Box-Blog

Posts Tagged ‘Präsident

Gastbeitrag: Boxsport-Geschichte in Deutschland geschrieben / Gemeinsame Tagung unter dem Motto: „Zusammen sind wir stark“

leave a comment »

Auf Einladung des Bürgermeisters der Stadt Karlsruhe und des Präsidenten des Badischen Landessportbundes, Dr. Martin Lenz trafen sich am Dienstag, 16. Mai 2017 im Hoepfner Burghof (Gastgeber: Willy Schmidt und die Hoepfner Brauerei Karlsruhe) die Vertreter der wichtigsten Organisationen, die im deutschen Boxsport, sowohl im olympischen Boxen als auch im Profiboxen tätig sind.

Ziel war es, im Rahmen des „Come together“, durch einen intensiven Gedankenaustausch nach Verbesserungen der Zusammenarbeit und gegebenenfalls gemeinsamen Projekten zu suchen.

So haben sich im „Mälzerstüble“, zu einer historischen Besprechung, die Delegationen des BDB, DBV/AIBA und des Badischen Landessportbundes zusammengefunden. Unter der Schirmherrschaft von Dr. Martin Lenz und Karlsruhes Sportbotschafter Rainer Gottwald nahmen folgende Offizielle an der Tagung teil:

Vom Bund deutscher Berufsboxer (BDB): Präsident Thomas Pütz, Vizepräsident Sport Volker Grill und Kampfrichterobmann Walter Knieps

Vom Deutschen Boxsport-Verband (DBV): DBV-Präsident Jürgen Kyas, DBV-Sportdirektor Michael Müller, DBV-Vizepräsident/Kampfrichterobmann Erich Dreke, DBV-Vizepräsident Uwe Hamann (gleichzeitig Präsident des Boxverbandes Baden-Württemberg), Baden-Württembergs Vizepräsident Marco Grund, HBV-Präsident Daniel Tischer und der Vorsitzende der Technical &Rules-Kommission der AIBA (und Berater von TS Fight Sport) Helmut Ranze, und DBV – Bundestrainer Valentin Silaghi

Von TS Fight Sport dessen Chef Thomas Schwarz

Nach ausgiebiger Diskussion und Einschätzung des derzeitigen Umfeldes im Bereich des olympischen Boxens und des Profiboxens resultierte die klare Erkenntnis, dass nur mit einer engen und effizienten Zusammenarbeit aller wichtiger Partner und hier zählen auch insbesondere die seriösen Promotoren dazu, der Boxsport in Deutschland zukunftsfähig und hochattraktiv für mögliche Fernsehsender gemacht werden kann und muss.

Aufgrund der Regeländerung des Weltverbandes AIBA ist es jetzt möglich, eine enge Zusammenarbeit zwischen Profis und olympischem Boxen zu organisieren. Hierzu laufen bereits erste Gespräche. Entsprechend ist jedoch, dass erst einmal die Grundlagen der Zusammenarbeit strukturiert werden müssen.

Gründung eines Aufsichtsrates

Als übergreifendes Führungselement wurde aus Vertretern des DBV, des BDB, der AIBA und auch Vertretern deutscher Promotoren ein Aufsichtsrat gegründet. Einstimmig wurde hier als Vorsitzender des Aufsichtsrates Dr. Martin Lenz gewählt.

Weitere Mitglieder des Aufsichtsrates sind: Thomas Pütz, Jürgen Kyas, Helmut Ranze, Michael Müller und Rainer Gottwald

Einsetzung einer Arbeitsgruppe:

Als erste Arbeitsgruppe für den Bereich „sporttechnisches Regelwerk“ wurde der DBV- Vizepräsident/Kampfrichterobmann Erich Dreke sowie der Vizepräsident des BDB, Volker Grill und der Vorsitzende der AIBA-Technical & Rules Commission Helmut Ranze eingesetzt.

Ziel ist es hier die Wettkampfgrundlage zu schaffen, die bestehenden Regelwerke zu harmonisieren und anzupassen und ebenso die Arbeitsgrundlagen für Trainer und Kampfrichter zu definieren.

