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Über Felix Sturm, Doping im deutschen Profiboxen und über Doping im Allgemeinen

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Felix Sturm (49 Kämpfe, 40 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 3 Unentschieden) hat ein Problem. Der amtierende Super Champion der WBA war laut Presseberichten bei seinem letzten Sieg über Fedor Chudinov (14 Kämpfe, 14 Siege, 10 durch KO, 1 Niederlage) am 20.02.2016 in Oberhausen, der nicht einmal unumstritten war, gedopt. In seiner Dopingprobe fand man die verbotene Substanz Hydro-XY-Stanozolol. Stanozolol ist, laut Wikipedia „ein synthetisches anaboles Steroid, das sich vom Testosteron ableitet. Der Besitz von nicht geringen Mengen Stanozolol (gemäß Dopingmittel-Mengen-Verordnung über 150 mg) zu Dopingzwecken steht laut Arzneimittelgesetz in Deutschland unter Strafe.“
Ich muss zugeben, dass ich kein Spezialist für Doping bin, daher kann ich auch nichts sagen über den Nutzen von Stanozolol beim Boxen. Thomas Pütz, der Präsident des BDB, wird wie folgt zitiert: „Dieses Mittel bringt einem Boxer noch nicht einmal was – es kommt aus dem Bereich des Bodybuilding.“ Viele schreibende Kollegen haben diese Information aufgegriffen und kolportieren sie. Wenn man aber Stanozolol googlet, kann man den Eindruck bekommen, dass dieses anabole Steroid im Leistungssport aber doch immerhin sehr weit verbreitet ist. Positiv getestet auf Stanozolol wurden u. a. der Leichtathletiksuperstar Ben Johnson. Aber auch Langstreckenläufer, Gewichtheber, Ringer, Baseballspieler und natürlich nicht zu vergessen Radsportler. Wie gesagt, ich bin kein Dopingspezialist, und natürlich kann ich mich irren. Aber mir scheint Stanozolol nun kein Mittel vor allem für Bodybuilder zu sein, sondern eher so was wie ein Universalmittel für alle Doper in allen Sportarten.
Eine Anmerkung vom Präsidenten des Bundes Deutscher Berufsboxer ist noch bemerkenswert. Er sagte wohl: „Mich hat das auch völlig überraschend getroffen. Die WBA hat uns nicht informiert. Sturm ist lizenzierter Boxer des BDB, der Kampf hat in Deutschland stattgefunden und nach den Regeln des BDB. Wir haben den Kampf beaufsichtigt. Das ist für mich alles komisch und undurchsichtig. Die WBA hätte zunächst uns informieren müssen. So einen Vorgang habe ich noch nie erlebt.“
Seltsam ist es schon, dass das Ergebnis acht Wochen nach dem Kampf erst herauskommt. Auch das Verhalten der World Boxing Association ist seltsam. Andererseits meine ich mich dunkel erinnern zu können, dass es da auch schon mal einen nationalen Verband gab, der ein Dopingvergehen nicht an den internationalen Verband gemeldet hat. Meine Erinnerung kann mich aber auch täuschen.
Sturm, der Hauptbetroffene, zeigte sich geschockt. Es sagte gegenüber einer Boulevardzeitung: „Ich kann beschwören, dass ich wissentlich solch ein Mittel nicht genommen habe.“ Und dann weiter: „Ich bin sicher hundertmal getestet worden, mit Blut und Urin. Nie hat es was gegeben. Ich habe ein absolut reines Gewissen. Ich werde jetzt einen Anwalt nehmen.“
Auch für Profisportler gilt die Unschuldsvermutung und daher sollte man Sturm auch zubilligen, dass er bis zum Beweis seiner Schuld als unschuldig zu gelten hat. Aber gerade das mit dem Beweis ist so eine Sache. Sturm kann natürlich die B-Probe öffnen und analysieren lassen. Aber an wie viele Dopingfälle kann ich mich erinnern, bei denen die B-Probe ein anderes Ergebnis erbrachte als die vorangegangene? – Keinen.
