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Profiboxen in Ratingen

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Ahi-Festsaal und Event Location in Ratingen war am Freitag, dem 18.12.2015, Austragungsort einer Veranstaltung von Arena Box-Promotion, dem Boxstall von Ahmet Öner. Es gab hier fünf Profiboxkämpfe zu sehen. Dass ich vorher schon mal Profiboxen in Ratingen gesehen hätte, daran kann ich mich nicht erinnern. Aber der Ahi-Festsaal ist auf jeden Fall ein guter Ort fürs Boxen. In der Halle war eine große Videowand angebracht und die Boxer gingen auf einem hohen Steg zum Ring.
Den Anfang machten Dennis Henseleit und Milo Grigoryan im Halbschwergewicht. Grigoryan war von der ersten Sekunde an an seinem Gegner dran und deckte ihn mit Schlägen ein. Er trieb ihn vor sich her und prügelte auf ihn ein. Henseleit bemühte sich so ziemlich die ganze Zeit über, irgendwie den Schlaghagel zu überstehen. Nach circa einer Minute versuchte er dann sogar doch, selber mal eine Hand ins Ziel zu bringen, ging dabei aber überhastet vor. Das führte dann nur dazu, dass Grigoryan ihn abkonterte. Eine Rechte zum Kopf sorgte dafür, dass Henseleit sich auf dem Boden sitzend wiederfand, wo er angezählt wurde. Von dem Niederschlag war er nicht beeindruckt, er war aus der Balance.
Milo Grigoryan machte da weiter, wo er vor dem Niederschlag aufgehört hatte. Er prügelte auf seinen Gegner ein wie auf einen Sandsack. Irgendwann traf er ihn erneut mit seiner Rechten am Kopf; dabei war Henseleit in der Vorwärtsbewegung. Er ging runter und wurde auf dem Boden kniend ausgezählt. Sieger durch KO in Runde 1 nach 2:24 Minuten: Milo Grigoryan.
Anschließend gab Onur Aykac im Super Mittelgewicht gegen Branislav Dosenovic (2 Kämpfe, 2 Niederlagen, 2 durch KO) sein Profidebüt. Aykac begann für einen Debütant erstaunlich ruhig. Er setzte seinen Gegner unter Druck und verteilte seine Schläge gut. Dann schickte er ihn mit einer Rechten zum Kopf runter. Dann verlor er allerdings seine boxerische Linie und versuchte den KO zu erzwingen. Dabei nahm er einige linke Führhände, was zu Nasenbluten führte. Zum Ende der Runde schickte ein linker Schwinger Dosenovic erneut zu Boden. In der zweiten Runde ging Aykac auf die Jagd und Dosenovic versuchte zu fliehen. Schon bald stellte Aykac seine Beute in einer neutralen Ecke und ließ sie nicht mehr raus. Eine Schlagkombination nach der anderen prasselte auf seinen Gegner ein, der sich nicht mehr zu wehren wusste. Irgendwann hatte der BDB Ringrichter Maurizio Rinaudo genug gesehen und brach den Kampf ab. Sieger durch TKO in Runde 2 nach 1:00 Minute: Onur Aykac.
Dann stiegen Mohamed Al Zein (6 Kämpfe, 6 Siege, 4 durch KO) und Sasa Dajic (8 Kämpfe, 8 Niederlagen, 8 durch KO) im Schwergewicht für ein paar Sekunden in den Ring. Al Zein spielte nur wenige Sekunden herum. Dann schlug er ein Kombination zum Kopf und Dajic, so dass der, auf seinem Gesicht liegend, ausgezählt wurde. Sieger durch KO in Runde 1, nach 26 Sekunden: Mohamed Al Zein.
Die folgenden zwei Kämpfe übertrug das türkische Fernsehen life. Nach einer achtmonatigen Pause stieg der Weltergewichtler Selcuk Aydin (31 Kämpfe, 28 Siege, 21 durch KO, 3 Niederlagen, 1 durch KO) wieder für einen Achtrunder in den Ring. Dort traf er auf Nodar Robakidze (34 Kämpfe, 15 Siege, 5 durch KO, 16 Niederlagen, 7 durch KO, 3 Unentschieden). Aydin begann gut. Von Anfang an bestimmte er das Geschehen im Ring. Er punktete mit seiner linken Führhand, die er sehr variabel einsetzte. Robakidze verschanzte sich hinter seiner Doppeldeckung und versuchte, an den Seilen entlang laufend, den Angriffen zu entkommen. In der zweiten Runde zog Aydin seine Rechte nach und kam damit zweimal schön zum Kopf durch. Im folgenden Durchgang ging er dann mehr zum Körper. Robakidze fing im Gegenzug an, gegenzuhalten und hatte dann auch seine Momente. In der vierten Runde nahm Aydin erst das Tempo raus, um es dann wieder zu erhöhen. Es gab viele Schlagabtäusche, wobei aber viele Schläge ihr Ziel nicht fanden. Am Ende der Runde standen beide Fuß an Fuß und schlugen aufeinander ein. Bei Aydin öffnete sich ein kleiner Cut am rechten Augenlid. In der fünften Runde bereitete Aydin seine Aktionen nicht mehr vor, sondern prügelte nur noch auf sein Gegenüber ein. Sein Gegner hatte dem nichts mehr entgegenzusetzen. Zur sechsten Runde trat dann Robakidze auch nicht mehr an. Sieger durch TKO in Runde 6: Selcuk Aydin.
Den Hauptkampf des Abends bestritten Avni Yildirim (7 Kämpfe, 7 Siege) und Janne Forsman (23 Kämpfe, 21 Siege, 2 Niederlagen). Dabei ging es um den vakanten WBC Eurasia Pacific Boxing Council Titel und den WBC International Silver Titel im Halbschwergewicht. Yildirim boxte konzentriert. Er tastete seinen Gegner ab. Dann kam er plötzlich mit einem linken Körperhaken durch, der Forsman fällte. Forsman lag auf dem Boden und krampfte, weshalb der Ringrichter Guido Cavalleri den Kampf sofort stoppte und den Ringarzt rief. Sieger durch KO in Runde 1 nach 1:07 Minuten: Avni Yildirim.
Einer der Punktrichter, bzw. eine Punktrichterin, zu diesem Kampf war Olena Pobyvailo. Pobyvailo ist Ukrainerin, die in Belgien lebt und mit einem belgischen Punkt- und Ringrichter verheiratet ist. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass sie noch vor kurzem für den belgischen Verband tätig war. Nun aber vertrat sie den polnischen Verband. Da frage ich mich doch, warum wohl eine Punktrichterin auf einmal ein Land vertritt, in dem sie weder geboren ist noch in ihm lebt. Weshalb mag sie denn nicht mehr für den belgischen Verband tätig sein?
© Uwe Betker

