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Gastbeitrag: Düsseldorfer Profi-Boxer kämpft um EM-Titel

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Nein, nervös sei er nicht. Ja, er trete an, um den Titel zu gewinnen. Der Countdown läuft. Mit Zuversicht begegnet der Düsseldorfer Boxprofi Sebastian Tlatlik seiner bislang größten sportlichen Herausforderung. Am Freitag, 6. Mai, tritt der 33-jährige gegen Evgeny Chuprakov in Ekaterinburg, Russland, um die Europameisterschaft im Superfedergewicht (bis 59 kg) an.
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Endlich hat die siebenwöchige Vorbereitung ein Ende. „Die Intensität des Trainings war neu für mich“, sagte Tlatlik. Zehn Trainingseinheiten pro Woche und nebenbei noch arbeiten brachten ihn an die Belastungsgrenze. Doch damit ist jetzt Schluß. Nach Cardio-, Kraft-Ausdauer-Einheiten und zahlreichen Sparringsrunden zählt nur noch der Blick auf Samstag und auf seinen Gegner und Favoriten Evgeny Chuprakov. Seiner Außenseiterrolle ist sich der 33-jährige Kämpfer bewusst, erkennt die Vorteile seines acht Jahre jüngeren Gegners, der im Gegensatz zu ihm bereits über zwölf Runden kämpfen musste. „Diese Distanz ist mir völlig unbekannt. Bisher konnte ich meine Gegner bereits in der ersten Hälfte der angesetzten Runden besiegen“, sagt er.
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Dies wird wohl am kommenden Samstag kaum der Fall sein. Der 25-jährige Chuprakov ist mit seiner makellosen Bilanz von 15 Siegen und der bemerkenswerten Amateurkarriere von 120 Siegen bei 30 Niederlagen ein starker Gegner. Nicht zu vergessen ist dabei Happy Gilmores – so sein Spitzname – Heimvorteil. Tlatlik wird gegen einen talentierten Gegner und 5.000 Boxfans antreten müssen, die den „Palast der Spielsportarten „Uralotschka“ in einen Hexenkessel verwandeln werden. „Ich werde versuchen, mich davon nicht beeindrucken zu lassen“, zeigt sich der 33-jährige Familienvater aus Essen gelassen. Denn: Gewollt war er als Gegner nicht. Da es sich um eine Pflichtverteidigung handelt, musste Chuprakovs Management Sebastian Tlatlik den Kampf anbieten und konnte ihn nicht umgehen. Ein Vorteil? „Das spricht wohl für mich und den Respekt, den der Gegner vor mir hat. Wäre ich chancenlos, hätte ich die Reise sowieso nicht angetreten.“
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Schließlich ist der Weg nach Ekaterinenburg, rund 40 Kilometer vom Ural noch auf europäischer Seite gelegen, ebenfalls kein Zuckerschlecken. Vor Ort traf er allerdings auf professionelle Voraussetzungen. „Ich trainiere im exklusivsten Fitnesscenter der Stadt und habe dort feste Zeiten geblockt. Unsere Gastgeber sind sehr hilfsbereit und stets bemüht, dass es uns hier gutgeht.“ Dass er am Freitag von seinem sechs Jahre jüngeren Bruder Robert in der Ringecke gecoucht wird und nicht von seinem Stammtrainer Stefan Freudenreich sei kein Nachteil. „Robert ist mein boxerisches Vorbild. Er kennt mich genau und wird mir während des Kampfes wichtige Hilfen geben.“ Unterstützung erhalten die Brüder von ihrem Heimtrainer Stefan Freudenreich: „Ich weiß, dass es für Sebastian schwer wird. Ich weiß aber auch, dass er es schaffen kann.“

Weitere Hinweise:
• Evgeny Chuprakov, *4. April 1990, Ekaterinburg, Profidebut
1. Dez. 2011, Linksausleger (Quelle: boxrec.com)
• Sebastian Tlatlik, *26. Mai 1982, Bytom (Polen), Profidebut
23. März 2014, Linksausleger (Quelle: boxrec.com)
• Ekaterienburg (auch Jekaterinburg), mit rund 1,4 Millionen Einwohner viertgrößte Stadt Russlands, liegt am Uralgebirge

