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Der Vertrag zwischen dem DBV und seinen Kaderboxern

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Wenn ich zu einem Gebrauchtwagenhändler gehe und einen entsprechenden Vertrag unterschreibe, bekommt der Händler von mir Geld und ich einen w 124 Diesel, mit grüner Plakette, der nur wenige Kilometer runter hat. Beide Seiten sind zufrieden, denn sie haben das bekommen, was sie wollten. Der DBV, Deutsche Boxsportverband e.V., vertreten durch Jürgen Kyas und Michael Müller, geht nun hin und will mit allen Kaderboxern einen Vertrag machen. Soweit ich informiert bin, wird im Augenblick oder in naher Zukunft allen Kaderathleten dieser Vertrag zur Unterschrift vorgelegt – Grund genug, sich diesen Vertrag einmal näher anzusehen.
Der Vertrag – oder, um ganz genau zu sein, die Schiedsvereinbarung auf vertraglicher Basis – umfasst schlappe 17 Seiten. Es fängt harmlos. Man einigt sich z.B. darauf, im Falle eines Streites ein Schiedsgericht anzurufen. Und der Boxer verpflichtet sich nicht zu dopen. So weit, so gut.
In der Präambel (1.1) heißt es: „Athleten und Verband streben eine Zusammenarbeit zur sportlichen und persönlichen Ausbildung und Förderung des Athleten an. Das übergeordnete perspektivische gemeinsame Ziel der Parteien sind die Wettkämpfe in 2013 und 2014 (…). Die Parteien werden gemeinsam die Möglichkeit der Fortsetzung ihrer Partnerschaft auch über den avisierten Wettkampf hinaus erörtern.“ Abgesehen von der Tatsache, dass ich mir nicht vorstellen kann, was der DBV unter der „persönlichen Ausbildung“ versteht, ist das Ziel klar formuliert. Der DBV will seine Kaderboxer durch einen Vertrag an sich binden.
Weiter (1.2) heißt es dann, wie ich finde, etwas nebulös: „Die Parteien verpflichten sich gleiche und faire Bedingungen bei der Sportausübung zu schaffen und zu gewährleisten und werden einen fairen an der gemeinsamen Erreichung des Vereinbarungszweckes orientierten Ausgleich der persönlichen und wirtschaftlichen Interessen von Athleten und Verband anstreben.“ Wieso habe hier das Gefühl eine Nebelkerze zu sehen? Seit wann kann ein Boxer „gleiche und faire Bedingungen bei der Sportausübung“ schaffen und gewährleisten? Dafür muss er dann seine „ persönlichen und wirtschaftlichen Interessen“ mit denen des Verbandes ausgleichen.
Offensichtlich müssen aber einem solchen Ausgleich, jedenfalls von Seiten des Verbandes, Grenzen gesetzt werden. Denn etwas später (1.5) heißt es: „Dem Athleten ist bewusst, dass der Verband als gemeinnütziger Verein tätig ist und daher seine Leistungspflichten (…) unter dem Vorbehalt der personellen und finanziellen Möglichkeiten des Verbandes, insbesondere der Förderung durch das Bundesministerium des Inneren, steht.“
An dieser Stelle stellt sich für mich die Frage: Wer bringt welche Leistung in die vertraglich geregelte Beziehung ein. Der Boxer boxt für den DBV. Desweiteren verpflichtet er sich, sich an die nationalen und internationalen Regeln der Amateurboxverbände zu halten, an dem „sportmedizinischen Untersuchungs- und Betreuungssystem des DOSB, des Deutschen Olympischen Sportbundes, teilzunehmen, die Kleidung des Ausrüsters zu tragen und an 10 Werktagen pro Jahr unentgeltlich für PR- Zwecke zur Verfügung zu stehen. Hinzu kommt, dass der Athlet „zur vollständigen Offenlegung sämtlicher bestehender und künftiger Verträge“ verpflichtet ist. Damit will der DBV wohl verhindern, dass ein Amateurboxer ins Profilager wechselt. „Der Athlet sichert zu, dass er in keinerlei vorvertraglichen oder vertraglichen (mündlichen oder schriftlichen) Anbindungen zu professionellen Boxställen und/oder Boxpromotoren steht.“ Und um auch ganz sicher zu gehen, dass kein DBV Boxer ins Profilager wechselt, verpflichten alle Beteiligten sich, „im Falle einer Vertragsverletzung der einen Partei den hieraus entstandenen Schaden zu ersetzen.“
