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Sauerland Event und die Adidas Boxhandschuhe

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Es scheint sich zu einer unendlichen Geschichte auszuweiten, die Beziehung zwischen der Sauerland Event GmbH und den Adidas Boxhandschuhen. Adidas ist kein Hersteller von Boxhandschuhen mit Tradition. Eigentlich ist Adidas selber überhaupt kein direkter Hersteller von Boxhandschuhen. Wenn ich richtig unterrichtet bin, stellt Adidas die Handschuhe nicht selber her, sondern hat die Rechte an die französische Firma Double D abgegeben, die im Namen von Adidas Handschuhe nun herstellen lässt und verkauft. Double D hatte, bevor sie Lieferant und Vertreiber von Adidas-Boxhandschuhen wurde, praktisch keine Erfahrungen mit den Erfordernissen des Boxens sammeln können. Das Hauptgeschäft von Double D ist und war die Produktion von Judo Zubehör.
Nun kämpfen die Boxer von Sauerland Event schon seit geraumer Zeit mit Handschuhen von Adidas bzw. Double D. Vermutlich bekommt der Berliner Veranstalter ja Geld dafür. Soweit so gut – soweit so legitim. Problematisch ist diese Geschäftsbeziehung im März 2013 geworden. Damals fiel nämlich dem Trainer Dirk Dzemski auf, dass die Double D/Adidas Handschuhe von Arthur Abraham nicht die vorgeschriebenen 10 Unzen (283,5 Gramm) auf die Waage brachten, sondern schlappe 10% leichter waren. Leider darf es beim Boxen eben nicht wie beim Metzger, „etwas mehr sein“ oder meinetwegen auch etwas weniger. Die 1 Unze weniger nämlich hätte für Abraham ein Mehr an Schlaghärte bedeutet.
Sauerland hat seinerzeit versucht, den Skandal zu bagatellisieren, indem er eine launige Pressemeldung verbreitete mit dem Titel: „Handschuh-Tricks lassen Abraham kalt“. Die Meldung endete mit den Worten: Abraham trocken: „Na dann haue ich ihn doch einfach k.o.” Es kam anders als gedacht. Abraham boxte mit regelkonformen Handschuhen und gab nach der dritten Runde gegen Robert Stieglitz auf.
Adidas nahm die Schuld für das zu leichte Paar Handschuhe auf sich. Angeblich soll es bei der Fertigung in Pakistan, wo nahezu alle Boxhandschuhanbieter fertigen lassen, zu Fehlern gekommen sein. So etwas nennt man wohl Qualitätsmängel.
Was aber nun kurz vor dem Rückkampf zwischen Marco Huck (39 Kämpfe, 36 Siege, 25 durch KO, 2 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden) und Firat Arslan (41 Kämpfe, 33 Siege, 21 durch KO, 6 Niederlagen, 2 durch KO, 2 Unentschieden) um den Weltmeistertitel der WBO im Cruisergewicht wohl passiert ist, ist schon unglaublich. Einer Zeitungsmeldung zufolge, die als Scan im Internet kursiert, war folgendes passiert:
Tomas Künzel, dem technischen Leiter und Betreuer von Arslan fiel auf, dass einer der beiden Handschuhe von Huck, die man ihm zur Begutachtung vorgelegt hatte, sich stabiler anfühlte. Künzel zerschnitt daraufhin kurzerhand beide Handschuhe und stellte dann fest, dass der linke Handschuh, der für die Führhand, mit Rosshaar gefüllt war und der rechte Handschuh hatte „im vorderen Bereich eine verklebte Verbundschaumstoffplatte“ . Der rechte Handschuh, also der für Hucks Schlaghand, war viel härter als der linke. Dabei muss man hier außerdem noch anmerken, dass ein mit Rosshaar gefüllter Handschuh die Schlagwirkung sehr viel weniger dämpft, als ein mit dem heute üblichen Schaumstoff gefüllter Handschuh.
Hier nun muss man sich fragen, wie so etwas eigentlich passieren kann. Es gibt natürlich die theoretische Möglichkeit, dass Double D Handschuhe noch gravierendere Qualitätsmängel aufweisen als bisher bekannt. Obwohl ich einen der ersten Boxhandschuhe von Adidas/ Double D schon einmal an den Fingern hatte, kann ich mir das nun aber doch beim besten Willen nicht vorstellen. Soweit ich informiert bin, werden in Pakistan auch nur Handschuhe mit Kunststofffüllung produziert. Die mit Rosshaar kommen aus Mexiko.
Sollte sich herausstellen, dass es sich auch bei diesem Vorfall wieder um ein Resultat von Qualitätsmängeln bei Adidas bzw. Double D gehandelt haben soll, so bekommt die Firma doch wenigstens ein beträchtliches Imageproblem. Wenn ein Hersteller nicht mal garantieren kann, woraus die Polsterung besteht, wie soll man da künftig überhaupt noch wissen, was drin ist. Können sich dann nicht auch Glas, Eisen oder Steine in die Polsterung eingeschlichen haben?
Sollte nun aber Adidas alias Double D schuldlos sein, so erhebt sich doch die Frage: Wie kommen dann zwei verschiedene Handschuhe aus zwei unterschiedlichen Produktionslinien, die vermutlich auf zwei verschiedenen Kontinenten hergestellt wurden, zusammen in eine Verpackung? Da keimt doch der Verdacht auf, dass irgendjemand versucht hat, den Ausgang des Kampfes zu manipulieren – von dem Versuch einer vorsätzlichen Körperverletzung mal ganz zu schweigen.
Ich bin ehrlich gespannt, ob sich die Meldung bewahrheitetet und wie mit dem Vorfall dann weiter umgegangen wird. Ich persönlich würde es begrüßen, wenn die ARD den Sachverhalt juristisch klären lassen würde.
© Uwe Betker

