Siege, 23 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO), mit Povetkins Promoter Sauerland Event geschäftliche Beziehungen unterhält.
Natürlich versucht sich Sauerland Event in eine günstige Ausgangsposition zu bringen für den Fall, dass der Klitschko-Haye-Kampf platzen sollte – was ich persönlich für sehr wahrscheinlich halte. Ein Aufeinandertreffen von Haye und Povetkin könnte auch tatsächlich sehr interessant werden. Beide sind wohl eher als Cruiser- denn als Schwergewichtler anzusehen. Es könnte also ein guter Kampf werden, sofern der zaghafte Zar Mut zeigen, sich bei der Vorbereitung nicht verletzen sollte und, wenn sein Trainer ihn denn lässt.
Die gleichzeitige Heraufstufung von Povetkin und Herabstufung von Boytsov ist auch durchaus vertretbar. Povetkin war nämlich noch im Dezember aktiv, und zwar gegen einen Gegner, der in der Rangliste im 60er Bereich anzutreffen ist. Boytsov dagegen boxte zuletzt im November (19.11.2010) gegen Mike Sheppard, der heute auf 148 steht. Dementsprechend ist der Positionswechsel der Beiden zu rechtfertigen.
© Uwe Betker

Quo vadis Sauerland Event? (2)

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Der berliner Veranstalter von Profiboxveranstaltungen Sauerland Event ist wohl in ein gefährliches Fahrwasser gekommen. Weltmeister behalten ihre Titel unter dubiosen Umständen. Der Veranstalter sitzt den Unmut der Zuschauer aus, wohl hoffend, dass sich der Zorn verflüchtigt und ihre so noch einmal davon gekommenen Weltmeister gegen schwächere Gegner besser aussehen. Offensichtlich sind sie ängstlich darauf bedacht, keinem Gegner, der durch eine umstrittene Punktentscheidung verlor, einen Rückkampf zu gewähren. Zu groß ist ist wohl konkret nun ihre Angst, ihre beiden technisch doch eher limitierten Weltmeister, Muamer Hukic alias Marco Huck und Sebastian Sylvester, zu verlieren. Immerhin sind sie ja Weltmeister und damit Hauptkämpfer. Dem Profit wird hier wohl die Glaubwürdigkeit geopfert.
Um Glaubwürdigkeit geht es in meinen Augen auch bei der Auswahl der Gegner für die freiwilligen Titelverteidigungen. Auch hier sehe ich Erosionserscheinungen. Zum einen gibt es das „Sorgenkind“ Alexander Wladimirowitsch Povetkin, den Zaghaften Zar, der zwar immer noch als möglicher Gegner von Wladimir Klitschko gehandelt wird, dem aber immer, wenn ein solcher Kampf bevorsteht, etwas dazwischen kommt. Beim ersten Mal war es eine Verletzung, die er sich in den Tiefen der russischen Wäldern zugezogen hatte und beim zweiten Mal die Bedenken sein neuer Trainer Teddy Atlas in dem Dschungel von New York. Stattdessen boxte er dann Gegner aus der fünften oder sechsten Reihe. Da gab es zuerst ein „El Monstruo“ Javier Mora (29 Kämpfe, 22 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), dann kam ein „African Prince“, Teke Oruh (16 Kämpfe, 14 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen), und danach „Stone Man“ Nicolai Firtha (27 Kämpfe, 19 Sieg, 8 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden).
Povetkin hat sich unter seinem neuen Trainer wohl nicht weiter-, sondern eher zurückentwickelt, was auch Wilfried Sauerland zuletzt vor laufenden Kameras verkündete. An dieser Stelle kann man sich nun auch fragen, warum solche Aufbaukämpfe ohne Bedeutung, ohne Spannung und – was am schlimmsten ist – auch ohne Unterhaltungswert zum Teil von der ARD gezeigt werden. Mich persönlich beschleicht da schon das Gefühl, dass hier auf zweierlei Weise für die Zuschauer Potemkinsche Dörfer aufgebaut werden. Zum einen soll uns hier wohl ein Boxer, der, so wie es aussieht, vermutlich nie ein würdiger Herausforderer für einen WM-Kampf im Schwergewicht werden wird, jedenfalls nicht solange Boxer von der Klasse der Klitschkos Titelträger sind, als große russische Schwergewichtshoffnung verkauft werden. Zum anderen werden uns da offenbar schwache Aufbaugegner als starke Schwergewichtsprüfungen verkauft.
Die Qualität der Gegner von Sebastian Sylvester wird, wie mir scheint, konsequent gesenkt. Zuerst boxte er in diesem Jahr gegen einen schwachen Billy Lyell (28 Kämpfe, 21 Sieg, 4 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO). Danach kam die Geschichte mit der Korrektur des Punktzettels, gegen Roman Karmazin (05.06.2010), so dass gerade noch ein Unentschieden erreichte wurde. Hernach gab man ihm mit Mahir Oral (30.10.2010) einen Gegner, den man als Gegner nach einem schweren Kampf gerade mal so durchgehen lassen kann. Der nächste Gegner Mehdi Bouadla (24 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO, 3 Niederlagen) senkt das Niveau noch einmal erheblich. Der Franzose ist lediglich die Nummer 50 der unabhängigen Weltrangliste.
Beschämend grotesk war für mich auch die letzte Kampfansetzung von der Weltmeisterin im Weltergewicht nach Version WBA, WBC und WBO Cecilia Braekhus. Sie boxte doch tatsächlich Eva Halasi, die in der unabhängigen Weltrangliste zwar auf Position 30 geführt wurde und für ihre bisherigen Kämpfe aber sage und schreibe 0 Punkte bekommen hatte, als genauso viele, wie sie auch die Letzte der Rangliste hat.
Die Kampfpaarungen wachsen sich m. E. mehr und mehr zu einem Problem aus. Mir drängt sich der Verdacht auf, Sauerland Event könnte in einen Teufelskreis gefangen sein. Ihre technisch limitierten Weltmeister Hukic und Sylvester sehen in ihren Pflichtverteidigungen schlecht aus. Sie gewinnen aber unter dubiosen Umständen. Rückkämpfe werden, weil zu gefährlich, nicht gewährt. Stattdessen werden immer unwürdigere Gegner für die freiwilligen Titelverteidigungen gefunden. Hinzu kommt bei ihrer weiblichen Weltmeisterin die Schwierigkeit, überhaupt gute Gegnerinnen zu finden, die ihrer „First Lady“ gleichzeitig aber nicht gefährlich werden können.
Die Stärke von Sauerland Event war es einmal, dass sie bei den Paarungen besser waren als Universum Box-Promotion. Das Matchmaking von Universum war „berühmt“. Wie formulierte es einst doch noch Darius Michalczewski, als er gefragt wurde, wer sein nächster Gegner sein sollte: „Irgendein Kater Carlo.“ Dem setzte Sauerland Event früher Qualität entgegen. Heute scheinen sie jedoch nur noch auf Sicherung des Erreichten zu setzen. Damit setzt sie sich aber womöglich der Gefahr aus, genau so zu enden wie der Boxstall von Klaus-Peter Kohl.
© Uwe Betker