Die Leistungen des eingetragenen Vereins, der das Amateurboxen, das jetzt aber nicht mehr Amateur- sondern Olympisches Boxen heißt, repräsentiert, sind weniger konkret zu fassen. Zum einen „betreut“ der Verband seine Kaderathleten. Ein Vertragsabschluss garantiert dabei nicht den Verbleib im Kader. Für mich heißt das, dass Kaderboxer nur derjenige sein kann, der die sportlichen Vorgaben erfüllt und nicht in Ungnade fällt. Der DBV „verpflichtet sich (…) den Athleten optimal zu fördern“ – jetzt kommt allerdings ein großes Aber oder die Hintertür in Größe einer achtspurigen Autobahn – „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Weiter verspricht der Verein die „Schaffung der infrastrukturellen Rahmenbedingungen zur sportlichen Förderung“. Gemeint ist damit die Errichtung und der Unterhalt der Stützpunkte, natürlich „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Der DBV verspricht seinen Boxern „fachlich geeignetes und qualifiziertes Personal zur Verfügung“ zu stellen, wie Trainer und Physiotherapeuten (Wie könnte es auch anders sein?), „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Auch erhöht der Verband unmittelbar vor Wett- und Länderkämpfen seine Anstrengungen zur Vorbereitung seiner Boxer, (Wer errät es?) „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Falls ein Boxer für die Nationalmannschaft nominiert werden sollte, bekommt er vom DBV „Unterkunft, Verpflegung sowie medizinische und sportliche Betreuung kostenfrei zur Verfügung“ gestellt, (Und was kommt wohl jetzt?), „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“
Ein paar Anmerkungen zum „Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“. Dem DBV war es 2011 finanziell nicht möglich, seine Teilnehmerinnen der U17/U19 Nationalmannschaft zur WM in Antalya zu schicken. Der DBV hat sich das Geld vorab von seinen Boxerinnen geholt. Der sportliche Leiter des Deutschen Boxverbandes (DBV), Michael Müller – ich nenne ihn der Einfachheit halber und um ihn nicht mit anderen zu verwechseln: DBV Müller -, der einer der Vertragspartner ist, hat es, soweit ich informiert bin, bis heute nicht geschafft – vielleicht wollte er aber auch nicht -, eine detaillierte und nachvollziehbare Aufstellung der Kosten der WM von Antalya vorzulegen. Das betrifft dann wohl die „personellen Möglichkeiten“ des Verbandes. In diese Kategorie fällt auch die Tatsache, dass DBV Müller die vom Verband besoldeten Trainer in Rechnung gestellt hat, womit diese praktisch zweimal bezahlt wurden. Auch ist, soweit ich informiert bin, den Boxerinnen auch nur ein Teil ihrer Kosten später erstattet worden. Das wirft wiederum ein Schlaglicht auf die „wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Im Gegenzug dafür, dass sich der Verband „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“ bemüht, etwas zu tun, gibt der Boxer seine Persönlichkeitsrechte ab. Der Verband darf z.B. mit den Boxern Werbung machen, ohne sie vorher zu fragen oder etwa an den Einnahmen zu beteiligen.
Unter Punkt 3.6 findet sich Genaueres über die „persönliche und finanzielle Förderung der Athleten“. Dort findet man, was der DBV konkret für seine Athleten tun will. So will der eingetragene Verein sich „bemühen“, die Athleten „dabei zu unterstützen“, Gelder von Dritten zu akquirieren, (jetzt kommt wieder das Mantra des DBV:) „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Noch konkreter wird es im Folgenden. Der DBV schlägt den Athleten, auf seinen Wunsch hin, zur „Aufnahme in die Sportfördergruppe der Bundeswehr oder der Sportfördergruppe einer Polizei (insbesondere der Bundespolizei)“ vor. Wohlgemerkt, es handelt sich hier nur um einen Vorschlag, aber „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Ist unser Boxer dann tatsächlich gut und schafft es in das „DBV-Top-Team“, hat er die „Möglichkeit“ sich für die „Olympische Sonderförderung“ von bis zu 5.000 Euro jährlich zu bewerben. Diesmal gibt es kein „in Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“, sondern eben nur die Möglichkeit der Bewerbung.
