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Quo vadis Sauerland Event? (2)

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Der berliner Veranstalter von Profiboxveranstaltungen Sauerland Event ist wohl in ein gefährliches Fahrwasser gekommen. Weltmeister behalten ihre Titel unter dubiosen Umständen. Der Veranstalter sitzt den Unmut der Zuschauer aus, wohl hoffend, dass sich der Zorn verflüchtigt und ihre so noch einmal davon gekommenen Weltmeister gegen schwächere Gegner besser aussehen. Offensichtlich sind sie ängstlich darauf bedacht, keinem Gegner, der durch eine umstrittene Punktentscheidung verlor, einen Rückkampf zu gewähren. Zu groß ist ist wohl konkret nun ihre Angst, ihre beiden technisch doch eher limitierten Weltmeister, Muamer Hukic alias Marco Huck und Sebastian Sylvester, zu verlieren. Immerhin sind sie ja Weltmeister und damit Hauptkämpfer. Dem Profit wird hier wohl die Glaubwürdigkeit geopfert.
Um Glaubwürdigkeit geht es in meinen Augen auch bei der Auswahl der Gegner für die freiwilligen Titelverteidigungen. Auch hier sehe ich Erosionserscheinungen. Zum einen gibt es das „Sorgenkind“ Alexander Wladimirowitsch Povetkin, den Zaghaften Zar, der zwar immer noch als möglicher Gegner von Wladimir Klitschko gehandelt wird, dem aber immer, wenn ein solcher Kampf bevorsteht, etwas dazwischen kommt. Beim ersten Mal war es eine Verletzung, die er sich in den Tiefen der russischen Wäldern zugezogen hatte und beim zweiten Mal die Bedenken sein neuer Trainer Teddy Atlas in dem Dschungel von New York. Stattdessen boxte er dann Gegner aus der fünften oder sechsten Reihe. Da gab es zuerst ein „El Monstruo“ Javier Mora (29 Kämpfe, 22 Siege, 18 durch KO, 5 Niederlagen, 1 durch KO, 1 Unentschieden), dann kam ein „African Prince“, Teke Oruh (16 Kämpfe, 14 Siege, 6 durch KO, 2 Niederlagen), und danach „Stone Man“ Nicolai Firtha (27 Kämpfe, 19 Sieg, 8 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO, 1 Unentschieden).
Povetkin hat sich unter seinem neuen Trainer wohl nicht weiter-, sondern eher zurückentwickelt, was auch Wilfried Sauerland zuletzt vor laufenden Kameras verkündete. An dieser Stelle kann man sich nun auch fragen, warum solche Aufbaukämpfe ohne Bedeutung, ohne Spannung und – was am schlimmsten ist – auch ohne Unterhaltungswert zum Teil von der ARD gezeigt werden. Mich persönlich beschleicht da schon das Gefühl, dass hier auf zweierlei Weise für die Zuschauer Potemkinsche Dörfer aufgebaut werden. Zum einen soll uns hier wohl ein Boxer, der, so wie es aussieht, vermutlich nie ein würdiger Herausforderer für einen WM-Kampf im Schwergewicht werden wird, jedenfalls nicht solange Boxer von der Klasse der Klitschkos Titelträger sind, als große russische Schwergewichtshoffnung verkauft werden. Zum anderen werden uns da offenbar schwache Aufbaugegner als starke Schwergewichtsprüfungen verkauft.
Die Qualität der Gegner von Sebastian Sylvester wird, wie mir scheint, konsequent gesenkt. Zuerst boxte er in diesem Jahr gegen einen schwachen Billy Lyell (28 Kämpfe, 21 Sieg, 4 durch KO, 7 Niederlagen, 3 durch KO). Danach kam die Geschichte mit der Korrektur des Punktzettels, gegen Roman Karmazin (05.06.2010), so dass gerade noch ein Unentschieden erreichte wurde. Hernach gab man ihm mit Mahir Oral (30.10.2010) einen Gegner, den man als Gegner nach einem schweren Kampf gerade mal so durchgehen lassen kann. Der nächste Gegner Mehdi Bouadla (24 Kämpfe, 21 Siege, 10 durch KO, 3 Niederlagen) senkt das Niveau noch einmal erheblich. Der Franzose ist lediglich die Nummer 50 der unabhängigen Weltrangliste.
Beschämend grotesk war für mich auch die letzte Kampfansetzung von der Weltmeisterin im Weltergewicht nach Version WBA, WBC und WBO Cecilia Braekhus. Sie boxte doch tatsächlich Eva Halasi, die in der unabhängigen Weltrangliste zwar auf Position 30 geführt wurde und für ihre bisherigen Kämpfe aber sage und schreibe 0 Punkte bekommen hatte, als genauso viele, wie sie auch die Letzte der Rangliste hat.
Die Kampfpaarungen wachsen sich m. E. mehr und mehr zu einem Problem aus. Mir drängt sich der Verdacht auf, Sauerland Event könnte in einen Teufelskreis gefangen sein. Ihre technisch limitierten Weltmeister Hukic und Sylvester sehen in ihren Pflichtverteidigungen schlecht aus. Sie gewinnen aber unter dubiosen Umständen. Rückkämpfe werden, weil zu gefährlich, nicht gewährt. Stattdessen werden immer unwürdigere Gegner für die freiwilligen Titelverteidigungen gefunden. Hinzu kommt bei ihrer weiblichen Weltmeisterin die Schwierigkeit, überhaupt gute Gegnerinnen zu finden, die ihrer „First Lady“ gleichzeitig aber nicht gefährlich werden können.
Die Stärke von Sauerland Event war es einmal, dass sie bei den Paarungen besser waren als Universum Box-Promotion. Das Matchmaking von Universum war „berühmt“. Wie formulierte es einst doch noch Darius Michalczewski, als er gefragt wurde, wer sein nächster Gegner sein sollte: „Irgendein Kater Carlo.“ Dem setzte Sauerland Event früher Qualität entgegen. Heute scheinen sie jedoch nur noch auf Sicherung des Erreichten zu setzen. Damit setzt sie sich aber womöglich der Gefahr aus, genau so zu enden wie der Boxstall von Klaus-Peter Kohl.
© Uwe Betker