Man kann natürlich auch hingehen, was ziemlich in Mode gekommen ist, und die Genauigkeit der Testverfahren von Urinproben in Frage stellen. Dadurch würde dann jede Dopingprobe zur reinen Makulatur verkommen. Wie gesagt, ich bin kein Spezialist, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass durch eine Blutprobe, die mehr als acht Wochen nach dem Kampf genommen wird, eine verbotene Substanz genauer festzustellen ist als durch eine Urinprobe direkt nach dem Kampf.
Ein Problem jedenfalls scheint sich mir immer wieder zu zeigen: Die verschiedenen Verbände und Länder haben in der Regel nur ein sehr schwaches Interesse daran, überhaupt gegen Doping vorzugehen. Wir erinnern uns an den Fall Fuentes. Solange die Überführten nur Radfahrer waren, wurde fleißig ermittelt und wurden Dopingsünder überführt. Kaum wurde sichtbar, dass auch Fußballer dopen, wurden die Akten schnell versiegelt. Die spanische Justiz wollte offensichtlich keine Beweise gegen Fußballer, schon gar nicht spanische, wahrnehmen.
Der von uns doch so verehrte Trainer von Bayern München Josep „Pep“ Guardiola i Sala war tief in einen Dopingfall verwickelt. 2001 wurde er positiv auf Nandrolon getestet, einem anabolen Steroid. Er wurde sogar für vier Monate (!) gesperrt. 2005 wurde er als erster Spieler wegen Dopings zu einer Haftstrafe von sieben Monaten und einer Geldstrafe von 9.000 Euro verurteilt. Er legte Berufung ein und blieb bis zur Verhandlung in Freiheit. 2009 wurde er dann von sämtlichen Dopingvorwürfen freigesprochen. Interessant finde ich vor allem, dass niemals öffentlich die Frage gestellt wurde, ob man einen Mann, der bis zu den Hüften in eine Dopingaffäre verwickelt war, denn überhaupt als Trainer – als „Vorbild für die Jugend“ – nehmen kann.
Die Dopingskandale im deutschen Profiboxen häufen sich. Es stand oder steht der Verdacht im Raum, dass der Schwergewichtler Erkan Teper (15 Kämpfe, 15 Siege, 10 durch KO) am 17.07.2015 gegen David Price zum zweiten Mal gedopt war.
Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Europameister im Halbschwergewichts Igor Mikhalkin (19 Kämpfe 18 Siege, 9 durch KO, 1 Niederlage) am 12.03.2016 gegen Patrick Bois positiv auf Meldonium getestet worden ist. Das Herz- und Kreislaufmedikament steht seit Anfang des Jahres aber auf der WADA-Liste für verbotene Substanzen. Mikhalkin gibt die Einnahme von Meldonium zu. Gibt aber zu bedenken: „bis vor wenigen Monaten war das ja auch erlaubt und in Russland absolut gängig. Ich habe nicht mitbekommen, dass es inzwischen verboten ist. Ich hatte es sowieso abgesetzt gehabt. Aber offenbar dauert es sehr lange, bis es im Körper komplett abgebaut wird.“ – Mir drängt sich aber die Frage auf: Nur weiß ich nicht, warum man Meldonium überhaupt nehmen sollte, wenn man keine Herz- Kreislaufprobleme hat.
Und nun ist also der Verdacht aufgetaucht, dass Felix Sturm in seinem letzten Kampf gedopt war. Wie schon gesagt, wir glauben natürlich alle, dass Sturm ein sauberer und fairer Sportsmann ist, der nicht dopt. Nichtsdestotrotz haben wir ein massives Dopingproblem im Profiboxen in Deutschland. Wir dürfen gespannt sein, ob die deutschen Verbände das nun auch lösen wollen, z.B. durch Trainingskontrollen und abschreckende Strafen – oder ob sie es aussitzen wollen.
© Uwe Betker

Fünf Scheiben Mitleid für den BDB

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Man könnte jetzt einen Klagegesang über den Niedergang und der Selbstzerstörung des BDBs verfallen. Aber vielleicht ist es besser, dem Bund Deutscher Berufsboxer einfach ein paar dicke Scheiben Mitleid zu schenken.