Artikel 3.6.4 ist mein Lieblingsartikel. Hier verpflichtet sich der DBV, seinen Athleten Trainingsbekleidung kostenfrei zur Verfügung zu stellen, sofern der Verband einen „offiziellen Ausrüster“ hat und diese Bekleidung gestellt bekommt. – Großartig, diese Großzügigkeit. – Nun verstehe ich auch, warum die Delegierten des 51. DBV Kongresses in Worms, einer Pressemeldung von DBV Müller zufolge, für DBV Präsident Jürgen Kyas eine Ehrenerklärung abgegeben haben. Deshalb sollte man Kyas nun auch Ehrenerklärung-Kyas nennen.
Die Boxer dürfen nur als Amateure boxen, und was ein Amateur ist bestimmt die AIBA. Explizit ausgenommen aus der Abgrenzung von den Profis ist die World Series of Boxing, WSB. Die Punkte 3.6.6 und 3.6.7 widmen der WSB 17 hymnische Zeilen. Dort ist dann zu lesen: „Die WSB bietet den Kaderathleten eine besonders medienwirksame, internationale Plattform und Fördermöglichkeit zur Erreichung ihrer sportlichen Ziele (…). Offensichtlich hat der DBV ein gesteigertes Interesse daran, die von ihnen ausgewählte Kaderboxer in der WSB starten zu lassen. Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass ein Boxer sich einem solchen „Wunsch“ des Verbandes entziehen kann.
Zwar gilt der Vertrag nur für zwei Jahre, aber er ist so terminiert, dass beide Vertragspartner sich vor großen Internationalen Turnieren, wie Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele, über eine Vertragsverlängerung unterhalten. Was passiert wohl mit einem Boxer, der vor den Olympischen Spielen einer Vertragsverlängerung nicht zustimmt? Habe ich schon erwähnt, dass der Boxer nicht das Recht hat vorzeitig zu kündigen?
Ein Wechsel in den Nicht-AIBA Profiboxsport wird für den Athleten eindeutig ausgeschlossen. Das finde ich nun schon infam. Dieses Verbot beinhaltet nämlich, dass der DBV bzw. die AIBA offenbar versucht, im Profiboxen Fuß zu fassen und es dann zu monopolisieren. Wenn keine guten Amateure mehr Nicht-AIBA Profis werden können, dann wird ja wohl das AIBA Profiboxen an diese Stelle treten. Das ist, jedenfalls in meinen Augen, schon unglaublich verlogen. Der DBV besteht schließlich, wie oben schon zitiert, in der Präambel (1.5) auf der Feststellung seiner Gemeinnützigkeit.
Wie gemeinnützig DBV und AIBA aber tatsächlich sind, das lässt sich nicht zuletzt an den Vertragsstrafen und an den Ablösesummen für die Boxer, die Profis werden wollen, anlesen. Der DBV hat eigens dafür eine wunderschöne Tabelle ausgearbeitet, wonach die Ablösesumme berechnet wird. Die Ablöse z.B. für einen Schwergewichtler, der bei den Olympischen Spielen Gold für Deutschland holt, würde danach mindestens 2 Millionen Euro kosten. Von diesem Geld gehen dann 80% direkt an den DBV.
Zurück zu meinem w 124, den ich leider noch nicht habe. Wenn ich also zu dem Gebrauchtwagenhändler gehe und einen Vertrag unterschreibe, lege ich mein Geld auf den Tisch und dafür bekomme ich meinen Traumwagen. Was aber bekommt der Kaderboxer, der einen Vertrag mit dem DBV unterzeichnet? Auf jeden Fall bekommt er schon mal keine Garantien, dafür aber viele „Im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“. Ein Boxer will boxen und dementsprechend werden wohl die meisten, wenn nicht alle Boxerinnen und Boxer, denen der Vertrag vorgelegt wird, diesen auch unterschreiben. Der DBV sitzt also schlichtweg am längeren Hebel. Und er nutzt diese Position, wie ich finde, schamlos aus.
© Uwe Betker