Training und Hitze

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Es ist heiß in Mitteleuropa. Ganz Deutschland leidet unter der aktuellen Hitzewelle. Alle, die keinen Urlaub haben, müssen arbeiten: Die Bäcker, die Metzger, die Dachdecker, die Pressesprecher von Veranstaltern und auch Boxer. Alle leiden unter der Hitze.
Auch der Europameister im Halbschwergewicht, Jürgen Brähmer (42 Kämpfe, 40 Siege, 31 durch KO, 2 Niederlagen), bereitet sich vor auf seine Titelverteidigung am 24. August in Schwerin gegen den Italiener Stefano Abatangelo (20 Kämpfe, 17 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden).
Der Hitze ist es dann auch zuzuschreiben, dass eine Pressemeldung mit dem Titel „Brähmer kämpft mit Hitze“ geschrieben wurde. Da ist dann davon die Rede, dass Brähmer „wohl die heißeste Vorbereitung aller Zeiten“ zu überstehen hat. Wir erfahren, dass das Training den Temperaturen angepasst ist. Des Weiteren lernen wir, dass ein Wasserschlauch für Abkühlung sorgen kann. Und „wichtig ist, dass man viel trinkt“. Lauter solche interessanten Dinge lässt die Pressemeldung Jürgen Brähmer verkünden.
Was haben wir nun durch diese Meldung erfahren? – Alle leiden unter der Hitze, auch Boxer und Pressesprecher von Veranstaltern.
(C) Uwe Betker

DBV – als Sekte betrachtet

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Die letzte amtliche Bekanntmachung des DBV, Deutscher Boxsport Verband e.V., erinnert mich an das Agieren einer Sekte. Sekten werden geführt von wenigen Personen, die willkürlich und irrational herrschen. Sekten grenzen sich von den Anderen ab. Alle, die nicht Mitglied in der Sekte sind, werden als Feinde betrachtet. In diesem Sinne, so meine ich, kann man auch die amtliche Bekanntmachung des DBV lesen. Dort heißt es nämlich:

„Amtierung von lizenzierten Übungsleitern/Trainern und Teilnahme von Sportlern bei Profiveranstaltungen

Auslegung der aktuell gültigen Wettkampfbestimmung (§ 15, Absatz 6)
Amtierung von lizenzierten Übungsleitern/Trainern und Teilnahme von Sportlern bei Profiveranstaltungen
Aus gegebenem Anlass beriet der geschäftsführende Vorstand des DBV am 11.04.2013 in Kassel die Auslegung des §15, Abs. 6 der aktuell gültigen WB. Nach eingehender Erörterung wurde beschlossen, dass der § 15, Absatz 6 der WB wie folgt verbindlich ausgelegt wird:
Ein lizenzierter Übungsleiter oder Trainer des DBV darf nicht im Rahmen von Profiveranstaltungen außerhalb des Daches der AIBA oder des DBV amtieren. Andernfalls wird seine Lizenz auf Dauer ungültig, und er darf im olympischen Boxsport weder trainieren noch sekundieren.
Gleiches gilt für Sportler, die an Profiveranstaltungen außerhalb des Daches der AIBA oder des DBV teilnehmen. Auch sie können im Bereich des DBV oder der AIBA nie mehr Wettkämpfe bestreiten. Eine Rückkehr zum olympischen Boxsport bleibt weiterhin ausgeschlossen. Zuwiderhandlungen können durch die AIBA oder den DBV mit empfindlichen Geldstrafen und Amtierungssperren geahndet werden.
Jürgen Kyas
DBV-Präsident“
Also der DBV verbietet seinen Trainern die Tätigkeit bei Profiveranstaltungen. Was nichts Neues ist. Bei Zuwiderhandlung wird den Trainern die Lizenz auf Lebenszeit entzogen. Diese drakonische Strafe ist neu. So weit so unverständlich. Explizit ausgenommen sind nämlich die Profiveranstaltungen der AIBA und des DBV. Die eigenen Profiveranstaltungen sind gut und erlaubt, die der anderen Profiverbände sind böse. Das nenne ich die Logik einer Sekte.
Noch aberwitziger wird dieser Beschluss, wenn man sich noch mal den Fall Michael Timm vor Augen führt. Nachdem Timm einmal Amateurtrainer des DBV war, war er bis vor ein paar Monaten Profitrainer. Dann kehrte er als Stützpunkttrainer zum DBV zurück. Der Verband macht also etwas, was er seinen Mitgliedern verbietet. Wie nennt man ein solches Verhalten? – Doppelmoral? Wenn ich mich recht entsinne, wurde sogar vom DBV noch hervorgehoben, dass der Amateurverband Timm gerade aufgrund seiner Profierfahrung zu seinem Hoffnungsträger kürte. Dabei hat er in seiner Zeit als Profitrainer, keinen Boxer komplett aufgebaut, womit ich natürlich nicht die fachlichen Qualitäten von Timm in Frage stellen möchte.
Es scheint mir aber schon berechtigt sich zu fragen, mit welchem moralischen Recht Jürgen Kyas seinen Trainern eigentlich eine Tätigkeit verbietet, nämlich das Sekundieren auf Profiveranstaltungen, die der DBV nicht selber veranstaltet. Wobei wir an der moralischen Integrität von Kyas natürlich nicht zweifeln können. Schließlich haben angeblich die Delegierten vom 51. DBV Kongress in Worms für ihn (einstimmig?) eine Ehrenerklärung abgegeben. Ihm war diese Ehrenerklärung ja selbst auch so wichtig, dass er die Nachricht in einer Pressemeldung verbreiten ließ. Daher nenne ich ihn bekanntlich auch ehrfurchtsvoll Ehrenerklärungs-Kyas.
Sektenführer sind autoritär und haben die Angewohnheit die Regeln die sie ihren Mitgliedern auferlegen nicht selber einzuhalten. Dementsprechend könnte man schon das Verhalten von Ehrenerklärungs-Kyas in einer solchen Traditionslinie sehen.
© Uwe Betker