(C) Freudenreich Professional Boxing/Manfred Fammler

Über das Purse Bid und die Börsen für Boxer

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Wenn sich die Managements von Titelträger und Herausforderer nicht innerhalb einer Frist, die der Verband festgelegt hat, über die Modalitäten einer Pflichtverteidigung einigen können, findet nach Ablauf dieser Frist Purse Bid statt. Bei dieser Versteigerung können dann alle vom jeweiligen Verband lizenzierten Veranstalter mitmachen. Dabei wird ein verschlossener Briefumschlag mit dem Gebot und mit einem Barscheck über zehn Prozent der gebotenen Summe abgegeben. Das höchste Gebot bekommt den Zuschlag und bestimmt dann die Höhe der Börse für beide Boxer.
Auch das dritte Aufeinandertreffen von Robert Stieglitz (49 Kämpfe, 46 Siege, 26 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO) und Arthur Abraham (42 Kämpfe, 38 Siege, 28 durch KO, 4 Niederlagen, 1 durch KO), das am 01.03.2014 in Magdeburg stattfinden soll, wurde versteigert. SES Boxing, der Veranstalter des WBO Weltmeisters im Super-Mittelgewicht Stieglitz, setzte sich dabei gegen Sauerland Event, den Promoter von Abraham, durch.
SES Boxing aus Magdeburg ersteigerte den WM Kampf für 3.135.000 Dollar. Sauerland Event aus Berlin bot 1.541.414 Dollar und unterlag mit dem Gebot. Der Weltmeister Robert Stieglitz erhält 75 Prozent und sein Herausforderer Arthur Abraham 25 Prozent dieser 3.135.000 Dollar.
Nun könnte man ja meinen, es sei eine Sensation, dass der kleine Veranstalter es geschafft hat, den größeren zu überbieten. Eine Überraschung ist das sicher schon, aber keine Sensation. Der Veranstalter des amtierenden Weltmeisters hat natürlich ein Interesse daran, den Kampf selber auszurichten – oder wie es Ulf Steinforth formulierte: „Natürlich freue ich mich, dass wir hier das Purse Bid gewinnen konnten. Aber besonders für Robert, mein SES-Team und unseren TV-Partner SAT.1 freue ich mich, denn so besteht für uns mehr Planungssicherheit. Wir halten nun wieder die Fäden in den Händen.“
Bei einem Purse Bid ist in der Regel der Veranstalter des Titelverteidigers im Vorteil, u. a. wegen der prozentualen Aufteilung. Es ist nämlich zu bedenken, dass die Teilung, 75 Prozent für den Weltmeister und 25 für den Herausforderer, nur eine formale und keine reale ist. Alle Boxer, von denen ich gehört habe, nämlich, die einen Vertrag mit einem Veranstalter haben, haben einen Vertrag mit einer Obergrenze für Börsen. Das bedeutet ja wohl. dass der eigene Boxer nicht den Betrag bekommt, der ihm laut Purse Bid zustehen würde, sondern die vertraglich vereinbarte Obergrenze.
Die Obergrenze wurde seinerzeit in „Boxveranstaltungsrahmenverträgen“ eingeführt, als Universum beinahe an den sich immer weiter um 10% steigernden Börsen von Dariusz Michalczewski zerbrochen ist. Immerhin boxte Michalczewski 26-mal um den WBO Titel im Halbschwergewicht. Durch diese Obergrenze ist nun die Chance für den Titelverteidiger gestiegen, bei einem Purse Bid „die Fäden in der Händen“ zu behalten, was natürlich auch in seinem Interesse ist.
© Uwe Betker

Ein Brief von Miriam Bohn an Ina Menzer

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Die Veranstalterin von Elina Tissen (18 Kämpfe, 16 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) hat vor geraumer Zeit einen offenen Brief an Ina Menzer (31 Kämpfe, 30 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage)) geschrieben. Zuerst war ich irritiert, dann verwirrt und schließlich verzweifelt. Ich war intellektuell einfach überfordert und habe wochenlang gegrübelt. Dann kam mir die Erkenntnis. Der Brief ist ein Gesamtkunstwerk! Nur so kann man ihn angemessen würdigen.
Hier folgt nun dieser literarisch wertvolle, ja wirklich großartige und wunderbare Brief von Frau Bohn, versehen mit einem bescheidenen und dilettantischen Versuch, ihm die ihm gebührende Reverenz zu erweisen.