Foto: German Eagles vs. Astana Arlans Kasachstan (Xhek Pakali vs. Sergiy Derevyanchenko)

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68-73kg Germany vs Kazakhstan Xhek Pakali vs Sergiy Derevyanchenko 3
(C) Andreas Grunwald / Sportfotodienst Stuttgart

Foto: German Eagles vs. Astana Arlans Kasachstan (David Oliver Joyce vs. Eric Donovan)

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57-61kg Germany vs Kazakhstan David Joyce vs Eric Donovan 6
(C) Andreas Grunwald / Sportfotodienst Stuttgart

Der Box-Blog (in eigener Sache)

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9. August 2012 at 23:59

Kein Träne für die Punktmaschine

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Die Olympischen Spiele 2012 in London sind die letzten, bei denen die sogenannte Punktmaschine noch zum Einsatz kommt. Zu oft sah man in den letzten 20 Jahren Fehlurteile. Dabei sollte ursprünglich durch diesen Computer, wenn auch nur sehr halbherzig, versucht werden, die Zahl der Fehlentscheidungen zu reduzieren.
Alles begann 1988 mit den Spielen in Seoul. Der Koreaner Si-Hun Park gewann sehr umstritten im Viertelfinale gegen den Italiener Vicenzo Nardiello. Im Finale im Halb Mittelgewicht traf er auf den US-Amerikaner Roy Jones Jr. Dieser Kampf ging dann als einer der größten olympischen Skandale in die Geschichte ein.
Jones, der spätere Profi-Weltmeister, dominierte seinen Gegner in den drei Runden fast nach Belieben. Zu groß war seine technische und physische Überlegenheit. Der Computer des Fernsehsenders NBC zählte 86 Treffer für Jones und 32 für Park. In der zweiten Runde wurde Park sogar angezählt. Trotzdem wurde Park mit 3:2 Richterstimmen zum Sieger erklärt. Die drei Punkrichter waren Alberto Duran aus Uruguay, Hiouad Larbi aus Marokko und Bob Kasule aus Uganda. Zur Ehrenrettung von Park muss erwähnt werden, dass ihm selbst das Urteil sehr peinlich war. Demonstrativ hob er Jones bei der Siegerehrung in die Luft und auch später erklärte er immer wieder, in Wirklichkeit hätte Jones gewonnen.
Die Goldmedaille von Park war gekauft. Der südkoreanische Multimillionär Seung-Youn Kim, der pikanterweise auch Präsident des koreanischen Boxverbandes war, hat wohl dem Kampfgericht 15.000 US-Dollar dafür gezahlt, dass sein Landsmann gewinnt. Nach Stasi Quellen war offenbar auch der damalige Präsident der AIBA Anwar Chowdhry aus Pakistan „in diese Manipulationen einbezogen“ worden.
Die Zahlungen waren nicht unbemerkt geblieben und Mitglieder des IOC, des Internationalen Olympischen Komitees, waren informiert worden. Die sahen aber keinen Handlungsbedarf. Angeblich war der AIBA Präsident Chowdhry eng mit Juan Antonio Samaranch, dem Präsidenten des IOC, verbandelt – ich spreche von jenem Samaranch, der ein getreuer Gefolgsmann seines faschistischen „Führers“, „El Caudillo“ General Franco gewesen war.
Der Sturm der Entrüstung, allein 50.000 koreanisch stämmige Bürger riefen beim US-Sender NBC riefen an, um sich zu entschuldigten, zwangen die AIBA dann schließlich doch zum Handeln. Erst mal wurden die drei Punktrichter suspendiert und es gab ein Untersuchungsverfahren. Dann wurde das Punktsystem geändert. Bis dahin entschieden fünf Kampfrichter, ähnlich wie bei den Profis. Ab nun wurde ein Schlag nur als Treffer gewertet, wenn innerhalb einer Sekunde drei Kampfrichter einen Knopf an einem Box-Computer drücken.
Ich möchte ja unterstellen, dass diese Änderung von der AIBA wirklich als Maßnahme gegen verschaukelte Kämpfe gedacht war, funktioniert hat es aber nicht. Jeder der regelmäßig zu Amateurveranstaltungen geht, sieht immer wieder Fehlurteile. Man kann aber nicht mehr den oder die Punktrichter benennen, die dafür verantwortlich sind. Es ist immer nur der Computer schuld. Es gibt aber sehr wohl Punktrichter, die es notorisch nicht schaffen, den Knopf zu drücken, wenn bestimmte Boxer Treffer setzen. Es soll auch Schiedsrichtergespanne geben, die schon mit einer traumhaften Sicherheit immer synchron drücken. Die Punktmaschine reduzierte die Zahl der Fehlurteile also nicht.
Was die Punktmaschine nun bewirkte, war ein Wandel des Boxens mit Kopfschutz und Leibchen. Körpertreffer wurden praktisch nicht mehr gewertet. Die Punktmaschine unterscheidet auch nicht zwischen harten Treffern und bloßen Berührungen. Folglich wurde trainiert, einfach nur Treffer zu setzen. Zwei Berührungen zählen nämlich mehr als ein harter Treffer. Das Amateurboxen, das aber nicht mehr Amateurboxen genannt werden will, sondern olympisches Boxen, wurde teilweise zu einer grotesken Karikatur dessen, was man gemeinhin unter Boxen versteht.
Nach nunmehr zwei Jahrzehnten des Sammelns von Erfahrungen, haben die Herren der AIBA nun erkannt, dass die Punktmaschine weder zu einer Verbesserung der Punktentscheidungen geführt noch den Sport populärer gemacht hat. Das olympische Boxen ist in Deutschland so was von tot, dass kaum einmal die Kämpfe der Deutschen in London in voller Länge im Fernsehen zu sehen sind. Jedenfalls habe ich einen gesehen. Daher geht die AIBA auf das alte System mit Punktrichtern zurück, die man dann wenigstens namentlich nennen kann, wenn sie Kämpfe verschieben.
Die drei Punktrichter, Alberto Duran, Hiouad Larbi und Bob Kasule, waren übrigens schon bald wieder an den Boxringen der Welt zu sehen. 1997 wurde die Untersuchung gegen die drei dann schließlich eingestellt, weil keinerlei Hinweise für eine Manipulation zu finden waren.
Um es noch einmal kurz zu sagen: Ich weine der Punktmaschine keine Träne nach!
© Uwe Betker

