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Nachdenken über Hagen Döring

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Erst war es nur ein Gerücht, und dann kam am 10. Juli sehr schnell die Bestätigung, dass Hagen Döring nicht mehr Mitarbeiter von Sauerland Event ist. „Sauerland Event bestätigt die Trennung von Hagen Döring!“, so die Stellungsname des ehemaligen Arbeitgebers. Angeblich musste er kurzfristig seinen Schreibtisch räumen und sein Mobiltelefon abgeben. Auch von einem Hausverbot ist die Rede. Sein Gehalt bekommt er angeblich bis zum Ende des Jahres weiter bezahlt. Man kann davon ausgehen, dass die Entlassung wohl nicht direkt im Zusammenhang steht mit dem Niedergang und dem drohenden Verlust des TV Vertrags von Sauerland. Wäre das der Fall, so würde man Döring doch bis zum Ende des Jahres für sein Gehalt auch arbeiten lassen. Offensichtlich gibt es andere Gründe für seinen Rauswurf.
Döring kam zum 01.08.2002 zu Sauerland. Er sollte Jean-Marcel Nartz ersetzen. Er war Amateurboxer und wurde Deutscher Meister der Junioren und Vizemeister bei den Senioren. Nach seinem Jurastudium war er Referent von Norbert Blüm, dem ehemaligen Bundesarbeitsminister. Wilfried Sauerland sagte damals über ihn: „Ich schätze die menschliche und fachliche Seite von Hagen Döring sowie seine Liebe zum Boxsport.“
Wieso also wird dem fachlich und menschlich so geschätzten Mitarbeiter nun der Stuhl vor die Türe gestellt? Sauerland und Döring halten sich bedeckt: Wenn man aber diejenigen, die doch gewöhnlich immer gut informiert sind, fragt, dann fällt immer wieder ein Name: Zastrow. Die Gebrüder Zastrow schicken sich nun an, offiziell ins Boxgeschäft einzusteigen. Ihre beiden besten Boxer dürften der Junior Weltergewichtler Timo Schwarzkopf (14 Kämpfe, 14 Siege, 8 durch KO) und der Schwergewichtler Erkan Teper (13 Kämpfe, 13 Siege, 9 durch KO) sein. Hinzu kommen noch einige Nachwuchsboxer.
Sollte an diesem Zusammenhang etwas dran sein, dann würde das allerdings kein sonderlich gutes Licht auf Döring werfen. Davon kann auch nicht ablenken, dass die Lichtgestalt des deutschen Boxens, Henry Maske, ihn tatkräftig unterstützt. Döring war schließlich unter Vertrag bei Sauerland Event und es steht zu vermuten, dass in seinem Vertrag auch drinsteht, dass er nicht für andere Veranstalter tätig sein darf. Somit hätte er mutwillig seinen Vertrag gebrochen und seinen Arbeitgeber Sauerland betrogen. – Aber wie schon gesagt, wenn die Gerüchte denn richtig sind.
Es wird auch betont, dass Herr Döring erst mit Z! Promotion zusammenarbeitet, seit er die interne Kündigung erhalten hat. Dann wäre natürlich interessant zu wissen, wann diese Kündigung nun erfolgt ist. Seit Mitte letzten Jahres war nämlich kursierte das Gerücht über die Tätigkeit von Döring für Zastrow. Immer wieder wurde er vor dem Beginn von Zastrow Veranstaltungen gesichtet. Einige Kollegen hat er gebeten, das nicht zu veröffentlichen, mit dem Hinweis, er sei privat da oder er habe nur jemandem einen Gefallen getan usw.
Ob sein Vertragsbruch – oder kann man sagen, sein Hintergehen von Sauerland Event? -, so er denn stattgefunden hat, juristisch zu beweisen ist, ist vermutlich eher unwahrscheinlich. Auch vor Schadenersatzforderungen dürfte er somit sicher sein. Eigentlich müsste er sogar noch regelmäßig bei Sauerland Event vorbei gehen, denn er ist immer noch Vorstand der Boxabteilung von Hertha BSC.
Von der anderen Seite aus gesehen, macht es für die Gebrüder Zastrow durchaus Sinn, sich gerade Hagen Döring ins Boot zu holen. Er ist schließlich ein erfahrener Matchmaker mit exzellenten Kontakten auf der ganzen Welt.
Man könnte aber natürlich auch hingehen und Döring für den Niedergang von Sauerland Event persönlich verantwortlich machen. Schließlich war er der Matchmaker und damit ist er verantwortlich für Kampfpaarungen, die keiner sehen wollte. Er war es auch, der immer dieselben devoten und willfährigen Punkt- und Ringrichter eingeladen hat, die dann dafür sorgten, dass die Sauerland Boxer auch solche Kämpfe gewannen, die sie verloren hatten. Damit aber wurde die Glaubwürdigkeit des Boxens nachhaltig beschädigt. Folgt man dieser Argumentation, so ist er tatsächlich persönlich der Hauptverantwortliche für den Verlust des TV Vertrags mit der ARD.
Auf jeden Fall gehe ich davon aus, dass Hagen Döring schon bald wieder an deutschen Boxringen zu sehen sein wird. Und dann wird er wohl nicht erklären, er sei eigentlich gar nicht da, er sei hier nur ganz privat oder wolle nur jemandem einen Gefallen tun. Vermutlich wird er dann auch nicht darum bitten, dies nicht zu verbreiten. Es wird sich zeigen, ob dann Henry Maske und die Gebrüder Z an seiner Seite sein werden.
© Uwe Betker

