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Posts Tagged ‘Pete Rademacher

Ein unwürdiger Gegner

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Ein amerikanischer Journalist und Kenner des Boxens stellte den Kampf, wenn man ihn denn so nennen kann, von Wladimir Klitschko (57 Siege, 50 durch KO, 3 Niederlagen, 3 durch KO, ) gegen Jean-Marc Mormeck (41 Kämpfe, 36 Siege, 22 durch KO, 5 Niederlagen, 3 durch KO) vom 03.03.2012 in eine Reihe mit George Foreman gegen Jose Roman (01.09.1973), Joe Frazier gegen Ron Stander (25.05.1972), Joe Louis gegen Tony Galento (28.06.1939), Muhammad Ali gegen Chuck Wepner (24.03.1975) und Floyd Patterson gegen Pete Rademacher (22.08.1957). In all diesen Kämpfen verteidigte ein sehr starker Weltmeister im Schwergewicht seinen Titel gegen einen Gegner, der ihm weit unterlegen war. Aber wenn man nun Jean-Marc Mormeck in eine Reihe stellt mit Jose Roman, Ron Stander, Tony Galento, Chuck Wepner und Pete Rademacher, dann redet man, genau wie Wladimir Klitschko, ihn stark und, was noch viel schlimmer ist, man setzt die oben genannten Boxer herab.
Rademacher stellte sich als Olympiasieger und ohne Profierfahrung dem amtierenden Weltmeister im Schwergewicht, Patterson. Dabei kam es aber bis zum KO in Runde 6 doch zu einem recht unterhaltsamen, von Technik geprägten Kampf. – Das kann man über den Klitschko- Mormeck-Kampf aber durch nicht sagen.
Wepner verlor gegen Ali durch TKO in Runde 15, was schon für sich spricht. Immerhin wurde er das reale Vorbild für die Filmfigur Rocky. Eine unglaubliche Menge an Schlägen nehmend und stark blutend stapfte er unverdrossen dem Größten hinterher, um die Chance zu suchen, die er allerdings nicht hatte. – Ein unglaublicher Kampf, der Wepner zur Legende machte. Es ist nicht zu erwarten, dass jemals irgendjemand so über Mormecks Leistung sprechen könnte.
Auch der kleine, dickliche und kahl werdende Galento hatte nie eine Chance gegen Louis. Er suchte sein Glück in überfallartigen Angriffen und wilden Schwingern. Oft ließ er den Stilisten Louis dabei sogar schlecht aussehen. Auch er war sehr tapfer. Er verlor durch TKO in Runde 4. Dass auch Mormecks Kampf nur 4 Runden dauerte, ist die einzige Gemeinsamkeit zwischen ihm und Galento. Mormeck sah austrainiert aus, schlug aber so selten, auch wenn er die Möglichkeit dazu hatte, dass man ihn für den Friedensnobelpreis vorschlagen könnte.
Stander, der technisch limitiert war, hielt gegen Frazier nur eine Runde länger durch als Galento und der Herr aus Pointe-à-Pitre, Guadeloupe. Auch Stander wollte die sich bietende einmalige Chance nutzen. Er versuchte Frazier mit dessen eigenen Mitteln zu schlagen, durch Haken in der Halbdistanz und im Infight – ein absurdes und zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Aber Stander ging in den Kampf, um zu gewinnen, was man von Mormeck wohl nicht behaupten kann.
Roman schaffte es nur 117 Sekunden gegen Foreman durchzuhalten. In dieser Zeit ging er dreimal zu Boden. Foreman wollte offensichtlich von Anfang an den KO. Auch Wladimir Klitschko wollte den KO, denn er wollte sich ja für seinen 50sten KO feiern lassen. Genau dafür scheint er sich ja auch seinen Gegner ausgesucht zu haben. Mir drängte sich allerdings der Eindruck auf, dass der Titelverteidiger bereits in der ersten Runde hätte Schluss machen können. Er tat es aber nicht. Wollte er den zahlenden Zuschauern etwas bieten? Dachte er an die Werbekunden von RTL?
Es ist unübersehbar, dass die Klitschkos ein Problem haben Gegner zu finden. Aber musste es gerade ein, wie ich finde, so unwürdiger und schwacher Gegner wie Jean-Marc Mormeck sein? Mormeck wurde schließlich in keiner Rangliste mehr geführt, weil er seit über einem Jahr nicht mehr aktiv war.
© Uwe Betker

Notizen zu Willi Besmanoff (2.)