Frauenboxen bei den Olympischen Spielen 2012 in London

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Es ist schön zu sehen, dass das IOC, das Internationale Olympische Komitee (oder International Olympic Committee), dem Fortschritt und der Gleichberechtigung so zugetan sind. Die Herren des IOC, und es sind wohl vor allem ältere Herren, haben nur 108 Jahre gebraucht, sich dazu durchzuringen, Frauen auch bei den Olympischen Spielen mit boxen zu lassen. Bereits 1904 war Frauenboxen Demonstrationssportart.
Da die Verantwortlichen Neuerungen aber doch wohl nicht gleich so schnell und radikal durchführen können, schränkte man erst noch mal die Gewichtsklassen ein. Wieso sollte man auch der einen Hälfte der Weltbevölkerung, nämlich den Frauen, genau so viele Gewichtsklassen zubilligen wie der anderen Hälfte, den Männern. Die Männer dürfen immerhin in 10 Gewichtsklassen starten, die Frauen, vielleicht damit die Funktionäre etwas besser und genauer hingucken können, nur in 3. Das könnte man auch als Diskriminierung ansehen.
Stichwort hingucken: Die Funktionäre der International Boxing Assocation (AIBA) wollten die Frauen zwingen, Miniröcke zu tragen. Diese Entscheidung der weisen älteren Herren kann natürlich alle möglichen Gründe haben – zum Beispiel die Sicherheit der Boxerinnen -, die sich Außenstehenden aber verschließen. Irgendwie jedenfalls waren die heren und edlen Ziele der AIBA wohl der Öffentlichkeit nicht zu vermitteln. Auch das Argument, dass Athletinnen sich durch einen Rock „deutlicher von ihren männlichen Kollegen abheben“, war offenbar doch auch nicht ganz plausibel. – Da fragt man sich schon: Sollten die älteren Herren der AIBA tatsächlich vergessen haben, woran man Frauen und Männer unterscheidet? Jedenfalls ist es nun den Boxerinnen, wie hoffentlich auch den Funktionären der AIBA, freigestellt, ob sie Rock oder Hose tragen.
Für Deutschland startet keine einzige Boxerin.
© Uwe Betker

Ein Ausblick auf die Olympischen Spiele 2012

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In wenigen Stunden steigen die Boxer und Boxerinnen bei den Olympischen Spielen in London in den Ring. Daher lohnt sich ein Blick auf das deutsche Amateurboxen und auf die Chancen der deutschen Teilnehmer. Legt man die Rangliste der AIBA (International Boxing Association) vom Juli 2012 zu Grunde, ist das deutsche Amateurboxen in einer schlechten Verfassung.

Junior Fliegengewicht (46 – 49 KG)
1.
Shin, Jonghun (Korea)
2.
Zou, Shiming (China)
3.
Alizada, Salman (Azerbaijan)

Fliegengewicht (52 KG)
1.
Selby, Andrew Christopher (Großbritannien)
2.
Aloian, Misha (Russland)
3.
Picardi, Vincenzo (Italien)

Bantamgewicht (56 KG)
1.
Yunusov, Anvar (Tadschikistan)
2.
Alvarez Estrada, Lazaro Jorge (Kuba)
3.
Campbell, Luke (Großbritannien)

Leichtgewicht (60 KG)
1.
Valentino, Domenico (Italien)
2.
Lomachenko, Vasyl (Ukraine)
3.
Keles, Fatih (Türkei)

Junior Weltergewicht (64 KG)
1.
Stalker, Thomas Lee (Großbritannien)
2.
Uranchimeg, Munkh-Erdene (Mongolei)
3.
Dos Santos Lopes, Everton (Brasilien)

Weltergewicht (69 KG)
1.
Shelestyuk, Taras (Ukraine)
2.
Evans, Freddie Williams (Großbritannien)
3.
Mai Maitituersun, Qiong (China)

Mittelgewicht (75 KG)
1.
Khytrov, Ievgen (Ukraine)
2.
Murarta, Ryota (Japan)
3.
Rahou, Abdelmalek (Algerien)

Halbschwergewicht (81 KG)
1.
La Cruz Peraza, Julio Cesar (Kuba)
2.
Hooper, Damien Duncan (Australien)
3.
Meng, Fanlong (China)

Schwergewicht (91 KG)
1.
Mammadov, Teymur (Aserbaidschan)
2.
Wang, Xuanxuan (China)
3.
Usyk, Oleksandr (Ukraine)

Super Schwergewicht (91+ KG)
1.
Medzhidov, Magomedrasul (Aserbaidschan)
2.
Cammarelle, Roberto (Italien)
3.
Joshua, Anthony Oluwafemi Olaseni (Großbritannien)

Also die Top-3-Boxer der AIBA verteilen sich wie folgt: Großbritannien (5), China (4), Ukraine (4), Aserbaidschan (3), Italien (3), Kuba (2), Algerien (1), Australien (1), Brasilien (1), Japan (1), Korea ( 1), Mongolei (1), Russland (1), Tadschikistan (1) und Türkei (1).

Das Boxing Monthly aus England vom Juli 2012, nennt jeweils einen Favoriten und drei Mitbewerber für die Goldmedaillen beim Boxen:

Junior Fliegengewicht (46 – 49 KG)
Favorit:
Zou, Shiming (China)
Mitbewerber:
Pongprayoon, Kaew (Thailand)
Shin, Jong Hun (Korea)
Ayrapetyan, David (Russland)

Fliegengewicht (52 KG)
Favorit:
Warren, Rau`sheen (USA)
Mitbewerber:
Aloyan, Misha (Russland)
Mamshzade, Elvin (Aserbaidschan)
Ramirez, Robeisy (Kuba)

Bantamgewicht (56 KG)
Favorit:
Alvarez Estrada, Lazaro Jorge (Kuba)
Mitbewerber:
Dalakliev, Detelin (Bulgarien)
Yunusov, Anvar (Tadschikistan)
Vodopiyanov, Sergey (Russland)