„Sehr geehrte Frau Menzer,“
– Der Brief fängt höflich an. Das ist schön. –
„wir haben Sie immer als Sportlerin hoch geschätzt und Ihre Leistungen ebenfalls sehr hoch eingestuft.“
– Frau Bohn spricht von sich im Pluralis Majestatis, wie früher die Königinnen und Kaiserinnen. Aber immerhin zeigt sich Frau Bohn in ihrer Funktion als Majestät huldvoll und würdigt die sportliche Leistung von Ina Menzer mit ein paar aufmunternden, warmen Worten. –
„Doch auf das Niveau auf welches Sie sich nun herablassen ist einfach nur beschämend!“
– Hoch gestiegen und tief gefallen. Ihre Majestät entzieht der Boxerin sofort wieder ihre Gunst und watscht sie öffentlich ab. Hat sich Frau Menzer da etwa eine Majestätsbeleidigung zu Schulden kommen lassen. –
„Zunächst haben Sie es bis heute vermieden, gegen Weltmeisterin Elina Tissen anzutreten und gingen lieber den einfachen Weg und verpflichteten Goda Dailydaite für Ihren Abschiedskampf.“
– Das ist also die Majestätsbeleidigung. Frau Menzer hat nicht den Schützling von Frau Bohn für ihren Abschiedskampf gebucht, nämlich Elina Tissen (18 Kämpfe, 16 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen). Das ist ja nun schon wirklich eine Majestätsbeleidigung. Interessant an diesen Ausführungen finde ich aber vor allem, dass hier unterstellt wird, ein Kampf gegen Goda Dailydaite (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO) sei der einfachere. Natürlich ist Frau Bohn davon überzeugt, dass ihre Boxerin, die sich selber Maschine nennt – ich verstehe immer noch nicht, warum ein Mensch sich selber zu einem Ding macht -, die tollste Boxerin der Welt ist. Sie ist schließlich ihre Veranstalterin und muss an so etwas glauben, oder zumindest in der Öffentlichkeit so tun. –
„Waren Sie es nicht, die nach ihrer Niederlage durch Janine Garside, immer und immer wieder davon gesprochen hat, sie wolle sich die verlorenen Welttitel zurückholen!?“
– Absolut zutreffende Feststellung! Ina Menzer pausierte nach ihrer Niederlage gegen Garside mehr als ein Jahr. Danach hatte sie, wie alle Boxer von Universum Box-Promotion nach dem Zusammenbruch ihres Veranstalters, Probleme, Kämpfe zu bekommen.-
„Bis heute haben Sie weder Elina Tissen (WIBF) noch Jelena Mrdienovich (WBC) oder gar Alejandra Marina Oliveras (WBO) herausgefordert, um besagte Titel zurück zu hohlen!“
– Frau Menzer, sie haben nicht Elina Tissen herausgefordert? Das wirft natürlich einen riesigen Schatten auf ihre über neunjährige Karriere! –
„Nun ziehen Sie es vor um den Vacanten WIBA, dem Interim der WBF und den unbekannten „Super Champ“ Titel der WIBF zu kämpfen, für den es allerdings Seitens der WIBF bis heute weder einen Vertrag noch eine offizielle Bestätigung gibt!!!“
– Nun, über den „Vertrag“ und über die „offizielle Bestätigung“ kann ich nichts sagen. Aber die dreifache Wiederholung eines Ausrufezeichens ist ja so poetisch und schön. Hier zeigt sich die Meisterin der Satzzeichen.
Ich liebe es, wenn Menschen drei Ausrufezeichen machen. Zum einen sieht das einfach wirklich schmuck aus. Zum anderen haben sie etwas Drängend, etwas Dringliches. Außerdem merkt dann auch wirklich jeder Idiot, dass das Gesagte wichtig ist. –