Eine weitere Arbeitsgruppe für Entwicklungsstrategien/Wettkampfstrukturen wird ebenfalls in Kürze berufen.

Als sehr wichtiger Punkt wurde festgehalten, dass diese Zusammenarbeit mit deutschen Organisatoren ausgerichtet werden muss.

Wichtige weitere Positionen sind ein konsequenter Anti-Doping Kampf, eine sehr hohe medizinische Absicherung der Athleten/innen, systematische Verfolgung der dualen Karriereplanung der Athletinnen und Athleten, die Kernkompetenz des DBV im Bereich der Trainerausbildung, die um beide Ausbildungsinhalte ergänzt wird, sowie die Ausbildung der Kampfrichter.

Die gesamte Entwicklung soll in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem Weltverband AIBA stattfinden, um die Boxlandschaft in Deutschland so zu ordnen und zu strukturieren, dass die Hauptzielstellungen:

Medaillen bei Olympischen Spielen
Medaillen bei Weltmeisterschaften
Profi-Weltmeister
Gemeinsame Events
Gemeinsames TV

und vieles mehr angestrebt werden.

Diese Arbeiten sollen bis Ende 2017 abgeschlossen sein, um dann mit einem überzeugenden Gesamtkonzept den deutschen Fernsehsendern ein attraktives Angebot machen zu können.

„Gemeinsam sind wir stark“ war das Motto und Boxsport-Geschichte wurde geschrieben.
(C) DBV

Ungemach für den BDB

leave a comment »

Dem Bund Deutscher Berufsboxer e.V. droht Ungemach. Mir scheint gerade dieses etwas antiquiert wirkende Wort „Ungemach“ zutreffend zu sein, denn es bedeutet, laut Wikipedia: „Notlage, Unglück, Leid, Krise, Unannehmlichkeit, Kummer, Unglück, Missstand, Verlust“. Der Begriff Ungemach umfasst ein breites Spektrum an Negativem.
Wenn nun also mein Artikel heißt: „Ungemach für den BDB“, dann kann das heißen, dass der älteste der deutschen Profiboxverbände in einer Notlage ist, Unglück hat, leidet, in einer Krise ist, Unannehmlichkeiten hat, unter Kummer leidet, unglücklich ist, dort ein Missstand herrscht oder er etwas verliert. Dies scheint mir die Lage doch ziemlich exakt zu umschreiben.
Vor kurzem ging durch die Presse, das Landgericht Kiel hätte die Dopingsperre gegen den australischen Profiboxer Sam Soliman für unwirksam erklärt. Wir erinnern uns: Am 01.02.2013 traten in Düsseldorf Felix Sturm und Sam Soliman in einem IBF-WM-Ausscheidungskampf gegeneinander an. Der Australier gewann einstimmig nach Punkten (116:111, 114:113 und 114:113). Wenig später teilte die Nationale Doping Agentur NADA dem BDB mit, Soliman sei positiv getestet worden. Wenn ich mich recht entsinne, informierte der Präsident des BDB Thomas Pütz, nach eigenen Bekunden, daraufhin erst die Presse, dann die IBF und schließlich Soliman.
Der BDB änderte den Punktsieg von Soliman in ein No-Contest und verhängte eine neunmonatige Sperre. Ich kann mich natürlich irren, aber soweit ich informiert bin, werden überführte Doper, die mit einer BDB Lizenz boxen, nur für sechs Monate gesperrt und die Ergebnisse der Kämpfe werden nicht geändert.
Die Sperre kümmerte Soliman auch nicht weiter. Sie gilt schließlich nur für Deutschland und er wurde ja auch nicht von dem einen der zwei bis drei deutschen Verbände lizensiert. Im Dezember 2014 boxte er in Australien und dann am 31.05.2015 in Krefeld erneut gegen Sturm. In diesem IBF WM-Kampf hat er Sturm ziemlich vermöbelt. Die Punktrichter werteten 118:110, 118:110 und 117:111.
Das Dopng betreffend, gab Soliman an, nicht vorsätzlich gedopt zu haben. Er hätte lediglich den australischen Energy-Drink „Black Bomb“ getrunken. Tatsächlich wurde auch festgestellt, dass die nachgewiesene verbotene Substanz hierin enthalten ist. Eigentlich, sollte man meinen, ist es doch egal, ob jemand nun vorsätzlich oder fahrlässig dopt. Doping bleibt Doping. Aber Soliman schaltete einen Rechtsanwalt ein, Prof. Dr. Rainer Cherkeh, und klagte gegen die Vorstandsentscheidung des BDB – und er bekam nun auch Recht. Vermutlich wird der BDB aber noch weitere Rechtsmittel gegen dieses Urteil einlegen.
Solimans Rechtsanwalt kündigte nach dem Urteil an, Schadenersatzansprüche gegenüber dem BDB geltend machen zu wollen. Da der BDB nur ein eingetragener Verein ist, ohne großes Vereinsvermögen, dürfte dies den vermutlichen Konkurs des BDB zur Folge haben. Um Regressansprüche geltend machen zu können, muss aber das Urteil erst einmal rechtskräftig werden.
Man kann natürlich nun darüber spekulieren, was Sam Soliman denn überhaupt an Schaden entstanden ist. Aber das Urteil (Aktenzeichen 9O283/13) des Landesgerichts Kiel ist nun mal da und damit droht für den BDB Ungemach.
© Uwe Betker