Jürgen Kyas und die Garantie

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In einem Artikel in der Zeitschrift „Boxen Heute“ mit dem Titel „Das Ausbluten hat ein Ende“ stellt Jürgen Kyas eine mir unverständliche These auf. Der Präsidenten des DBV, Deutscher Boxsportverband e.V., behauptet: „Wir garantieren den Sportlern eine Karriere im Sport und sichern auch das Leben nach der aktiven Karriere.“ Nun versteht man im Allgemeinen unter einer Garantie „das Einstehen für Eintreten oder Ausbleiben eines künftigen Umstands“. Im bürgerlichen Recht versteht man darunter einen „Garantievertrag (Garantieversprechen, Gewährvertrag), die vertragliche Übernahme der Gefahr (des Risikos), das einem anderen aus irgendeiner Unternehmung erwächst.“ Weiter: „Die Zusicherung bestimmter Eigenschaften einer Sache durch deren Verkäufer, Vermieter, Verpächter oder Hersteller; dieser haftet für ihr Vorhandensein.“ Also etwas, was so gut wie jeder aus seinem alltäglichen Geschäftsleben kennt.
Nun schließt aber Herr Kyas in seiner „Schiedsvereinbarung auf vertraglicher Basis“ für die Kaderboxer Garantien doch explizit aus. Wir erinnern uns an die wiederkehrende Formel, die alle Zusagen des Vertrages mit der Einschränkung versieht: „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“, nämlich der des DBV.
Ich habe aber noch ein anderes Problem mit der Äußerung von Kyas, für den, laut einer Pressemeldung seines Vereins/Verbandes, die Delegierten des 51. DBV Kongresses in Worms eine Ehrenerklärung abgegeben haben und den ich, weil ihm dies so überaus wichtig ist, nun Ehrenerklärungs-Kyas nenne. Mein Problem also ist, was Kyas denn nun eigentlich zu garantieren meint, wenn er sagt: „Wir garantieren den Sportlern eine Karriere im Sport und sichern auch das Leben nach der aktiven Karriere“?
– Eine sportliche Karriere? Kein Verband kann einem Sportler eine sportliche Karriere garantieren. Eine Verletzung reicht schon, um eine Karriere zu beenden.
– Eine Absicherung des Lebens nach der aktiven Laufbahn? Der DBV hat doch gar kein eigenes Kapital, mit dem er irgendwas garantieren könnte, sondern nur ein Vorschlagsrecht bei Polizei, Bundespolizei und Bundeswehr.
Aber es kann ja natürlich immer noch sein, dass Ehrenerklärungs-Kyas ein großes Unternehmen oder ein großes Privatvermögen besitzt, mit dem er das spätere Leben der Boxer absichern kann. Aber warum sagt er das dann nicht?
© Uwe Betker