„Auch ist bei Boxrec lediglich der „Interims“ Titel der WIBF eingetragen und auch dort wird es diesen Titel, laut Boxrec, nicht geben und somit auch nicht eingetragen!“
– Jetzt hat sie es ihr aber gegeben. Und da ist auch wieder dieses schöne, die Bedeutung des Gesagten unterstreichende Ausrufezeichen – diesmal in der einfachen Variante. –
„Es ist doch sehr offensichtlich, dass Sie hier den Titelträgerinnen Ihrer verlorenen Titel bewusst aus dem Weg gegangen sind, um in Ihrem Abschiedskampf gut auszusehen.“
– Das ist ein brutaler Vorwurf: Eine Boxerin sucht sich für ihren Abschiedskampf ihre Gegnerin selbst aus. Das ist hart. Frau Menzer hat doch tatsächlich Frau Bohn nicht gefragt. Ruft nicht Joachim Löw bei Frau Bohn an und lässt sich bei Abschiedsspielen beraten? –
„Dafür haben wir Verständnis.“
– Da ist er wieder, der hübsche Pluralis Majestatis. Ich liebe es einfach. Und dann noch der Wechsel der Emotionen. Erst dieser eiskalt vorgebrachte Vorwurf und dann das majestätische Verständnis. Dieses Spiel mit den Emotionen – das beherrscht die Autorin einfach grandios. –
„Nicht aber dafür dass Sie, nur um mit 3 Gürteln den Ring zu verlassen, sich als ehemalige Top Boxerin auf so ein Niveau herablassen und Ihren Fans einen solchen Kampf zumuten…“
– Ist es nicht toll, wie bedeutungsschwanger diese drei Punkte den Satz beenden? Das ist ja natürlich auch schon harter Tobak. Hier wird Frau Menzer zu einer „ehemaligen Top Boxerin“ degradiert. Und dann diese Zumutung für ihre Fans. Menzer mutet ihren Fans einen Kampf gegen Dailydaite zu – eben jene Dailydaite, gegen die Tissen, die als Worldchampionesse vermarktet wird, ihre Pflichtverteidigung offenbar nicht machen wollte. Das ist schon eine Zumutung. –
„Eins noch, Felix Sturm ist Inhaber eines Super World Titels gewesen und diesen Titel gab es sicher nur, um dem wahren Weltmeister der WBA aus dem Weg zu gehen, Gennady Golovkin!“
– Da ist schon wieder ein Ausrufezeichen. Aber auch wenn hier das Ausrufezeichen ganz wichtig aussieht, so hinkt doch der Vergleich zwischen Sturm-Golovkin und Menzer-Tissen. Sturm boxt schließlich nicht gegen eben die Pflichtherausforderer, denen Golovkin aus dem Weg geht. Aber natürlich verstehen wir, dass Frau Tissen, wenn sie ihre Pflichtverteidigung auch wohl nicht machen will, dennoch die „wahre“ Weltmeisterin ist. Sie ist halt „Worldchampionesse“. –
„Wir denken, dass Sie verstehen was wir damit ausdrücken wollen…“
– Zum Abschluss gibt es dann noch diesen einfach wunderbaren Satz. Beginnend mit dem schönen „wir“, ist er doch einfach zu schön: „Wir denken, dass Sie verstehen was wir damit ausdrücken wollen…“ Hört man da nicht einen leicht koketten kumpelhaften Unterton? Hat hier vielleicht Frau Bohn sogar mit einem Auge verschwörerisch, wenn nicht gar wissend, gezwinkert. Ich liebe solche Sätze! (So jetzt habe ich auch mal ein Ausrufezeichen gemacht.) Und nicht zu vergessen die drei Punkte. Verweisen diese drei Punkte nicht in die Unendlichkeit? Wird hier nicht auf die Sterblichkeit jeder irdischen Existenz verwiesen? Welch philosophische Tiefe, ausgedrückt durch ein Auslassungszeichen. –