Ein kurzer Blick auf Erkan Teper, Z!-Promotion und den BDB

leave a comment »

Erkan Teper stieg am 03.07.2016 in Reppenstedt wieder in den Ring. Teper (16 Kämpfe, 16 Siege, 10 durch KO) traf dort auf den US-Amerikaner Derric Rossy (42 Kämpfe, 30 Siege, 14 durch KO, 12 Niederlagen, 5 durch KO). Der Kampf war gut angesetzt. Teper, vor dem Kampf die Nummer 10 in der Welt, nach dem Kampf die Nummer 9, traf auf die Nummer 38 in der Welt (vor dem Kampf). Der Kampf hatte zum Ziel, die Position von Teper unter den Top Ten des Schwergewichts zu sichern, was er auch tat, ohne jedoch ein allzu großes Risiko darzustellen. Rossy hat nur eine KO-Quote von 33%, was für einen Schwergewichtler nicht viel ist. Hinzu kam, dass er von seinen letzten acht Kämpfen sechs verloren hatte. Er war also genau der Mann, den Z!-Promotion für Teper gesucht hat. Teper gewann nach Punkten. Die Rechnung ging also auf.
Für Teper und Z!-Promotion kann dieser Kampf nur als Zwischenstation angesehen werden. Beide wollen einen Kampf um einen oder mehrere WM-Titel im Schwergewicht, und dafür sind nun mal solche Ansetzungen nötig. Der Kampf zwischen Teper und Rossy ist aber schon auch von allgemeinem Interesse, d.h. abgesehen von den Titelkampfhoffnungen von Tepers Management.
Tepers Auftreten ist schon bemerkenswert. Es war sein erster Auftritt nach seiner positiven Dopingprobe von dem Kampf um die EBU-Europameisterschaft am 17. Juli 2015 gegen den Briten David Price. Vom BDB wurde er dafür für ein Jahr und von der EBU für zwei Jahre gesperrt. Der BDB setzte sich dann über die Tepers Sperre durch die EBU hinweg und sanktionierte den Kampf. Gleichzeitig musste Teper, der schon zweimal wegen Dopings aufgefallen ist, seine BDB-Sperre nicht in voller Länge verbüßen. Teper konnte nämlich zwei Wochen vor Ablauf der Sperre einen Kampf bestreiten.
Thomas Pütz vom Bund Deutscher Berufsboxer erklärte gegenüber boxen1.com: „Wir haben uns mit Z!-Promotion und Erkan Teper einigen können, was die Sperre betrifft. Erkan Teper musste für sein Vergehen eine hohe Strafe zahlen, zudem hat sein Promoter Z!-Promotion eine Sicherheitsleistung bei uns hinterlegt. Damit Teper am 3. Juli wieder unter BDB-Lizenz boxen darf, haben wir vereinbart, dass er sich ständigen Trainingskontrollen unterziehen muss. Die Kosten dafür trägt Z!-Promotion. Zudem müssen wir immer darüber unterrichtet werden, wo er sich aufhält um bei Bedarf auch unangekündigte Kontrollen durchführen zu können.“
Bemerkenswert an den Ausführungen des Präsidenten vom BDB ist, dass hier nun wohl zum ersten Mal etwas durchgeführt wurde, was doch angeblich nicht durchführbar ist. Ich meine mich nämlich noch dunkel daran erinnern zu können, wie Pütz sich wortgewaltig gegen Dopingkontrollen beim Traing aussprach. Er argumentierte mit den zu hohen Kosten. Die werden nun aber offensichtlich vom Promoter getragen. Pütz argumentierte, wenn ich mich recht entsinne, aber auch schon mal dahingehend, dass Trainingsproben schwierig zu nehmen seien, weil ein Boxer „als „Weltbürger“ überall zu Hause sei und damit nicht in der Lage, seinen Standort Monate vorher bekanntzugeben.“ Es kann aber sein, dass Pütz hier über Wladimir Klitschko sprach.
Durch den Kampf von Erkan Teper ist nun jedenfalls bewiesen worden, das Dopingkontrollen während der Vorbereitung auf einen Kampf in Deutschland möglich sind – und dies auch unter der Aufsicht des Bundes Deutscher Berufsboxer. Jetzt kann man nur hoffen, dass der BDB endlich Dopingkontrollen im Training einführt.
(C) Uwe Betker