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Es gibt Kampfrekorde, die flößen mir schlicht Ehrfurcht ein. Eventuell liegt es daran, dass ich etwas altmodisch bin, aber es sind nur selten welche von heutigen Boxern. Das hat zum Teil damit zu tun, dass heute Boxer durch die Macht von einflussreichen Veranstaltern sehr viel mehr beschützt werden als Boxer es in früheren Zeiten wurden.
Einer von jenen Kampfrekorden, die mir Ehrfurcht einflößen, ist der von Willi Besmanoff. Der in München geborene (04.10.1932) Besmanoff wurde 1952 im Alter von 19 Jahren Profi. Seinen ersten Kampf (15.08.1952) verlor er direkt durch KO in Runde 4 gegen eine gewissen Heinz Schreiber. Die ersten vier Jahre seinen Karriere boxte er, abgesehen von Abstechern nach Luxemburg und Mailand, ausschließlich in Deutschland. Am Ende dieser ersten vier Jahre standen 48 Kämpfe, 35 Siege, 15 durch KO, 6 Niederlagen, 1 durch KO, und 7 Unentschieden sowie ein missglückter Versuch, gegen Willi Hoepner (25.11.1955) deutscher Meister im Halbschwergewicht zu werden, in seinem Kampfpass. Heute würden nicht wenige Boxer bei einem solchen Kampfrekord ihre Handschuhe an den Nagel hängen. Aber die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren anders.
Willi Besmanoffs Karriere fing jetzt erst richtig an. Er ging in die USA. Hier boxte er gegen alles, was Rang und Namen hatte zwischen Halbschwergewicht und Schwergewicht: Yvon Durelle (25.09.1957, L 10), Willie Pastrano (27.11.1957, L 10), Archie Moore (02.05.1958, L 10 und 25.05.1960, L TKO 10), Zora Folley (07.04.1959 L 10 und 16.09.1960, L 10), Eddie Machen (16.09.1959, L 10), Sonny Liston (09.12.1959, L TKO 7), Pete Rademacher (13.12.1960, L 10), George Chuvalo (27.06.1961, L TKO 4, 04.04.1973, L TKO 3 und 27.05.1967, L TKO 3), Muhammad Ali (29.11.1961, L TKO 7) und Bob Foster (11.12.1963, L KO 3), um nur die namhaftesten seiner Gegner zu nennen. Schaut man auf die oben aufgeführten Ergebnisse, so kann man sich vorstellen, dass es keine leichte Art war, sein Geld zu verdienen. Am 01.08.1967 bestritt er seinen letzten Kampf. Er stand 15 Jahre als Profi im Ring. Heute lebt er in einem Pflegeheim.

Willi Besmanoff:
93 Kämpfe
51 Siege davon 19 durch KO
34 Niederlagen davon 11 durch KO
8 Unentschieden
688 geboxte Runden

Ich würde gerne sehr viel mehr über ihn wissen.

© Uwe Betker

Povetkin der zaghafte Zar (2.)

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Alexander Wladimirowitsch Povetkin beherrscht das Ballyhoo des Boxsports gut. Vollmundig tönt er: „Ich werde Klitschko den WM-Gürtel entreißen!“ Wenn dann aber der Kampf in für ihn offensichtlich bedrohliche Nähe kommt, dann kann er aus irgendwelchen Gründen doch nicht gegen Wladimir Klitschko boxen. Das eine Mal hindert ihn einen Nebenhöhlenentzündung am Fliegen oder es lauern Gefahren für Leib und Leben in der unendlichen Weite der Wälder von Russland. Fast scheint es, als gäbe es da etwas, was er der Öffentlichkeit nicht sagen kann. Weiß er, dass er einen Klitschko nicht besiegen kann? Hat er deswegen Angst und will jetzt nicht versuchen, Weltmeister werden? Jedenfalls deutet alles darauf hin. Der „Zar“ hatte schon zweimal die Gelegenheit gehabt, gegen Wladimir Klitschko zu boxen. Der Zar scheint wohl ein bisschen zaghaft zu sein, denn beide Male hat er angeblich aus gesundheitlichen Gründen nicht boxen wollen.
Zur Erinnerung: Povetkin ist seit mehr als vier Jahren Profi; er bestritt 19 Kämpfe und gewann alle, davon 14 durch KO. Gleichzeitig erweckt er aber den Eindruck, mit stoischer Ruhe nur darauf zu warten, dass die Klitschkos ihren Thron endlich freiwillig räumen, damit er ihren Platz einnehmen kann.
Man kann natürlich verstehen, dass Povetkin, wenn er denn Angst hat, sich nicht traut, gegen so starke Boxer wie die Klitschkos anzutreten. Gleichzeitig kann man auch argumentieren, dass mindestens 30% von 13,13 Millionen US-Dollar eigentlich doch keine schlechte Börse für einen Kampf von 12 mal 3 Minuten ist. Wenn Herr Kalle Sauerland das als einen „Sklavenvertrag“ bezeichnet, so wird er, wenn er es denn darauf anlegen möchte, ein Heer von Menschen finden, die mit Freuden einen solchen Sklavenvertrag unterzeichen würden.
An dieser Stelle möchte ich an einen nicht so zaghaften Boxer erinnern: Pete Rademacher. Rademacher gewann wie Povetkin die Olympischen Spielen (1956 in Melbourne). Danach wollte er es dann aber direkt wissen. Er trat gleich in seinem ersten Profikampf gegen den amtierenden Weltmeister im Schwergewicht, Floyd Patterson, an. Wohl gemerkt, damals gab es nur einen Weltmeister! Am 22.08.1957 unterlag er durch KO in Runde 6, aber vorher, in Runde 2, hatte er den Weltmeister selber am Boden.
Ginge es nach mir, so sollte so etwas eine einmalige Anekdote der Boxgeschichte bleiben. Aber ein bisschen mehr Willen zum Risiko würde ich doch gerne sehen von jemandem, der Weltmeister werden will und als Weltmeister auch ernst genommen werden will.
(C) Uwe Betker

Written by betker

12. Oktober 2010 at 23:59