Der Brief ist wahrlich ein Gesamtkunstwerk. Das muss man ganz klar feststellen. Damit dürfte sich Frau Miriam Bohn in die erste Liga der Boxschreiber hineingeschrieben haben: Ernst Hemingway, Norman Mailer, Bud Schulberg, Joyce Carol Oates, Bert Randolph Sugar, Nigel Collins und Abbott Joseph Liebling – macht mal alle Platz, Miriam Bohn kommt!
(C) Uwe Betker

Ein großer Abschied für Ina Menzer

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Am 30.03.2004 konnte wohl kein Zuschauer im Saaltheater Geulen in Aachen ahnen, dass eine der vielen Frauen, die dort boxten, neun Jahre später immer noch in den Ring steigen würde. Für mich jedenfalls war sie nur eine von den Vielen, die Universum Box-Promotion damals als neue Regina Halmich zu verkaufen versuchte. Die Boxerin, von der hier die Rede ist, heißt Ina Menzer. Sie gewann ihr Profidebüt gegen eine gewisse Zsanett Erod, deren einziger Profikampf das war. Ich habe keine Erinnerung mehr an den Kampf. Ihrem Kampfrekord gemäß gewann Menzer seinerzeit durch TKO in Runde 3.
Universum Box-Promotion gibt es inzwischen nicht mehr. Regina Halmich boxt nicht mehr. Und Ina Menzer wurde keine neue Halmich. In der Bedeutungslosigkeit versank sie aber nicht. Sie wurde etwas Eigenständiges, nämlich Ina Menzer (31 Kämpfe, 30 Siege, 11 durch KO, 1 Niederlage). Sie war Weltmeisterin im Federgewicht nach Version WIBF (Women’s International Boxing Federation), WBC (World Boxing Council) und WBO (World Boxing Organization). Sie gewann ihren ersten Titel am 22.10.2005 gegen Silke Weickenmeier, und sie verlor alle ihre Titel am 03.07.2010 an Jeannine Garside.
Nun will Menzer in ihrer Heimatstadt Mönchengladbach zum letzten Mal in den Ring steigen. Dass es sich hierbei sogar um einen Titelkampf handeln soll, ist dabei schon fast nebensächlich. – Es geht um den Interims WM Titel der WBF (World Boxing Federation) und um den WIBA (Womens International Boxing Association) Titel. Was diesen Kampf aber wirklich zu einem besonderen Abschiedskampf macht, das ist die Gegnerin, Goda Dailydaite (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO).
Dailydaite gilt als die kommende Boxerin im Federgewicht. Die amtierende Weltmeisterin der WIBF Elina Tissen (18 Kämpfe, 16 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) scheint vor Dailydaite dagegen wohl Angst zu haben. Wie könnte man es denn sonst erklären, dass die Frau, die sich selber Maschine nennt und die als Worldchampionesse vermarktet, die Pflichtverteidigung ihres Titels nicht macht?
Da ist Ina Menzer aus ganz anderem Holz geschnitzt! Zum Abschluss ihrer Karriere boxt sie noch mal eine der stärksten Boxerinnen der Welt und schenkt ihren Zuschauern damit einen großartigen Kampf.
Es ist schwer zu sagen, wer den Kampf gewinnen wird. Ich persönlich sehe leichte Vorteile bei Menzer – aufgrund ihrer Erfahrung und weil Dailydaite manchmal nicht stabil steht. Gleichzeitig dürften Kraft und Ausdauer aber für Dailydaite sprechen. Deshalb halte ich auch ihren Sieg für möglich.
© Uwe Betker