Die Ansprachen des DBV Präsidenten Jürgen Kyas

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DBV Präsident Jürgen Kyas mag offensichtlich die ganz großen Gesten. In der Zeitschrift „Boxen Heute“ hat er seine eigene Kolumne, und diese heißt nicht etwa Mitteilung oder Grußwort, nein, sie heißt selbstbewusst und unbescheiden „Ansprache des DBV-Präsidenten“.
Da bin ich doch schon wieder sowohl sprachlich als auch intellektuell mit Jürgen Kyas überfordert. Unter einer Ansprache verstehe ich doch erst mal eine Rede, einen Vortrag oder ein Referat, also einen mündlichen Vortrag in einem mehr oder weniger öffentlichen Raum. Nun ist aber Herr Kyas offensichtlich nicht auf den Balkon des Petersdoms getreten und hat zu den ihm zujubelnden Gläubigen gesprochen. Er hat seine Ansprache wohl auch sonst nicht öffentlich gehalten – obwohl ich persönlich diesen seinen Ausführungen wirklich gerne auf einer Großveranstaltung gelauscht hätte. Er hat nur etwas geschrieben – oder vielleicht auch schreiben lassen -, also nicht gesprochen und dementsprechend auch keine Ansprache gehalten.
Aber ich hatte ja schon einmal ein intellektuelles Problem mit dem Präsident des DBV, Deutscher Boxsport Verband e.V., Jürgen Kyas. Das war, als dieser durch eine Pressemeldung verbreiten ließ, dass die Delegierten des 51. DBV Kongresses in Worms eine Ehrenerklärung für ihn abgegeben hätten. Bis heute habe ich noch immer keinen Delegierten gefunden, der sich daran erinnern könnte. Auch auf der Tagesordnung war diese Ehrenerklärung wohl nicht als Punkt aufgeführt. Soweit ich die Protokolle kenne, wird auch keine Ehrenerklärung erwähnt. Ich habe auch nie verstanden, wieso für Kyas eine Ehrenerklärung abgegeben worden sein soll.
Weil aber Herrn Kyas diese Ehrenerklärung so wichtig ist, oder es zumindest war, will ich ihn Ehrenerklärungs-Kyas nennen. Es ist natürlich immer möglich, dass ich mich einfach nicht so auskenne, aber vielleicht sollte man dem Herrn mit der Ehrenerklärung doch einmal den Unterschied zwischen einer Ansprache und z.B. einem Grußwort oder einem Statement, einer Notiz, einer Verlautbarung, einer Bekanntmachung, einem Erguss oder was auch immer etwas näher erklären.
© Uwe Betker