Fünf Scheiben Mitleid für den BDB

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Man könnte jetzt einen Klagegesang über den Niedergang und der Selbstzerstörung des BDBs verfallen. Aber vielleicht ist es besser, dem Bund Deutscher Berufsboxer einfach ein paar dicke Scheiben Mitleid zu schenken.
Der BDB bekommt von mir die erste dicke Scheibe Mitleid dafür, dass sie überfordert sind. Der BDB muss Woche für Woche dutzende Veranstaltungen in Deutschland sanktionieren. Vermutlich muss Herr Pütz jeden Freitag und jeden Samstag, in seiner Funktion als Präsident des BDBs, irgendwelche Boxer zum Ring begleiten, damit sie sich nicht verirren. Wenn so viele Boxkämpfe sanktioniert werden müssen, passieren schon einmal Fehler.
Ein zweite Scheibe Mitleid bekommt der BDB von mir dafür, dass es schon extrem schwer ist angemessen auf Doping zu reagieren. Ist es eine BDB Boxer der Übeltäter, kann man wohl eine Sperre schon einmal vergessen. Ist der Übeltäter ein Boxer, der einen BDB Boxer besiegt hat, muss man wohl erste sich an die Presse wenden, bevor weiter Schritte einleitet. Jeder Schritt muss wohl bedacht sein!
Eine dritte Scheibe Mitleid bekommt der BDB dafür, dass es unglaublich schwer ist den Überblick zu behalten, wer vom BDB und von der EBU gesperrt ist. Will man kontrollieren, wer von der European Boxing Union gesperrt ist, muss man erst die Website der EBU suchen. Was ja schon sehr schwierig ist. Danach muss man die Liste der gesperrten Boxer finden. Da die Seite nicht auf Deutsch ist, muss man rudimentär englisch können. Man könnte sich hier behelfen, indem man sich auf einen Zettel „EBU – List of Suspended Boxers“ oder „Suspensions List“ aufschreibt und diesen neben dem Computer legt, damit man weis, wonach man suchen muss. Man könnte natürlich auch hingehen, und in der oberen Leiste den zweiten Button (auf Deutsch: Knopf) von rechts anklickt. Hier nun tauchen 33 Namen auf. Leider sind sie weder alphabetisch oder nach Gewichtsklassen geordnet. Wodurch die Gefahr extrem hoch ist, dass man einen Namen überliest.
Eine vierte Scheibe Mitleid dafür, dass die drei Hauptpersonen des BDB vermutlich gar nicht erkennen konnten, dass Kahl ein unwürdiger Herausforderer ist. Woher sollen sie es den wissen? Der Kampfrekord ist nur eine Aufzählung von Namen, Daten und Ergebnisse. Der Präsident des BDB Thomas Pütz, der Vizepräsident Sport Volker Grill und der Repräsentant des BDBs bei der EBU Stefan Braune haben doch ihr Wissen über das Boxen bei Universum Box-Promotion unter der Leitung von Klaus-Peter Kohl gelernt.
Eine fünfte Scheibe dafür, dass der Repräsentant des BDBs bei der EBU Stefan Braune vermutlich erheblich überqualifiziert ist, um so etwas wie eine „Suspensions List“ im Auge zu behalten. Als Geschäftsführer von Universum machte er im Auftrag von Klaus-Peter Kohl die Vollversammlung des BDBs zu einer Farce, da nämlich Universum durch übertragene Stimmen allein über den Kurs des Verbandes bestimmte. Danach wurde er bei der Firma Pütz Security angestellt.
Braune Ruf wie Donnerhall vernahm jedes Mitglied der EBU. Sofern ich richtig informiert bin, wurde Braune seit seiner Ernennung durch Pütz nicht ein einziges Mal als EBU Delegierter angefordert. Einfach weil sein Ruf so gut und er überqualifiziert ist. – Aber wie gesagt hier kann ich mich auch irren.
Genug Mitleid verteilt. Der BDB hat Geschichte geschrieben. Er hat erst ihren wichtigsten Titel regelwidrig verschenkt, dann wohl den schlechtesten Titelkampf seiner langen Geschichte sanktioniert und dann war einer der Akteure von diesem auch noch gesperrt.
© Uwe Betker