Marco Huck vs. Ola Afolabi 3

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Am 08.06.2013 boxt der amtierende Weltmeister der WBO im Cruisergewicht, Marco Huck (38 Kämpfe, 35 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), zum dritten Mal gegen Ola Afolabi (25 Kämpfe, 19 Siege, 9 durch KO, 2 Niederlagen, 4 Unentschieden). Man könnte da ja meinen, Muamer Hukic würde besonders gerne gegen Afolabi antreten. Das ist aber sicher nicht so. Er muss – es ist eine Pflichtverteidigung.
Bei dem geplanten Kampf in Berlin treffen die Beiden also zum dritten Mal aufeinander. Am 05.12.2009 gewann Huck in Ludwigsburg den ersten Kampf. Die Punktrichter John Stewart, Manuel Maritxalar und Andre Van Grootenbrue sahen ihn mit 115:113, 115:113 und 116-112 vorne. Schon damals gab es allerdings einige Kritiker, die meinten, der Mann aus Ugao, Serbien hätte nicht gewonnen. Im Rückkampf, am 05.05.2012 in Erfurt, also fast zweieinhalb Jahre später, konnte Huck dann nur ein Unentschieden erreichen. Die Punktrichter Ingo Barrabas, Zoltan Enyedi und Paul Thomas werteten 114:114, 115:113 und 114:114. Das Publikum pfiff Huck und die Punktrichter aus. Vermutlich konnten nur die fanatischsten Huck-Fans damals ernsthaft glauben, Huck hätte sich wirklich ein Unentschieden erkämpft.
Huck muss somit wieder gegen einen Mann antreten, gegen den er sich immer schwer getan hat. Er kann sich jedoch glücklich schätzen, dass er auf einer Veranstaltung von Sauerland Event in den Ring steigen darf. Bei der Versteigerung des Kampfes Ende Februar unterlag sein Veranstalter nämlich gegen Don King, der den Kampf für 1,5 Millionen Dollar ersteigert und damit 536.000 Dollar mehr geboten hatte als Sauerland.
Was nun folgte, war eine Farce. King bekam den Kampf bei keinem deutschen TV-Sender unter. Der Privatsender SAT1 soll zunächst interessiert gewesen sein, wollte ihn dann aber doch nicht zeigen. Felix Sturm soll seinen Einfluss geltend gemacht haben. Es liefen aber womöglich auch schon die Verhandlungen zwischen SAT1 und SES Boxing über die Übertragung der nächsten vier Kämpfe des frischgebackenen WBO Weltmeisters im Super Mittelgewicht, Robert Stieglitz (47 Kämpfe, 44 Siege, 25 durch KO, 3 Niederlagen, 2 durch KO).
Sportlich ist der Huck-Afolabi-Kampf von sehr hohem Interesse. Obwohl Ola Afolabi manchmal eine schlampige Kampfvorbereitung nachgesagt wird, glauben viele Experten, dass er dieses Mal gewinnen wird. Für Afolabi dürfte es jetzt auch die letzte Chance sein, sich einen WM Titel zu erkämpfen. Auf der anderen Seite muss Huck, will er gewinnen, schon deutlich mehr zeigen als in seinen letzten Kämpfen. Für den deutschen Boxsport kann dabei nur hoffen, dass am Ring nicht wieder die altbekannten Punktrichter sitzen, die die Glaubwürdigkeit des Boxens in Deutschland schon ziemlich gründlich zerstört haben.
Muamer Hukic gibt sich selbstbewusst. Erst unlängst hat er über sich gesagt: „Ich bin der Boxer, den alle am liebsten sehen“. Aber, ebenfalls vor noch nicht allzu langer Zeit, als er von Sauerland Event weg wollte, hat er dann keinen Veranstalter und keinen TV Sender gefunden, der ihn unter Vertrag hätte nehmen wollen, jedenfalls nicht zu seinen Bedingungen. Nun, nachdem er bei Sauerland bis Ende 2014 verlängert hat – „ein Millionendeal“ -, muss er Leistung zeigen. Verliert Huck, dann hat Sauerland Event nämlich keinen Hauptkämpfer mehr, der einen WM Titel hat und eine gute Quote bringt.
Hier sind wir dann schon wieder beim Thema Punktrichter. Am Ring soll Lahcen Oumghar sitzen. Das ist eben jener Oumghar, der am 18.12.2010 bei Huck gegen Denis Lebedev punktete und der dann den Sauerlandboxer mit unglaublichen 115:113 vorne hatte. Damit hatte er sich seinerzeit in meiner persönlichen Hall Of Shame einen Platz gesichert. Der zweite auserkorene Punktrichter heißt Deon Dwarte. Dwarte hat sich durch sein Wirken am 28.01.2008 in Berlin seinen Platz in meiner Hall of Shame gesichert. Er sah und wertete tatsächlich Alexander Povetkin, einen Sauerlandboxer, mit 117:111, als Sieger gegen Eddie Chambers.
Die Vorzeichen sehen also nicht besonders günstig aus. Sollte Marco Huck wieder einmal das arme Opfer eines umstrittenen Punkturteils werden und dadurch wieder einmal seinen Titel, womöglich unverdient, behalten, hat Sauerland Event zwar weiterhin einen Hauptkämpfer, aber keinerlei Glaubwürdigkeit mehr.
© Uwe Betker