Der Vertrag zwischen dem DBV und seinen Kaderboxern

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Wenn ich zu einem Gebrauchtwagenhändler gehe und einen entsprechenden Vertrag unterschreibe, bekommt der Händler von mir Geld und ich einen w 124 Diesel, mit grüner Plakette, der nur wenige Kilometer runter hat. Beide Seiten sind zufrieden, denn sie haben das bekommen, was sie wollten. Der DBV, Deutsche Boxsportverband e.V., vertreten durch Jürgen Kyas und Michael Müller, geht nun hin und will mit allen Kaderboxern einen Vertrag machen. Soweit ich informiert bin, wird im Augenblick oder in naher Zukunft allen Kaderathleten dieser Vertrag zur Unterschrift vorgelegt – Grund genug, sich diesen Vertrag einmal näher anzusehen.
Der Vertrag – oder, um ganz genau zu sein, die Schiedsvereinbarung auf vertraglicher Basis – umfasst schlappe 17 Seiten. Es fängt harmlos. Man einigt sich z.B. darauf, im Falle eines Streites ein Schiedsgericht anzurufen. Und der Boxer verpflichtet sich nicht zu dopen. So weit, so gut.
In der Präambel (1.1) heißt es: „Athleten und Verband streben eine Zusammenarbeit zur sportlichen und persönlichen Ausbildung und Förderung des Athleten an. Das übergeordnete perspektivische gemeinsame Ziel der Parteien sind die Wettkämpfe in 2013 und 2014 (…). Die Parteien werden gemeinsam die Möglichkeit der Fortsetzung ihrer Partnerschaft auch über den avisierten Wettkampf hinaus erörtern.“ Abgesehen von der Tatsache, dass ich mir nicht vorstellen kann, was der DBV unter der „persönlichen Ausbildung“ versteht, ist das Ziel klar formuliert. Der DBV will seine Kaderboxer durch einen Vertrag an sich binden.
Weiter (1.2) heißt es dann, wie ich finde, etwas nebulös: „Die Parteien verpflichten sich gleiche und faire Bedingungen bei der Sportausübung zu schaffen und zu gewährleisten und werden einen fairen an der gemeinsamen Erreichung des Vereinbarungszweckes orientierten Ausgleich der persönlichen und wirtschaftlichen Interessen von Athleten und Verband anstreben.“ Wieso habe hier das Gefühl eine Nebelkerze zu sehen? Seit wann kann ein Boxer „gleiche und faire Bedingungen bei der Sportausübung“ schaffen und gewährleisten? Dafür muss er dann seine „ persönlichen und wirtschaftlichen Interessen“ mit denen des Verbandes ausgleichen.
Offensichtlich müssen aber einem solchen Ausgleich, jedenfalls von Seiten des Verbandes, Grenzen gesetzt werden. Denn etwas später (1.5) heißt es: „Dem Athleten ist bewusst, dass der Verband als gemeinnütziger Verein tätig ist und daher seine Leistungspflichten (…) unter dem Vorbehalt der personellen und finanziellen Möglichkeiten des Verbandes, insbesondere der Förderung durch das Bundesministerium des Inneren, steht.“
An dieser Stelle stellt sich für mich die Frage: Wer bringt welche Leistung in die vertraglich geregelte Beziehung ein. Der Boxer boxt für den DBV. Desweiteren verpflichtet er sich, sich an die nationalen und internationalen Regeln der Amateurboxverbände zu halten, an dem „sportmedizinischen Untersuchungs- und Betreuungssystem des DOSB, des Deutschen Olympischen Sportbundes, teilzunehmen, die Kleidung des Ausrüsters zu tragen und an 10 Werktagen pro Jahr unentgeltlich für PR- Zwecke zur Verfügung zu stehen. Hinzu kommt, dass der Athlet „zur vollständigen Offenlegung sämtlicher bestehender und künftiger Verträge“ verpflichtet ist. Damit will der DBV wohl verhindern, dass ein Amateurboxer ins Profilager wechselt. „Der Athlet sichert zu, dass er in keinerlei vorvertraglichen oder vertraglichen (mündlichen oder schriftlichen) Anbindungen zu professionellen Boxställen und/oder Boxpromotoren steht.“ Und um auch ganz sicher zu gehen, dass kein DBV Boxer ins Profilager wechselt, verpflichten alle Beteiligten sich, „im Falle einer Vertragsverletzung der einen Partei den hieraus entstandenen Schaden zu ersetzen.“
Die Leistungen des eingetragenen Vereins, der das Amateurboxen, das jetzt aber nicht mehr Amateur- sondern Olympisches Boxen heißt, repräsentiert, sind weniger konkret zu fassen. Zum einen „betreut“ der Verband seine Kaderathleten. Ein Vertragsabschluss garantiert dabei nicht den Verbleib im Kader. Für mich heißt das, dass Kaderboxer nur derjenige sein kann, der die sportlichen Vorgaben erfüllt und nicht in Ungnade fällt. Der DBV „verpflichtet sich (…) den Athleten optimal zu fördern“ – jetzt kommt allerdings ein großes Aber oder die Hintertür in Größe einer achtspurigen Autobahn – „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Weiter verspricht der Verein die „Schaffung der infrastrukturellen Rahmenbedingungen zur sportlichen Förderung“. Gemeint ist damit die Errichtung und der Unterhalt der Stützpunkte, natürlich „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Der DBV verspricht seinen Boxern „fachlich geeignetes und qualifiziertes Personal zur Verfügung“ zu stellen, wie Trainer und Physiotherapeuten (Wie könnte es auch anders sein?), „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Auch erhöht der Verband unmittelbar vor Wett- und Länderkämpfen seine Anstrengungen zur Vorbereitung seiner Boxer, (Wer errät es?) „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Falls ein Boxer für die Nationalmannschaft nominiert werden sollte, bekommt er vom DBV „Unterkunft, Verpflegung sowie medizinische und sportliche Betreuung kostenfrei zur Verfügung“ gestellt, (Und was kommt wohl jetzt?), „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“