Leichtgewicht (60 KG)
Favorit:
Lomachenko, Vasyl (Ukraine)
Mitbewerber:
Valentino, Domenico (Italien)
Zhailauov, Gani (Kasachstan)
Toledo, Yasniel (Türkei)

Junior Weltergewicht (64 KG)
Favorit:
Dos Santos Lopes, Everton (Brasilien)
Mitbewerber:
Berinchyk, Denys (Ukraine)
Mangiacapre, Vinzenco (Italien)
Kate, Gyula (Ungarn)

Weltergewicht (69 KG)
Favorit:
Sapiyev, Serik (Kasachstan)
Mitbewerber:
Shelestyuk, Taras (Ukraine)
Kavaliauskas, Egidijus (Littauen)
Spence, Errol (USA)

Mittelgewicht (75 KG)
Favorit:
Murarta, Ryota (Japan)
Mitbewerber:
Khytrov, Ievgen (Ukraine)
Falcao, Esquiva (Brasilien)
Migitinov, Soltan (Aserbaidschan)

Halbschwergewicht (81 KG)
Fovorit:
La Cruz Peraza, Julio Cesar (Kuba)
Mitbewerber:
Rasulov, Elshod (Usbekistan)
Niyazymbetov, Adilbek (Kasachstan)
Gvozdyk, Oleksandr (Ukraine)

Schwergewicht (91 KG)
Favorit:
Usyk, Oleksandr (Ukraine)
Mitbewerber:
Mammadov, Teymur (Aserbaidschan)
Karneyeu, Siarhei (Weißrussland)
Beterbiev, Artur (Russland)

Super Schwergewicht (91+ KG)
Favorit:
Cammarelle, Roberto (Italien)
Mitbewerber:
Medzidov, Magomedrasul (Aserbaidschan)
Savon, Erislandy (Kuba)
Dychko, Ivan (Kasachstan)

Dadurch gibt ergibt sich folgende Verteilung: Ukraine (6), Aserbaidschan (4), Kasachstan (4), Kuba (4), Russland (4), Italien (3), Brasilien (2), USA (2), Bulgarien (1), China (1), Japan (1), Korea (1), Litauen (1),Tadschikistan (1), Thailand (1), Türkei (1), Ungarn (1), Usbekistan (1), Weißrussland (1).
Zwei Dinge fallen mir auf. Zum einen ist offensichtlich die Vorherrschaft von Kuba gebrochen und die jetzt unabhängigen Staaten der ehemaligen UDSSR sind derzeit das Maß aller Dinge. Zum anderen taucht auch in dieser Liste, die zugebenerweise einen Blick von außen darstellt, kein einziger deutscher Boxer auf. Der DBV hat sogar insgesamt nur vier Boxer nach London geschickt: Patrick Wojcicki (Weltergewicht), Stefan Härtel (Mittelgewicht), Enrico Kölling (Halb-Schwergewicht) und Erik Pfeifer (Schwergewicht). D.h. in sechs Gewichtsklassen tritt erst gar kein Deutscher an.
Dabei belegt Deutschland im Gesamtmedaillenspiegel aller Olympischen Spiele mit 5 Goldmedaillen, 12 Silbermedaillen und 11 Bronzemedaillen Platz 7. Es bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens einem der Vier eine Überraschung gelingt. Ich zünde auf jedem Falle eine Kerze für die Vier an.
© Uwe Betker

Written by betker

28. Juli 2012 at 23:59

DBV Müller – ein Mann des Wortes

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Der sportliche Leiter des Deutsche Boxverbandes (DBV), Michael Müller – ich nenne ihn der Einfachheit halber und um ihn nicht mit anderen zu verwechseln im Folgenden DBV Müller – ist ein Mann des Wortes. Man könnte auch sagen, er ist ein Mann des kräftigen Wortes. Als man von ihm wissen wollte, warum drei Trainer, die beim DBV unter Vertrag sind und vom DBV entlohnt werden den Teilnehmerinnen der U17/U19 Nationalmannschaft bei der WM in Antalya in Rechnung gestellt wurden, antwortete DBV Müller: „Wenn wir eine WM ausstatten, dann gibt es keine Kompromisse.“
Ein Mehr an Information gibt er dazu nicht. Nun hört man, dass sich hinter vorgehaltener Hand über DBV Müller beschwert wird. Er soll nämlich über die Köpfe der Trainer hinweg bestimmen, welche Boxer und welche Boxerinnen an internationalen Turnieren teilnehmen sollen und welche nicht. Sollte das zutreffen, so ist es umso problematischer zu bewerten als es auch Stimmen gibt, die DBV Müller die Sachkompetenz absprechen oder sie zumindest in Frage stellen. Als er zum DBV kam, sagte DBV-Sprecher Alexander Mazur über ihn: „Michael Müller ist vielleicht kein ausgewiesener Box-Experte, doch das ist nicht schlimm. Wir brauchen jemanden, der von Finanzen, Marketing und Sponsoren Ahnung hat“.
Soweit man hört, ist die finanzielle Lage des DBV nach wie vor ziemlich katastrophal. Hier hat also DBV Müller seine Fähigkeiten noch nicht zur vollen Entfaltung gebracht. Über DBV Müller und wohl auch über seine Fähigkeiten schrieb der Focus Anfang 2010: „Müller war von 1997 bis Ende 2008 Sportdirektor des Deutschen Ruderverbandes (DRV), ehe er nach den Olympischen Spielen 2008 seinen Hut nehmen musste. Bei Olympia in Peking waren die deutschen Ruderer erstmals seit 52 Jahren ohne Goldmedaille geblieben.“ Ich würde das so übersetzen: Wegen sportlicher Erfolglosigkeit entlassen.
Nun hat DBV Müller einen anderen Verband gefunden, bei dem er sportlicher Leiter sein darf. In dieser Funktion ist er dafür verantwortlich, dass Sportlerinnen Geld für Trainer abgenommen bekommen, die schon aus anderen Mitteln bezahlt werden. DBV Müller wusste natürlich, dass dieses leidige Thema (Der DBV, das Geld und die Frauen) nicht mit einem seiner markigen Machtwort zu erledigen sein würde. So wusste er beispielsweise, dass er beim DBV Kongress in Worms hätte Rede und Antwort stehen müssen über den Verbleib des Geldes. Was also machte DBV Müller, dieser Mann des Wortes, in dieser Situation? Er erschien einfach nicht! – Der sportliche Leiter des DBV erscheint nicht zum wichtigsten Termin des Jahres! – Er ließ sich entschuldigen.
© Uwe Betker