Wenn Offizielle ihre Aufgabe nicht erfüllen

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Ein Kampf der am Ostersonntag, dem 08.04.2012, in Herne stattfand, erregt, zu Recht, immer noch die Gemüter. Im letzten Kampf des Abends traten im Weltergewicht Yavuz Ertuerk (16 Kämpfe, 15 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage) und – eventuell! – Denis Hamasi (12 Kämpfe, 11 Siege, 3 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO) gegeneinander an. Dabei ging es um den vakanten WBC Baltic Silver Titel, der WBC – was immer das auch sein mag. Der Ausgang ist bekannt: Ertuerk gewann durch TKO in Runde 2.
Nahezu alles an diesem Kampf ist entweder als mysteriös oder skandalös zu bezeichnen. Es begann damit, dass Ertuerk mit einer schweren Gesichtsverletzung, einer auffälligen Wunde auf dem linken Jochbein, in den Ring stieg. Hier musste man sich eigentlich schon fragen, ob der BDB und der Ringarzt Dr. Stephan Bock die obligatorische medizinische Untersuchung etwa nicht durchgeführt hatten. Wie konnte der nicht zu übersehende Cut nicht auffallen?
Weiter ist dann natürlich zu fragen, warum der Ringrichter Daniel Van de Wiele, die BDB Punktrichter, Arno Pokrandt und Holger Wiemann, die WBC Punktrichterin und Ehefrau von Daniel Van de Wiele, Olena Pobyvailo und der WBC Supervisor Mikhail Denisov die unübersehbare Verletzung nicht bemerkten oder, wenn sie sie denn sahen, wieso sie den Kampf zuließen. Dass ein verletzter Boxer in der Ring steigen darf und dass keiner der Offiziellen des BDB (Bund Deutscher Berufsboxer) und des WBC (World Boxing Council) das verhindern, ist für sich eigentlich schon ein ausgewachsen Skandal.
Aber vielleicht verstehe ich auch alles ganz falsch. Vielleicht beeinträchtigt ja eine Platzwunde auf dem Jochbein nicht die Kampffähigkeit und dementsprechend durfte dann auch keiner Ertuerk, den er ja auch gewann, den Kampf verweigern.
Damit ist die Geschichte allerdings noch lange nicht zu Ende. Bereits vor dem Kampf stellten sich nämlich bei einigen Zuschauern Zweifel ein, ob der Boxer, der als Denis Hamasi in den Ring stiegen sollte und dann auch stieg, tatsächlich Denis Hamasi war. Einige meinten in ihm einen anderen, nämlich einen Kickboxer zu erkennen. Jemand berichtete mir einige Tage nach dem Kampf, dass er die Delegierten des BDB vor dem Kampf darauf hingewiesen hätte, dass Denis Hamasi nicht Denis Hamasi sei. Aber die Offiziellen hätten sich geweigert, dem nachzugehen. Dabei hätte es doch wohl ein Leichtes sein dürfen, die Identität eines Boxers zu prüfen. Die Konkurrenz des BDB, die GBA (German Boxing Association), überprüft vor jedem Kampf die Identität der Kämpfer. – Es geht mir hier nicht darum, einen Verband gegen den anderen zu auszuspielen. Es geht vielmehr darum, aus Fehlern zu lernen. Vermutlich hat sich die GBA auch erst nach unangenehmen und schmerzlichen Erfahrungen diese Maßnahme verordnet.
Natürlich kann man sich auch die Frage stellen, ob ein Delegierter sich von einem Zuschauer sagen lassen muss, was er zu tun und zu lassen hat. Aber dass beim Verdacht eines möglichen so gravierenden Verstoßes gar nicht versucht wird, einen möglichen Betrug zu verhindern oder den Sachverhalt zumindest aufzuklären, grenzt doch schon sehr an Pflichtvergessenheit.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass alle Beteiligten von BDB und WBC – angefangen beim Ringarzt, über Punkt- und Ringrichter bis hin zum Supervisor – einfach ihre Pflicht nicht anständig erfüllt haben.
© Uwe Betker