Ein paar Anmerkungen zum „Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“. Dem DBV war es 2011 finanziell nicht möglich, seine Teilnehmerinnen der U17/U19 Nationalmannschaft zur WM in Antalya zu schicken. Der DBV hat sich das Geld vorab von seinen Boxerinnen geholt. Der sportliche Leiter des Deutschen Boxverbandes (DBV), Michael Müller – ich nenne ihn der Einfachheit halber und um ihn nicht mit anderen zu verwechseln: DBV Müller -, der einer der Vertragspartner ist, hat es, soweit ich informiert bin, bis heute nicht geschafft – vielleicht wollte er aber auch nicht -, eine detaillierte und nachvollziehbare Aufstellung der Kosten der WM von Antalya vorzulegen. Das betrifft dann wohl die „personellen Möglichkeiten“ des Verbandes. In diese Kategorie fällt auch die Tatsache, dass DBV Müller die vom Verband besoldeten Trainer in Rechnung gestellt hat, womit diese praktisch zweimal bezahlt wurden. Auch ist, soweit ich informiert bin, den Boxerinnen auch nur ein Teil ihrer Kosten später erstattet worden. Das wirft wiederum ein Schlaglicht auf die „wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Im Gegenzug dafür, dass sich der Verband „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“ bemüht, etwas zu tun, gibt der Boxer seine Persönlichkeitsrechte ab. Der Verband darf z.B. mit den Boxern Werbung machen, ohne sie vorher zu fragen oder etwa an den Einnahmen zu beteiligen.
Unter Punkt 3.6 findet sich Genaueres über die „persönliche und finanzielle Förderung der Athleten“. Dort findet man, was der DBV konkret für seine Athleten tun will. So will der eingetragene Verein sich „bemühen“, die Athleten „dabei zu unterstützen“, Gelder von Dritten zu akquirieren, (jetzt kommt wieder das Mantra des DBV:) „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Noch konkreter wird es im Folgenden. Der DBV schlägt den Athleten, auf seinen Wunsch hin, zur „Aufnahme in die Sportfördergruppe der Bundeswehr oder der Sportfördergruppe einer Polizei (insbesondere der Bundespolizei)“ vor. Wohlgemerkt, es handelt sich hier nur um einen Vorschlag, aber „im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“.
Ist unser Boxer dann tatsächlich gut und schafft es in das „DBV-Top-Team“, hat er die „Möglichkeit“ sich für die „Olympische Sonderförderung“ von bis zu 5.000 Euro jährlich zu bewerben. Diesmal gibt es kein „in Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“, sondern eben nur die Möglichkeit der Bewerbung.
Artikel 3.6.4 ist mein Lieblingsartikel. Hier verpflichtet sich der DBV, seinen Athleten Trainingsbekleidung kostenfrei zur Verfügung zu stellen, sofern der Verband einen „offiziellen Ausrüster“ hat und diese Bekleidung gestellt bekommt. – Großartig, diese Großzügigkeit. – Nun verstehe ich auch, warum die Delegierten des 51. DBV Kongresses in Worms, einer Pressemeldung von DBV Müller zufolge, für DBV Präsident Jürgen Kyas eine Ehrenerklärung abgegeben haben. Deshalb sollte man Kyas nun auch Ehrenerklärung-Kyas nennen.
Die Boxer dürfen nur als Amateure boxen, und was ein Amateur ist bestimmt die AIBA. Explizit ausgenommen aus der Abgrenzung von den Profis ist die World Series of Boxing, WSB. Die Punkte 3.6.6 und 3.6.7 widmen der WSB 17 hymnische Zeilen. Dort ist dann zu lesen: „Die WSB bietet den Kaderathleten eine besonders medienwirksame, internationale Plattform und Fördermöglichkeit zur Erreichung ihrer sportlichen Ziele (…). Offensichtlich hat der DBV ein gesteigertes Interesse daran, die von ihnen ausgewählte Kaderboxer in der WSB starten zu lassen. Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass ein Boxer sich einem solchen „Wunsch“ des Verbandes entziehen kann.
Zwar gilt der Vertrag nur für zwei Jahre, aber er ist so terminiert, dass beide Vertragspartner sich vor großen Internationalen Turnieren, wie Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele, über eine Vertragsverlängerung unterhalten. Was passiert wohl mit einem Boxer, der vor den Olympischen Spielen einer Vertragsverlängerung nicht zustimmt? Habe ich schon erwähnt, dass der Boxer nicht das Recht hat vorzeitig zu kündigen?
Ein Wechsel in den Nicht-AIBA Profiboxsport wird für den Athleten eindeutig ausgeschlossen. Das finde ich nun schon infam. Dieses Verbot beinhaltet nämlich, dass der DBV bzw. die AIBA offenbar versucht, im Profiboxen Fuß zu fassen und es dann zu monopolisieren. Wenn keine guten Amateure mehr Nicht-AIBA Profis werden können, dann wird ja wohl das AIBA Profiboxen an diese Stelle treten. Das ist, jedenfalls in meinen Augen, schon unglaublich verlogen. Der DBV besteht schließlich, wie oben schon zitiert, in der Präambel (1.5) auf der Feststellung seiner Gemeinnützigkeit.
Wie gemeinnützig DBV und AIBA aber tatsächlich sind, das lässt sich nicht zuletzt an den Vertragsstrafen und an den Ablösesummen für die Boxer, die Profis werden wollen, anlesen. Der DBV hat eigens dafür eine wunderschöne Tabelle ausgearbeitet, wonach die Ablösesumme berechnet wird. Die Ablöse z.B. für einen Schwergewichtler, der bei den Olympischen Spielen Gold für Deutschland holt, würde danach mindestens 2 Millionen Euro kosten. Von diesem Geld gehen dann 80% direkt an den DBV.
Zurück zu meinem w 124, den ich leider noch nicht habe. Wenn ich also zu dem Gebrauchtwagenhändler gehe und einen Vertrag unterschreibe, lege ich mein Geld auf den Tisch und dafür bekomme ich meinen Traumwagen. Was aber bekommt der Kaderboxer, der einen Vertrag mit dem DBV unterzeichnet? Auf jeden Fall bekommt er schon mal keine Garantien, dafür aber viele „Im Rahmen seiner personellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten“. Ein Boxer will boxen und dementsprechend werden wohl die meisten, wenn nicht alle Boxerinnen und Boxer, denen der Vertrag vorgelegt wird, diesen auch unterschreiben. Der DBV sitzt also schlichtweg am längeren Hebel. Und er nutzt diese Position, wie ich finde, schamlos aus.
© Uwe Betker