BDB ändert Punkturteil eines Kampfes

leave a comment »

Offensichtlich hat der BDB das Punkturteil des Kampfes von Bintou Yawa Schmill (jetzt: 13 Kämpfe, 13 Siege, 11 durch KO) und Ester Konecna (jetzt: 2 Kämpfe, 1 Sieg, 1 Niederlage) geändert. Wir erinnern uns: Die hoch gehandelte Weltergewichtlerin Schmill traf nach eine beeindruckenden Siegesserie am 20.03.1016 im Delphi Showpalast in Hamburg auf die Tschechin Konecna, die bis dahin nur einen Kampf bestritten hatte. Schmill unterlag nach Punkten. Es war eine Mehrheitsentscheidung der Punktrichter vom Bund Deutscher Berufsboxer. Schmill kritisierte in den sozialen Netzwerken dieses Urteil: „Mieser Betrug dieses mal am eigenen Leibe gespürt. 1 Kampfrichter stimmt wie folgt (1. & 3. Runde hatte ich abgegeben dafür aber die 2.4.5.6. Runde geführt) während die 2 anderen Kampfrichter sich einig waren und mir ausgerechnet die 1.&3. Runden gaben, Aber dafür die 2.4.5.6. Runden nicht. Nun es war leider nicht mein derbster Kampf, aber Leute gewonnen ist gewonnen PUNKT. […] Morgen geht es in die nächste Runde, Einspruch!!!“
Augenscheinlich hat die 32-jährige Schmill und/oder ihr Veranstalter PSB Box Team Einspruch gegen das Urteil eingelegt, denn das Urteil wurde zu Gunsten von Schmill geändert. Wenn ich richtig unterrichtet bin, ist das fast drei Monate nach dem Kampf passiert. Nach Revision des Ergebnisses durch den BDB punkteten die Punktrichter nun: Timo Habighorst 59:56, Frank Michael Maass 58:56 und Herbert Urich 58:56. Wenn ich Schmill richtig verstanden habe, war die Punktwertung vorher: 58:56, 56:58 und 56:58.
Lukas Konecny, der Präsident des Tschechischen Boxverbandes, hat es bis vor kurzem nicht geschafft, eine klärende Auskunft über die Vorgänge zu bekommen. Leider werden solche Änderungen von Ergebnissen durch den BDB, soweit ich weiß, nicht öffentlich gemacht. Das ist schon sehr bedauerlich, denn jeder Zuschauer, der in Halle Zeuge der Urteilsverkündung war, hat ein Recht zu erfahren, warum Ester Konecna nun nicht mehr Siegerin ist. Soweit ich informiert bin, und natürlich kann ich falsch unterrichtet sein, weiß Ester Konecna nicht, warum ihr der Sieg aberkannt wurde. Wer änderte überhaupt das Punkturteil?
Ich persönlich halte es für zwingend notwendig, Änderungen von Urteilen transparent zu machen. Wird ein Punkturteil geändert und wird das dann nicht plausibel begründet, so entstehen doch zwangläufig Vermutungen und Verdächtigungen – und die sehen sicherlich alle nicht nett aus.
Wendet man sich gegen Tatsachenentscheidungen am Ring, so hat das immerhin fatale Folgen für die Reputation der Punktrichter. Egal, wie man es drehen und wenden will, Verlierer sind in jedem Fall die Punktrichter. Wird dann noch ein Sieg, der durch Mehrheitsentscheidung für den einen Boxer erzielt wurde, geändert in einen einstimmigen Punktsieg für den anderen Boxer, so haben wir gleich mehrere Verlierer. Ein Punktrichter oder Supervisor war da entweder nicht fähig, richtig zu addieren, oder zwei Punktrichter haben die Ecken/Boxer vertauscht oder die beiden waren schlicht inkompetent und konnten nicht richtig punkten und, oder, und, oder. Die Verlierer sind die Punktrichter, denn die werden von ihrem Verband öffentlich abgewatscht. Der größte Verlierer ist aber natürlich das Profiboxen in Deutschland, bzw. dessen Glaubwürdigkeit.
© Uwe Betker