Eine Ehrenerklärung für DBV-Präsident Jürgen Kyas

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Dem Internetauftritt des Deutschen Boxverbandes (DBV) kann man entnehmen, dass es beim 51. DBV Kongress in Worms eine Ehrenerklärung für DBV-Präsident Jürgen Kyas gab. Ehrenerklärung – es gibt Worte, die mich intellektuell überfordern. Ehre, in all seinen Varianten, ist solch ein Wort. Offensichtlich bin ich hiermit aber nicht ganz alleine, denn auch bei Wikipedia ist der Begriff Ehre mit dem Vermerk versehen, an dem Artikel müsse noch gearbeitete werden.
Wikipedia definiert: „Ehre bedeutet in etwa Achtungswürdigkeit (einer Person); sie kann jemandem als Mitglied eines Kollektivs zuerkannt werden (Ehre des Weibes, des Edelmannes, des Handwerkers u. a. m.), sie kann aber auch (etwa durch die Nobilitierung oder eine Ordensverleihung) vom dazu Berechtigten zugesprochen werden (The Queen is the fountain of honour).“
Also ist Ehre so etwas wie die Achtungswürdigkeit einer Person. Eine Ehrenerklärung (lat. declaratio honoris) ist, ebenfalls laut Wikipedia, „eine schriftliche oder mündliche Versicherung einer Person (oder einer Personengruppe), dass man eine andere Person (oder Personengruppe) – den Beleidigten – hinsichtlich seiner Ehrenhaftigkeit verkannt habe und ihn in seiner Würde vollkommen anerkenne.“
Wann und wo und von wem wurde denn die Ehrenhaftigkeit von Jürgen Kyas verkannt? Mit was wurde er beleidigt? Wie wurde seine Achtungswürdigkeit aberkannt? Wenn ich richtig informiert bin, gab es doch nichts Dergleichen. Das wiederum heißt, dass beim Kongress des DBV ohne Veranlassung eine Ehrenerklärung für dessen Präsidenten Kyas abgegeben wurde. Was sagt das dann aber über Herrn Jürgen Kyas aus?
Komplett verwirrte mich, dass sich kein Delegierter des Kongresses, mit dem ich sprach, an so etwas wie eine Ehrenerklärung für den DBV-Präsidenten Jürgen Kyas erinnern konnte. Sie taucht nicht in der Tagesordnung auf. Es kann sich auch keiner an einen Antrag zur Änderung der Tagesordnung erinnern. Keiner kann sich an eine Diskussion erinnern. Keiner kann sich an eine Abstimmung erinnern. Nichts. Absolut nichts.
Vermutlich gibt es für all das eine ganz einfache und plausible Erklärung. Vielleicht waren alle meine Gesprächspartner zur fraglichen Zeit auf der Toilette. Oder aber sie waren durch den Begriff intellektuell so überfordert, genauso wie ich, dass sie es schlicht nicht mitbekamen.
Wieso fällt mir nur jetzt Ministerpräsidenten-Ehrenwort ein?
© Uwe Betker