Der BDB bekommt von mir die erste dicke Scheibe Mitleid dafür, dass sie überfordert sind. Der BDB muss Woche für Woche dutzende Veranstaltungen in Deutschland sanktionieren. Vermutlich muss Herr Pütz jeden Freitag und jeden Samstag, in seiner Funktion als Präsident des BDBs, irgendwelche Boxer zum Ring begleiten, damit sie sich nicht verirren. Wenn so viele Boxkämpfe sanktioniert werden müssen, passieren schon einmal Fehler.
Ein zweite Scheibe Mitleid bekommt der BDB von mir dafür, dass es schon extrem schwer ist angemessen auf Doping zu reagieren. Ist es eine BDB Boxer der Übeltäter, kann man wohl eine Sperre schon einmal vergessen. Ist der Übeltäter ein Boxer, der einen BDB Boxer besiegt hat, muss man wohl erste sich an die Presse wenden, bevor weiter Schritte einleitet. Jeder Schritt muss wohl bedacht sein!
Eine dritte Scheibe Mitleid bekommt der BDB dafür, dass es unglaublich schwer ist den Überblick zu behalten, wer vom BDB und von der EBU gesperrt ist. Will man kontrollieren, wer von der European Boxing Union gesperrt ist, muss man erst die Website der EBU suchen. Was ja schon sehr schwierig ist. Danach muss man die Liste der gesperrten Boxer finden. Da die Seite nicht auf Deutsch ist, muss man rudimentär englisch können. Man könnte sich hier behelfen, indem man sich auf einen Zettel „EBU – List of Suspended Boxers“ oder „Suspensions List“ aufschreibt und diesen neben dem Computer legt, damit man weis, wonach man suchen muss. Man könnte natürlich auch hingehen, und in der oberen Leiste den zweiten Button (auf Deutsch: Knopf) von rechts anklickt. Hier nun tauchen 33 Namen auf. Leider sind sie weder alphabetisch oder nach Gewichtsklassen geordnet. Wodurch die Gefahr extrem hoch ist, dass man einen Namen überliest.
Eine vierte Scheibe Mitleid dafür, dass die drei Hauptpersonen des BDB vermutlich gar nicht erkennen konnten, dass Kahl ein unwürdiger Herausforderer ist. Woher sollen sie es den wissen? Der Kampfrekord ist nur eine Aufzählung von Namen, Daten und Ergebnisse. Der Präsident des BDB Thomas Pütz, der Vizepräsident Sport Volker Grill und der Repräsentant des BDBs bei der EBU Stefan Braune haben doch ihr Wissen über das Boxen bei Universum Box-Promotion unter der Leitung von Klaus-Peter Kohl gelernt.
Eine fünfte Scheibe dafür, dass der Repräsentant des BDBs bei der EBU Stefan Braune vermutlich erheblich überqualifiziert ist, um so etwas wie eine „Suspensions List“ im Auge zu behalten. Als Geschäftsführer von Universum machte er im Auftrag von Klaus-Peter Kohl die Vollversammlung des BDBs zu einer Farce, da nämlich Universum durch übertragene Stimmen allein über den Kurs des Verbandes bestimmte. Danach wurde er bei der Firma Pütz Security angestellt.
Braune Ruf wie Donnerhall vernahm jedes Mitglied der EBU. Sofern ich richtig informiert bin, wurde Braune seit seiner Ernennung durch Pütz nicht ein einziges Mal als EBU Delegierter angefordert. Einfach weil sein Ruf so gut und er überqualifiziert ist. – Aber wie gesagt hier kann ich mich auch irren.
Genug Mitleid verteilt. Der BDB hat Geschichte geschrieben. Er hat erst ihren wichtigsten Titel regelwidrig verschenkt, dann wohl den schlechtesten Titelkampf seiner langen Geschichte sanktioniert und dann war einer der Akteure von diesem auch noch gesperrt.
© Uwe Betker