Eine perfekte Inszenierung: Die erste PK zu Wladimir Klitschko vs. Tyson Fury

leave a comment »

Am 24. Oktober 2015 sollen Wladimir Klitschko (67 Kämpfe, 64 Siege, 3 Niederlagen, 3 durch KO) und Tyson Fury (24 Kämpfe, 24 Siege, 18 durch KO) im ehemaligen Rheinstadion in Düsseldorf gegeneinander boxen. Also in 3 Monaten geht es um die WM Titel der IBF, WBO im Schwergewicht und um den Super Champion Titel der WBA, den zwar Klitschko verlieren, aber allerdings Fury nicht gewinnen kann. Wie gesagt, der Kampf findet in drei Monaten statt. Aber es gab bereits am 21. Juli die erste Pressekonferenz.
Pressekonferenzen, besonders wenn sie lange vor dem angesetzten Termin für die Veranstaltung stattfinden, sind in der Regel relativ lahm und überraschungsarm. Eine Spannung muss sich erst aufbauen und jeder der Anwesenden weiß, dass es hier darum geht, die PR-Welle allererst anzuschieben. Aber diesmal war es doch etwas anders. Und das lag vor allem an der perfekten Inszenierung der PK.
Ort des Geschehens war der VIP Bereich des Rheinstadions. Auf der Terrasse war ein kleines Buffet mit Currywurst, Brötchen und Kanapees hergerichtet. In der Ecke stand ein Kühlschrank mit einem alkoholfreien Bier und auf den Stehtischen standen Etageren mit Spanschiffchen, die zwei Minifrikadellen mit Senf und Kartoffelsalat enthielten. Kellner brachten auf Wunsch Kaffee und Erfrischungsgetränke. Eine leichte Brise wehte durch das Stadion. Man stand im Schatten und schaute auf das satte Grün des Rasens inmitten des großen Ovals, man unterhielt sich und wurde verköstigt. Was will man als Journalist mehr?
Ein halbe Stunde vor Beginn setze dann ein wummerndes, wie ich finde, nerviges, Geräusch ein, einem Herzschlag nicht unähnlich.
Dann ging man in den vorbereiteten Raum im VIP-Bereich. Dort fand sich am Kopfende eine Reihe mit Tischen, auf denen fünf Weltmeistergürtel standen, dahinter eine Reihe Stühle für Klitschko und Co. und davor fünf Stuhlreihen für die Journalisten. An den Seiten war je ein großer Monitor angebracht. An einer Seite gab es noch Stehtische mit Hockern. Geschätzte 100 Journalisten aus dem In- und Ausland waren gekommen. Einer von ihnen war der ehemalige Weltmeister im Cruisergewicht Johnny Nelson.
Es wurden quasi gleich zwei Pressekonferenzen abgehalten, eine auf Deutsch, ohne Tyson Fury, der erst später dazukam und dann noch eine mit ihm gemeinsam. Die erste von diesen beiden Pressekonferenzen begann mit einem Video über das „unschlagbare Team“ RTL und Klitschko, das auf den beiden Monitoren eingespielt wurde. Da wurde vor allem stolz auf die Zahlen verwiesen. „Im Durchschnitt sahen 8,94 Millionen Zuschauer die bislang 18 Kämpfe von Wladimir Klitschko bei RTL, der Marktanteil liegt bei herausragenden 48,3 Prozent.“ Dann verkündete Frank Hoffmann, Geschäftsführer und Programmdirektor von RTL, dass Klitschko für weitere fünf Kämpfe bei RTL unterschrieben hat. Hoffmann und Bernd Bönte, der Geschäftsführer und Mitinhaber der „Klitschko Management Group GmbH“ und Manager von Klitschko und Klitschko, der eine bewundernswerte Eloquenz demonstrierte, zeigten sich dann noch hoch zufrieden mit ihrer Zusammenarbeit und der Vertragsverlängerung.