Schwieriges Matchmaking

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Das Matchmaking von Boxkämpfen ist schwieriger geworden. Es ist noch gar nicht so lange her, da steckte das Internet noch in den Kinderschuhen. Damals hatte man, heute kaum mehr vorstellbare Schwierigkeiten, die Kampfrekorde von Boxern zu erfahren. Eine der wenigen Möglichkeiten, die man hatte, hieß Fightfax. Man konnte sich von Fightfax, die damals seriöseste Quelle für Kampfrekorde, Rekorde für relativ viel Geld – 10 Dollar für 3 Kampfrekorde – zufaxen lassen. Dann gab es noch das teure dickleibige Jahrbuch von Fightfax, das seit 1984 erscheint, in dem fast alle aktiven Boxer mit ihren Rekorden aufgelistet waren. Natürlich fehlten in ihm die aktuellen Kämpfe. „The Boxing Record Book“ war so etwas wie ein Erkennungszeichen zwischen denjenigen, die sich ernsthaft mit Profiboxen beschäftigten.
Das war die goldene Zeit der Matchmaker. Es gab da geradezu legendäre, wie Johnny Bos in den USA, der wie kein anderer vor oder nach ihm mithalf, Boxer zur Reife zu bringen und dabei den Zuschauern gute und sehr gute Kämpfe zu bieten. Es war aber auch die Hochzeit der Matchmaker der anderen Art, die für die Gegner ihrer eigenen Boxer so wenig Geld wie nur irgend möglich ausgaben und das Risiko für ihre Boxer so gering wie möglich hielten. Die Folge waren Mismatches am laufenden Band und atemberaubende KO-Serien gegen Boxer, die diese Bezeichnung überhaupt nicht verdienten.
Die meisten Boxfans interessierten sich auch gar nicht für Kampfrekorde und viele Journalisten konnten sie nicht lesen bzw. nicht verstehen. Es soll sogar Veranstalter gegeben haben, die geschönte Rekorde an die Presse verteilten. Damals konnte man noch relativ leicht eine Krampe als einen ernsthaften Herausforderer ausgeben.
In Zeiten von Internet und boxrec.com ist das nun aber sehr viel schwieriger geworden, womit auch die Arbeit des Matchmakers schwieriger geworden ist. Geschönte Kampfrekorde fallen mit Sicherheit auf. Dank der (unabhängigen computergestützten) Rangliste kann jeder Interessierte sehen, wie gut der Gegner denn wirklich ist.
Gleichwohl scheinen einige der Matchmaker, sich entweder noch nicht mit dieser Situation abgefunden zu haben und dementsprechend seriös ihrer Arbeit nachzugehen, oder sie hoffen immer noch, mit beleidigend schlechten Gegnern, bei einem „Event-Publikum“ durchkommen zu können. Wie sonst ist zu erklären, dass nach dem Niedergang von Universum Box-Promotion, der wohl auch einer jahrelang betriebenen Kultivierung von Mismatches geschuldet ist, hiesige Veranstalter immer noch hingehen und bei WM-Kämpfen Herausforderer präsentieren, die kritisch betrachtet höchstens den Status von Aufbaugegnern haben.
© Uwe Betker