Ein Dementi?

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Arena Box-Promotion verschickte vor kurzem eine Pressemeldung mit dem Titel: „Keine Gewichtsprobleme bei Selcuk Aydin“. Kann sich irgendjemand daran erinnern, schon einmal eine solche Meldung, und ganz ohne Anlass, gelesen zu haben? Was soll das heißen, wenn ein Veranstalter solch eine Meldung rausschickt?
Also ich finde, einen Monat vor dem WM-Kampf, der am 28.07.2012 in San Jose in den USA stattfinden soll und bei dem Selcuk Aydin (23 Kämpfe, 23 Siege, 17 durch KO) auf Robert Guerrero (33 Kämpfe, 29 Siege, 18 durch KO, 1 Niederlage, 1 Unentschieden) treffen soll, ist eine Meldung „Mini-Tyson mit 71,0 kg voll im Soll“ etwas seltsam.
Mir kommt es so vor, als wollte die Presseabteilung von Arena mit dieser Meldung zweierlei: Erst einmal will sie Werbung machen für der Kampf. In diesem Kampf trifft die Nummer 17 der unabhängigen Weltrangliste, nämlich Aydin, auf jemanden, nämlich Guerrero, der nicht mehr geführt wird, weil er mehr als ein Jahr nicht mehr geboxt hat. Dabei geht es auch um einen Titel, der von Aydins Veranstalter Arena gerne WM Titel genannt wird, den „Silver Title“, also den Silber Titel vom WBC, World Boxing Council, was wohl so etwas ist wie ein Interims Titel. Die Ansetzung als solche ist schon gut.
Zum anderen will sie aber wohl auch Gerüchten entgegentreten, die Selcuk Aydin eine eigenwillige Trainingsauffassung unterstellen.
© Uwe Betker