In der zweiten Pressekonferenz, die zweisprachig, in Deutsch und Englisch, geführt wurde, ging es dann um den bevorstehen Kampf in drei Monaten. Als erster trat Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer, ans Pult und betonte die Bedeutung der Veranstaltungen von Klitschko für den BDB. Ihm auf dem Fuß folgte Bernd Bönte, der Klitschko in eine Reihe mit Joe Luis, Larry Holmes und Muhammad Ali stellte und vor allem Werbung für die Veranstaltung machte. Er sagte, es sei ein Showact der Extraklasse geplant und werde bald angekündigt. Die Eintrittskarten sollen zwischen 29 und 890 Euro kosten. In über 150 Länder soll übertragen werden; HBO überträgt in den USA, mit vier britischen TV-Stationen werde noch verhandelt. Und überhaupt sei der Kampf gegen Fury das Beste, was zur Zeit möglich sei.
Es folgten Mike Hennessy, der Manager, und Peter Fury, der Trainer von Fury, am Rednerpult. Hennessy führte aus, dass der bevorstehende Kampf die Erfüllung eines Traumes sei. „Tyson Fury ist vorherbestimmt, Weltmeister zu werden.“ Sein Schützling sei einer der besten Schwergewichtler aller Zeiten. Mike Fury, der Tysons Vater ist, machte deutlich, sein Sohn komme zum Gewinnen und nicht, um sich auf die Matte zu legen.
Es folgte ein weiterer Einspieler, diesmal über Tyson Fury, der dann auch selbst ans Pult trat. Gut gelaunt begrüßte er die Anwesenden auf Deutsch. Dann witzelte er, nach seinem Sieg über Klitschko auch bereit zu sein, den TV Vertrag mit RTL zu übernehmen. Dann betonte er noch, er sei einzigartig und einen Boxer wie ihn, gäbe es nur alle 1.000 Jahre mal.
Wieder gab es einen Einspieler, diesmal über Wladimir Klitschko, der dann zum zweiten Mal ans Pult trat. Er reagierte souverän und witzig auf eine Äußerung von Fury über sein Alter und lobte ihn als Boxer und als Entertainer. Er nehme den Herausforderer Fury sehr ernst, und er verspreche, 100% vorbereitet zu sein. Nebenbei bemerkt, brauchte Klitschko keinen Übersetzter. Er übersetze sich selbst.
Sodann durften die Pressevertreter ihre Fragen stellen. Wie üblich, taten das aber nur wenige Kollegen. Klitschko nahm das zum Anlass einzugreifen: „Ihr müsst euch Fragen überlegen und fragen!“ Also stellte er eben selber eine Frage an Fury, oder besser: Er drückte auf den richtigen Knopf und Fury reagierte genau so, wie er es haben wollte. Fury wurde emotional – und dabei war er sehr unterhaltsam. Er beteuerte, die Welt von diesem Langeweiler Klitschko befreien zu wollen. Klitschko sei doch ein alter Mann und er werden ihn KO schlagen.Er prahlte: Er sei unberechenbar. Er sei der Beste. … Klitschko warf zwischendurch einen Satz ein und Fury reagierte prompt darauf. Wladimir Klitschko hatte alles unter Kontrolle.
Zum Abschluss dann das übliche chaotische Staredown für die Photographen und später noch die Möglichkeit, die beiden Boxer im Stadion zu fotografieren.
Die erste Pressekonferenz zu Klitschko vs. Fury war eine perfekte Inszenierung. Was dabei auffiel, war, dass Wladimir Klitschko nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Regisseur der PK war.
© Uwe Betker