Das kölner Imperium wackelt

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Felix Sturm hatte es geschafft, nach seinem Weggang von Universum Box-Promotion ein Imperium aufzubauen. In seinem Reich gab es nur ihn und alles drehte sich um ihn. Er baute sich sein eigenes Gym auf dem Bonner Wall in Köln. Er schaffte es irgendwie, dass der Verband WBA (World Boxing Association) ihn zum „Super Champion“ machte, obwohl er die Voraussetzungen hierfür, nach den Regularien des Verbandes, gar nicht erfüllte. – Die Ausführungen von Ahmet Öner, wie Sturm zu diesem Titel gekommen ist, sind hier unerheblich. – Der Titel „Super Champion“ ermöglichte es ihm dann, einen Multimillionenvertrag mit SAT1 abzuschließen. Dem TV-Sender war es offensichtlich egal, dass Sturm kein richtiger Weltmeister war. Man tat einfach so als ob.
Praktisch war auch, dass er als „Super Champion“ der Verpflichtung zur Pflichtverteidigung seines Titels enthoben war. Er musste damit zwar nicht regelmäßig die Nummer Eins der Rangliste boxen, dafür setzte es ihn aber auch einer gewissen Kritik aus. Als Sturm nämlich noch bei Universum geboxt hatte, beschwerte er sich öffentlich, dass man ihm keine besseren Gegner vorsetzte. Er forderte sogar die besten Boxer als Gegner. Dabei kursierte allerdings schon damals das Gerücht, er wolle auf keinen Fall gegen seinen Stallkollegen Gennady Golovkin antreten. Nun da Felix Sturm einen übertragenden Fernsehsender und sogar seine eigene Promotion-Firma gegründet, die Felix Sturm Box-Promotion, gegründet hatte, war er doch sein eigener Herr. Er konnte sich seine Gegner nun selber suchen. Boxte er nun aber gegen die besten Boxer der Welt? – Nein! Er boxte zweitklassige Boxer und tat so, als träte er gegen Weltklasseboxer an.
Erst vor kurzem schränkte Sturm seinen Anspruch ein wenig ein, indem er zugab. „ Wir machen Kämpfe, die sportlich sowie auch wirtschaftlich Sinn machen. Das wollen manche Leute nicht verstehen. Ich scheue keine Gegner. Unser Business ist das Preisboxen. Am Ende des Tages geht es um das liebe Geld. Wir verstellen uns nicht, sind keine Schlipsträger, sind kölsche Jungs und ziehen unser Ding durch, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ (Boxen Heute 2/2013, S. 19) Nie war er offener hinsichtlich seines sehr laut artikulierten Willens die Besten boxen zu wollen. Was mich nur an dieser Äußerung wundert ist, warum der am 31. Januar 1979 in Leverkusen geborene Adnan Ćatić sich als „kölsche Jung“ bezeichnet.
Sturm braucht einen Titel. Das Problem ist nur, dass er wohl nicht noch einmal einen Titel wie den des „Super Champion“ verliehen bekommen wird. Also muss er darum kämpfen. Das wird aber nicht so einfach. Denn der beste Mittelgewichtler, Sergio Gabriel Martinez (54 Kämpfe, 50 Siege, 28 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden), der Weltmeister der WBC, World Boxing Council, steht in absehbarer Zeit als Gegner nicht zur Verfügung. Er boxt am 27.04.2013 gegen Martin Murray (26 Kämpfe, 25 Siege, 11 durch KO, 1 Unentschieden).
Daniel Geale (30 Kämpfe, 29 Siege, 15 durch KO, 1 Niederlage), der Weltmeister der IBF, International Boxing Federation, gewann erst am 30.01.2013 das inneraustralische Duell gegen Anthony Mundine (49 Kämpfe, 44 Siege, 26 durch KO, 5 Niederlagen, 2 durch KO). Wieso sollte Geale Sturm einen Rückkampf in Deutschland geben, wenn er hier nur in einer relativ kleinen Halle antreten würde, wo er in seiner Heimat das Entertainment Centre in Sydney voll bekommt?
Der WBO, World Boxing Organization, Champion Peter Quillin (28 Kämpfe, 28 Siege, 20 durch KO) boxt am 27.04.2013 in Barclays Center, Brooklyn, New York, gegen Fernando Guerrero (26 Kämpfe, 25 Siege, 19 durch KO, 1 Niederlage, 1 durch KO).
Der Titelträger der WBA, World Boxing Association, Gennady Golovkin (26 Kämpfe, 26 Siege, 23 durch KO) hatte erst vor kurzem, am 30.03.2013, einen Kampf. Er schlug Nobuhiro Ishida (35 Kämpfe, 24 Siege, 9 durch KO, 9 Niederlagen, 1 durch KO, 2 Unentschieden) in der dritten Runde KO. Ein Kampf von Sturm gegen Golovkin wäre längst überfällig. Angeblich zieht Sturm mittlerweile sogar einen Kampf gegen ihn in Erwägung, wie es heißt, noch in diesem Jahr. – Also weit und breit ist kein Titel für Felix Sturm in Sicht, jedenfalls keiner, den man einfach so bekommt.
Sturms Idee, die ehemalige Weltmeisterin im Fliegengewicht Sjusanna Lewonowna Kentikjan oder auch Syuzanna Kentikyan oder auch Susi Kentikian (33 Kämpfe, 30 Siege, 16 durch KO, 2 Niederlagen), mit reinzunehmen,- war wohl auch nicht so besonders gut. Kentikian gewann zwar ihren letzten Kampf, am 01.02.2013 gegen Sanae Jah, der besten Fliegengewichtlerin in Belgien, aber vorher, am 01.12.2012, hat sie gegen Carina Moreno (28 Kämpfe, 23 Siege, 6 durch KO, 5 Niederlagen) verloren und ist dadurch nicht WBA Champion geworden. Nicht nur, dass Kentikian nicht wieder Weltmeisterin wurde, sie zeigte sich dann nach dem Kampf auch wieder als schlechte Verliererin. Sie, die selbst so oft von den sehr subjektiven Wahrnehmungen von Punktrichtern und Ringärzten profitiert hatte, beschwerte sich. Was aber noch schlimmer war: Die Einschaltquote war nicht gut.
Auch die vollmundige Ankündigung von Mohammed Lassoued, Maurice Weber (19 Kämpfe, 17 Siege, 5 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden), „Ich will Sturms erster Weltmeister werden!“ ist eher eine Projektion in die fernere Zukunft. Weber ist zurzeit nur die Nummer 3 in Deutschland und die Nummer 138 in der Welt.
Felix Sturm steht unter Druck. Er braucht einen Titel, um seinem TV Sender etwas bieten können. Aber woher nehmen? Wackelt etwa sein kölner Imperium?
© Uwe Betker/www.box-blog.de