Written by betker

7. Juli 2011 at 23:59

Der Fisch stinkt vom Kopf her

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Was ist eigentlich so schwer daran, eine vernünftige Abrechnung vorzulegen und ein paar Antworten zu geben? Der Deutsche Boxverband (DBV) jedenfalls schafft es irgendwie nicht. Es gelingt ihm einfach nicht plausibel zu machen, wofür die Teilnehmerinnen der U17/U19 Nationalmannschaft bei der WM in Antalya 2.967,00 Euro bezahlen mussten.
Zuerst hieß es, der DBV hätte ein Problem mit der Finanzierung, weil sie, die Verbandsführung, nicht wissen konnte, was ansonsten aber jedem anderen Boxinteressierten durchaus schon bekannt war, nämlich dass Frauenboxen olympisch wird. Der DBV erklärte damals leichthin: „Nach Informationen des Deutschen Boxverbandes liegt das Problem der Finanzierung des olympischen Frauenboxens an der späten Bekanntgabe der Olympiateilnahme 2012 in London. Bei der Aufstellung des Haushalts und der Einteilung der Gelder waren WM und London 2012 als Kostenfaktoren noch nicht eingeplant. Erst mit der Bestätigung des Olympischen Komitees entstand international eine entsprechende Basis.“
Was dann folgte war ein unwürdiges Schauspiel. Der DBV konnte oder wollte den Teilnehmerinnen keine detaillierte Aufschlüsselung der Kosten zukommen lassen. Was sich jedoch zeigte, war, dass ein Teil der Zahlen wohl so nicht stimmen konnte (Übernachtungskosten) und ein anderer Teil schien schlicht auf Bereicherung hinauszulaufen. Wie ist es denn sonst zu erklären, dass die Frage immer noch nicht beantwortet ist, warum die Teilnehmerinnen ca. 1.567 Euro Euro für Betreuer und Trainer aufbringen mussten. Die Trainer werden doch wohl immer noch vom DBV bezahlt. Muss ich das so verstehen, dass die Trainer doppelt kassiert haben oder dass der Verband sich auf Kosten seiner Athletinnen refinanziert hat. Die Begründung, die der Sportlichen Leiters Michael Müller hierfür liefert, grenzt für mich an einer Unverschämtheit: „Wenn wir eine WM ausstatten, dann gibt es keine Kompromisse.“ Ist das nun das Alternativlos von Herrn Michael Müller?
Ein paar Worte möchte ich doch noch verlieren über den Sportlichen Leiter des DBV Michael Müller. Ich habe mich an dieser Stelle ja schon einmal gefragt, was Herrn Müller eigentlich zu diesem Amt qualifiziert. War er ein guter und erfolgreicher Boxer? War er ein renommierter Trainer? Oder war er seit Jahren schon anderweitig dem Boxsport verbunden? – Vermutlich nichts von all dem. Focus Online schrieb über Müller: „Müller war seit 1997 als Sportdirektor für die leistungssportliche Ausrichtung und Führung des Trainerteams [bei den Ruderern] verantwortlich. Unter seiner Leitung hatte die deutsche Mannschaft in Peking [bei den Olympischen Spielen] erstmals seit 52 Jahren kein Olympiagold gewonnen.“ Womit wohl meine Frage beantwortet ist.
Der DBV hat inzwischen, soweit ich weiß, den Landesverbänden und damit den Teilnehmerinnen 1.192 Euro zurück erstattet. Die Boxerinnen haben aber 2.967,00 Euro bezahlt. Für mich heißt das erstmal nur, dass es umso dringender notwendig ist, eine detaillierte Aufstellung der Ausgaben mit entsprechenden Belegen vorzulegen.
Es wird kolportiert, dass der Präsident des DBVs Jürgen Kyas damit prahlt, durch seine guten Verhandlungen hätte das Trainingslager in Antalya nicht bezahlt werden müssen. Meinen Informationen zufolge war aber das Trainingslager von vorneherein für alle Nationen kostenlos. Oder muss ich diese Äußerungen so verstehen, dass jetzt alle Amateurboxverbände der Welt Herrn Kyas zu tiefem Dank verpflichtet sein müssen, weil er den türkischen Ausrichter erst hierzu bewegt hat. Dann wäre ja Herr Kyas einer der großen unbesungenen und zu Unrecht nicht gewürdigten und gehuldigten Helden.
Offensichtlich ist der DBV aber mit sich im Reinen und findet deshalb auch nichts dabei nun 1.350 Euro für die WM-Teilnahme der U17 der Männer zu verlangen. Nein – stimmt nicht so ganz. Der DBV schickte den Landesverbänden „einen Bogen, auf dem sich die einzelnen Vertreter mit der Zahlung von 1.350 Euro pro Teilnehmer einverstanden erklären sollen. Werden weniger als 50% der möglichen Stimmen abgegeben, gibt es keine deutsche Beteiligung an dem Turnier.“ Also, in meinem persönlichen Sprachgebrauch klingt das nach Erpressung.
Apropos Sprachgebrauch: Wenn die Spitze des DBVs auf Forderungen des Präsidenten des hamburger Amateurboxverbandes, Jimmy Jamal Abboud, nach Offenlegung der Kosten für die WM in Antalya und auf andere offene Fragen mit der Androhung von Schadensersatzforderungen in Höhe von 500.000 Euro reagiert, dann verstehe ich das als einen Versuch der Einschüchterung.
Da kommt mir irgendwie der Spruch in den Sinn: „der Fisch stinkt vom Kopf her“.
© Uwe Betker

Written by betker

24. Juni 2011 at 23:59