Der Präsident des senegalesischen Profiboxverbandes

leave a comment »

Thomas Hackenberg ist ein guter Punkt- und Ringrichter. Er ist für die GBA und für die IBF tätig. Er ist keiner von denen, die Sieger von Kämpfen disqualifizieren, nur um den Heimboxer gewinnen zu lassen, oder der während eines Kampfes sein Mobiltelefon herausholt, um daran herum zu fummeln. Das allein schon ist erwähnenswert, weil es so viele schlechte Punkt- und Ringrichter gibt, die den Sport und ihre Fans verachten, während sie die Zuwendungen und Aufmerksamkeiten der Veranstalter lieben.
Das sind aber nur Hintergrundinformationen zu dem, was ich eigentlich erzählen will. Hackenberg flog im April 2013 auf Einladung eines Freundes in den Senegal. Die Bettelkinder in Dakar ließen in ihm den Wunsch wachsen zu helfen. Zunächst wollte er versuchen, einem Dutzend Kindern und Jugendlichen, die sich alleine auf der Straße durchschlagen müssen, zumindest eine gesunde Mahlzeit pro Tag zu ermöglichen, um ihr Überleben für einen Tag zu sichern. Das war die ursprüngliche Idee. Aber schnell musste er feststellen, dass diese Hilfe nur ein Tropfen auf den berühmten heißen Stein war und letztlich keine Hilfe darstellte.
Helfen würde nur etwas, was wirtschaftlich nachhaltig, unabhängig, eigenständig, beständig und mit regionaler Bindung sein würde. Hieraus entstand das Projekt Ndoukoura Woolof. Im Bezirk Ndoukoura Woolof, nahe Dakar, sind auf einem 9.000 Quadratmeter großen Grundstück eine Farm, ein Berufsbildungszentrum, eine Armenküche, ein Sport- und Freizeitzentrum und ein Beratungszentrum im Entstehen. Herzstück soll eine Hühnerfarm sein, die im Aufbau begriffen ist. Hier sollen Nahrungsmittel produziert werden und Menschen dauerhaft Arbeit und Auskommen bekommen. Schon der Aufbau der Farm gibt Menschen Arbeit, und Jugendliche erhalten eine Ausbildung. Wer sich über dieses tolle Projekt informieren möchte, kann das auf http://www.gibei.de tun. Der Verein ist gemeinnützig und daher sind auch die stets gern gesehenen Spenden steuerlich absetzbar.
Und was hat das nun mit Boxen zu tun? Nun, wer Thomas Hackenberg kennt, wird schon ahnen, dass sich im Bereich „Sport- und Freizeitzentrum“ etwas finden lässt, das mit Boxen zu tun hat. Hackenberg hat ein Boxgym ausgestattet. Es werden junge Sportler aus sozial schwachen Familien unterstützt. Und natürlich wird auch geboxt. Bei der Beschäftigung mit dem Boxen im Senegal fiel Hackenberg auf, dass es im Senegal keinen Profiverband gibt. Der steht nun, nach einigen administrativen Schwierigkeiten, kurz davor, gegründet zu werden. Thomas Hackenberg wird dann Präsident des senegalesischen Profiboxverbandes Commision Senegalaise de Boxe Professionnelle.
© Uwe Betker

Foto: Präsident des senegalesischen Profiboxverbandes Thomas Hackenberg mit Vizepräsidentin Ndeye Diop

leave a comment »

Präsident des senegalesischen Profiboxverbandes Thomas Hackenberg mit Vizepräsidentin Ndeye Diop