Ein großer Frauenboxkampf wirft seinen Schatten voraus

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Ende April wird es vermutlich zu einem großen Frauenboxkampf in Deutschland kommen. Elina Tissen (17 Kämpfe, 15 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen) muss ihre Titel der WIBF und GBU (Women`s International Boxing Federation und Global Boxing Union) im Federgewicht gegen Goda Dailydait (8 Kämpfe, 8 Siege, 2 durch KO) verteidigen. Dailydaits Veranstalter Khalil BoxPromotion hat die Pflichtverteidigung von „Elin the Machine“ (- Wie kann man sich selber nur zu einem Ding erklären?) ersteigert.
Besonders brisant wird das Aufeinandertreffen der Beiden dadurch, dass 2011 Tissen Dailydait und ihren Trainer Thorsten Brück bei einer Veranstaltung aus dem Saal hat entfernen lassen. Offensichtlich wollten Tissen und ihr Management nicht, dass ein zukünftige Gegnerin und direkte Konkurrentin sie boxen sehen könnte.
Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass Tissen, ihre Promoterin Miriam Bohn und ihr Trainer Maiki Hundt nicht Angst bekommen. Auch größere Veranstalter (z.B. Sauerland Event) und bekanntere Boxer (Dominik Britsch) haben es schließlich schon vorgezogen, sich aus einer Pflicht herauszustehlen und lieber einen Titel niederzulegen, als einen schweren Gegner auf einer Fremdveranstaltung zu boxen. Im Falle von Sauerland Event und Dominik Britsch hat es allerdings beiden nichts genutzt. Sauerland büßte erheblich an Glaubwürdigkeit ein, weil der Titel erst dann zurückgegeben wurde, als die Versteigerung der Pflichtverteidigung verloren war. Und der Mittelgewichtler Dominik Britsch mutierte von „einem der größten deutschen Hoffnungsträger“, zum „Absteiger des Jahres 2012“ – der mit den Haaren.
Man kann nur hoffen, dass der Kampf zwischen Elina Tissen und Goda Dailydait stattfinden wird, denn er verspricht ein großer zu werden.
© Uwe Betker