Box-Blog

Posts Tagged ‘Profitrainer

Alle Boxer und Trainer sind gleich. Aber manche sind gleicher als andere.

leave a comment »

„All animals are equal, but some are more equal than others.“ Dieses berühmte Zitat von George Orwell, verballhornt auf zynische und bittere Weise den Gleichheitsgedanken. Es ist natürlich sehr naiv an die Gleichheit der Menschen zu glauben, aber ist denn das gleich ein Grund, ihn mit Füßen zu treten?
Der Deutsche Boxsportverband (DBV) ist ein nationaler Verband der AIBA (Association Internationale de Boxe). Um es noch einmal deutlicher zu sagen: der DBV, also der Verband der Amateurboxer, ist ein nationaler Verband der AIBA, also des Weltverbandes des Amateurboxsports. Die AIBA versucht nun den Profiverbänden mit einer eigenen Profiliga, der APB (Amateur Pro Boxing), Konkurrenz zu machen. Allein das ist schon absurd. Zum einen ist es ja schon ein Widerspruch in sich, wenn ein Amateurverband Profiboxen veranstalten will. Zum anderen wird hier aber auch die Glaubwürdigkeit des Amateurboxens zerstört.
Einem lizenzierten Trainer des DBV ist es schließlich untersagt, einen Profiboxer zu trainieren und ihm zu sekundieren. Gleichzeitig ist der deutsche Amateurverband aber stolz darauf, die „logistische Herausforderung“ gemeistert zu haben, ihre Profiboxer von DBV Trainern auf ihre Kämpfe vorbereiten zu lassen. Wie gesagt, der gleiche Verband sperrt immer noch Trainer, sobald sie bei Profiboxveranstaltungen sekundieren – natürlich nur, wenn es nicht gerade Veranstaltungen der AIBA sind.
Um nun auch wirklich allen vor Augen zu führen, dass der DBV mit zweierlei Maß misst, will der Verband sich jetzt auch noch mit einem weiteren Profitrainer, nämlich Torsten Schmitz, verstärken.
Es fällt mir jetzt leider gerade nicht ein, wer in der Fabel „Farm der Tiere“, gleich noch die Tiere waren, die mit zweierlei Maß maßen und den Gleichheitsgedanken pervertierten. Vielleicht sollte ich das Buch noch einmal lesen.
© Uwe Betker

DBV – als Sekte betrachtet

leave a comment »

Die letzte amtliche Bekanntmachung des DBV, Deutscher Boxsport Verband e.V., erinnert mich an das Agieren einer Sekte. Sekten werden geführt von wenigen Personen, die willkürlich und irrational herrschen. Sekten grenzen sich von den Anderen ab. Alle, die nicht Mitglied in der Sekte sind, werden als Feinde betrachtet. In diesem Sinne, so meine ich, kann man auch die amtliche Bekanntmachung des DBV lesen. Dort heißt es nämlich:

„Amtierung von lizenzierten Übungsleitern/Trainern und Teilnahme von Sportlern bei Profiveranstaltungen

Auslegung der aktuell gültigen Wettkampfbestimmung (§ 15, Absatz 6)
Amtierung von lizenzierten Übungsleitern/Trainern und Teilnahme von Sportlern bei Profiveranstaltungen
Aus gegebenem Anlass beriet der geschäftsführende Vorstand des DBV am 11.04.2013 in Kassel die Auslegung des §15, Abs. 6 der aktuell gültigen WB. Nach eingehender Erörterung wurde beschlossen, dass der § 15, Absatz 6 der WB wie folgt verbindlich ausgelegt wird:
Ein lizenzierter Übungsleiter oder Trainer des DBV darf nicht im Rahmen von Profiveranstaltungen außerhalb des Daches der AIBA oder des DBV amtieren. Andernfalls wird seine Lizenz auf Dauer ungültig, und er darf im olympischen Boxsport weder trainieren noch sekundieren.
Gleiches gilt für Sportler, die an Profiveranstaltungen außerhalb des Daches der AIBA oder des DBV teilnehmen. Auch sie können im Bereich des DBV oder der AIBA nie mehr Wettkämpfe bestreiten. Eine Rückkehr zum olympischen Boxsport bleibt weiterhin ausgeschlossen. Zuwiderhandlungen können durch die AIBA oder den DBV mit empfindlichen Geldstrafen und Amtierungssperren geahndet werden.
Jürgen Kyas
DBV-Präsident“
Also der DBV verbietet seinen Trainern die Tätigkeit bei Profiveranstaltungen. Was nichts Neues ist. Bei Zuwiderhandlung wird den Trainern die Lizenz auf Lebenszeit entzogen. Diese drakonische Strafe ist neu. So weit so unverständlich. Explizit ausgenommen sind nämlich die Profiveranstaltungen der AIBA und des DBV. Die eigenen Profiveranstaltungen sind gut und erlaubt, die der anderen Profiverbände sind böse. Das nenne ich die Logik einer Sekte.
Noch aberwitziger wird dieser Beschluss, wenn man sich noch mal den Fall Michael Timm vor Augen führt. Nachdem Timm einmal Amateurtrainer des DBV war, war er bis vor ein paar Monaten Profitrainer. Dann kehrte er als Stützpunkttrainer zum DBV zurück. Der Verband macht also etwas, was er seinen Mitgliedern verbietet. Wie nennt man ein solches Verhalten? – Doppelmoral? Wenn ich mich recht entsinne, wurde sogar vom DBV noch hervorgehoben, dass der Amateurverband Timm gerade aufgrund seiner Profierfahrung zu seinem Hoffnungsträger kürte. Dabei hat er in seiner Zeit als Profitrainer, keinen Boxer komplett aufgebaut, womit ich natürlich nicht die fachlichen Qualitäten von Timm in Frage stellen möchte.
Es scheint mir aber schon berechtigt sich zu fragen, mit welchem moralischen Recht Jürgen Kyas seinen Trainern eigentlich eine Tätigkeit verbietet, nämlich das Sekundieren auf Profiveranstaltungen, die der DBV nicht selber veranstaltet. Wobei wir an der moralischen Integrität von Kyas natürlich nicht zweifeln können. Schließlich haben angeblich die Delegierten vom 51. DBV Kongress in Worms für ihn (einstimmig?) eine Ehrenerklärung abgegeben. Ihm war diese Ehrenerklärung ja selbst auch so wichtig, dass er die Nachricht in einer Pressemeldung verbreiten ließ. Daher nenne ich ihn bekanntlich auch ehrfurchtsvoll Ehrenerklärungs-Kyas.
Sektenführer sind autoritär und haben die Angewohnheit die Regeln die sie ihren Mitgliedern auferlegen nicht selber einzuhalten. Dementsprechend könnte man schon das Verhalten von Ehrenerklärungs-Kyas in einer solchen Traditionslinie sehen.
© Uwe Betker