Quo vadis Sauerland Event? (1)

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Der berliner Veranstalter von Profiboxveranstaltungen, Sauerland Event, ist wohl in ein gefährliches Fahrwasser gekommen. Bis vor kurzem gab es in Deutschland zwei große Promoter, die für das Boxen Made in Germany standen: Sauerland Event und Universum Box-Promotion. Beide hatten ein eigenes Profil und standen sich in z. T. erbitterter Rivalität gegenüber. Mit dem Verlust des TV-Vertrages beim ZDF und einem Großteil seiner Boxer scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann Universum seine Pforten schließt, zumal Universum wohl auch nicht über ein tragfähiges Alternativkonzept verfügt. Sauerland Event ist also aktuell „der“ deutsche Veranstalter.
Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen, dass diese unumschränkte Machtposition ihnen nicht gut tut. Es machte immer die Qualität des Sauerland Stalls aus, dass sie sich bemühten, besser zu sein als ihre Konkurrenz – ein Konzept, das über die Jahre auch weitestgehend aufgegangen ist. Nun aber haben sie keine Konkurrenten mehr und das, so scheint mir, ist inzwischen auch zu spüren.
Das „weihnachtliche Geschenk“ der beiden, wie ich finde, unsäglichen Punktrichter Lahcen Oumghar und Manuel Oliver Palomo, die aus einem mir unerfindlichen Grund heraus wohl zu den ganz wenigen auf der Welt gehören, die ernsthaft meinen, Muamer Hukic, genannt Marco Huck, hätte Denis Lebedev am 18.12.2010 in Berlin besiegt. Überschattet wurde dieses Fehlurteil schon im Vorfeld durch üble verbale Entgleisungen des WBO-Weltmeisters im Cruisergewicht, die von seinem Veranstalter geduldet scheinen. Das muss man wohl als Stilbruch beim Sauerland Stall ansehen.
Dieser Stilbruch scheint inzwischen ins Bild zu passen. Ich möchte an jene unwürdigen Szenen nach dem Kampf von Sebastian Sylvester und Roman Karmazin (05.06.2010) erinnern, bei denen es unlängst sogar zu Handgreiflichkeiten kam. Die nachträgliche Änderung eines Punktzettels war wohl rechtens, die dann zu dem umstrittenen Unentschieden und damit zur Titelverteidigung von Sylvester führte. Ein Punktrichter musste nachträglich die Wertung einer Runde ändern. Zunächst hatte er sie Unentschieden gewertet, was er aber seit kurzem aufgrund einer Regeländerung der IBF nicht mehr durfte. Er gab die Runde dann Sylvester, der dadurch Weltmeister der IBF im Mittelgewicht blieb. Gleichzeitig hinterlässt dieser Vorgang doch ein „Geschmäckle“.
An dieser Stelle sei noch ausdrücklich der amerikanische Punktrichter Matthew Podgorski erwähnt, bei dem man schon fast den Eindruck bekommen konnte, dass er die Punktzettel schon vor dem Kampf ausgefüllt hat. Wie sonst ist zu erklären, dass er als der vermutlich einzige Mensch auf dieser Welt Sylvester mit einem derart großen Vorsprung (117:111) siegen sah – noch ein Punktrichter, den ich nicht mehr am Ring sehen möchte.
Ich halte diese Häufung von „umstrittenen“ Punktrichter-Entscheidungen für bedenklich. Für besorgniserregend halte ich es jedoch, wie Sauerland Event damit umgeht. Anstatt einen unmittelbaren Rückkampf anzusetzen meint der Veranstalter aber offensichtlich, es aussitzen zu können. Dies gründet sich dann wohl auf die Hoffnung, Zuschauer würden schon vergessen, was passiert ist. Vielleicht hoffen sie aber auch, dass der Gegner, gegen den der eigene Mann so schlecht aussah, gegen einen anderen verliert und damit aus dem Weg ist, wie es Karmazin erging. In meinen Augen ist eine solche Haltung ein fundamentaler Fehler. Durch das Aussitzen wird nämlich nur der Eindruck erweckt oder verfestigt, dass im Boxen sowieso betrogen wird. Das kann aber doch nicht im Sinne eines Promoters sein. Sauerland sollte sich schon überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, das Risiko einzugehen, einen schwachen Weltmeister in einem Rückkampf vielleicht verlieren zu sehen, dafür aber seine Glaubwürdigkeit zu erhalten. Schließlich war genau dies – Glaubwürdigkeit – einer der Hauptunterschiede zwischen Sauerland und Universum.
© Uwe Betker